Ostbörsen im Fokus (siehe auch www.eaststock.de)

+++ Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung +++ Eilmeldung

Interview- und Termin-Hinweise

Am 3. Dezember 2019 findet das nächste Ostbörsen-Seminar "Go East - Hochprozentiges aus Osteuropa" um 17.00 Uhr in Frankfurt/M stattl. Bitte jetzt anmelden!

Andreas Männicke wird am 4. Dezember 2019 in NTV/Telebörse von Friedhelm Tilgen über Rohstoffe udn neue Chancen in Osteuropa begragt.

Andreas Männicke wird am 9. Dezmber 2019 in Börsen Radio Networks über die neuen Chancen in Osteuropa befragt.

Andreas Männicke wurde am 7. Oktober 2019 über die neuen Chancen in der Ukraine und in Russland befragt.

Andreas Männicke wurde von Börsen Radio Networks am 29. Juli 2019 um 13.00 Uhr über die neuen Chancen in Russland und der Ukraine befragt.

Ab Oktober 2013 können Sie unter Eingabe von "EastStockTV" bei www.youtube.de die aktuellen Kommentare von Andreas Männicke zu den Aussichten an den Welt- und Ostbörsen kostenlos abrufen. Abonnieren Sie einfach den Kanal bei www.youtube.de.

Ab Mai 2014 können mit Herrn Männicke über www.go.guidants.com auch interaktiv in Kontakt treten und Fragen zu den Ostbörsen stellen.

Verpassen Sie die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen Sie jetzt den monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de. Ein Probe-Abo (3 Ausgaben kosten nur 15 €). Die beiden Muster-Depots erzielten seit Februar 2009 eine Performance von über 320% im Muster-Depot 1 (konservativer Osteuropa-Basket) bzw. über 350% im Muster-Depot 2 (spekulativer Osteuropa-Basket, das sind über 40% p.a. seit 2009. In den neuen Muster-Depots ab 2015 wude eine Performance von über 130% bzw über 80% erzielt. Das neue "goldige" Muster-Depot erreichte immerhin ein Plus von 66% ab 2016.

Zudem können Sie sich alle bisherigen TV-Inteviews von Andreas Männicke in diesem Jahr runterladen unter den Links der Rubrik "Interviews".

  • Die Hoffnung stirbt zuletzt

    Samstag, 28. Februar 2009 20:23:00

    Der US-Präsident Obama hielt am 24 Februar 2009 bei dem Bericht zur „Lage der Nation“ eine fesselnde und begeisternde Rede, die 16 mal mit kräftigen Applaus und zum Schluss mit demonstrativen „Standing Ovation“ begleitet wurde. Obama wurde im US-Kongress fast frenetisch gefeiert wie ein Pop-Star. Obama hat zweifelsohne die Tugenden, die Amerika im Moment braucht: Die Fähigkeit, die Sachlage schonungslos darzustellen, aber auch die Fähigkeit, zu begeistern und Vertrauen für die Zukunft zu schaffen, dass Amerika gestärkt aus der Krise wieder hervorgehen wird. Dabei wird das Prinzip Hoffnung aber sehr stark strapaziert.

    Zunächst muss sich Obama und sein Team mit den harten Fakten auseinandersetzen und alles dafür tun, dass ein Systemkollaps in den USA vermieden wird, denn der würde wiederum die ganze Welt betreffen. Die Zahlen der letzten wieder einmal sehr verlustreichen Woche sind weiterhin alarmierend: das BSP sackte in den USA im 4. Quartal so stark wie noch nie in der Nachkriegszeit ein und das 1. Quartal 2009 dürfte nicht wesentlich besser ausfallen. Es gibt jetzt eine auffällige Aneinanderreihung von Negativ-Weltrekorden: der größte Versicherer der Welt AIG meldete für 2008 einen Weltrekord-Verlust in Höhe von 60 Mrd. USD und muss notgedrungen weitere Finanzspritzen vom Staat bekommen, um zu überleben. Überlebt er nicht, gibt es sofort einen Systemkollaps im Finanzsektor! Der US-Hypthekenfinanzierer Fannee Mae meldete einen Rekordverlust von 26 Mrd. USD für 2008 und muss auch weiter vom Staat gestützt werden. General Motors muss dem US-Senat und Kongress einen neuen Sanierungsplan vorlegen, wo auch der Fall „Opel“ mitenthalten ist. GM fordert weitere 30 Mrd. USD Stützungsgelder vom Staat und ist schon jetzt einer der größten Geldvernichter der Nachkriegszeit. GM ist immer noch der zweitgrößte Autoproduzent der Welt und einer der wichtigsten Arbeitgeber in den USA. Opel braucht angeblich 3,3 Mrd. € vom Staat, um gerettet zu werden und will sich gern abspalten, was aber ohne die Zustimmung die Mutter GM nicht gehen wird. Bei GM handelt es sich auch um ein systemisches Risiko, weil dann 600 Mrd. USD an Anleihen und sonstigen Verbindlichkeiten hängen. GM könnte also wie Lehmann Brothers ein wichtiger Dominostein in der Finanzwelt sein. Die US-Großbanken Citibank und Bank of America haben mit jeweils 45 Mrd. USD schon jetzt mehr staatliche Stützungsgelder in Anspruch genommen als deren Marktkapitalisierung ist (Citigroup 20 Mrd. USD und Bank of America 39 Mrd. USD). Dabei betragen die Bilanzsummen bei beiden Banken 2 Billionen USD – too big to fail!? Ob noch eine Bad Bank kommt und wie diese dann konzipiert ist, bleibt abzuwarten.

    Neben den systemischen Unternehmensrisiken muss der Anleger auch weiterhin mit Argusaugen die Verschuldungslawine im US-Staatssektor beachten und sich fragen, wie der Karren wieder aus dem Dreck herausgezogen werden kann. Auch hier werden neue Nachkriegrekorde gemeldet: In diesem laufenden Jahr will bzw. muss Obama ein neues Rekord-Haushaltsbilanzdefizit von 1,75 Billionen USD (!!) machen, was 12,3% des BSP sind. Im nächsten Jahr soll das Defizit auf 1,17 Billionen USD reduziert und durch entsprechende Sparmassnahmen in Folgejahr halbiert werden. Das wären aber immer noch über noch 600 Mrd. USD an Defizit. Dabei geht der Staat in diesem Jahr von einem Rückgang des BSP von nur 1,2% und im nächsten Jahr wieder von einem BSP-Wachstum von 3% aus.

    Obama muss den Spagat begeben, einerseits die Konjunktur anzukurbeln und anderseits den Haushalt zu sanieren. Wie soll das gelingen? Früher oder später wird es – auch in Europa - drastische Steuererhöhungen oder eine hohe Inflation geben (müssen), damit sich der Staat wieder entschulden kann. Auch eine Währungsreform halte ich im „worst case“ nicht für ausgeschlossen. Es kommen auf die Anleger also einige „heiße“ Finanzthemen in den nächsten Monaten und Jahren zu. Gold konnte trotz der Dramatik von Negativ-Weltrekorden im Finanzsektor die magische 1000-er Marke (noch) nicht überwinden und fiel wieder auf 950 USD/Unze, was ich auch erwartet habe. Dennoch ist Gold einer der stabilsten Anlagen in den letzten 12 Monaten und bleibt weiter aussichtsreich. Öl konnte sich wieder leicht auf 44 USD/Barrel (Marke WTI) erholen.

    In Deutschland sieht es nicht viel besser aus. Aufgrund der hohen Exportabhängigkeit der Arbeitsplätze, wird es Deutschland besonders hart treffen. Ich bezeichne das als den „Globalisierungs-Bumerang“, den jetzt viele exportorientierten Nationen wie auch Japan hart trifft. Zu den Fakten: Allianz meldete ein Rekordverlust von 2 Mrd. € für 2008, die Post ebenfalls; dabei setzten die sonst sehr solide wirtschaften Finanzmanager der Allianz 14 Mrd. € alleine durch den Fehlgriff mit der Dresdner Bank in den Sand. Bei der Dresdner Bank sind es vor allem die Investmentbanker, die die Bank in den Ruin führten. Die Anleger bejubelten den Rekordverlust bei der Allianz mit einem Kurssprung um 10% an einem Tag, weil das Geschäft Ex-Dresdner noch profitabel verläuft. Wenn aber AIG vom amerikanischen Staat nicht mehr gehalten werden kann, hat auch die Allianz ein Problem. Auch private Krankenversicherungen waren im 4Q08 rückläufig. Dennoch hat die Allianz großes Erholungspotential, wenn kein systemischen Risiken (wie AIG) schlagend werden sollte. Zudem dürfte die wichtige Säule Lebensversicherung und Altersversorgung jetzt sehr schleppend verlaufen. Größere Wachstumsraten und Erfolgschancen gibt es nach wie vor in Osteuropa.

    Ohne Wachstum in Osteuropa - und das vergessen bzw missachten viele - , würde es noch viel größere Konjunktureinbrüche in Deutschland und Österreich geben, denn der Wachstumsschub in Osteuropa führte auch zu einer Sonder-Konjunktur in Deutschland und Österreich. Nur die Deutsche Telekom AG überrascht mit soliden Zahlen. Für Deutschland wird jetzt schon ein Minus des BSP von 5-10% für möglich gehalten. Der IFO-Geschäftsklima-Index ist weitergesunken. Nur die Konsumlaune scheint sich in Deutschland zu bessern. Durch Abwrackprämie, Pendlerpauschale und geringeren Energie/Benzinkosten haben die Bürger mehr Geld in der Tasche. Mann kann nur hoffen, dass die Konsumfreude kein kurzfristiges Strohfeuer ist.

    In Großbritannien sieht es nicht besser aus. Großbritannien schlittert auch gerade in die größte Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Die ehemalige Vorzeigebank RBS, die sehr aggressiv über den Aufkauf von ABN AMRO wachsen wollte, meldete einen Rekordverlust von 24 Mrd. Pfund. Beim Konkurrenten Lloyds TSB seht es nicht besser aus. Beider geraten jetzt vollständig unter staatliche Kontrolle. Wo man auch hinschaut, soll der Staat der letzte Rettungsanker im Bankensektor werden.

    In Schweiz hat die UBS den Vogel mit Rekordverlusten abgeschossen. Alleine im Investmentbanking wurde in 2008 Rekordverluste von 17,4 Mrd. € gemeldet. Die UBS ist immer noch mit 77000 Mitarbeiters einer der größten Arbeitsgeber der Schweiz. Viele Arbeitslätze sind jetzt bedroht. Im letzten Jahr gab es Mittelabflüsse im Rekordvolumen von 226 Mrd. Franken. Im Januar gab es erstmals aber wieder Nettokapitalzuflüsse, was hoffen lässt. Jetzt soll der Sanierer Oswald Grübel, Ex-Chef der Cedit Suisse, den Verlierer Marcel Rohner ersetzen Auch dies begrüßte die Börse mit einem Kurssprung von fast 15% bei der UBS. Auch hier gilt aber das Prinzip Hoffnung, dass der schon pensionierte, 65-jährige Oswald Grübel, der übrigens in Ostdeutschland geboren war, jetzt den Karren aus den Dreck ziehen kann. Eine der Hauptprobleme sind dabei die Steuerprobleme in den USA, die sogar das Bankgeheimnis in der Schweiz außer Kraft setzen könnte. Nicht nur die UBS, sondern viele Banken melden indes, dass sich das Geschäft zu Jahresbeginn schon wieder gebessert hatte und dass das Vertrauen allmählich wieder zurückkehrt. Wollen wir es hoffen.

    Ich erwarte zunächst eine weitere Zinssenkung der EZB in der nächsten Woche auf 1,5%, die aber nicht viel Kursfantasie bringen wird. Tendenziell nähert sich auch die EZB der Nullzinspolitik und wird damit danach so gut wie handlungsunfähig ebenso wie es die FED schon ist, die jetzt sogar schon Anleihen aufkauft, was ein einmaliger Vorgang ist. Auch der EU-Haushalt soll aufgestockt werden, um auch Osteuropa in der Not helfen zu können. Es gibt aber schon jetzt Streit über das geplante EU-Konjunkturprogramm im Volumen von 200 Mrd. €. Wer soll jetzt alles EU-Hilfsgelder erhalten? Der nächste EU-Gipfel in Brüssel dürfte mehr Klarheit, vielleicht aber auch mehr Streit in der EU. Auch in Spanien gib es schon viele Notprogramme und es herrscht schon jetzt eine große Wirtschaftskrise.

