Sell on May and go away?

Drucken Speichern

Freitag, 01. Mai 2009 18:28:00

Der Wonnemonat Mai ist für Anleger oft der Monat, in dem Gewinne nach einer Frühjahrsrallye mitgenommen werden. Von daher kommt auch der Ausspruch „Sell on May and go away“. Auch im letzten Jahr gab es die höchsten Kurse an den meisten Weltbörsen Mitte Mai. So lag die Moskauer Börse im letzten Jahr im Mai noch mit 5% vorne, bevor sie dann in den Monaten August bis Oktober um über 70% im Gleichklang mit den Weltbörsen abstürzte. In diesem Jahr stiegen die Kurse an der Moskauer Börse sogar um über 30% seit Jahresbeginn im Durchschnitt und zählt damit wieder zu den Top-Performern unter den Weltbörsen. Nur Aktien aus Peru, China und Pakistan konnten besser performen (alle Indices >30% seit Jahresbeginn). Einige Aktien, die auch im EAST STOCK TRENDS empfohlen wurden, konnten ihre Kurse sogar mehr als verdoppeln wie die Medienaktie CTC Media. Aber auch die liquiden Rohstoffwerte konnten im Kurs deutlich zulegen.

Dabei waren die meisten Quartalszahlen und Fundamentaldaten in Russland keineswegs so, dass man an einen neuen Wirtschaftsaufschwung glauben konnte. Im Gegenteil: das BSP-Wachstum brach im 1. Quartal mit 9,5% minus weit mehr ein als erwartet. Auch der Haushalt wies ein Loch von über 9% des BIP aus, nachdem in den Vorjahren immer Haushaltsbilanzüberschüsse erzielt wurden. Ein Problem ist auch die steigende Arbeitslosigkeit und die hohe Inflationsrate von 14%, was zu sozialen Verwerfungen und Protesten auf der Strasse führen könnte. Auch in Russland müssen die meisten Industriekonzerne entweder Kurzarbeit anordnen oder die Mitarbeiter entlassen. Ein „Bankenrun“ konnte durch die Eingriffe des Staates bisher vermieden werden. Russland besitzt immer noch nach China und Japan die drittgrößten Währungsreserven der Welt, wobei sich die Währungsreserven infolge der Rubelkrise bis Februar schon gedrittel hatten.

Allerdings erholte sich der Ölpreis von den Tiefstkursen von 35 auf über 50 USD/Barrel und auch einige Rohstoffpreise wie Kupfer und Nickel konnten im März/April um über 20% zulegen. Durch den gestiegenen Ölpreis konnte sich auch der Rubel wieder stabilisieren, der sich zuvor bis Februar im freien Fall befand und über 30% an Wert verlor. Auch konnte die Kapitalflucht vermindert werden. Gazprom meldeet immerhin einen Rekordgewinn für 2008 von 30 Mrd. USD, wobei der Quartalsgewinn m 4. Quartal von 8 Mrd. USD positiv überraschte. In diesem Jahr rechnen Analysten aber mit einem Umsatz- und Gewinneinbruch aufgrund der deutlich geringeren Energienachfrage infolge der Rezession. Auch mit Gazprom ließen sich in den letzten beiden Monaten schon Trading-Gewinne von über 30% erzielen.

Ausschlaggebend für den Kurssprung in den Monaten März/April waren aber auch die Kapitalzuflüsse bei „BRIC“-Fonds und die größere Risikobereitschaft der Fondsanleger, die die hohen Barreserven zu Käufen nutzten. Die prozentual höchsten Kurssprünge wurden an den Börsen in Rumänien und Ukraine erzielt (>40%), wobei die Aktien zuvor auch bis Februar zu den Top-Verlierern unter den Weltbörsen zählten. Zu einer bemerkenswerte Kursrallye kam es auch bei den in London gehandelten GDR aus Kasachstan, was auch das Thema bei meinem Interview am 24. April in der 3SATBörse (www.3sat.de/boerse) war. Auch hier dominieren Rohstoffwerte den KTX-Index, der ein Kunstprodukt der Wiener Börse für Aktien aus Kasachstan ist. Aber auch die zentralosteuropäischen Börsen Warschau, Prag und Budapest konnten in den letzten beiden Monaten kräftig zulegen.

