Ukraine quo vadis?

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Sonntag, 23. Februar 2014 16:40:00

Nachdem durch Scharfschützen 77 Tote auf dem Maidan-Platz gezählt wurden, kam die Stunde der Opposition, wobei einige gewaltbereite Oppositionelle dem Präsidenten ein Ultimatum stellten und den Präsidentenpalast am Sonnabend bis 10.00 Uhr stürmen wollten. Dazu kam es aber gar nicht, da Janukovic seinen Präsidentenpalast vorzeitig verließ und auch das Bewachungspersonal flüchtete. So gab es am Wochenende einen überraschend friedlichen „Tag der offene Tür“ beim Präsidentenpalast.

In der Nacht zum 22. Februar gelang es der Opposition mit Hilfe der EU gesandten Frank-Walter Steinmeier und dem polnischen Außenminister Radoslaw Sykora eine Vereinbarung mit Janukovic, dass es im Dezember Neuwahlen geben soll und die Verfassung geändert werden soll. Die EU drohte Sanktionen an und die USA beschloss ein Visa-Verbot für 20 ukrainische Regierungsmitglieder.

Am Vortag wurde noch von der Regierung ein "Anti-Terror-Gesetz" beschlossen, dass dem Geheimdienst die Benutzung von Schusswaffen erlaubte. Dadurch kam es zu so vielen Toten auf dem Maidan durch Heckenschützen, wobei aber auch Teile der Opposition Schusswaffen besaßen und die Situation auf dem Maidan sehr unübersichtlich wurde. Die Abgeordneten verlangten, dass sich alle Einheiten in ihre Kasernen zurückziehen, wie Fernsehsender live berichteten. Zudem untersagten die Parlamentarier fast einstimmig den Einsatz von Schusswaffen.

In der Nacht von Freitag auf Samstag machte das Parlament eine Reihe von schwerwiegenden Beschlüssen. So wurde Janukovic wegen Amtsmissbrauch des Amtes enthoben, es wurde eine Übergangsregierung gebildet und es wurde beschlossen, dass es am 25. Mai Neuwahlen geben soll. Hier werden dann wohl Vitali Klitscko und die freigelassene Julia Timoschenko gegeneinander antreten. Ob Janukovic antritt oder ein Vertreter ist noch ungewiss. Zudem soll die Verfassung von 2004 wieder eingeführt werden, wo der Präsident weniger und das Parlament mehr Macht hat. Das Parlament hat seinen neuen Chef Alexander Turtschinow zum Übergangspräsidenten bestimmt.

Zudem wurde die Entlassung von Julia Timoschenko aus dem Gefängnis beschlossen, Timoschenko ließ sich den Triumpf nicht nehmen und reiste sogleich gleich im Rollstuhl nach Kiew, um sich auf dem Maidan für die Aufopferung der zu Tode gekommen Bürger zu bedanken, die nur eines wollten: Freiheit und eine Annäherung an ein demokratisches Europa. Jetzt soll kein Blut mehr vergossen werden, sondern eine Demokratie nach westlichem Muster, vor allem ohne Korruption, aufgebaut werden.

Dabei scheiterte Timoschenko, die eine Anführerin der „orangene Revolution“ war, 2004/5 mit dem Versuch, die Ukraine zu einen. Sie geriet in Streit mit dem damaligen Präsidenten Jewtuschenko. Wegen eines Gasvertrags mit Russland wurde Julia Timoschenko nach der Wahl von Janukovic zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Nun ist sie endlich frei, was die EU und auch Deutschland schon lang forderten. Merkel bot Timoschenko nun an, ihr Rückenleiden in Deutschland behandeln zu lassen.

Nach der Vereinbarung verschwand aber Janukovic aus Kiew. Er tauchte dann wieder im Osten der Ukraine auf, wo er bestritt, dass die Parlamentsbeschlüsse rechtens seien. Er sprach von einem Staatsstreich und suchte Schutz und Beistand in Russland. Ein geplanter Flug nach Russland wurde aber vereitelt. Es ist nun aber die große Frage, wie es politisch und wirtschaftlich weiter geht mit der Ukraine. Die Opposition ist sehr heterogen und reicht von gewaltbereiten Nationalsten bis zum westlichen orientierten Demokraten. Abzuwarten bleibt auch wie Russland in Zukunft reagieren wird.