    Für Osteuropa soll die EU nun große Hilfspakete schnüren, damit es dort nicht zum Systemkollaps bei einigen angeschlagenen Ländern wie Ukraine. Lettland Bulgarien u.a. in Osteuropa kommt, wobei Polen und Tschechien noch die stabilsten Osteuropa-Länder sind. Die größten Leidtragenden der Finanzkrise in Osteuropa ist bisher Österreich, wo einige Experten auch schon von der Möglichkeit eines Staatsbankrotts reden. Österreichische Banken haben Kredite im Volumen von 300 Mrd. € nach Osteuropa gegeben, von den jetzt bis 20% notleidend werden. Staaten wie Ukraine und Lettland sind faktisch bankrott. Die Ukraine wird Schwierigkeiten haben bis zum 7. März (=Deadline) 400 Mrd. USD an Gazprom für Gaslieferungen zu zahlen. Dann würde das ganze Theater mit ausbleibenden Gaslieferungen wieder beginnen. Auch in der Ukraine gibt es schon Teilverstaatlichungen von Banken. Aber was nützt das, wenn der Staat selbst Pleite ist. In Lettland wurde die Parexbank verstaatlich und ist der Staat selbst ohne IWF- oder EU-Hilfe zahlungsunfähig. Ähnliches müssen sich Anleger möglicherweise sogar in den USA fragen. Wenn Japan, China und/oder einige arabische Staatsfonds in einen Käuferstreik bei den Billionen von US-Staatsanleihen, die jetzt neu auf den Markt kommen treten, ist die USA über Nacht pleite. Aber auch für diesen Fall wird es Notlösungen geben.

    Wenn es soweit kommen sollte, werden Notgesetzte gemacht, die möglicherweise sogar den Handel von Gold verbieten. Aber soweit sind wir noch nicht. Aber nichts ist in Zukunft unmöglich. Toyota muss 17.000 Mitarbeiter entlassen. Auch Japan schlittert in eine tiefe Rezession und Vertrauenskrise. Wir können nur alle hoffen, dass aus der Rezession keine Depression wird und falls es eine Depression wird, dass der Welt dann nicht das japanische „Modell“ vorschwebt. Der Nikkei-Index ist von 40.000 auf 7.200 gefallen und nach einige Erholungsphasen jetzt wieder bei 7500, also 20 Jahre Stillstand bzw Stagnation. Auch dort startete die Krise mit einem zu leichtfertig finanzierten Immobilien-Bubble, dem Einbruch von Großbanken (damals mit die größten Banken der Welt), einer 0-Zinspolitik über Jahre hinweg und eine Verstaatlichungswelle im Bankensektor. Japan ist nun am meisten von dem Konjunktureinbruch in den USA betroffen.

    Wo sind die Lichtblicke?: es liegen 5-8 Billionen USD in geldnahen Anlagen in den USA und etwa die gleiche Summe in Japan. Versicherungen und sogar einige Pensionsfonds haben schon überhaupt keine Aktien mehr in Portfolio, was ein ähnlicher Fehler wie im Jahr 2003 sein kann, wo die Versicherungen auch fast auf dem Tiefstpunkt alles verkauften. Zudem erwarte ich einen Anleihen-Crash noch in diesem Jahr, denn hier entsteht gerade der nächste „Bubble“. Alles geht im Moment in Staatsanleihen, was sich noch rächen wird. Hedefonds sind zuletzt mit 250 Mrd. USD aus dem Aktienbereich gegangen und haben die Weltbörsen weiter nach unten gedrückt. Sobald sich der Konjunkturhimmel wieder leicht aufhellt und es positive Zahlen im Bankensektor gibt, wird es eine liquiditätsgetriebene Hausse geben.

    Aufgrund der stärkeren Regulierungen die nun auch für Hedgefonds und auch Private Equity-Investoren kommen soll, wird es so schnell nicht wieder die Schieflagen der alten Art im CDS-Bereich geben. Der Anleger sollte jetzt sehr darauf achten, ob sich die Risikoprämien bei CDS und Kreditderivaten abbauen, was auch ein Zeichen der verbesserten Liquidität ist. Der BDI (Baltic-Dry-Index) für Frachtraten hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert und dreht schon wieder leicht nach oben; ebenso der Kupferpreis als Frühindikator für die Industrie. Bernanke macht am letzten Dienstag Hoffnung, indem er zum Ausdruck brachte, das ein Konjunkturwende schon Ende des Jahres zu erwarten sei, wenn es gelingt, den Bankensektor zu stabilisieren. Genau darauf kommt es also jetzt an. Aber Bernanke lag schon oft genug falsch mit seiner Verniedlichung der Probleme und seinen Einschätzungen. Er hatte viel zu lange die Zinsen angehoben, als schon eine Krise im Immobiliensektor klar erkennbar war. Auch er ist jetzt im Grunde ratlos wie viele Experten und folgen dem Prinzip „Hoffnung“.

    Großkonzerne stecken noch in der Kreditklemme; aber auch die könnte sich im Jahresverlauf abbauen, wenn die Banken auch mit Staatshilfe wieder hinreichend rekapitalisiert werden. Die Bank of America ist schon wieder auf der Suche nach neuen Kapitalgebern. Wir brauchen in der Tat wieder voll funktionsfähige Banken – und seien es Staatsbanken -, um eine Depression zu verhindern. Bernanke hat aber schon angedeutet, dass eine Vollverstaatlichung der Banken in den USA nicht in Betracht kommt. Auch in Deutschland soll es sich bei Verstaatlichungen auf singuläre Einzelfälle wie die Hypo Real Estate AG beschränken. Am 20. April entscheiden die G20 möglicherweise über neue Regeln für die internationalen Finanzmärkte, wobei auch Obama mehr auf Regulierung und Beschränkung der Boni einlassen wird. Es ist schon bemerkenswert, welche 180 Grad-Drehungen jetzt unter Druck des Marktes unternommen werden: während zuvor Deregulierung, Privatisierung, Liberalisierung und Shareholder value die Leitmaximen der Politik waren, sind es jetzt Regulierung, Teilverstaatlichung und Erhaltung von Arbeitsplätzen, die selbst in Großbritannien und den USA im Vordergrund stehen. Das kapitalistische System wankt, kippt aber (noch) nicht.

    Zunächst müssen die Anleger aber weiter auf die Markttechnik achten und as ist weiterhin ein „Tanz auf dem Vulkan“: Indices wie DAX sind bei 4000 und Dow Jones Ind. bei 7800 schon nach unten charttechnisch ausgebrochen und haben neue 12 Monatstiefs gebildet, was ein bearishes Zeichen ist. Einzig der S&P ist gerade bei 735 bei einer sehr wichtigen Chartmarke gelandet, denn dies war in etwa auch das November-Tief aus dem Jahr 2008. Der DAX fiel am Freitag um 2,5% auf 3843 Indexpunkte, der Dow Jones Ind. um 1,66% auf 7062 Indexpunkte und der S&P um 2,36% auf 735 Indexpunkte. Kritisch wird es, wenn der S&P nachhaltig unter 720 Indexpunkte (bzw. noch eindeutiger unter 700) fallen sollte, denn dann droht eine weitere Tsunami-Welle an den Welt-Finanzmärkten. Der DAX könnte bis auf 3000, der Dow Jones bis auf 6000 und der S&P bis auf 550 Indexpunkte fallen. Der Hintergrund einer solchen Entwicklung wären neue Horrornachrichten und möglicherweise auch kriegerischen Auseinandersetzungen. Man bedenke zum Beispiel, dass Iran jetzt erstmals mit russischer Hilfe das Atomkraftwerk in Gang setzt. Auch darauf muss Obama nun eine passende Antwort finden, wobei Obama wohl erst einmal den Dialog suchen wird. Auch eine Bad Bank in den USA als ultima ratio könnte die Weltbörsen enttäuschen ebensi wie die nächsten Konjunkturdaten. Hält aber die 730-Marke beim S&P, könnte es durch Stützungskäufe des „Plunge Protection Team“ initiiert in den nächsten Tagen einen kräftigen Rebound - auch an den Ostbörsen – geben.

    Viele Anleger beherzigen aber jetzt zu stark das Prinzip Hoffnung bzw. „Augen zu und durch“ als Handlungs-Maxime, was nicht immer ratsam ist. Auch in den nächsten Wochen sind Vermögenssicherung bzw. Verlustbegrenzung und hohe Cash-Quoten wie schon im letzten Jahr sehr ratsam, um zu Ostern selektiv auf „Osterschnäppchenjagd“ im Trading-Bereich gehen zu können. Wenn der S&P nachhaltig unter 700 Indexpunkte fällt, sollten Sie auch an den Ostbörsen voll in Liquidität gehen oder sogar einige Short-Trades wagen. Ohnedies plädiere ich nach wie vor für eine Cashquote von 70-80% und 10-20% im aktiven Tradingbereich. Unternehmensanleihen in Osteuropa und Dividendentitel sind weiterhin sehr attraktiv und aussichtsreich.

    Einige russische Öl- und Stahlaktien sowie Konsumwerte konnten sich in der letzten Woche schon wieder etwas erholen, wobei der Bärmarkt intakt bleibt. Einige Öl- und Stahlaktien stiegen sogar um über 10% an einem Tag, um dann wieder auf das Ausgangsniveau zu fallen. Dies ist ganz typisch für volatile Seitwärtsbewegung wie wir es schon seit November 2008 haben. Der RTS stieg auf 548 Indexpunkte was „nur noch ein Verlust von 13% seit Jahresbeginn bedeutet. Ich rechne damit, dass sich der RTS in diesem Jahr sogar noch ins Plus begeben wird. Noch droht aber ein Abschwung in der Wall Street, was wiederum die Moskauer Börse auch negativ beeinflussen könnte. In der letzten Woche hielt sich die Moskauer Börse noch relativ stabil. Auch hier kann man also bessere Zeiten hoffen…!

    Aber auch in intakten Bärmärkten gibt es immer wieder Chancen für eine Bärmarktrallye für den Gesamtmarkt und außerdem für einzelne Aktien, die wiederum den Gesamtmarkt outperformen. So konnte sich einige Stahltitel und auch Goldaktien ausgehend von dem Tief im letzten Jahr schon im Kurs verdreifachen. Selbst der Stahlwert Ferrexpo stieg in der fast bankrotten Ukraine schon um 166% von 0,27 auf 0,63 (in der Spitze sogar 0,8 € ) seit November 2008, obwohl der Gesamtmarkt weiter einbrach. Die Aktie befand sich im September 2008 aber noch bei über 3 €. Einige der Titel mit hohem Erholungspotential wurden schon im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) vorgestellt. Ich rechne insbesondere bei Unterschreiten des S&P unter 730 Indexpunkte mit hoher Vola, vielen staatlichen Retttungsversuchen, aber auch mit guten Tradingchancen insbesondere bei russischen Blue Chips, denn dort wird in diesem einige Mega-Merger geben, die für Aufsehen sorgen werden. Dies birgt auch Chancen für Anleger. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.).

    Fazit: Die Lage ist weiterhin sehr ernst, aber keineswegs hoffnungslos. Der Anleger sollte das Prinzip Hoffnung aber nicht als seine „Anlagestrategie“ oder einzige Handlungs-Maxime aufbauen, sonst könnte es bitter enden, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt…!

    TV-Hinweis: Das nächste TV-Interview mit dem Autor ist am 4. März 2009 um 15.45 Uhr in NTV/Telebörse. (www.teleboerse.de).

    Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an

  • Jetzt beginnen die närrischen Zeiten!

    Montag, 23. Februar 2009 00:42:00

    In der nächsten Woche wird das närrische Treiben in den Karnevalshochburgen seinen Höhepunkt erreichen. Der Alkoholkonsum nimmt in der Krise zu. So konnte wohl auch der japanische Finanzminister Shoichi Nakagawa bei dem G7 Treffen in Rom nur unter starken Alkoholeinfluss die schlechtesten Wirtschaftsdaten Japans in der Nachkriegszeit ertragen. Seine Zunge war schwer und er wirkte auf der Pressekonferenz wie benebelt. Der Finanzminister musste aufgrund seines peinlichen Auftritts gleich seinen Hut nehmen. Immer mehr Regierungen und Minister kommen mit der gegenwärtigen Krise nicht mehr klar und kapitulieren. Die US-Notenbank hat zuletzt sogar erstmals Unternehmenskredite aufgekauft. Dies ist ein letztes Aufbäumen gegen die Krise, was nicht viel bewirken wird. Irgendwann wird auch die FED kapitulieren müssen, da die Schieflagen und die Verschuldung zu groß sind.

