Wann wird eine unheimliche black box zu einem black swan?

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Samstag, 26. März 2011 15:53:00

„Wer fürchtet sich vom schwarzen Mann?“ haben wir alle als Kinder gespielt und haben versucht uns nicht einfangen zu lassen. „Wer fürchtet sich von der black box?“ wäre der spannende Frage für Finanzanalysten, die nicht weglaufen können, sondern gerade jetzt gefragt sind, aber mit einer Reihe von unkalkulierbaren Ereignissen konfrontiert werden. „Wer fürchtet sich vor black swans?“ ist die spannende Frage für alle Anleger. Black swans sind unvorhersehbare Ereignisse mit nachhaltiger ökonomischer Schockwirkung. Black swans führen zu nachhalten Unsicherheitsschocks in der Wirtschaft und an den Weltbörsen wie am 11. September 2011 nach dem Terroranschlag und im Augst 2008 nach der Lehmann-Pleite.

Die spannenden Frage kann aber auch sein: Wann wird eine „black box“ zu einem „black swans“? Es geht dabei um unkalkulierbare Kettenreaktionen und um“ Domino-Days“. Domino-days kommen durch Massen-Panikreaktion zustanden, die bisher noch ausblieben. Die EU-Gipfel verteilen jetzt ebenso wie die G20-Gipfel noch die Beruhigungspillen, die verabreicht werden mit neuen Rettungsschirmen, die immer größer werden. S&P hat das Rating von portugiesischen Anleihen deutlich herabgestuft, was fast einer Zahlungsunfähigkeit gleichkommt. Dennoch will Portugal nicht unter den Rettungsschirm. Also zunächst das gleiche Spiel wie im Fall Irland.

Ist der Euro noch zu retten? Zunächst wird die EU zur Transferunion, was sie im Grunde durch die EU-Strukturhilfen schon lange ist. Viele Politiker, Top-Manager und Notenbanker, also die, die es eigentlich wissen müssten, spielen jetzt bei dem Film „denn sie wissen nicht, was sie tun“ die Hauptrolle. Über die Risiken und Nebenwirkungen der aktuellen Entscheidungen wird die Bevölkerung erst später – nach dem black swan - aufgeklärt werden.

Jetzt wird es einen Stresstest nach dem anderen – für Atomkraftwerke, Banken und Finanzsysteme - geben und auch die Politiker und Manager sind alle in Stress, denn sie hetzen von einem Krisentermin zum nächsten, ohne Nachdenken zu können. Da kann auf der klug vorausschauende der Anleger schnell den Überblick verlieren.

Den Finanzanalysten wird die Grundlage der Finanzanalyse entzogen, wenn die Grunddaten aufgrund externer Schocks oder ungewissem Ausgang von Kausalketten fehlen. Keiner weiß dann genau wie es weitergeht. Es entsteht Angst und Unsicherheit, was die Börse belastet. Eine black box ist immer noch die Situation in Japan beim Kernkraftwerk Fukushima. Falls ein Supergau den ganzen Norden Japans belasten würde, entsteht über Nacht auch ein erhebliches Finanzrisiko. Es kommen dann ganz schnell negative Kettenreaktionen zustande, die man jetzt noch gar nicht für möglich hält. Es fällt daher schwer, besonnen zu bleiben. Zudem können jederzeit neue Erdbeben und Nachbeben kommen, was jetzt aber nicht einkalkuliert werden kann. Es handelt sich in Japan also um eine black box, aber noch nicht um einen black swan, kann aber einer werden, auch über die Folgewirkungen bei der Verschuldung und den Banken. Die Notenbanken steuern konzertiert dagegen, womit sich der Yen und der Nikkei-Index wieder erholten.

Eine weitere black box tut sicher gerade in einige arabischen Ländern auf, denn keiner weiß genau, wie das Machtvakuum in den nächsten Jahren in den arabischen Ländern gefüllt wird. Alleine durch Demokratie wird keine Dynamik in die Märkte kommen können, es bleibt die Gefahr von hoher Jugendarbeitslosigkeit und hohen Inflationsraten. Daher werden auch die neuen Regierungen angegriffen werden. Es werden also keine stabilen Zonen werden. Es besteht auch die Gefahr, dass – zunächst getarnt – auch El Kaida oder andere islamische Terroristen - in den Zugriff von Ölquellen kommen werden, was dann für den Westen sehr gefährlich ist. Auch der Iran könnte um den Suez-Kanal immer einflussreicher werden, was auch nicht ganz ungefährlich ist. Damit könnte es in Zukunft zu Versorgungsengpässen beim Öl geben.

