Was ist das zukünftige Schicksal von Schicksalsgemeinschaften?

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Montag, 28. Mai 2012 17:00:00

Die Schuldenkrise bleibt das dominante Thema an den Weltbörsen. Als Problemland rückt jetzt immer mehr Spanien in den Vordergrund. Die spanische Bank Bankia, die schon unter staatliche Aufsicht gestellt wurde, ist eine zweite Hypo Real Estate. Auch hier sind notleidende Immobilienkredite der Grund für die Schieflage. Die Immobilienpreise in Spanien fallen weiter, so dass hier keine Besserung in Sicht ist. Die Summe zur Vermeidung der Insolvenz bzw. des Konkurses der Bank Bankia ist jetzt mit über 23 Mrd € „Nachschussplicht“ des Staates weit mehr also zuvor gedacht.. Zuvor war nur von 15 Mrd € die Rede. 4,5 Mrd € hat sich die Bank schon vom spanischen Staat geliehen. Die Summe für den Bailout steigt jede Woche an, was Sorgen für den gesamten spanischen Bankensektor bereitet. Denn im Falle einer Pleite entstehen gefährliche Dominoeffekte. Die Bank Bankia muss jetzt unter Druck ihr Tafelsilber verscherbeln.

Jeder Schuldner hat einen Gläubiger. Aus diesem trivialen Satz ergibt sich eine gefährliche Schicksalsgemeinschaft. Dies trifft auch für Länder zu. Es gibt Hauptschuldner und Hauptgläubiger, die in einem Boot sitzen. Was wir brauchen jetzt eine neue EU-Transparenzzentrale, die aufzeigt, wer bei wem der Hauptschuldner/Hauptgläubiger ist, um in etwa den Kollateralaschaden einer Bankinsolvenz oder eines Großunternehmens abschätzen zu können. Deutsche Banken und Versicherungen sind in Spanien im Volumen von 100 Mrd € engagiert. Wie viel davon notleidend werden, weiß heute keiner. Damit gibt es aber auch Fragezeichen für den zukünftigen Abschreibungsbedarf. Eine Verstaatlichung von Banken kostet dem Steuerzahler viel Geld. An dem Bespiel Hypo Real Estate und jetzt auch Bank Bankia sieht man, dass die Schätzungen für die Kredithilfen völlig falsch und zu niedrig waren.

Hier sind auch die Aufsichtsräte der Banken gefragt, für mehr Transparenz für die Anleger zu sorgen und zumindest auf Bewertungsrisiken rechtzeitig vorher hinzuweisen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Die Bank Bankia hat 32 Mrd € an Vermögenswerten in der Bilanz; es wird sich jetzt zeigen, wie viel sie wirklich wert sind. Sie ist die viertgrößte Bank Spaniens. Es gibt in Spanien über 1 Million leer stehende Wohnungen, Tendenz steigend. Es gibt auch etliche Bauruinen, die nicht weitergebaut werden. Der Präsident der Bank Bankai Jose Ignacio Goirigolzarri will die Kredithilfen des Staates als Investitionen verstehen, die langfristig auch wieder zur Rentabilität der Bank führen werde. Der Kurs fiel auf das Jahrestief von 1,2 €., Die Aktie fiel Pfingstmontag noch einmal um 22%, erholte sich intraday aber wieder auf 1,35 €, womit sich der Verlust auf 12% verringerte. Im Februar war der Kurs noch bei 3,5 €. JP Morgan setzt das Kursziel auf 0,2 €.

Damit wird die Bank wohl auch zum Spielball der Spekulanten, ebenso wie es die Commerzbank in Deutschland war und ist. Der Kurs der Commerzbank AG gab auf 1,34 € um 2,9% nach. Der Kurs war im Februar noch bei über 2 €, aber der „Drehtüreneffekt“ der Euro-Verschuldungskrise zog alle Bankwert wieder in den Bann,

Die notwenige Kredit-Summe, die jetzt für die Bank Bankia festgestellt wurde, war die Summe, die zuvor für die Rekapitalisierung aller spanischen Banken insgesamt angenommen wurde. Hinzukommt, dass die Refinanzierungszinsen weiter ansteigen, für Banken und für den spanischen Staat. Die nächsten Problembanken, wo der Staat helfen muss, sind die Banken Catalunya Caixa und Novagalicia, wo der spanische Staat schon im September 2011 zur Bankenrettung eingestiegen ist.