    Wann aber werden wohl ganze Staaten kapitulieren, die dann einen Dominoeffekt im Finanzsektor auslösen? Der endgültige Rettungsplan von US-Finanzminister Geithner wurde bisher noch nicht verkündet. Es bleibt also abzuwarten, was für Art von Bad Bank die USA retten soll. Wahrscheinlich erkennt er erst jetzt die Größe der Schulden, die jedes US-Budget sprengen dürfte. Der IWF schätzt die faulen US-Kredite auf 2,2 Billionen USD. Der US-Ökonom Roubini geht sogar von 3,8 Billionen USD aus. Too big to fail!? Ich würde mich nicht wundern, wenn auch Geithner demnächst kapitulieren muss, ebenso wie Bernanke.

    Aber auch andere Personen können an dem grundlegenden Verschuldungsproblem jetzt nichts ändern. Jeder Anleger muss sich vergegenwärtigen, dass die privaten USD-Schulden 42 Billionen USD betragen, so dass sogar ein Konjunkturprogramm von 782 Mrd. USD wie Peanuts aussieht. Auch eine Voll-Vertstaatlichung des US-Bankensystems ist nicht ausgeschlossen. Die Problemkredite im Immobiliensektor machen 40% des BIPs in den USA aus, was weit mehr ist als bei den früheren Bankenkrisen in Japan oder Schweden (dort nur 13%). Es werden also weitere Horrornachrichten kommen müssen und darauf sollten Sie sich als Anleger auch einstellen Das Deleveraging wird weitere Opfer erzwingen. Es wird auch zu weiteren Zwangs-Mergern kommen.

    Die japanischen Exporte brachen im 4. Quartal um 44% und das BSP nach amerikanischer Methode um 12% bzw nach deutscher Methode um 3% ein. Toyota muss 17.000 Mitarbeiter entlassen. Japan leidet jetzt ganz besonders unter der Schwäche der US-Konjunktur. Das US-BSP gab im 4 Quartal 2008 auch um 3,8% nach. Es entsteht jetzt ein Heer von Arbeitslosen auch in Japan und in den USA, wobei die Arbeitslosen in Japan und auch trotz Obama in den USA in ein soziales Loch fallen. Der schwedische Automobilkonzern SAAB musste Insolvenz anmelden. Schweden will aber im Gegensatz der deutschen Bundesregierung SAAB nicht künstlich am Leben erhalten. Weitere Automobilkonzerne stehen kurt von dem Konkurs. Frankreich will Peugeot und Renault mit 6 Mrd. € stützen, was zu Wettbewerbsverzerrungen führt. Opel braucht angeblich noch 3,3 Mrd. € und die Mutter General Motors noch über 30 Mrd. USD um kurzfristig zu überleben. Beide müssen nun einen Sanierungsplan vorlegen und der kann nur bedeuten: Massenentlassungen und Verkäufe von Tochtergesellschaften. Wenn GM oder Chrysler Chapter 11 anmelden muss, löst sich ein weiterer amerikanischer Traum im Nichts aus. Chrysler will mit GM mergen, was GM aber noch ablehnt. Zwei Kranke mit Krücken werden durch Zusammenschluss aber nicht gesünder. Warum also GM nicht gleich verstaatlichen, um Arbeitsplätze zu sichern?

    Zudem könnte Hypo Real Estate AG schon bald in Deutschland verstaatlicht werden. Die Finanzierungszusagen und Garantien des Staates betragen schon 100 Mrd. €. Die HRE hat aber Derivate im Volumen von 1 Billion € in den Büchern bzw. zum Teil auch eben nicht in den Büchern. Die Bilanzsumme beträgt 400 Mrd. €. Too big to fail! Die HRE bleibt also ein Fass ohne Boden. Ich halte ehrlich gesagt auch wenig von den gegenwärtigen Mega-Konjunkturprogrammen. Sie werden nicht den erhofften Konjunkturaufschwung bringen; vor allen Dingen werden sie nicht die Arbeitsplätze schaffen, die man sich erhofft.

    In den nächsten Wochen stehen für Politiker schwierigen Entscheidungen zur Rettung von Großkonzernen und wenn man so will, zur Rettung des Systems an. General Motors ist ein Symbol einer niedergehenden Wirtschaft mit einer zu hohen Verschuldung. Eine Marktbereinigung kann es aber nicht geben, wenn der Staat künstlich stützt. In diesen Krisenszenarien werden weitere „Madoffs“ und Opfer von Scharlatanen zu Tage treten. Nach Madoff ist nun angeblich Stanford der nächste große Betrüger in den USA mit einem Schneeballsystem und 8 Mrd-Verlusten für Anleger. In der Krise werden aber auch viele erst notgedrungen zum Betrüger und fälschen die Bilanzen.

    Auch in Osteuropa wird es Konjunktureinbrüche geben und einige weitere Staaten können möglicherweise ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen, da die Kredite nicht umgeschuldet werden können. Zu den gefährdeten Ländern mit starkem Osteuropabezug zählt sogar Österreich, das sehr unter dem Einbruch in Osteuropa leidet und das nun auf EU-Hilfen angewiesen ist. In der Schweiz könnte das Bankgeheimnis geknackt werden. Amerika hat schon die UBS gezwungen, einige delikate Bankdaten von möglichen Steuerflüchtigen bekanntzugeben, da sie sonst UBS-Amerika schließen würden. Es kann gut sein, dass diese Erepressungs-Methode Schule macht und auch andere Staaten auf die Herausgabe von Kundendaten in Schweiz hinarbeiten. Auch Kapitalverkehrkontrollen sind nicht auszuschließen. In der Schweiz werden immerhin ein Drittel aller Vermögen der Welt vermutet, die jetzt der Staat dringend zur Finanzierung der Mega-Konjunkturprogramme braucht.

    Die Welt hat sich schon jetzt verändert. Die Finanzmärkte sollen mehr kontrolliert werden. Die EU will Einigkeit zeigen und die soziale Marktwirtschaft ausgerechnet durch mehr Staatseingriffe retten. Steueroasen sollen bekämpft und Boni gekappt werden. Staaten mit hohen Leistungsbilanzdefiziten und Haushaltsbilanzdefiziten werden dennoch Probleme bei der Refinanzierung bekommen. Dies könnte sogar den Euro sprengen. In Italien hat sich schon die Staatsverschuldung von 102 auf 112% zum BSP erhöht. Weiter Währungskrisen sind jetzt schon vorprogrammiert.

    Es ist einleuchtend, dass in einem derartig negativ belasteten Umfeld Aktienmärkte nicht haussieren können. Dabei liegen in den USA 3,9 Billionen USD fast unverzinslich in Geldmarktfonds und 5 bis 8 Billionen USD in geldnahen Anlagen. In Japan sind ähnliche Beträge geparkt, was Weltrekord ist. Sobald sich das konjunkturelle Umfeld wieder bessert – und sei es nur kosmetisch -, wird eine starke liquiditätsgetriebene Hausse an den Aktienmärkten noch in diesem Jahr geben. Wer zu früh einsteigt, wird aber bestraft werden. Noch befinden sich aber fast alle Weltbörsen im intakten Bärmarkt und setzen die Talfahrt in diesem Jahr fort. So fiel der Dow Jones Index am 20. Februar um 1,34% auf ein neues Jahrestief von 7365 Indexpunkte und der DAX sogar um 4,7% auf 4018 Indexpunkte.

    Nachdem der Dow Jones die 7800-Marke durchbrochen hatte, gaben auch die meisten Ostbörsen kräftig nach. Genau das hatte ich auch erwartet mund letzte Woche „angekündigt“. Anleger können sich nur mit knappen Stopp-loss-Marken vor zu großen Kursverlusten schützen. Noch chancenreicher sind nach Chartausbrüchen aber Short-Positionen. So verlor der RTS-Index letzte Woche um 16,4% auf 527 Indexpunkte, nachdem er sich zuvor von -21% in den Plusbereich bewegt hatte. Die Sberbank verlor sogar 26% und die VTB Bank 21% an Wert. Auch dies bestätigt meine Prognose der volatilen Seitwärtsbewegung für das erste Halbjahr, was ein Eldorado für geübte Trader ist. Auch an den anderen Ostbörsen gab es kräftige Kursabschläge, was mich nicht überrascht hat. Ich hatte empfohlen, auch an den Ostbörsen voll in Liquidität zu gehen, wenn der Dow Jones unter 7800 Indexpunkte fällt.

    Neben Kursverlusten an der Börse müssen Anleger auch mit hohen Währungsrisiken rechnen. So gibt es jetzt schon 12%-ige Forint-Anleihen, also enorme Spreads zu Euro-Anleihen. Seit Mitte 2008 verlor der Forint aber schon 30% an Wert. Der Kurs der OTP Bank brach um 34% und der Kurs der FHB Mortage Bank um 18% ein. Bankaktien sind immer noch äußerst riskant. In Polen sind über die Hälfte der Hypothekenkredite auf Basis des Schweizer Franken herausgegeben worden. Da sich der Zloty in Relation zum Schweizer Franken im Wert halbiert hat, haben sich die Kredite im Wert verdoppelt. Dies dürfte zu weiteren Schieflagen bei polnischen Hypothekenkrediten führen. Die könnte auch negative Auswirkungen auf den Euro haben. Der Euro stabilisierte sich zum USD bei 1,27 EUR/USD: Die Ukraine wird Probleme bekommen, die nächsten Schulden für Gaslieferungen zu bezahlen. Auch einige weiter Staaten in Osteuropa wie Bulgarien sind nahe dem Bankrott. Dagegen überraschte die in Osteuropa aktive Bank Raiffeisen International mit einem Rekordgewinn von 982 Mio. € in 2008. Dem Kurs half das wenig. Die Aktie fiel auf ein neues 5 Jahrestief von 14,3 €. Der Grund ist die Befürchtung einer Insolvenz der Tochter in der Ukraine Raiffeisen Aval Bank und Problemen in Bulgarien und Rumänien.

    In diesem Jahr drohen österreichischen Banken Kreditausfälle in Höhe von bis zu 20%, was wieder zu Notkapitalerhöhungen führen wird. Österreichische Banken haben in Osteuropa Kredite im Volumen von 230 Mrd. € (mit der Bank Austria sogar von 300 Mrd. €) gegeben. Aber auch schwedische, belgische und griechische Banken sind in Osteuropa stark engagiert. Europäsche Banken müssen nun mit Kreditausfällen im Volumen von 400 Mrd. USD rechnen. In diesem Jahr stehen in Osteuropa 400 Mrd. USD zur Umschuldung an von insgesamt 1,7 Billionen Gesamtschulden. Dies ist immerhin ein Drittel des BIP in der Osteuropa-Region. Unter normalen Wachstums-Bedingungen wäre die Refinanzierung kein Problem. Da es aber jetzt auch Konjunktureinbrüche in Osteuropa gibt, wird die Rückzahlung bzw. Umschuldung problematisch. Zumindest wird sie sehr teuer werden. Was passiert, wenn die Ukraine auch mit den 16 Mrd. USD-Kredit des IWF nicht auskommen, was zu befürchten ist? Diese dürfte noch zu erheblichen Krisen, Dominoeffekten und auch zu weiteren Währungsturbulenzen führen.

    Nach der Subprimekrise geht es nun ins Eingemachte. Je mehr Unternehmensinsolvenzen zu beklagen sind, desto höher werden auch die Kreditausfälle der europäischen Banken. Wie groß soll aber der Rettungsschirm der EU-Regierungen werden? Europa ist der Hauptfinanzier der Schwellenländer im Volumen von 5 Billionen USD. Aus Osteuropa droht daher eine weitere Abschreibungslawine, die sich wie ein Finanz-Tsunami an den Weltbörsen auswirken kann. Banken aus Großbritannien und Schweiz sind hingegen mehr in Asien engagiert, wo nun auch Kreditausfälle drohen. Zudem werden Banken ihr Engagement in Osteuropa deutlich zurückführen und nur noch die heimische Wirtschaft mit Krediten versorgen. So wurde von der griechischen Regierung schon angeregt, dass die Banken ihr Engagement in Osteuropa deutlich zurückfahren. Dies könnte zu einer Kreditklemme in Osteuropa führen, wenn andere westliche Banken diesem Rat folgen. Der Welthandel dürfte in diesem Jahr deutlich schrumpfen. Statt Globalisierung werden nun mehr protektionistische Maßnahmen zu erwarten sein, was vor allem den exportorientierten Ländern Probleme bereiten wird. Die EU spricht sich zwar gegen Protektionismus aus, aber jede Stützung einer Branche bzw. von bestimmten Unternehmen/Banken sind schon Wettbewerbsverzerrungen.

