Trennungswünsche (nicht nur) in der Ukraine und in Schottland

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Donnerstag, 18. September 2014 12:55:00

Selbst im Zeitalter der Globalisierung und globalen Vernetzung scheinen nationalistische Bewegungen und auch Unabhängigkeitsbestrebungen in einigen Ländern zuzunehmen. Während in der Ukraine lange Zeit die Waffen sprachen, soll nun in Schottland eine Volksabstimmung über den Verbleib im „Vereinigten Königreich Großbritannien“ entschieden. Die Börse reagiert abwartend. Andreas Männicke beschreibt die Hintergründe und macht Erklärungsversuche.

EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine

Am 16. September beschlossen das Europaparlament in Straßburg und das Parlament in Kiew gleichzeitig per Abstimmung einen EU-Assoziierungsvertrag, wobei die Zollfragen erst ab 2016 Gültigkeit haben sollen. Von russischer Seite gab es 2000 Änderungswünsche, die nun noch besprochen werden sollen. Gleichzeitig verabschiedete das Parlament in Kiew einen Vorschlag für ein Gesetz zur weitestgehenden Autonomie der Ost-Ukraine. Darin sind sehr weitgehende Selbstverwaltungsrechte, die Pflege der russischen Sprache und sogar, was viele erstaunte, die Erlaubnis zur Etablierung einer eigenen Miliz enthalten. Dies kann als Entgegenkommen der Regierung für Putin gewertet werden, um in der Ost-Ukraine Frieden zu schaffen.

Nazis als Speerspitze in der Ukraine

Gegen den Beschluss der Autonomie der Ost-Ukraine protestieren nun wiederum die rechtradikalen Nazis auf der Straße in Kiew, weil sie dies als Niederlage im Kampf gegen Russland empfinden. Das gefürchtete Asow-Bataillon, das aus rechtsradikalen, schwer bewaffneten Nazis besteht, war die Speerspitze im Verbund mit der ukrainischen Armee im “Anti-Terror-Kampf“ gegen die Separatisten in der Ost-Ukraine. Nach Meinung der Rädelsführer des Asow-Bataillions sei Putin ein Jude, der umgebracht werden müsse. Nach erfolgreichem Kampf in der Ost-Ukraine könnte sich das Asow-Battaillon später aber auch gegen die dann amtierende ukrainische Regierung wenden. Unter diesen „Freiheitskämpfern“ befinden sich auch nationalistisch geprägte Russen. Im Asow-Bataillon wird auch russisch gesprochen. Es ist also falsch zu behaupten, die ukrainische Armee kämpfe gegen Russland. Sie sollten sich mal in den „eigenen Reihen“ umsehen, denn das Asow-Bataillon hat auch freiwillige aus dem Ausland angezogen, darunter auch Russen.

Gefährliche Asow-Kämpfer als nächste Bedrohung in Ukraine?

Die Asow-Kämpfer machen die Generäle aus Kiew für den feigen Rückzug aus Ilovaysk verantwortlich. Die Anhänger das Asow-Bataillons wollen selbst am liebsten eine Diktatur schaffen, eine Junta, die die Bürgerrechte für eine Weile einschränkt, um „Ordnung im Land“ zu schaffen. Die Gruppe der Nazis ist zwar zahlenmäßig relativ klein, aber sie ist dennoch sehr machtvoll und besitzt auch Waffen, die einmal gegen die Regierung gerichtet sein könnten. Dann muss die Regierung einen neuen, ganz anderen „Anti-Terror-Kampf“ starten. Ich halte es für einen großen, unverzeihlichen Fehler, dass so sowohl die amtierende ukrainische Regierung als auch die EU die Nazis als Verbündete im Kampf gegen Russland toleriert und nicht alle Nazis, die töten, ins Gefängnis steckt.

Separatisten fordern Abspaltung

Einige Separatisten ist aber auch der Vorschlag für eine sehr weitgehenden Autonomie nicht weit genug, denn sie fordern die Abspaltung der Ost-Ukraine, also die Schaffung neuer Grenzen und eines „Neurußlands“ als unabhängigen Staat. Dies geht wiederum Poroschenko zu weit, aber darüber wird jetzt zu verhandeln sein. Unterdessen wurde vereinzelt in Donezk und in Lugansk am Flughafen trotz Waffenstillstand wieder geschossen. Großflächig wurde aber der fragile Waffenstillstand bisher eingehalten, um Raum für politische Verhandlungen zu schaffen.

