Ostbörsen im Fokus (siehe auch www.eaststock.de)

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Interview- und Termin-Hinweise

Andreas Männicke wurde zusammen mit Volker Meinel von der BNP Paribas am 29. Januar 2019 in NTV/Telebörse über Rohstoffe (Öl, Gold, u.a.) und Rohstoffaktien befragt.

Andreas Männicke wurde am 21. Janaur 2019 von Börsen Radio Networks über die neuen Chancen an den Osteuropa-Börsen befragt. Das nächste Interview mit Börsen Radio Networks wird am 4. März 2019 um 13.00 Uhr sein.

Das nächste TV-Intreview mit Andreas Männicke ist am 30.1.19 in NTV/Telebörse

Andreas Männicke wurde am 5. November 2018 von Börsen Radio Network über die neuen Chancen in Osteuropa befragt.

Das nächste Radio-Interview von Andreas Männicke ist am 21. Januar 2019 in Börsen Radio Networks.

Andreas Männicke wurde am 14. September 2018 von Michael Mross in MMnews über Russland, den Rubel und das Verhätnis Russland zum Westen anläßlich der Rede des russischen Außenminsters Sergej Lawrow im Hotel Adlon in Berlin befragt.

Ab Oktober 2013 können Sie unter Eingabe von "EastStockTV" bei www.youtube.de die aktuellen Kommentare von Andreas Männicke zu den Aussichten an den Welt- und Ostbörsen kostenlos abrufen. Abonnieren Sie einfach den Kanal bei www.youtube.de.

Ab Mai 2014 können mit Herrn Männicke über www.go.guidants.com auch interaktiv in Kontakt treten und Fragen zu den Ostbörsen stellen.

Verpassen Sie die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen Sie jetzt den monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Ein Probe-Abo (3 Ausgaben kosten nur 15 €). Die beiden Muster-Depots erzielten seit Februar 2009 eine Performance von über 320% im Muster-Depot 1 (konservativer Osteuropa-Basket) bzw. über 350% im Muster-Depot 2 (spekulativer Osteuropa-Basket, das sind über 40% p.a. seit 2009. In den neuen Muster-Depots ab 2015 wude eine Performance von über 130% bzw über 80% erzielt. Das neue "goldige" Muster-Depot erreichte immerhin ein Plus von 66% ab 2016.

Zudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • Emotionen kochen hoch – alles verkaufen?

    Sonntag, 07. Dezember 2008 15:20:00

    Der Berliner Börsentag war am 6. Dezember eines der letzten “öffentlichen Stimmungsbarometer“ in Deutschland in diesem Jahr und insofern von Bedeutung. Ich selbst habe dort einen Vortrag über das Thema „Jahrhundertkrise = Jahrhundertchance – auch für Russland?“ gehalten. Der Raum war relativ gut gefüllt, was zeigt, dass das Interesse für die Aktien (auch aus Osteuropa) noch nicht (ganz) gestorben ist. Während ich im Krisenjahr 1998 noch wagemutig ein Ausrufungszeichen hinter das gleiche Thema gemacht habe, also in der Tat damals nach dem Kurseinbruch von 80% eine Jahrhundertchance für Anleger in Russland kommen sah, habe ich diesmal ganz bewusst die Frageform gewählt. Auch habe ich das Auditorium gefragt, wie sie die Börse a) bis Ende des Jahres und b) bis Ende 2009 einschätzten. Es gab sehr viele, die an eine Jahresendrallye glaubten, aber auch viele, die äußerst skeptisch für 2009 waren.

    Ich selbst habe meine skeptische Haltung, die ich übrigens aber auch schon Ende letzten Jahres in diversen Kolumnen und auch im EAST SOTCK TRENDS kundgetan habe, noch nicht aufgegeben, da die globalen Risiken so mannigfaltig und schwerwiegend sind, dass man unmöglich eine seriöse Prognose für das nächste Jahr machen kann. Die Kernfrage für mich ist, ob sich die Finanzmärkte im Laufe nächsten Jahres wieder normalisieren können. Jeder Anleger kann sehr gut an den anormal hohen Spreads im Anleihenbereich erkennen, dass wir es noch mit extrem anormalen Ausnahmesituationen zu tun haben. In Afrika ist ein Großteil der Bevölkerung mit Aids infiziert und der tödliche Virus wandert um den ganzen Globus; Amerika ist auch ein kranker Patient, der die Welt in Windeseile infiziert hat. Wir brauchen dringend Instrumente, die Amerika helfen – ohne Währungsreform – aus der Verschuldungsfalle zu kommen. Aber hier ist guter Rat teuer bzw. gar nicht vorhanden.

    Auf dem Papier sind osteuropäische Aktien mit einem Durchschnitts KGV08 von 6 (in Russland einem KGV von 3!) so preiswert wie noch nie. Allerdings weiß keiner, wie stark die Gewinne in 2009 einbrechen werden. Und keiner weiß, wie die Weltwirtschaft in 2010 aussehen wird. Das ist die „Black Box“. Wenn man die Zahlen vom 3. Quartal 2008 zugrundelegt, so ist eine derartig niedrige Bewertung wie wir sie jetzt vorfinden, fundamental nicht nachvollziehbar. Auch wenn man sich die Situation bei der Bevölkerung in Russland und anderen osteuropäischen Ländern ansieht, so ist dort die Mega-Krise offensichtlich noch nicht erkennbar angekommen, wohl aber bei einigen Oligarchen, die sich zu stark fremdfinanziert haben. Die russischen Oligarchen haben in diesem Jahr 230 Mrd. USD verloren, denn die Moskauer Börse ist über 70% gefallen und die Mehrheit der Aktien gehören dem Oligarchen und dem Staat. Die Bevölkerung ist nur mit 1% an Aktien beteiligt und hat daher den Crash an der Börse gar nicht so richtig mitbekommen. In den russischen Medien wird auch weit weniger über die Finanzkrise berichtet als in hiesigen Medien. Putin hat der Bevölkerung versprochen, dass es keine Rubelkrise wie 1998 geben wird. Er macht die USA für die globale Finanzkrise verantwortlich, gesteht aber erstmals ei, dass sich auch Russland in einer Finanzkrise befindet. Bei einer Normalisierung der Spreads im Anleihenbereich und einer Normalisierung der internationalen Geldkreisläufe, wären osteuropäische Aktien, allen voran russische Aktien, jetzt ein „strong buy“.

    Es gibt aber noch so viel Mega-Risiken im Markt, die noch nicht abgearbeitet und auch noch nicht eingepreist sind und das sind solche Themen, wie Deflation bei Stagnation (ist viel schlimmer als moderate Inflation), solche Themen wie Depression (also Massenarbeitslosigkeit bei Industrieländern), wie Überschuldung des Staates und Misstrauen bei Staatsanleihen (Kalifornien ist schon Pleite, viele Kommunen in den USA werden noch Pleite gehen, wann ist die USA Pleite?), wie Defaultgefahren bei Anleihen von General Motors, wie Währungsturbulenzen bis zur Frage , die man auch hier im TV nicht öffentlich stelle darf: kommt es zu einer Währungsreform? Noch sind das alles diese Horrorszenarien Hirngespinste und nicht Realität.

    Auch haben wir noch keine – und das möchte ich betonen - globale Wirtschaftskrise, auch wenn die Auftrageingänge dramatisch zurückgegangen sind, aber sie kann im nächsten Jahr kommen. Ich erinnere nur an den oft zitierten Index für Frachtraten, der im Keller ist. Es hat den Anschein, dass in vielen Bereichen die Wirtschaft von 100 auf Null in Windeseile zum Stillstand kommt. Aber kommt sie das wirklich? Stehen alle Maschinen schon still? Viele Sektoren habe aufgrund des Wirtschaftsaufschwung Überkapazitäten aufgebaut; diese werden jetzt heruntergefahren, was auch zu Entlassungen führt. Das ist ein normaler Vorgang in unserem System. Auch Pleiten von Unternehmen, die am Markt vorbeiproduzieren (wie die US-Automobilindustrie) und dafür bestraft werden, ist ein normaler Vorgang der Marktwirtschaft. Leidtragenden sind dabei wiederum auch arbeitende Menschen, die nichts dafür können. Dafür hatten wir auch weltweit drei sehr gute Jahre – auch an der Börse - , wo sehr viel Speck angesammelt wurde. Noch jammern wir also alle auf relativ hohem Niveau. Die Zinssenkung der EZB um 75 Basispunkte auf 2,5%, die viel zu spät kommt, und auch die Billionen-Konjunktur-Programme zeigen aber an, dass die Währungsexperten und die maßgeblichen Politiker Angst vor der Zukunft haben.

    Jede dieser Maßnahmen, die jetzt beschlossen wird, hat aber Wirkungen und Nebenwirkungen, die sich erst in der Zukunft zeigen so wie Greenspan jetzt als Prügelknabe für die entstanden Blasen herhalten muss. Dabei sind alle Menschen, die kaufen, an der Blase beteiligt bzw. sie lassen sich auf Prozesse ein, die in Gang gesetzt wurden und dann seien Lauf nimmt. So sind schon lange Prozesse im Gang, die jetzt ihren Lauf nehmen. Die Aufklärung hierüber ist immer noch viel zu gering. Was heute passiert, kommt nicht aus heiterem Himmel, sondern beruht auf Entscheidungen der Vergangenheit und (allzu) blindem Vertrauen in der Vergangenheit, dass diese Entscheidungen richtig waren und nicht rechtzeitig korrigiert wurden. Es fehlte das korrigierende Feed back bei Ratingen-Agenturen, Wissenschaftlern, „Experten“ (global expert) und bei Medien, weil sich der Mainstream und nicht die Querdenker durchgesetzt haben. Dennoch rate ich schon jetzt zum strategische „What-if-thinking“ im Sinne der Szenario-Technik, um sich auf die Zukunft auch mental besser vorzubereiten. Dazu gehören dann auch verschiedene Lösungsansätzen für das jeweilige Szenario. Daran mangelt es noch weltweit, da es eine globale Krise dieses Ausmaßes noch nie gab.