    Gemäß der Empfehlung in meinem letzten Newsletter und auch im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) müssten Sie jetzt überwiegend in Cash sein, denn es wurden wichtige Chartmarken nach unten durchbrochen. Ich rate nach wie vor zu einer Cash-Quote von 70-80%. Wenn Sie zu 80% oder mehr in Cash sind, ist dies eine gute Ausgangsposition, um zu Ostern einige Osterschnäppchen zu erwischen. Eine Buy and Hold-Strategie ist unter solchen Umständen aber sehr verlustträchtig und die falsche Strategie. Ich bevorzuge weiterhin den selektiven Trading-Ansatz, wobei auch Short-Positionen nach Chartausbrüchen in die Strategie gehören.

    Bullish bleibe ich dagegen nur für russische Goldaktien, die ihren Haussekurs fortsetzten, was bei einem Goldkurs von 997 USD/Unze auch nicht verwundert. Auch im nächsten EAST SOCK TRENDS werde ich einige aussichtsreiche Goldaktien vorstellen. Einige Goldaktien haben sich im Kurs seit dem Tief in 2008 jetzt schon mehr als verdreifacht, wobei das Kurspotential noch nicht ausgeschöpft ist. Nach dem starken Kursanstieg ist aber demnächst eine Korrektur auch des Goldpreises und auch bei Goldaktien eher wahrscheinlich. Gold wird jetzt Probleme haben, die wichtige 1000-er Marke nachhaltig zu überschreiten. Geht der Goldpreis aber über 1100 USD/Unze, ist der Weg nach oben frei.

    Ansonsten bleibe ich sehr defensiv eingestellt, denn zu der Aneinanderreihung von schlechten Konjunkturnachrichten gesellen sich auch marktechnische Gefahren. Der Dow Jones und S&P haben schon Verkaufssignale bei unter 7880 bzw. unter 800 Indexpunkten ausgelöst. Beim DAX wird es sehr kritisch und bearish, wenn der DAX unter 4000 Indexpunkte fällt. Falls der Dow Jones unter 7200 fällt und zudem der DAX unter 4000, sollte Sie auch, falls noch nicht geschehen, an den Ostbörsen vollständig in Liquidität oder short gehen, denn es drohen dann weitere starke Kursverluste. Jetzt beginnen die närrischen Zeiten - auch an den Börsen, aber am Aschermittwoch ist alles vorbei! Der Mondkalender hatte übrigens mal wieder recht mit den fallenden Kursen in den letzten beiden Wochen. Nach dem Mondkalender wird es nach Aschermittwoch wieder zu einer Gegenbewegung nach oben geben, was aber nur für geübte Kurzfrist-Trader eine Einstiegschance für ein Pull back bedeuten kann. Es wird in jedem Fall weiter volatil bleiben, solange die Horrornachrichten anhalten. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.).

    TV-Hinweis: Das nächste TV-Interview mit dem Autor ist am 4. März 2009 um 15.45 Uhr in NTV/Telebörse. (www.teleboerse.de)

    Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an.

  • Schließt die Finanzcasinos!

    Freitag, 13. Februar 2009 22:57:00

    Barack Obama konnte zwar den ersten Etappensieg verbuchen; ihm ist aber selbst bewusst, das es sich um einen sehr beschwerlichen Marathonlauf handelt. Immerhin ist sein 790 Mrd. Konjunktur-Programm trotz starker Proteste der Republikaner durchgekommen. Die Rede von dem neuen US-Finanzminister Geithner enttäuschte zwei Tage zuvor die Anleger. Eine Bad Bank, die zum Teil vom Staat und zum Teil von Privaten getragen wird, könnte eine vorübergehende Lösung sein. Damit bekommt man aber nicht die Kuh vom Eis. Eines dürfte in der letzten Woche klar geworden sein. Obama und auch Finanzminister Geithner werden in diesem Jahr zu sehr unbequemen Maßnahmen gezwungen sein, die nicht im Sinne der Wall Street sein werden.

    Die meisten Wall Street-Akteure scheinen immer noch nicht begriffen zu haben, wie Ernst die Lage in den USA ist. Es besteht sogar die Gefahr, dass 1000 Banken Pleite gehen können; bisher sind „erst“ 34 Banken seit 2008 und in diesem Jahr 8 Banken in den USA in die Insolvenz gegangen, aber die Insolvenzwelle rollt unaufhörlich weiter. Die Arbeitslosenzahlen werden weiter steigen und der Konsum dürfte abnehmen. In New York müssen viele Nobel-Läden auf der 5th Avenue jetzt schließen und Mitarbeiter entlassen. Die Unternehmensgewinne dürften in den USA mehr einbrechen als zuvor angenommen. Schon im 4. Quartal 2008 schlossen die S&P-Unternehmen per saldo mit einem Verlust. Allerdings sind Discounter jetzt gefragt, denn auch das amerikanische Volk muss und will jetzt sparen. Pepsi Cola und Coca Cola konnten den Gewinn noch um 10% steigern und sind relativ krisenresistent. Und dennoch wird der Konsum irgendwann dramatisch einbrechen. Der renommierte US-Ökonom Shiller hält sogar eine Depression für möglich. Eine Depression ist aber in den Aktienkursen in den USA noch nicht eingepreist. Andere US-Ökonomen wie Nouriel Roubini glauben daran, dass sich die USA frühestens im Jahr 2011 erholen kann. In dieser harten Zeit der Markt-Bereinigung im Banken- und Versicherungssektor und der Mega-Staatshilfen wird immer wieder wohl öfters auch die „Systemdiskussion“ aufkommen. Ich erwarte vor allem weitere Hiobsbotschaften im Versicherungssektor wegen der Hybrid-Produkte. Der englischer Versicherer Lloyds ha schon den Anfang gemacht und einen Verlust von 10 Mrd. € gemeldet. Der Kurs brach um über 35% am Freitag ein.

    Obama hat schon den ausufernden Boni bei den Banken den Kampf angesagt. Deutsche Banker wie die Investmentbanker der Dresdner Bank Wasserstein AG wollen ihre Boni in Höhe von 400 Mio. € zur Not einklagen und schafften es damit recht unrühmlich auf die Seite 1 der Bild-Zeitung. Die zuvor sehr arrogant aufgetretenen Banker aus England wurden jetzt ganz kleinlaut, ebenso die Banker der Citbank und Bank of Amerika, die nur durch einen letzten Kraftakt in letzter Minute gerettet werden konnten. Einen Rekordverlust von über 4 Mrd. € meldete auch die Credit Suisse, Ausgerechnet die angesehenen Schweizer Banker lagen also in 2008 völlig daneben. Auch hier versagte das Risikomanagement und es mangelte an Durchblick für die komplexen Produkte, was schon sehr verwundert, da Schweizer Banken eher konservativ anlegen. Von den deutschen Landesbanken wollen wir erst gar nicht reden.

    Nun wird möglicherweise die Hypo Real Estate AG doch verstaatlicht, was zu einem Totalverlust für die Aktionäre führen kann. Die Steuerzahler, bürgen schon mit 100 Mrd. €. Wie viel will der Staat noch nachschießen – ein Fass ohne Boden! Viele britische und amerikanische Banken sind faktisch bankrott. Im Grunde ist fast das ganze amerikanische Bankensystem bankrott. Anstelle die Havard-Absolventen mit Doktorhut in die Abteilungen des Risikomangements zu schicken, wurden sie im Investmentbanking angeheuert, um möglichst undurchschaubare Produkte zu konstruieren, was ein Billionengeschäft war. Der Schuss ging nun nach hinten los. Ebenso gehören aber auch die Käufer dieser toxischen Prokte auf die Anklagebank, denn die Banken zerstören ganze Volkswirtschaften. Dabei hatte die RBS sehr gute Analysten im Haus. Die RBS war mit die erste Bank, die schon Mitte letzten Jahres einen Kursverlust von über 20% beim S&P, also einen Crash, vorhersahen, nur wollte wohl der eigene Vorstand seinen Analysten nicht glauben. Auch jetzt kommen aus dem Hause der RBS die düstersten Prognosen für die USA. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen. Die RBS kann froh sein, wenn sie die nächste Pleitewelle, die komme wird, überlebt.

    Zu den vermeidbaren Risiken kommen jetzt auch die Risiken für notleidende Unternehmens- und Konsumentenkredite. Die bisherigen Rekordverluste sprechen zwar schon eine deutliche Sprache, der wahre Abschreibungsbedarf ist aber wohl noch wesentlich höher. Barclays konnte noch mit einem künstlichen Gewinn von 6 Mrd. Pfund (7 Mrd. €) überraschen, weil sie Teile der insolventen Lehman Brothers preiswert erwerben konnten. Fast alle anderen Banken melden aber Rekordverluste in 2008, wobei ich bezweifele, dass damit schon alles abgeschrieben ist. Die Deutsche Bank AG meldete einen Rekordverlust von 3,9 Mrd. € für 2008. Die UBS schaffte im 4. Quartal einen Rekordverlust von 5,4 Mrd. € und im Gesamtjahr 2008 von 13 Mrd. €. Dennoch will die Bank hohe Boni für „verdiente“ Mitarbeiter auszahlen.

    Selbst die sonst so angesehenen und allseits verehrten Manager der US-Elite-Universität Harvard verloren im letzten Jahr 22% und damit 6,2 Mrd. € an Vermögen. Dabei gilt die Havard Management Company als vorbildliches Investmenthaus und ist bekannt für eine ausgewogene Vermögensaufteilung. Ein Viertel der TOP-Investment-Profis muss jetzt den Hut nehmen

    In Deutschland gab das BIP im 4Q08 um 2,5% nach, was bereits ein starker Konjunktureinbruch ist. Der Anlagenbau und er Export nahmen stark ab. Nun beginnt allmählich auch das Sterben von mittelständischen Traditionsunternehmen wie Märklin, Schiesser und Rosenthal - und das alles in einer Woche. In Australien starben 150 Personen durch einen Flächenbrand. Das hat leider Symbolkraft. Es ist noch immer ungewiss, ob die Regierungen der Welt jetzt mehr Öl oder Wasser ins Feuer gießen mit den Mega-Konjunkturprogrammen, die zudem wirkungslos sein könnten. Was dann bleibt, ist die Verschuldung und dann ist am letzten Ende der Steuerzahler gefragt. Es könnte zu starken Protesten auf der Straße und Umverteilungsdiskussionen kommen. Dass nun ausgerechnet die Schaeffler-Gruppe einen Mrd-Kredit vom Staat bekommt, ist nicht nachvollziehbar und macht das Volk wütend. In Hamburg gingen Gewerkschaftler der HSH Nordbank schon auf die Strasse mit den Spruchbändern wie „Schließt die Finanzcasinos, denn sie vernichten massenweise Arbeitsplätze“. Sie mögen damit Recht haben.

    Die Wall Street scheint die Gefahren jetzt zu ahnen und war am 12. Februar bis 1 Stunde vor Handelsschluss kurz vor dem Absturz als die (vom PP-Team gestreute) Meldung über die Hilfe bei den Hypothekeninhabern für einen furiosen Schlussspurt sorgte. Der Dow Jones fiel am 12. Februar unter die charttechnisch wichtige Marke von 7850 Indexpunkten bis auf 7700 Indexpunkte. Danach schien aber das „Plunge Protection Team“ aktiv zu werden und „gegen zu steuern“. Short-Seller wurden aus den Markt geworfen, so dass der Dow Jones in einer Stunde um über 200 Indexpunkte von 7700 auf 7932–Indexpunkte hochschnellte. Damit wurde der Dow nur knapp vor dem Absturz gerettet, der aber in den nächsten närrischen Woche in den noch geöffneten Finanzcasino erfolgen kann. Unter 7700 Indexpunkte besteht akute Absturzgefahr, dann auch für den DAX und anderen Weltbörsen. Am Freitag den 13., schloss der Dow Jones fast unverändert zum Vortag mit Minus 22 Punkten bei 7909 Indexpunkten und der DAX leicht im Plus bei 4413 Indexpunkten. 100 Punkte darunter wird es für beide Indices sehr bearish.