Unsinniges NATO-Manöver in der Ukraine als Provokation

Allerdings wurde ein schon vereinbartes Treffen einer russischen Delegation in Kiew abgesagt, weil gleichzeitig ein NATO-Manöver in der West-Ukraine anberaumt wurde, das jetzt auch stattfindet. Die russische Seite ist empört und empfindet das als Provokation. Für unsinnig und unrechtmäßig betrachtet die russische Seite auch die am 12. September von der EU beschlossene neuen Wirtschaftsanktionen gegen Russland, die vor allem die Finanzierung von staatlichen Ölunternehmen und staatlichen Banken betreffen. Die USA und die EU wollen offensichtlich Russland jetzt den Geldhahn abdrehen, um Putin zum Einlenken zu zwingen.

Geht Russland das Geld aus?

Der Rubel reagierte bereits auf die neuen Sanktionen der EU und USA mit einem Kursverfall und die tiefsten Werte gegenüber dem US-Dollar seit Jahren. Der Euro stieg zum Rubel von 48 auf 49,50 EUR/RUB. Seit-Jahresbeginn fiel der Rubel gegenüber dem US-Dollar schon um 13%. Russland überlegt nun, wie es die Finanzzahlungen ans Ausland auch gewährleisten und sich in Zukunft finanzieren kann. Auch soll mit China so etwas wie ein eigenständiges SWIFT entwickelt werden, denn es kann gut sein, dass Russland bei den nächsten Sanktionsrunden vom SWIFT ausgeschlossen wird und dann wäre Russland vom Westen finanzmäßig fast völlig isoliert, was möglichweise auch eine der außenpolitischen Ziele der Hardliner im Pentagon der USA sind, die in Russland immer noch einen Feind sehen.

Strategischer Fehler der EU

Europa und Deutschland würde aber meines Erachtens einen großen strategischen Fehler machen, wenn sie nicht in der Lage sein sollte, die Sanktionsspirale ganz schnell wieder runter zu fahren und mit Russland direkt in Dialog zu treten, denn eine Eskalation im Streit könnte auch ganz schnell zu einem Weltkrieg führen. Schon die anberaumten Manöver in der Ukraine sind jetzt völlig fehl am Platz und tragen nur zum gegenseitigen Hochschaukeln der Provokationen bei, denn es ist ganz klar, dass auch Russland darauf reagieren wird, wenn auch „nur“ mit dem Testen von Atomraketen oder Langstreckenraketen - ebenso wie Nordkorea.

Russische Gegenmaßnahmen zu erwarten

Russland wird aber auch auf die neuen Wirtschaftssanktionen reagieren, sei es mit der Erhöhung von Importzöllen, sei es durch eine Verringerung der Gaslieferung auf das vertraglich vereinbarte Minimum, sei es durch Verbot von Autoimporten oder sei es durch ein Flugverbot über Russland, was besonders die Lufthansa treffen würde. Damit verstoßen jetzt alle beteiligten gegen die WOT-Regeln. Es herrscht ein Handels-, Finanz- und Währungskrieg und es herrscht ein „Kalter Krieg“ zwischen EU/USA und Russland. Ich halte auch das neue Blockdenken Ost/West der EU/USA für falsch und einen strategischen Fehler, denn der Bumerang wird folgen und einen selbst hart treffen.

Trennungswünsche nicht nur in der Ost-Ukraine

Trennungsgelüste gibt es nicht nur in der Ost-Ukraine, sondern jetzt auch in Großbritannien mit Schottland als Abtrünnige. Wenn heute am 18. September Schottland „ja“ zur Abtrennung abstimmen sollte, kommen auf England, Schottland und Europa neue Herausforderungen. Das Pfund dürfte deutlich schwächer werden und Schottland müsste eine eigene Währung einführen, die dann auch noch irgendwann in den Euro kommen soll. Schottland müsste dann auch der EU neu beitreten, was bis zu 6 Jahren dauern könnte. Groß-Konzerne wie HSBC und RBS drohen mit dem Sitzverlagerung von Schottland nach London, ebenso wie andere Großkonzerne.

