Schließt die Finanzcasinos!

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Freitag, 13. Februar 2009 22:57:00

Barack Obama konnte zwar den ersten Etappensieg verbuchen; ihm ist aber selbst bewusst, das es sich um einen sehr beschwerlichen Marathonlauf handelt. Immerhin ist sein 790 Mrd. Konjunktur-Programm trotz starker Proteste der Republikaner durchgekommen. Die Rede von dem neuen US-Finanzminister Geithner enttäuschte zwei Tage zuvor die Anleger. Eine Bad Bank, die zum Teil vom Staat und zum Teil von Privaten getragen wird, könnte eine vorübergehende Lösung sein. Damit bekommt man aber nicht die Kuh vom Eis. Eines dürfte in der letzten Woche klar geworden sein. Obama und auch Finanzminister Geithner werden in diesem Jahr zu sehr unbequemen Maßnahmen gezwungen sein, die nicht im Sinne der Wall Street sein werden.

Die meisten Wall Street-Akteure scheinen immer noch nicht begriffen zu haben, wie Ernst die Lage in den USA ist. Es besteht sogar die Gefahr, dass 1000 Banken Pleite gehen können; bisher sind „erst“ 34 Banken seit 2008 und in diesem Jahr 8 Banken in den USA in die Insolvenz gegangen, aber die Insolvenzwelle rollt unaufhörlich weiter. Die Arbeitslosenzahlen werden weiter steigen und der Konsum dürfte abnehmen. In New York müssen viele Nobel-Läden auf der 5th Avenue jetzt schließen und Mitarbeiter entlassen. Die Unternehmensgewinne dürften in den USA mehr einbrechen als zuvor angenommen. Schon im 4. Quartal 2008 schlossen die S&P-Unternehmen per saldo mit einem Verlust. Allerdings sind Discounter jetzt gefragt, denn auch das amerikanische Volk muss und will jetzt sparen. Pepsi Cola und Coca Cola konnten den Gewinn noch um 10% steigern und sind relativ krisenresistent. Und dennoch wird der Konsum irgendwann dramatisch einbrechen. Der renommierte US-Ökonom Shiller hält sogar eine Depression für möglich. Eine Depression ist aber in den Aktienkursen in den USA noch nicht eingepreist. Andere US-Ökonomen wie Nouriel Roubini glauben daran, dass sich die USA frühestens im Jahr 2011 erholen kann. In dieser harten Zeit der Markt-Bereinigung im Banken- und Versicherungssektor und der Mega-Staatshilfen wird immer wieder wohl öfters auch die „Systemdiskussion“ aufkommen. Ich erwarte vor allem weitere Hiobsbotschaften im Versicherungssektor wegen der Hybrid-Produkte. Der englischer Versicherer Lloyds ha schon den Anfang gemacht und einen Verlust von 10 Mrd. € gemeldet. Der Kurs brach um über 35% am Freitag ein.

Obama hat schon den ausufernden Boni bei den Banken den Kampf angesagt. Deutsche Banker wie die Investmentbanker der Dresdner Bank Wasserstein AG wollen ihre Boni in Höhe von 400 Mio. € zur Not einklagen und schafften es damit recht unrühmlich auf die Seite 1 der Bild-Zeitung. Die zuvor sehr arrogant aufgetretenen Banker aus England wurden jetzt ganz kleinlaut, ebenso die Banker der Citbank und Bank of Amerika, die nur durch einen letzten Kraftakt in letzter Minute gerettet werden konnten. Einen Rekordverlust von über 4 Mrd. € meldete auch die Credit Suisse, Ausgerechnet die angesehenen Schweizer Banker lagen also in 2008 völlig daneben. Auch hier versagte das Risikomanagement und es mangelte an Durchblick für die komplexen Produkte, was schon sehr verwundert, da Schweizer Banken eher konservativ anlegen. Von den deutschen Landesbanken wollen wir erst gar nicht reden.

Nun wird möglicherweise die Hypo Real Estate AG doch verstaatlicht, was zu einem Totalverlust für die Aktionäre führen kann. Die Steuerzahler, bürgen schon mit 100 Mrd. €. Wie viel will der Staat noch nachschießen – ein Fass ohne Boden! Viele britische und amerikanische Banken sind faktisch bankrott. Im Grunde ist fast das ganze amerikanische Bankensystem bankrott. Anstelle die Havard-Absolventen mit Doktorhut in die Abteilungen des Risikomangements zu schicken, wurden sie im Investmentbanking angeheuert, um möglichst undurchschaubare Produkte zu konstruieren, was ein Billionengeschäft war. Der Schuss ging nun nach hinten los. Ebenso gehören aber auch die Käufer dieser toxischen Prokte auf die Anklagebank, denn die Banken zerstören ganze Volkswirtschaften. Dabei hatte die RBS sehr gute Analysten im Haus. Die RBS war mit die erste Bank, die schon Mitte letzten Jahres einen Kursverlust von über 20% beim S&P, also einen Crash, vorhersahen, nur wollte wohl der eigene Vorstand seinen Analysten nicht glauben. Auch jetzt kommen aus dem Hause der RBS die düstersten Prognosen für die USA. Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen schmeißen. Die RBS kann froh sein, wenn sie die nächste Pleitewelle, die komme wird, überlebt.

