Werte, auf die man bauen kann

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Samstag, 21. August 2010 01:26:00

Sind Sie ein Value-Investor? Auf welche Werte bauen Sie in Zukunft? Die Verschuldungspyramiden geraten außer Kontrolle, die Gesundheits- und Sozialkosten werden immer größer. Was wird wohl langfristig wertbeständig bleiben und was wird ein non valeur? Oder wird alles in ferner Zukunft wertlos aufgrund einer Währungsreform werden? Dies Fragen wird Sie sicherlich auch beschäftigen. Droht das Ende des Kapitalismus und der Wohlstandsgesellschaft? Droht nach der Deflation eine Hyperinflation mit der Folge der Entwertung aller Sparguthaben und vieler Vermögenswerte. Droht auch eine Minderung des Wohlstands, die Auflösung des Sozialstaats wegen Zahlungsunfähigkeit des Staates. Was wird sich der Staat in Zukunft alles einfallen müssen, um eine Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit zu vermeiden? Wie kann einen Sparkurs bei gleichzeitigem Wachstumszwang funktionieren?

Ich erlaube mir diesmal weniger aufgrund mangelnder Themen im journalistischen Sommerloch und auch nicht wegen des Ramadans, sondern vielmehr weil ich es für notwendig erachte, eine etwas anders geartete Wertediskussion in Gang zu bringen, bei der es nur am Rande, aber doch nicht unwesentlich, um „Bewertungsfragen“ (nicht nur) bei Aktien geht. Krisen wie die im Jahr 2008 ließen - oft viel zu oberflächlich - eine Wertewandel-Diskussion aufkommen, die aber sehr kurzfristig war und nachhaltiger sein sollte. Insofern würde ich mich über Ihr Feedback sehr freuen, was Sie als „wertvoll“ erachten und auch welches Wertesystem neu geschaffen werden sollte.

Die Lehman-Pleite , die de facto im Oktober 2008 das weltweite Finanzsystem in Frage stellte, brachte so einiges Nachdenkenswertes zu Tage, was weit über die jetzt zumindest in den USA begonnene Finanzmarktregulierung hinausgeht. Da ging es in den letzten beiden Jahren seit August 2008 um Verschuldungsfragen (bei Staaten, Banken, Unternehmen und privaten Haushalten) Refinanzierungsfragen, Bonidiskussionen, Fehlverhalten des Managements vor allem im Bereich des Investmentbankings, Stresstests, Blasenbildungen an Finanz- und Immobilienmärkten und es ging vor allem um die Suche nach den Schuldigen für die ganze Finanz- und Wirtschaftsmisere. Es ging danach aber vor allen auch darum, Mittel und Wege zu suchen, wie man eine solche Finanz- und Wirtschaftskatastrophe wie in 2008/9 vermeiden kann, die das kapitalistische System ins Wanken brachte.

Da der Staat zu einer zusätzlichen Mega-Verschuldung gezwungen wurde und dem Staat allmählich das Geld ausgeht, wurde auch die Diskussion um Steuersünder und Steueroasen angeführt von dem Ex-Finanzminister Steinbrück in zuvor dagewesener Offenheit geführt. Es kam sogar zum Datenklau, um Steuersünder in der Schweiz, Liechtenstein und andern Steueroasen zu überführen. Letztendlich ging es aber auch um Systemfragen und die Bewältigung von System-Risiken, insbesondere bei „Monster-Banken“, die ganze Volkswirtschaften ruinieren können. Vielleicht war die Lehman-Pleite auch ein Glücksfall, denn sonst würde das Spielcasino auch in Zukunft ohne Regeln und Kontrolle weiterbestehen. Letztendlich ging es aber auch um ganz menschliche Triebe wie Angst und Gier. Was mir aber fehlt ist eine nachhaltige Wertediskussion, auch oder gerade für Value-Investoren.

