Rettet China den Euro?

Drucken Speichern

Samstag, 28. Mai 2011 12:03:00

China will angeblich einen Großteil der portugiesischen Anleihen, die im Volumen von 80 Mrd USD refinanziert und damit auch platziert werden müssen, aufkaufen. In einer ersten Tranche sollen zunächst 3-5 Mrd. USD von den sogenannten ESFR-Portugal-Anleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren gekauft werden, was auch als Vertrauensbeleg für den Euro gilt. Damit könne auch China eine Sprengung des Euros vermeiden, wenn sie es wollen.

China hat aufgrund des zunehmenden Exports nach Europa ein großes Interesse an einem stabilen Euro. Zudem hat China jetzt fast 3 Billionen USD an Währungsreserven, wobei die chinesische Notenbank jetzt offensichtlich außer in Gold mehr in den Euro diversifizieren möchte. Dies könnte den Dollar mittelfristig schwächen und den Euro stärken, was am Freitag schon der Fall war.

Der IWF will hingegen Griechenland keine Kredite mehr gewähren, wenn Griechenland weiterhin gegen die Auflagen verstoße. Erforderlich sei jetzt eine Privatisierung im Volumen von 50 Mrd €. Der griechische Präsident Papandreou hat angekündigt, dass Griechenland schon in wenigen Wochen zahlungsunfähig sei. Der Staat hat Schulden von 340 Mrd. € und Griechenland ist nach wie vor in einer Rezession. Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 16%, inoffiziell ist sie wesentlich höher, vor allem bei der Jugend. Der Sparkurs forciert die Depression im Land. Die Rating-Agenturen sorgen zusätzlich für Druck auf die ohnehin hohen Zinsen. Ein Teufelskreis.

Jetzt verschärft sich auch die Kapitalflucht in Griechenland, was normalerweise zu einem Kursverfall bei der Währung führen würde. Griechenland steckt aber in einem zu engem Euro-Korsett und kann sich durch eine Abwertung nicht befreien, wie es Russland bei der Rubel-Krise 1998 konnte. Auch damals gewährte der IWF Russland keine Kredite mehr und ließ Russland damit fallen. Die Folgen waren zunächst schmerzlich im ersten Jahr, langfristig aber gesund und notwendig. Schauen Sie sich an, wie gut Russland jetzt nach der brutalen Rubel-Abwertung um über 70% in 1998 dasteht. Die Auslandsschulden betragen nur 7% des BSP, wovon die USA und erst recht Griechenland träumen würden. In Moskau leben die meisten Milliardäre der Welt. Nach Forbes gibt es 79 Milliardäre, die in Moskau leben. Vor zehn Jahren kam die Hälfte der Milliardäre aus den USA, heuet ist es nur noch ein Drittel. In Asien leben mehr Milliardäre als in Europa. Damit hat Moskau auch New York wieder überrundet, was zeigt, dass sich auch nach einem Rubel-Schock wieder selektiv Reichtum bilden kann, auch in Griechenland, obwohl die Greichen keine Rohstoffe haben wie Russland.

Die Bankeinlagen in Griechenland nehmen immer mehr ab. In den letzten 18 Monaten sind die Bankeinlagen in Griechenland um 38 Mrd € geschrumpft. Wo sind sie nur geblieben? Angeblich haben die Griechen schon jetzt über 260 Mrd € in der Schweiz geparkt. Die beiden größten Schweizer Banken verwalten allein 20 Mrd € von Geldern aus Griechenland. Warum wird sowas dauerhaft zugelassen? Diese Gelder müssen aufgedeckt und wieder zurückgeführt werden, denn dies sind immerhin 120% des BSP. Schon dadurch könnte Griechenland gerettet werden. So arm ist Griechenland also nun auch wieder nicht. Zudem muss das griechische Steuersystem noch effizienter und das Sozialsystem westeuropäischen Standards angepasst werden. Solange das nicht passiert, bleibt Deutschland der Zahlmeister Europas.

Die Schweiz bleibt derweil das Auffanggecken für Fluchtkapital der ganzen Welt, auch aus Russland, den USA und Deutschland. Wenn hier die Schweizer Banken „mitmachen“ würden und die Liechtensteiner und Luxemburger auch, könnte so mancher Staat wesentlich besser dastehen. Dies wird in Zukunft auch die USA betreffen. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass der Schweizer Franken aufgrund der großen „Kapitalflucht-Nachfrage“ von einem Hoch zum nächsten jagt, sogar gegenüber dem Euro. Am Freitag stieg der Schweizer Franken auf das neu historische Hoch von 1,21 EUR/CHF. In einem Jahr fiel der Euro zum Schweizer Franken von 1,44 auf 1,22 EUR/CHF. vor drei Jahren befand sich der EUR nach bei 1,60 EUR/CHF. Insofern war auch der Schweizer Franken aus Sicht der EWU-Länder in den letzten 3 Jahren eine gute Geldanlage. Die Schweiz wird im Moment (noch) als der sichere Hafen betrachtet, was wiederum aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz im Export beeinträchtigt.

