Südeuropa brennt – ESM soll löschen!

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Sonntag, 22. Juli 2012 18:12:00

Die verheerenden Brände in Südeuropa (Griechenland, Portugal, Teneriffa, Italien u.a.), die außer Kontrolle geraten, haben Symbolwirkung. Es brennt auch nach wie vor in Südeuropa im Finanzsystem. Es droht ein EU- und Euro-Crash. Spanien wird jetzt zwar die erforderlichen Mittel zur Sanierung der maroden Banken erhalten. Dabei geht es zunächst nicht wie in den Medien oft falsch berichtet um die „Rettung des Euros“, sondern- wieder einmal – um die Rettung der Banken. Das deutsche Parlament stimmte dem EU Beschluss zu, dass Spanien für die Sanierung der maroden Banken bis zu 100 Mrd € abrufen kann. Da auch die SPD und die Grünen mit „ja“ stimmten, war die Mehrheit groß. Dennoch verfehlte Angela Merkel die Kanzlermehrheit. Dabei mussten Parlamentarier aus dem Sommerurlaub geholt werden, um im Eilverfahren die Rettung der spanischen Banken zu genehmigen. Einige Politiker befürchten einen Flächenbrand, der von Spanien ausgehen könnte. Auch die drittgrößte Bank Italiens kam ins Wanken und musste gestützt werden.

Es bleibt abzuwarten, wie sich das Zinsniveau der spanischen und italienischen Anleihen weiterentwickelt. Die spanischen 10-jährigen Anleihen sind wieder auf über 7% gestiegen. Bei einem Zinsniveau von über 8% rechne ich damit, dass nicht nur die spanischen Banken, sondern Spanien selbst unter dem Rettungsschirm muss, denn zu hohe Refinanzierungskosten könnten alle Sparmaßnahmen konterkarieren. Aber auch eine Pleite Griechenlands ist im September möglich, wenn der IWF – wie angekündigt – nicht mehr zahlen will. Griechenland schafft es einfach nicht schnell genug, das Sparprogramm effektiv umzusetzen und auch die Privatisierung in Gang zu bringen. Griechenland hofft auf weitere 12,5 Mrd. € in den Monaten August und September. Die „Troika“, also Vertreter der EU-Kommission, der EZB und des IWF, wird am 26. Juli wieder in Griechenland zusammenkommen, um dann über das weitere Vorgehen zu beraten. Die neue griechische Koalition will mehr Zeit bei den Sparzielen heraushandeln.

Es brennt also sprichwörtlich auch wieder in Griechenland, aber auch in Italien, Portugal und Spanien. Aber auch die Dürre- und Hitzeperiode in Mittelamerika ist symptomatisch: auch hier brennt, nur merkt noch keiner, außer die Bauern, die Mais anbauen. Die Maispreise springen schon wegen der Missernte und vertrockneten Böden um fast 50% in wenigen Wochen seit Mitte Mai in die Höhe.

Spanien will jetzt bis 2014 65 Mrd. € einsparen. Die Gehälter von Beamten sollen gekürzt werden, zudem soll die Mehrwertsteuer auf 23% erhöht werden, womit auch der Verbraucher einen Teil der Last tragen muss. Die Folge der Regierungsbeschlüsse werden anhaltende Streiks in Spanien sein, also „griechische Verhältnisse“. Wenn man alles realistisch aufsummiert, beträgt die Verschuldung Spanien schon über 100% des BSP, womit eine Rettung Spaniens immer schwieriger wird. So sehen dies auch die Rating-Agenturen, die spanischen Anleihen fortwährend herabstufen. Spanien muss faktisch auch für die 100 Mrd. € der Banken haften.

Neben einigen spanischen Banken sind auch viele spanische Städte überschuldet sind. So droht jetzt Valencia der Bankrott, wenn nicht Madrid hilft. Aber auch Madrid hat alle Mühe, die auslaufenden Anleihen zu vernünftigen Konditionen zu refinanzieren. Die Verhältnisse sind dort wie in Berlin schuldenmäßig betrachtet, also ein „Fass ohne Boden“. Zwei Regionen, namentlich Valencia und Murcia, haben schon Finanzmittel aus dem staatlichen Rettungsfonds FLA, der ein Volumen von 18 Mrd. € hat, angefordert. Zwei weitere spanische Regionen planen jetzt auch diesen Schritt. Es wird angezweifelt, dass nicht nur die Regionen, sondern auch die Föderation Haushaltsdisziplin wahren kann. Daher stiegen wieder die Zinsen auf ein neues Rekordniveau.

