Tanz auf dem Vulkan – auch an den Börsen!

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Sonntag, 18. April 2010 20:26:00

Der Ausbruch des Vulkans in Island hat Symbolwirkung -. auch für Börsianer. Er gehört schon fast in die Kategorie „black swans“, also unvorhersehbare Ereignisse mit großer, auch volkswirtschaftlicher Wirkung. Die Asche-Wolke über Nordeuropa legt den gesamten Flugverkehr lahm, was den Fluglinien über 100 Mio. € Verlust am Tag einbringt. Auf der anderen Seite profitieren enorm Autovermietungsunternehmen, Busunternehmen und die Bahn (also Sixt kaufen und Lufthansa verkaufen).

Bis Sonntagabend wurden alle Flüge in Deutschland und Nordeuropa abgesagt und keiner weiß genau, wie es nächste Wochen weitergehen soll. In Frankfurt/M soll es nächste Woche wieder eingeschränkte Flugerlaubnis für ausgewählte Flughäfen geben. Jeder Tag als Ausfall bedeutet aber auch einen großen volkswirtschaftlichen Schaden, obwohl der Haupttranssport ohnehin über die Schiene und der Straße erfolgt. Dabei beruht das Flugverbot auf einer Computer-Simulation. Es ist noch kein Ballon aufgestiegen, der irgendwelche Messungen durchgeführt hat.

Der Vulkanausbruch war auch der Grund der scharfen Korrektur am Freitag an den Weltbörsen. An der Wall Street irritierten zusätzlich die Untersuchungen über Insidergeschäfte bei Goldman Sachs im Volumen von 1 Mrd. USD. Dabei lagen die Unternehmensergebnisse mit Ausnahme des US-Aluminiumkonzerns Alcoa, der immer noch Verluste in Höhe von 210 Mio. USD machte, alle über die Erwartungen. Banken und Chiphersteller machen wieder Mrd.-Gewinne. So überraschte Intel mit einem Gewinn von 2,4 Mrd. USD-Gewinn. Auch JP Morgan und Bank of Amerika überzeugten auch mit Mrd.-Gewinnen. Die Banken machen kumulativ schon wieder 120 Mrd. USD Gewinn im Eigenhandel, wobei die Banken aber auch Geld zu null Prozent bei der FED ausleihen können, was ein schiefes Bild gibt. Allerdings waren die US-Arbeitsmarktdaten am Donnerstag wieder sehr schwach, was wohl noch eine Weile so bleiben wird. Auch hatte Morgan Stanley Probleme mit einigen Immobilienfonds. Dennoch glaube ich auch an weiter gute Unternehmensdaten in den nächsten Wochen, was die Kurse stützen sollten.

Ich nehme an, dass sich in den nächsten Wochen eine Patt-Situation ergeben könnte, also weiterhin gute Unternehmensergebnisse, anderseits aber auch weitere Flugverbote in Nordeuropa. Nach den Reuters-Daten ist mir einem Gewinnanstieg von 36% im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen. Dies ist aber nur als ein weiterer Schritt in Richtung „Normalsierung“ zu interpretieren. Im 4. Quartal hatten 72% aller US-Unternehmen die Erwartungen der Analysten übertroffen, was die Weltbörse-Hausse unterstützte.

Ähnlich kann auch jetzt für das 1. Quartal 2010 passieren. Keiner weiß aber genau, wie nachhaltig die Erholung im 2. Halbjahr 2010 sein wird, da auch hier „black swans“ ein Rolle spielen könnten.

In Afghanistan sind drei weitere deutsche Soldaten gestorben und es mehren sich die Warnungen vor Terroranschlägen. Auch hier ist mit „black swans“ zu rechnen – auch im Rahmen der verschärften Sanktion gegen den Iran. Auch die erste große Konferenz zur Verminderung des Uran-Schmuggels in den USA unter der Regie von Obama ist ernst zu nehmen, wobei auch hier der Hauptadressat Iran sein dürfte. Die militärischen Aktionen im Irak und in Afghanistan bleiben für mich eine „mission impossible“. Daher appelliere ich an alle betroffenen Regierungen: „Raus aus dem Irak und aus Afghanistan und rein Aktien!“

Bedenken Sie bitte, dass auch Pakistan schon eine Atommacht ist und die Talliban und El Kaida wohl alles tun werden, um selbst mit Partnern (wie Iran) eine – dann nicht mehr kontrollierbare - dezentrale Atommacht zu werden. Auch dies wäre sicherlich ein „black swan“ für die Weltbörsen. Dabei Rücken die USA und Russland jetzt immer näher, was auch der letze Abrüstungsvertrag belegte, denn beide Großmächte stehen mit dem Rücken zur Verschuldungswand (die USA sogar mehr als Russland) und beide Großmächte haben mit der Terrorbekämpfung einen gemeinsamen Nenner, so sehr sich auch sonst unterscheiden.