    Die Moskauer Börse war hingegen in der letzten Woche trotz Rubelkrise und des schwachen Ölpreises in der letzten Wochen einer der am besten performenden Börsen der Welt. Der RTS stieg von unter 500 auf über 600 Indexpunkte um 20%, so dass nur noch ein Minus von 3,2 seit Jahresbeginn verblieb. Mitte Januar war der RTS noch mit über 20% im Minus. Auch allen anderen Ostbörsen gaben bis Ende Januar kräftig um 15 bis 25% nach. Die Moskauer Börse ist aber außerordentlich volatil. Ich bleibe bei meiner Prognose der volatilen Seitwärtsbewegung für dieses Jahr, was aber auch gute Trading-Chancen von 20-30% in wenigen Tagen eröffnet. Einige Rohstoffwerte stiegen sogar um über 30% an einem Tag, nachdem sie bis Mitte Januar um 20-30% eingebrochen waren- ein Eldorado für Trader! Sogar auch einige Ölwerte konnten sich kräftig erholen, obwohl der WTI-Ölpreis mit 42 USD/Barrel immer noch ein sehr niedriges Niveau hat. Vielleicht gelingt jetzt verspätet das Decoupling einiger Emerging Marktes. Die Börsen in China und Brasilen sind schon im Plus und Moskau könnte noch folgen, wobei auch die bilaterale Beziehung Russlands zu den USA mit dem dialogfähigen Obama besser werden könnte. Im All hat es allerdings schon gekracht: ein russischer und amerikanischer Satellit prallten frontal aufeinander und schwirren nun in ihren Einzelteilen im All herum. Hoffentlich hat nicht auch das Symbolwirkung. Auch im All scheint man den Überblick zu verlieren.

    Wie geht es weiter? Nach dem Mondkalender wird es weiter abwärts gehen. Nächste Woche stehen uns närrische Tage auch an der Börse bevor. Bleiben Sie lustig. Ein geeigneter Karnevalsspruch für die Büd´ wäre: „Und die Moral der Geschicht´, traue einem Banker nicht, denn wenn es regnet, lässt er dich sowieso im Stich!“. Aber wir haben nun einen großen staatlichen Regenschirm, unter dem aber leider nicht alle Platz haben.

    Fazit: Fällt der Dow Jones nachhaltig unter 7700 Indexpunkte, könnten die Bullen und das letzte Woche sehr erfolgreich agierende „Plunge Protection Team“ kapitulieren. So richtig gefährlich wird es aber erst bei einem Dow Jones von unter 7500 Indexpunkten, denn dann ist eine neue Tsunami-Welle an den „Finanzcasinos“ im Anmarsch. Viele erkennen den Ernst der Lage immer noch nicht so richtig. Wir wissen jetzt nach den Horror-Monaten Oktober und November 2008 ganz genau, wie solche Kapitulationsphasen aussehen können.

    Insofern sollten auch an den Ostbörsen die schönen Trading-Gewinne vor allem an der Moskauer Börse mitgenommen und mehr in Liquidität gegangen werden, wobei Goldaktien aufgrund des gestiegenen Goldpreises weiter gefragt sein könnte. Der Goldpreis stieg auf ein neues Jahreshoch von 948 USD/Unze um am Freitag wieder auf 941 USD/Unze leicht zu konsolidieren. Ich bleibe weiter bullish für Gold und Silber. Auch defensive Titel wie Telekomaktien könnten relativ stabil bleiben. Ein Balanced Portfolio zwischen Dividendenpapieren und Unternehmensanleihen ist aussichtsreich. Ich propagiere weiterhin eine Multi-Asset-Management-Strategie nach dem Absolute Return-Ansatz mit Alternativen Investments (Hedgefonds), Private Equity. Gold, Holz und einen aktiven Trading-Ansatz bei den Emerging Market-Aktien. Fast alle diese Module waren im letzten Jahr im Plus. Einige Empfehlungen diesbezüglich sind im neuen EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) nachzulesen. Es wird weiter volatil bleiben, solange die Finanzcasinos noch geöffnet sind. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.)

    TV-Hinweise: Das letzte TV-Interview vom Autor in NTV/Telebörse vom 4. Februar über Ost-Währungs-Zertfikate können Sie sich runterladen unter http://www.teleboerse.de/1097581.html und das letzte Interview mit dem Autor über die Auswirkungen der Rubelkrise im DAF unter www.anleger-hernsehen.de (dort unter Suchfunktion „Männicke“ eingeben. Das nächste TV-Interview mit dem Autor ist am 4. März in NTV/Telebörse.

    Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an.

  • Kommt eine Währungsreform oder ein Staatsbankrott – oder beides?

    Samstag, 07. Februar 2009 14:57:00

    „Wer regiert die Welt?“ Hinter dieser Frage verbergen sich eine Reihe von Verschwörungstheorien, die bis zur Ermordung von US-Staatspräsidenten gehen. Eine davon ist die Theorie, dass die Welt von einem Banken-Kartell in Amerika regiert wird. Dies sind angeblich in etwa die gleichen Bankiers, die auch dem „Plunge Protection Team“ zugerechnet werden und immer wieder versuchen, den Dow Jones vor dem Absturz zu bewahren.. Dazu zählen neben gewichtigen Ölkonzernen vor allem Banken wie Rockefeller Bank, Goldman Sachs, JP Morgan Chace & Co. Ursprünglich zählte auch Lehman&Co dazu. Nachdem sich die USA auch mithilfe der expansiven Geldpolitik FED immer mehr verschuldete, wurden auch einige japanische Banken als Co-Finanziers mit ins Boot genommen, die dann die US-Haushaltsbilanzdefizite und zunehmende US-Verschuldung mitfinanzieren sollten. Sie besitzen und beherrschen angeblich im Hintergrund auch die FED, die eine privatrechtliche und nicht eine öffentlich-rechtliche oder staatliche Organisation ist, die daher nicht unabhängig, sondern vornehmlich im Interesse des US-Banken-Kartells agiert. Wie gesagt, das ist eine Verschwörungstheorie.

    Nun sind im letzten Jahr über 30 Billionen USD an Vermögenswerten verloren gegangen und das Banken-Kartell scheint sich aufzulösen bzw. versucht sich, durch Merger und Staatsbeteiligungen vorübergehend am Leben zu erhalten. Dabei werden jetzt letzte Rettungsversuche unternommen, um den vollständigen Finanz-Kollaps zu vermeiden. Erweisen sich diese letzen Rettungsmaßnahmen als wirkungslos, kommt eine Währungsreform oder ein Staatsbankrott in Betracht, was zuletzt auch der „Spiegel“ als Titelstory gewählt hat. Bernanke hat zuletzt angedeutet, dass die FED demnächst sogar auch US-Staatsanleihen aufkaufen will. Man darf die Frage stellen, ob auch die FED Pleite gehen kann und was dann passiert? Bloomberg hat schon vergeblich versucht herauszubekommen, wie viel Billionen USD die FED schon an wen ausgeliehen bzw. in Umlauf gebracht hat, um den Finanzkollaps in den USA zu vermeiden. Alles top secret! Faktisch ist das gesamte US-Bankensystem nach dem US-Ökonomen Nouriel Roubini insolvent, da noch ein Abschreibungsbedarf von 3,8 Billion USD vorhanden ist. Too big to fail!? Zudem werden demnächst (weltweit) zunehmend Konsumentenkredite und Unternehmenskredite notleidend. Es ist fraglich, ob der Staat dies alles mit einer „Bad Bank“ auffangen kann, was zuvor an Giftmüll in die Welt gepustet wurde. Obama hat den hohen Boni bei Banken schon den Kampf angesagt, was ein gefährliches Spiel im Sinne der Verschwörungstheorie sein könnte. Es gibt auch Verschwörungstheoretiker, die vehement die Abschaffung der FED fordern, denn Greenspan hat diese wahnwitzige Spekulation in US-Immobilien und damit verbundenen Kreditderivaten erst möglich gemacht. Es war ein Billionspiel, das jetzt zusammenkracht, womit auch die FED mit konventionellen Instrumenten nicht fertig wird.

    Was aber wird jetzt in Zukunft und was wird passieren? Meines Erachtens wird der „Prozess der schleichenden Enteignung“ über Sozialabgaben, Steuererhöhungen, aber auch durch Verluste an den Kapitalmärkten und Verstaatlichungen von Banken früher oder später weitergehen. Zudem wird es weitere Währungsturbulenzen geben, die möglicherweise von dem oben genannten „Banken-Kartell“ gesteuert werden. Dies kommt schon dadurch zustande, dass Gelder aus Emerging Markets und Rohstoffen abgezogen werden. Durch die Kapitalflucht kommen dann Währungen in unter Druck wie zuletzt in vielen Emerging Markets, aber auch in Großbritannien, die aufgrund des Immobilien-Bubbles ähnliche Probleme haben wie die USA. Das Pfund halbierte sich schon zum Euro. Dagegen steigen die Währungen Dollar, Yen und Schweizer Franken künstlich, also die Währungen des Banken-Kartells. Auch der Glaube, dass der Staat der „sichere Hafen“ ist, wird noch eine Weile weitergehen (= wahnwitzige Flucht in Staatsanleihen) bis erkannt wird, dass auch diese keinesfalls sicher sind und die Zinsen zu steigen beginnen. Nach dem Anleihen-Bubble wird ein Anleihen-Crash kommen. Unsere Nachfolgegeneration wird noch lange davon sprechen, was jetzt gerade passiert, denn es sind wahrhaft „historische Ereignisse“ (nicht nur) in der Finanzwelt, die seinsgleichen suchen.

    Nach Steuersenkungsdiskussionen wird es später notgedrungen Steuererhöhungs- und vor allem Umverteilungsdiskussionen geben. Menschen die arbeitslos wurden, werden mehr auf die Strasse gehen. Erste Anzeichen dazu gab es schon in Russland und in baltischen Ländern. Der Zorn gegen die jeweiligen Regierungen (und Vorstände von Aktiengesellschaften) wird immer größer werden. Auch „Systemdiskussionen“ werden zunehmen, weil weder das kapitalistische noch das kommunistische System funktionieren. Es wird weltweit mehr Proteste von „unten“ her geben. Auch China ist ein soziales Pulverfass aufgrund der 30 Millionen Wanderarbeiter, die ohne sozialen Schutz bald arbeitslos werden. Obama wird versuchen, in den USA gegenzusteuern, aber es werden aufgrund der „Altlasten“ immer wieder die Finanzmittel fehlen. Zudem wird auch das obige „Banken- und Öl-Kartell“ versuchen, ihm das Leben schwer zu machen, vielleicht schon nächste Woche im US-Repräsentantenhaus…

    Dabei befinden sich jetzt schon 8 Billionen USD auf US-Geldmarktkonten bzw. in geldnahen Bereichen in den USA. Das Geld wird also geparkt. Auch die deutschen Vermögensverwaltungen haben jetzt außergewöhnlich hohe Cashquoten und Sie hoffentlich auch. Zwischendurch werden wir eine starke Hausse an den Weltbörsen bekommen, nämlich dann, wenn die Zahl der Arbeitslosen in den USA „auf dem Papier“ saisonal zurückgehen wird oder noch besser, wenn sie wesentlich geringer als erwartet ausfallen wird, denn dann werden alle glauben, dass die Pferde schon saufen. Diese US-Arbeitslosen zahlen können zwischenzeitlich auch manipuliert werden und sind ohnehin nur Schätzgrößen. Lassen Sie sich dadurch nicht hinter das Licht führen, denn auch die US-Arbeitslosenzahlen sind aber immer geschönte Schätzzahlen. Ich rechne mit einer Arbeitslosenquote von über 10% in diesem Jahr. In Spanien beträgt sie schon 14%, Tendenz zunehmend! Zunehmende Arbeitslosenzahlen mindern den Konsum und belasten jeden Staatshaushalt.