Eines ist jetzt wohl jedem klar geworden: Der Staat musste rettend eingreifen, sonst wäre das kapitalistische System gekippt. Ich wunder mich immer wieder, dass das gravierende Ereignis im Jahr 2008 heutzutage als Non event betrachtet und Analysten und Berater schon wieder zur Tagesordnung übergehen, so als ob nichts geschehen sei. Krisen haben den Vorteil, dass sie über die Medien so einiges öffentlich machen, was sonst gerne verschwiegen oder blindlings missachtet wird.

Wie wird wohl Obama die 14 Billionen an Staatsverschuldung, die 1,4 Billionen USD Neuverschuldung und die anhaltende Misere bei Fannee Mae und Freddie Mac mit Billionen-Verlusten wieder ins Gleichgewicht bringen. Die FED schafft durch die Überflutung der Märkte und den Aufkauf von 2 Billionen USD an Schrottanleinen sehr fragwürdige Zukunft-Werte. Durch Liquidität werden die Märkte und Anleger beruhigt. Eine Dauerlösung kann das aber nicht sein.

Obama hatte anfangs schöne Visionen, landet er nun bei Illusionen? Das geplante Job-Wunder ist bisher ausgeblieben und der Konsum schwächelt. Welche Werte will er in Zukunft der Jugend vermitteln. Weltweit nimmt die Jugendarbeitslosigkeit zu, in Spanien beträgt sie schon 40%. Warum sind seine Rüstungs- und Militäretats immer noch der zweitgrößte Haushaltsposten mit einem Volumen von 500 Mrd. USD? Kann sich das die USA in Zukunft überhaupt noch leisten, die Weltpolizei zu spielen? Der Rückzug aus dem Irak schafft ein Macht-Vakuum, das durch Terroristen gefüllt wird und im Chaos endet. Der Nahe Osten ist nicht befriedet, obwohl am 2. September neue Friedensverhandlungen in den USA mit Obama als Vermittler aufgenommen werden. Afghanistan ist nach wie vor eine Mission Impossible und nun muss er demnächst auch die Iran-Frage klären ohne dabei die Atommacht Pakistan aus den Augen zu verlieren, die jetzt aufgrund der Überflutungen auch von der Talliban-Hilfe überflutet wird. Obama sitzt dabei auf einem Pulverfass, sein kapitalistisches System mit sozialem Antlitz ist sehr fragil und verwundbar. Warren Buffet gab mit seinem Mrd-Vermögensverzicht einen wichtigen Impuls und Denkanstoß, der aber bisher global noch keine Nachahmer gefunden hat. Letztendlich sind die 75 Mrd USD Vermögensverzicht einiger US-Milliardäre auch nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“

Deutschland ist wieder mit China Exportweltmeister, worauf wir Deutschen stolz sein können. Einige reden vom Aufschwung XXL. Aber auch hier sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus. Welche Werte werden hier geschaffen und welche werden sich im Nichts auflösen? Da nun auch Deutschland mit 1,6 Billionen € verschuldet ist und ein Rekordhaushaltsbilanzdefizit von 80 Mrd. € geduldet wurde, müssen wir uns alle fragen, wie wir aus der Schuldenfalle wieder herauskommen werden. Mit den zukünftigen Sozialleistungen, Renten und Pensionen ist Deutschland sogar mit 7 Billionen € (!) verschuldet. Es dürfe jedem klar sein, dass die vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Zukunft nicht finanzierbar ist.