Auch Studenten fliehen ins Ausland, das sie in Griechenland keine Zukunft sehen. 70 Prozent der Hochschulabsolventen wollen in Griechenland wegen der drohenden Staatspleite und schlechten Zukunftsaussichten auswandern. Dies wird das Land zusätzlich schwächen. Es ist ein Teufelskreis, aus dem Griechenland nur durch externe Hilfe wieder raus kommen kann. Wo aber ist der „geordneten Insolvenz- bzw. Umschuldungsplan“. Solange dieser nicht vorliegt, werden die Aktienmärkte immer wieder negativ durch die G-Krise negativ beeinflusst werden.

Aber auch die USA werden in Refinanzierungsprobleme kommen. Die Frage ist dann aber, wer demnächst den 7 Billionen USD an US-Staatsanleihen aufkauft, die platziert werden müssen. Dagegen sind Griechenland- und Portugal-Anleihen für China 8und andrere Anleihenkäufe nur „Peanuts“.

Nun sollen die Spanier wieder an dem EHEC-Virus schuld sein, der sich rasant ausbreitet und für Todesfälle sorgt. Die spanischen Gurken sind also genauso zu meiden wie spanischen Anleihen. Den Schaden haben die deutschen Bauern. Spanien hat eine Jugendarbeitslosigkeit von 40%, Italien von 25%. Hier bahnt sich die nächste Katastrophe schon jetzt an, Gurken hin, Gurken her.

Die G 8 kamen in Frankreich zu einem 40 Mrd USD Unterstützungsprogramm für den arabischen Raum, insbesondere für Tunesien und Ägypten. Dies soll nach Angela Merkel vor allem für die Ausbildung der Jugend und Schaffung von Arbeitsplätzen für die Jugend ausgeben werden. Dies wäre im Grundsatz der richtige Ansatz. Hoffentlich verschwindet das Geld aber nicht wieder in dunklen, pseudo-demokratischen, arabischen Kanälen. Zudem sollen die gleichen Stresstest für Atomkraftwerke in allen G 8 Nationen jetzt stattfinden. Einhellige Meinung war, dass Gaddafi abtreten muss und auch die Gewalt in Syrien aufhören muss. Die NATO bombardiert weiter Tripolis – ohne Gaddafi zu treffen. Insgesamt waren die G 8 aber zahnlose Tiger. Es erinnerte mehr an einem erholsamen Strandurlaub als an ein wesentliches Arbeits-Treffen der 8 bedeutendsten Industrienationen, wo ohnehin China fehlte. Das G8 Treffen in Frankreich war daher auch ein Non Event für die Börse. Wichtiger wird das nächste G 20 treffen, denn ohne China läuft nichts mehr in der globalen Politik.

Serbien will den Ex-General Mladic an den Kriegsverbrecher-Gerichtshof nach Den Haag ausliefern. Damit steigen die Chancen für Serbien baldigem EU-Beitritt. Dies ist auch eine Chance für Anleger. Die Börse Belgrad ist schon jetzt mit einem Plus von 22% seit Jahresbeginn einer der Top-Performer der Weltbörsen in diesem Jahr. Hier gab es auch im Mai kaum Kursverluste, während die Kurse an der Moskauer Börse um über 10% im Mai einbrachen.

Die Aktien- und Rohstoffmärte profitierten am Freitag von einem schwächeren Dollar, der auf 1,43 EUR/USD absackte. .Der DAX stieg um 0,69% auf 7163 Indexpunkte und der Dow Jones Industrial Index um 0,31% auf 12441 Indexpunkte. Gold erhöhte sich um 1% auf 1535 USD/Unze, Silber um 1,45% auf 37,91 USD/Unze, Kupfer um 1,4% auf 9215 USD/Tonne und Aluminium um 2,33% auf 2634 USD/Tonne. Auch der Ölpreis konnte zulegen und zwar der WTI-Ölpreis um 0,44% auf 100 USD, während der Brent-Ölpreis bei 115 USD/Barrel stagnierte. Von den gestiegenen Rohstoffpreisen profitierte wiederum auch die Moskauer Börse. Der RTS-Index stieg am Freitag um 2,2% auf 1858 Indexpunkte. Gazprom konnte sogar um 3,29% auf 10,15 € zulegen.

Nach dem Bubble bei der „Globalisierungsaktie“ Linkedin, die am Freitag auch um 2% auf 88 USD anzog, nutzte nun die größte russische Suchmaschine Yandex die Gunst der Stunde und ging an die NASDAQ. Das IPO war ein voller Erfolg und mehrfach überzeichnet. Was von der neuen russischen „Globalisierungs-Aktie“ zu halten ist, können Sie im neuen EAST STOCK TENDS nachlesen. Jetzt ergeben sich auch neue Chancen in Albanien und der Mongolei auf, die Sie auch im EAST STOCK TRENDS nachlesen können.

Mein Motto bleibt daher gerade jetzt: Go east!“. Nachzulesen sind die neuen Chancen auch im aktuellen EAST STOCK TRENDS (EST). Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abos des EST (3 Ausgaben per e-mail zu 15 €) unter www.eaststock.de.

TV-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 27. Mai 2011 im DAF über die Aussichten von Gazprom befragt. Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

Anzeige
 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

Archiv

31.07.17 Automobilbranche in der Vertrauenskrise – wo bleibt die Moral der Manager?
23.07.17 Drohen jetzt neue Wirtschaftskriege oder sogar ein Börsen-Crash?
25.06.17 Neue Bankenpleiten in Südeuropa
28.05.17 G7 und Trump: Einer gegen alle, alle gegen einen!
08.05.17 Vive la France, aber nach der Wahl ist vor der Wahl

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)