Was ist mehr „Ramsch“: Griechenland, Italien oder Russland?

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Sonntag, 01. Februar 2015 15:17:00

Die globalen Aktienanleger schauen jetzt vor allem auf zwei Länder, die gemeinsame Probleme haben: Griechenland und Russland. Die neue Regierung in Griechenland nimmt den Kampf gegen die Troika auf, wobei einen „Grexit“ nicht eingeplant ist. Die russische Regierung hält die Herunterstufung der russischen Anleihen auf das Ramschniveau „BB+“ für nicht gerechtfertigt und betrachtet dies mehr als Bestandteil eines von den USA geführten Währungs- und Finanzkrieges gegen Russland.

Griechenland provoziert die Troika

Die neue Regierung unter dem neuen Regierungschef Alexis Tsipras will mit der Troika auf Konfrontationskurs gehen und die Auflagen des Sparkurses nicht mehr erfüllen. Er hält sich an die Abmachungen und Verträge der vorherigen Regierung nicht gebunden und plant ein eigenes Reformprogramm. Er will dabei vor allem die Korruption und Vetternwirtschaft in Griechenland bekämpfen und auch die Steuerflucht der Oligarchen. Zudem will er die Löhne wieder anheben, mehr Leute wieder beim Staat einstellen und soziale Härten abmildern.

Die Absage an die Troika als Verhandlungspartner für neue Kredite teilte auch der neue Finanzminister Gianis Varoufakis am Freitag bei einem Treffen mit Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mit, was für einen Eklat sorgte. Varoufakis will einen internationalen Schuldenschnitt. Er fordert auch eine neue Finanz- und Geldpolitik in Europa, die für mehr Wachstum sorgt und die sozialen Härten abmildert. Wenn Griechenland bestimmte Bedingungen erfülle, ist die EU aber zu einem weiteren Hilfspaket im Volumen von 20 Mrd. € bereit. Helfen wollen die auch mit der Streckung der Laufzeiten und Verringerung der Zinsen.

Angst vor Dominoeffekten im Euroraum

Varoufakis fordert nun einen Schuldenschnitt um die Hälfte, den Schäuble aber vehement ablehnt. Damit soll die Verschuldung Griechenlands von 175 auf nur noch 88 Prozent des BSP sinken bzw. in absoluten Zahlen von 340 auf 170 Mrd. €. Dies wäre dann der größte Schuldenschnitt in der Nachkriegsgeschichte. Auch Deutschland wurde nach dem Krieg 1953 nur durch einen Schuldenschnitt im Volumen von 20,3 Prozent des BSP gerettet, was nach heutiger Kaufkraft aber 500 Mrd. € entsprechen würde.

Schuldenschnitte gab es zuvor schon in Griechenland, aber auch in Bulgarien (1990-1994) in Polen, Venezuela, Costa Rica, Chile, Mexiko, Uruguay, Ecuador und Argentinien, also vor allem südamerikanischen und osteuropäischen Ländern nach dem zweiten Weltkrieg und nach dem ersten Weltkrieg für Frankreich, Italien und Großbritannien, wobei damals meistens die Kriegskosten zu hoch wurden. Ich befürchte, dass es in Zukunft noch weitere Schuldenschnitte geben wird, möglichweise sogar für große Länder in Europa oder auch für die USA oder Japan, was dann aber auch eine Weltwährungsreform zur Folge hätte. So werden aber die Probleme immer wieder in die ferne Zukunft verschoben und die niedrigen Zinsen helfen jetzt auch, den Schuldendienst von hochverschulden Ländern gering zu halten.

Wenn man den Schuldenschnitt in Höhe von 88 Prozent des BSP als Grundlage für den Schuldenschnitt nur der Problemländer Italien, Spanien und Frankreich nimmt, dann kommt man auf einen Abschreibungsbedarf von 1,5 Billionen €. Italien hat jetzt Schulden von 2,189 Billionen €, Frankreich von 2,110 Billionen € und Spanien von 1,130 Billionenen. Die Schuldenerlasssummen nach dem Beispiel von Griechenland wäre für Italien 754,5 Mrd €, für Spanien 143 Mrd. € und für Frankreich 205 Mrd. €

Weitere Problemländer in Europa sind Belgien mit Schulden von 422 Mrd. € (Erlass: 75,8 Mrd €), Portugal 216 Mrd € (Erlass: 66,9 Mrd. €) und Irland mit 201 Mrd € (Erlass 40,1 Mrd. €). Irland ist aber auf dem Wachstumspfad wieder gekommen, nachdem man die Banken hat Pleite gehen lassen. Wäre das ein gutes Beispiel für Griechenland? In jedem Fall haben europäische Banken und Versicherungen Angst vor möglichen Dominoeffekten, wenn man Griechenland einen Schuldenschnitt genehmigen würde. Der Schuldenschnitt von Griechenland wäre verkraftbar, nicht aber mögliche Dominoeffekte im zu hoch verschuldeten Euroraum. Wenn man also für Griechenland einen Präzedenzfall schafft, stehen gleich mehrere südeuropäische Länder vor der Tür, die in einer Krise Ähnliches verlangen könnte. Daher beharrt Schäuble auf der Position, dass Verträge eingehalten werden müssen.

