Wer rettet Amerika?

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Freitag, 26. September 2008 23:58:00

Sodom und Gomorra im US-Finanzsektor: Just an dem Tag, wo das US-Rettungsprogramm über 700 Mrd. USD vom US-Senat verabschiedet werden sollte, ging die größte amerikanische Bausparkasse Washington Mutal in die Insolvenz. Dies hatte sich allerdings einige Tage schon zuvor angedeutet, da Washington Mutal händeringend nach Kapital bei US-Beteiligungsgesellschaften suchte; aber keiner wollte so richtig helfend anbeißen wie schon zuvor bei Lehman Brothers.

Seit dem 15. September wurden aber über 16 Mrd. USD abgezogen und es entstanden lange Schlangen von Kunden, die ihr Geld abziehen wollten. Die drittgrößte Bank der USA mit über 2400 Filialen hat Einlagen in Höhe von 188 Mrd. USD und Vermögenswerte von rund 307 Mrd. USD. Da die Bank ihren kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte, schloss die Aufsichtsbehörde OTS die Bank über Nacht am 25. September. Teile des Instituts wurden für 1,9 Mrd. USD in einem Notverkauf an JP Morgan verkauft, die schon Bear Stearns zuvor für „Peanuts“ erwarb.

Damit wurde nach AIG und Lehman Brothers nun schon die Dritte große Schieflage in den USA in wenigen Tagen in Folge gemeldet. Der nächste Pleitekandidat ist nun die viergrößte US-Bank Wachovia, die jetzt angeblich von der Citibank in einem Notverkauf aufgesaugt werden soll. Der Kurs der Bank Wachovia brach am Freitag schon um 40% ein. Das Bankensterben geht somit wie von mir erwartet und vorausgesagt weiter. Man kann dem deutschen Finanzminister Steinbrück nur zustimmen, dass es sich dabei um ein „Erdbeben in der internationalen Finanzarchitektur“ handelt und dass die „Wall Street nicht mehr das war, was sie einmal war“. Ob das Verbieten von Leerverkäufen das probate Mittel sind, der Krise Herr zu werden, wage ich zu bezweifeln. In China wird übrigens gerade jetzt neu der Leerverkauf erlaubt, um die Börse Shanghai attraktiver zu machen. Auch die leidige Diskussion um Managergehälter trifft nicht den Kern des Problems. Es war sicherlich ein Fehler von US-Finanzminister Paulson, Lehmann Brothers nicht zu retten, denn der Kollateralschaden für die US-Wirtschaft, vor allem für die US-Steuerzahler, und die ganze Welt ist zu groß.

Auch Bush ist unglaubwürdig, wenn er einen Monat zuvor noch die „Effizienz der Märkte“ lobt und nun warnt, dass die USA unmittelbar vor einer Rezession und Massenarbeitslosigkeit, also vor einem Desaster, steht, wenn sein 700 Mrd. Rettungsplan nicht durchkommt. Das BSP-Wachstum in den USA wurde übrigens für das 2Q08 von 3,3 auf 2,8% nach unten korrigiert. Auf das BSP-Wachstum im 3Q08 – ohne Steuergeschenke und Notkonjunkturprogramm - darf man gespannt sein. Es wird Zeit, dass Bush abtritt, damit er nicht noch schnell einen Grund für einen Iran-Krieg sucht und findet, um von den internen Problemen abzulenken. Ob die Nachfolger den großen finanziellen und wirtschaftlichen Herausforderungen der USA gerecht werden können, wage ich auch zu bezweifeln, wobei Obama sicherlich die bessere Lösung für die USA und Welt wäre. Wirtschaftskompetenz und Krisenmanagement sind aber nicht gerade die Stärken von Obama.

Möglicherweise steht den USA aber das Schlimmste so oder so noch bevor, nämlich dann, wenn die USA aufgrund von vermehrten Privat-Insolvenzen in eine Konsumenten-Krise in diesem Jahr zu Weinachten oder im nächsten Jahr kommen sollte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bürger und Unternehmen in den USA keine neuen Kreditlinien mehr bekommen. Deswegen hat General Motors auch schnell „vor Toresschluss“ seine Kreditlinie mit 4,5 Mrd. USD voll ausgeschöpft. General Motors hat in den letzten beiden Jahre schon über 40 Mrd. USD versenkt, was eines der größten Verluste in der US-Unternehmensgeschichte ist. Was GM in 2 Jahren schaffte, gelang auch UBS in diesem Jahr. Wenn aber GM Pleite gehen würde, hat die USA ein Problem, vom dem sie sich nicht so schnell erholen könnte, denn das Anleihenvolumen beträgt über 300 Mrd. USD. Die Anleihen befinden sich bereits im Keller auf Fast-Pleite-Niveau wie übrigens es weltweit einen Unternehmensanleihen-Crash letzte Woche gegeben hat. Aber die ganze Welt wird wohl nicht Pleite gehen, oder?

Es kann aber zu einer Kreditklemme in den USA kommen. Die chinesische Bankenregulierungsbehörde CRBC hat jetzt schon allen chinesischen Kreditinstituten untersagt, amerikanischen Banken Kredite zu geben bzw. Anleihen zu zeichnen. Sieben chinesische Banken sind bei Lehman Brothers mit 721 Mio. USD engagiert, was aber noch gut verkraftbar ist. Auch die Mrd-Kredite des deutschen Genossenschaftssektor und der Landesbanken sind verkraftbar. Auf der anderen Seite kaufen sich Chinesen jetzt günstig in den USA ein und sind auf einmal willkommen Investoren.

