Sind Sie in Stress oder relaxed?

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Samstag, 09. Mai 2009 22:47:00

Sind Sie noch im (Börsen-)Stress oder schon relaxed nach den Ergebnissen des US-Stresstests? Der US-Stresstest wurde von den Weltbörsen mit einiger Erleichterung aufgenommen. Angeblich brauchen die 10 größten Banken „nur“ 75 Mrd. USD, um krisenresistent zu werden. Erwartet wurde zuvor ein Betrag von über 150 Mrd. USD. Einige Experten sind allerdings der Auffassung, dass die gewählten Parameter im „Input“ bei BSP und Arbeitslosenquote zu optimistisch ausgefallen seien, so dass mit noch größerem Kapitalbedarf zu rechnen sei. Wie immer gilt bei solchen Prognosemodellen: „Input=Output“. Will heißen: das Ergebnis hängt stark von den angenommen Eingabedaten ab, also welche Parameter im Input sind und wie diese ausfallen.

Was ich zudem bemängele, ist, dass wieder einmal nicht mit „Black Swans“ gerechnet wird, also überraschenden, unkalkulierbaren Ereignissen, die auf einmal dominant sind und die Weltwirtschaft und auch die Weltbörsen in den Bann ziehen. Ich nenne das „variable Dominantfaktoren“. Das könnte so etwas wie eine Schweinegrippe sein, das könnten Terroranschläge à la 11. September sein, das könnten Naturkatastrophen sein, das könnte eine Insolvenzwelle von Großunternehmen (=systemischen Risiken) sein, das könnten Defaults bei Staatsanleihen sein, das könnten Kriege sein, das könnte ein neuer Öl-Preis-Schock sein, das könnten gewaltsame Massendemonstrationen sein, das könnte aber auch eine Hyperinflation sein, mit der die FED selbstverständlich als möglicher Auslöser nicht rechnet bzw. nicht rechnen will. In Kalifornien brennen schon wieder die Wälder (hat das etwa Symbolkraft?). Pakistan (als Atommacht) bleibt ein Pulverfass und die Schweingrippe ist real, wird aber (noch) nicht als reale Bedrohung wahrgenommen und geht auch in kein Prognosemodell ein. Ich wunder mich ohnehin, dass die US-Regierung so einen Stresstest macht. Eigentlich ist es die Aufgabe jeder Großbank, einen Stresstest für sich zu machen und dementsprechend das Risikomanagement darauf einzustellen. Auch hier sollte immer die Szenario-Technik angewendet werden, also ein realistischen Szenario, den best case und den worst case, wobei der worst case verschiedene Varianten (auch mit Black Swans) haben sollte, um mit flexiblen Handlungsmöglichkeiten auf die neue Situation antworten zu können.

Der IWF ist der Auffassung, dass ich noch 4 Billionen USD an „Giftmüll“ in den Bankbilanzen befinden, was nicht so recht mit den Ergebnissen des US-Stresstest zusammenpassen will. Vielleicht hat man den US-Stresstest auch deswegen gemacht, um die Gemüter zu beruhigen, damit wieder mehr Vertrauen in den Finanzmarkt kommt. Schließlich sollen die Banken wieder Kredite vergeben. Wurde dabei aber auch wohl die Folgewirkungen von Insolvenzen von großen, prominenten Unternehmen wie General Motors einkalkuliert und richtig berechnet oder beruht das Model auf „wishful thinking“? Aber selbst wenn die Stresstests richtig berechnet und die Parameter richtig gewählt wurden, benötigt die Bank of America immerhin 34 Mrd. USD, um krisensicher zu werden. Die Bank of America gibt 1,2 Mrd. Aktien für etwas über 8 USD heraus und der Aktienkurs stieg dennoch am Freitag trotz enormer Verwässerungsgefahr. Börse paradox!!. Im Moment wollen die Börsen halt nach oben und die Short-Seller müssen sich eindecken. Wells Fargo braucht 14 Mrd. USD an neuem Kapital und wird nun eine Kapitalerhöhung machen. Die Börse scheint jetzt aber mehr zu antizipieren, dass damit das Gröbste überstanden sein.

Sogar die US-Arbeitsmarktdaten wurden trotz einer Rekordarbeitslosenquote von 8,9% positiv aufgenommen, weil die Zahlen zumindest nicht schlechter ausfielen als erwartet worden war. Im Moment scheint es so, dass die Börse umso mehr steigt, je schlechter die Nachrichten sind, denn keiner will die Hausse verpassen. Die Arbeitslosenzahlen betrugen im April „nur“ 530.000 anstelle der erwarteten 600.000. Dies wird aber dennoch tiefe Löcher in die Sozialkassen, aber auch in den Haushalt bringen. Dies ist zudem die höchste Arbeitslosenquote seit 26 Jahren und die Börse jubelt mit neuen Jahreshöchstkursen. Auch die Schweingrippe scheint die Börse trotz weltweit 1000 Infizierter (noch) nicht zu beinruhigen. Dabei sind die USA neben Mexiko besonders von der Schweinegrippe betroffen Die Börse ignoriert damit latente Gefahren, was nicht ganz ungefährlich ist. Eine Pandemie wird den eingefleischten Börsianer erst dann umstimmen, wenn in seinem familiären Umfeld so ein Fall auftritt.

