Schließt die Börsen und trauert mit Polen!

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Sonntag, 11. April 2010 12:06:00

Ich wollte mich gestern gerade daran setzen und Ihnen die guten Investment-Möglichkeiten an den Ostbörsen, vor allem auch an der Warschauer Börse, aufzeigen, da ereilte mich die Schreckensnachricht, dass der polnische Präsident Lech Kaczynski mit seiner Frau und auch der Zentralbankchef Slawomir Skrzypek beim dem tragischen Flugzeugabsturz beim Landeanflug in Smolensk unweit der polnischen Grenze ums Leben kam. Zum einen fehlen einen bei einem solchen Ereignis, dass für Polen ein zweites Katyn, also ein Massensterben der polnischen Intelligenz, bedeutet, ohnehin die Worte. Zum anderen zeigt so ein Ereignis einmal wieder auf, wie nachrangig Börsenentwicklungen in Relation zum „wahren Leben“ sind. Erfreuen Sie sich also, soweit vorhanden, Ihrer Gesundheit und freuen sich der Gesundheit und dem Wohlergehen anderer. Das ist wichtiger als Börse!

Mein Apell ist daher: schließt die Ostbörsen und auch die deutsche Börse morgen für 1 Gedenk-Tag in Verneigung und in Anteilnahme am polnischen Volk, das geschockt ist. Der polnische Präsident Lech Kaczynski war ein Freidenker; er war – auch in Polen - nicht unumstritten, aber er hatte im Sinne der Polen immer wieder auf die historischen Bezüge auch gegenüber Deutschland aufmerksam gemacht. Die Ironie des Schicksals ist, dass im Herbst Präsidentschaftswahlen in Polen stattfinden und auch sein postkommunistischer Widersacher im Flugzeug ums Leben kam.

Es ist bemerkenswert, dass sich das historisch komplizierte Verhältnis der Deutschen zu den Polen und nun auch das ebenso komplizierte Verhältnis der Russen zu den Polen zunehmend entspannt. Versöhnung unter den Völkern ist ein großes Wort und dies ist etwas, was man sich vielerorts auf der Welt wünscht, dass dies möglich wird, auch in anderen Konfliktregionen der Welt wie im Nahen Osten. Versöhnung öffnet neue Möglichkeiten für alle Beteiligten. Das Bekenntnis zur historischen Verantwortung war der erste Schritt zur Versöhnung, den Primier Putin und auch Angela Merkel, wenn auch nur zögerlich, schon gegangen sind.

Es sind übrigens immer Politiker, die über Krieg und Frieden entscheiden und damit auch über das Vorhandensein von emotionalen Barrieren zwischen Völkern entscheiden. Damit haben Sie auch persönliche Verantwortung von Klischees, die in den Medien weiter transportiert werden. Hoffentlich werden sie dieser Verantwortung auch in Zukunft gerecht. Die Wahrheit ist, dass sowohl Polen mit Russen als auch Deutsche mit Polen insbesondre an der künstlich von Politkern geschaffenen Grenzen sehr friedvoll und harmonisch miteinander leben können und dies auch täglich praktizieren.

Die persönliche Umarmung vom polnischen Primier Trusk und russischen Primier Putin gestern an der Stätte des Flugzeugabsturzes in Smolensk und die echte Anteilnahme kann – hoffentlich - einiges mehr bewirken als finanzielle Zuwendungen. Lech Walesa meinte, dass nun zweiten Mal am fast gleichen Ort die politische Elite Russlands gestorben und damit ein zweites Katyn entstanden ist. Unter den 100 Toten befanden sich in der Tat fast ausschließlich polnische Kompetenzträger, die für Polen sehr wichtig sind und dessen Lücke nur schwer zu schließen ist, ganz abgesehen von den persönlichen Schicksalen der betroffenen Familien.

Wenn man an einem solchen Tag überhaupt an Börse denkt will, dann doch nur, dass man jeden Tag dankbar über die Friedensdividende unter versöhnten Völkern sein kann. Dass diese Friedensdividende nicht selbstverständlich ist und auch über Nacht verloren gehen kann, hatte der 11. September 2001 aufgezeigt. Auch in Thailand und Kirgisien sehen wir Bilder, die wenig an eine „Friedensdividende“ erinnern, wobei Obama demnächst die Iran-Problematik „klug“ und nicht militärisch lösen muss. Der Kaukasus bleibt ebenso wie Iran, Irak und Pakistan ein Pulverfass.

Schließen wir morgen also einmal die Börsen und trauern mit den Polen, einem friedlichem Volk, dass lange Zeit unter dem Nichtvorhandensein einer Friedensdividende litt und in den letzten Jahren – auch für ein friedliches Europa – Beachtliches geleistet hat. Chapeau Polen!

p.s: wer unbedingt Börsenrelevantes zu Polen und den aufstrebenden Ostbörsen lesen will, bestellt jetzt den EAST STOCK TRENDS, der morgen erscheint unter www.eaststock.de

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