Jetzt werden noch mehr Leichen im spanischen Bankensektor vermutet, die zu Tage treten, auch wegen der spanischen Schicksalsgemeinschaften. Es ist die Frage, wie hoch die Rückstellungen in der Summe sind, und ob dieses auseichen, um Kreditausfälle zu kompensieren. Ansonsten müssen Not-Kapitalerhöhungen kommen oder der Staat muss mehr zahlen als er zahlen kann.

Dies wird wiederum eine Gefahr zur notwendigen Sanierung des spanischen Haushalts, wo wieder ein Defizit von über 8% erwartet wird. Spanien befindet sich schon jetzt in einer Rezession. Die Arbeitslosenquote in Spanien beträgt 24%, bei Jugendlichen sogar über 50%, was ein Skandal und ein Bespiel für die Ineffektivität des spanischen Arbeitsmarktes ist. Anhaltende Streiks legen die Wirtschaft lahm. Die spanischen Unternehmen sind mit 1,4 Billionen € viel zu hoch verschuldet. Neben Bankenpleiten können Unternehmenspleiten hinzukommen, die zu weiteren Steuerausfällen führen können. Ein Teufelskreis.

Die Bilanzsummen der Banken sind zu groß geworden, so dass eine Bankenrettung der Steuerzahler zu teuer kommt. Eine Transparenzzentrale brauchen wir aber auch für Staatsanleihen. Banken/Versicherungen und Pensionskassen sind wiederum die Hauptkäufer von Staatsanleihen. Wenn Staaten wie Griechenland Pleite gehen, entsteht ein enormer Abschreibungsbedarf bei Banken/Versicherungen/Pensionskassen.

Am 17. Juni finden Neuwahlen in Griechenland statt, die richtungsweisend für die Börsen sein werden. Auch hier handelt es sich um Schicksalsgemeinschaften – auch im Euro-Raum. Die Pleite von Griechenland wäre kein Problem, da das meiste schon abgeschrieben ist. Die Pleite von Spanien oder Italien wäre aber nicht zu verkraften. Eine Pleitewelle bei europäischen Banken/Versicherungen wäre die logische Folge. Der europäische Rettungssschirm wäre zu klein für einen solchen Super-Gau. In jedem Fall sitzen Banken und Staat in einem Schicksals-Boot, denn wer soll die maroden Staatsanleihen kaufen, wenn nicht die Banken /Versicherungen/Pensionskassen? Diese Refinanzierungsprobleme werden uns auch die nächsten Jahre beschäftigen, auch wenn wir formell einen Fiskalpakt haben, der wahrscheinlich nicht überall eingehalten werden kann, schon gar nicht im Fall einer Rezession. Sparen und wachsen - geht das überhaupt?

Wenn Bankenpleiten dazwischenkommen, schon gar nicht. Schicksalsgemeinschaften bestehen auch zwischen Lieferanten und Auftraggeber insbesondere, wenn hohe Lieferantenkredite im Spiel sind. Eine Insolvenzwelle in Spanien hätte auch negative Folgen für deutsche mittelständische Betriebe, die auf ihr Geld warten.

Wenn ein Schuldner nicht mehr zahlen kann, könnte auch der Gläubiger in Liquiditätsschwierigkeiten kommen, der selber auch Schulden gemacht hat. Schon bei einem Default von Griechenland entstehen gefährliche, unübersehbare Dominoeffekte. Prof. Sinn schätzt den Folgeschaden einer Griechenlandpleite auf 1 Billion €. Vor allem französische Banken sind mit 40 Mrd. € noch stark bei griechischen Banken involviert, deutsche Banken haben hingegen fast alles abgeschrieben. Bisher hat die EZB mit ihrer „Liquiditätshilfe“ von 1 Billion € fast zu null Prozent Zinsen eine Kreditklemme, aber auch die gefürchteten Dominoeffekte vermieden.

Banken brauchen offensichtlich kein „vernünftiges“ Geschäftsmodell mehr: sie leihen sich bei der EZB zu 1% Gelder aus und legen es wieder in Staatsanleihen an. Selbst bei Bundesanleihen bleibt dennoch ein Gewinn, was wiederum die unsinnige Flucht in Bundesanleihen forciert. Durch Hinzumischen von spanischen und italienischen Anleihen entsteht sogar ein Gewinn von über 5% pro Transaktion. Risikolos ist dieser nicht, denn Staaten können Pleite gehen.