Grexit bleibt (k)ein Thema

Einige CDU-Politiker wollen daher bei Griechenland hart bleiben und zur Not auch einen Austritt aus dem Euro, den sogenannten Grexit, in Kauf nehmen. Ein Grexit soll jetzt nicht so viel Schaden anrichten wie zuvor befürchtet. Wirtschaftlich mag das sein, aber der politische Schaden wäre enorm und der Euro ist nun mal kein wirtschaftliches, sondern ein politisches Konstrukt.

Aber so weit wird es wohl nicht kommen, da dann auch andere Länder diesem folgen könnten. Insbesondere in Italien, aber auch in Frankreich gibt es machtvolle Gruppen, die einen Austritt aus dem Europa wünschen. Es kann gut sein, dass Draghi auch deswegen zur Bazooka bzw. „dicken Bertha“ greift, um den Euro durch Gelddrucken zu schwächen und so den südeuropäischen Ländern beim Export ihrer Produkte und bei der Wettbewerbsfähigkeit zu helfen. Griechenland ist gegen die Sanktionen in Russland, so dass hier beim Treffen der Außenminister nur ein Kompromiss herauskam.

DAX und Dow Jones kräftig im Minus

Der DAX gab aufgrund des Eklats mit Griechenland am 29. Januar um 1,6 Prozent auf 10.665 Indexpunkte nach der EuroStoxx noch sehr moderat nur um 0,6 Prozent auf 3.351 Indexpunkte und der Dow Jones Industrial Index um 1,75 Prozent auf 17.175 Indexpunkte, wobei es in den USA auch Konjunktursorgen gibt, da das 4. Quartal 2014 schlechter ausfiel als erwartet. Immerhin steig der Aktienkurs des „everybody darling“ Apple zuvor auf ein neues Allzeit-Hoch von 120 US-Dollar (jetzt bei 117 US-Dollar), was eine Rekord-Börsenkapitalisierung von 687 Mrd. USD bedeutet, und der DAX war knapp vor einem neuen Allzeit-Hoch, da der IFO-Geschäftslima-Index dreimal in Folge anstieg, was ein gutes Zeichen auch für den DAX ist. Nun kam aber Griechenland dazwischen und auch Russland/Ukraine machen wieder Sorge.

Sanktionen gegen Russland werden wegen dem Raketenangriff in Mariopol verschärft

Aufgrund des Raketenangriffs in Mariopol in der Ost-Ukraine, bei dem 30 Zivilisten starben und wo es über 100 Verletzte gab, werden nun von der EU weitere Sanktionen gegen Russland verhängt. Nach Angaben der OSZE soll der Angriff von den Rebellen erfolgt sein, was aber nicht bewiesen ist. Es kann gut sein, dass mit den Raketen das Assow- Bataillon bekämpft werden sollte, das unter der Flagge der Nazis auch in Mariopol kämpft. In jedem Fall wird wieder einmal Russland für den Raketenangriff verantwortlich gemacht, obwohl die Rebellen bestreiten, dass sie es waren. Obama machte schon von Indien aus klar, dass dieser Verstoß gegen das Minsker Abkommen schwere Folge für Russland haben wird. Auch die Klitschko-Brüder waren sich einig und machten Russland als Hauptschuldigen für den Raketenangriff in Mariopol aus. Merkel griff sofort wieder zum Telefonhörer und forderte Putin auf, endlich einzuschreiten und die Rebellen zur Raison zu bringen. Alles das sind Déjà-vù-Erlebnisse, von denen wir in diesem Jahr noch viele erleben werden. Im Ukraine-Krieg starben schon – unnötigerweise! - über 5000 Menschen. Auf beiden Seiten der Krieger ist eine Verrohung der Sitten erkennbar.

Unklare Beweislage führt zu Vorverurteilungen

Es handelte sich beim dem Raketenangriff in Mariopol aber wie beim Absturz der MH17 um eine Vorverurteilung der Medien und der Politiker, die hier eigenartigerweise immer sehr vorschnell an einem Strang zu ziehen scheinen anstelle die Geschehnisse in der Ost-Ukraine in Ruhe genauer zu untersuchen. Die EU beschloss, dass weitere russische Personen nun mit Sanktionen belegt werden sollen. Zu einem Ausschluss Russlands aus dem SWIFT konnte man sich aber noch nicht durchringen, obwohl dies einige EU-Parlamentarier forderten. Griechenland war zunächst gegen weitere Sanktionen gegen Russland.

