Vom Rettungskurs zum Wachstumskurs?

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Sonntag, 13. September 2009 20:22:00

US-Finanzminister Timothy Geithner hat angekündigt, seine Politik nun von einem Rettungskurs zu einem Wachstumskurs umzuändern. Die letzten Konjunkturdaten lassen erahnen, dass die Talsohle bereits durchschritten ist und die USA wieder auf einem Wachstumskurs kommt. Zum ersten Mal seit über 1 Jahr stiegen wieder die Immobilienpreise. Wie man hört gehen jetzt Russen und Araber auf Schnäppchenjagd im US-Immobilienmarkt. Die Zahl der zusätzlichen Arbeitslosen verringerte sich auf etwa über 200.000. In den Krisenmonaten waren über 500.000 Arbeitslose an der Tagesordnung. Mit 9,4% ist die US-Arbeitslosenquote aber nach wie vor zu hoch und sie wird sich auch nicht so schnell abbauen lassen.

Durch die starke gestiegen Arbeitslosenzahlen erhöht sich die Produktivität der US-Unternehmen schon im Frühjahr um 6% gemessen an der Leistung der Beschäftigten je Arbeitsstunde. Die Kostensenkungsprogramme führten im 2. Quartal zu gestiegenen Gewinnen zum Vorquartal, die bei den meisten Unternehmen auch über den Konsensschätzungen lagen. Auch einige Indikatoren wie der Einkaufsmanager-Index deuten auf eine Trendwende hin. Die Anleger honorierten dies mit steigenden Kursen. Der Dow Jones Industrial Index stieg auf ein neues Jahreshoch und schloss am Freitag bei 9605 Indexpunkten und der S&P Index bei 1042 Indexpunkten. Damit bleibt der kurzfristige Haussetrend seit März intakt.

Die Börse hat also schon lange eine konjunkturelle Wende in der zweiten Jahreshälfte eingepreist, denn die Börse schaut immer in die Zukunft und ist ein besserer Konjunkturindikator als alle Vwl-Professoren auf der Welt zusammen, die meistens mit ihren Prognosen ohnehin daneben liegen. Die Börse neigt aber auch zu Übertreibungen und die spannende Frage ist jetzt, ob der kommende Aufschwung schon hinreichend eingepreist oder sogar schon wieder übertreiben ist Nach wie vor muss hinterfragt werden, wie nachhaltig der Aufschwung sein wird, falls er jetzt gerade in Gang gesetzt wird. Bei jeder konjunkturellen Enttäuschung kann die Börse sofort wieder einbrechen.

Dabei muss immer wieder hinterfragt werden, ob nach einem derartig unnormalen Abschwung, bei dem das Welt-Finanzsystem im Oktober 2008 kurz vor einem Kollaps stand, sich wieder ein normaler Aufschwung ergeben kann. Ich bezweifele dies. Es werden sich mit einer gewissen Zeitverzögerung auch Risiken und Nebenwirkungen der ungewöhnlichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen zeigen. Ich möchte auch betonen, dass es eine unabdingbare Notwendigkeit gibt, dass die Weltwirtschaft wieder auf einen Wachstumskurs kommt, da ohne Wachstum kein Schuldenabbau möglich sein wird.

Die zu starke Verschuldung wird uns immer wieder beschäftigen müssen. Folgewirkungen können Inflation, Massenproteste auf den Straßen, Währungsabwertungen, Protektionismus, Enteignungen bis zu Kriegen sein, was auch Wirtschaftskriege sein können, die heute viel subtiler ausgetragen werden als früher. So hat die chinesische Regierung in einer TV-Werbekampagne die Bevölkerung zum massenweisen Goldkauf aufgefordert und dies selbst als kluges, weitsichtiges Investment gepriesen. Warum wohl? Der Dollar schwächte sich weiter auf 1,4570 zum Euro ab und vieles deutet daraufhin, dass er sich weiter abschwächen wird. Ein Grund ist die zu hohe US-Verschuldung und die von Ben Bernanke ausgelöste Liquiditätsschwemme. Der Goldpreis stieg in der letzten Woche über 1000 USD/Unze und schloss am Freitag im Jahreshoch von 1004 USD/Unze. Er war Anfang 2009 aber schon ähnlich hoch, brach hernach aber wieder auf 850 USD/Unze ein, was auch in den nächsten Wochen passieren kann, wenn der Dollar wieder stärker werden sollte.. Das Hoch lag bei 1037 USD/Unze.