    Wie aber kommt man aus dem Teufelskreis heraus? Was jetzt erforderlich ist, ist mehr denn je internationale Kooperation auf allen Ebenen, das Zurückgewinnen von Vertrauen (auch bei den Wirtschaftskapitänen, die den Rückwärtsgang eingeschaltet haben), zukunftsträchtige neue Technologien und Solidarität (auch der Reichen), also das Gegenteil von Protektionismus und Egoismus. Natürlich müssen auch die Kontrollmechanismen in Zukunft effizienter funktionieren und es muss alles transparenter werden. Dies fordert auch ausgerechnet Putin in Davos, ebenso wie die baldige Rückkehr zur Marktwirtschaft, nachdem jetzt zur Rettung des Systems in Teilbereichen der Fehlgriff in die Staatswirtschaft getätigt wird. Der Staat wird aber überfordert sein, marktwirtschaftliche Prozesse in Gang zu bringen und den Wohlstand zu mehren. Nun soll de Staat auch Milliardären wie der Schäffler-Gruppe (=weltweit führender Automobilzulieferer) helfen, die sich mit Continental gewaltig verspekuliert haben. Und dies alles unter den Vorwand, Arbeitsplätze zu sichern. Es ist klar, dass dies beim Volk (und auch bei mir) auf Unverständnis stößt..

    Der Fall Madoff hat aufgezeigt, dass auch die sonst so geachtete SEC nichts getan hat, um den 50 Mrd. USD Skandal zu verhindern, ganz einfach, weil sie die Produkte nicht verstanden. Dabei haben die Wirtschaftprüfer schon im Jahr 2001 versucht, die SEC auf die „Fehlleitung des Kapitals“ aufmerksam zu machen. Die SEC schritt aber nicht ein. Den Staatsbeamten fehlt ganz einfach das Know How zum Durchblick. Ähnlich war es bei den deutschen Landesbanken und IKB, wo hochrangige Staatsbeamte auch nicht die Fehlleitung des Kapitals entdeckt haben. Sie hatten ganz einfach keine Ahnung, welche Mega-Risken in den Büchern waren. Jetzt ist es zu spät und jetzt soll die HRE verstaatlicht werden, also der Steuerzahler helfen. Fast alle staatlichen Aufsichtsgremien haben weltweit versagt, was mich nicht verwundert. Soll das nun auf einmal alles besser werden?

    Wir haben jetzt schon wegen der „Jahrhundert-Solzenz-Krise“ eine Mega-Vertrauens-Krise. Keiner traut dem anderen mehr, besonders im weltweiten Banken-System. Es steht jetzt viel auf dem Spiel und es bleibt ein „Tanz auf dem Vulkan“. Mit einem „Yes, we can“-Ausruf alleine ist es leider nicht getan, obwohl die Rückkehr des Vertrauen im Moment das wichtigste Gut auf der Welt ist. Geht es gänzlich verloren, wird es eine langjährige Rezession und Baisse an den Weltbörsen geben. Roubini geht davon aus, dass die USA erst im Jahr 2011 wieder einen nachhaltigen Aufschwung erleben werden und bis dahin die Altlasten aufarbeiten müssen, was ein sehr schmerzlicher Prozess – auch für Anleger - sein wird. Bis dahin wird es noch eine Reihe von kleinen und großen Madoffs (=Betrügern) geben und viele die in eine Zwangslage kommen und erst in der Not kriminell werden (Stichwort: Bilanzfälschung- und Manipulation). Wirtschaftprüfer werden sich auch mit hohen Goodwill-Abschreibungen Mrd-Volumen zu beschäftigen haben, und Anleger damit auch. Auch Schadensersatzklagen und aufgebrachte Anleger auf Hauptversammlungen werden zunehmen. Gehen Sie dieses Jahr einmal ein einige Hauptversammlungen, dann können Sie den Zorn der Anleger „live“ miterleben.

    Am Montag will der neue US-Finanzminister Timothy Geitner einen Plan vorlegen, wie das US-Bankensystem zu retten sei. Nach der Verschwörungstheorie gehört er als Ex-Chef der New Yorker Notenbank mit zum US-„Banken-Kartell“. Man darf gespannt sein, was er vorschlagen wird. Zudem entscheidet der amerikanische Senat am Wochenende über das neue Konjunktur-Programm von Obama, das fast ein Volumen von 900 Mrd. USD haben soll und noch einmal aufgestockt wurde. Das Haushaltsbilanzdefizit beträgt damit 1,2 Billionen USD in diesem Jahr. In der nächsten Woche soll dann das US-Konjunkturprogramm vom US-Repräsentantenhaus verabschiedet werden, Wenn Obama im Kongress im ersten Anlauf scheitern sollte, was Bush auch zweimal passiert war (!), und damit eine erste Ohrfeige von den Republikanern (=“Banken-Kartell“?) bekommen sollte, wäre dies zunächst auch ein Schock für die Wall Street, obwohl die vorgebrachten Gegenargumente sehr sinnvoll sind. Die Republikaner plädieren jetzt – ebenso wie die FDP in Deutschland - mehr für eine Steuersenkung zur Konjunkturankurbelung. Aber auch das kostet Geld und muss irgendwie gegenfinanziert werden. Alle Rettungsprogramme sind wieder einmal ein „ungedeckter Scheck für die Zukunft“ (nach dem Prinzip, die Hoffnung stirbt zuletzt). Nur wer wird ihn später bezahlen? Natürlich diejenigen die ihn angenommen haben und die ahnungslose Nachfolgegeneration! Wenn sich die Republikaner durchsetzen sollten, wird es eng- auch an den Weltbörsen. Dann kann der Dow Jones schell unter die wichtige Marke von 7850 Indexpunkten fallen. Warten wir es ab.

    Im Vorfeld dieser für das Sentiment an der Börse wichtigen politischen Entscheidungen stieg der Dow Jones am Freitag überraschend trotz sehr schlechter US-Arbeitslosenzahlen von fast 600.000 um 2,7% auf 8280 Indexpunkte. Am Vortag war der Dow Jones bei 7850 Indexpunkten nur knapp einem Absturz entgangen. Möglicherweise griff das das „Plunge Protection Team“ erneut ein und kaufte S&P-Future-Kontrakte, um Leerverkäufer zum Short-Covering zu zwingen. Der DAX stieg sogar um 2,97% auf 4644 Indexpunkte, nachdem BMW einen positiven Ausblick für dieses Jahr gab.

    Die Bilanzpressekonferenz der Deutsche Bank AG, die einen Rekord-Bilanzverlust in Höhe von 3,9 Mrd. € für 2008 zu Tage brachte, wurde erstaunlich gut weggesteckt. Angeblich hat die Commerzbank AG in 2008 alles an Kreditderivaten abgeschrieben, wobei jetzt zunehmend Unternehmenskredite notleidend werden. Die Deutsche Bank AG war mit einem Volumen von über 400 Mrd. € der drittgrößte Anbieter von strukturierten Produkten und hat hier bisher fast gar nichts abgeschrieben mit Ausnahme im Eigenhandel. Es bleibt also abzuwarten, ob die Zahlen von Josef Ackerman geschönt sind oder der Wahrheit entsprechen. Angeblich hat die Deutsche Bank AG nach Ackermann eine hinreichend hohe Liquiditätsvorsorge getätigt, so dass sie (noch) nicht unter den staatlichen Rettungsschirm muss. Vielleicht will aber Ackermann die Staatshilfe auch vermeiden, um sich nicht in die gefälschten Karten kucken zu lassen. Amerikanische Banken warnen vor großen, nicht bilanzierten Wertberichtigungen bei der Deutsche Bank AG. Auch Versicherungen könnten zu Bilanztricks neigen. Bei Zinsen von nur 2% bei Staatsanleihen und damit negative Realzinsen kommen auch Versicherungen in Bedrängnis. Die Münchner Rück AG gab zuletzt positive Signale und die Allianz ist froh, dass sie den Giftmüll der Dresdner Bank AG los ist. Sind aber die Bilanzen hier sauber? In Japan gingen jedenfalls viele Versicherungen Pleite oder wurden verstaatlicht. Eine dauerhafte 0-Zinspolitik ist jedenfalls tödlich für Versicherungen. Hier sollte den klugen Mathematiker einmal berechnen, wie lange die Deflation anhält und wann aus einer Deflation eine Hyper-Inflation wird. Gibt es dafür schon Simulationsmodelle und eine entsprechende Risikovorsorge? In die Parameter hineingearbeitet müssen aber auch noch die nächsten Klimakatastrophen unter den Stichwort: wie erhöht der Klimawandel die Risikoprämien und wie ist dass alles finanzierbar?

    Auch hier bleibt abzuwarten, welche Schaden hier strukturierte Produkte von genialen Mathematikern, die die Welt mit und undurchschaubaren Produkten versogt haben, angerichtet haben. Um es klar auszudrücken, wenn für ein Produkt nichts mehr bezahlt ist, ist es wertlos. Versicherungen können aber auch in Bedrängnis kommen, falls es einen Anleihen-Crash geben sollte oder US-Staatsanleihen im Rating herabgestuft werden. Aber auch das US-Rating ist ein „Politikum. Es bleibt auch abzuwarten, ob die Hypo Real Estate AG tatsächlich mit einer Mehrheit von über 50% vom Staat übernommen wird, was noch keine Enteignung ist. Schließlich hat der russische Staat bei der russischen Sberbank schon immer eine Mehrheit von über 50% und entwickelte sich zwischenzeitlich bis Mitte letztem Jahres mit einer Kursverhundertfachung (!) seit dem Tief in 1998 prächtig, Jetzt brach der Kurs von über 360 auf unter 60 € ein was aber nichts einer Verstaatlichung oder mehrheitlichen Staatsbesitz zu tun hat. Im Gegenteil: dort, wo jetzt der Staat drin ist, erhöht sich das Rating, womit sich die Refinanzierung verbilligt.

    In Russland waren Bankaktien im Gegensatz zu den USA, wo die Bank of America am Freitag um 25% anzog, wenig nachgefragt, weil Russland unter einem stark fallenden Rubelkurs und einem Downgrade bei den Rating-Agenturen leidet. Ich frage mich nur, warum US-Anleihen noch so hoch geratet werden. Steckt da etwa auch das „US-Banken-Kartell“ dahinter? Profiteure des fallenden Rubelkurses sind aber Unternehmen, die hohe Deviseneinnahmen erzielen, wie vor allem Rohstoffunternehmen, während Unternehmen mit hohen Auslandschulden in Hartwährung darunter leiden. So konnten die Kurse einiger russischer Stahlwerte am Freitag um 10-20% zulegen. Die Kurse von Goldaktien konnten letzte Wochen ebenfalls deutlich anziehen. Der RTS-Index konnte sich am Freitag zwar ein wenig erholen, notiert aber noch 15% unter dem Stand zu Jahresbeginn. Damit bleibt die Moskauer Börse einer der Top-Verlierer unter den Weltbörsen. Jetzt gibt es Befürchtungen, dass der Rubel noch um weitere 20% an Wert verliert, nachdem er schon über 20% gegenüber dem Währungskorb aus USD (55%) und Euro (45%) abgewertet wurde. Die russische Notenbank hatte zuletzt die Zinsen leicht angehoben, um den Rubel zu stützen. Die Währungsreserven haben sich durch die Rubelstützung schon um über 200 Mrd. USD von 600 auf unter 400 Mrd. USD gedrittelt Die Kapitalflucht betrug schon über 100 Mrd. USD. Der wichtigste Faktor zur Erholung des Rubelkurses ist der Ölpreis, der zuvor im freien Fall war, der sich am Freitag aber auf 46 USD/Barrel um 15% in einer Woche erholen konnte.

    Die Strohfeuer und kurzfristigen Marktzuckungen an der Wall Street sind aber wenig aussagekräftig. Überlagert werden alle Kursauschläge durch die Kardinalfrage, wie die Megaverschuldung wieder zurückzuführen ist, wie der Giftmüll aus den Bankbilanzen zu beseitigen ist und last not least wie die Konjunktur wieder in Schwung kommt. Zudem gibt es immer mehr Befürworter, dass den USA demnächst japanische Verhältnisse bevorstehen, also nicht nur eine Reihe von bankrotten Großbanken, sondern eine lang anhaltende Stagnation bis Rezession und damit ein dauerhafte 0-Zinspolitik bekommen werden. Dies könnte zu der Frage führen, ob eine Währungsreform als ultima ratio auch in Betracht gezogen wird. Der Euro könnte aufgrund der Wackelkandidaten Griechenland (hat schon Schwierigkeiten bei der Platzierung von Staatsanleihen), Spanien, Italien und Belgien, die aus dem Euro ausbrechen könnten. Bisher war der Euro noch eine „Schönwetterwährung“, der die eigentliche Bewährungsprobe noch vor sich hat. In den USA wird schon lange die Einführung eines Amero diskutiert. Auch Putin wird diesbezüglich einige neue Vorschläge beim nächsten Weltwirtschaftsgipfel mit den G20-Ländern am 20.April machen. Letztendlich geht es dabei auch, das US-Bankenkartell, das die Welt beherrschen will, zu brechen. Auch China wird sich zu Wort melden und sein Einfluss geltend machen, denn die USA befinden sich schon jetzt in den Händen der Chinesen.