    Ich selbst befasse mich - wie Sie wissen - sehr intensiv mit diesen brennenden Themen, da sie meine und Ihre Zukunft betreffen. Ich lese u.a. schon lange sehr gern die Analysen von dem US-Ökonom Nouriel Roubini, der den Crash schon lange kommen sah und jetzt vor allem – zu recht – auf die Gefahren einer globalen Deflation – das Schreckgespenst für jeden Volkswirt – hinweist. Was mir fehlt – und ich wundere mich warum das nicht schnellstens zustande kommt, ist, dass jetzt die Finanzmarktexperten der G20 beim nächsten G20 Gipfel zusammenkommen und dann im monatlichen Rhythmus Lösungsvorschläge erarbeiten, wie die Welt gerettet werden kann bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist - erst im Brainstorming, dann aber auch als Lösungskonzept. Solange dies auch im Ansatz nicht vorliegt, haben wir es als Marktbeobachter und Markteilnehmer mit einer „Black Box“ zu tun. Und wohin uns die staatlichen Rettungsprogrammen im Billionenbereich und die Zwangs-Verstaatlichungsaktion, in den nächsten Jahren bringen werden, wissen wir auch nicht.

    Wir haben es jetzt mit einem eigenarteigen Gemisch von post-reaktiven Maunahmen der Notenbanker mit ihren Gelddruckmaschinen und den mehr vorbeugenden Maßnahmen der Politiker mit ihren Konjunkturprogrammen, die dem Steuerzahler viel Geld kosten werden, zu tun und keiner weiß wie sie wirken werden. Auch weiß keiner, welche Nebenwirkungen sie im worst case in Zukunft haben werden. Sind sie etwa die Vorboten einer Währungsreform? Wenn die Politiker weltweit nur auf Konjunkturprogramme setzten, die nicht im Grunde schon jetzt nicht finanzierbar sind, wird der einzige Ausweg früher oder später eine Währungsreform werden. Die Historiker werden diese Zeit in der wir jetzt leben, also historisch bezeichnen und sicherlich auch einige Erklärungsansätze finden. Nur das nützt uns jetzt auch herzlich wenig. Kurzum: die Systemkrise wird uns noch lange beschäftigen und die Ratlosigkeit der Experten, mit dieser Situation richtig umzugehen, dürfte noch eine ganze Zeit andauern.

    Putin verbietet den Medien, zu oft öffentlich auf die Krise hinzuweisen; insofern ist die Krise dort auch noch nicht in den Köpfen angekommen, auch wenn dort jetzt der Konsum allmählich nachlässt. Sicherlich verstärken auch die Medien die Krise, aber sie machen sie auch transparent, wenn auch die Ursachenforschung selbst unter Beteiligung des FBI diesmal auf der Strecke bleibt. Ich frage mich aber, warum die Medien schon nicht im letzten Jahr viele Themen, die jetzt „notgedrungen“ diskutiert werden, zur Sprache gebracht haben. Noch tappen also die meisten Expetern auch auf Vorstandsebene im Dunkeln bzw. stochern im Nebel. Es herrscht eine gewisse Sprach- und Hilflosigkeit über das, was im Moment erst im Finanzsektor und nun in der Realwirtschaft passiert.

    Symptomatisch dafür war auch der Vortag des Öl-Serviceunternehmens C.A.T. Oil AG beim Berliner Börsentag. Es kam klar zum Ausdruck, dass die Gesellschaft sehr gut in Russland und Kasachstan mit hochmotivierten Mitarbeitern aufgestellt ist. Die CA.T. Oil AG hat in diesem Jahr viel in die Zukunft investiert, was das Nettoergebnis belastete. Dies quittierten die Anleger mit Verkäufen. Zudem trennten sich amerikanische und kanadische Hedgefonds schon frühzeitig von Small Caps im Energiesektor, worunter auch alle Öl- und Gold-Juniors in diesem Jahr besonders litten. Der Kurs brach schon im letzten Jahr, in diesem Jahr aber noch dramatischer um über 90% ausgehend vom Hoch von 25 auf unter 2 € ein, obwohl Umsätze und EBITDA ansteigen.

    Nur ist auch ein solches Unternehmen – wie alle auf der Welt, abhängig von Folgeaufträgen. Es ist und bleibt in der Tat beängstigend, wie stark und abrupt sich die Auftrageslage in fast allen Branchen seit Oktober/November 2008 rund um den Globus verschlechtert hat. Die Aufträge im Ölservice-Sektor werden jetzt für das nächste Jahr in Russland ausgeschrieben. C.A.T Oil mit Sitz in Wien steht damit u.a in Konkurrenz zu Schlumberger und ist durchaus konkurrenzfähig, wobei Gazprom vor kurzem eine „strategische Partnerschaft“ mit Schlumberger im Technologiebereich angekündigt hat. Man darf gespannt sein, wie sich die Auftragslage der Öl-Serviceunternehmen jetzt und im nächsten Jahr auch in diesem Sektor bei einem dramatisch fallenden Ölpreis sich gestaltet. Der Ölpreis befindet sich weiterhin im freien Fall. Nach den neuen Analysen von Merrill Lynch könnte der Ölpreis im nächsten Jahr sogar auf 25 USD/Barrel fallen, falls es eine scharfe Rezession gibt. Dann hat Russland sicherlich ein großes Problem, weil dann neu Ölfelder nicht exploriert werden. Auf der anderen Seiet verbessern sich die Handelsbilanzen für viele osteuropäische Länder und auch der USA, wenn der Ölpreis auf 25 USD/Barrel fallen sollte.

    Das Hauptproblem sehe ich aber in den wirtschaftlichen Niedergang in den USA und der zu hohen Verschuldung in den USA. Nachgeliefert wurde, dass sich die USA schon seit einem Jahr in einer Rezession befinden, womit alle Zahlen zuvor (absichtlich?) geschönt waren, was mich nicht überrascht hat. Auch die grottenschlechten Arbeitslosezahlen am Freitag haben mich nicht überrascht. Im Gegenteil: ich erwarte eine Arbeitslosenquote von über 10% in den USA im nächsten Jahr und ich erwarte auch noch eine Kreditkartenkrise. Ich rechne damit, dass Ford, Chrysler und General Motors zunächst 34 Mrd. USD – mit Auflagen versehen – bis Jahresende als Soforthilfe bekommen werden, denn sonst hätten wir sehr schnell den Super-Gau in der Realwirtschaft – und einen Crash an den Weltbösen obendrein. Sie werden aber so oder so Mitarbeiter entlassen müssen.

    Ich meine daher, dass der Anleger aufgrund der hohen Unsicherheiten weiterhin eine hohe Cashquote von 70% behalten sollte, aber mit 10-30% auch selektiv traden sollte, um zum Beispiel die Chancen einer Jahresendrallye mitzunehmen. Auch dies geht aber nicht ohne Stopp-loss-Marken. Ich habe in meinem Vortrag betont und betone das auch hier, dass, wenn der Dow Jones Index nachhaltig unter 8000 (noch schlimmer 7500) Indexpunkte geht, die Anleger dann auch rigoros nicht nur deutsche, sondern auch osteuropäische Aktien verkaufen sollten.

    Ich gehe nicht so wie weit wie der auch durch N-TV bekannte Börsenkommentator Herman Kutzer (Kutzer Corner) , der bei seinem Vortrag beim Berliner Börsentag wie schon zuvor dazu rät, alle Aktien schon jetzt zu verkaufen und das Geld auszugeben, um den Konsum anzukurbeln oder einer Stiftung zu vermachen. Wir brauchen auch in Zukunft Aktionäre, ja wir brauchen sogar spekulativ eingestellte Aktionäre, denn ohne Eigenkapital (auch der Aktionäre) funktioniert keine Wirtschaft der Welt. Im Gegenteil: wenn jetzt der Deleveraging-Prozess erst beginnt, muss es auch wieder einen (Re-) Kapitalisierungsprozess – nicht nur bei Banken - auch über neue Anleger geben, sprich: es muss auch in Zukunft Kapitalerhöhungen, IPOs und eigenfinanziertes Private Equity geben, um auch in Zukunft Innovationen und Zukunfts-Investitionen nicht nur im Infrastrukturbereich finanzieren zu können. Denn sonst wären der Kapitalismus in der Tat am Ende und jegliche Aktienkultur auch!

    Sicherlich sind Ethikdiskussionen – auch um Managementgehälter - sinnvoll und richtig. Sie sind nicht Fehl am Platze, sondern könnte sogar einen Paradigmawechsel in der Finanzwelt einleiten. Was sich die Vorstände von Lehman Brothers und AIG (u.a) geleistet haben, macht Anleger zu Recht wütend. Die von Frank Meyer (NTV) moderierte„ Generaldebatte“ bei der Hauptdiskussionsrunde beim Berliner Börsentag über das Thema „Rezession und Bankenpleiten – wie sicher ist mein Geld“ zeigte aber auch, dass das Thema „Angemessenheit von Managergehältern“ jetzt zu viel Gewicht bekommen. Die Emotionen kochten zum Schluss hoch und es kam zum Teil sogar zu Beleidigungen, wobei diesmal die Diskussionsteilnehmer Klaus Martini (Private Wealth Management, Deutsche Bank AG ) und Michael Schubert (Direktor Capital Markets, Landesbank Berlin) als „Prügelknaben“ in der lebhaft geführten Diskussionsrunde herhalten mussten. Dies ist sicherlich auch Ausdruck der verzweifelten Anleger, die einen so hohen Kursverlust wie in diesem Jahr noch nie zu verkraften hatten - auch nicht in den Baissejahren 2000 bis 2003. Dabei hat es jeder Anleger grundsätzlich wesentlich einfacher als ein Fondsmanager oder Vermögensverwalter, da diese – auch oft aufgrund interner Reglementierungen – ganz selten zu 100% in Cash gehen. Der Privatanleger kann das aber und er kann dass auch für eine ganze Weile bleiben. Dies wäre allerdings bei allzu langer Abstinenz schädlich für die Aktienkultur, die eine sehr zarte Pflanze gerade in Deutschland ist. Das Prinzip der Selbst- und Eigenverantwortung ist bei Aktionären offensichtlich immer noch wenig ausgeprägt.