Wen ich chinesischer Notenbank-Chef wäre, würde ich auch die Goldbestände erhöhen, um für einen Ausgleich bei den enormen Währungsverlusten herbeizuführen, die in Zukunft noch größer werden könnte. China ist zusammen mit Japan der Hauptfinanzier des US-Haushaltsbilanzdefizits. China besitzt schon jetzt 800 Mrd. USD in US-Staatsanleihen. Die große Frage ist es aber, ob China, Japan und Araber auch in Zukunft US-Staatsanleihen kaufen werden, wenn sich der Dollar immer weiter abschwächt. An einem zu schwachen Dollar kann China zumindest aus der Sicht der Notenbank also kein Interesse haben. Gold ist ein gewisser Hedge für einen fallenden Dollar. Aufgrund des schwachen Dollars stieg der Goldpreis auch zuletzt so stark. Solche Spekulationsaufrufe der chinesischen Regierung können aber nur kurzfristig eine Spekulationswelle in Gang halten. Auch hier muss die Nachhaltigkeit kritisch hinterfragt werden. Die Inder werden jedenfalls Gold umso weniger kaufen, je teurer Gold wird. Die Goldnachfrage in der Schmuckindustrie hat ohnehin stark abgenommen. Der September ist übrigens statistisch gesehen ganz im Gegensatz zum Aktienmarkt der beste Monat im Jahr für Kurssteigerungen. Korrekturen werden dann wohl erst im Oktober kommen. Ich glaube daher nicht, dass der Goldpreis nachhaltig über das alte Hoch von 1037 USD/Unze steigt. Dennoch profitierten auch russischen Gold-Juniors in den letzten Wochen enorm von dem gestiegenen Goldpreis. Meine Gold-Favoriten können Sie im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) nachlesen.

China hat auch kein Interesse, dass sich die Weltkonjunktur weiter abschwächt. Daher kaufte China jetzt auch IWF-Anleihen im Volumen von 50 Mrd. USD auf, wobei die Mittel dann wieder notleidenden Ländern wie der Ukraine zur Verfügung gestellt werden. Russland lehnt dagegen IWF-Kredite ab, um nicht an die strikten Haushaltsauflagen des IWF gebunden zu sein. China bezieht aber auch Rohstoffe von Russland und Kasachstan, die in den letzten Monaten von der hohen Chinanachfragen nach Rohstoffen als rohstoffreiche Länder profitierten. So ist es bemerkenswert, dass auch die Börsen von Almaty und Moskau in diesem Jahr mit einem Plus von jeweils über 80% wieder die Spitzenplätze in den Performanceranglisten der Weltbörsen einnehmen. Aber auch hier muss die Nachhaltigkeit der Chinanachfrage hinterfragt werden, zumal auch in China Überkapazitäten aufgebaut worden sind (vor allem in der Stahlindustrie). Wenn die Aktienkurse und Rohstoffspreise überwiegend spekulativer Natur sind, können sich wieder – fast unbemerkt – sehr schnell „Bubbles“ ergeben, die sich meistens crashartig auflösen.

Der IWF will mehr Gelder, um als zentrale Feuerwehr weltweit dort eingreifen zu können, wo es notwendig wäre. Strittig ist aber die Summe, die dafür benötigt wird. Nach den Analysen der Commerzbank kostet die Rettung des Weltfinanzsystems und damit der Weltwirtschaft 10 Billionen USD, also 1000 USD pro Erdenbürger. Es ist kaum vorstellbar, dass nationale Regierungen dem IWF so viel Geld zu Verfügung stellen könnten. Der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn mahnt immer wider an, dass die Krise noch nicht überwunden ist, womit er Recht hat. In den USA ging schon die 92. Bank Pleite und weitere Bankpleiten werden folgen. Abzuwarten bleibt auch, ob eine zweite Kreditkrise und –-klemme kommt infolge von erhöhten Insolvenzen.

