Raus aus Anleihen, rein in Aktien!

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Samstag, 27. März 2010 13:19:00

Die Wall Street konnte letzte Woche neue Jahreshöchststände erreichen und damit auch die anderen Weltbörsen mit nach oben ziehen. Der Dow Jones Industrial Index erreichte 10.850 Indexpunkte. Seit dem Februartief betrug das Plus immerhin schon 8,5%. Damit befinden sich der Dow Jones jetzt seit Jahresbeginn mit 4% und die NASDAQ sogar mit 5,6% m Plus. Nachdem die Gesundheitsreform vom Kongress abgesegnet wurde, stiegen vor allem Gesundheitsaktien stark an. Der Dow Jones ist jetzt schon 4 Wochen in Folge im Plus. Die Anleger setzten auf einen Konjunkturaufschwung in diesem Jahr. Das BSP-Wachstum betrug in den USA im 4. Quartal 2009 immerhin 5,6%, wobei das Verbrauchervertrauen immer noch sehr niedrig ist.

Sogar der FTSE 1000-Index für britische Aktien konnte trotz großer Haushaltsprobleme um 5,8% steigen. Auch der Schweizer Markt konnte seit Jahresbeginn um 5,32% zulegen, womit Aktien jetzt schon mehr stiegen als Anleihen. Der Nikkei-Index ist mit einem Anstieg von 3,5% auf 10.969 Indexpunkte relativer Underperformer unter den großen Weltbörsen. Der Dow Jones und Nikkei-Index könnten aber schon ball die 11.000-Markre überschreiten und damit die Frühjahrsrallye fortsetzen.

Aber auch der DAX markierte mit 6139 Indexpunkten ein neues Jahreshoch. DAX stieg damit um 11% in einem Monat und 3% seit Jahresbeginn. Durch die guten Vorgaben von der Wall Street wurden auch die Ostbörsen mit nach oben gezogen, wobei einige Ostbörsen wiederum gegenüber dem DAX deutlich outperformen konnten. Unter den Ostbörsen ist bisher die Börse Kiew mit einem Plus von 61% beim PFTS-Index der unangefochtene Top-Performer unter den Weltbörsen. Aber auch die Budapester Börse sorgt weiterhin für „Paprika“ in Ihrem Depot mit einem Plus von 18% seit Jahresbeginn. Die Moskauer Börse konnte zwar auch um 4,9% zulegen, aber noch nicht wieder neue Jahreshöchstkurse erreichen.

Viele institutionelle Anleger wie Versicherungen und Pensionskassen, die bisher den Kursanstieg verschlafen haben, kommen nun enorm unter Performancedruck, zumal das Performen mit Staatsanleihen in Zukunft zunehmend schwierig sein wird. Deutsche Versicherungen sind bisher nur mit 3% in Aktien investiert, was die niedrigste Quote aller Zeiten ist, wobei früher bis 2003 schon Aktienquoten von 25% erreicht wurden. Die Versicherungen sind also weiterhin extrem defensiv aufgestellt, wobei ich mich frage, ob sie sich damit einen Gefallen tun. Die Umlaufrendite beträgt in Deutschland nur 2,79%. Mit 2 jährigen Anleihen wird weniger verdient als mit guten Dividendenpapieren. Ich würde mich daher nicht wundern, wenn demnächst auch bei den Versicherungen und Pensionskassen das Motto ausgerufen wird: „Raus aus Anleihen und hinein in Qualitätsaktien mit hohen Dividendenrenditen“. Natürlich nicht vollständig, aber doch mit einem höheren Prozentsatz. Wenn dies nur mit einem Bruchteil gemacht wird. Wäre dies schon eine starke Stütze für den Aktienmarkt.

Unterstützt wurden die neuen Jahreshochs durch die politisch vereinbarte Rettung Griechenlands vor der Pleite. Der EU-Gipfel in Brüssel beschloss, dass Griechenland im Notfall durch bilaterale Kredite in Kombination mit IWF-Krediten geholfen werden soll. Griechenland muss noch Anleihen im Volumen von etwa 60 Mrd USD in diesem Jahr platzieren, um die auslaufenden Kredite zurückzahlen zu können. Die bisherigen Anleihenemissionen waren sogar jeweils mehrfach überzeichnet. Das Beispiel Griechenland zeigt deutlich, dass Staatsanleihen keinesfalls der für ewig „sichere Häfen“ sind, denn Ähnliches könnte ganz schnell auch Großbritannien oder sogar den USA passieren, wenn die neu auf den Markt herauskommenden Anleihen nicht hinreichend gezeichnet werden. Großbritannien droht zudem eine Herbstufung des „AAA“-Rating aufgrund der zu hohen Haushaltsbilanzdefizite und nicht erkennbaren Sparprogramms. Dies würde aber einer „Entadelung“ gleichkommen und könnte sogar größere Wirkungen haben als die Herbstufung der griechischen oder portugiesischen Anleihen.