England will sich möglicherweise in Zukunft von Europa ohnehin verabschieden. Dies dürfte dann auch einige Irritationen und neue Frage für die Aktienmärkte bedeuten. Der englische Primier David Cameron plädiert mit großem Engagement für ein „No“ und will Schottland nun weitestgehende Autonomierechte einräumen. Zum Glück wird der Konflikt dort noch friedlich mit Volksabstimmungen geregelt und nicht wie in der Ost-Ukraine mit Militär und Miliz. Nach den letzten Umfragen führen knapp die „Nein-Sager“ und dann würde alles beim Alten bleiben; dennoch soll Schottland aber mehr Autonomierechte eingeräumt werden.

Who is next?

Trennungsgelüste gibt es aber nicht nur in Schottland und der Ost-Ukraine, sondern auch in Spanien mit Basken und Katalanen mit einem Referendum über Unabhängigkeitserklärung im November (dies aber nicht mit Zustimmung der spanischen Regierung), in Belgien zwischen Flamen und Wallonen, in Kanada, wo sich das französisch sprechenden Québec oft abtrennen wollte, in Grönland mit Abtrennungswünschen zu Dänemark und in Italien mit der Trennung von Nord- und Süd-Italien. Letztendlich ist in Deutschland auch der Länderfinanzausgleich sehr umstritten und soll nun neu geregelt und „gerechter“ werden. Für viele Norddeutsche ist Bayern wie ein Ausland. Man könnte viele weitere Beispiele anfügen, wo sich bestimmte Volksgruppen benachteiligt fühlen und sich lieber unababhängig machen. Trennungswünsche hatten zuvor erfolgreich Tschechien und die Slowakei und alle Ex-Jugoslawischen Länder im Balkan.

Uneiniges Europa und zunehmende nationalistische Bewegungen in Europa gefährden den Frieden

Auch die EU ist keine Einheit, auch wenn sie sich jetzt so gegen Russland so gibt. So waren Tschechien, die Slowakei, Österreich und Finnland gegen den letzen Sanktionsbeschluss gegen Russland, während vor allem Polen und die baltischen Länder für die verschärften Sanktionen gegen Russland waren. Innerhalb von Europa gibt es jetzt aber auch eine Reihe von nationaltischen Bewegungen mit großem Stimmenzuwachs wie in Frankreich (mit Le Pen), vielen skandinavischen Ländern, in den Niederlanden, aber auch in Ost-Deutschland mit der AfD und NPD. Auch an diesen vielen nationalistischen Bewegungen und Gruppen könnte Europa irgendwann auseinanderbrechen. Und dies wäre auch wiederum eine Gefahr für den Frieden in der Zukunft in Europa.

Es geht nicht nur um mehr Gerechtigkeit, sondern auch um Rohstoffe

Es geht bei den angeführten Trennungsgelüsten auch immer um Gerechtigkeit und auch um einen gewissen „Finanzausgleich“ sowie um politische Bevormundung „von oben“. Oft geht es auch um Rohstoffe wie in der Ost-Ukraine um große Schiefergasvorkommen unter der Erde. Es geht dabei aber auch um (fehlenden) Respekt, Toleranz, Unterdrückung und Ausbeutung. In Schottland geht es nicht nur um die Idee eines besseren Sozialismus versus dem Kapitalismus in England, sondern auch um Gerechtigkeit bei der Verteilung der Öleinahmen. Ohne Schottland würde England 97% des Nordsee-Öl verbleiben und in England würde sich das Leistungsbilanzdefizit von 6 auf 8% erhöhen, was wiederum das Pfund schwächen würde.

In Irak/Syrien geht es auch um den Machkampf Schiiten gen Sunniten und um Öl

Im Irak geht es um einen Machtkampf der Schiiten gegen Sunniten. Aber auch Kurdistan will sich von der Türkei unabhängig machen. Auch dort gibt es Öl, ebenso wie im Irak, das heiß umkämpft ist.

Erstmals internationaler Verbund gegen IS-Krieger

Der Startschuss für die Bekämpfung mit Luftangriffen der IS-Krieger im Irak und in Syrien ist mit 30 Verbündeten, darunter sogar auch arabische Staaten wie Saudi-Arabien und Katar getan, die zum Teil auch die IS-Krieger finanzieren. Die IS-Krieger verdienen aber auch selbst Geld durch Öl-Verkäufe, durch Erpressung und durch Diebesgut, am Tag mit 1 Mio. USD „Überschuss“. 30 Verbündete wollen sich gegen die brutale IS-Krieger abgrenzen, die den Islam in den Dreck ziehen. Auch die Moslemverbände in Deutschland rufen am Freitag zu Mahnwachen und gebeten in den Moscheen gegen diese radikalen und brutalen „Moslembrüder“ auf – und das ist gut so. Es sind aber noch zu wenige bei den Montagsmahnwachen für den Frieden in verschiedenen Städten. Hier ist jetzt das Volk gefragt, für den Weltfrieden aktiv zu werden, sich einzumischen und sich von den Politikern nicht alles gefallen zu lassen.