Es wird ohnehin ein steiniger Weg, jetzt einen Sparkurs einzuschlagen und dennoch hinreichend Wachstum generieren zu wollen. Die deutschen (Energie-) Manager sind mit Angela Merkel nicht mehr zufrieden, da durch Abgaben und Steuern die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Zukunftsfähigkeit Deutschlands auf dem Spiel steht. Jede Lobby kommt jetzt aus dem Keller und versucht Gegendruck gegen einen Sparkurs vorzubringen. Alle bekennen sich zur Notwendigkeit zum Sparen und die Verschuldung zu verringern, aber wenn es einen selbst betrifft, wird sofort Gegendruck erzeugt. Warum geht Angela Merkel nicht radikaler an den Rüstungsetat und Obama auch? Brauchen wir wirklich so viele Mrd. € zur „Terrorbekämpfung“ (in Afghanistan)? Auch der Gesundheitssektor ist ein Fass ohne Boden und könnte entschlackt werden. Die Pharmaindustrie gehört auf den Prüfstand; die Medikamentenüberflutung ist bei vielen Patienten nicht notwendig. Hartz 4 ist ein Dauerthema und wird es auch bleiben. Wir sollten stolz sein, so einen Sozialstatt aufgebaut zu haben, aber er wird in dieser Form in Zukunft schon aufgrund des demographischen Problems schlichtweg nicht mehr finanzierbar sein, zumal er auch zu sehr ausgenutzt wird. Ich glaube, wir werden um das Modell „Rente mit 70“, Sozialkürzungen und auch Steuererhöhungen (MWST von 25%) nicht herumkommen.

Ich will nun keinesfalls als Weltverbesser auftreten, die nach Krisen glauben, die Weisheit gepachtet zu haben. Es lohnt sich aber gerade jetzt, über eine neue Wirtschaftsordnung nachzudenken und Vorschläge für eine optimale Wirtschafts- und Sozialordnung, die es in der Realität nie geben wird, zu machen. Es geht aber um Lernprozesse und Anpassungsnotwendigkeiten im Sinne der Evolution. Wenn es diese Anpassungsprozesse nicht geben wird, gibt es eine Revolution und/oder sprichwörtlich einen dramatischen Werteverfall.

Der Kapitalismus hat eindeutig mehr Wohlstand geschaffen als der Kommunismus, aber er scheint jetzt aus den Fugen zu geraten, da er wesentliche Werte missachtet bzw. verdrängt hat wie Hilfe zur Selbsthilfe, gegenseitige Unterstützung und Solidarität. Nachdem der Systemstreit zwischen Kapitalismus und Kommunismus keine Rolle spielt, sollten wir uns alle nach dem Jahr 2008 fragen, wie wir eine Wirtschaftsordnung schaffen können, die

- allzu großer Vermögensunterschiede gar nicht erst aufkommen lässt bzw. beseitigt

- Innovationsfähigkeit und Kreativität fördert und belohnt

- Mehrleistung belohnt und Schmarotzertum bestraft

- eine zu starke Bürokratie vermeidet

- finanzierbare Sozial- und Gesundheitssysteme schafft

- unternehmerisches Handeln in Einklang bringt mit ökologischen Notwendigkeiten

- die Schaffung von produktiven Arbeitsplätzen honoriert

- Transparenz, Kontrolle und Vertrauen im System fördert

- Früherkennung von Fehlentwicklungen ermöglicht

- vor allem aber reale Werte schafft und erhält

Bei der Wertediskussion möchte ich nur einige eigene Standpunkte und Anregungen zur Diskussion stellen. Die Schar der Analysten und Anleger aber auch die Aussichtsräte von Aktiengesellschaften sollten – gerne in Zusammenarbeit mit Wirtschaftswissenschaftlern - ein ökonomisches !Anreiz-Beitrags-System“ und ein Sanktionssystem entwickeln, das auch unter ethischen Gesichtspunkten Bestrafungen und Belohnungen schafft. Die Reduzierung allein auf die Gewinnmaximierung und damit auf das „KGV“ als Bewertungskriterium ist zu kurz gedacht. Es sollte darum gehen, zu analysieren und zu beurteilen, wer in der Lage ist,

- kreative und innovative Werte zu schaffen

- dabei Arbeitsplätze zu schaffen oder zumindest zu erhalten

- die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen

- die finanzwirtschaftliche Risiken zu minimieren

- das Eigenkapital nachhaltig zu erhöhen durch Wertzuwachs (nicht durch Kapitalerhöhung)

- das strategische Erfolgspotential zu erhöhen

- einen Beitrag zum ökologischen Fortschritt zu leisten

- zum Gemeinwohl beizutragen, also Steuern zu zahlen.