Die größten Probleme haben aber die spanischen Banken, die auf unverkäuflichen Immobilien sitzen. Die Immobilienpreise in Spitzenlagen in Marbella halten sich zwar noch mit über 5000 € pro Quadratmeter, aber es stehen dort viele Läden leer. Anstelle von 8000 Immobilienmaklern gibt es in Marbella nur einige hundert. Immerhin stehen reiche Araber auch zunehmend reiche Russen dort als Aufkäufer von Luxus-Immobilien zu Verfügung, worunter auch namhafte russische Politiker sind. Immer mehr kleine Läden müssen hingegen schließen. Der Tourismus bleibt aber noch eine wichtige Stütze für Spanien. Problematisch sind die Immobilien weit außerhalb von Stadtzentren in Bauruinen. Dort will keiner kaufen und dort bleiben Banken auf den Immobilien sitzen. Immerhin haben fast alle Spanier ein Eigenheim und auch eine intakte Familie, die sich gegenseitig hilft. Die relativ hohe Beschäftigung um Graubereich des Schwarzmarktes und die Schattenwirtschaft lindert ein wenig das Problem der Jugendarbeitslosigkeit. Dennoch sind die 50% Arbeitslosenquote bei Jugendlichen und die 25% Arbeitslosenquote dauerhaft nicht hinnehmbar, zumal es kein soziales Netz wie in Deutschland gibt.

Äußerst fragwürdig waren und sind auch die Genehmigungsverfahren von Baugenehmigungen, wobei viele Gebäude auch illegal gebaut wurden. Der ehemalige Bürgermeister von Marbella und Besitzer von Atletico Madrid Jesus Gil war einige Jahre im Gefängnis weiß wohl ein Lied davon zu singen, wie man einen Bauboom auslöst und in Gang hält.

Eine europäische Bankenaufsicht soll in Zukunft derartige Fehlentwicklungen früher erkennen und abwenden können. Ich bin sehr im Zweifel, ob das durch mehr bürokratische Kontrolle aus Brüssel besser gelingt. Es ist aber in der Tat nicht hinnehmbar, dass der Steuerzahler dauerhaft für Fehlentwicklungen von systemrelevanten Banken aufkommen muss. Nun soll nach und nach der Weg zu einer Bankenunion geschmiedet werden. Bis es aber soweit ist, ist ein langer, steiniger Weg.

Der Euro wurde von Vornherein falsch konzipiert. Es gab nur den politisch gewollten Euro, aber nicht den wirtschaftlich vernünftigen Euro In der Tat wäre es sinnvoll, die wichtigsten Steuern zu harmonisieren, aber kein Land will sich von Brüssel aus verwalten lassen, auch Deutschland nicht.

Im jetzt noch aktiven EFSF stehen noch 250 Mrd € an Rettungsgeldern zur Verfügung. Anstelle des EFSF soll in Zukunft der ESM als Dauereinrichtung rücken Dabei stehen dann theoretisch 700 Mrd. € zur Verfügung, wobei nur 80 Mrd. € effektiv eingezahlt werden. Der Rest sind Garantien und Bürgschaften, was schon ein verkappter Eurobond ist, da die geliehenen Gelder wohl nie zurückfließen werden. Der ESM soll als „Feuerwehrfonds“ dienen und damit die EZB als Anleihenkäufer in Zukunft entlassen. Bisher rettete die EZB den Euro, indem sie Staatsanleihen aufkauft. Auch in Zukunft will die EZB eine Euro-Krise verhindern, wobei die Optionen dafür immer geringer werden. Die Waffen der EZB heißen „dicke Bertha“ und Bazooka“, was im Kern aber nur Geldruckmaschinen durch Anleihenkäufe sind. Auf die Frage, was passiert, wenn alle Hilfe brauchen, weiß EZB-Chef Draghi auch keine Antwort. Die Antwort heißt dann die „System-Crash“ durch einen Flächenbrand, den man aber unbedingt vermeiden will.