Die Weltbörsen reagierten also zunächst positiv auf den US Stresstest, den europäische (auch osteuropäische) Banken jetzt auch machen sollten. Der Dow Jones stieg am Freitag um 1,96% auf 8574 Indexpunkte und der marktbreitere S&P-Index um 2,41% auf 929 Indexpunkte. Der DAX konnte um 2,29% auf 4913 Indexpunkte zulegen. Damit hat der DAX in den letzten 2 Monaten ein Plus von 33% erzielt. Noch wesentlich besser schnitt aber die Moskauer Börse in diesem Zeitraum ab (von -20 auf +50%). Der RTS-Index fiel am Freitag leicht um 0,43% auf 938 Indexpunkte. Die Moskauer Börse stieg seit Jahresbeginn sogar um fast 50% und viele Aktien, die ich im EAST STOCK TRENDS vor zwei Monaten zum Kauf empfohlen hatte, konnten ihren Kurs schon verdoppeln, einige sogar verdreifachen (wie Sistema, IBS Group, CTC Media u.a). Waren Sie dabei? Auch hier ist das Kurspotential zwar noch nicht ausgeschöpft; die Börse könnte aber in den nächsten Wochen durch Gewinnmitnahmen geprägt sein. Auch fiel die Rezession in Russland weit kräftiger aus als erwartet und trotzdem stiegen die Kurse – vor allem wegen dem Kapitalzufluss bei BRIC-Fonds, der Erholung der Banken und den auf nunmehr auf 59 USD/Barrel rasant gestiegenen Öl-Preis, der am Freitag vor allem die Kurse von Öl-Juniors explodieren lies mit Kurszuwächsen von 30-40% an einem Tag.

Die Frühindikatoren wie IFO-Geschäftsklima-Index und ZEW-Indikator haben sich seit Februar ein wenig verbessert bzw. auf niedrigem Niveau stabilisiert. Dabei sind die Wirtschafts- und Unternehmensdaten nicht überall erfreulich. Die Commerzbank meldete einen Verlust von 860 Mio. € in 1. Quartal. Dennoch konnte sich der Aktienkurs der Commerzbank seit Anfang März bereits verdreifachen. Die Continental/Schaeffler Gruppe wollen notgedrungen 5000 Mitarbeiter entlassen. Der Automobilsektor wird in der Krise neu „sortiert“. Während die Elefantenhochzeit VW/Porsche wirtschaftlich durchaus Sinn machen kann, da beide Unternehmensgruppen schon zuvor eng zusammenarbeiten (in kleinen Porsche befinden sich bekanntermaßen schon lange VW-Motoren), ist die Hochzeit unter Pleitekandidaten wie Fiat mit Chrysler und Opel wirtschaftlich fraglich, weil im Grunde nur durch Staatsbürgschaften solche Mega-Deals möglich werden. Für Opel gibt es neben Fiat auch Magna/GAZ als mögliche Braut, wobei die Konzepte sehr unterschiedlich sind. Es ist schon grotesk, das der russische Oligarch Deripaska mit GAZ einen Mega-Deal plant, obwohl GAZ selbst kurz vor dem Konkurs steht. Noch grotesker und absurder ist es, dass General Motors über die Braut zu entscheiden, die selbst dringend Geld brauche um überleben zu können. Auch Fiat hat 6 Mrtd € Schulden. Sicherlich hat Fiat Recht, dass sich gerade in der Krise ungewöhnliche „windows of oppurtunity“ auftun - einige könnten hernach aber auch aus dem Fenster fallen. Man erinnere sich nur an das Desaster von Daimler/Chrysler.

Letztendlich klappen solche Mega-Deals nur, wenn Banken mitspielen und die Megadeals mitfinanzieren, womit sie auch viel Geld verdienen, aber auch verlieren können. Die Commerzbank hat wohl jetzt unter dem Ex-Mega-Deal Schaeffler/Continental nachträglich zu leiden. In Russland will nun die Sberbank dem Oligarchen Deripaska zur Seite stehen, um den Mega-Deal mit Opel zu ermöglichen. Angeblich sollen für Opel 5 Mrd. € geboten werden. Vor einigen Wochen musste er noch mit vielen Banken hart verhandeln, um seinen Aluminiumkonzern RuSAl vor der Insolvenz zu bewahren. Sein geschätztes Vermögen sank von 40 auf 5 Mrd. USD in der Krise. Er ist also einer der Hauptverlierer der globalen Finanzkrise, weil er sich zuvor über Bankkredite gehebelt ein Firmenimperium aufgebaut hat. Auch seinen Anteil an dem österreichischen Baurkonzern STRABAG SE musste er jetzt notgedrungen verkaufen. Hier sollten die Banken auch mehr Verantwortung übernehmen, wenn sie solche Mega-Deals mitfinanzieren. Hier ist aber auch der Staat als Verantwortlicher gefragt, der mit Staatsbürgschaften solche Deals erst möglich macht.

