Wutbürger im Vormarsch

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Samstag, 15. Oktober 2011 15:23:00

Immer mehr Bürger versammeln sich auf den Straßen, um für mehr Demokratie und gegen die Banken, gegen eine zwei Klassen-Gesellschaft (arm/reich) und gegen den Kapitalismus zu demonstrieren. Die Reichen sollen den Armen helfen, aus der Misere zu kommen anstelle sich selbst zu bereichern. Sie wollen keine Welt, wo Geld die Welt regiert. Diese Demonstrationen nehmen in den USA schon die Form einer politischen Bewegung an, die ernst zu nehmen ist. Die Wall Street wird ständig von Demonstranten belagert. Nun greift diese Bewegung auch auf Deutschland über. Noch verlaufen diese Demonstrationen relativ friedlich.

Sie ähneln vom Inhalt aber und der Intention den Demonstrationen und Generalstreiks in Griechenland. Breite Bevölkerungsschichten sehen nicht ein, dass immer wieder neue Milliardenbeträge zur Rettung von Banken zur Verfügung stehen, den sozial schwachen Gruppen in der Not aber nicht geholfen wird. Diese Verärgerung breiter Bevölkerungsschichten und der Ohnmacht gegenüber der Finanzautokratie ist nachvollziehbar. Ebenso sind es die „linken“ Parolen, die dabei geschwungen werden. Es ist wenig förderlich hier in „linke“ und „ rechte“ Argumentationsmuster einzusteigen und zu polarisieren, um einen Systemwandel herbeiführen zu wohlen. Es ist aber nicht nur sinnvoll, sondern dringend geboten, die Systemfehler zu korrigieren und zu beseitigen.

Was das System zum Kippen und Kollabieren bringen kann, ist in der Tat ein Bankenrun, denn dann wären alle Spareinlagen verloren oder ein Staatsbankrott von großen Ländern wie Spanien oder Italien. Im Falle eines Staatsbankrotts werden auch die systemrelevanten Banken der jeweiligen Länder Pleite gehen, denn die Banken haben wiederum großvolumig die Staatsanleihen des eigenen Landes im Portfolio. In Italien gibt es eine schwerwiegende poltische Vertrauenskrise und das ist in einer Zeit, wo Italien ohnehin viel zu hoch verschuldet ist wenig hilfreich. Darunter leiden auch die italienischen Banken. Dexia musste schon not-verstaatlich werden, Droht dies nun auch italienischen Banken? So hat alleine die UniCredit italienische Anleihen im Wert von 40 Mrd € im Portfolio. Die amerikanischen Großinvestoren wie Goerge Soros haben jetzt am meisten Angst vor einer Euro-Banken-Krise, weil sich dies dann auch auf Amerika negativ auswirken wird.

Um Staatspleiten besser oder überhaupt auffangen zu können, soll nun die Eigenkapitalquoten von Banken erheben erhöht werden, was ich schon lange befürworte. Zudem sollen sich die Banken wenn nicht freiwillig, dann zwangsweise an dem Cut bei griechischen Anleihen beteiligen. Hier ist ein Cut von 50% wahrscheinlich und das Angebot der deutschen Großbanken von 20% wohl nicht ausreichend.

Warum hebeln die Banken überhaupt so stark mit fremdem Geld, das ihnen nicht gehört, und kaufen dann Risiko-Anleihen mit hohen Renditen? Die Banken als Risiko-Manager sollten doch als erste wissen, dass hohen Zinsen auch hohe Risiken bedeuten. Da kann man auch verstehen, dass auch „Insider“ und Bankexperten zu Wutbürgern werden. Eigenkapitalquoten von 10% sind erforderlich und auch dann werden es einige Banken schwer haben zu überleben, wenn die Verluste im Eigenhandel und Investmentbankinggeschäft zu groß werden. Basel III sollte schon zu höheren Eigenkapitalquoten führen.

Man darf auch gespannt sein, was der nun geforderte Bankstresstest unter Berücksichtigung von Staatspleiten hervorbringen wird und vor allem, wann er erfolgt. Allmählich wird alles das umgesetzt, was ich schon vor Jahren in meinen Kolumnen gefordert haben. Hoffentlich ist es dann nicht schon zu spät. Auf der anderen Seite wird eine Kreditklemme befürchtet, wenn die Banken nicht mehr bereit oder in der Lage sind, Risikokredite an den Mittelstand zu geben.