    Es kann gut sein, dass die Haupotversammlungen im nächsten Jahr auch überwiegend von Emotionen getragen werden und hochdotierte Bankmanager – oder auch alle hochdotierten Manager – an den Pranger kommen. Sicherlich wird Wendelin Wiedeking auch im nächsten Jahr nicht dazu gehören, denn Porsche erzielte im letzten Jahr mit VW einen Gewinn mit VW von 3,7 Mrd. € bei einem operativen Gewinn von 0,7 Mio. €. In diesem Jahr wird das Finanzergebnis durch VW wahrscheinlich auf 6,8 Mrd. € bei einem operativen Gewinn von 1 Mrd. deutlich gesteigert, was aber auch bei Porsche der Kursverfall nicht aufhalten könnte. Dem Porsche Finanz-Vorstand gebührt Anerkennung für den wohl weltweit besten Deal des Jahres mit VW-Optionen nur hat das leider wenig mit dem operativen Geschäft zu tun.. Möglichweise droht dennoch eine Klage der Hedgefonds, die Short waren und Milliarden verloren. Auch das ist Marktwirtschaft: des einen Freud ist des anderen Leid. Die Börse kam mit dieser Situation auch nicht klar, denn VW wurde ein Tag bei 1000 € zum marktschwersten Titel der Welt, was grotesk ist.

    Wiedeking war und bleibt der bestbezahlte deutsche Manager mit einem Jahresgehalt von über 100 Mio. € aufgrund der hohen Optionen – ganz nach dem amerikanischen Vorbild. Wie wir wissen sind das aber ganz normale Gehälter bei den Ex-US-Investmentbanken, die ihr Unternehmen in den Ruin führten. Wenn sich aber jeder Aktionär ehrlich befragt und in den Spiegel schaut, sollte er sich die Frage beantworten, ob er selbst hohe Managergehälter ablehnen würde, wenn sie ihm angeboten werden und sie auch mit hohen Gewinnen der Gesellschaft abhängen. Problematischer wird es schon, wenn bei hohen Verlusten bis zu Konkursgefahren noch hohe Boni ausbezahlt werden. Die sollte demnächst von den Aufsichtsräten unterbunden werden, denn die machen die Verträge mit den Vorständen. Wir werden sicherlich im nächsten Jahr öfters in eine „Systemdiskussion“ kommen, wo neben Zitaten von Karl Marx auch Managergehälter eine Rolle spielen. Dies hat auch seine Berechtigung und ist gerade in dieser Zeit nicht Fehl am Platze, sondern schlichtweg „angesagt“. Nur damit kann man die gegenwärtigen globalen Finanzprobleme auch nicht aus der Welt schaffen. Auch der in Aussicht gestellte „1 USD-.Job“ beim Vorstand von Ford ist nur ein Symbol, das er gerne gegen kann, wenn er vorher 40 Mio. USD verdient hat.

    Wichtiger aber wäre, wie die komplexen Probleme jetzt zu lösen sind, welche Folge- und Nebenwirkungen die gegenwärtigen Maßnahmen haben werden, denn davon hängen Arbeitsplätze und Schicksale von Millionen von Menschen im nächsten Jahr ab. Ganz nachrangig hängen davon auch die Aktiekurse der Zukunft ab. Mehr Solidarität nicht nur in den Managementetagen, sondern auch bei den Aktionären, wäre einen Schritt in die richtige Richtung. Von Experten wird immer verlangt, dass sie entweder die Glaskugel haben oder perfekte Lösungen für die Probleme der Gegenwart und Zukunft habe.

    In meinen 25-jährigen Analysen der Kapitalmärkte nicht nur in Osteuropa habe ich noch nie eine derartige Ratlosigkeit bei Expetern und Top-Manager erlebt. Auch habe ich noch nie erlebt, dass die wirtschaftlichen Beziehungen im In-und Ausland so dramatisch schnell und so global verschlechtert haben. Es kann aber auch gut sein, das das gegenwärtige Stimmungsbild in den Köpfen von Entscheidern gegenwärtig weit schlechter ist, als die tatsächliche wirtschaftliche Entewicklung. Soll heißen, dass auch hier die Psychologie , also die Angst vor der Zukunft, überbetont wird, was erst zu dem Schockzustand, in dem sich die Wirtschaft in einigen Branchen im Moment befindet, herbeiführt bzw. verlängert.

    Ob nun die richtige Antwort darauf ist, jetzt Konsumgutscheine anzubieten oder Steuersenkungen durchzuführen, sei mal dahingestellt. Die Bürger könnten auch ohne Konsumgutscheine mehr konsumieren und ich glaube sogar, daran, dass das Weihnachtsgeschäft gar nicht so schlecht sein wird. In der Sendung „Herz für Kinder“ wurde am Sonnabend im ZDF mit 15 Mio. € - soviel gespendet wie noch nie. Warum sollte dann nicht auch Geld für den Konsum vorhanden sein, zumindest in Deutschland mit den geringsten Arbeitslosenzahlen der letzten 5 Jahre? Obama will nun mit einem Mega-Infrastruktur-Investitionsprogramm vor allem für Schulen und Krankenhäuser die Krise in den Griff bekommen und damit über 2 Mio. Arbeitsplätze schaffen. Auch ob dieses ausreicht, steht in den Sternen. Ich wage es, zu bezweifeln. Das Konjunkturprogramm in Deutschland ist noch sehr zögerlich, aber zu viele staatliche Interventionen bedeutet auch mehr Verschuldung, womit sich die Katze wieder in den Schwanz beist.

    Anleger sollte auch weiter jetzt vor allem die Markttechnik beachten. Am Freitag konnte das Unterschreiten der 8000-er Marke beim Dow Jones trotzt sehr schlechter US-Arbeitslosenzahlen knapp verhindert werden. 553.000 Arbeitslose bedeutet eine Arbeitslosenquote von 6,7%. Aus einem Minus wurde am Freitag überraschend sogar ein Plus von 3,09% beim Dow Jones Der Dow Jones konnte sich damit wieder um 259 auf über 8635 in die Beruhigungszone retten, was ich (auch) auf das „Plunge Protection Team“ zurückführe, das bei neuralgischen Punkten immer über S&P-Future in den Markt eingreift, um einen Crash zu verhindern. Daher haben wir bisher auch „nur“ einen Salami-Crash in den USA. Bei Unterschreiten von 8000 beim Dow Jones und 4000 beim DAX könnte aber eine weitere Tsunami-Welle auf uns zu kommen und dann rette sich, wer kann. Dies wird jetzt ganz davon abhängen on General Motors, Chrysler und Ford in den nächsten Tagen die geforderten 34 Mrd. USD bekommen oder nicht. Im Grunde sind Chrysler und General Motors faktisch schon jetzt Pleite. Nur merkt das der Markt noch nicht. Er merkt es erst, wenn General Motors wie Lehman Brothers Chapter 11 anmelden muss. In diesem Fall würde auch das Obama-Programm wohl nicht viel nützen, denn dann würden die Arbeitslosenzahlen schon jetzt dramatisch ansteigen.

    Hält aber die 8000-er Marke beim Dow und bekommen die maroden US-Automobilkonzerne noch einmal Geld vom Staat (=vom Steuerzahler) nachgeschmissen, kann es zu einer – wenig versöhnlichen - Jahresendrallye innerhalb eines intakten Bärmarktes – auch an den Ostbörsen - kommen. Trader können darauf setzen, sollten die aber nicht ohne Sicherheitsnetz (=Stopp loss-Marken) machen. Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    Hinweis: Andreas Männicke hat in der aktuellen Ausgabe vom Derivate-Magazins (www.derivate-mag.de) einen langen Artikel (auf S. 38-45) über die möglichen Schnäppchen in Osteuropa verfasst. Die Printausgabe Oktober- Dezember 2008 ist jetzt am Kiosk erhältlich

  • Jahresendrallye trotz Horrorzahlen?

    Samstag, 29. November 2008 19:47:00

    Die vergangene Woche war für Trader ähnlich gewinnträchtig wie die letzte Oktoberwoche. Der Dow Jones stieg am Freitag um 1,17% auf 8.829 Indexpunkte und der DAX behauptete sich bei 4669 Indexpunkten. Damit konnten sich beide Indices von den neuralgischen Zonen (Dow Jone 8000 und DAX 4000 Indexpunkte) wieder deutlich erhöhen. Auch die Terroranschläge in Bombay und die Turbulenzen und Unruhen am Bangkoker Flughafen konnten die Kursrallye nicht aufhalten. Sogar die Pleite von Woolworth hatte am Freitag keine negativen Auswirkungen. Zu einer positiven Stimmung kam es durch das neue US-Rettungsprogramm der FED und der US-Regierung. Zudem werden weitere Zinssenkungen seitens der FED und EZB im Dezember erwartet.

    Besonders stark waren Kursgewinne an der Moskauer Börse seit dem 21. November bis 27. November. Vom 21. bis 25. November explodierten die Kurse an der Moskauer Börse ähnlich stark wir in der Zeit vom 29. Oktober bis 4. November. Der RTS konnte vom 21. November bis 25. November um 23% von 560 auf 690 Indexpunkte zulegen und vom 29. Oktober bis 4. November sogar um 30% von 640 auf 830 Indexpunkte. So gibt es auch in intakten Bärmärkten auch immer wieder sehr gute Tradingchancen, die bei einzelnen Aktien sogar 50-100% in wenigen Tagen ausmachen. So konnte sich der Kurs von Gazprom um 37% von 10 auf 13,7 € in den letzten Tagen verbessern. Die Kurse von dem Düngemittelunternehmen Uralkali und dem Stahlwert Evraz Group konnten sich sogar letzte Woche verdoppeln. Der Kurs des Stahlröhrenherstellers TMK stieg am Freitag um 114 % auf 3,8 €. Allerdings waren die Kursverluste in den Tagen zuvor im November bei diesen Werten auch besonders stark. Die russischen Stahlkonzerne werden die Produktion drastisch vermindern müssen. Zudem kommt es auch zu erheblichen Zahlungsrückständen bei den Hauptkunden im Automobilsektor und der Eisenbahn. Am 28. November konsolidierte der RTS-Index wieder um 2,37% auf 658 Indexpunkte. Nur Konsum- und Telekomwerte konnten sich behaupten.

