Trotz Irland und Nordkorea „Bombenstimmung“ an der Börse

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Samstag, 27. November 2010 15:34:00

„Einer für alle, alle für einen!“ scheint das neue EU-Motto, zumindest bei einigen Politkern zu sein. Nachdem Irland unter dem EU-Rettungsschirm schlüpfte, klopft nun auch Portugal an. Die sprunghafte Ausweitung der Spreads bei den Anleihen schreckte weniger die Anleger als vielmehr fast alle EU-Politiker auf. Nun soll ein noch größerer Rettungsschirm aufgespannt werden, was noch gefährlicher für den Ernstfall wird. Es werden jetzt eine ganze Reihe von Vorschlägen gemacht, um den Antikrisenmechanismus in der EU zu „optimieren“, denn das Thema „Staatsbankrott“ und Sprengen des Euro kocht immer wieder hoch und beunruhigt – zu Recht - die Anleger und auch die Bevölkerung.

Es wird wohl nun eine neue EU-Anleihe, möglichweise sogar als Floater, also mit variablen Zinssätzen, kommen, wo Deutschland automatisch wohl den größten Teil ausmachen wird. Neue Eurobonds für die EU fordert der Wirtschaftsweise Bofinger. Die Bundesregierung befürchtet aber auch dann ein schlechteres Rating durch die „PIGS“-Beimischung und das bedeutet höhere Zinsen. Der Bundesbankchef Axel Weber fordert indessen eine Aufstockung des EU-Rettungsschirms, was fast auf das gleiche rauskommt. Der deutsche Steuerzahler wird im Ernstfall also, falls es zu einem Staatsbankrott bei den „PIGS“ kommen sollte, ohnehin in absoluten Zahlen am meisten zur Kasse gebeten. Übrigens ist auch Frankreich sehr gefährdet und könnte im Rating weiter heruntergestuft werden.

Nach meiner Einschätzung war die Ausweitung der Spreads bei den Irland-Anleihen aber nicht nötig und somit künstlich geschürt – vom wem wohl?-, da Irland bis Mitte nächsten Jahres gar keine Zahlungsprobleme hatte. Wenn es aber die irischen Banken betrifft, dann verstehe ich nicht, wieso der Bankenstresstet zuvor so positiv ausgefallen war. Ich bin der Meinung, dass die Bankenstresstests noch schärfer sein sollten: Zudem sollte nach den Stresstest ein Masterplan entwickelt werden, wie im Stressfall schnell und unbürokratische zu reagieren ist, damit die Finanzmärket nicht unnötig verunsichert werden und Spekulanten dies ausnutzen können. Jede Erhöhung der Zinsen macht es den „PIGS“-Ländern schwierig (bis) unmöglich, den Haushalt zu sanieren. Diese Länder kommen durch die Spar- bzw. Haushaltskonsolidierungs-Auflagen dann in eine Rezession und damit in einen Teufelskreis. Die „PIGS“-Länder müssen alle sparen und die Steuern erhöhen – und das Volk geht auf die Straße, da es nicht einsieht, nur die Rettung der Banken selbst Einbußen hinzunehmen. Dies ist der Teufelskreis

Der deutsche Bank-Chef Josef Ackermann plädiert jetzt sogar dafür, Russland in den Euro aufzunehmen, was ich für einen sensationell guten Vorschlag halte, denn der Rubel könnte den Euro aufgrund der geringen Staatsverschuldung besser stabilisieren als jedes andere Land in Europa. Mit Russland im Boot könnte der jetzt noch sehr unstabile Euro sogar langfristig dem Dollar als Leitwährung (letzt Leidwährung) Konkurrenz machen oder ihn ablösen. Russland wird jetzt auch NATO-verbündete bei der Terrorbekämpfung. Man diskutiert bereits über ein neues Raketenabwehrsystem, was sicherlich besser ist der „Kalte Krieg“ wie noch 2008 zu Zeiten des Georgien-Krieges. Vielleicht wird dann auch Tolstois „Krieg und Frieden“ neu verfilmt bzw. das Drehbuch dafür neu geschrieben.

Die Terrorwarnung in Deutschland wurde bei deutschen Anlegern bisher mit einiger Gelassenheit aufgenommen. Zuweilen herrscht sogar immer noch „Bombenstimmung“ an der Börse. Schon mehr Sorgen macht der gegenwärtige Nord/Südkorea-Konflikt, wobei allerdings diese Scharmützel Anleger nicht aus der Facon bringen, obwohl er am Wochenende oder nächste Woche durchaus eskalieren könnte, da ein Seemanöver von Südkorea mit amerikanischer Unterstützung vor der Küste Nordkreas stattfinden soll. Zuvor haben angeblich südkoreanische Raketen eine Insel von Südkorea angegriffen. Die gute Nachricht ist hier, dass China anschneidend die Geduld mit dem verbündeten Nordkorea verloren hat und ebenfalls um Aufklärung und Beendigung der Konflikte bemüht ist. Vorstellbar wäre sonst auch ein Nebenkriegsschauplatz USA gegen China, was die Weltbörsen sicherlich negativ tangieren würde.