Zu den vermeidbaren Risiken kommen jetzt auch die Risiken für notleidende Unternehmens- und Konsumentenkredite. Die bisherigen Rekordverluste sprechen zwar schon eine deutliche Sprache, der wahre Abschreibungsbedarf ist aber wohl noch wesentlich höher. Barclays konnte noch mit einem künstlichen Gewinn von 6 Mrd. Pfund (7 Mrd. €) überraschen, weil sie Teile der insolventen Lehman Brothers preiswert erwerben konnten. Fast alle anderen Banken melden aber Rekordverluste in 2008, wobei ich bezweifele, dass damit schon alles abgeschrieben ist. Die Deutsche Bank AG meldete einen Rekordverlust von 3,9 Mrd. € für 2008. Die UBS schaffte im 4. Quartal einen Rekordverlust von 5,4 Mrd. € und im Gesamtjahr 2008 von 13 Mrd. €. Dennoch will die Bank hohe Boni für „verdiente“ Mitarbeiter auszahlen.

Selbst die sonst so angesehenen und allseits verehrten Manager der US-Elite-Universität Harvard verloren im letzten Jahr 22% und damit 6,2 Mrd. € an Vermögen. Dabei gilt die Havard Management Company als vorbildliches Investmenthaus und ist bekannt für eine ausgewogene Vermögensaufteilung. Ein Viertel der TOP-Investment-Profis muss jetzt den Hut nehmen

In Deutschland gab das BIP im 4Q08 um 2,5% nach, was bereits ein starker Konjunktureinbruch ist. Der Anlagenbau und er Export nahmen stark ab. Nun beginnt allmählich auch das Sterben von mittelständischen Traditionsunternehmen wie Märklin, Schiesser und Rosenthal - und das alles in einer Woche. In Australien starben 150 Personen durch einen Flächenbrand. Das hat leider Symbolkraft. Es ist noch immer ungewiss, ob die Regierungen der Welt jetzt mehr Öl oder Wasser ins Feuer gießen mit den Mega-Konjunkturprogrammen, die zudem wirkungslos sein könnten. Was dann bleibt, ist die Verschuldung und dann ist am letzten Ende der Steuerzahler gefragt. Es könnte zu starken Protesten auf der Straße und Umverteilungsdiskussionen kommen. Dass nun ausgerechnet die Schaeffler-Gruppe einen Mrd-Kredit vom Staat bekommt, ist nicht nachvollziehbar und macht das Volk wütend. In Hamburg gingen Gewerkschaftler der HSH Nordbank schon auf die Strasse mit den Spruchbändern wie „Schließt die Finanzcasinos, denn sie vernichten massenweise Arbeitsplätze“. Sie mögen damit Recht haben.

Die Wall Street scheint die Gefahren jetzt zu ahnen und war am 12. Februar bis 1 Stunde vor Handelsschluss kurz vor dem Absturz als die (vom PP-Team gestreute) Meldung über die Hilfe bei den Hypothekeninhabern für einen furiosen Schlussspurt sorgte. Der Dow Jones fiel am 12. Februar unter die charttechnisch wichtige Marke von 7850 Indexpunkten bis auf 7700 Indexpunkte. Danach schien aber das „Plunge Protection Team“ aktiv zu werden und „gegen zu steuern“. Short-Seller wurden aus den Markt geworfen, so dass der Dow Jones in einer Stunde um über 200 Indexpunkte von 7700 auf 7932–Indexpunkte hochschnellte. Damit wurde der Dow nur knapp vor dem Absturz gerettet, der aber in den nächsten närrischen Woche in den noch geöffneten Finanzcasino erfolgen kann. Unter 7700 Indexpunkte besteht akute Absturzgefahr, dann auch für den DAX und anderen Weltbörsen. Am Freitag den 13., schloss der Dow Jones fast unverändert zum Vortag mit Minus 22 Punkten bei 7909 Indexpunkten und der DAX leicht im Plus bei 4413 Indexpunkten. 100 Punkte darunter wird es für beide Indices sehr bearish.