Dafür könnte man ein Punktesystem festlegen, um Anhaltspunkte zu bekommen, wie „wertvoll“ das Unternehmen für die Mitarbeiter, die Aktionäre und das Allgemeinwohl war. Auch die Boni sollte man nach diesen Kriterien festlegen, also nicht nur an Umsatz oder Gewinn orientieren, sondern ganzheitlich. Immerhin ist es ein kleiner Fortschritt, dass demnächst Managerboni mehr an langfristigen, nachhalten Erfolgskriterien bemessen werden. Es gibt viele Unternehmen, die durch Steuertricks in Steueroasen und durch interne Verrechnungspreise nicht mehr als 20% oder fast gar keine Steuern zahlen. IKEA ist durch das undurchsichtige Firmengeflacht mit vielen Steueroasen ein gutes Beispiel für die „Steueroptimierung“. Die Steuerquote sollten publik gemacht werden. Vieles läuft schief, weil das alleinige Ziel Gewinnmaximierung ist. Der Kapitalismus ist im Grunde keine schlechte Idee, nur muss er sich selbst neu erfinden, sonst führt er sich ad absurdum. In Anbetracht der Verschuldungslawine, die auf uns alle zukommt, wird es ohnehin zu Verteilungskonflikten kommen.

Es werden die Beiträge für die Sozialsysteme erhöht werden und es werden die Steuern in Zukunft erhöht werden müssen. Zum anderen müssen wir lernen, im großen Stil zu verzichten. Warum soll man nicht auch ein freiwilligen „Almosen-System“ einführen. Warren Buffet hat den Zeitgeist richtig erkannt. In diesen Notzeiten ist ein Vermögensverzicht nicht nur eine nette Geste, sondern unverzichtbar zur Erhaltung einer Grundordnung, die nicht ins Chaos führt. Jeder sollte die Möglichkeit bekommen, Werte zu schaffen und seien es auch nur Werte im kapitalistischen Sinne, also Maximierung des eigenen Vermögens. Dann sollte er aber auch, zumindest wenn er mehr als 10 Mio. € erwirtschaftet hat, die Hälfte des Vermögens nach dem Tod oder auch zu Lebenszeit für soziale Zwecke stiften. Das wäre das auch fast so etwas wie Almosen im Islam. Ist so etwas in unserem Wertsystem nicht denkbar? Der Egoismus und die Gier nach Reichtum oder Macht muss eine Grenze haben. Sicherlich beginnt die Schaffung von Werten in der Erziehung in jedem Elternhaus. Ich bin aber auch dafür, dass das Fach Wirtschaftsethik schon in der ersten Klasse in der Schule eingeführt wird, denn letztlich wäre auch das Schaffen von sozialen und ökologischen Werte ein Lernprozess, der nicht früh genug beginnen kann.

Auch solche Werte wie Respekt vor dem anderen, Schaffung von Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Redlichkeit, Zurückhaltung, Höflichkeit, Toleranz, Geduld, Gewaltverzicht, Konfliktregulierung und das Vermeiden von Ausbeutung der Mitarbeiter und natürlichen Ressourcen sollten in dem Fach Wirtschaftsethik erlernt werden, denn daran mangelt es in vielen Chefetagen von Großunternehmen und auch in den Köpfen von Aktionären, die nur an ihre Kurssteigerungen denken.

Es geht auch darum zu überprüfen, unter welchen Bedingungen das Unternehmen insbesondere im Ausland den Gewinn für die Aktionäre maximiert. Auch hierüber sollte der Aufsichtsrat oder eine Ethikabteilung im Unternehmen den Aktionären Rechenschaft abgeben. So sollte es auch einen Vorstandsposten „Unternehmensethik“ geben, der für die Ethik des wirtschaftlichen Handelns des Unternehmens verantwortlich ist. Auch Fondsmanger sollten neue Richtlinien bei der Unternehmensbewertung bekommen, die nicht nur auf Cash flow, Gewinn und Umsatzgrößen basiert.