Viele Unternehmen ringen weiter um Refinanzierungen. Die Risikoprämien von Unternehmensanleihen sind zwar stark gesunken, aber keinesfalls noch auf normalen Niveau. Automobilkonzerne müssen 8-9% an Zinsen geben und russische Mobilfunkunternehmen sogar 14-15%, um neue Anleihen erfolgreich platzieren zu können. Dabei sind jetzt vor allem nachrangige Anleihen auch bei Banken in Mode gekommen. Eine nachrangige Anleihe der Deutsche Bank AG (WKN A1ALVC, Kurs 105,6) wurden Anfang September mit einem Kupon von 9,5% im Volumen von 1 Mrd. € gut platziert. Der Kurs stieg sogar von 103,8 auf 105, 6 am Freitag an. Nachrange Anleihen werden wohl weiterhin großvolumig vor allem im Bankensektor platziert werden. Auch die Commerzbank will die staatlichen Kredite zurückzahlen und sich lieber über den freien Kapitalmarkt refinanzieren, was jetzt wieder möglich scheint. Ich empfehle nach wie vor russische Staats- du Unternehmensanleihe zum Kauf. Das von mir im Januar im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de ) vorgeschlagene Anleihen-Portfolio ist seit Jahresbeginn schon über 20% im Kurs gestiegen.

Die Risken und Nebenwirkungen der ungewöhnlichen und außerordentlichen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen und staatlichen Rettungsaktionen werden im Moment kaum bei Anlegern und Analysen beachtet. Auch der Ölpreisanstieg von 35 auf über 70 USD/Barrel könnte durch Finanzspekulationen ausgelöst sein. Einige Rohstoffe wie Kupfer und Nickel konnten sich sogar von den Tief ausgehen mehr als verdoppeln. Gold ist sogar in Relation zum CRB Rohstoffindex nach oben ausgebrochen. In 2010 könnte es dann zu herben Kurseinbrüchen im Rohstoffsektor kommen, wenn die Rohstoffpreise auch nur eine Folge der Liquiditätsschwemme war und nicht nachfragebedingt sind. Ich möchte auf diesen Gefahren ausdrücklich hinwiesen, da sie im Moment kaum einer wahrnimmt.

Ich hoffe zwar auch, dass es in der zweiten Jahreshälfte 2009 und, was noch wichtiger wäre, in 2010 global einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung gibt, mache aber auch auf die Risiken aufmerksam, wenn er nicht kommen sollte. Um es ganz klar zu sagen. Die Weltwirtschaft steht aufgrund der Hyper-Verschuldung in diesem und im nächsten Jahr unter einem ungeheuren Wachstumsdruck. Wenn kein Wachstum und keine steigenden Unternehmensgewinne erzielt werden können, wird es eine zweite Finanzkrise geben, die dann fast ausweglos ist, denn eine nochmalige Verschuldungsorgie wie in diesem Jahr kann sich kein Land und auch die Weltwirtschaft nicht erlauben. Wir haben es also noch nicht wieder mit normalen Zeit zu tun und auch die die „Kuh noch nicht vom Eis“. Ganz im Gegenteil: Die Kapazitätsauslastungsgrade und Auftragseingänge sind immer noch auf Nachkriegstiefstniveau. In den USA und in Europa stagnieren weiter die Kreditausleihungen, während sie in China von Staat angetrieben um 30% ansteigen. In den USA nahmen die Verbraucherkredite stark ab. Zudem hat eine zusätzliche Neuverschuldung immer weniger Wachstumsimpulse zur Folge. Während in den 50-er Jahren bei 1 Dollar Schulden ein BSP-Zuwachs von 0,73 USD erreicht werden konnte sind es heute nur noch 17 Cents m Durchschnitt (Tendenz weiter fallend). Im Übrigen führt schuldeninduziertes Wachstum automatisch früher oder später zur Schuldenfalle, wenn das Wachstum nicht höher ist die Schulden. Die Frage ist nur, wer bezahlt am Ende die Zeche der Neuverschuldungsorgie? Sie natürlich! Der Staat wird sich schon bei Ihnen melden und die Krankenkassen auch, auch wenn Obama gerade in den USA diesbezüglich eine Revolution plant.