Polen hat jetzt gerade mit dem Absturz der Präsidentenmachine und dem plötzlichen Tod des polnischen Präsidenten und Nationalbankchefs ein „black swan“ zu durchleiden; es dauert dann immer einige Zeit, bis Normalität wieder einkehren kann. Es herrscht in Polen eine surreale Wirklichkeit, Nachdenklichkeit und Ruhe ähnlich wie nach dem 11. September 2001 in den USA und auf der ganzen Welt. Aufgrund der Vulkan-Wolke konnte die meisten Staatsoberhäupter wie Obama, Sarkozy und Merkel nicht zum Staatsbegräbnis am Sonntag kommen, was auch ein Kuriosum ist. Der russische Staatspräsident Medwedew reiste aber trotz Vulkan-Wolke nach Krakau.

Ich warne daher davor, die guten Unternehmensergebnisse für die Zukunft fortzuschreiben, da es sich im Basiseffekte handelt. Einige Unternehmen werden aber schon wieder das Vor-Krisen-Niveau erreichen können, andere jedoch noch lange nicht. Dabei ist auch weiterhin der zunehmende Schuldenberg, die ausufernden Haushaltsbilanzdefizite und die starken Geldmengenausweitung zu berücksichtigen und dies bezeichne ich nach wie vor als einen „Tanz auf dem Finanz-Vulkan“ mit ungewissen Ausgang. Auch die Frage, ob es eine Hyper-Inflation oder Währungsreform geben wird, bleibt ein ungewisser „black swan“ im Hintergrund, auch für die Weltbörsen. Der Euro stand durch die „PIGS“ schon kurz vor dem Bruch. Die griechische Tragödie wird noch weiter Akte haben, trotz EU- und IWF-Hilfen im Volumen von insgesamt 45 Mrd. USD im Notfall. Im April wird wieder eine griechische Anleihe von 8 Mrd. € fällig, Die nächsten großen Herausforderungen werden Großbritannien und die USA mit der faktischen Überschuldung, der Platzierung der Anleihen sowie mit dem Anleihen-Rating haben.

Zunächst ist diese Korrektur an den Aktienmärkten am Freitag noch als normal und gesund zu bezeichnen, aber im Hintergrund brodelt es schon. In diesem Sommer dürfte der Vulkan noch ruhig bleiben und nicht ausbrechen, es sei denn „black swans“ sorgen für weitere Turbulenzen. Der DAX gab am Freitag um 1,76% auf 6180 Indexpunkte nach, der Dow Jones um 1,13% auf 11.013 Indexpunkte und der Nikkei-Index um 1,52% auf 11.52 indexpunkte. Im Grundsatz ist ein Testen der alten Chartausbruch-Linie als normal und gesund zu bezeichnen. Dies wäre beim DAX die 6100-er Marke und beim Dow Jones die 10.600-er Marke. Der Dollar bewegt sich jetzt seitwärts in der Trading-Range 1,33 bis 1,36 EUR/USD. Bei unter 1,32 dürfte der Euro deutlich schwächer und bei über 1,37 der Euro deutlich stärker werden. Auch bewegt sich der Ölpreis jetzt seitlich in der Trading-Range 84 bis 87 USD/Barrel. Die weltweite Ölnachfrage stieg zuletzt um 2 Mio. Barrel am Tag, wobei vor allem China mehr nachfragt. Auf der anderen Seite gibt es sehr hohe Lagerbestände in den USA. Seite Februar stieg der Ölpreis um 20%. Der Chartausbruch erfolgte bei 83 USD/Barrel wo ich Ihnen empfahl long zu gehen. Jetzt teilgewinn mitnehmen. Der Goldpreis korrigierte am Freitag um 2% auf 1035 USD/Unze, nachdem zuvor auf Euro-Basis ein neues Allzeit-Hoch erreicht wurde.

Der RTS-Index gab am Freitag um 2% auf 1640 Indexpunkte nach, wo zuvor der Chartausbruch nach oben war. Der russische Aktienmarkt legte in diesem Jahr schon um 15% seit Jahresbeginn zu. Noch besser schnitt die Börse Kiew mit einem Plus von über 80% ab. Fast alle Ostbörsen konnten den DAX wieder einmal klar outperformen, so auch die Budapester Börse. Ich rechne in der nächsten Woche nach dem Erreichen von neuen Jahreshöchstständen mit leichten Korrekturen, aber keinen dramatischen Kurseinbrüchen, es sei denn weitere „black swans“ sind im Anmarsch. Noch heißt die Devise: bei Schwäche gestaffelt kaufen.

Verpassen Sie daher die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (EST) unter www.eaststock.de. Die beiden Osteuropa-Muster-Basket des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 171% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 284% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 700% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen besten realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East! wird am 20. Mai 2010 in Frankfurt/M um 17.00 Uhr stattfinden (siehe www.eaststock.de). Am 7. Mai wird ein Emerging Market Seminar in München in Kooperation mit Florian Schulz vom Emerging Market Trader stattfinden. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

TV-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 8. April 2010 um 15.45 Uhr in NTV/Telebörse über die Chancen der Moskauer Börse befragt. Sie können es sich jetzt bei dem Link unter www.eaststock.de in der Rubrik „Interviews“ runterladen. Hier können Sie sich informieren, warum gerade die „Exotenbörsen“ aus Osteuropa besonders chancenreich sind

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