Ein ähnliches Bankenproblem hat im Moment fast unbemerkt China, die eine Reihe von privaten „Schattenbanken“ aufgebaut haben, die nun Pleite zu gehen drohen. Viele Unternhemer in China können ihre Kredite an private Geldgeber, die wie Schatten- bzw. Untergrundbanken fungieren, nicht mehr bedienen. Sie flüchten und lassen das Unternehmen allein so wie jetzt in September in der Stadt Wenzhen alleine 40-mal. Das Volumen der privaten Geldgeber betrug in Wenzhou alleine 13,6 Mrd €.

Zudem haben auch einige chinesische Großbanken faule Kredite im Portfolio. So wurde ab dem Jahr 2009 einige Großprojekte der Regionalregierungen finanziert, um die Krise abzuwenden. Diese großvolumigen Kredite werden jetzt allmählich fällig und die kommunalen Regierengen sind zum Teil nicht in der Lage, die Kredite zurückzuzahlen. Die Verbindlichkeiten daraus belaufen sich auf 1,2 Billionen Euro, von den 40% in diesem Jahr fällig werden. Zudem bestehen in einigen Städten die Gefahr einer Immobilienblase und damit auch der Verlust von Krediten im Immobilienbereich. In 16 von 70 Städten fielen die Preise im August. Auch dies muss mit großer Sorge beobachtet werden, denn dies könnte wiederum das Wachstum in China behindern. Wenn aber das Wachstum in China geringer wird, hat dies Konsequenzen für die ganze Welt. Auch China ist für westliche Analysten eine black box, da des von hier aus schwer einzuschätzen ist, was in China intern an Finanzierungen abläuft, nur um das Wachstum künstlich aufrecht zu erhalten.

Ich gewinne den Eindruck, dass die Lösung der Finanzierungsprobleme in China und vor allem in Europa in Zukunft auch ausschlaggebend für die weitere Entwicklung der Weltbörsen sein wird, während die Makro- und Mikro-news aus den USA eher nachrangig sind. Ich erwarte für die USA im 3. Quartal sogar ein robustes Wachstum, das nicht auf eine Rezession in den USA hindeutet. Auch die Quartalszahlen werden überzeugen und nicht auf eine Rezession, sondern nur auch eine Konjunkturabschwächung und hindeuten. Dies dürfte sich auch im 4. Quartal fortsetzen. Wenn sich diese Erkenntnis fortsetzt, dass wir im nächsten Jahr keine Rezession, sondern nur eine Konjunkturabschwächung erleben werden, werden die Kurse zumindest bis Ende Jahres eher steigen.

Die Probleme für die weitere Entwicklung der Weltbörsen liegen mehr in China und in Europa. China muss sehr dynamisch wachsen, sonst werden auch dort einige Wutbürger auf die Straße gehen. Während die Finanzierungsprobleme in China noch nicht transparent und damit noch nicht unmittelbar börsenrelevant ist, ist das Problem der Refinanzierung und Rekapitalisierung der europäischen Großbanken wohl der Lackmustest für die Weltbörsen.

In den nächsten Wochen werden die Rating-Agenturen wieder die Rating-Keule schwingen. Spanien wurde am Freitag schon von S&P von AA auf AA- weiter heruntergestuft. Jetzt drohen weiteren europäischen Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank AG, Herabstufungen von Fitch. Damit wird die Refinanzierung noch teurer werden. Dringend geboten ist hier eine Kapitalheraufstockung und zum Teil auch eine Änderung der Geschäftsmodelle auf einen breitere Basis, also weniger Investmentbanking und mehr Kreditgeschäft - mithin back to the roots, was auch ich schon vielfach an dieser Stelle gefordert habe. Dies müsste dann sogar auch ganz im Sinne der Wutbürger sein, die das Geschäftsmodelle zu Lasten der kleinen und sozial schwachen Kreditnehmer (und Sparer) nicht mehr mitmachen wollen. Herabstufungen drohen auch bei den französischen Großbanken, die durch einen jetzt drohenden Schuldenschnitt bei griechischen Anleihen besonders getroffen sind.

Zunächst drohen nur Herabstufungen auf „negative Ausblicke“ bei den Großbanken Barclays, BNP Paribas, Société Generale, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Credit Suisse. UBS wurde schon herabgestuft. Dies dürfte die Weltbörsen in der nächsten Woche belasten.