Wir brauchen aber auch ein neues Wirtschaftsprüfungsrecht und neue Rating-Agenturen. Es sollte auch ein Testat dafür geben, wie das Unternehmen die oben genannten Kriterien erfüllt, also wer Arbeitsplätze schafft, wer für Mitarbeiterzufriedenheit (auch über Mitarbeiterbeteiligungssysteme) sorgt, wer neue Märkte erschließt ohne die natürlichen Ressourcen auszubeuten oder über Gebühr zu strapazieren, wer eine Sozialbilanz aufstellt und wie diese aussieht, und vor allem wer nachhaltige Werte schafft. Neben dem üblichen Wirtschaftsprüfungstestat sollte es auch ein Sozialtestat und ein Öko-Testat (=Erstellung umweltfreundlicher Produkte und/oder Nutzung umweltfreundlicher Produkte, Recyclingaktivitäten, Energieeinsparung etc.) gesetzlich vorgeschrieben werden. Ich weiß, dies ist eine große Herausforderung und erfordert einen Umdenkungsprozess - auch bei den Aktionären. Es kann nicht sein, dass die Aktienkurse in die Höhe schnellen, wenn die Meldung kommt, dass das Unternehmen Tausende von Mitarbeitern entlassen will, um Kosten zu sparen. Da stimmt dann doch etwas bei den Akteuren im kapitalistischen System nicht, oder? Aber ohnedies könnte sich der Kapitalismus so wie er sich jetzt weltweit zeigt, sich selbst zugrunde richten.

Wir brauchen aber auch eine effiziente Kontrolle von Regierungen und Präsidenten, die gewährleitet, dass die Verschuldung nicht wieder aus den Fugen gerät. Damit dies wieder ins Gleichgewicht kommt, bleibt uns nichts anderes übrig als zu wachsen, dabei neue Werte zu schaffen und sie in Zukunft besser zu verteilen. Dies bedeutet Verzicht bei denen, die heute über Gebühr Sozialleistung erhalten, das bedeutet aber auch Verzicht bei den Vermögenden und Werteschaffenden.

Die Aktionärsversammlungen bilden eine gute Basis, um diese Werte demokratisch auch einzufordern und umzusetzen. Dann werden auch wieder Werte entstehen, auf die man langfrist bauen kann. Bei der Wertbetrachtung sollte man auch die „Friedensdividende“ berücksichtigen, denn Werte können nur dann geschaffen werden und auch fortbestehen, wenn es keine Kriege gibt, die alles über Nacht wertlos machen. Durch die die faktische Überschuldung vieler Staaten kann es durch Staatsbankrott und Währungsreform dazu kommen, dass es einen enormen Wertverlust geben kann, der alle hart treffen wird. Wie kann man diesem Wertverlust vorbeugen? Politiker haben sich hier fortwährend schuldig gemacht, aber das Volk hat es geduldet. Sie auch?

So muss der Anleger und Analyst aber jederzeit mit einer Hiobsbotschaft an der Verschuldungsfront rechnen, was Value-Investoren zur Verzweiflung bringt. Die Ergebnissaison war sowohl in den USA als auch in Europa bisher besser als erwartet, falls man das Ergebnis auf die Gewinngröße reduziert. Dabei gingen aber Arbeitsplätze verloren, es wurden bei den Banken und Versicherungen Bilanz-Bewertungserleichterungen in Anspruch genommen, es wurden aber auch innovative Leistungen (wie bei Apple) erbracht, die Anerkennung verdienen. Dennoch steht unser kapitalistisches System auf tönernen Füßen. Wir können nun allen unseren Beitrag leisten, damit es stabiler wird. Was sind diesbezüglich Ihre Vorschläge (und Beiträge)?

