Wohin mit den Billionen?

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Sonntag, 26. August 2012 14:12:00

Nach einer Studie des ehemaligen Chefvolkswirts der Unternehmensgruppe McKinsey, James Henry, horten die Reichen 21-32 Billionen USD in Steueroasen. Das Geld verteilt sich dabei auf ca. 10 Millionen Personen. Dies ist so viel wie das amerikanische und japanische Bruttosozialprodukt zusammengenommen. Ein Drittel der größten Vermögen dürften nach der Studie im Besitz von nur 100.000 Personen sein. Die Studie wurde für die Organisation „Tax Justice Network“ - einer Initiative die 2003 in den britischen Parlamentskammern zur Herbeiführung der Steuergerechtigkeit - entwickelt. Henry bezeichnet dies Finanzvermögen als „schwarzes Loch in der Weltwirtschaft“, das immer größer wird. Das Problem der Steuerhinterziehung ist insbesondere in Entwicklungsländer sehr ausgeprägt.

Die reichsten „Dagobert Ducks“ in den 139 untersuchten Entwicklungsländern haben in den 70-er Jahren bis 2010 7,3 bis 9,3 Billionen USD angehäuft. Dabei sind Immobilien und Gold noch gar nicht mitgezählt. Unter Hinzurechnung von Gold/Immobilien/Yachten/Rennpferden wird das Vermögen auf 38 Billionen USD geschätzt. Damit entgingen dem Staat zwischen 190 und 280 Mrd. USD jährlich. Zugrundegelegt wurde dabei die Daten des IWF, der Vereinten Nationen, der Weltbank und der Zentralbanken.

Das Geld landet dann oft unter Zuhilfenahme von Vermögensverwaltungen großer Banken auf Steueroasen wie Cayman Islands, Jersey, Singapur oder Zypern. Früher war die Schweiz selbst auch ein begehrter Zufluchtsort, aber das Geld wandert jetzt zunehmend nach Singapur. Die USA und Deutschland versuchen schon seit geraumer Zeit, auf die Vermögen in der Schweiz zurückgreifen zu können, denn die Gier des Staates wird in Anbetracht der enormen Verschuldung immer größer.

In den USA wird das Steuerthema nun zum Wahlkampfthema. Angeblich soll Mitt Romney in den letzten 10 Jahren kaum Steuern für sein Vermögen von 250 Mio. USD gezahlt haben, was für Obama ein willkommenes Fressen ist. Ein Teil des Geldes soll Romney auch in der Schweiz parken. Romney gelang es schon über 100 Mio. USD an Wahlkampfgeldern einzusammeln. Da kommt Obama trotz guter Vernetzung im Internet nicht ganz mit. Romney ist der reichste Präsidentschaftskandidat und damit auch aber auch ein Symbol für das Land der großen Unterschiede zwischen reich und arm, wo die die Unterschiede immer größer werden und der Mittelstand wegbricht.

Besonders ausgeprägt ist die Kapitalflucht in Ländern wie China, Russland, Korea, Brasilien, Kuwait, Mexiko, Venezuela, Argentinien, Indonesien, Saudi-Arabien, Nigeria und Malaysia, wo die Kapitalflucht oft 100 Mrd USD im Jahr übersteigt und wo die Kapitalflucht sogar größer ist als die Auslandsverschuldung. Aus Russland sind seit 1990 über 500 Mrd. USD, aus Saudi-Arabien und Nigeria über 200 Mrd. USD herausgeflossen und zum Teil über die Steueroasen auch wieder reinvestiert. So ist für Russland bezeichnenderweise Zypern und Niederlande einer der größten Auslandsdirektinvestoren in Russland, wobei das Geld nicht von Ausländern kommt sondern von Russen selbst.

Noch nie gab es so viele Dollar-Milliardäre wie in diesem Jahr. Der reichste Mann der Welt Carlos Slim kommt aus Mexiko mit einem Vermögen von 69 Mrd. USD vor Bill Gates mit 61 Mrd. USD und Warren Buffet mit 44 Mrd. USD. Slim geht jetzt in Europa auf Einkaufstour im Telekomsektor, wo er auch reich geworden ist. Insgesamt gibt es 1226 Milliardäre mit einem Vermögen von 4,6 Billionen USD.

