Schicksalswahl in Griechenland und für den Euro-Raum

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Samstag, 16. Juni 2012 13:11:00

Die Euro-Krise gewinnt an Dynamik. Die Parlamentswahl am 17. Juni in Griechenland wird als „Schicksalswahl“ nicht nur für Griechenland selbst, sondern auch den Euro bezeichnet. Das Wahlergebnis und die Konsequenzen des Wahlergebnisses werden sich auch unmittelbar auf die Börsenkurse niederschlagen. Es kann dramatisch werden, wenn es wieder eine Patt-Situation ohne Einigung gibt. Wenn sich aber eine „Koalition der Vernunft“ bilden kann und Griechenland das Sparprogramm der Troika billigt und umsetzt, kann es auch eine fulminante Erleichterungsrallye an der Börse geben, die durch ein Short-Squeeze unterstützt wird.. Es gibt auch Spekulationen, dass sich die konservative Partei Nea Dimokratia als Sieger aus der Wahl hervorgeht. Auch das würde die Börse begrüßen.

Aber nicht nur in Griechenland brodelt es gewaltig, sondern auch in Spanien, Italien, Frankreich und Zypern. Zypern könnte das nächste Land sein, was unter den europäischen Rettungssschirm muss. In Zypern werden Milliarden von Russengeldern bewegt und zum Teil auch gewaschen. Es ist für mich unbegreiflich, wieso zumindest Zypern nicht die Finanzindustrie und die Broker durch eine Finanzmarktabgabe abschröpft. Ob die Finanzmarkttransaktionssteuer den erforderlich Geldsegen in Europa bringen wird und ob sie überhaupt sinnvoll ist, sei einmal dahingestellt. Warum führt aber Zypern das nicht als erstes ein, wenn dort die Kassen so leer sind?

In Spanien gibt es jetzt einen Bankenrun bei einigen Banken, was das Eigenkapitalproblem verschärft. Es besteht die Gefahr, dass nicht nur die spanischen Banken, sondern auch Spanien unter den europäischen Rettungsschirm muss. Moodys hat die spanischen Staatsanleihen fast auf Ramschniveau herabgestuft. Das Rating ist jetzt schlechter als in Uganda! Damit wird nun auch Spanien schwerer fallen, sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Auch die Zinsen von italienischen und französischen Anleihen steigen jetzt wieder an. Das mag eine Zeitlang gutgehen, aber nicht auf Dauer. Nächste Woche müssen wieder spanische Anleihen platziert werden und man darf gespannt sein, zu welchen Konditionen dies geschieht.

Der nächste große Wackelkandidat vor der Tür ist dann Italien. Italien wäre mit fast 2 Billionen € Schulden zu groß für den europäischen Rettungssschirm. Die Zinsen und CDS-Prämien für italienische Anleihen und spanische Anleihen steigen stark an. Je höher aber die Zinsen steigen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Spanien/Italien aus der Rezession herauskommen. Spanien wird höhere Haushaltsbilanzdefizite haben und Frankreich unter Hollande wohl auch. Geht das überhaupt: wachsen und sparen gleichzeitig? Das Baltikum macht es gerade vor, dass es geht. Dort gibt es ein BSP-Wachstum von über 55 und den ein fast ausgeglichener Haushalt. Chapeau! Man muss es nur wollen, auch unpopuläre Maßnahmen umsetzen.

Gefährlich wäre es, wenn es zu einem Bunkenrun in ganz Europa gäbe, denn dann könnte kein europäischer Rettungssschirm mehr helfen, dann wären viele Banken auch durch die Dominoeffekte pleite. Gefährlich wäre auch schon eine Pleitewelle bei griechischen und spanischen Banken mit enormer Ansteckungsgefahr für europäische Banken. Ich habe schon in meinen letzten Kolumnen angedeutet, dass das System schnell kippen kann, wenn einige wichtige Dominosteine kippen würden. Auch für Deutschland wäre die Solidarhaftung dann eine zu große Belastung und auch hier könnte das System kippen. Dieser Gefahr sind sich heute noch nicht viele bewusst, da Deutschland doch die Konjunkturlokomotive in Europa ist mit den geringsten Arbeitslosenzahlen. Schon Eurobonds oder der jetzt wieder heiß diskutierte Schuldentilgungsfonds wäre eine erhebliche Mehrbelastung für jeden deutschen Steuerzahler in Zukunft.

Der Euro ist bekanntlich ein politisches Kunstprodukt, der zwar viele Vorteile bietet, aber den Euroländer, die dauerhaft nicht die Wettbewerbsfähigkeit haben, nun in Schwierigkeiten bringen, da sie nicht abwerten können. Sie sind im Euro-Korsett gefangen und die Misere verschärft sich dadurch in den Ländern. Es gibt nicht die Möglichkeit der Währungspolitik. Wie aber bekommen wir jetzt die Kuh vom Eis? Einige linke Griechen sagen: das Geld von Europa wollen wir gerne, aber es wird nicht zurückgezahlt. Dann kann man das entweder unter innereuropäischer Erpressung oder unter Entwicklungshilfe abbuchen.

