Too hot is too hot: Russland brennt – Weizenpreise explodieren!

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Samstag, 07. August 2010 00:52:00

Manche mögen´s heiß. In Russland wünscht sich die unter Hitzewelle seit einigen Wochen leidende Bevölkerung aber nichts sehnlicher als Regen. Die größten Waldbrände in den letzten 40 Jahren bringen viele Regionen, wo jetzt der Notstand ausgerufen wird, tatsächlich in Not. Bisher gab es schon 52 Tote, 3500 abgebrannte Häuser und über 500.000 Hektar von Agrarfläche, die abgebrannt wurde. Dadurch erleidet die Landwirtschaft erhebliche Verluste in Russland. Vor allem Getreideflächen wurden in Mitleidenschaft gezogen, was den Weizenpreis schon an der LIFE in einem Monat um 44,9% und seit Jahresbeginn um 66% ansteigen ließ.

Nachdem Putin beschloss, dass die russischen Weizenexporte ab dem 15. August bis zum 31. Dezember temporär gestoppt werden, damit der Eigenbedarf nicht gefährdet ist, schnellte der Weizenpreis am 5. August um 10% auf ein 2 ½ Jahreshoch von 230 €. Russland ist der drittgrößte Weizenexporteur der Welt. Anstelle der erwarteten 85 Mio. Tonnen könnte die Getreideproduktion in diesem Jahr aufgrund der Missernte auf 75-77 Mio. Tonnen sinken. Nach den Angaben des Landwirtschaftsministeriums waren schon bis zum 15. Juli ohne die Brände 9,6 Mio. von insgesamt 48 Mio. Hektar Saatflächen vertrocknet. Das Ministerium senkte schon Mitte Juli die Prognose für die Jahresrente von 90 auf 85 Mio. Tonnen. Jetzt wird es wohl noch weniger werden. Dennoch soll es keine Engpässe bei Brot geben. Der Eigenbedarf in Russland beträgt schon 77 Mio. Tonnen, die Weizenexport 20 Mio. Tonnen. Die Lagerbestände belaufen sich auf 24 Mio. Tonnen, was ausreichen sollte. Der weltgrößte Weizenproduzent ist China mit 112 Mio. Tonnen vor Indien und USA. Dann kommt aber schon Russland, so dass der befürchtete Ernteausfall in der Tat auch global bedeutsam ist.

Dennoch ist fast eine Verdoppelung des Weizenpreisees seit Jahresbeginn nicht zu rechtfertigen, so dass spekulativ orientierte Finanzinvestoren auch für den starken Preisanstieg verantwortlich sind. In den nächsten Monaten könnten aber die Brot- und Milchreise stark anziehen, was wiederum die sich bis auf dem niedrigsten Stand befindende Inflation in Zukunft anheizen könnte. Davor hat auch Putin Angst und hat daher einen temporären Exportstopp für Weizen angeordnet. Von den insgesamt 220 Mio. Hektar Agrarland sind etwa 10 Mio. Hektar von den Waldbränden betroffen. Noch befinden sich aber die Lagerbestände sowohl weltweit als auch in Russland auf so hohem Niveau, dass gegenwärtig keine Nahrungsmittelkrise wie im Jahr 2007 zu befürchten ist.

Putin entließ vor 2 Jahren 70.000 Waldhüter um zu sparen die jetzt aber dringend gebraucht werden. Über 200.000 Personen sind schon im Einsatz, um die Waldbrände zu stoppen. Putin will jedem, der von dem Waldbrand betroffen ist, eine Soforthilfe von 5000 € gewähren. Insgesamt beträgt der Hilfsfonds 5 Mrd RUB, also 126 Mio. €. Er wurde nun auf 250 Mio. € aufgestockt. Es ist aber fraglich, ob das ausreicht. Noch sind die Schäden nichtgenau bezifferbar. Es gibt nur grobe Schätzungen die von einem Schaden von 25 Mrd € ausgehen. Alleine der Ernteausfall dürfte einen Schaden von 1 Mrd. € verursachen. An der ukrainischen Grenze in der Nähe von Tschernobyl und in der Stadt Brjansk besteht die Gefahr, dass radioaktiver Boden durch die Waldbrände aufgewirbelt wird. In der 500 km östlich von Moskau gelegenen Stadt Solow wurde schon eine Atomanlage geräumt. Es wäre gefährlich, wenn die Waldbrände an große Industriekomplexe herankommen würden. Bisher wurde nur die Produktion von 89 kleineren Raffinerien temporär vorsichtshalber eingestellt.

Bisher ist erst ein Marinekomplex mit 200 Flugzeugen in Brand geraten. Zudem wurden die fast 100.000 Mitarbeiter bei Avtovaz wegen „hitzefrei“ nach Hause geschickt. Das Arbeiten bei 40 Grad Hitze ist ohnehin sehr beschwerlich; jetzt dürfen einige Mitarbeiter bei dem Löschen der Walbrände mithelfen. Auch die Produktion beim LKW-Hersteller KAMAZ und dem VW-Werk in Kaluga wurden eingestellt bzw. gedrosselt. Der Flughafen in Moskau wurde am Freitag stundenweise wegen schlechter Sicht geschlossen. Das Auswärtige Amt sprach eine Reisewarnung nach Russland aus. Die Deutsche Botschaft in Moskau wurde vorübergehend geschlossen.