Die Supereichen in den Offshore-Zenten kommen jetzt aber zunehmend in einen Anlagenotstand, nachdem auch Staatsanleihen zunehmend unsicher werden. Wohin also mit den Billionen USD? In London soll es in den nächsten Monaten einen Wechsel von 5 Billionen USD geben, wobei unsichere Staatsanleihen aus den Büchern genommen werden. Dies führte schon jetzt zu einem Hype bei Bundesanleihen und US-Staatspapieren, die aber auch nicht als sicher gelten. Es gibt aber Gerüchte, dass über Hedgefonds aus Steueroasen auch in der Not US-Staatsanleihen gekauft wurden und werden sollen, um ein Super-Gau zu vermeiden. Wohin also mit den Billionen der Dagobert Ducks? Es könnte zu einer Renaissance der Aktie kommen, denn Aktien sind immer noch Sachwerte.

Die Kehrseite der Billionen USD an Finanzvermögen sind die Schulden der Staaten, die sich immer mehr anhäufen und die Schulden der Banken, die immer mehr notleidende Anleihen im Portfolio haben. Nach einer neuen Studie von PWC werden diese notleidenden Kredite und notleidenden Anleine im Volumen immer größer. Sie haben auch schon in Europa die Billionen-Euro-Grenze überschritten und wuchsen letztes Jahr nochmals um 9% an. Dies sind dann Anleihen oder Kredite, wo seit über 1 Jahr keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Vor allem in den südeuropäischen Ländern nahmen die so genannten «Non Performing Loans» (NPL) zu: in Spanien um 23 Prozent auf 136 Milliarden Euro, in Italien um 37 Prozent auf 107 Milliarden und in Griechenland sogar um fast 50 Prozent auf 40 Milliarden Euro. Europaweit trennten sich Banken im vergangenen Jahr laut PwC nur von 36 Milliarden Euro an faulen oder unerwünschten Krediten, in den ersten sechs Monaten von weiteren 27 Milliarden.

Früher wurden diese Anleihen gerne von Risikoinvestoren in Offshore-Zentren wegen der höheren Renditen aufgenommen; jetzt will sie aber keiner haben und westliche Pensionskassen und Versicherungen dürfen sie auch nicht mehr aufnehmen. Damit wird die Refinanzierung der südeuropäischen Staatsanleihen aber immer schwieriger.

Aber nicht nur die Refinanzierung von „PIGS“-Anleihen, sondern auch de Refinanzierung von Bankenanleihen aus Südeuropa bleibt problematisch, wie das jüngste Beispiel in Spanien zeigt. Hier soll nun der ESM in Zukunft helfen, wobei es fraglich ist, ob 700 Mrd. € ausreichen werden. Wenn Spanien unter den Rettungssschirm gehen sollte, wird es schon eng, für Italien wohl kein Platz mehr. Nun hat sich Draghi schon sehr weit aus dem Fenster gelehnt und angekündigt, dass er bereit ist, in der Not spanische oder italienische Anleihen aufzukaufen, wenn zuvor der Antrag beim ESM eingereicht wird. Ob der ESM überhaupt rechtens ist, wird am 12. September vom Bundesverfassungsgericht entschieden.

Aber auch die EZB muss sich ebenso wie die FED fragen: Was macht sie mir den jeweils ca. 3 Billionen USD und wie viel von den Schrottanleihen wird sie später wieder los? Ben Bernanke hat schon vor seiner weltweit viel beachteten Rede am 31. August in Jackson Hole Rauschzeichen aufkommen lassen, dass er ab dem 31. August ein QE3 starten wird.

Dies hat die Wall Street am Freitag beflügelt. Der Dow Jones stieg um 0,72% auf 13.156 Indexpunkte und der DAX um 0,35 auf 6971 Indexpunkte. Auch Gold konnte sich bei 1670 USD/Unze und Silber bei 30,68 USD/Unze gut behaupten. Gold und Silber werden im Falle eines QE3 wohl weiter steigen. Aber auch Öl konnte sich nach der fulminanten Rallye der letzten Wochen gut behaupten (WTI-Öl bei 96 USD und Brentöl bei 13 USD/Barrel). Der EUR/USD verharrte bei 1,25. Der RTS-Index stieg um 0.23% auf 1443 Indexpunkte, so dass der Aufwärtstrend seit 2 Monaten noch intakt ist. Wie es nun weitergehen wird, liegt in der Hand von „Helikopter-Ben“, der nun wieder mit Billionen um sich schmeißen kann, falls die US-Wirtschaft schwächeln sollte. Dann heißt es aber für die „Dagobert Ducks“ der Welt. Wohin mit den Billionen? Die Republikaner wollen Ben Bernanke am liebsten loswerden und den Goldstandard wieder einführen. Es dürfte ein heißer Herbst werden.

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TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 8. Juni 2012 im DAF anlässlich der Fußball-EM über die Chancen in Polen/Ukraine befragt und am 23. Mai 2012 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) von Dr. Bernd Jünemann über die Chancen in Osteuropa, insbesondere in Russland. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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