Wirtschaftlich liegt die Ukraine am Boden. Die Währung wurde im Februar um 10% abgewertet. Die Währungsreserven schmolzen von über 30 auf unter 18 Mrd USD. Im Sommer werden sie wohl nur noch 13 Mrd. USD betragen. Die Haushaltsbilanz- und Leistungsbilanzdefizite sind nach wie vor viel zu hoch. Das Rating der Anleihen wurde auf „Ramschniveau“ heruntergestuft. Ein Drittel der Wirtschaftsbeziehungen pflegt die Ukraine mit Russland. Ohne Russland im Boot wird es zu keiner Einigung kommen, zumal Russland der Ukraine auch einen 15 Mrd USD Kredit gewährt hat, und zwar über den Aufkauf von Eurobonds, wo sogar China beim Aufkauf mitmachte. China wird auch ein zunehmend bedeutsamer Handelspartner für die Ukraine. Die Eurobonds wurden aber noch nicht voll gezeichnet und nun hält auch Russland seine Finanzmittel zurück, nachdem der Präsident Janukovic abgesetzt wurde. Man darf gespannt sein, wie Putin nach der Beendigung der olympischen Spiele in Sotchi reagieren wird. Der Osten der Ukraine ist immer noch sehr stark mit Russland verbunden, der Westen der Ukraine strebt jedoch nach Europa. Möglich ist auch eine Spaltung in West- und Ost-Ukraine. Putin sagte zuvor nur, dass die Ordnung wiederhergestellt werden müsse - nur wie und durch wen ließ er offen. Möglicherweise springt nun der IWF ein, um die Ukraine vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren.

Der Anleger sollte die weitere Entwicklung in der Ukraine mir Argusaugen beobachten. Wenn es aber zu demokratisch gewählten Regierung kommt, die den gespaltenen Osten und Westen einen kann, hat die Ukraine gute Wachstumschancen. Durch die politische und wirtschaftliche Krise liegen auch die Aktien in der Ukraine am Boden. Sie sind aber völlig unterbewertet. Allerdings steht die Währung weiterhin unter Druck und es droht nun auch weiterhin die Zahlungsunfähigkeit der Ukraine, wenn Russland keine weiteren Kredite gewährt und auch der IWF nicht zeitnah zur Hilfe eilt.

Trotz dieser Währungsturbulenzen und politischen Unruhen tun sich für den anti-zyklisch orientierte und risikogeneigte Anleger jetzt neue Chancen im unterbewerteten Osteuropa-Universum auf, denn die preiswertesten Aktienmärkte der Welt kommen aus Osteuropa. Interessanten Aktien aus Osteuropa werden im EAST STOCK TRENDS vorgestellt. Einige Aktien im Muster-Depot des EAST STOCK TRENDS wie Magnit (>1200%) und Bank of Georgia (>1700%) konnten sich sogar seit Erstempfehlung in 2009 mehr als verzehnfachen. Aussichtsreich sind jetzt auch russische Stahl- und Goldaktien als Turnaround-Kandidaten, aber nur mit gestaffelten Abstauberlimits aufgrund des noch intakten Bärmarktes.

Welche Erholungschancen Sie in Russland und Osteuropa im Detail haben, können Sie im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo mit 3 Ausgaben für nur 15 €, siehe www.eaststock.de) nachlesen mit so einigen neuen „Geheimtipps“, die die NSA noch nicht kennt. Beachten Sie bitte auch die dort angegebenen kritischen Chartgrenzen im EST. Im neuen EST wird auch diskutiert, was von Bitcoins als alternatives Zahlungsmittel im Internet zu halten ist.

TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 29. Januar 2014 von Friedhelm Tilgen in N-TV/Telebörse über die neuen Chancen in Osteuropa befragt. Am 21. Februar 2014 wurde Andreas Männicke von der Deutschen Welle TV/Ukraine über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Währungsabwertung befragt Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter „Interviews“ abrufen.

Andreas Männicke hat einen neuen, eigenen EastStockTV-Channel bei www.youtube.de eingerichtet. Sie brauchen nur bei der Suchfunktion bei www.youtube.com „EastStockTV“ eingeben. Sie können dort auch den TV-Kanal abonnieren. Die neue Sendung befasst sich in der Folge 14 auch mit der Ukraine. Wenn Sie hier bestimmte Themen besprochen möchten, dann schreiben Sie es mir. Ich werde dann auch versuchen, Klartext wie immer zu reden.

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