Insgesamt wird die von mir angekündigte Frühjahrsrallye getragen von guten Konjunkturaussichten in diesem Jahr. Die Allianz erwarte für Deutschland jetzt sogar ein Wachstum von 2,3%. In den USA kann das Wachstum sogar 5% betragen. Für Russaland und Ukraine werden nach den herben Wirtschaftseinbrüchen in 2009 nun auch wieder BSP-Wachstumsraten von 5% erwartet. Die Auftragseingänge sind im Januar fast überall stark gestiegen. Die Industrieproduktion dürfte sogar noch mehr steigen. Aber auch dies sind nur weitere Schritte zur Normalisierung.

Große Sorgen bereiten weiterhin die großen Haushaltsbilanzdefizite bei vielen Ländern der Welt und die mögliche Herbstufung des Anleihen-Ratings, was Fitch bei Portugal schon vollzogen hat. Nun droht aber auch die Herbastufung der britischen Anleihen, da auch hier das Haushaltsbilanzdefizit ebenso wie in Griechenland 13% des BSP beträgt. Hier wollen die Rating-Agenturen aber erst die Parlamentswahlen abwarten und dann beobachten, welches Sparpaket die neue Regierung konkret vorlegen wird. Auch Portugal bereitet ein Sparprogramm vor. Das gleiche „Spiel auf Zeit“ wird in Dubai gespielt. Die Dubai Holding wird vom Staat einen Kredit von 9,5 Mrd USD bekommen, Damit wird die Dubai-Holding, die mit 59 Mrd. USD in der Kreise steht, zunächst nicht Pleite gehen. Damit werden akute Verschuldungsprobleme aber nur in die Zukunft verschoben. Das Übel wird nicht an der Wurzel gepackt, sondern es werden nur Beruhigungspillen verteilt. Anleger zeigten sich beruhigt. Der Aktienindex in Dubai stieg seit dem 13. März von 1600 auf 1800 Indexpunkte.

Die USA, EU und UK werden in diesem Jahr Anleihen im Rekordvolumen von 4,5 Billionen Dollar herausgeben. Es fragt sich nach wie vor, wer das alles kaufen soll. Immerhin wollen die Chinesen jetzt doch wieder amerikanische Anleihen kaufen, was auch ein Politikum ist. Streiken die Chinesen bei Anleihenkäufen, hat das Weltfinanzsystem ein Problem. Einziger Ausweg wäre dann die FED. Aber wie wird die FED später die Billionen an US-Anleihen wieder los und wie wird das Geld wieder abgepumpt ? Hier entsteht gerade ein gewaltiger Anleihen-Bubble. Käufer dieser Anleihen sind vor allem Banken, die sich noch zinsgünstige bei der Notenbank refinanzieren können. Dadurch entstehen sogar hohe Gewinne im Eigenhandel. Das geht aber nur so lange gut, solange die FED oder EZB die Zinsen nicht anhebt.

Die meisten Großbanken verdienen jetzt wieder Mrd-Beträge; auf der anderen Seite geht das Bankensetreben bei kleineren Banken in den USA weiter. In der vergangenen Woche gingen schon wieder 4 weitere Banken in den USA Pleite, womit sich die Zahl der Bankpleite auf 41 erhöht. Die Assets der insolventen Banken haben aber nur ein Volumen von jeweils 90 bis 500 Mio. USD, was zu verkraften ist. Seit 2008 sind damit schon 206 Banken in den USA Pleite gegangen. Weitere 600 von über 8000 Banken sind in den USA noch von der Insolvenz bedroht. Problemtisch sind auch noch die beiden Hypothekenfinanzierer Fannee Mae und Freddie Mac. AIG scheint sich durch Verkäufe von großen Aktienpakten wie in Asien im Volumen von 32 Mrd USD allmählich gesund zu schrumpfen. „Downsising“ ist also weiterhin das Erfolgsgeheimnis, um aus den Klauen des Staates herauszukommen. Es ist sehr bedeutsam, wie schnell der Bankensektor gesundet und das Eigenkapital erhöht, denn dann können auch wieder mehr Risiko-Kredite gegeben werden.

In Deutschland sind weiterhin die Hypo Real Estate und die Commerzbank AG die Sorgenkinder. Die HRE machte letztes Jahr einen Verlust in Höhe von 2 Mrd €. Bei der Commerzbank macht sich der Bund Sorgen, dass er die vereinbarten Zinsen termingerecht ausgezahlt bekommt. Es bleibt alles ein „Tanz auf dem Vulkan“. Die Thema Haushaltskonsolidierung und Bankensanierung wird uns also weiterhin beschäftigen. Bundesfinanzminister Schäuble freut sich derweil über 11200 Selbstanzeigen von Steuerflüchtigen, die bis zu 1 Mrd € in die leere Staatskasse spielen können. Der kriminelle Datenklau hat sich also für den deutschen Staat gelohnt.

Im Moment setzen die Anleger aber auf die erhoffte Konjunkturerholung, die wiederum auch den Banken helfen würde. Wenn der Dow Jones demnächst die 11.000 Marke und der DAX 6200 überschreiten sollte, werden auch die Ostbörsen weiter anziehen und die Frühjahrsrallye wird sich dann fortsetzen. Bei einem starken Dollar werden wiederum Aktien- und Rohstoffmärkte weiter steigen und umgekehrt.