Wenn es nun noch zu einem allgemeinen „Bankenrun“ in den USA kommen sollte wie zuletzt bei Washington Mutual oder der East Asia Bank in Asien, dann ist wahrlich nichts mehr in den USA zu retten. Schon jetzt darf man aber die Frage stellen: wer rettet die USA in Zukunft. In jedem Fall müssen China, Japan und Saudi-Arabien US-Anleihen weiterhin großvolumig aufkaufen, damit die USA nicht Pleite geht. Desweiteren darf ich die provokative Frage stellen? Brauchen wir überhaupt noch Banken? In der arabischen Welt werden in der Regel nur neue Investitionen aus zuvor verdienten Cash finanziert. Sicherlich brauchen Innovationen und Neugründungen Kapital, aber es gibt mittlerweile genug Unternehmen und Privatpersonen, die wie Banken fungieren und potente Geldgeber unter bestimmten Konditionen sind. Man mag sich nur einmal in den Trump Tower in New York begeben, wo der Quadratmeter immer noch 12.000 USD kostet (ebenso wie in zentralen Lagen in Moskau) und wo die Manager mit dem Hubschrauber zum Arbeitsplatz in Manhatten geflogen werden, dann weiß man, dass noch genug Geld auch in den USA vorhanden ist.

Eines der Kernprobleme von Ländern, Unternehmen und Privatpersonen ist die Tatsache, dass sie über ihre Verhältnisse leben und schon das ausgeben, was sie in Zukunft gar nicht verdienen können. Hier muss es irgendwann zum Knall kommen und dies deutet sich in den USA in vielen Bereichen an. So macht der Börsen-Guru Mark Faber deutlich, dass 700 Mrd. USD nicht ausreichen werden, um die US-Finanzkrise zu verhindern. Er meint sogar, dass 5 Billionen USD notwendig sind, um die USA zu retten. Nach dem Subprime-Problem kommt jetzt das CDO-Problem, das zu bewältigen ist. Auf der anderen Seite gibt es in der Tat Licht am Ende des Tunnels und es nicht der entgegenkommende Zug.

Die zweite Gewinnwarnung von General Electric um 2 Mrd. USD vor allem aufgrund von Schieflagen im Finanzsektor bestätigt zwar, dass es mit der US-Finanzwirtschaft abwärts geht: es bestätigt aber auch, in Teilbereichen immer noch viel Geld verdient wird - auch bei GE und zwar 20 Mrd. USD!. Zudem will GE ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 15 Mrd. USD demnächst starten, was ein gutes Zeichen ist. Ebenso wie Siemens ist GE einer der größten Banken der Welt schon durch die enorme Liquidität, die vorhanden ist und angelegt wird, demnächst in eigenen Aktien. Der Aktienkurs brach dennoch von 28 auf 24 USD ein, was zeigt wie nervös die Anleger sind. Die USA könnte zwar im nächsten Jahr aufgrund der hohen Verschuldung im Falle einer Rezession in eine noch nie dagewesen Schieflage kommen und die Weltmarktführung als Industrienation schneller verlieren, als ihnen lieb ist; dafür kommen aber immer mehr Emerging Market-Kapitalisten nach vorne, die die Gunst der Stunde nutzen und beherzt zugreifen. Der Dow Jones Industrial Index stieg im Vorgriff auf das US-Rettungsprogramm am Freitag um 121 bzw. 1,1% auf 11.143 Indexpunkte. Auch die Anleger in Russland scheinen im Moment wenig zu differenzieren und verkaufen auch die Aktien von den Unternehmen, die in diesem Jahr neue Rekordgewinne melden werden. Auf diese Weise wird es eine Reihe von Schnäppchenkursen geben. Auch russische Blue Chips kündigen jetzt reihenweise Aktienrückkaufprogramme an.

Die Deutsche Bahn AG will trotz der Finanzkrise am 27. Oktober an die Börse gehen, was sicherlich sehr mutig ist. Die russische Bahn hat schon angedeutet, dass sie sich mit 5% an der Deutschen Bahn AG beteiligen will. Dabei wächst der Logistiksektor in Russland noch wesentlich dynamischer als in Deutschland wie schon das IPO in diesem Jahr von Globaltrans, dem größten privaten Bahnfrachtunternehmen Russlands mit einem Umsatzwachstum von 30-40% zeigte. Auch der deutsche Maschinenbauwert Gildemeister wird von einem russischen Großinvestor umworben, der angeblich 42 € pro Aktie zahlen will. Des einen Freud, des anderen Leid. Die Reichen aus China, Indien und Russland gehen jetzt auf Schnäppchenjagd. Tun sie es auch, aber bitte nur mit “Abstauberlimits“, denn Russland ist jetzt der preiswerteste Emerging Market der Welt mit einem KGV von 4-6. Aufgrund der hohen „Vola“ bestehen jetzt gute Trading-Chancen auch im Hinblick auf eine mögliche Rallye zum Jahresende. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen wollen, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min.) entnehmen.

Hinweis: Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East“ wird am 12. November 2008 um 17.30 Uhr in Frankfurt/M stattfinden. Referenten sind die beiden Ostbörsenexperten Stefan Laxhuber und Andreas Männicke. Melden Sie sich rechtzeitig an bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Fax: 040/6570884, E-Mail: info@eaststock.de

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