Stabilitätspakt (sch)adé

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Samstag, 30. Oktober 2010 13:12:00

Der von Angela Merkel erhoffte Stabilitätspakt, wonach Defizitsünder mit Stimmentzug bestraft werden können, kam zwar in Brüssel beim EU-Gipfel erwartungsgemäß nicht zustande, wohl aber ein modifizierter EU-Vertrag und die Bereitschaft aller Länder, den Euro durch Haushaltsdisziplin in Zukunft zu stärken und für Spekulanten weniger angreifbar zu machen.

Ein permanenter Krisenmechanismus soll nun die Zahlungsunfähigkeit von Ländern verhindern; es soll aber bei den Rettungsmaßnahmen auch die Privatwirtschaft mit ins Boot genommen werden, was auch schon vorher hätte geschehen sollen. Zudem sollen systemrelevante Finanzinstitutionen von nicht systemrelevanten getrennt werden, was schwierig sein wird. Es ist ohnehin notwendig, die Eigenkapitalbasis von Banken und Versicherungen nach Basel III und Solvenz II zu stärken. Die Allianz und Munic Re gehören wohl zu den systemrelevanten Unternehmen, die Commerzbank aber nicht?

Nach meiner Einschätzung sind alle Banken mit einer Bilanzsumme von über 1 Billion € systemrelevant. Alle sollten sich Gedanken machen, dass der Rettungsschirm von 500 Mrd € in Zukunft nicht tatsächlich den Steuerzahler belastet. Dies kann nur durch Vertrauen in die bestehenden Finanzinstitutionen und in die Zukunft der Volkswirtschaft geschehen. Ohne nachhaltiges Wachstum ist das Geldsystem nicht zu retten und ohne Wachstum wird es auch keine Stabilität geben. Wie aber schafft man die Nachhaltigkeit des Wachstums bei hochverschuldeten Industrieländern ohne Strukturreformen? Das wird selbst in China in Zukunft schwierig werden, wobei das China-Wachstum von 10% im Moment Balsam für die Weltbörsen ist. Die HRE scheint – auch unter staatlicher Aufsicht - weiterhin ein Fass ohne Boden zu sein, ebenso wie die amerikanischen Hypothekenbanken.

Es soll ab 2012 ein systematisierter Bail-out Prozesse entstehen, nur wie?. Es soll dabei in Zukunft nicht nur der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden, sondern auch – möglichst verursachungsgerecht - auch die Privatwirtschaft. Die jetzt beschlossene Bankenabgabe ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, falls es wieder krisenhaft werden sollte. In einem weiteren Schritt sollten sich die G20 und auch die EU auch überlegen, welche Länder „systemrelevant“ und wie sie zu retten sind und welche nicht. Nun ist der Euro ohnehin ein politisch gewolltes Kunstgebilde. Ob er einer erneuten Krise standhält, wird die Zukunft zeigen. In der Krise ist jeder sich immer noch selbst der nächste.

Nach meinen Befürchtungen wird es - wohlmöglich mit Ausnahme von Deutschland - kaum einem Euroland gelingen, in Zukunft die zudem etwas willkürlich festgelegten Stabilitätskriterien nach Maastricht (Haushaltsbilanzdefizit < 3% und Staatsverschuldung/BSP<60%) zu erfüllen. Italien und Griechenland sind mit über 100% viel zu hoch verschuldet und sie werden es auch bleiben. Es wurde bei dem EU-Gipfel auch nicht aufgezeigt, wie die hochverschuldeten Länder aus der Schuldenfalle herauskommen. Mit Androhung von Stimmenentzug oder auch Strafzahlungen wird nichts bewirkt. Es sollte eine vertragliche Ausstiegmöglichkeit aus dem Euro geben, die auch leicht umsetzbar ist. Besser wäre da also schon die Androhung des Ausschlusses aus dem Euro für permanente Strafsünder. Das wäre ein wesentlich besserer und effektiverer Krisenmechanismus als die bisherigen Worthülsen und frommen Wünsche von EU-Bürokraten, die von Wirtschaft meistens nicht viel verstehen.

Auch wird der Spagat Sparmaßnahmen durchzuführen und gleichzeitig eine Wachstumsdynamik beizubehalten bzw. herbeizuführen bestenfalls auch nur Deutschland als starke Exportnation gelingen, den meisten anderen Ländern aber nicht, zumindest nicht hinreichend, um die Schulden abzubauen. Es sei denn sie gehen jetzt alle den steinigen, aber erfolgreichen „baltischen Weg“ und das bedeutet, tatsächlich harte Sparmaßnahmen wie 30% weniger Gehalt für Beamte und Staatsbedienstete. So etwas wird in den Wohlstandsländern aber kaum gelingen.

Der deutliche Aufschwung in Deutschland (vor allem im Maschinenbausektor) und erstmals unter 3 Mio. Arbeitslose in Deutschland, ist sicherlich zu begrüßen, auch wenn es in Wahrheit 4,5 Mio. Arbeitslose mit 1 €-Jobs und unter Berücksichtigung des demographischen Effektes sind. Der DAX stieg auf über 6600 Indexpunkte und hat noch Luft bis 7000 Indexpunkten bis Jahresende. Trotzdem steigen auch hier die Sozialkosten vor allem im Gesundheitssektor. Folge: es bleibt immer weniger netto für brutto. Es muss also auch in Deutschland weiter gespart werden. Dabei könnte sich sogar Frankreich in Zukunft als Problemland erweisen, trotz Rentenanapassung von 60 auf 62. Zudem wird es in den nächsten beiden Jahren vermehrt Proteste auf den Stassen ergeben und man kann nur hoffen, dass diese nicht eskalieren werden oder in dauerhafte Generalstreiks ausarten.