In England haben immer mehr Bürger schon kein Geld mehr, um ein Begräbnis der Verstorbenen finanzieren zu können. In Kalifornien brennen wieder die Wälder und bedrohen St. Barbara, was auch schnell wieder in der Bankenwelt passieren könnte, wenn die Arbeitslosen stark zunehmen und auch gleichzeitig die Unternehmensinsolvenzen. In Russland ging jetzt der Automobilzulieferer Amtel-Vredenstien in Konkurs. Petrochemiewerte wie Kazanorgsintez stehen auch kurz vor der Insolvenz. Die Spreads bei Unternehmensanleihen haben sich zwar abgebaut, die Finanzierung ist aber immer noch immer sehr teuer. Daran ändert auch die Zinssenkung der EZB von 1,25 auf 1% nicht. Trotz der EZB-Zinssenkung stieg der Euro auf 1,36 EUR/USD, was bedenklich stimmt. Ich rechne in den nächsten Monaten mit steigenden Zinsen am langen Ende. Der Bubble bei den Staatsanleihenkursen wird sich wohl im Sommer auflösen.

Die Kursrallye der letzte 2 Monate an den Weltbörsen ist immer noch als Bärmarktrallye einzustufen. Die Kardinalfrage ist, ob wir uns jetzt in einer charttechnischen Situation wie 2000 oder 2003 befinden. Selbst wenn der DAX bis 5200 steigen sollte, was durchaus möglich ist, rechne ich dann aber auch wieder mit starken Korrekturen in den Sommermonaten. Die Frühjahrsrallye hatte ich erwartet und auch vorher „angekündigt“. Die Anleger sollten aber registrieren, dass fundamental von einer Trendwende noch keine Rede sein kann. Demnächst wird sich das Schicksal von General Motors (und Opel) entscheiden. Wenn GM Chapter 11 anmelden muss, hätte dies starke Folgen für die Gläubiger. Zudem rechne ich mit einem Anleihen-Crash in den Sommermonaten oder Herbst. Ein erstes Warnsignal für Sie gibt es schon, wenn der Bund-Future unter 119 geht. Gehen Sie dann beim Bund-Future Short und aus Staatsanleihen heraus. Die Märkte sind heiß gelaufen, sowohl im Aktien als auch im Anleihenbereich. Inflation ist hingegen noch kein Thema.

Daher sollten die Anleger auch in Zukunft die Marktechnik genau beachten. Noch ist der Haussetrend seit Anfang März voll intakt. Der DAX strebt die 5000-er Marke an, wo sich die fallende 200-Tagesline befindet. Bei 520 Indexpunkten streift der DAX den langfristigen Abwärtstrend seit August 2008. Selbst wenn die Marke kurzfristig überschritten wird, glaube ich nicht daran, dass wir im Sommer durchstarten werden. Für die Mondgläubigen: am 9 .Mai ist Vollmond und nach Vollmond kommen oft etwas zeitverzögert Konsolidierungen. Damit Sie auch in Zunft trotz Stress relaxed sein können, ziehen sie den Stopp-loss bei Ihren Aktien nach und gehen erst dann in Liquidität, wenn der kurzfristige Haussetrend verlassen wird. Dies ist beim DAX bei 4700 der Fall, beim S&P-Index bei 880 und bei Dow Jones bei 8200 Indexpunkten. Danach wird es aber zunächst nur „normale“ Konsolidierungen durch Gewinnmitnahmen. So richtig bearish wird es erst, wenn der Dow Jones unter 7600 Indexpunkte oder der S&P unter 800 Indexpunkte fallen sollte. Ich glaube zunächst nur an relativ seichte Korrekturen. Erfreuen uns wieder so lange wie möglich der intakten Frühjahrsrallye trotz schlechter der Konjunkturdaten.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Über die Zukunftschancen der Aktien aus Osteuropa und auch in Afrika – ein Kontinent, der noch entdeckt werden will – können Sie sich informieren bei dem nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar am 27. Mai in Frankfurt/M um 17.30 Uhr (Info und Anmeldung unter www.eaststock.de, dort bei Seminare).

TV-Hinweis:. Das letzte TV-Interview in der 3STABörse am 24. April über Zentralasien (Kasachstan u.a.) können Sie sich jetzt in der ZDF-Mediathek unter www.3Sat.de/boerse runterladen. Die Aktien aus Kasachstan konnten auch schon fast um 50% seit Jahresbeginn zulegen und zählen damit zu den Top-Performern der Welt. Die Empfehlung im letzten NTV-Telebörse-Interview vom 8. Mai um 13.15 Uhr über Russland können Sie nachlesen unter www.teleboerse.de/geldanlagecheck.

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