    Wie nun der Giftmüll im US-Bankensektor und weltweit zu beseitigen ist, bliebt ein Problem. Angela Merkel äußerst sich jetzt, das es in Deutschland keine Bad Bank aber viele kleine Bad Banks nach dem Vorbild der West LB geben könnte. Eine Bad Bank bedeutet nur de Erhöhung der Mega-Verschuldung. Der Börsenguru Marc Faber plädiert dafür, lieber Banken Pleite gehen zu lassen, bevor der Staat selbst Pleite geht. Er glaubt aber, dass der Dollar aufgrund der Mega-Versuhldung mittelfristig verschwinden wird. Aber was kommt nach dem Dollar als Leitwährung? Wird es wieder einen Goldstandard, also ein Art Bretton Woods geben? Dann würde der Goldpreis auf über 2000 USD/Unze explodieren. Es ist jedenfalls nicht möglich, in solchen Extrem-Situationen irgendwelche „Schönwetter“-Börsenprognosen auf Basis von möglichen Fundamentaldaten zu machen. Sicherlich: vom KGV etc her ist die Welt im Moment sehr günstig. Wie sicher sind aber die Gewinnschätzungen für 2009/10 wirklich? Auch in der Welt der Medien ist die Krise jetzt angekommen. Murdoch muss Milliardenverlusten hinnehmen. Auch bei Medien ist „Downsizing“ das angesagte Thema. Ganze Redaktionen müssen umziehen (N24 nach München) oder verschwinden ganz von der Bildfläche - sogar bei Bloomberg TV. So soll es demnächst noch Bloomberg TV von London ausgestrahlt werden. Die Finanzzeitungen leiden unter den dramatisch fallenden Werbeeinnahmen. Wir hatten so etwas ja schon einmal als 2003 die ganze Telebörse-Print-Redaktion aufgelöst wurde.

    Ich halte es geradezu für verantwortungslos, wenn einige Bankberater und Vermögensverwalter so tun, als ob nichts geschehen sei, und gleich zu alten Tagesordnung übergehen wollen. Das ist leider nicht möglich, da es sich um komplexe und tiefgreifende Verschuldungsprobleme in Kombination mit globalen Rezessionstendenzen handelt. Vor allen Dingen funktioniert das Finanzsystem nicht mehr. Die gegenwärtige Situation ist bestenfalls mit der von 1929/30 zu vergleichen

    Wenn also in der nächsten Woche über das „historische“ Mega-Konjunkturprogramm (=Mega-Verschuldungsprogramm) in den USA schon im ersten Anlauf positiv entschieden werden sollte, was ich bezweifele, dann sollte man sich sogleich auch fragen, wie die Verschuldung wieder zurückgeführt werden kann. Wenn Wachstum als Schulden-Rückzahlungsfaktor wegfallen sollte, bleibt nur eine Hyper-Inflation oder eine Währungsreform als Lösung. Die Frage bleibt auch, wer die Billionen an Staatsanleihen, die jetzt auf den Markt kommen sollen, kaufen wird. Japan wird wohl als US-Verbündeter nolens volens „mitmachen“ müssen. Ob China „mitmacht“, ist noch fraglich. Fällt China als Investor aus, hat die USA schon ein Problem, denn dann müssen die Zinsen steigen. Auch weitere mögliche Staatsbankrotte werden uns weiter beschäftigen Nach Ukraine, Ungarn, Weißrussland, Lettland und Pakistan, wird wohl auch die Türkei IWF-Kredite benötigen, um einen Staatsbankrot zu verhindern

    Ein Staatsbankrott und damit einem Default bei Anleihen ist nach Ecuador auch in Argentinien möglich. Wann aber sind die USA und Großbritannien soweit? Die Hintermänner der FED und die hinter dem Banken-Kartell steckenden Leitfiguren werden schon eine Antwort parat haben, wie sie ihr Geld schützen und das vom anderen vernichten können. Als Mittel dienen auch Abwertungen von anderen Währungen. Zunächst steht der Rubel auf der „Abschussliste“, wogen sich Russland wehren wird, solange es kann. Es wurden bereits mehreren Milliarden USD aus Amerika von Russland abgezogen, was den Rubel und die Wirtschaft erheblich schwächte. Auch Russen fragen sich schon, ob dahinter (auch) Berechnung steckt. Ein De-Coupling kann unter solchen Bedingungen in Emerging Markets jedenfalls nicht gelingen. Die USA wollen unbedingt die Welt weiter regieren und sie brachen dafür auch die Emerging Markets. Dies hat aber China auch schon erkannt, wobei das Vermögen immer noch in den USA bzw in der Schweiz (auch das vom Banken-Kartell) ist, aber China hat das Wachstumspotential, was den USA fehlt. Die US-Automobilindustrie dürfte schon bald das Geld ausgehen, womit Chrysler und GM Pleite gehen könnten bzw. Chapter 11 anmelden müssen. Auch das wird uns in den nächsten Monaten noch mehr beschäftigen als uns lieb ist. Selbst Toyota hat jetzt Milliarden-Verluste zu melden.
    Kurzfristig wird die Wall Street zunächst auf die Ankündigung von Finanzminister Geigner und dann vor allem auf die Entscheidung im US-Repräsentantenhaus reagieren. Wenn das Konjunkturprogramm nicht durchkommen sollte, könnte es schon in den nächsten Wochen zu einem Crash an der Wall Street und auch an den Weltbörsen kommen, was dann der „negative Obama-Effekt“ wäre.

    Fazit: Bleiben Sie zu über 70% in Cash und benutzen nur 10-30% zu kurzfristigen Trading-Positionen. Gehen Sie auch an den Ostbörsen voll in Liquidität, wen der Dow Jones nachhaltig unter 7800 Indexpunkte fallen sollte. Beim S&P ist die magische Marke die halten muss, die 800-erMarke, beim DAX die 4000-er und beim RTS die 500er-Marke. Alle Weltbörsen stehen damit nächste Woche vor wichtigen Weichenstellungen. Haltern diese Marken oder kommt das US-Konjunkturprogramm ohne Problem durch, könnte es kurzfristig eine starke Bewegung nach oben geben, wo Trader dabei sein sollten. Gewinner der Krise könnten konjunkturunabhängige Biotech- und Gesundheits-Aktien neben Bauwerten (Stichwort: Infrastrukturinvestitionen) werden. Auch Gold bleibt ein interessantes Investmentthema.

    Nach dem Mondkalender könnte es aber auch nächste Woche kräftig abwärts gehen, denn am 9. Februar ist Vollmond und nach dem Vollmond geht es bergab, wer daran glaubt. Das Thema Währungsreform und Staatsbankrott wird uns dann sehr schnell beschäftigen, wenn die Pferde nicht saufen sollten. Das werden wir aber frühestens erst in der zweiten Jahreshälfte erfahren. Von der möglichen Währungsreform wird es noch einige Währungsturbulenzen auch beim Pfund geben. Der Rubel rollt nicht auch mehr, wenn der Ölpreis nicht nachhaltig über 50 USD/Barrel steigen sollte. Zudem ist die Inflation in Russland weiter ein Thema. Wie das Anleger zu ihrem Vorteil ausnutzen können, wird im nächsten EAST STOCK TRENDS beschrieben. Es wird weiter volatil bleiben. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.)

    TV-Hinweise: Das letzte TV-Interview vom Autor in NTV/Telebörse vom 4. Februar über Ost-Währungs-Zertfikate können Sie sich runterladen unter http://www.teleboerse.de/1097581.html . Das nächste Interview vom Autor über die Rubelkrise ist am 10. Februar im DAF (www.anleger-fernsehen.de ).

    Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an.

  • Ratlose Profis und ahnungslose Politiker

    Samstag, 31. Januar 2009 02:12:00

    Der Fondskongress in Mannheim am 28/29. Januar bot einmal wieder die Möglichkeit, sich einen guten Überblick darüber zu verschaffen, wie die Profis jetzt „ticken“ und welche Anlagestrategien in der Krise opportun erscheinen. Zunächst darf man positiv herausstellen, dass der Fondskongress, wo ich auch anwesend war, sehr gut besucht war. Einige Räume waren sogar so überfüllt, dass man annehmen könnte, es werden nun bahnbrechende, wegweisende Trends bekannt gegeben. Das Gegenteil davon war der Fall, denn selbst Profis mit jahrelanger Berufserfahrung wissen nicht, wie es nun weitergehen wird.

    Normalerweise sind die Räume nur während eines Mega-Booms oder einer Hausse überfüllt. Ich habe den Eindruck, dass das Interesse an Finanzanlagen umso größer wird, je mehr sich die Krise ausweitet. Auf dem Fonds-Kongress sind aber überwiegend Finanzvermittler, die auch ratlos sind und nun sicherlich auch einen schweren Stand haben, ihren Kunden die schlechte Performance des Vorjahres zu erklären und ihnen zudem Hoffnung für die Zukunft zu machen.

    Was die Assetklassen Aktien, Staatsanleihen und auch Rohstoffen angeht, waren die Aussichten bei den meisten Profis (=Strategen von Banken, Fonds und Vermögensverwaltungen) wenig hoffnungsvoll für dieses Jahr und für das nächste Jahr wollte sich schon gar keiner aus dem Fenster legen. Ausgenommen davon sind die Strategen, die erfolgreich eine Multi-Aseet-Management-Strategie nach dem Total Return-Ansatz oder eine Long/Short-Strategie verfolgen, was im Moment sehr angesagt ist. Auch die Erkenntnis, dass sich Emerging Markets diesen globalen Trends nicht entziehen können und dass exportorientierte Emerging Marktes von der gegenwärtigen Krise besonders hart getroffen werden, ist nicht neu. Emerging Markets werden immer volatiler als etablierte Märkte sein, weil Kapitalzu- und vor allem -abflüssen aufgrund der Marktenge zu größeren Kursausschlägen führen. Daran wird sich so schnell nichts ändern.

    Dennoch wurden auf dem Fondskongress auch Themen für das smart money wie Afrika bzw. MENA (Middle East-North Africa) thematisiert. Ich empfehle dem weitsichtigen Langristanleger gerade jetzt einen genauen Blick auf die Anlagemöglichkeiten in dem noch weitestgehend unentdeckten Kontient Afrika zu werfen. Insofern empfehle ich auch gerne das Buch von meinem sehr geschätzten Kollegen Hartmut Sieper „Investieren in Afrika“ (erschienen 2008 im Finanzbuchverlag), das Ihnen einen guten Überblick über die Investitionsmöglichkeiten in Afrika gibt. Einige Fondsanbieter haben auch schon eine Reihe von Arabien/Afrika-Produkten lanciert, andere sind noch in Vorbereitung. Es lohnt sich in jedem Fall, schon jetzt einen Blick darauf zu werfen. Schließlich zählten die Börsen aus Marokko, Tunesien und Ghana schon im letzten Jahr zu den Top-Performern unter den Weltbörsen. Außer in Dubai und Südafrika handelt es sich dabei größtenteils noch um sehr kleine, illiquide Börsen, die aber wiederum auch größtenteils negativ untereinander korreliert sind. Sogar in Angola und Kongo sollen neue Börsen entstehen und das sind Länder mit enormen Bodenschätzen und großem Entwicklungspotential. Es verwundert nicht, das China dort fast überall schon präsent ist, um sich wichtige Rohstoffvorkommen zu sichern.

    Es sollte auch nicht verwundern, dass sich keiner auf dem Kongress wagte zu sagen, dass in diesem Jahr die Krise schon vorbei sei und wir wieder voller Freude einem neuen Haussetrend entgegenschauen können. Dafür sind die gegenwärtigen Probleme zu komplex, zu tiefgreifend und die Wirkung der staatlichen Maßnahmen gänzlich unbekannt. Auch das Thema, was passiert, wenn die gegenwärtigen keynsianischen Instrumente nicht greifen sollten, will keiner so recht zur Sprache bringen. Kurz gesagt: es herrscht allgemeine Ratlosigkeit bei den Profis. Trends für 2009/10 sind noch nicht erkennbar, außer dass die Bärmärkte im Aktienbereich noch voll intakt sind und eine scharfe Rezession, aber keine Depression 2009 wahrscheinlich ist. Gute Chancen wird allgemein Gold eingeräumt, womit ich übereinstimme.

