The first cut is the deepest

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Samstag, 21. Januar 2012 13:50:00

„The first cut is the deepest“ war ein Hit von Cat Stevens aus dem Jahre 1967, den der Sänger Rod Stewart berühmt gemacht hat. Im übertragenen Sinne könnte dieses Lied jetzt auch für Griechenland und seien Gläubiger zutreffen. Es wird und muss einen tiefen Schuldenschnitt, neudeutsch haircut, geben, den viele Gläubiger verletzten wird. Verletzt werden dabei nach Ansicht von Hedgefonds-Managern sogar die Menschenrechte auf Gewinn und Rendite. Das ist zwar grotesk, soll aber tatsächlich vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ausgefochten werden. In Europa fallen Eigentumsrechte unter die Rubrik der Menschenrechte. Auch Banken und Versicherungen zieren noch sich, dem Schuldenschnitt von 50% (bis 70%) zuzustimmen.
Wenn sie aber nicht zustimmen sollten, wäre Griechenland pleite und dann wäre die Verletzung für alle Beteiligten noch größer. Mit einer Vereinbarung ist dieses Wochenende zu rechnen. Es kann sogar sein, dass ein Schuldenschnitt von 60% dabei herauskommt, um Griechenland mehr Luft zu verschaffen. Der Zankapfel sind die Zinsen, die Griechenland nach der Umschuldung zahlen muss. Während Schäuble sich mit 3% zufrieden gibt und auch der IWF niedrige Zinsen zur Erholung der griechischen Wirtschaft fordert, wollen Banken, Versicherungen und Hedgefonds 5 bis 6% haben. Falls es zu keiner Einigung dieses Wochenende kommen sollte, wird es zu einer Zwangsumschuldung (CAC) nächste Woche kommen müssen. Die Zeit zum Verhandeln wird knapp, denn bis zum EU-Gipfel Ende Januar soll ein Ergebnis vorliegen. Die Griechen wollen unbedingt eine Einigung vor dem Treffen der EU-Finanzminister am Montag erreichen und dabei einen Schuldenschnitt von 60-70% heraus handeln. Als Gegenleistung soll eine neue 30-jährige Anleihe mit einer Verzinsung von 4% erbracht werden. Der Schuldenschnitt ist die Voraussetzung dafür, das Griechenland Zugang den Mitteln im Volumen von 130 Mrd vom IWF und der EU bekommen kann. Die Zeichen stehen aber gut, dass es schon bald zu einer Einigung kommt.
Im März muss Griechenland 14 Mrd. € zurückzahlen. Griechenland hat insgesamt Schulden in Höhe von 352 Mrd €, davon 92 Mrd durch Kredite (20 Mrd € vom IWF, 53 Mrd € von Euro-Ländern und 19 Mrd € von sonstigen Ländern). Und 260 Mrd durch Staatsanleihen. Von den Staatsanleihen ist die EZB mit 53 Mrd. € der größte Gläubiger. Bei der EZB soll es aber zu keinem Schuldenschnitt kommen, sondern nur bei den privaten Gläubigern. Die EZB hat ihre Bilanzsumme schon von 1 auf 2,6 Billionen € ausgeweitet. Man darf gespannt sein, wie diese wieder problemlos zurückgeführt werden kann. Ein ähnliches Bild gilt für die FED. Weil nun außer Griechenland noch mehr Länder in Not geraten, muss die EZB immer mehr Anleihen von den Problemländern aufkaufen, sprich: Gelddrucken. Bisher hat die EZB schon Anleihen im Volumen von 217 Mrd € aufgekauft. Nur wohin damit später?
205 Mrd € sollen nun in Griechenland umgeschuldet werden und zwar 50 Mrd. € bei griechischen Banken, 40 Mrd. € bei anderen europäischen Banken, 30 Mrd. € bei griechischen Sozialversicherungsfonds, 15 Mrd € bei europäischen Versicherungen und 70 Mrd € bei Investment, Staats-, Pensions- und Hedgefonds, wobei die Hedgefonds die größten Probleme bereiten.
Die Staatsverschuldung beträgt jetzt 189% des BIP in Griechenland und ist damit unerträglich hoch, wobei sie in Japan noch höher ist. Dabei schrumpfte die griechische Wirtschaft im letzten Jahr nochmals um 5,5%, was das Defizit erhöhte. In diesem Jahr wird in Griechenland auch noch ein Minus von 2,8% bei BIP erwartetet, was die Haushaltskonsolidierung erschwert. Sparen und Defizite abbauen ist schwer in einer Rezession unter einen Hut zu bekommen. Es fehlt die nachhaltige Wachstumsinitiative in Griechenland. Hoffentlich kommt sie nicht zu spät.