Es ist fünf vor 12: Wir brauchen jetzt mehr denn je Politiker, die schonungslos die Wahrheit sagen und Manager, die die Wahrheit (ohne Auslassungen) den Aktionären, zumindest aber den Aufsichtsräten, kundtun. Aufsichtsräte sollten die Ehrlichkeit aber auch einfordern und in Zukunft genauer hinschauen, wenn etwas außerhalb von Bilanzen versteckt wird. Denn auch das schafft Vertrauen Bei Lehman Brothers handelte es sich immerhin um 50 Mrd USD, deren Verschwinden weder dem Wirtschaftsprüfer Ernst&Young noch den Aufsichtsräten auffiel.. Politiker. Manager und Wissenschaftler sollten jetzt gemeinsam, zusammen mit Arbeitnehmervertretern an einem neuen Zukunftsmodell arbeiten bevor alles den Bach runter geht. Hier sind neue, kreative Denkanstöße auch von Querdenkern notwendiger denn je. Auch von Ihnen!

Auch durch neue Steuern kann man Anreize oder ein Sanktionssystem entwickeln. Von den bisherigen Vorschlägen der Regierung wie eine Bankenabgabe und das Verbot von Leerverkäufen halte ich relativ wenig. Man sollte vielmehr kleinen und mittelständischen Unternehmen Steuererleichterungen verschaffen, damit sich diese besser entwickeln können. Auch sollte man die reine Kurzfrist-Spekulation besteuern bzw. die Langfristanlage belohnen. So sollen reine undgedeckte Short-Spekulationen nicht verboten, aber der Gewinn höher besteuert werden. Die Abgeltungssteuer belastet zwar, ist aber in Anbetracht der Finanznot in Ordnung. Boni über 500.000 € sollten höher besteuert werden.

Auf die Aktionäre und Grundstücksbesitzer wird ohnehin eine Vermögensteuer und eine Zwangsabgabe zukommen, da die gegenwärtige Regierung wohl bei der nächsten Wahl ausgedient hat. Der Staat steht mit dem Rücken zur Wand und er wird sich nehmen, was er braucht; daher ist in Zukunft mit allen zu rechnen. Wer Werte schafft und erhält, sollte steuerlich belohnt werden. Innovationen und Kreativität – auch im Sozialbereich - sollten steuerlich belohnt werden.

Wir sollten uns auch darauf gefasst machen, dass Rohstoffe immer knapper werden und die Preise steigen. Inflation ist immer Wertminderung und schwächt die Kaufkraft. Nach der Deflation, kann Inflation kommen. Eine Hyper-Inflation wäre der Beleg dafür, dass das System nicht mehr funktioniert und das Vertrauen in die Stabilität von Werten schwindet, und seien „nur“ Geldwerte.

Nach diesen „Ramadan-Gedanken“ abschließend einige Anmerkungen zu aktuellen Wertentwicklung an der Börsen: Die Stimmung an den Weltbörsen hat sich aufgrund schwacher US-Konjunkturdaten am Donnerstag deutlich verschlechtert. Rechnen Sie daher mit einem Wertverlust Ihrer Aktien in den nächsten Tagen und auch in den nächsten Wochen, zumal am 24. August Vollmond ist. Der September ist ohnehin ein sehr kritischer Monat, wo es oft zu Wertverlusten kommt. Durch die scharfen Korrekteren an den Aktien- und Rohstoffmärkten in der letzten Woche, die ich erwarte und angekündigt hatte, nähern wir uns beim DAX wieder der 6000-er Marke(am Freitag -1,15% bei 605 Indexpunkten) beim Dow Jones der 10.200-er Marke (am Freitag -0,56% bei 10.213 Indexpunkte) und beim Nikkei-Index der 9000-er Marke (am Freitag -1,96% bei 9179 Indexpunkte). Der RTS fiel wieder auf unter 1450 auf 1425 Indexpunkte, was auch wiederum eine kritische Marke ist. Es setzte sich die Flucht in Anleihen und in Gold fort. Der Bund-Future stieg erstmals auf über 132 und Gold wieder auf über 1230. Damit fiel die Umlaufrendite erstmals auf unter 2%, was neuer historischer Tiefstrekord ist! Dies ist zwar ein Bubble, aber es ist jetzt wohl noch zu früh, beim Bund-Future short zu gehen. Der Euro gab auf unter 1,27 EUR/USD nach, was auch wiederum eine kritische Marke ist. Bei unter 1,27 EUR/USD werden die Aktien und Rohstoffmärkte weiter fallen, bei über 1,30 EU/USD ansteigen. Im Moment sieht es mehr nach Konsolidierung aus. Daher ist eine defensive Strategie ratsam.