Am Freitag gaben der DAX nur leicht um 0,45% auf 6848 Indexpunkte und der Dow Jones um 0,85% auf 11.092 Indexpunkte. Unter 11.000 Indexpunkte droht eine schärfere Korrektur – auch an den Ostbörsen, insbesondre dann, wenn der Dollar gleichzeitig noch stärker werden sollte. Aufgrund der Irland-Krise fiel der Euro vom Dollar auf 1,32 EUR/USD, was schon als ersten Warnzeichen gewertet werden kann. Der Ölpreis korrigierte leicht um 0,59% auf 83,84 USD/Barrel (WTI) und der Goldpreis um 0,79% auf 136 USD/Unze. Bei unter 1320 USD/Unze sollten Sie unter Tradinggesichtspunkten Gold verkaufen oder short gehen. Der Silberpreis würde dann wesentlich schärfer korrigieren. Am Freitag verlor er schon um 3,19% an Wert und fiel auf 27,70 USD/Unze, was aber immer noch nahe des Jahres-Hochs ist. Bisher sollten die Anleger aber mit der Herbstrallye seit September sehr zufrieden sein. Die Börsen-Ampeln stehen damit kurzfristig auf „gelb“ und gehen auf rot wenn der Dow Jonas unter 11.000 und der Euro auf unter 1,31 geht. Mögliche Auslöser dafür gibt es genug wie „PIGS“, Nordkorea oder schlechte Konjunkturdaten aus den USA/China. Ich rechne dann aber auch nur mit einer Korrektur bis Mitte Dezember und keinem Trendwechsel.

Nach dem Thanksgiving day (Erntedankfest) in den USA sollten sich auch die Anleger über die gute Performance seit September und damit die gute „Ernte“ an den Börsen bedanken, denn es hätte auch ganz anders kommen können. Ob die Rallye weiterlaufen wird, wird wohl auch von dem US-Weihnachtsgeschäft als Lackmustest für den Konsum in den USA abhängig sein.

Beim Eigenkapitalforum am 22. bis 24. November in Frankfurt/M waren die Konferenzräume gut gefüllt, wobei ich dort die Vorstellung von Unternehmen aus den Emerging Markets vermisst habe. Auch das Emerging Market Seminar „Neue Chancen in der Krise“ der ESI East Stock Informationsdienste GmbH am 24. November in Frankfurt/M war bis auf den letzten Platz ausgebucht, so dass der ESI-Seminar-Indikator auf „Sell“ steht. Die meisten Seminarteilnehmer sind im Moment sehr bullish eingestellt und hoffen auf eine Jahresendrallye. Ein zu hoher Optimismus deutet aber eher auf eine scharfe Korrektur im Dezember hin.

Beim Emerging Market Seminar stellte Richard Saidi von Danske Capital seinen neuen Russlandfonds vor und machte auf die weiterhin großen Chancen auf dem russischen Aktienmarkt aufmerksam. Dabei war der beim dem jüngsten Putin-Besuch bei Angel Merkel geäußerte Wunsch, eine neue EU-Freihandelszone von „Lissabon bis nach Wladiwostok“ zu errichten, noch gar nicht bekannt. Putin beklagt, dass es russische Unternehmer schwer haben, in Europa Fuß zu fassen, was umgekehrt aber sicherlich auch zutreffen dürfte. Gerade Deutschland könnte bei der Modernisierungsoffensive in Russland eine entscheidende Rolle spielen, was auch eine große Zukunftschancen bedeutet Angel Merkel stoppte zwar den Elan von Putin, indem das Projekt „Freihandelszone Russland/EU“ auf später verschoben wurde. Russland will in 2011 in die WTO, was das Land auch von Sentiment weiter nach vorne bringen könnte. Auch die nächste Privatisierungswelle „Privatisierung 2.0“ könnte im nächsten Jahr neue Impulse bringen. Das IPO der russischen „Google“ Mail.ru war 20-zigfach überzeichnet und stieg auch nach dem IPO in London um über 10% von 27 auf 30 €.

Saidi macht den Seminarteilnehmern auch deutlich, dass Russland weit mehr zu bieten hat als Rohstoffe. So entwickelte sich in Russland der Konsumsektor sehr positiv und der Konsumwert Magnit zum „everybody darling“ bei Institutionellen Investoren. Nach jeder Roadshow sprang der Kurs von Magnit um 10% in die Höhe, weil die Planzahlen jeweils übererfüllt und die Prognosen angehoben wurden. Magnit ist auch schon seit Februar letzten Jahres in dem Musterdepot des EAST STOCK TRENDS und stieg seitdem schon um 400%. Aber auch mit anderen Konsumwerten ließ sich in Russland eine deutliche Outperformance erzielen, während Energiewerte wie Gazprom und LUKoil in diesem Jahr nur seitwärts tendierten. Der RTS tendiert nach wie vor seitwärts und verharrt wie schon in der Vorwoche bei 1602 Indexpunkte (-0,99% am Freitag). Im nächsten Jahr bestehen aber aufgrund der niedrigen Bewertung Outperformancechancen.

Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abo für den monatlich erscheinenden Ostbörsenbrief EAST STOCK TRENDS (EST, siehe www.eaststock.de). Im EST als wird auch immer auf das „big picture“ eingegangen, also auf die Hintergründe der gegenwärtigen Gold/Silberhausse und das Pro und Contra an den Weltbörsen, was immer auch Rückwirkungen auf die aufstrebenden Ostbörsen hat.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 190% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 290% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 1000% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit. Auch russische Gold/Silberaktien wie Polimetall haben noch Potential.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das letzte Emerging Market-Seminar fand am 24. November 2010 in Frankfurt/ statt. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883. www.eaststock.de).

TV-Interview-Hinweise: Am 25. November wurde Andreas Männicke von Dr. Bernd Jünemann im Deutschen Anleger-Fernsehen (DAF, www.anleger-fernsehen.de) über die Chancen in Osteuropa befragt. Sie können sich das Interview jetzt unter www.eaststock.de runterladen ebenso wie die letzten Interviews von Andreas Männicke in NTV7Telebörse und in der FAZ vom 26. August 2010 über Osteuropa.

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