Der IWF will bei dem nächsten G 20 Gipfel im März durchsetzen, dass ihm weitere 500 Mrd USD gewährt werden, um die Welt und vor allem den Brandherd Europa zu retten. Die Reserven sollen von 385 auf 885 Mrd.USD aufgestockt werden. Während sich die USA an der Erhöhung nicht beteiligen wollen, zeigen Japan und China Interesse an der Teilnahme; Voraussetzung sei aber, dass Europa dabei mindestens 150 Mrd. USD selbst aufbringen wird. Im Dezember haben die europäischen Finanzminister beschlossen, dem IWF weiter 200 Mrd. USD zu geben. Deutschland und Frankreich beschlossen außer der Finanzmarkttransaktionsteuer auch einen neuen Wachstumsfonds zur Förderung von strukturschwachen Regionen in Europa, wozu sicherlich Griechenland auch gehören wird.
Spannend wird es, ob es der Commerzbank tatsächlich gelingen wird, ohne Staatshilfe die Eigenmittel auf 9% der Bilanzsumme zu erhöhen. Dies soll durch Gewinneinbehaltung und Kreditkürzungen geschehen ohne dass eine Kreditklemme für den Mittelstand entstehen soll. Die Hauptsorge bildet die Integration der Eurohypo, die die meisten Griechenlandkredite hat. Ich bin gespannt wie dieser Spagat vom Commerzbank-Chef Blessing gelingen wird. Gelingt dies aber, dürfte der Kurs der Commerzbank weiter ansteigen, der schon in deinem Jahr um 40% von 1,25 auf 1,75 € anzog. Die Commerzbank hatte rechtzeitig einen Griechenland-Puffer gebildet und sieht daher den gegenwärtigen Verhandlungen gelassen entgegen. Wenn es der Commerzbank gelingen sollet ohne Staatshilfe auszukommen, dürften alle Finanztitel der Welt wieder mehr nachgefragt werden.
Die Aktienmärkte nehmen bisher die Verhandlungen mit Griechenland sehr gelassen hin. Es gab zwar am Freitag überwiegend beim DAX und RTS leichte Minusankündigungen. Dies war aber mehr auf Gewinnmintnahmen nach der beeindruckenden Jahresanfangsrallye zurückzuführen. Diese erbrachten DAX auf über 6400 und den Dow Jones auf über 12.700, sowie den RTS auf über 1500 Indexpunkte. Alle genannten Indices liegen damit schon über 5% im Plus, was man als gelungenen Jahresstart – trotz aller bekannten Krisen – bezeichnen kann. Die Moskauer Börse konnte dabei den DAX sogar knapp outperformen.
An der Moskauer Börse stiegen auch LUKoil und Gazprom am Donnerstag auf neue Jahreshöchstkurse. Am besten konnte in den letzten beiden Monaten der Stahlkonzern Evraz Group nach seinem erfolgreichen Debut an der Londoner Börse performen. Der Wert wurde im EAST STOCK TRENDS noch im Oktober als „Aktie des Monats“ vorgestellt. Seitdem stieg der Kurs schon um 60% an, hat aber noch Potential. Die zeigt schon, wie groß die Erholungschancen an der Moskauer Börse nach dem enttäuschen Kursverlauf im letzten Jahr sind.
Der russische Aktienmarkt ist mit einem KGV von 5-6 der am niedrigsten bewertete Aktienmarkt der Welt. Ich rechne auch in Zukunft mit guten Trading-Chancen an den Ostbörsen, die im letzten Jahr enttäuschten. Aufgrund der hohen Volatilität ist das Timing aber sehr wichtig.
Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Der nächste EST erscheint nächste Woche mit allen aktuellen News zu den Welt- und Ostbörsen. Dort können Sie auch einen ausführlichen Rück- und Ausblick nachlesen mit konkreten Empfehlungen.
Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!
TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 23. und 28. Dezember 2011 von der Deutsche Welle und am 21. Dezember 2011 in NTV/Telebörse über die Investmentchancen in Russland im nächsten Jahr befragt. Sie können die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen. Aktuelle Markteinschätzen erhalten Sie täglich auf der Ostbörsen-Hotline unter Tel 09001-8614001(1,86 €/Min) und im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo: 3 Ausgaben für nur 15 €; bestellen Sie jetzt unter www.eaststock.de).

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