Weltbörsen jubeln – Euro auf Talfahrt -

Die Aktienmärkte tendieren im Moment seitwärts und warten die Entscheidung in Schottland ab. Die FED wird zwar die Anleihenkäufe weiter reduzieren, hat aber noch kein Signal gegeben, wann eine Zinswende zu erwarten ist. Der DAX stagnierte am 17. September bei 9682 Indexpunkte, stieg aber am 18. September intraday auf 9759 Indexpunkte (+0,6%) und der Dow Jones Industrial-Index stagnierte bei 17.157 Indexpunkten. Sehr schwach war zuletzt der Ölpreis mit 99 USD für Brent-Öl und 93 USD für WTI-Öl. Schwach notierte auch Gold bei 1223 USD und Silber bei 18,5USD. Unter Druck war auch der Euro wegen der Deflationsgefahren und der Probleme in den Kernländern Italien und Frankreich, die die Euro-Dauer-Patienten bleiben. Der Euro fiel auf unter 1,29 EUR/USD.

Die Ebola-Epidemie nimmt zwar mit über 2500 Toten und über 4000 Infizierten gefährliche Ausmaße in Afrika an, beunruhigt aber (noch) nicht die Börse. Das kann aber noch kommen, wenn die ersten Fälle außerhalb von Afrika vermehrt auftauchen. Dann wird auch das ein Problem.

Erst informieren, dann investieren

Es gibt – gerade in Krisenzeiten – auch immer wieder neue Chancen in Osteuropa: Nicht nur deswegen wurde im letzten „EAST STOCK TRENDS“ (www.eaststock.de) ein Special über Aktien in der Ukraine und gemacht, aber auch eine attraktive russische Aktie aus dem Öl-Bereich vorgestellt. Dort wird Ihnen außerdem aufgezeigt, wie sie mit Cross-Hedging Geld verdienen oder Ihr Vermögen mehren können. Sehr positiv entwickeln sich weiterhin die Börsen aus Südosteuropa. Der neue EAST STOCK TRENDS erschien am 15. September.

Schauen Sie sich jetzt das neue Video von Andreas Männicke vom 18. September 2014 in EastStockTV, Folge 37 über die das Thema: „Trennung tut weh- Schicksalstage in der Ost-Ukraine und in Schottland“ mit den neuen Aussichten für die Welt- und Ostbörsen unter www.eaststock.de, dort unter "Interviews" an" oder direkt bei www.youtube.com.

TV und Radio Hinweise: Herr Männicke wurde am 4. September 2014 im DAF von Andreas Groß über die Auswirkungen des Waffenstillstands befragt. Sie können alle Radio- und TV-Interviews ebenso wie die EastStockTV-Sendungen jetzt unter www.eaststock.de, dort unter „Interviews“ abrufen.

Informieren Sie sich jetzt ausführlich über die Hintergründe der Ukraine/Russland-Krise, aber auch das zukünftige Erholungspotential der unterbewerteten Aktien aus Osteuropa : Bestellen Sie jetzt auch ein Probe-Abo (3 Ausgaben per Email für nur 15 €) des monatlich erscheinenden Börsenbriefs EAST STOCK TRENDS mit einem weiteren Ukraine/Russland-Special mit vielen Hintergrund-Informationen und neuen Anlage-Vorschlägen wie mit der "Aktie des Monats“ und lukrativen Zertifikaten unter www.eaststock.de, dort unter Börsenbrief. Denn wie heißt es so schön: erst informieren und dann investieren!

Seminar-Hinweis: Am 26. November 2014 findet um 17.00 Uhr in Frankfurt/M wird das nächste Ostbörsen-Seminar „Go East – In der Krise liegt die Chance“ (mit einem Ukraine/Russland- und Südosteuropa-Special) gleich nach dem EK-Forum unter der Leitung von Andreas Männicke statt. Info und Anmeldung unter www.eaststock.de, dort unter „Seminar“

Diskutieren Sie jetzt auch mit Herrn Männicke interaktiv unter http://go.guidants.com/de#c/Andreas_Maennicke .

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