Weltbörsen unentschieden

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Freitag, 06. Juni 2008 00:40:00

+++Nachwehen im Bankensektor+++Zwangskapitalerhöhungen nehmen kein Ende+++Inflation wird zum Mega-Problem+++Kommt es zum Iran-Krieg?+++

„Land unter in Süddeutschland – Sonnenschein in Norddeutschland“. Ebenso wechselhaft sind auch die Börsen im Moment. Einerseits drohen an den Weltbörsen Gewitterwolken, die beim Entladen ein Chaos anrichten können, anderseits gibt es sonnige Flecken, die „blühende Landschaften“ und glückliche Anleger zur Folge haben.

Auf der Sonnenseite sind im Moment die Länder und Unternehmen, die von den hohen Öleinnahmen bzw hohen Rohstoffpreisen profitieren. Die Petrodollar sind es wiederum, die Finanzengpässe im Bankensektor finanzieren. Bisher sind von den Sovereign Waelth Funds (SWF), also den Staatsfonds, schon 60 Mrd. USD in den Banken- und Industriesektor geflossen, mehr als doppelt soviel wie letztes Jahr. Die SWF werden damit zum „Retter der Finanzwelt“. Das Vermögen der SWF, das überwiegend durch Petrodollar erwirtschaftet wurde, wird schon auf 3,3 Billionen USD geschätzt. Bis 2012 soll das Vermögen auf über 10 Billionen US-Dollar ansteigen. Damit werden die SWF zu einem maßgeblichen Bestimmungsfaktor für die Weltbörsen. Man sollte sie nicht verteufeln, sondern willkommen heißen, da sie langfristige Ziele verfolgen und somit eine stabilisierende Wirkung für die fragilen Welt-Finanzmärkte haben. Der Kuwait-Fonds soll jetzt auch weiter Kapitalspritzen bei Lehman Brothers geben, nachdem er schon bei der Citibank und Merrill Lynch rettend zur Seite stand. Auch britische und französische Banken werden weiter Kapitalspritzen nötig haben, um überleben zu können. Die Citibank Deutschland wird wohl an die Deutsche Bank verkauft werden.

Die hohe Inflation hat Vor- und Nachteile für die Börsen. Durch Realzinsen nahe Null oder sogar negative Realzinsen lohnen keine Investments in Geldmarktsfonds oder Anleihen, so dass immer mehr Liquidität in Aktien angelegt wird. Einige Unternehmen können die steigenden Kosten auch an den Konsumenten weitergeben, so dass die Aktien einen gewissen Inflationsschutz bieten. Auf der einen Seite dürften die Zinsen steigen, was Gift für die Börse ist. Demnächst wird auch wieder auf die Hurrikan-Saison in den USA spekuliert werden. Diesmal soll es 9 schwere Hurrikane geben, die den Ölpreis auf neue Rekord-Hochs bringen könnten. Auch gibt es wieder Spekulationen, das US-Präsident Bush kurz Beendigung seiner Amtsperiode oder Israel im Alleingang den Wahnsinn betreiben und den Iran angreifen, falls der Iran beim Atomprogramm nicht einlenkt. Hier gibt es eine reale Kriegs-Gefahr, wie auch Ex-Außenminister Fischer meint. Zudem sammelt Bush Geld ein, um dem kriegserfahrenen Vietnam-Kämpfer Chaine eine neue, auch für Bush und seinem Öl-Clan vorteilhafte Bühne zu geben. Falls Obama Präsident wird, dürfte die Wall Street verschnupft reagieren. Auch Obama weiß kein Rezept gegen eine stark steigende Inflation in den USA.

Schon jetzt ist die Inflation ein ernsthaftes Problem für die Weltwirtschaft. Die EZB könnte im nächsten Monat sogar die Zinsen anheben und damit ein Signal geben, dass den Börsianern weltweit nicht gefallen wird, da die US-Immobilienkrise noch nicht überstanden ist. Dabei gehen die osteuropäischen Notenbanken schon seit geraumer Zeit die Zinsen an. Eine galoppierende Inflation gibt es schon jetzt in Ländern wie Ukraine, Argentinien und Vietnam. Uns dürfte dieses Problem den ganzen Sommer beschäftigen.

Im Grunde wollen die Börsen in Japan, Deutschland und vielen Ostbörsen nach oben, weil die Unternehmensgewinne weiter sehr robust und die KGV relativ niedrig sind. Maßgeblich werden aber wieder die Wall Street und die nächsten Frühindaktoren sein. Die Auftragseingänge der Industrie waren in den USA zuletzt recht ermutigend. Dagegen gibt es im Automobil- und Bankensektor in den USA noch große Probleme.

Die europäischen Anleger sind jetzt mehr mit der Fußball-EM als der Börse befasst, wo übrigens osteuropäische Mannschaften wie Polen und Kroatien die nächsten Gegner der deutschen Nationalelf sind. Die niederträchtige Fotomontage in einer polnischen Zeitung zeigt, dass die Deutschen bei Polen nicht gerade sehr beliebt sind. Bei solchen Fotomontagen ging der erste Auslandbesuch des russischen Präsidenten Medwedew in Deutschland fast unter. Dabei kann man aus dem ersten Treffen durchaus guter Hoffung sein, das sich die deutsch-russischen Beziehungen deutlich verbessern.

Mein Tipp: Setzen Sie auf die Börsen Moskau, aber auch auf Zagreb und Warschau – trotz der medialen Entgleisungen. Es wäre ein Fehler, die Osteuropäer zu unterschätzen, was gleichermaßen für das Fußballfeld und die Börse zutrifft. Nach einer Seitwärtsbewegung bestehen hier gute Performancechancen. Mein Tipp Deutschland gegen Polen: unentschieden - genau wie die Börse im Moment!

Hinweise: Der Auto wird am 6. Juni um 11.45 Uhr in NTV/Telebörse über Polen und am 11. Juni um 18.15 Uhr in N25 über Kroatien/Ex-Jugoslawien befragt werden. Last Minute: Der Autor wird am 7. Juni anlässlich des Emerging Market Kongresses in München einen Vortrag über die „Neuen Investmentchancen in Osteuropa“ halten. Dort wird auch die Investment-Legende Dr. Mark Faber seine Einschätzung zu den Weltbörsen geben. Verpassen Sie diesen Termin nicht (Anmeldung www.investoren-akademie.de)! Trader können die Ostbörsen-Hotline 09001-861400-1 (1,86 Euro/Min) nutzen.

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