Hauptzahlmeister ist und bleibt – so oder so - dabei Deutschland. Deutschland muss aber Anteil im Ernstfall wesentlich mehr zahlen, wenn andere Länder als Garantiegeber ausfallen. So droht jetzt schon Spanien unter den Rettungssschirm zu kommen. Wer aber unter dem Rettungssschirm kommt, fällt faktisch als Garantiegeber aus. Da schon viele Politiker jetzt wieder einmal bei den Euro-Beschlüssen überfordert sind, sollte die Bundesregierung eine Transparenz-Zentrale schaffen, wo sich Bürger informieren können. Der normale Bürger blickt einfach nicht mehr durch, was „da oben“ passiert und viele Politiker tun dies obendrein auch nicht mehr. Die Glaubwürdigkeitsdefizite nehmen daher zu satt ab und darunter leidet auch die Demokratie.

In den letzten Jahren wurden seit dem Lehman-Schock im Jahr 2008 viele Verträge verletzt und es galt nicht mehr das gesprochene Wort, weil kaum ein Politiker die Tragweite der Entscheidungen bewusst war. Es geht dabei um Glaubwürdigkeit von Instanzen und Institutionen es geht auch um die Erhaltung der Demokratie. Gerade jetzt ist das Volk gefragt, aber wie soll das Volk etwas kapieren, wenn es schon die Politiker nicht mehr tun?

Hier haben auch die Medien eine große Verantwortung. Sie sollen nicht immer nur nach Skandalen suchen, um das Sommerloch zu überwinden, sondern sachlich aufklären helfen. Es sollten jetzt viel mehr TV-Diskussion mit Experten, aber auch mit Bürgen geben, die Fragen stellen und damit auch zur Transparenz beitragen. Es sollten aber auch Politiker geben, die Tacheles reden und nicht parteipolitisch agieren, denn es geht um die Zukunft der nächsten Generation, die vor einem Scherbenhaufen sitzen könnte, wenn man jetzt die falschen Weichenstellungen macht.

Sobald eine Spekulation beginnt, dass Spanien in Rezession bleibt und dass Haushaltsloch immer größer wird, fallen die Aktienkurse nicht nur in Spanien wie am Freitag beim IBEX um 6%, sondern auch weltweit. Nach der schönen Sommerrallye, die ich im letzten EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) angekündigt hatte und dem DAX seit dem Juni-Tief ein Plus von 14% verschaffte. verloren der DAX um 1,89% auf 6630 und der Dow Jones um 0,9% auf 12.826 Indexpunkte nach. Der Euro-Stoxx brach sogar um 2,77% auf 2.238 Indexpunkte ein und der Nikkei-.Index um 2,1% auf 8604 Indexpunkte.

Der Bund-Future befindet sich seit Anfang Juli wieder im Aufwind und stieg von 141 auf 145, womit Bundesanleihen als angeblich „sicherer Hafen!“ wieder gefragt waren. Gold und Silber sind als „sicherer Hafen“ aber längst nicht mehr so gefragt wie noch in den Vorjahren. Gold stabilisierte sich bei 1583 USD/Unze und Silber bei 27,35 USd /Unze. Der WTI-Ölpreis fiel am Freitag zwar um 1,24% auf 91 USD/Barrel, was aber nur Gewinnmitnahmen nach der Rallye seit Anfang Juli von unter 80 auf über 90 USD/Barrel waren. Dies trifft aber auch für die Aktienmärkte zu, die im Juli bis Freitag fast ausnahmslos eine Sommerrallye zu verzeichnen hatten. Auch der russische RTS-Index stieg im Gleichklang mit dem steigenden Ölpreis von 1300 auf über 1400 Indexpunkten, gab am Freitag aber um 1,41% auf 1392 Indexpunkte nach. Dies zeigt aber auch, wie gut die Trading-Chancen auch in schwierigen Märkten sind.

Sie sollten nach der Sommerrally im Juli gerade jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS beschreibe. Achtung: jetzt beginnt die Zeit der „Schnäppchenjäger“! Der sehr treffsichere ESI-Seminar-Indikator steht immer noch auf „Buy“! Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 8. Juni 2012 im DAF anlässlich der Fußball-EM über die Chancen in Polen/Ukraine befragt und am 23. Mai 2012 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) von Dr. Bernd Jünemann über die Chancen in Osteuropa, insbesondere in Russland. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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