Wenn der Euro unter 1,33 zum Dollar fällt, wäre dies gute für Aktien- und Rohstoffmärkte. Der Euro konnte sich zwar zuletzt leicht auf 1,34 zum Dollar erholen, aber das britische Pfund bleibt angeschlagen. Wird etwa Soros es noch mal wagen, das Pfund auf der Shortseite anzugreifen? Aber auch der Euro könnte schnell wieder an Wert verlieren, wenn weitere Probleme bei den südeuropäischen Problemländern auftauchen, was nicht unwahrscheinlich ist. Havard-Ökonomen Martin Feldstein ist hingegen der Auffassung, dass der Euro schon bald wieder auf 1,60 EUR/USD steigt, weil die Inhaber von Dollar-Reserven allmählich in Euro umtauschen werden. Auch die OPEC-Länder sowie Russland und China machen sich Gedanken, wie sie die Dollarabhängigkeit in Zukunft vermeiden können. Eine beachtenswerte, aber gewagte These.

Ich erwarte zunehmende Konflikte der USA mit China wird im März übrigens aufgrund der enormen Rohstoffimporte zum ersten Mal seit 6 Jahren ein Handelsbilanzdefizit ausweisen. China ist also nicht nur Export-, sondern auch neben den USA Import-Weltmeister. Dennoch wird die USA weiter auf einen Aufwertung des Yuan drängen. Da steckt viel politischer Sprengstoff drin. Die EU wird weiter mit den „PIGS“ kämpfen. Wenn eine Stabilisierung gelingt, wird auch wieder der Euro steigen. Bei über 1,38 wird es durch Short-Eindeckungen einen starken Euro-Anstieg geben, noch ist aber der Dollar-Long-Trend intakt. Bei unter 1,33 EUR/USD lohnen sich weitere Dollar-Longpositionen.

Der Ölpreis blieb relativ stabil bei 80.82 USD/Barrel und der Goldpreis könnte weiter mit der 1100 USD/Unzen-Marke. Bei einem Ölpreis in von unter 77 USD/Barrel dürfte der Ölpreis stark korrigieren und bei über 83 USD/Barrel stark steigen. Von einem hohen Ölpreis profitiert wiederum besonders die Moskauer Börse. Durch die Peak-Oil-Theorie in Kombination mit ausgeblieben Großinvestitonen im E&P-Bereich in 2008/2009 stehen die Chancen gut, dass der Ölpreis schon bald die Hürde von 83 USD/Barrel nehmen kann. Hiervon würde besonders die Moskauer Börse profitieren.

Auch das Abkommen zwischen Obama und Medwedew bezüglich des historischen Abrüstungsvertrages am 8. April in Prag macht Hoffnung. Fraglich ist aber, was die USA mit dem Iran bei dem Atomprogramm (militärisch) vorhaben. Russland und die USA wollen am 8 April in Prag einen historischen Abrüstungsvertrag unterzeichen und dabei bei Sprengköpfen die Obergrenze um ein Viertel und bei Trägersystemen um ein Viertel reduzieren. Klar, bei beiden Ländern ist die Staatskasse leer und dennoch wird für Rüstung am meisten ausgegeben, in en USA sogar über 500 Mrd USD, In Russland aber nur über 30 Mrd. USD. Das kann sich heute keiner mehr leisten, zumal Medwedew das Geld dringend zur Modernisierung der wirtschaft benötigt.

Die US-Raketenabwehr soll in den Vertrag integriert werden. Man darf gespannt sein, was sich Obama und Medwedew da ausgedacht haben. Sicherlich müssen sie sich dabei auch auf einen gemeinsamen Iran-Deal einigen und es bleibt abzuwarten, welche Annäherung hier möglich ist und wie China darauf reagieren wird. Für eine Annahme des neuen Start-Abrüstungsvertrags braucht Obama im Senat zudem eine Zwei-Drittel-Mehrheit mit 67 Stimmen. Die Republikaner zeigen sich noch skeptisch und fragen sich, ob Obama gegenüber Medwedew nicht zu große Zugeständnisse macht. Die Moskauer Börse dürfte in den nächsten Wochen wieder in den Fokus der Anleger kommen.

Verpassen Sie jetzt die großen Chancen an den Ostbörsen nicht. Nach der Korrekturphase, bestehen wieder gute Einstiegschancen vor allem in Russland. Verpassen Sie dabei die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (EST) unter www.eaststock.de. Die beiden Osteuropa-Muster-Basket des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 153% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 239% erzielen, Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen besten realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East! wird am 20. Mai 2010 in Frankfurt/M um 17.00 Uhr stattfinden (siehe www.eaststock.de). Am 7. Mai wird ein Emerging Market Seminar in München in Kooperation mit Florian Schulz vom Emerging Market Trader stattfinden. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-.Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

TV-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 17. Februar 2010 im DAF über die Ostbörsen Ukraine, Kasachstan und Georgien befragt. Die letzten TV-Interviews über die Ukraine und Russland von 2. und 8. Februar in N-TV/Telebörse können Sie sich jetzt bei dem Link unter www.eaststock.de in der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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