Herunterstufung von S&P bei russischen Anleihen schwächt den Rubel weiter

Das Downgrade der russischen Anleihen von der US-Ratingagentur S&P auf das „Ramschniveau“ BB+ (zuvor BBB-) wird dazu führen, dass sich die Renditen der russischen Anleihen noch mehr erhöhen und es für russische Unternehmen auch schwieriger wird, sich auf dem internationalen Kapitalmarkt zu refinanzieren. Die russische Regierung hält das Rating für unangebracht und versteht diese Maßnahmen mehr im Kontext des Währungs- und Finanzkrieges, den die USA gegen Russland führt. Die russische Föderation selbst hat nur Schulden von 41 Mrd. USD und die Banken und Unternehmensschulden sind im letzten Jahr schon um über 20 Prozent auf unter 600 Mrd. USD gesunken. Dennoch belastet die Herunterstufung gerade die Banken, die schon jetzt mit dem viel zu hohen Refinanzierungszins der Notenbank von 17 Prozent Problem haben. Einige Banken mit hohen Auslandsverbindlichkeiten werden die Finanzkrise wohl nicht überleben können, zumal Russland jetzt in eine Rezession schlittert und die Inflationsrate wohl von 11 auf 15 Prozent ansteigen wird.

Anti-Krisen-Programm soll vor allem notliedenden Großbanken helfen

Die russische Regierung hat gerade an ein Anti-Krisen-Programm mit einem Volumen von 1,3 Billionen Rubel (ca. 20 Mrd. US-Dollar) vorgestellt, das Putin noch durch seine Unterschrift absegnen muss, wobei fast die Hälfte für die Rettung der großen Staatsbanken vorgesehen ist. Viele kleinere und mittlere Banken könnten aber Pleite gehen. Die Regierung will aber in jeden Fall einen Banken-Run vermeiden.

Rubel wieder im freien Fall – Ölpreis erholt

Der russische RTS-Index, der auf US-Dollar basiert, fiel am 29. Januar um 1,35 Prozent und damit um 6,7 Prozent seit Jahresbeginn, während der Rubel basierenden MICEX-Index um 0,49 Prozent anstieg und damit schon um 17,9 Prozent seit Jahresbeginn. Der US-Dollar stieg zum Rubel um 0,72 Prozent auf 69 USD/RUB und der Euro leicht um 0,17 Potent auf 78,16 EUR/Rubel. Damit brach der Rubel zum Euro in einer Woche aufgrund des Downgrades von S&P um 10 Prozent ein, so dass in der letzten Woche hohe Währungsverluste für deutsche Anleger entstanden. Hoffnung macht jetzt aber überraschend der Ölpreis, denn der Brentölpreis erholte sich am 29. Januar kräftig um 7,05 Prozent auf 52,61 US-Dollar/Barrel und der WTI-Ölpreis auch um 7,13 Prozent auf 47,77 US-Dollar/Barrel. Gold erholte sich auch um 2 Prozent auf 1285 USD-Dollar/Unze und der Silberpreis um 1,2 Prozent auf 17,26 USd-Dollar. Der Euro zum US-Dollar stabilisierte sich bei 1,13 EUR/USD.

Neue Chancen an der Moskauer Börse

Die Top- Performer am Freitag waren der notliedende Stahl- und Kohlekonzern Mechel, wo der Kurs seit Dezember sich schon verdoppelte von 0,5 auf 1,0 € ebenso wie der Kurs des notleidenden Goldwertes Petropavlovsk auf 0,18 €. Beide Unternehmen sind aber nach wie vor akute Pleitekandidaten. Um 7 Prozent am Freitag und damit um über 100% seit dem Tief in Dezember stieg der Zinkproduzent Chelyabinsk Zinc auf das neue Jahres-Hoch von 5,3 €, der auch einer meiner Favoriten bleibt. Meine drei letzten „Aktien des Monats im EAST STOCK TRENDS sind auch alle im Plus, was die großen Chancen auch in der Krise aufzeigt. Dagegen gab der Kurs von Gazprom um 3,24 Prozent auf 3,67 € nach.

Erst informieren, dann investieren

Schauen Sie sich jetzt das neue Video von Andreas Männicke vom 31. Januar 2015 in EastStockTV, Folge 53 über die das Thema: „Was ist mehr Ramsch: Griechenland, Italien oder Russland? “, mit den neuen Aussichten für die Weltbörsen und für Russland, den Rubel und die Moskauer Börse unter www.eaststock.de, dort unter "Interviews" an" oder direkt bei www.youtube.com.

TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 28. Januar 2015 von Viola Grebe im DAF über die neuen Chancen in Osteuropa befragt. Dabei wurden 3 russische Aktien als besonders aussichtsreich eingestuft. Sie können sich diese Video jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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