Der nächste G20 Gipfel und hernach auch viele Regierungen werden vor allem die Banken in die Pflicht nehmen. So sollen die Eigenkapitalquoten und Reserven erhöht und der internationale Kapitalverkehr transparenter gemacht werden. Das ist sicher vordergründig betrachtet ein guter Ansatz. Nur muss dabei auch die Kreditklemme beseitigt werden, die faktisch noch vorhanden ist. Schauen Sie sich doch einmal in den meisten Ländern der Welt um. Nach wie vor gibt es erhebliche Finanzierungsprobleme, die Auftragseingänge steigen zwar wieder, sind aber noch auf sehr niedrigen Niveau; es müssen weitere Mitarbeiter entlassen werden. Mit Ausnahme von Asien und einigen arabischen sowie lateinamerikanischen Ländern kann von einem Konjunkturaufschwung noch keine Rede sein, und selbst dort ist er auf sehr tönernen Füssen und zum Teil auf keynsianischem Sand gebaut. Viele Unternehmen werden noch die Insolvenz anmelden müssen, wenn die staatlichen Rettungsprogramme wie Kurzarbeit auslaufen.

Von großer Bedeutung wird es auch sein, wie hoch danach letztendlich die Kreditausfallquote sein wird. In der Ukraine beträgt sie schon 6% (Tendenz steigend). Immerhin wollen sich jetzt immer mehr Banken aus den Fesseln des Staates befreien und die Staatskredite zurückzahlen wie die Bank of America in den USA und die Commerzbank in Deutschland. Dies führt dann sofort zu starken Kurssteigerungen bei den Bankaktien. Der Aktienkurs der Commerzbank ist schon um 269% ausgehend von dem Tief von 2,3 auf 8,5 € gestiegen. Mit 306% war der Kursanstieg der Citibank von 0,785 auf 3,19 € noch stärker. Die Banken waren die Auslöser der größten Weltfinanzkrise in der Nachkriegszeit; die Banken waren aber in den letzten 6 Monaten auch die Top-Performer unter den Weltbörsen. Ich bin gespannt, wie sich der 800 Billionen USD-Bubble beim Cybergeld der Derivate auflösen wird und welche Bad Banks den Schrott alles aufnehmen müssen. Die deutschen Landesbanken basteln jetzt an den ersten Modell von eigenen bad banks. Auch hier ist die Kuh also noch nicht vom Eis, auch wenn die Weltbörsenkurse anderes unterstellen.

Auch der Kurse einiger osteuropäischer Banken konnten um 100-200% in diesem Krisen-Jahr zulegen. Ein Eldorado für mutige Spekulanten. Nun fordert die SPD im Wahlkampf eine weltweite Börsensteuer für alle Börsengeschäfte. Börse wird also zum brisanten Wahlkampfthema, was es auch noch nie gab. Diejenigen, die die Krise ausgelöst haben, sollen auch die Zeche für die Wirtschaftskrise bezahlen. Wer letztendlich aber die Zeche bezahlen dürfte, ist klar, nämlich der Steuerzahler. Der Wahlkampf wird in Deutschland sicherlich auch die nächsten beiden Wochen die Börse beherrschen. Im Grundsatz steigen die Aktienkurse sogar vor Wahlen aufgrund der Hoffnung auf Besserung und nach der Wahl fallen die Kurse wieder. In Deutschland dürften die Aktienkurse bei einer gelb/schwarzen Koalition steigen und bei einer rot/grünen Koalition fallen. Falls alles beim Alten bleibt, dürften die Anleger auch eher enttäuscht reagieren, da dann keine Reformen, sondern nur Kompromisslösungen möglich werden. Auch in Tschechien soll am 8/9. Oktober das Parlament neu gewählt werden. Auch dort widr ein Linksrutsch befürchtet. Die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine wurden auf Januar verschoben. Politisch bedingte Kurse haben aber nur kurze Beine (ebenso wie die falschen Wahlversprechen der Politiker).