Ob es einen Abwertungswettlauf der Währungen und damit auch einen Währungskrieg gibt, wird die Zukunft zeigen. In der nächsten Woche finden die wichtigen US-Kongresswahlen statt, wo wohl die Republikaner klar gewinnen und Obama eine Ohrfeige erteilen werden. Es bleibt aber abzuwarten, welche Steuerpolitik dann in Anbetracht der hohen Staatsschulden machbar ist. Die FED wird wohl in der nächsten Woche großvolumig (über 500 Mio. USD) an Staatsanleihen aufkaufen und damit für das Inflationspotential der Zukunft sorgen. In Antizipation der Ereignisse gab es schon eine beachtliche Herbstrallye von über 10% in den Monaten September/Oktober an den Weltbörsen. Die bisher überwiegend gute Berichtssaison in den USA, aber auch in Deutschland, unterstütze die Kurssteigerungen. Auch der schwache Dollar unterstützte die Herbstrallye an den Weltbörsen. Oft werden nach Bekanntgabe der erwarteten Ereignisse aber erst einmal Gewinne mitgenommen.

Die Risiken und Nebenwirkungen der expansiven und fast verantwortungslosen FED-Politik werden wir erst nächstes Jahr zu spüren bekommen; es wird die Inflation ansteigen, wobei die den Amerikanern und auch den Börsen eine Inflation lieber ist als eine Deflation. Dann werden aber auch die Zinsen steigen, allerdings aber auch nicht sehr stark, weil dies die ganze Sparpolitik zunichte und einige Länder in den Staatsbankrott treiben würde. Da dann wohl nicht mehr so viele Anleger den „sicheren Hafen“ in Staatsanleihen suchen, könnte es zu liquiditätsgetriebenen Haussen an den Aktien- und Rohstoffmärkten geben, dies aber auch nur, wenn der Dollar sich weiter abschwächt und die Zinsen nicht zu strak steigen. Ohne „PIGS-Problematik“ und die Spekulation auf ein Auseinanderbrechen des Euros, wäre der Dollar schon früher schwächer geworden, was im Mai noch keiner wahr haben wollte, ich aber schon bei meinen ESI-Seminar angekündigt hatte.

Aktien sind insbesondere im Vergleich zum Anleihen KGV von 44 mit vielfach unter 10 immer noch relativ preiswert zu haben; Anleihen stellen hohe Kursrisiken dar. Beachten Sie zudem die Währungschancen, die in diesem Jahr bei Yen (+18%), aber auch beim Schweizer Franken, Südafrikanischem Rand, der türkischen Lira und der tschechischen Krone mehr als 7% zum Euro erbrachte. Der Renmimbi dürfte nur langsam moderat aufgewertet werden. Selbst der Rubel war bisher sehr stabil zum Euro (+1%). Der RTS stieg seit Jahresbeginn im Hoch schon um 12% und stieg auf über 1600 Indexpunkte, wobei Konsumaktien von einem historischen Höchstkurs zum nächsten jagen, während Öl/Gasaktien weiterhin seitwärts tendieren. Am Freitag schloss der RTS bei 1587 Indexpunkten. Die erfreuliche Herbstrallye in den Monaten September/Oktober bleibt auch an den Ostbörsen intakt. In der nächsten Woche werden die Kongresswahlen in den USA und die Höhe der Staatsanleihenaufkäufe der FED auch die Ostbörsen in den Bann ziehen. Es gibt auch fortan Outperformance-Chancen an den Ostbörsen.

Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abo für den monatlich erscheinenden Ostbörsenbrief EAST STOCK TRENDS (EST, siehe www.eaststock.de) und/oder melden Sie sich jetzt für das nächste Emerging Market-Seminar am 24. November 2010 um 16.00 in Frankfurt/M gleich nach dem Eigenkapitalforum an (Infos und Programm unter www.eaststock.de, dort unter Seminare). Sowohl im EST als auch beim Seminar wird auch immer auf das „big picture“ eingegangen, also auf die Hintergründe der gegenwärtigen Gold/Silberhausse und das Pro und Contra an den Weltbörsen, was immer auch Rückwirkungen auf die aufstrebenden Ostbörsen hat.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 173% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 279% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 1000% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit. Auch russische Gold/Silberaktien wie Polimetall haben noch Potential.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste Emerging Market-Seminar wird am 24. November 2010 um 16.00 Uhr gleich nach dem Eigenkapital Forum in Frankfurt/M stattfinden (siehe www.eaststock.de). Dort wird sich auch der neue Russlandfonds von Danske Capital vorstellen. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

Interview-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 6. September 2010 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) über die Investmentchancen im Baltikum befragt. Die Börse OMX Tallin zählt mit einem Plus von 53% seit Jahresbeginn zu den Top-Performern der Weltbörsen. Sie können sich das Interview jetzt unter www.eaststock.de runterladen ebenso wie das letzte Interview von Andreas Männicke in der FAZ vom 26. August 2010 über Osteuropa.

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