    In den letzten 3 Monaten flossen fast 150 Mrd. USD aus Russland heraus, was den Rubel stark unter Druck brachte. Die russische Notenbank gab alleine im Oktober etwa 100 Mrd. USD zu Stützungskäufen des Rubels aus, was die Währungsreserven stark auf 480 Mrd. USD verminderten. Damit hat Russland aber immer noch die dritthöchsten Währungsreserven der Welt. Demnächst will die Notenbank aber nicht mehr so stark intervenieren, sondern den Rubel leicht abwerten lassen. Seit dem Hoch im Juni verlor der Rubel schon fast 20% an Wert. Der russische Broker Troika Dialog rechnet auch mit Währungsverlusten von bis zu 25% im nächsten Jahr aufgrund eines schwachen Rubels. Die Rubelschwäche wurde verschärft durch den auf 50 USD/Barrel gefallenen Ölpreis. 50 USD/Barrel dürfte auch die Schmerzgrenze sein, denn sonst wird der Haushalt im nächsten Jahr defizitär.

    Um das Welt-Finanzsystem zu stabilisieren, schlägt der russische Außenminister Sergej Lawrow nun vor, beim nächsten G20 Gipfel am 2. April auch regionale Reservewährungen und neue Verrechnungseinheiten außer den Dollar einzuführen. So will Russland für die Verrechnung des Handels mit Lateinamerika den „Sucre“ einführen, wo auch der Rubel mit einem gewissen Gewicht mitvertreten ist. Mit Weißrussland soll der Rubel als Verrechnungseinheit durchgesetzt werden. Zudem soll ein Einheitlicher Wirtschaftsraum und eine Freihandelzone mit den Ländern Ukraine, Kasachstan, Weißrussland und Russland vereinbart werden. Dieses soll alles helfen, die globale Krise zu vermindern und den Warenverkehr in bestimmten Regionen unabhängig von Dollarschwankungen zu machen. In jedem Fall will Russland jetzt seine Handelsbeziehungen nach Lateinamerika ausweiten. Schon zuvor wuchs der Außenhandel Russlands mit Lateinamerika um 25% im Jahr auf nunmehr 15 Mrd. USD. Einer der Kernländer mit umfangreichen Wirtschaftskooperationen ist dabei Venezuela mit dem sogar ein gemeinsames Manöver und umfangreiche Waffenlieferungen vereinbart wurde.

    Neben der globalen Finanzmarktkrise und des schwachen Rubels verunsicherten die ausländischen Anleger in Moskau auch das Vorgehen des Kremls gegen einige Rohstoffunternehmen wie beim Stahlwert Mechel im Juni und zuletzt beim Düngemittelhersteller Uralkali. Die westlichen Anleger befürchteten schon einen zweiten Yukos-Fall und ließen die Aktien ins Bodenlose fallen. Bei Uralkali sollen hohe Schadensersatzforderungen wegen der Überflutung einer Mine eingeklagt werden, obwohl der Vorfall schon 2 Jahre her ist. Die Aktienkurse beider Gesellschaften brachen um über 50% an einem Tag ein als die Behörden eingriffen und zogen auch den Gesamtmarkt mit nach unten. Mit einem Minus von 47% im Oktober und über 70% seit Jahresbeginn ist die Moskauer Börse einer der Top-Verlierer in einem ohnehin trüben Umfeld. Seit dem Georgienkrieg im August sind russische Aktien aber für westliche Portfolio-Investoren ohnehin „out“. Dabei war bis Mai die Moskauer Börse mit einem Plus von 5% noch einer der Top-Gewinner der Weltbörsen. Aber gerade in den Monaten September/Oktober hat sich die Welt grundlegend verändert, denn seit September gibt es weltweit eine bis dahin unvergleichbare Systemkrise, die nur schwer in den Griff zu bekommen ist. Auch Russland versucht seitens der Notenbanken und der Regeierung mit enormen Liquiditäts- und Finanzspritzen gegenzusteuern, wobei Russland die hohen Währungsreserven und auch der zuvor gebildete Stabilisierungsfonds jetzt zugute kommen.

    Es bestehen gute Chance, dass sich die Kursrallye der letzten Woche trotz weiter schlechter Zahlen und Horrormeldungen im Dezember fortsetzt, so dass die Jahresendrallye vorgezogen wird. Dafür dürfen sch die Terrorgefahren à la Bombay aber nicht in die Nähe der Wall Street ausweiten und es darf keinen Iran-Krieg geben. Bei den Banken erwarte ich weiter Horrorzahlen und Gewinnwarnungen für das 4Q08. In den USA ging schon die 22. Bank Pleite, was zeigt, dass der US-Rettungsschirm nicht alle Banken retten kann. Vom Staat künstlich gestützt werden nur die Großbanken mit systemischen Risiken.

    Die Bayerische Landesbank wird nun mit einem Rettungsprogramm im Volumen von 30 Mrd. € von der Bayerischen Regierung gerettet. Der Staat wird demnächst dort das Sagen haben ebenso wie in den USA bei der Citibank, die mit einer Kapitalspritze des Staates von 20 Mrd. USD und einer Bürgschaft im Volumen von 300 Mrd. USD nur knapp dem Untergang entgegen konnte. Eine Pleite der Citibank hätte einen neuen Crash an den Weltbörsen ausgelöst, da die Citibank eien Bilanzsumme von 1 Billion USD hat und zudem ein Volumen von 37 Billionen USD(!) an Kreditderivaten abzuwickeln hat. Nach der Subprimekrise kommt nun die Kreditkartenkrise, die zu weiteren Abschreibungen in Mrd-Höhe führen wird. Zudem hängt UBS weiterhin am seidenen Faden. General Motors kann angeblich nur durch einen weiteren 25 Mrd. USD-Kredit des Staates von der Pleite gerettet werden. Der amerikanische Kongress lehnte zunächst die Kreditanfrage ab und will nun bis zum 2. Dezember einen Plan von General Motors, Chrysler und Ford vorgelegt haben, der plausibel macht, dass die US-Automobilindustrie eine Zukunft hat. Eine weitere Ablehnung würde die Weltbörsen wieder stark nach unten ziehen. Am Donnerstag stieg der Kurs von General Motors aber um 35%, weil die Anleger wohl diesmal eine Zustimmung des US-Kongresses zum erweiterten Kreditprogramm für die marode US-Automobilindustrie erwarten. Der Kurs von General Motors verdoppelte sich letzte Woche von 2,08 auf 4,1 € und damit die Marktkapitalisierung von 1,2 auf 2,3 Mrd. €.

    Auch eine Pleite von General Motors (GM) würde einen Crash an den Weltbörsen auslösen, denn GM hat Schulden im Volumen von 600 Mrd. USD. Im Jahr 1995 reichten 25 Mrd. USD, aus, um Mexiko vor der Pleite zu retten, was damals die Weltbörsen zum Beben brachte. Jetzt reichen schon 25 Mrd. € nicht mehr aus, um eine deutsche Landesbank vor der Insolvenz zu bewahren. Die Größenordnungen sind gewaltig gestiegen und kaum vorstellbar, aber real. Um die US-Verschuldung zu bändigen, bedarf es radikaler Maßnahmen. Die weltweiten Rettungsprogramme liegen schon bei 3 Billionen €. Amerika will im Ernstfall über 6 Billionen USD mobilisieren, um letztendlich ein „1929“ und auch eine tiefe Rezession zu verhindern. Die Summen sind jetzt so groß, dass, falls die Programme fehlschlagen und die „Pferde nicht saufen“, früher oder später nur eine Währungsreform oder eine Hyper-Inflation den Schuldenberg tilgen kann. Beides wäre ein gewaltiger Schock für den Anleger.

    Es dürfte jedem klar sein, dass fast alle westlichen Industrieländer im 4Q08 und auch im 1Q09 in eine schwere Rezession kommen. Entscheidend wird es dann aber sein, wie lange die Krise anhält. Ludwig Erhard hat damals schon gesagt, dass 40% der Wirtschaft Psychologie ausmacht. Jetzt gehören alle Banker und Industriemanager auf die Psychologencouch und die Anleger können sich gleich dazugesellen. Keiner traut dem anderen mehr. Die Angst vor der schlechten Zukunft führt zu Konsumverzicht, Produktionsstopps, Betriebsstilllegungen, Zahlungsverzögerungen, Zahlungsengpässe und Entlassungen.

    Ich rechne aber damit, dass das Weihnachtsgeschäft zumindest in Deutschland nicht so schlecht sein wird wie befürchtet. Zudem ist dies im Dezember die letzte Chance für deutsche Anleger, Aktien im Hinblick auf die Abgeltungssteuer zu kaufen und nach 1 Jahr steuerfrei zu verkaufen. Dies könnte in der Tat zu einer Jahresendrallye führen. Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    Hinweis: der Autor wird am 6. Dezember 2008 auf Einladung des Derivate-Magazins um 11.15 Uhr einen Vortrag im „Kleinen Vortragssaal“ in Berlin beim Berliner Börsentag (Fasanenstr. 65, 10623 Berlin) über das Thema „Jahrhundertkrise = Jahrhundertchance auch für Russland?“ halten. In der aktuellen Ausgabe des Derivate Magazins ist auch ein ausführlicher Artikel des Autors über die neuen Chancen in Osteuropa.

  • Das dicke Ende kommt noch

    Sonntag, 23. November 2008 20:07:00

    Die Krise im US-Automobilsektor spitzt sich dramatisch zu. Die angeschlagenen und hochverschuldeten US-Automobilkonzerne General Motors (GM), Ford und Chrysler fordern vom Staat nun weitere 25 Mrd. USD, obwohl wohl auch dies wahrscheinlich nicht ausreichen wird, um ein Chapter 11 im nächsten Jahr bei GM zu vermeiden. Der US-Kongress lehnte zunächst ein weiteres Rettungsprogramm am Donnerstag ab und verlangt nun von den Vorständen bis zum 2. Dezember einen klaren Plan vorzulegen, wie die Konzerne glaubhaft aus der Krise wieder herauskommen. Dies schickte die Wall Street wieder auf Talfahrt mit einem Minus von 6%. Der Dow Jones näherte sich damit wieder dem Oktobertief und die anderen Weltbörsen folgten dem Leithammel Wall Street mal wieder blind bei allerdings dünnen Umsätzen.