Da aber die Banken genau wissen, dass es eine Staatspleite von Spanien oder Italien zum Super-Gau in Europa und der ganzen Welt führen würde und die EZB dafür weiter Geld drucken wird, können sie diese Papiere ins Buch nehmen. Es ist aber alles nur Buchgeld, das von einem Konto aufs nächste ohne Wertschöpfung gebracht wird. Je höher die Summe, desto gefährlicher wird es in Zukunft für alle Schicksalsgemeinschaften. Vom Volumen wesentlich größer werden könnte das Problem von insolventen spanischen Banken. Auch die Bank Intesa in Italien muss 1000 Filialen schließen. Aber auch portugiesische Banken sind gefährdet. N Griechenland gibt es einen Bankenrun. Es brodelt also überall in Südeuropa.

In Griechenland wird am 17. Juni ein neues Parlament gewählt. Möglicherweise wird bei einer erneuten Abwahl der beiden großen Parteien, die für ein Sparprogramm plädieren, auch der Austritt aus dem Euro vorbereitet. Dies könnte der Beginn des „D-Days“ (Domino-Days) werden, der die Weltbörsen in Mitleidenschaft ziehen könnte. Auch diese Wahl wird daher als Schicksalsjahr bezeichnet. Wie lange und wie viel soll Deutschland für südeuropäische Verschuldungssünder zahlen, damit das politische Kunstgebilde Euro nicht auseinanderbricht? Der Euro als solcher ist auch eine Schicksalsgemeinschaft zwischen leider sehr ungleichen Ländern. Das kann nur zu Spannungen führen, wobei auch ein Eurobond keine Lösung wäre, solange die Ungleichgewichte so groß sind.

Der Euro fiel auf das neue Jahrestief von 1,25 EUR/USD. dadurch fielen auch in der letzten Woche viele Rohstoff- und Aktienmärkte, was ich erwartet und angekündigt hatte. Der Bund-Future stieg auf das neue Rekordjoch von 144 und die Rendite fiel auf ein neues Rekord-Tief von 1,4%. Auch hier ist ein Bubble bei Bundesanleihen klar erkennbar, der sich aber erst in der zweiten Jahreshälfte auflösen wird. Der DAX startete am Pfingstmontag verheißungsvoll über 6400 Indexpunkte, bröckelte im Verlauf aber wieder unter 6400 Indexpunkte und landete im Minus, so dass die Tief von unter 6300 Indexpunkte noch mal getestet werden könnte. Vor 1 Monat befand er sich noch bei 6700 Indexpunkten, wo ich rechtzeitig zum Ausstieg auch an den Ostbörsen riet. Das Facebook-IPO war für Anleger zunächst ein Flop, was ich auch erwartet habe. Der Kurs fiel auf 25 €. Ich halte die Aktie immer noch für überbewertet und rate zum Verkauf. Russische Aktien sind dagegen preiswert und ein „Eldorado“ für Schnäppchenjäger.

Beim RTS-Index riet ich schon bei unter 1600 Indexpunkten zum Ausstieg und fiel unter 1300 Indexpunkte, so dass die von mir empfohlen RTS-und RDX-Mini-Short-Zertifikate kräftig in den Gewinn liefen. Jetzt ergeben sich aber auch hier gute Einstiegschancen im Aktienbereich oder auf der Long-Seite, wenn man gestaffelt ordert. Trotz der Bankenkrise in Spanien kann es zu Rebound-Effekten kommen. Der sehr treffsichere „ESI-Seminar-Indikator“ steht auf „Kaufen“. Daher sollten tradingorientierte Anleger jetzt die Gunst der Stunde nutzen mit gestaffelten Abstauberlimits kaufen.

Sie sollten nach dem steilen Kursanstieg bis Mitte März und der jetzt laufenden Konsolidierung gerade jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS beschreibe. Achtung: jetzt beginnt die Zeit der „Schnäppchenjäger“! Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 23. Mai 2012 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) von Dr. Bernd Jünemann über die Chancen in Osteuropa, insbesondere in Russland, Polen und der Ukraine befragt. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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