Es bleiben die Probleme der anderen südeuropäischen Länder, aber auch die Verschuldungsprobleme in den USA und in Japan. Wann läuft das Fass über? Jeder neue Rettungssschirm löst das Problem nicht, sondern verschiebt es nur in die Zukunft. Keiner wird später zurückzahlen können. Kann aber Deutschland für alle haften und bürgen?

Auch in Griechenland ist es nach wie vor unbegreiflich, dass auch nach 2 Jahren (intensiver??) Suche die Milliarden auf Schweizer Konten noch nicht gefunden wurden. In Griechenland gibt es keine Marktwirtschaft. sondern eine „Clan-Wirtschaft“, wobei das meiste Geld auf Auslandskosten ist. Solange dies nicht unterbunden und wieder zurückgeführt wird, kann es in Griechenland nicht vorangehen, ganz egal wie jetzt die Wahl ausgeht. Die Kapitalflucht nimmt nach dem Bankenrun in Griechenland eher zu als ab. Die Griechen plündern jetzt ihre Banken, weil sie das Vertrauen vollends verloren haben.

Die deutsche Regierung will nun den ESM und den Fiskalpakt für alle europäischen Länder rechtlich verbindlich festschreiben. Im Grundsatz befürworte ich die Selbstverständlichkeit, dass das Wachstum nicht dauerhaft auf Pump finanziert werden sollte. Aber ich begreife nicht, dass selbst die Bundesregierung im Haushalt eine doppelt so hohe Neuverschuldung anstrebt. In einer Wachstumsphase, wo sich Deutschland noch befindet, sollte der Haushalt zumindest in der Planung keine Neuverschuldung vorsehen, sondern es sollte ein ausgeglichener Haushalt präsentiert werden. Man kann nicht über einen Fiskalpakt reden und ihn selbst in guten Phasen nicht umsetzen. Hier sollte Deutschland Vorbild und führend sein. Auf Deutschland kommen noch sehr viel größere Belastungen in Zukunft zu, ganz abgesehen vom demographischen Wandel, der die zukünftige Generation belasten wird. Der Sozialstaat ist enorm kostspielig. Die Garantiesumme im europäischen Rettungsfonds wird jetzt immer größer, nachdem spanischen Banken unter den Rettungsfonds kommen, denn dann fällt Spanien als Garant aus. Man kann nicht Gelder aus dem Rettungsfonds beanspruchen und selbst für die Rückzahlung garantieren. Auch Italien und Frankreich werden hier noch ins Wanken kommen. Und was bleibt dann übrig? Deutschland als Zahlmeister für ganz Europa!?

Die Mehrheit der Deutschen wollen die DM wieder haben und dies empfehlen sogar einige namhafte US-Ökonomen als beste Lösung. Dann aber würde der Export nach Europa einbrechen, da die DM zu stark aufwerten würde. Es ist die Frage, ob die Bundesbank dann so stark ist wie die Schweizer Notenbank, die den Schweizer Franken bei 1,20 EUR/CHF zementiert

Die Diskussion um Eurobond und des Schuldentilgungsfonds ist eine nachträgliche Prämierung der Schuldensünder der Vergangenheit. Auch in einem Schuldentilgungsfonds müsste festgelegt werden, dass die südeuropäischen Länder selbst mehr zurückzahlen müssen. Sicherlich muss mehr Solidarität in Europa eingefordert werden. Dies darf aber nicht so aussehen, dass Schuldensünder für ihre Sünden der Vergangenheit nicht belangt werden können. Zudem wird der Druck geringer, für die notwendigen Strukturreformen zu sorgen.

Die Gedanken um eine Bankenunion, einer europäischen Finanz- und Bankenaufsicht, einen europäischen Rettungsfonds für Banken und auch eine Vereinheitlichung der europäischen Steuergesetze bis hin zu einer europäischen Regierung sind im Grundsatz zu befürworten; nur wird es noch ein weiter Weg sein, sie umzusetzen. Europa als Einheit bleibt ein Vision. Es können auch gegenteilige Bewegungen in Krise an Gewicht gewinnen wie nationalistische Alleingänge bis zum Schließen der Grenzen. Das war es dann wohl mit dem Traum eines „Vereinten Europas“. Der Euro hat jetzt gleichermaßen Integrations- und Sprengkraft. Wollen wir hoffen, dass die zentrifugalen Kräfte durch die Schuldenexplosion nicht überhand nehmen.