    Leidtragende wären im Fall der Insolvenz von GM auch Opel in Deutschland, die nun durch eine 1 Mrd. € Bürgschaft des Staates vor dem Untergang bewahrt werden sollen. Das Angebot von Solarworld, Opel für 1 Mrd. zu kaufen und in ein „grünes Auto“ umzuwandeln, klingt gut, ist aber nicht umsetzbar. Auch BASF hat Produktionstilllegungen bei 80 Betrieben angeordnet. Damit dürfte jedem Anleger jetzt klar sein, dass die globale Finanzkrise in der Realwirtschaft angekommen ist.

    Die nächste Konsequenz eines nachlassenden Konsums und einer erhöhten Arbeitslosigkeit wird eine fulminante Kreditkartenkrise in den USA werden. Unter einem nachlassenden Konsum in den USA würden China und Japan als Exportweltmeister in die USA wiederum am meisten leiden. American Express wurde schnell zur Bank, damit sie nun auch auf die Rettungsprogramme der US-Regierung zurückgreifen können. Ich erwarte einen dramatischen Umsatz- und Produktionseinbruch im 4. Quartal 2008 und damit fortgesetzt schwache Zahlen und vor allem schwache Frühindikatoren, die die Börsen weltweit weiter in Mitleidenschaft ziehen werden.

    Dabei hatte sich die Automobilkrise schon lange angedeutet. Das große Problem ist jetzt der Abbau von Überkapazitäten, auch im Stahlsektor. Was jetzt nur helfen kann wären großangelegte Konjunkturprogramme in Infrastrukturinvestitionen und die neue „grüne Welle“. Genau dies hat der neue US-Präsident Obama auch angekündigt. Ebenso will der englische Primier Brown mit einem Konjunkturprogramm von über 15 Mrd. Pfund die Krise vermeiden. Zudem soll die Mehrwertsteuer gesenkt werden, um den Konsum anzukurbeln. Ähnliche unkonventionelle Entscheidungen empfiehlt auch der Deutsche Bank Chef-Volkswirt Norbert Walter. Die Frage ist aber, wie das bezahlbar sein soll, wenn die Steuerausfälle in 2009 zu groß werden und die Arbeitslosenquote stark ansteigt. Ungelöst ist bisher die Frage der Finanzierbarkeit der weltweiten Konjunkturprogramme. Diese wird sich auch für China stellen, die das größte Konjunkturprogramm mit nunmehr 600 Mrd. USD angekündigt haben. Dafür sollen zunächst Anleihen im Volumen von 110 Mrd. USD emittiert werden. Ebenso muss die USA das Konjunkturprogramm über Anleihen finanzieren. Wer aber wird die Anleihen in dem Volumen außer China, Japan und Saudi-Arabien kaufen?

    Auch hier hofft man, dass vor allem Gelder aus arabischen Ländern die Finanzlücken schließen können. Einige arabische Länder haben sich aber auch übernommen und müssen sich jetzt gegenseitig helfen, auch wenn das größte Feuerwerk der Welt zur Eröffnung der künstlichen „Palmeninsel“ bzw. des Hotels Atlantis in Dubai und das Stell-Dich-Ein der Multimillionäre oberflächlich ein anderes Bild ergab. Zu dem Anlass waren rund 2000 Gäste aus aller Welt geladen, denen vor dem Feuerwerk unter anderen 1,7 Tonnen Hummer, 4000 Austern, 50 Kilogramm Gänseleber, 1000 Wachteleier und 5000 Sushi serviert wurden. Hoffentlich spricht der Name „Atlantis“ nicht auch Bände, denn auch die Stadt Atlantis ging im Meer unter. Ein Ölpreis dauerhaft von unter 50 USD/Barrel wird auch einigen arabischen Ländern zu schaffen machen. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben 47 Mrd. USD Schulden und müssen davon 15 Mrd. USD im nächsten Jahr begleichen. Dies sind aber nur 10% des BSP. Das Emirat Abu Dhabi hat 90% der Öleinnahmen und muss nun dem benachbarten Emirat Dubai mit einer Finanzspritze aushelfen. Auch der Bau einiger Wolkenkratzer kommt ins Stocken. Einige reden schon vom Milliardengrab im Immobiliensektor, andere träumen wiederum immer noch von den größten Türmen der Welt, die noch gebaut werden sollen.

    Die Verschuldung ist in allen Industrieländern schon zu stark angewachsen. Im Falle einer Rezession kommen alle Verschuldungsprobleme aber an den Tag und sie werden dramatische Auswirkungen haben. Bundespräsident Köhler fordert ein neues Bretton Woods in dem Sinne, dass die besten Finanzexperten der Welt regelmäßig zusammen kommen und ein neues, stabileres Weltfinanzsystem schmieden. Bretton Woods funktionierte nach einigen Jahren aufgrund nationaler Divergenzen aber auch nicht. Einige spekulieren schon jetzt auf einen neuen Goldstandard. Iran soll angeblich 75 Mrd. USD Gold gekauft haben. Auch im US-Kongress wird diskutiert, ob die FED eine Währungsreform vorbereitet. Auch wird hinterfragt, wer die 2-3 Billionen US-Dollar, die die US-Notenbank angeblich in den Markt gepumpt hat, bekommen hat. Nach einer Phase der Deflation erwarten einige Expetern schon eine Phase der Hyperinflation in den Folgejahren. Der Goldpreis zog bisher aber nur moderat auf 799 USD/Unze an.

    Die Weltfinanz-Probleme wurden lange genug zu sehr verniedlicht. Der Auslöser einer neuen Finanzkrise könnte der Konkurs von GM werden, denn an GM hängt auch sehr viel „Psychologie“ (=Vertrauen in die Zukunft und die Verwirklichung von Träumen). Dabei könnte ein Chapter 11 von General Motors psychologisch eben solche verheerenden Folgen für die Realwirtschaft haben wie Lehman Brothers im Bankensektor, obwohl das Kerngeschäft bei GM dann weiterlaufen würde. Das Vertrauen für Zukunftsinvestitionen würde dann schnell schwinden. Das Anleihenvolumen beträgt bei GM 300 Mrd. USD und bei Ford 150 Mrd. USD. Hinzukommen noch die Pensionsansprüche. Schon jetzt sollten sich einige Versicherungen und Pensionskassen Gedanken machen, was sie mit ihren General Motors-Anleihen machen. Da gab es doch tatsächlich in diesem Jahr Vermögensverwalter und Börsenbriefe, die Harakiri spielen wollten und sich General Motors-Anleihen ins Portfolio nahmen. Sie könnten wertlos werden.

    Wenn General Motors Pleite gehen sollte, dann wäre dies der zweite große Schock für die USA, denn dann könnten 3 Mio. neue Arbeitslose mit den Zulieferbetrieben hinzukommen. Die USA haben schon jetzt über 50 Mio. Personen, die nicht krankenversichert sind. Wenn aber die Arbeitslosenzahlen steigen, nimmt auch der Konsum ab und 75% des BSP macht in den USA der Konsum aus. Ich rechne im nächsten Jahr mit einer Arbeitslosenquote von 10% in den USA und mit einem neuen Rekord-Haushaltsbilanzdefizit, aber mit einer Verbesserung des Handelsbilanzdefizits durch den auf unter 50 USD/Barrel gefallenen Ölpreis. Angela Merkel wird Recht behalten, dass 2009 ein sehr schwieriges Jahr sein wird. Aber das wissen wir schon lange. Schon die US-Geheimdienste haben schon lange angemahnt, das die USA gerade im Begriff sind, die Vormachstellung auf der Welt in vielen Bereichen einzubüssen. Andere behaupten sogar, die USA stehen vor dem Abgrund und es könne noch schlimmer werden als 1929.

    Die Besetzung der Ministerposten machte hingegen am Freitag wieder Hoffnung an der Wall Street. Hillary Clinton soll Außenministerin werden und der gegenwärtige Notenbank-Chef der New Yorker Notenbank Tomothy Geithner soll Finanzminister werden. Dies sorgte am Freitag für eine fulminante Kurserholung um 6,5% auf 8046 Indexpunkte beim Dow Jones Industrial Index, was aber auch nur als technische Reaktion der vorherigen Kursverluste interpretiert werden kann.

    Beide Posten sind für die Zukunft der USA sehr wichtig; aber ich beneide keinen jetzt um den Posten. Clinton könnte schon sehr bald in einen von Israel ausgehenden Iran-Krieg verwickelt werden Geihtner muss den US-Finanzmarkt neu ordnen und ein Rekord-Haushaltsbilanzdefizit in der Höhe von 1 Billion USD finanzieren. Dabei wird es in den nächsten Wochen weitere Hiobbotschaften geben. Mittlerweile ist die 20. Bank in den USA Pleite gegangen. Auch die Citibank hängt am seidenen Faden und sucht nach Partnern oder nach weiteren Käufern von Unternehmensteilen im Ausland. Viele Banken mit einem hohen Kreditkartenvolumen werden nun in Schwierigkeiten kommen. Selbst eine Insolvenz des größten Vermögensverwalters der Welt UBS ist in den nächsten Monaten nicht ausgeschlossen, wenn sich die Finanzkrise ausweiten sollte. Immer mehr Länder in Osteuropa kommen nun in Bedrängnis. Als nächstes Land dürfte nach Ukraine und Ungarn nun Lettland einen IWF-Kredit oder Hilfen der EU anfordern. Die lettische Parex Bank aus Riga, die auch Filialen in Berlin und Hamburg, wurde schon verstaatlicht, wobei die Parex Bank dem Einlagensicherungsfonds angehört.

    Am 22. November wurde John F Kennedy ermordet: es wäre wohl der größte Schock für die Wall Street und die USA, wenn Obama ein ähnliches Schicksal ereilen würde. Während des kostspieligen Wahlkampfes gab es schon zwei Attentat-Versuche von rechten Chaoten, die aber rechtzeitig erkannt wurden. Zudem gibt es immer noch Gerüchte, dass Israel vor Amtseinführung von Obama am 24. Januar den Iran angreift. Der Ölpreis dürfte dann wieder stark ansteigen. Im Moment ist der fallende Ölpreis aber ein Konjunkturprogramm, was von den Börsen noch gar nicht hinreichend honoriert wird. Durch den fallenden Ölpreis kommen aber vor allem russische Ölwerte unter Druck und notieren jetzt nahe den Oktobertiefs.