Wer in Osteuropa Geld anlegen will, muss aber immer auch die globalen Entwicklungen und Kapitalströme in Betracht ziehen. Auch in anderen Ländern sind die Wirtschaftsprognosen für dieses Jahr nicht rosig. In Deutschland und in den USA wird ein Minus beim BSP von 6% erwartet, was die schärfste Rezession in der Nachkriegszeit ist. Dabei ist der Konsum noch erstaunlich stabil, auch weil der Ölpreis sich mehr als halbierte. Der stark gefallene Ölpreis ist bisher das stärkste „Konjunkturprogramm“ und auch einer der Gründe, warum der Konsum bisher noch nicht so eingebrochen ist. Nach den Mega-Konjunkturprogrammen stellt sich nun weltweit die Kardinalfrage; wann „die Pferde wohl saufen“ werden. Ich persönlich rechne noch mit keinem Wirtschaftsaufschwung im zweiten Halbjahr, was die Weltbörsen im Moment aber zu antizipieren scheinen.

Ich rechne mit weiteren Insolvenzen und Zwangsmergern im angeschlagenen Automobilsektor. Chrysler machte den Anfang mit der Insolvenz, wo nun Fiat rettend einspringt. Opel könnte durch den größten Automobilzulieferer der Welt Magna im Verbund mit russischen Investoren gerettet, wobei wohl auch der Staat mithelfen muss. Der nächste Wackelkandidat von Bedeutung ist General Motors. An Chrysler/GM hängen durch Automobilzulieferbetriebe mehr als 2 Millionen Personen, die arbeitslos werden könnte. Das ist ein gewaltiger sozialer Sprengstoff nicht nur für die USA, sondern die ganze Welt.

Die sich jetzt weltweit ausbreitende Schweingrippe hat die Börse bisher ignoriert, wobei etwas über 120 registrierte Fälle noch nicht als so besorgniserregend wahrgenommen werden. Man muss abwarten und genau beobachten wie schnell und stark sich der Virus weltweit ausbreitet, wobei die USA besonders gefährdet sind, weil es dort viele Mexikoreisende gibt. Einige Pharmawerte wie Roche / Glaxo-Smith-Line und Unternehmen, die einen Mundschutz herstellen, werden von dem umgehenden Schweinegrippevirus profitieren. Gelangt er nach Indien oder Afrika, könnte dies verheerende Wirkungen haben, dann auch für die Weltbörsen. Zudem werden in den nächsten Monaten einige Belastungsproben an die sozialen Einrichtungen wie Krankenkassen und Arbeitsämter zukommen. Die Krankenkassen in Deutschland haben schon ein Defizit von über 3 Mrd. € gemeldet, die nun der Staat zwischenfinanzieren muss. Es wird also ein „heißer Sommer“ werden. Auch ist noch völlig ungeklärt, wie zu einem die Billionen an Staatsanleihen platziert werden können und zum anderen wie die ausufernde Mega-Verschuldung jemals wieder abgebaut werden kann. Ich rechne mit steigenden Zinsen in der zweiten Jahreshälfte, obwohl Inflation noch kein Thema sein wird. In den USA sind die Zinsen bei den langfristigen Staatsanleihen schon kräftig angestiegen, während die 10-jährigen Bundesanleihen noch stabil bei 3,15% auf niedrigem Niveau rentierien. Anleger sollten schon jetzt den Bund-Future beachten und bei unter 121 short gehen. Eine Fortsetzung der Kursrallye ist nur über eine Gesundung des Bankenmarktes und der Beendigung der weltweiten Kreditklemme möglich.

Die US-Regierung unterzieht gegenwärtig alle US-Banken einem „Stresstest“, um auch Worst-case-Szenarien einzubeziehen. Die US-Regierung kam zu dem Ergebnis, dass die Citibank und Bank of America Kapitalerhöhungen machen müssen, um den Stresstest zu bestehen; dies könnte die zuletzt stark gestiegenen Kurse wieder drücken. Der Kurs der Citibank hatte sich zuletzt ausgehend vom Februar-Tief vervierfacht und der Kurs der Deutsche Bank AG stieg um 160%. Hier schlummern aber immerhin noch nach den IWF-Angaben 4 Billionen USD „Giftmüll“ in den Bankbilanzen. Durch die Bilanzhilfen stimmt im Moment keine Bankbilanz mehr. Angesehene Privatbanken wie SAL Oppenheim schreiben jetzt sogar rote Zahlen und müssen Mitarbeiter entlassen. Immerhin glaubt Josef Ackermann, in diesem Jahr wieder eine Eigenkapitalrendite von 25% erwirtschaften zu können, wobei zuletzt die guten Quartalsergebnisse überwiegend durch steigende Bondkurse im Eigenhandel zustande gekommen sind. Anleger müssen jetzt genau beobachten, wie hoch die Kreditausfallquote in den nächsten Monaten sein wird, wobei hier amerikanische Banken wesentlich gefährdeter sind. Auch muss sorgsam beobachtet werden, ob die Immobilienpreise in den USA weiter fallen oder sich stabilisieren. Bisher sind die Immobilienpreise um 30% in den USA gesunken, was der auslösende Faktor für die Schieflagen bei den Banken weltweit war und ist.

Aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Zukunft sollte sich der Anleger weiter von der Markttechnik leiten lassen. Die Stimmungsindikatoren waren im März so niedrig, dass eine Bärmarktrallye wahrscheinlich war. Die Stimmungsindikatoren liegen trotz der Rallye immer noch überwiegend in der „Kaufzone“. Der DAX schloss am 30. April mit einem Plus von 1,38% bei 4769 Indexpunkte und der S&P-Index stagnierte bei 872 Indexpunkten fast auf Vortragsniveau. Damit setzt sich der Haussetrend seit Anfang März fort und bescherte beim DAX einen neuen Höchstkurs innerhalb der Bärmarktrallye. Dies war sogar der stärkste Kursanstieg in der Nachkriegszeit in den Monaten März/April auch an der Wallstreet. Dabei konnten die meisten Ostbörsen den DAX und auch den S&P wiederum klar outperformen. Ich rechne in den nächsten Wochen aber mit kräftigen Korrekturen. Gewinne sollten daher zum Teil realisiert werden Das erste Warnsignal entsteht aber erst, wenn der DAX unter 4500 Indexpunkte oder, noch gewichtiger, der S&P unter 820 Indexpunkte gehen sollte. In diesem Fall sollten sie auch an den Ostbörsen vermehrt in Liquidität gehen. Gold ist bei steigenden Aktienkursen wenig gefragt, da die Angstprämie wegfällt. Gold fiel am 30. April auf 883 USD/Unze. Wenn der Goldpreis unter 850 USD/Unze fallen sollte, droht ein Einbruch bis auf 800 USD/Unze, was viele Goldanhänger überraschen dürfte. Der Bund-Future sieht bei unter 121 bearish aus. Unter 121 also shorten.

Erst wenn der S&P unter 820 Indexpunkte fällt bzw. der DAX unter 4500 Indexpunkte, heißt es für Sie also „Sell on may and go away“. Bis dahin sind die Aktien auch in Osteuropa noch gute Haltepositionen. Eine Fortsetzung der Bärmarktrallye und sogar ein DAX von 5000 Indexpunkten ist durchaus möglich. Erst dann kommt die eigentliche“ Stunde der Wahrheit“ (Trendwechsel oder Fortsetzung des Bärmarktes), weil dann der DAX auf die 200-Tgaeslinie trifft, die immer noch im Fallen begriffen ist. Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Über die Zukunftschancen der Aktien aus Osteuropa und auch in Afrika – ein Kontinent, der noch entdeckt werden will – können Sie sich informieren bei dem nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar am 27. Mai in Frankfurt/M um 17.30 Uhr (Info und Anmeldung unter www.eaststoc.de, dort bei Ostbörsen-Semianre).

TV-Hinweis:. Das letzte TV-Interview mit Andreas Männicke in der 3STABörse am 24. April über Zentralasien (Kasachstan u.a.) können Sie sich jetzt in der ZDF-Mediathek unter www.3Sat.de/Börse runterladen. Die Aktien in Kasachstan stiegen übrigens auch schon in diesem Jahr um über 20% im Durchschnitt, obwohl der Bankensektor unter der Krise nach wie vor stark leidet. Auch hier gilt aber der Grundsatz: „In der Krise liegt die Chance“.

Anzeige
 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

Archiv

31.07.17 Automobilbranche in der Vertrauenskrise – wo bleibt die Moral der Manager?
23.07.17 Drohen jetzt neue Wirtschaftskriege oder sogar ein Börsen-Crash?
25.06.17 Neue Bankenpleiten in Südeuropa
28.05.17 G7 und Trump: Einer gegen alle, alle gegen einen!
08.05.17 Vive la France, aber nach der Wahl ist vor der Wahl

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)