Hernach wird die Frage von Geithner maßgeblich sein, nämlich ob die Regierungen der westlichen Industrieländer wieder von einem Rettungskurs zu einem Wachstumskurs kommen können. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, aber es existieren immer noch erhebliche Rückschlagsgefahren auch durch black swans, die Politiker und Anleger in der Regel nicht einkalkulieren (wie Naturkatastrophen, Terroranschläge, Kriege etc). So muss auch abgewartet werden, ob die Übernahme von Opel durch Magna/Sberbank ein Segen für das Unternehmen und die Mitarbeiter wird. Noch verliert Opel jeden Monat 100 Mio. USD. Mit der Sberbank hat möglicherweise einen neuen Finanzier für Überbrückungskredite, zumal dann, wenn der deutsche Steuerzahler dafür bürgt. Letztendlich wird es aber entscheidend sein, ob die Automobilkonjunktur im nächsten Jahr auch nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme wieder anspringt. Opel könnte andernfalls auch ein zweiter Holzmann-Fall wie im Jahr 2002 werden, also erst die Schröder- Rettung, dann der Konkurs. Auch das wäre so ein Black Swan, womit im Moment noch keiner rechnet. VW versucht nun sein Heil in China und wird dort wie schon in 2009 mehr Autos verkaufen als in Europa. Es wird wohl entscheidend sein, wer als erster ein preisgünstiges Elektroauto auf dem globalen Markt bringt, das weltweit konkurrenzfähig ist. Aber das wird noch einige Jahre dauern. Die ersten Prototypen werden dann wohl in China vom Band gehen und später (nicht nur) einige 100 Millionen Chinesen beglücken.

Mutige Anleger konnten in diesem Jahr einen Großteil der Verluste aus dem Vorjahr wieder wettmachen, wenn sie den Mut gehabt hätten, im März/April nachzukaufen bzw – noch besser neue einzusteigen. So konnten sich die Kurse auch bei vielen Standardwerten in Osteuropa, die ich zum Kauf empfohlen hatte, seit 6 Monaten mehr als verdoppeln, zum Teil sogar verdreifachen. Die meisten Vermögensverwalter kamen aber mit dem „V-förmigen“ Kursverlauf nicht klar und konnten daher nicht die Performance erzielen, die die Indices hergaben. Das wären bei Dow Jones und DAX ein Plus von über 10% in diesem Jahr und in Russland sogar von über 80%. Fast alle Ostbörsen konnten den DAX oder Dow Jones in diesem Jahr klar outperformen, was zeigt, wie groß die Reboundchancen waren. Damit hat sich auch mein Motto: I„in der Krise leget die Chance!“ bewährt.

Dabei sind auch die Ostbörsen weiterhin von den internationalen Kapitalströmen abhängig und die schauen weiter in erster Linie auf die Wall Street. Die meisten Aktien an den Ostbörsen sind noch gute Haltepositionen. Der DAX erreichte am Freitag mit 5624 Indexpunkten einen neuen Jahreshöchstkurs, was von der Markttechnik positiv zu bewerten ist, zumal die 200-Tageslinie seit August wieder steigt. Die 200-Tageslinie befindet sich aber erst bei 4700 Indexpunkte, so dass früher oder später eine Korrektur in Richtung 200-Tageslinie wahrscheinlich ist. Fast 100 Indexpunkte Abstand sind jedenfalls zu viel und nicht normal. Bearish wird es erst dann, wenn der DAX unter 5200 Indexpunkte geht, wobei sich der DAX wiederum an der Wall Street orientiert. Ein Anstieg bis auf 6000 Indexpunkte ist ohne weiteres möglich, aber nur wenn die Wall Street mitmacht. Danach erwarte ich aber spätestens im Herbst eine scharfe Korrektur.