    Es ist nicht davon auszugehen, dass die weltweiten Mammut-Konjunkturprogramme schnell greifen werden. Erstaunlich ist in der Tat die Schnelligkeit des Konjunktureinbruchs quasi von „100 auf Null“ in vielen Sektoren in den letzten Wochen. Dabei ging es gerade der deutschen Exportwirtschaft bis Mitte 2008 noch blendend und viele mittelständische Betriebe werden Rekordergebnisse trotz Finanzkrise verbuchen können. Unternehmen wie Lufthansa profitieren auch von dem steigenden Dollar und fallendem Ölpreis. Auch Porsche wird mit dem Mega-Deal mit VW einen neuen Rekordgewinn von 7 Mrd. € einfahren, was die Börse auch noch nicht hinreichend honoriert hat. Die Finanzpolster müssten bei den meisten Unternehmen aufgrund der sehr guten letzten 3 Jahre noch recht üppig sein. Die Auftragseingänge sind aber im 4Q08 weltweit so stark gefallen, dass eine Weltwirtschaftskrise in 2009 sehr wahrscheinlich ist. Das 4. Quartal dürfte daher bei vielen Großkonzernen auch Rekordverluste bringen und im 1Q09 dürfte es nicht viel besser aussehen. Entscheidend wird es aber sein, ob dann die Konjunkturprogramme zu greifen beginnen und eine Weltwirtschaftsdepression vermieden wird.

    Nur haben die Weltbörsen auch eine Weltwirtschaftsrezession schon eingepreist, aber noch keine -depression. So kann das Börsenjahr 2009 durchaus recht gut ausfallen, wenn die Krise nicht zu stark ausfallen sollte, wie es die Börsen jetzt einpreisen. Die Durchnschnitts-KGV sind jedenfalls nach den Gewinnschätzungen für 2008 so niedrig wie schon lange nicht mehr. Für das nächste Jahr wir mit Gewinneinbrüchen von 30- 50% im Durchschnitt gerechnet. Unter Berücksichtigung von Goodwill-Abschreibungen könnten per saldo sogar Verluste entstehen wie im Jahr 2002. Noch stehen die Anleger zwischen Hoffnung auf die neuen politischen Kräfte in den USA und Angst vor einer Depression. Die Kardinalfrage ist nun, ob wir in 2009 eine Weltwirtschaftsrezession oder aber eine -depression bekommen. Die zweite Frage ist, wie lange die Krise andauern wird. Auch hier gehen die Meinungen der Experten sehr stark auseinander. Sie reichen von 1 bis 3 Jahren. Im Fall von 3 Jahren würden wir eine ähnliche Entwicklung wie in den Jahren 2000 bis 2003 bekommen, also einen 3-jährigen Bärmarkt. Auch wird es entscheidend sein, ob es zwischenzeitlich neue Kriege von Bedeutung (wie zum Beispiel mit dem Iran) oder einen „kalten Krieg“ geben wird oder nicht, die die globale Wirtschafts- und Finanzkrise wesentlich verstärken und auch in die Länge ziehen würde. Letztendlich werden wie immer die Fakten entscheiden. Die Rüstungsausgaben sind weltweit auf das Rekordniveau von 1,2 Billionen US-Dollar gestiegen. Dafür scheint es also noch genug Geld zu geben, weil die Rüstungslobbys in den USA und auch in Russland sehr stakt sind. Seit 2001 sind die Rüstungsetats wieder weltweit gestiegen, nachdem sie von 1996 bis 2001 gefallen waren.

    Im Dezember könnte sich dennoch durchaus zunächst das Hoffungsprinzip an der Börse kurzfristig durchsetzen, was zu einer Jahresendrallye führen könnte, wobei in Deutschland neben der niedrigen Bewertung die Abgeltungssteuer ein zusätzliches Kaufargument für Aktien sein könnte. Von der Markttechnik her ist es bedeutsam, dass der Dow Jones nicht unter 7600 Indexpunkte fällt, da dann sogar eine weitere Tsunami-Welle an den internationalen Finanzmärkte – und auch den Ostbörsen - droht. Beim DAX ist die magische Marke 4000, die halten muss, da sonst ein weiterer Absturz droht. Der Grund für die Fortsetzung des Salami-Crashs könnte sein, dass General Motors Chapter 11 anmelden muss oder dass Israel den Iran über Nacht angreift. Aber zunächst sollen nur die Sanktionen gegen den Iran verschärft werden. Bleiben wir also wachsam und defensiv eingestellt. Cash bleibt King, solange die 200 Tages-Linien fallen.

    Fazit: Trader werden wieder gute Reboundchancen bis Jahresende bekommen, was aber selbst im Falle einer Jahresendrallye als „Bärmarktrallye“ einzustufen ist. In der Zeit von 29. Oktober bis 4. November führte die Bärmarktrallye immerhin zu Kursverdoppelungen bei einigen Standardwerten an der Moskauer Börse und einen Anstieg des RTS-Index um über 50%. Selbst der DAX konnte in der Zeit um 32% zulegen. Nun sind wir aber schon wieder fast bei den Tiefständen angelangt und einige Blue Chips haben sie sogar schon unterboten. Der Markt ist damit technisch überverkauft. Es bleibt daher ein Eldorado für Trader und ein Vabanquespiel für Value- und Langfrist-Investoren.

    Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

  • Retten die „G20“ die Welt?

    Samstag, 15. November 2008 15:16:00

    Zum ersten Mal treffen sich die G20-Länder in Washington an diesem Wochenende, um ein neues Welt-Finanzsystem mit neuen Regeln zu beraten, um der globalen Finanzkrise Herr zu werden und um zukünftige globale Finanzkrisen zu vermeiden. Bush machte zwar schon im Vorfeld deutlich, dass er von zu viel staatlicher Regulierung nichts hält; positiv zu bewerten ist aber, dass nun auch die Entwicklungsländer mit im Boot sind, um die Welt zu retten, denn ohne sie geht es nicht. Obama blieb dem Treffen in Washington noch fern, da er erst die offizielle Amtseinführung am 20. Januar abwarten will, bevor er tätig wird. Er wird in den nächsten Tagen die Minister und die Regierung benennen. Obama setzt dabei offensichtlich auf die neue „Frauen-Power“. Ein heißer Kandidat für den Posten des Außenministers ist Hillary Clinton. Wer es auch immer sein wird; es stehen auch außenpolitisch der USA große Herausforderungen bevor wie vor allen das weiter Vorgehen bei der Iranfrage.

    Es gibt Gerüchte, wonach Israel den Iran noch vor der offiziellen Amtseinführung von Obama als US-Präsident den Iran angreifen wird, um Obama vor vollendete Tatsachen zu stellen. Hinter dem Plan stecken Seilschaften des Pentagons und dies ist sicherlich auch ein Ansinnen von dem noch amtierenden „Ruinator“ Bush. Dies würde den Weltbörsen dann den letzten Dolchstoss verpassen. Aber auch die Beziehungen zu Russland müssen verbessert werden. Denn was die Weltbörsen jetzt am wenigsten gebrauchen können, ist eine Aufrüstungsspirale aufgrund eines „Stationierungswettlaufs“ von Raketen unweit der russischen Grenze. Auch hier ist eine Politik mit Augenmass gefragt und kein neuer „kalter Krieg“. Das wichtigste für die Weltbörsen ist immer noch die „Friedensdividende“, die bei einem neuen „kalten Krieg“ gefährdet wäre. Aber auch Terroranschläge oder ein Attentat auf Obama würden die Börsen in einen Schockzustand bringen, wenn sie gelingen sollten.

    Ich empfehle Obama im Übrigen einen Saunabesuch zusammen mit Medwedew in Russland, um auf neue entspannende Gedanken zu kommen. Es ist für den Weltfrieden von großer Bedeutung, dass die Chemie zwischen den beiden Präsidenten der Großmächte stimmt und dass sie sich gegenseitig mit Respekt auf Augenhöhe begegnen. Auch wäre es wünschenswert, wenn Obama den Versuch unternimmt, Russland die strategische Partnerschaft anzubieten nach dem bewährten Motto: „If you can´t beat him join him!“ Die USA werden mit Iran/Irak, Afghanistan und vor allem dem neuen Pulverfass Pakistan (als Atommacht) genug zu tun haben. Eine Konfrontation mit Russland würde ins Leere laufen und verheerende Auswirkungen haben. Die Tage des georgischen Präsidenten Saakaschwilli dürften gezählt sein. In der Ukraine wird am 7. Dezember das Parlament neu gewählt. Ukraine und Georgien wollen schnell in die NATO, was zu zusätzlichen Spannungen mit Russland führen wird. Die USA sollten Russland jetzt die WTO-Mitgliedschaft auch NATO-Mitgliedschaft sowie eine strategische Partnerschaft anbieten. Dann kommen wir viel schneller aus der Krise heraus. Alles andere, insbesondere Protektionismus und die Betonung nationaler Interessen, würden die Krise jedoch verstärken. 1929 lässt grüssen!

    Daher gab es am Freitag einen auch einen neuen EU-Gipfel in Nizza mit Russland im Boot, um nach dem Georgienkrieg wieder den Dialog mit Russland zu eröffnen, was sicherlich der richtige Weg ist. Denn Europa braucht Russland zumindest im Energiesektor genauso stark wie umgekehrt Russland Europa benötigt. Dieser von Sarkozy koordinierte Dialog ist zwar jetzt gerade in der Not unabdingbar; Ich erwarte nicht viel als Ergebnis, da die Umsetzung der neuen Gesprächsbereitschaft erst im nächsten Jahr folgen wird.