Immerhin gab es in der letzten Woche, als ich in Griechenland im Urlaub war und griechische Quittungen überprüfte, eine beeindruckende Rallye, weil die Troika signalisiert hat, Griechenland im November einen Kredit zu gewähren und die Slowakei gewissermaßen im Nachschlag den EFSF doch zugstimmt hat. Neben den Bankenherabstufungen werden aber auch die Quartalszahlen insbesondere der Banken und vor allem deren Ausblicke der jeweiligen Vorstände ausschlaggebend für die weitere Kursentwicklung werden.

Der DAX konnte sich seit dem Tief von unter 5000 auf nunmehr fast 6000 Indexpunkte erholen – am Freitag um +0,88% auf 5967 Indexpunkte – und der Dow Jones von 10.400 auf über 11.600 Indexpunkte – am Freitag sogar um +1,45% auf 11.644 Indexpunkte. Damit hat die Wall Street bisher schon fast den Rebound auf die Chartausbruchlinie von 11.800 Indexpunkte geschafft. Hier rechne in den nächsten Wochen mit einer Fortsetzung der von mir angekündigten Herbstrallye in Richtung auf 11.800 Indexpunkte, wobei die Erholungsrallye aber nicht nachhaltig sein wird.

Die anderen Weltbörsen sind von ihrer Chartausbruchlinie noch weit entfernt wie der DAX bei 6800. Da ist als noch viel Luft nach oben. Dabei stieg auch der Euro von 1,33 auf 1,38 EUR/USD seit Anfang Oktober. Mit dieser „Euro-Stärke“ hatten viele Marktteilnehmer in Anbetracht der Griechenlandkrise nicht gerechnet. Seit Anfang Oktober gab es auch ein Short-Covering bei vielen Märkten, wo zuvor stark geshortet wurde und nun die Short-Eindeckungen zu Kurssteigerungen führten.

Einen besonders starken Rebound schaffte in der letzten Woche die Moskauer Börse. Der RTS-Index stieg am Freitag um 3,18% auf 1449 Indexpunkte. Dabei konnte sich der Brentölpreis um 2% auf 112 USD/Barrel erholen. Anfang Oktober befand sich der RTS-Index im Tief noch bei 1200 Indexpunkten, was immerhin ein Plus von 20% seit dem Tief bedeutet. Solche Trading-Chancen wird es in Zukunft auch im Rahmen einer Bärmarktrallye geben. Einige Stahlaktien wie die Evraz group konnten am Freitag sogar im zweistelligen Prozentbereichen zulegen. Auch die Sberbank überzeugte mit einem Kursplus von 8%. Ich hatte Ihnen schon im letzten EAST STOCK TRENDS auf die Möglichkeit dieser fulminanten Herbstrallye aufmerksam gemacht.

Im meiner letzten Kolumne schieb ich noch, was ich hiermit wiederhole: „Die Börsen werden im Oktober, der als Crash-Monat verschrien ist, volatil und nervös auf jede bad und good news reagieren. Sie sind noch im Panik-Modus, aber aus Verkaufspanik kann auch durch Short-Covering Kaufpanik werden. Wie Sie sich jetzt verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen.

Fazit: Ich sollte öfters nach Griechenland fahren, um Urlaub zu machen und Quittungen „vor Ort“ zu prüfen, dann läuft es auch wieder besser an der Börse. Ich kann übrigens nicht bestätigen, dass alle Griechen faul sind und nicht arbeiten können/wollen. Das Gegenteil war in meinem Urlaub der Fall, was sicherlich aber nur eine subjektive Sichtweise ist.

TV+Radio-Hinweise. Die letzten TV- und Radio-Interviews von Andreas Männicke im September 2011 über die russische Rochade Putin/Medwedew in NTV/Telebörse und Deutsche Welle (auf Russisch) können Sie jetzt unter www.eastsstock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

Seminar-Hinweis: Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar "Go East!" mit einem Russland-Special wird am 21. November 2011 um 18.300Uhr in Frankfurt/M gleich nach dem EK-Forum stattfinden (Dauer 3-4 Stunden). Dort wird dann auch diskutiert, wie es mit dem Euro und der globalen Verschuldung weitergeht, wobei die Ostbörsen im Mittelpunkt stehen. Melden Sie sich jetzt an mit einem Frühbucherrabatt von 80 € anstelle von 100 € unter www.eaststock.de oder direkt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883, E-mail: info@eaststock.de.

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