Überhaupt scheint der Einfluss von Iran jetzt immer größer werden, wobei der Iran an seinem neuen Atomkraftwerk, das aus Russland stammt, wohl festhalten und möglicherweise sogar Uran anreichern wird. Das wird jetzt ganz aus den Augen verloren. Welche Dynamiken und Eskalationsstufen sind im arabischen Raum jetzt denkbar? Kann daraus ein black swan werden? Ein normaler Finanzanalyst blickt damit nicht mehr durch, zumal, wenn er nur „blind“ auf seinen Sektor schaut.

Diesen Gedankensprung wagt heute kaum einer; es könnte also ein black swan werden. Der Westen hat schon oft genau die falsche Seite militärisch unterstützt. Keiner weiß bisher auch genau, ob die Jasmin-Revolution auf Saudi-Arabien und/oder China überschwappen kann. Wäre dies der Fall, dann würde aus der black box ein black swan mit ungeheuren Wirkungen auf die Weltbörsen werden und zwar schlagartig quasi über Nacht, denn der Ölpreis würde dann explodieren, was wiederum die Gefahr von Rezessionen hervorruft. Insbesondere in Japan, die vom Ölimport anhängig sind.

Eine weitere black box ist Frage, wann sich das Schneeballsystem „Refinanzierungsblase von Staatsanleihen“ nicht nur bei den „PIGS“-Ländern auflöst und nicht mehr machbar ist. Dieser Tag wäre der Domino-Day auch bei Banken sein, wobei es eine Bankenrun und eine Währungsreform geben könnte. Noch wollen werden die G20 alles tun, um die systemischen Risiken zu beherrschen. Eines ist klar. Der Finanz-Tsunami kommt auf uns zu, nur wann, also mit welcher Geschwindigkeit und mit welcher Höhe er ankommen wird, ist schwer kalkulierbar. Wenn sich PIMCO vom amerikanischen Anleihen verabschiedet, muss die Frage gestellt werden, wer die amerikanischen Anleihen in Zukunft kaufen wird. Japan dürfte jetzt auch als US-Anleihenkäufer aufgrund hausgemachter Probleme ausfallen. Soll den ganzen Schrott jetzt also China aufkaufen? Ich habe hier von abenteuerlichen „Lösungsmöglichkeiten“ von sehr hoher Stelle gehört, die ich aber nicht öffentlich diskutieren werde. Es wird zu umwälzenden „Finanzreformen“ kommen, was die Märkte aber jetzt noch nicht beunruhigt, weil es sich um eine black box handelt. Die G20 werden weiter Beruhigungspillen verteilen. Das langt eine Weile.

Eine weiter black box ist, wie sich das enorme Geldmengenwachstum in Zukunft auswirken wird. Überall stiegen jetzt weltweit die Inflationsraten an. Kann aus eine „normalen“ Inflation wie jetzt eine Hyper-Inflation werden? Das wäre dann ein black swan. Dies ist dann der Fall, wenn eine Währung an rapide Vertrauen verliert. Schon jetzt werden im Hintergrund einige neue Denkmodelle für eine neue Reservenwährung diskutiert, die auch von China und Russland herangetragen werden.

Eine weitere black box ist der Klimawandel mit der Folge von zunehmenden Naturkatastrophen, die ganze Wirtschaften über Nacht zerstören können. Dies gab es zuletzt in Australien (vornehmlich im Kohlesektor) mit Überschwemmung, davor in Pakistan mit Überschwemmungen und nun auch in Japan mit Erdbeben/Tsunami-Wellen. Naturkatastrophen lassen sich nicht klar berechnen und damit sind sie auch nicht in Börsenkursen ein kalkulierbar. Aber wenn sie passieren, wird es selektiv für die betroffenen Unternehmen und Regionen heftig. Wenn diese Naturkatastrophen zu groß werden, werden aus black box black swans, zumindest für die betroffenen Regionen.

Da es jetzt eine große Zahl von black box für Finanz-Analysten gibt, ist die Aktienkursprognose reine Spekulation und auch die hartgesottenen Value Investoren werden damit zwangsläufig zu „Spekulanten“, die ihr Erfolgsmodell auf dem Prinzip Hoffnung aufbauen. Dies ist nicht immer ein guter Ratgeber. Mir ist schon auf der letzten Messe „Invest“ aufgefallen, die die Anleger immer mehr zu Tradern mutieren (sollen?). Per Knopfdruck werden aufgrund von bestimmen charttechnischen Signalen gekauft und verkauft. Was hinter dem Kurs steckt, wird nicht hinterfragt. Hauptsache die Richtung stimmt. Wenn ich auch die technische Analyse gerade zum rechtzeitigen Erkennen von Abwärtsspiralen befürworte, sind jetzt die Fundamentalanalyse und das vernetzte Denken wesentliche wichtiger. Zuviel Trader im Markt erhöhen die Gefahr von Domino-days, Crash und Panikreaktionen schon durch den Knopfdruck „Stopp-loss-order“ und Computer-Handelssysteme. Der Menschverstand bleibt dabei auf der Strecke, aber den brauchen wir jetzt – am besten global vernetzt und quedenkend – mehr denn je.