Beim nächsten G20 Gipfel wird es auch um die Beruhigung der Finanzmärkte gehen. Es gilt auch ,ein Lehman II zu vermeiden, wofür die Notenbanken Sorge tragen werden. Es geht aber auch um Lösungen im arabischen Raum. In Syrien tobt ein Bürgerkrieg. In Ägypten könnte es zu Unruhen kommen, da das Verfassungsgericht die letzte Parlamentswahl für ungültig erklärt hat. Auch hier muss wohl neu gewählt werden. Auch die Iran-Atomproblematik ist noch nicht gelöst. Hier könnte Russland eine Mittlerfunktion einnehmen. Auch einen Eskalation im arabischen Raum, insbesondere eine kriegerische Auseinandersetzung im Iran, könnten die Börsen negativ beeinflussen.

Was mir fehlt für eine glaubhafte Wachstumsstory ist die Förderung von Aktienkapital, Private Equity und Venture Capital, das 10-mal besser ist als irgendwelche staatlichen Kreditbanken. Nicht Schulden können das Probleme lösen durch neue Schulden, sondern der Einsatz von Eigenkapital. Zudem fordere ich mehr persönliche Haftung und Verantwortung bei den Vorständen. Wir brauchen wieder mehr innovative, aber auch zuverlässige und verantwortungsbereite Entrepreneure à la Schumpeter vor allem im Mittelstand, um eine Wachstumsstory glaubhaft aufzubauen. Staatliche Notprogramme und Wachstumsfinanzierung auf Pump führen ins Verderben. Das ist ordnungspolitisch alles machbar, wird aber nicht gemacht.

So ist es ordnungspolitisch ein Fehler, Kreditzinsen steuerlich absetzbar zu machen. Dies führt auch in Dänemark zu einer Inflationierung von Hypotheken. Wie das in den USA endete, wissen wir alle. Besser wäre es, die Eigenkapitalbildung und hier insbesondre die Aktienkapitalbildung und die Eigenfinanzierung steuerlich zu begünstigen, was aber schon durch die Abgeltungssteuer konterkariert wird. Die Finanzmarkttransaktionsteuer wird nicht den erwarteten Effekt haben und es kann schon gar nicht retten. Man sollte Anreize dafür schaffen oder Möglichkeiten finden, die Billionen € auf Schweizer Konten und anderen Steueroasen entweder aufzudecken oder wieder in die Kreislauf als Real-Investitionen zu bringen. Auch das wäre machbar, wird aber nicht gemacht. Warum eigentlich nicht?

Ich rechne in naher Zukunft mit einer konzertierten Aktion der großen Notenbanken der Welt, falls es in Griechenland zu keiner „europafreundlichen“ Regierung kommen kann. Deswegen stieg auch der Dow Jones Index schon am 14. Juni um 150 Indexpunkte. Falls es nun noch am 17. Juni zu einem positiven Wahlausgang kommen sollte, dürften die Kurse explodieren. Der DAX reagierte am Donnerstag noch sehr verhalten und schloss am Donnerstag noch leicht im Minus bei 6138 Indexpunkten. Am Freitag stieg er aber auch um 1,47% auf 6229 Indexpunkte, weil sich auch hier nun auch in Deutschland das Gerücht durchsetzte, dass die Notenbanken die Schleusen am Montag weit aufmachen werden, falls es in Griechenland zu einem politischen Debakel kommen sollte. Am Freitag waren fast alle Weltbörsen hoffnungsvoll im Plus. Trotz schwacher US-Konjunkturdaten – das US-Verbrauchervertrauen nahm wieder ab – stieg der Dow Jones um 0,88% auf 12.767 Indexpunkte. Sogar der Loser Facebook konnte in den letzen beeiden Handelstagen um 8% ansteigen. Auch die Ostbörsen konnten am Freitag deutlich zulegen. Der russische RTS-Index stieg um 2,29% auf 1339 Indexpunkte. Sogar der Euro blieb zum Dollar stabil bei 1,26 EUR/USD. Ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Sie sollten nach dem steilen Kursanstieg bis Mitte März und der jetzt laufenden Konsolidierung gerade jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS beschreibe. Achtung: jetzt beginnt die Zeit der „Schnäppchenjäger“! Der sehr treffsichere ESI-Seminar-Indikator steht auf „Buy“! Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen. Dort können Sie auch nachlesen, wer Fußball-EM-Meister wird. Sportwettenanbieter haben jetzt Hochkonjunktur! Die Fußball-EM-Droge sollte Sie aber nicht zu stark vom realen Geschehen in der Wirtschaft ablenken. Bleiben Sie in jedem Fall am Ball!

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 8. Juni 2012 im DAF anlässlich der Fußball-EM über die Chancen in Polen/Ukraine befragt und am 23. Mai 2012 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) von Dr. Bernd Jünemann über die Chancen in Osteuropa, insbesondere in Russland. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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