    Die Wall Street spielt weiter „Jo-Jo“ und scheint nicht viel von den neuen G20-Treffen zu halten. Der Dow Jones brach am Freitag zunächst intraday von 8800 auf 8500 Indexpunkte ein, um sich dann wieder auf das Ausgangsniveau von 8800 Indexpunkten zu erholen. Zum Schluss gab der Dow Jones aber wieder um 3,8% auf 8497 Indexpunkte aufgrund schwacher Einzelhandelzahlen, die auf eine Rezession hindeuten, nach. Wenn der Dow Jones wieder nachhaltig unter 8000 Indexpunkte fallen sollte, droht ein neuer Absturz. In diesem Fall sollten auch alle Aktien an den Ostbörsen unter Tradinggesichtspunkten verkauft werden. Am Donnerstag konnte dieser Absturz noch einmal knapp vermieden werden. Nach einem kurzen Abtauchen unter die charttechnisch bedeutsame 8000er-Marke stieg der Dow Jones ohne wesentliche Nachrichten um über 6% auf über 8800 Indexpunkte. Hier scheint wieder das „Plunge Protection Team“ ganze Arbeit zu leisten, um die Shortseller in die Schranken zu weisen. Deratige Short-Sueezes (Eindecken von Leerverkäufen) könnten wir in den nächsten Tagen öfters erleben. Bei unter 7900 und erst recht unter 7500 Indexpunkten kommt aber wahrscheinlich eine weitere Kapitulationsphase an der Wall Street (und dann auch an den Emerging Markets), wobei ein Iran-Krieg oder die Insolvenz von General Motors der auslösende Faktor sein könnte.

    Der DAX konnte am Freitag zwar noch um 1,31% auf 4710 Indexpunkte steigen; er dürfte am Montag aber wieder nach der schlechten Wall Street-Vorgabe mit einem Gap nach unten eröffnen. Der DAX brach schon am Freitag nach einem fulminanten Start nach der schwachen Wall Street-Eröffnung von 4800 auf 4700 um 100 Indexpunkte ein. Der Kursanstieg von Continental um über 30% intraday und zum Schluss um 26% erinnert auf den VW-Fall. Der Kurs von VW dürften in den nächsten Tagen auf unter 350 € einbrechen und den DAX nach unten ziehen. Aber auch Shortseller werden im Moment abrasiert. Es bleibt also höchst turbulent an den Weltbörsen und alle Anleger befinden sich ebenso wie die Finanzmärkte in permanenten Stresstest.

    Nach dem Kurssturz um 10% wurde die Moskauer Börse am 12. November schon wieder geschlossen. Der Brent-Ölpreis fiel auf ein neues Jahrestief von 57 USD/Barrel, worunter besonders Ölwerte litten. Der Ölpreis brach schon im Oktober um 40% ein, worunter nun ganz Russland leidet. Gazprom will im nächsten Jahr auch die Gaspreise nach Europa vermindern, was die Inflation nach unten bringen dürfte. Auch LUKoil fiel auf ein neues Jahrestief von 24 €, ist aber mit einem KGV von 3 unterbewertet. Für das 4. Quartal 2008 werden aber erstmals seit Jahren wieder reale Quartalsverluste im Ölsektor erwartet, während das 3. Quartal noch positiv erwartet wird. Das Hauptproblem ist jetzt in ganz Russland – auch bei den Oligarchen – die Refinanzierung und Umstrukturierung der Anleihen. Schon bei einem Ölpreis von 70 USD/Barrel wird der Haushalt in Russland in 2009 defizitär. Zudem schwächte sich der Rubel weiter ab, was zwar die Importe verteuert, aber die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Produkte stärkt. Die staatliche VEB Bank will jetzt neben Banken auch Industrieunternehmen mit Notkrediten stützen. Die Finanzkrise ist jetzt eindeutig mit aller Wucht auch in Russland angekommen.

    Der Kurs von dem Düngemittelhersteller Uralkali fiel am 12. November sogar um 60%, auf unter 4 € nachdem eine Schadenserstaklage wegen der Überflutung einer Mine aus dem letzte Jahr neu aufgerollt wurde. Am 14. November erholte sich der Kurs schon wieder um 15% auf 5,86 € - ein Eldorado für Trader! Die Nerven der Langfrist-Anleger werden im Moment hart strapaziert. Jetzt werden neben den Oligarchen und den Banken auch einige russischen Unternehmen wie die Evraz Group mit staatlichen Krediten der VEB Bank versorgt, damit die Auslandsanleihen bedient werden können und es zu keinem Default kommt. Da nützt es auch wenig, dass die Moskauer Börse mit einem durchschnittlichen KGV von 3 die billigste der Welt.

    Auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt/M. vom 10.-12. November wurde bekanntgegeben, das nun auch erstmals Banken aus Weißrussland ein IPO im nächsten Jahr planen. Vielleicht es das , was wir brauchen: mehr Mut und Zuversicht gerade in die Krise! Mein ESI-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance - war am 12. November so gut besucht wie noch nie, so dass der ESI-Seminar-Indikator ein „strong sell“ anzeigte.

    Man kann nur hoffen, dass auf dem G20-Gipfel der Rahmen geschaffen wird, der trotz offensichtlicher Weltwirtschaftsrezession wieder mehr Vertrauen in den Markt bringt. „Geld muss fliessen“, sonst versiegt die Wirtschaft. Kalifornien gibt im Moment noch die Richtung vor: es brennt überall und die Brandursache ist unklar. Ähnlich sieht es auf den globalen Finanzmärkten aus. Man kann also nur hoffen, dass die G20 der Welt und den Weltbörsen mehr Hoffung geben. Und man kann nur hoffen, dass ich Obama und Medwedew nicht allzu sehr von der Rüstungslobby vereinnahmen lassen wie es die Vorgänger noch taten. Auch hier besteht die Chance für einen Neubeginn einer Abrüstungs- und nicht Aufrüstungsspirale, die sich keine der beiden Großmächte im Moment erlauben kann und die ins Verderben führt. Obama ist die Chance für einen Neuanfang und einem Paradigmawechsel. Die USA sind im Moment sehr verwundbar und müssen aufpassen, dass die Dinge nicht völlig aus dem Ruder laufen. Die harten Realitäten sind unangenehm, aber man muss sich ihnen stellen.

    Obama, sei daher wachsam, was der Bush-Clan jetzt bis zur Amtsübergabe am 20. Januar noch im Schilde führt - auch was die Iranfrage angeht. Und rette jetzt General Motors mit weiteren 25 Mrd. USD, da wir sonst einen zweiten „Lehmann Brothers Fall“ verkraften müssen und weit über 200.000 Arbeitsplätze dann verloren gehen. Dann sind wir schneller in einem 1929-Sezenario als uns lieb ist. In Kalifornien brennt es lichterloh, an den Weltfinanzmärkten und der Realwirtschaft auch!

    Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen. Bestellen Sie auch jetzt den kostenlosen Newsletter bei www.andreas-maennicke.de

    • Hinweise: Am 7. November wurde Andreas Männicke in der 3SATBörse um 21.30 Uhr über die Chancen in Russland nach dem Crash befragt. Das Interview kann jetzt runtergeladen werden unter www.3sat.de/boerse. Das letzte TV-Interview von Andreas Männicke über Russland war am 14. November um 11.15 Uhr in NTV/Telebörse(www.teleboerse.de) anlässlich des EU-Gipfels in Nizza. Das nächste TV-Interview mit Andreas Männicke über Russland wird am Montag, den 17.11.08 um 07.05, 11.19, 12.19, 15.49 und 17.19 Uhr in Bloomberg TV (www.bloomberg.com) ausgestrahlt.

  • Der paradoxe Obama-Effekt

    Sonntag, 09. November 2008 17:24:00

    „Yes we can“ war Obamas vielversprechender Wahlslogan, was zunächst sagen soll: „Ja wir können, den politischen Wechsel („Change“) herbeiführen. Obama muss sich jetzt aber schneller als ihm lieb den Fakten stellen und die Probleme meistern, die ihm der „Ruinator“ Bush hinerlassen hat. Mich erinnert die Obama-Euphorie vor allem bei der ahnungslosen Jugend etwas an die Euphorie in der Ukraine nach der „Orangenen Revolution“. Letztendlich entscheiden aber auch bei Obama in der Zukunft die wirtschaftlichen Fakten. In der Ukraine endeten die Träume einer bessern Zukunft nun im politischen Chaos, einer Inflation von 30% und einem faktischen Staatsbankrott, der nun nur durch den IWF-Kredit vermieden werden konnte. Gibt es hier Parallelen zu den USA? Am 7. Dezember finden in der Ukraine Parlamentswahlen statt. Wer auch immer gewinnen wird, die wirtschaftlichen Herausforderungen sind sehr groß. Die Börse Kiew verlor in diesem Jahr um 80% an Wert., was hoffentlich keine Parallele zur Wall Street sein wird

    Kann Amerika die großen Finanz- und Wirtschafts-Probleme allein lösen? Nein, sie braucht dafür die Weltgemeinschaft. Nur muss der Patient auch erkennen, dass er krank ist. Und die Weltgemeinschaft muss erkennen, dass die Krankheit (der Schuldenmacherei und des bedenkenlosen und unkontrollierte„Laissez faire“) ansteckend ist. Je länger die Krankheit Schuldenmacherei und der mangelhaften Kontrolle (=Intransparenz) nicht erkannt wird, desto schmerzhafter wird der Heilungsprozess für alle Beteiligten werden.

    Wir sitzen also alle in einem Boot und es gibt jetzt so einige „Mr. Dooms“ (=Weltuntergangspropheten) auf der Welt (nicht nur Dr. Mark Faber), die jetzt den Untergang der Titanic (USA) predigen. Dazu gehöre ich nicht. Ich gehöre zu den Realisten, die frühzeitig versuchen, auf offensichtliche Fehlentwicklungen hinzuweisen. So war ich einer der ersten die auf die Folgewirkungen des Immobilien-Bubbles in den USA hingewiesen haben und auch auf die globalen Auswirkungen Auch hielt ich einem Börsencrash für möglich, was jetzt auch Realität geworden ist. Erst jetzt wird der Ruf nach einem Frühwarnsystem des IWF laut, obwohl es dies Forderungen schon immer mach bzw. während die Weltwirtschaftskrisen gestellt werden. Auch wird es zu mehr Finanzmarktkontrollen kommen, was zu begrüßen ist, aber nicht hilft, die jetzige Krise zu meistern.