Es müssen in der nächsten Woche wichtige Unterstützungslinien halten wie bei DAX die 6000-er-Marke, beim Dow Jones die 10.000-er Marke, beim S&P die 1060-er Marke und beim Nikkei-Index die 900-er Marke, Darunter wird es wieder bearish, auch an den Ostbörsen! Bisher bleibt es also bei der von mir schon der letzten Wochen angekündigten volatilen Seitwärtsbewegung um die Nulllinie seit Jahresbegin herum. Am 16. September wird das Kernkraftwerk Buschehr im Iran mir russischen Brennstäben ans Netz gehen, was ein globales Medienereignis sein wird, das auch für die Weltbörsen relevant ist. Im März nächsten Jahres will der Iran mit dem Bau einer dritten Anreicherungsanlage beginnen, was für USA und Israel eine Provokation darstellt. Die Anleger werden sich September also auch mit dieser Problematik auseinanderzusetzen haben und auf die Antworten von Obama darf man gespannt sein. Am 2. September beginnen in den USA neue Nah Ost-Friedensverhandlungen mit Obama als Mentor. Zu viel führe, werden die Gespräche wohl wie immer nicht.

Es ist Ramadan und das bedeutet auch für Sie Zurückhaltung (auch an der Börse) und Zeit zum Nachdenken und wer es nötig hat, zum Fasten (=Entschlacken). Vielleicht werden Sie dabei auch für sich neue Werte entdecken, auch in Osteuropa.

Am 17. August war die Hauptversammlung der Beteiligungen im Baltikum AG, auf der eine Dividende in Höhe von 0,3 € ausgeschüttet wurde. Es kam dort aber auch zur Sprache, dass es im Baltikum schon ein Modell gibt, das vielleicht zukunftsweisend ist. Im Baltikum wurden die Löhne, Gehälter und Pensionen gedrittelt und es wird ein Drittel der Staatsbediensteten, auch bei der Polizei und bei Lehren freigesetzt und das fast ohne Murren und ohne Streiks. So etwas wäre in Griechenland und auch bei uns nicht möglich gewesen. Die Personen dort rücken zusammen und helfen sich gegenseitig, so gut es eben geht. Das verhilft Estland immerhin in die EWU. Estland konnte also trotz einem Rekord-Minus beim BSP die Maastricht-Kriterien erfüllen. Nicht nur in dieser Hinsicht ist Estland vorbildlich, sonder auch in der Verwendung des Internets. Der Internetzugang ist in Estland ein Grundrecht und e-Goverment sowie e-Banking ist dort tägliche Übung. Fast jeder Schüler und Student hat einen PC. Daher sollten wir das „e-Land“ willkommen heißen, das zumindest in dieser Hinsicht vorbildlich ist. Die Börse OMX Tallin bleibt mit der Börse Kiew in diesem Jahr der Top-Performer der Weltbörsen. Es lohnt sich also weiterhin ein Blick nach Osteuropa.

Verpassen Sie daher die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (EST) unter www.eaststock.de. Der letzte EST erschien am 9. August und gibt Ihnen Aufschluss über die brisante Markttechnik.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 171% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 284% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East!“ wird im Herbst in Frankfurt/M stattfinden (siehe www.eaststock.de). Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 6. August 2010 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) anlässlich der Waldbrände in Russland über die wirtschaftlichen Auswirkungen befragt. Sie können sich das Interview hernach unter www.eaststock.de bei der Rubrik „Interviews“ runterladen

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