    Immerhin wagten sich auch zwei Fondsanbieter, nämlich Baring Asset Management (mit ihrem Russlandfonds) und Raiffeisen Capital Management (mit ihrem Osteuropafonds) explizit Russland als besondere Chance in der Krise herauszustellen. Die NESTOR Fonds-Gruppe hat diesmal mit dem Fonds-Advisor Parex Asset Management eine interessante Präsentation über osteuropäischen Unternehmensanleihen gegeben, die alle Probleme (bis zum technischen Default), aber auch die Chancen bei osteuropäischen Unternehmensanleihen herausgearbeitet hat. Nach einem Minus von 33% im letzten Jahr bestehen nun attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Wer noch keinen Osteuropa-Aktien-Fonds oder Osteuropaanleihenfonds im Portfolio hat, hat jetzt sicherlich eine gute Startmöglichkeit, wenn er einen Sparplan sich selber macht oder in einen Sparplan investiert. Denn nach einem Krisenjahr von diesem Ausmass kommen auch immer wieder gute Jahre an der Börse.

    Die Konjunkturdaten werden aber weiterhin schlecht bleiben. Das BSP brach in den USA im 4Q08 um 3,8% ein: es war damit das schwächste Quartal in den letzten 26 Jahren. Erwartet wurde aber eine Schrumpfung des BSP um 5,4%, so dass der Markt mit einem Minus von 1,82% noch relativ gelassen auf die schlechten Konjunkturdaten reagierte. Diese Reaktionen sind jetzt öfters zu erwarten. Entscheidend für den Kursverlauf sind die Abweichungen von den Erwartungen und weniger die Ergebnisse selbst. In jedem Fall werden die Arbeitslosenzahlen, die zudem in den USA geschönt sind, weiter drastisch ansteigen. In der letzten Woche wurden in den USA am Mittwoch 72.000 Beschäftigte an einem Tag entlassen. Ich erwarte eine Arbeitslosenquote von über 10% in den USA, die dann mit den Konsum drücken werden. Aber auch in Europa sieht es nicht besser aus. In Spanien ist schon jetzt die Arbeistlosigkeit auf 14% gestiegen (Tendenz steigend). Im Euro-Raum haben vor allem Spanien, Griechenland, Italien und Belgien jetzt große Probleme, was auch den Euro schwächt. Der Euro fiel zum Dollar auf ein neues Jahrestief von 1,27 EUR/USD. Die Währungen in den oben genannten Ländern wäre aber ohne Euro sehr viel stärker abgewertet worden. Das Pfund verlor schon fast 50% zum Euro, was auch die prekäre Situation in Großbritannien deutlich macht. Selbst Primier Brown wird jetzt notgedrungen zähneknirschend zum Keynsianer und Staatsbefürworter. Die RBS könnte verstaatlich werden. Barclyas gab zunächst Entwarnung, was Hoffnung macht. In Großbritannien erwarte ich aber volkswirtschaftlich ähnlich große Probleme wie in den USA, also auch einen Immobilien-Crash und einen Einbruch des Konsums. Die ehemaligen viel bewunderten Vorzeige-Kapitalisten müssen nun auf die Schulbank und Staatsregulierung lernen – auch beim G20-Gipfel. Ich rechne auch fort mit großen Währungsschwankungen und -verwerfungen. Auch der Rubel dürfte sich weiter abschwächen, worauf man auch über Zertifikate spekulieren kann.

    Die amerikanischen Banken sind immer noch in einer Jahrhundert-Solvenzkrise und dies dürfe auch im Falle einer Bad Bank lange Zeit so bleiben. In Deutschland wird das Modell der vielen, kleinen ausgelagerten Bad Banks (wie bei der West LB) als eine Bad Bank favorisiert. Wenn man den Worten von Bernanke folgt, dann wird die FED demnächst die Bad Bank werden, die alle faulen Kredite erwirbt. Sie soll demnächst sogar Staatsanleihen aufkaufen. Die Frage ist dann, wann aus einer Deflation eine Hyper-Inflation wird bzw. wie das vermieden werden soll, bei der Dollarschwemme. Geld drucken kann jeder, aber ist das gesund?

    So oder so wird sich der Staat, falls er die toxischen Produkte auf sein Konto schreibt, weiter verschulden müssen. Der Spiegel stellt daher zu Recht die Frage, wann ein Staat Pleite ist. Letztendlich ist das einfach zu beantworten. Nämlich wenn keiner mehr die neu begebenen Staatsanleihen kaufen will. Ich bin jetzt schon gespannt, wie das Billionen-Volumen an Anleihen vom Markt (=Chinesen, Japaner, Araber) aufgenommen wird. Finden sich nicht genug Käufer, müssen die Zinsen steigen. Es dürfte auch jedem klar sein, dass die Garatieversprechen des Staates gar nicht eingelöst werden können. Auch können nicht alle faulen Kredite übernommen werden, weil das Volumen mit über 3 Billionen USD in den USA zu groß ist.

    Die Commerzbank und die Deutsche Bank haben zusammen eine Bilanzsumme von 3 Billionen €, wobei das Eigenkapital nur 2% beträgt. 3 Billionen € kann der Staat aber nicht übernehmen, da er dann schnell selbst Pleite ist. Ich bin selbst sehr gespannt, wie dieses keynsianische Mega-Experiment ausgehen wird. Wenn die Pferde nicht saufen sollten, kommt auch eine Währungsreform in einigen Jahren in Betracht. Darüber wollte aber keiner auf dem Fondskongress sprechen. In diesem Jahr bleibt es abzuwarten, wie stark tatsächlich der Spill over der globalen Finanzkrise auf die globale Realwirtschaft sein wird. Von daher sollten Sie weiterhin die nächsten Frühwarnindikatoren (Leading indicators) in den USA und den IFO-Gechäftsklima-Index in Deutschland, aber auch die Arbeistlosenzahlen, beobachten. Zuletzt gab es hier schon leichte Stabilisierungstendenzen auf niedrigem Niveau. Durch die drastische Ausweitung der Geldmenge vor allem in den USA könnten auch Börsen in Zukunft profitieren. Insbesondere die Auftragseingänge im Januar werden schon mehr Licht ins Dunkel bringen und sind sehr wichtig für die zukünftige Börsenentwicklung. In den Monaten November/Dezember sind sie so stark wie schon lang nicht mehr eingebrochen.

    In den USA hat AIG schon wieder 450 Mio. USD für Provisionen für „verdiente Manager“ mit Staatsgeldern bereitgestellt und die Citibank hat mit Staatsgeldern einen neuen Privat-Jet geordert. Obama wird den Bankern demnächst schon die Leviten lesen. Auch der G20-Gipfel im April wird neue Weichen stellen. Vielleicht haben wir es dann schon mit einem Paradigmawechsel in Finanzsektor zu tun. Es wird Jahre dauern, die die verstaatlichen Banken die Kredite vom Staat samt Verzinsung wieder zurückbezahlen können. Die Dividenden dürften daher bis dahin ausfallen. Der Bankensektor ist weiterhin sehr labil, verwundbar und es wird dort weitere Verstaatlichungen geben. In Deutschland soll möglicherweise die Hypo Real Estate AG (zur Hälfte) verstaatlicht werden und in Kasachstan die Alliance Bank, was auch den Kurs der Kazkommertsbank letzte Woche zum Einbruch brachte. Es ist wie in Australien. Es brennt noch überall lichterloh und es scheint nicht viel an Substanz übrig zu bleiben.

    Neben den schlechten Konjunkturdaten, gibt es aber immer noch beeindruckende Gewinnzahlen, die zeigen, dass die westlichen Unternehmen ordentlich Speck auch im letzten Jahr angesammelt haben. Immerhin bekam Pfizer 22 Mrd. € an Krediten für die Übernahme des halb so großen Konkurrenten Wyeth für 68 Mrd. USD. Hoffentlich übernimmt sich Pfizer nicht damit wie zuvor die Bank of America. Der Pharmasektor ist aber noch relativ stabil und profitabel. Noch profitabler im letzten Jahr war der Ölsektor. So meldete ExxonMobil für 2008 einen Gewinn von 45 Mrd. USD und Chevron einen Rekordgewinn von 24 Mrd. USD für das letzte Jahr. Dieses Jahr könnte aber bei Ölpreis von unter 40 USD/Barrel Verluste bringen. Zuletzt notierte der WTI-Ölpreis am Freitag nur bei 41 USD/Barrel. Insbesondere für Russland ist der Ölpreis von großer Bedeutung. Der Haushalt wurde jetzt auf Basis von 41 USD/Barrel nachberechnet, was durchaus realistisch sein kann. Es sol nun ein Nachtragshaushalt auch in Russland beschlossen werden. Zuvor basierten die Annahmen bei 95 USD/Barrel. Bei einem Ölpreis von dauerhaft unter 50 USD wird Russland in eine Rezession schlittern und zudem ein hohes Haushaltsbilanzdefizit bekommen, was wiederum den Rubel weiter schwächt.

    Bei dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos machten die meisten Politiker und Wirtschaftsbosse gute Miene zum bösen Spiel. Die Amerikaner, die Krise verursacht hatten, blieben ohnehin zu Hause und reisten erst gar nicht erst an. Sie müssen die Wunden zu Hause lecken. Ausgerechnet Putin fordert nun die Weltgemeinschaft auf, bald wieder zur Marktwirtschaft zurückzukehren und sich gegenseitig mehr zu vertrauen, womit er aber im Grunde Recht hat. Neue Impulse für die Weltbörsen waren aber nicht erkennbar. Auch in Davos sind die Politiker relativ ratlos. Die Anleger müssen bei dieser labilen Gemengelage mit allem rechnen und dabei besonders auf die Markttechnik achten. Der DAX gab am Freitag um 2,03% nach und schloss bei 4338 Indexpunkten und der Dow Jones gab um 1,82% nach und fiel auf die charttechnisch sehr bedeutsame 8000-er Marke.

    Ich bleibe dabei: gehen Sie auch an den Ostbörsen voll in Liquidität, wenn der DAX nachhaltig unter 3950 oder der Dow Jones unter 7950 Indexpunkten nachhaltig fallen sollte. Für Gold bleibe ich weiterhin bullish. Der Goldpreis stieg auf ein neues Jahreshoch von 922 USD. In Euro erreichte der Goldpreis sogar ein neues Allzeithoch von erstmals über 700 €. Er dürfte weiter steigen. Von daher sind auch russische Goldaktien wie Polyus und Polimetal weiterhin aussichtsreich. Polyus will nun Kazakhgold aus Kasachtstan übernehmen. Der Gewinner des Tages war aber am Freitag der in Russland aktive Öl-Junior Sibir Energy mit einem Plus von 60% auf 2,2 €. Interessant sind auch Aktien mit hohen Dividendenrenditen vor allem im Telekomsektor (einige Vorschläge dazu im nächsten EAST STOCK TRENDS, www.eaststock.de)

    Es wird in jedem Fall sehr volatil bleiben. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

    TV-Hinweise: Ein Interview mit dem Autor über Russland wird am 3. Februar um 07.17, 16.05 und 17,05 Uhr in Bloomberg TV (www.bloomberg.com) ausgestrahlt. Am 4. Februar wird der Autor dann in NTV/Telebörse über die Chancen in Osteuropa befragt werden (siehe www.n-tv.de oder www.teleboerse.de/Geldanalgecheck)

 

 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

03.12.2019, 17:00
Ostebörsen-Seminar "Go East- Hochprozentiges aus Osteuropa"

04.12.2019
Männicke in NTV/Telebörse über Rohstoffe und Osteuropa

09.12.2019
Männicke in Börsen Radio Networks über Osteuropa

Archiv

28.10.19 Das Brexit-Chaos nimmt kein Ende – oder doch?
29.09.19 Trump enorm unter Druck – die Wall Street demnächst auch?
25.08.19 Der Handelskrieg USA/China eskaliert = Rezession in 2020?
04.08.19 Trump schickt die Börsen auf Talfahrt
29.07.19 Notenbanken kämpfen gegen Rezession, Deflation und dem drohenden Finanzkollaps

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)