    Am nächsten Wochenende treffen sich zum ersten Mal die Industriennationen beim Weltwirtschaftsgipfel in Washington, um ein koordiniertes Rettungsprogramm für die Welt zur Vermeidung einer schweren Weltwirtschaftskrise zu besprechen. Es ist ganz klar, dass dann Konjunkturprogramme (auch für Infrastrukturinvestitionen), aber auch gegenseitige Erleichterungen und Hilfen besprochen werden. Wer aber soll das alles finanzieren? Gefordert sind schon jetzt China, Russland und die arabischen Länder in hohem Masse, denn die müssen weiter die US-Anleihen kaufen, da die USA sonst das gleiche Schicksal erleiden wird wie Island, Ungarn , Ukraine und Pakistan, die faktisch Pleite sind und nun auf die IWF-Kredite warten.

    Neben der dringenden Wirtschaftsprobleme wird möglicherweise aber auch die Frage des „Weltfriedens“ (hoffentlich) besprochen, denn die USA führen mit einem Teil der Weltgemeinschaft schon viele zu lange zwei Kriege und zwar im Irak und in Afghanistan, demnächst wohl auch in Pakistan. Denn auf Obama kommen auch hier sehr brisante Probleme und Fragestellungen auf ihm zu. Wie lange wird die USA im Irak bleiben? Wann wird die USA Pakistan bombardieren (müssen), um den einen oder anderen Taliban zu treffen. Auch in Pakistan droht ein gefährlicher Bürgerkrieg, denn Pakistan ist schon eine Atommacht. Was wird Obama mit dem Iran machen ohne China und Russland auf einmal als Gegner zu haben? Wie wird Obamas Außenpolitik zu Russland sein? Kann es zu einem „kalten Krieg“ kommen?

    Russland bzw Medwedew provozierte Obama schon am ersten Tag mit der Ankündigung der Positionierung von Kurzstreckenraketen? Damit will Russland deutlich machen, dass Obama auch von der Stationierung der geplanten Flugabwehrraketen auf polnischen und tschechischen Boden Abstand nehmen soll, was er wohl nicht so schnell machen wird. Hier wird auch auf höchstem Niveau (auf dem Rücken der Weltbevölkerung) gepokert, was nicht ganz ungefährlich für die Welt ist. Eine Aufrüstungswelle Bzw Stationierunsgwelle von Raketen demnächst auch in Venezuela??) kann sich im Moment weder die USA noch Russland finanziell erlauben, da sich beide Länder in einer Finanzkrise befinden. Die Sowjetunion ist letztendlich auch durch die Aufrüstungspolitik zugrunde gerichtet worden, weil der Rüstungswahnsinn irgendwann nicht mehr finanzierbar war. Ich kann nur hoffen, dass sich Obama und Medwedew nicht allzu sehr von der Rüstungslobby vereinnahmen lassen, weil dies für den Weltfrieden äußerst bedeutsam ist, übrigens auch für die Weltbörsen. Der verstorben Altmeister Andre Kostolany wies zu recht auf die große Bedeutung der „Friedensdividende“ als wichtigsten Stimulus für die Weltbörsen hin. Die ist aber gefährdet bzw. kehrt sich ins Gegenteil um, wenn es zu einem Konfrontationskurs USA-Russland/China kommen sollte.

    Beide können nun am nächsten Wochenende dazu beitragen, dass es am nächsten Wochenende auch hier zu „Change“ kommt. Beide Präsidenten der Weltmächte stehen vor großen Herausforderungen und sollte sich jetzt gegenseitig helfen, aus der Krise herauszukommen. Sie können aber auch anders herum zu einer Verschärfung der Krise beitragen, je nachdem welcher Lobby und welchen Berater sie sich jetzt anschließen. Beide, Obama und Medwedew, sind jung und dialogfähig. Hoffentlich sind sie auch anpassungsfähig und vor allem unabhängig von den jeweiligen Interessengruppen, die jetzt beide Präsidenten umlagern. Obama hat aber große Chancen, nicht nur von einer Lobby abhängig zu sein. Die meisten Wahlkampspenden kamen diesmal anonym über das Internet, was schon zeigt, dass Obama zum vernetzten Denken fähig ist. Welcome in the global village!

    Es gibt keine Patentrezepte für die Bewältigung dieser Weltwirtschaftskrise. Klar ist nur, dass die Krise schwerer sein wird als so manche jetzt zu hoffen wagen. Ich befürchte eine Arbeitslosigkeit von über 10% im nächsten Jahr. Im Oktober betrug die US-Arbeitslosenzahl 240.000, womit die Arbeitslosenquote von 6,1 auf 6,6 % steigen. Für September wurde die Arbeitslosenquote von 159.000 auf 284.000 revidiert, was darauf schließen lässt, das die wahre Arbeitslosenzahl für Oktober über 300.000 betragen dürfte. Aufgepasst: Je mehr Personen jetzt arbeitslos werden, desto stärker wird die Kreditkartenkrise in den USA und desto mehr wird der Konsum im nächsten Jahr einbrechen!

    Jetzt will General Motors noch einmal weitere 25 Mrd. USD als Nothilfe“ beantragen, was nichts weiter ist als vom Staat subventionierte Konkursverschleppung wäre, ein Konkurs, der Ausdruck einer falschen Produktpolitik wäre. Erst jetzt will GM mit dem Rücken zur Wand auf umweltfreundlichere Hybrid-Autos umsteigen. Wo war hier das Frühwarnsystem oder hatte GM keins? Wenn General Motors im nächsten Jahr trotz aller Mrd-Kredite die Insolvenz oder Chapter 11 anmelden muss, müssen über 300 Mrd. USD an Schulden abgewickelt werden und es werden dann über 100.000 Beschäftiget mit einem Schlag arbeitslos werden. Falls GM Pleite gehen sollte, werden wir auch eine weitere Tsunami-Welle an den Finanzmärkten erleben. Obama muss sich also auch hier den Realitäten stellen. Aus einem Traum kann auch ein Alptraum werden wie in der Ukraine. Allzu viel Hoffnung sollten sich also die Weltbörsen nicht machen, sonst werden sie im Nachhinein nur auf den Boden der Tatsachen geführt.

    Die Börse hatte auf die Obama-Wahl zunächst mit kräftigen Kursverlusten mit jeweils 5% an 2 Tagen (am 5. und 6.November) reagiert, was aber nur Gewinnmitnahmen der vorherigen Obama-Rally Ende Oktober um über 10% waren. Zudem mag die Wall Street auf den ersten blich nun mal „linke“ Politiker nicht. Am Freitag reagierte die Wall Street wieder positiv auf die erste Pressekonferenz von Obama. Der Dow Jones stieg am Freitag um 2,85% auf 8943 Indexpunkte, was aber auch eine technische Reaktion der Kursverluste um 10% in 2 Tagen nach der Wahl von Obama war. Obama kann durchaus zu einem positiven Effekt an den Weltbörsen führen, wenn die Börsenteilnehmer erkennen, dass er die Probleme klar anspricht und auch praktikable Lösungsvorschläge macht, die zwar nicht zu einer Abwendung der Krise führen können, aber dazu, dass die Auswirkungen nicht zu groß werden. Denn was die Börse zum großen Teil schon eingereist hat, ist eine Depression und nicht eine Rezession!

    Bis Jahresende dürfte die Welt weiter voller Hoffnung auf Obama schauen, wobei er erst im Januar seine Maßnahmen umsetzten kann. Bis daher werden wir präsentiert bekommen, wer mit ihm zusammen die größte Weltwirtschaftskrise in der Nachkriegszeit meistern soll. Wird etwa Waren Buffet Finanzminister werden? Der würde wohl dankend ablehnen, auch wenn man ihm das Angebot unterbreitet. Oder wird es Paulson bleiben, weil er am besten im Thema ist. In jedem Fall, werden viel altgediente Clinton-Regierungsmitglieder jetzt wieder in die Regierung kommen und sei es nur als Berater, wie Clinton auch selbst eine gefragte Frau bleiben wird (der Clinton-Mann steht diesmal im Hintergrund). Und Clinton(-Mann) war damals als „linker“ Präsident gar nichts so schlecht für die Weltbörsen und die Weltgemeinschaft. Nur sind die Wirtschafts- und Finanz-Probleme jetzt um ein Vielfaches größer als damals.

    Leider müssen die Anleger aber auch einen Anschlag von Obama wie auf Kennedy für möglich halten, was die Welt aus den Angeln hebeln dürfte. Man bracht nicht viel Fantasie, sondern nur Realismus, um zu erahnen wie die Weltbörsen reagieren würden, wenn Obama einem Attentat zum Opfer fallen würde. Obama ist jetzt der große Hoffnungsträger der Welt und er kann die Welt als „Global Leader“ in der Tat zu einem (Werte)Wandel („Change) in der Welt führen. Es ist eine große Chance für die Weltgemeinschaft, wenn sie und die USA „mitmachen“ und einem Strang ziehen. Wenn nicht, endet sie im Chaos oder in einem 1929-Szenrio. Und das wollen wir doch alle nicht, oder? Nur darf man insgesamt nicht die Hoffnungen zu hoch schrauben, da dies wiederum realitätsfremd wäre.

    Können wir also auf eine Jahresendrallye hoffen: Yes, we can!“, wenn beim nächsten Weltwirtschaftsgipfel von den USA und der Weltgemeinschaft gemeinsam die richtigen Signale gesetzt werden (und bis dahin GM noch nicht insolvent ist!) Denn die Welt ist ein „Global Village“- ein globales Dorf! Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    Fazit: Obama ist eine große Chance für einen Neuanfang- auch für die Weltbörsen. „In der Krise liegt die Chance“ ist daher auch das Thema des nächsten ESI-Ostbörsen-Seminars am 12. November um 17.30 Uhr in Frankfurt/M .

    Hinweis: Melden Sie sich jetzt an das Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance!“ am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt M )Infos und Anmeldung unter www.eaststock.de oder Tel:040/6570883). Melden Sie sich jetzt an! Neben einer Risiko-Chancenanalyse für die Weltbörsen werden dort auch die neuen Chancen an den Ostbörsen ausgelotet. Referenten sind Manfred Kastner (Vorstand von Cat Oil AG), Stefan Laxhuber (Ostinvestor) und Andreas Männicke (ESI GmbH). Infos und Anmeldung unter www.eaststock.de .

 

 

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