Der S&P hat noch Potential bis 1200, wobei auch hier jederzeit auch schon vorher eine scharfe Korrektur möglich ist. Es handelt sch aber auch hier noch um gute Haltepositionen. Bearish wird es erst, wenn der S&P unter 975 Indexpunkte geht. Der S&P schloss am Freitag bei 1042 Indexpunkten fast auf Jahreshoch. Der Dow Jones könnte die magische 10.000-er Marke im Falle der Fortsetzung der fulminanten Zwischen-Hausse (seit März) anstreben. Der Kurszuwachs in den USA betrug seit März über 50%, was einer der stärksten Rallyes an den US-Börse in 6 Monaten war. Bei einem weiteren Kursanstieg hätten in den USA und Deutschland wieder das „Vor-Lehman-Niveau“ erreicht.

In Deutschland werden in den nächsten be den Wochen alles auf den Wahlkampf und in den USA auf die nächsten Konjunkturdaten und dann die sicherlich wenig spektakulären Ergebnisse des G20-Gipels schauen. Davon können positive und negative Signale ausgehen. Damit ist für genug Spannung an den Weltbörsen bis Ende September gesorgt, der übrigens bis jetzt schon weit besser als die Erwartung vieler Börsenteilnehmer verläuft. Auch der 11. September verlief friedlich und ohne Negativ-Überraschungen. Der RTS-Index wird sich einerseits nach dem Ölpreis und anderseits nach der Wall Street richten. Der Ölpreis fiel zwar am Freitag kräftig, konnte sich aber bei 70 USD/Barrel (WTI) behaupten. Der RTS stieg am Freitag um 2,82% auf 1192 Indexpunkte. Mit einem Plus von über 80% ist damit die Moskauer Börse wieder einmal allen Unkenrufen zum Trotz die beste BRIC-Börse und einer der besten Weltbörsen überhaupt. Auch hier gilt der Gorbi-Grundsatz: wer zu spät kommt, den bestraft die Börse.

Ich rechne in den nächsten Wochen mit Korrekturen, was auch die Insiderverkäufe hindeuten. Im August wurden von den Vorständen und Aufsichtsräten Aktien im Volumen von 400 Mio. € verkauft geben über 93 Mio. USD im Vorjahr. In den USA betrug das Verhältnis sogar 26:1. Die Vorstände haben also schon Kassen gemacht, was ein erster Warnhinweis ist, denn keiner kennt die Situation besser als die Vorstände. Allerdings funktioniert die Insider-Statistik als Trendindikator nur mit einer gewissen Zeitverzögerung, denn (selbst) Insider verlaufen oft zu frühen und kaufen auch zu früh. Die Aktienkäufe der Insider waren noch nie so groß wie nach der Lehman Pleite. Wer kurz danach aber eingestiegen war, hätte viel Geld verloren. Das Geld wird nach wie vor überwiegend in Staatanleihen geparkt. So waren die Zuflüsse in den USA bei Bondfonds 10 mal höher als bei inländischen Aktienfonds. Auch die hohe Überschussliquidität deutet eher auf steigende Aktienkurse hin. Die Geldmenge M1 steig in Deutschland um 18%.

Ob nach der üblichen Herbstkorrektur – meistens im Oktober - dann eine Trendwende für eine mehrjährige Hausse eingeleitet wird, ist nicht sicher. Der Anleger ist gut beraten, weiterhin sehr flexibel zu reagieren, falls es Signale gibt, die einen Richtungswechsel andeuten. Die Aktien in Osteuropa haben noch erhebliches Erholungspotential, solange die Wall Street nicht wieder einbricht. Und dies wird wiederum davon abhängen, ob die US-Regierung es wirklich schafft, von einem Rettungskurs zu einem Wachstumskurs zu kommen. Obama wird auf dem G 20-Gipel sagen: „Yes, we can“. Toyota sagt: „Nichts ist unmöglich!“ Und was sagen Sie?

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Hinweis: das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar "Go East!" findet am 11. November 2009 um 17.00 Uhr gleich nach dem EK-Forum in Frankfurt/M statt. Melden Sie sich jetzt unter www.eaststock.de (Rubrik Seminare) an.

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