Gezählt wurden bisher 24.000 Brände und aktuell noch 7000 Brandherde. Davon gibt es noch über 600 große Waldbrände, die nicht unter Kontrolle sind. Betroffen ist aber nur der Raum in Zentralrußland bis zur ukrainischen Grenze, nicht jedoch der Fernen Osten, so dass in Ostsibirien weiter normal geerntet werden kann. In Moskau leiden aber die über 17 Mio. Personen schon seit Wochen unter einer giftigen Dunstwolke, die auch gesundheitliche Schäden wegen der zu hohen Kohlenmonoxid-Belastung zur Folge haben könnte. In der U-Bahn ist die Luft durch den Smog so schlecht, dass es oft Erstickungsanfälle gibt. Mundschutz ist bei Apotheken ausverkauft.

Es wäre zu begrüßen, wenn man auch die russischen Oligarchen wie die von Warren Buffet angeführten 88 amerikanischen Milliardäre motivieren könnte, die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu stiften. In den USA kommen dadurch immerhin 75 Mrd. USD zustande. Da es über 30 Milliarde allein in Moskau gibt, würde eine solche „Solidaritäts-Aktion“ den nun in Not geraten Landwirten mehr helfen als die 126 Mio. € von Putin. Dafür sind die Russen die aktivsten Aufkäufer von Londoner Immobilien, was die Immobilienpreise im Luxussegment in London stabilisiert. Wie aber bringt man den russischen Oligarchen Solidarität bei?

Die Moskauer Börse zeigte sich bisher unbeeindruckt von den Waldbränden, da in den Indices kaum Agraraktien von Bedeutung enthalten sind. Es dominieren in Russland die großen Rohstoffkonzerne, die aber im Moment von den steigenden Ölpreisen profitieren. Erst im nächsten Jahr soll die staatliche „United Grain Company“ privatisiert und an die Börse gebracht werden. Auch soll eine neue Rohstoffbörse den Weizenhandel in Moskau ermöglichen.

Der RTS-Index stieg auf 1521 Indexpunkte, wobei vor allem Ölaktien auf den auf 82 USD/Barrel gestiegenen Ölpreis profitierten. Damit konnte der RTS-Index seit Anfang Juli in einer „heißen Sommerrallye“ um über 15% und seit Jahresbeginn um 5% zulegen. Dabei wurde die Moskauer Börse aber auch durch die gute Stimmung an der Wall Street mit nach oben getragen, die sich auch im Juli und Anfang August kräftig von den herben Kursverlusten im Mai/Juni erholt hat. Am Freitag korrigierte der RTS wieder auf 1509 Indexpunkte.

Es bleibt aber per Saldo eine volatile Schaukelbörse, wobei der kurzfristige Aufwärtstrend seit Anfang Juli noch intakt ist und letzte Woche sogar wichtige Chartmarken knapp nach oben überwunden haben. So stieg der DAX erstmals in diesem Jahr auf über 6340 indexpunkte auf ein neues Jahres-Hoch; der Dow Jones überwand die 10.600-, der S&P die 1120- und der NASDAQ knapp die 1900-Marke, was Kaufsignale auslöste. Allerdings ist der Chartausbruch noch nicht nachhaltig und wurde zudem mit geringen Umsätzen begleitet, so dass es sich um eine „Bullenfalle“ oder auch eine „Bärmarktrallye“ handeln kann. Das wird sich aber in den nächsten Wochen zeigen. Oft steigen die Kurse im „normalen“ Saison-Zyklus bis Mitte August, korrigieren dann aber scharf vor allem im September.

Am Freitag dominierten wieder einmal die US-Arbeitsmarktdaten das Marktgeschehen an den Weltbörsen, so auch an den Ostbörsen, die aber schlecht ausfielen, obwohl die Arbeitslosenquote bei 9,5% verharrte. In den USA gab es im Juli 131.000 Stellen weniger, was das das zweite deutliche Minus hintereinander ist, wobei Analysten mit einem Minus von nur 65.000 Stellen gerechnet hatten. Dabei wurde der Wert von Juni auch noch von 125.000 auf nun 221.000 verlorene Stellen revidiert wurde. Auch bei den Juli-Zahlen handelt es sich nur um vorläufige Schätzungen, die im September wieder revidiert werden können. Die Zahlen sind aber ohnehin irreführend, da mit dem Auslaufen der Volkszählung 143.000 Stellen gestrichen wurden. Im privaten Bereich wurden 71.000 neue Stellen geschaffen, wobei hier 90.000 erwartet worden waren. Die neu geschaffenen Stellen im privaten Sektor im Juni wurden von 83.000 auf 31.000 revidiert. Ich kann Ihnen nur raten, dass Sie auch diesen Zahlen nicht trauen sollten wie überhaupt sehr viele US-Statistiken – insbesondre in brisanten Börsenphasen – offensichtlich geschönt werden. Da die Unternehmensdaten aber zum großen Teil positiv in der Berichtsaison ausfielen, überwiegen immer noch die positiven Momente an der Börse.

Der DAX gab um 1,17% auf 5259 Indexpunkte, der Dow Jones Industrial Index um 0,42% auf 10.630 Indexpunkte und der NASDAQ um 0,19% auf 1901 Indexpunkte nach. Dennoch bestehen gute Chancen, dass in der nächsten Woche neue Jahreshöchstkurs erklommen werden. Der RTS- Index sank zwar um 0,53% auf 1502 Indexpunkte, da auch der Ölpreis leicht auf 81,20 USD/Barrel korrigierte. Der Euro stieg auf 1,3290 und bestätigte damit den Aufwärtstrend. Selbst Gold konnte wieder über die „magische“ 1200-Marke auf 1205 USD/Unze anziehen. Wenn der Dow Jones Industrial Index 10.700 oder der DAX 6400 Indexpunkte überwunden werden, sollten auch die Ostbörsen weiter steigen.

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Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 149% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 249% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit.

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TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 6. August 2010 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) anlässlich der Waldbrände in Russland über die wirtschaftlichen Auswirkungen befragt. Sie können sich das Interview hernach unter www.eaststock.de bei der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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