Es wird jetzt also weiter“ auf hohem Niveau spekuliert bzw. gezockt“. Der DAX stieg um 4% letzte Woche, womit die Gaps geschlossen wurden. Danach kann es aber wieder abwärts gehen, da es sich bisher nur um ein klassischen Pull back handelt. Der DAX stieg am Freitag um 0,18% auf 6946 Indexpunkte und der Dow Jones um 0,415 auf 12.220 Indexpunkte. Der Euro stabilisierte sich bei 1,40 EUR/USD. Gold erreichte zwischenzeitlich mit 1448 USD/Unze ein neues Jahreshoch, korrigierte dann aber auf 1429 USD/Unze. Auch Silber stieg auf das neue 30-Jahers-hoch von 37,78 USD/Unze, bleibt also eine typische Krisenwährung. Der WTI-Ölpreis stieg auf 105 und der Brentölpreis auf 115 USD/Barrel, was nahe der Jahreshöchstkurse ist. Hier wirkte vor allem der Libyen-Krieg kurstreibend. Der Bund-Future ist hingegen nicht mehr der „sichere Hafen“. Der Kurs fiel auf 121,78 auf ein neuen Jahrestief, was denvon mir angekündigten Abwärtstrend bestätigte. Die Renditen steigen also weiter, weil auch die Inflationsraten steigen. Die Börse in Ägypten eröffneten letzte Woche gleich mit Limit down, also einem Kurseinbruch. Keiner weiß, wie es dort weitergeht.

Ein halbwegs „sicherer Hafen“, den es bekanntlich nicht gibt, waren Öl/Gasaktien aus Russland und den Aktien aus Südosturopa, die ich weiterhin favorisiere. Der RTS-Index stieg am Freitag um 0,67% auf 2041 indexpunkte, was ein Kursplus von 15% seit Jahresbeginn bedeutet. Das neue Russia Equity Basket. Zertifikat von Goldman Sachs (WKN GS4EZ9) stieg am Freitag um 0,8% auf 94,15 €. Das aus 30 Aktien bestehen Zertifikat ist weiterhin aussichtsreich. Hochinteressant ist jetzt auch der Aktienmarkt Mongolei. Nachzulesen sind die neuen Chancen auch im aktuellen EAST STOCK TRENDS mit einem Südosteuropa- und Mongolei-Special.

Wie Sie sich jetzt verhalten sollen, können Sie auch im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS nachlesen. Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abo für den monatlich erscheinenden Ostbörsenbrief EAST STOCK TRENDS (EST, siehe www.eaststock.de) der übernächste Woche neu erscheint. Im EST wird auch immer auf das „big picture“ eingegangen, also auf die Hintergründe der gegenwärtigen Gold/Silberhausse und das Pro und Contra an den Weltbörsen, was immer auch Rückwirkungen auf die aufstrebenden Ostbörsen hat. So wurde auch der drohende Kurseinbruch bei Unterschreiten von wichtigen Chartmarken im letzten EST rechtzeitig angekündigt. Der EST ist also auch für Anlagen in Deutschland eine Entscheidungshilfe und bietet wertvolle Informationen.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 230% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 350% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 700% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 2000% (!) zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen. Ein gutes Vehikel für Russland ist das neue Russland-Zertifikat von Goldman Sachs (WKN GS4EZ9) mir 30 aussichtsreichen Aktien aus 16 Branchen.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste Ostbörsen-Seminar „Go east!“ findet am 12. Mai 2011 um 16.00 Uhr in Frankfurt/M statt (Kosten 100 €, Dauer 4 Stunden). Wenn Sie Interesse an dem Seminar haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883). Eine Anmeldung ist auch online möglich unter www.eaststock.de

Interview-Hinweise: Andreas Männicke wurde am18. März 2001 von Mick Knauf im DAF über die Chancen in Osteuropa nach der Japan-Katastrophe befragt. Das nächste TV-Interview von Andreas Männicke ist am 29. März um 15.30 Uhr über Südosteuropa in NTV/Telebörse sein. Sie können sich die vorherigen TV-Interviews von Herrn Männicke jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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