Die Moskauer Börse war hingegen in der letzten Woche trotz Rubelkrise und des schwachen Ölpreises in der letzten Wochen einer der am besten performenden Börsen der Welt. Der RTS stieg von unter 500 auf über 600 Indexpunkte um 20%, so dass nur noch ein Minus von 3,2 seit Jahresbeginn verblieb. Mitte Januar war der RTS noch mit über 20% im Minus. Auch allen anderen Ostbörsen gaben bis Ende Januar kräftig um 15 bis 25% nach. Die Moskauer Börse ist aber außerordentlich volatil. Ich bleibe bei meiner Prognose der volatilen Seitwärtsbewegung für dieses Jahr, was aber auch gute Trading-Chancen von 20-30% in wenigen Tagen eröffnet. Einige Rohstoffwerte stiegen sogar um über 30% an einem Tag, nachdem sie bis Mitte Januar um 20-30% eingebrochen waren- ein Eldorado für Trader! Sogar auch einige Ölwerte konnten sich kräftig erholen, obwohl der WTI-Ölpreis mit 42 USD/Barrel immer noch ein sehr niedriges Niveau hat. Vielleicht gelingt jetzt verspätet das Decoupling einiger Emerging Marktes. Die Börsen in China und Brasilen sind schon im Plus und Moskau könnte noch folgen, wobei auch die bilaterale Beziehung Russlands zu den USA mit dem dialogfähigen Obama besser werden könnte. Im All hat es allerdings schon gekracht: ein russischer und amerikanischer Satellit prallten frontal aufeinander und schwirren nun in ihren Einzelteilen im All herum. Hoffentlich hat nicht auch das Symbolwirkung. Auch im All scheint man den Überblick zu verlieren.

Wie geht es weiter? Nach dem Mondkalender wird es weiter abwärts gehen. Nächste Woche stehen uns närrische Tage auch an der Börse bevor. Bleiben Sie lustig. Ein geeigneter Karnevalsspruch für die Büd´ wäre: „Und die Moral der Geschicht´, traue einem Banker nicht, denn wenn es regnet, lässt er dich sowieso im Stich!“. Aber wir haben nun einen großen staatlichen Regenschirm, unter dem aber leider nicht alle Platz haben.

Fazit: Fällt der Dow Jones nachhaltig unter 7700 Indexpunkte, könnten die Bullen und das letzte Woche sehr erfolgreich agierende „Plunge Protection Team“ kapitulieren. So richtig gefährlich wird es aber erst bei einem Dow Jones von unter 7500 Indexpunkten, denn dann ist eine neue Tsunami-Welle an den „Finanzcasinos“ im Anmarsch. Viele erkennen den Ernst der Lage immer noch nicht so richtig. Wir wissen jetzt nach den Horror-Monaten Oktober und November 2008 ganz genau, wie solche Kapitulationsphasen aussehen können.

Insofern sollten auch an den Ostbörsen die schönen Trading-Gewinne vor allem an der Moskauer Börse mitgenommen und mehr in Liquidität gegangen werden, wobei Goldaktien aufgrund des gestiegenen Goldpreises weiter gefragt sein könnte. Der Goldpreis stieg auf ein neues Jahreshoch von 948 USD/Unze um am Freitag wieder auf 941 USD/Unze leicht zu konsolidieren. Ich bleibe weiter bullish für Gold und Silber. Auch defensive Titel wie Telekomaktien könnten relativ stabil bleiben. Ein Balanced Portfolio zwischen Dividendenpapieren und Unternehmensanleihen ist aussichtsreich. Ich propagiere weiterhin eine Multi-Asset-Management-Strategie nach dem Absolute Return-Ansatz mit Alternativen Investments (Hedgefonds), Private Equity. Gold, Holz und einen aktiven Trading-Ansatz bei den Emerging Market-Aktien. Fast alle diese Module waren im letzten Jahr im Plus. Einige Empfehlungen diesbezüglich sind im neuen EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) nachzulesen. Es wird weiter volatil bleiben, solange die Finanzcasinos noch geöffnet sind. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.)

TV-Hinweise: Das letzte TV-Interview vom Autor in NTV/Telebörse vom 4. Februar über Ost-Währungs-Zertfikate können Sie sich runterladen unter http://www.teleboerse.de/1097581.html und das letzte Interview mit dem Autor über die Auswirkungen der Rubelkrise im DAF unter www.anleger-hernsehen.de (dort unter Suchfunktion „Männicke“ eingeben. Das nächste TV-Interview mit dem Autor ist am 4. März in NTV/Telebörse.

Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an.

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