Plan B: Rettet Russland Zypern?

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Mittwoch, 20. März 2013 20:16:00

Das Parlament Zyperns stimmte am 19. März überraschend mit 36 Stimmen und 19 Enthaltungen gegen den EU-Vorschlag, die Sparer bei den Banken mit einer Zwangsabgaben von 6-13% zu versehen, obwohl Kleinanleger bei dem Vorschlag der Regierung bis zu 20.000 € von der Zwangsabgabe ausgenommen wurden. Dabei machte die Regierung zuvor in Brüssel selbst den Vorschlag, auch Bankeinlagen unter 100.000 € mit einer Zwangsabgabe zu belasten, um die reichen Oligarchen zu schonen. Banken wollen nun, falls doch eine Zwangsabgabe eingefordert wird, die Anleger mit hochverzinslichen Anleihen oder eigenen Aktien entschädigen.

Jetzt wartet die Troika auf einen neuen Vorschlag der zyprischen Regierung. Dabei geht es zwar „nur“ um ein Hilfspaket im Volumen von 10 Mrd €, was aber 100% des zyprischen BSP ausmacht. Wie in Island und Irland geht es also vornehmlich wieder einmal um die Bankenrettung, wobei es sich dabei aber nicht um systemrelevante Banken für Europa handelt. Dennoch ist die Situation nicht ohne Brisanz, denn im Falle eines möglichen Staatsbankrotts im Mai droht auch ein EU-Austritt von Zypern, was Schule machen könnte im hochverschuldeten südeuropäischen Euroraum. Die Euro-Gruppe in Brüssel ist noch in dieser Woche zu weiteren Verhandlungen bereit, allerdings müsse Zypern jetzt ein neues Angebot machen.

Die Zwangsabgabe ist ohnedies eine neue Dimension in der Krisenbewältigung im Euroraum. Sie stellt faktisch eine Teilenteignung von Privatvermögen durch einen bürokratischen Staats-Akt dar. Dies veranlasst zu der bangen Frage, ob sowas auch in Deutschland oder in anderen Ländern Europas im Notfall denkbar wäre.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank schlägt schon eine Abgabe von 15% aller Finanzvermögen in Italien vor, um die Schuldenquote auf unter 100% zu drücken. Die Boston Consulting Group schlägt eine Enteignung von 30% der Sparvermögen vor, um die Euro-Schuldenkrise zu meistern, wobei für Deutschand nur eine Enteignung von 11% ausreicht. Auch Zwangsanleihen oder Zwangshypotheken wären eine denkbare Variante. 90% der deutschen Anleger sind der Meinung, dass die Spareinlagen in Deutschland aufgrund der großen Bürden, die Deutschland auf sich nimmt, nicht mehr sicher sind. Auch ich sehe mittelfristig direkte oder indirekte Enteignungsprozesse für deutsche Anleger als möglich an, sei es fast unmerklich über Steuererhöhungen und Abgaben an den Staat oder durch einen Vermögensschnitt. Jeder Schuldenschnitt bedeutet immer auch einen Vermögensschnitt. Es kommen also harte Zeiten auf uns zu. Es kriselt unvermindert weiter in Italien, Spanien, Frankreich und Großbritannien, wobei diese Länder noch weit vom Zypern-Status entfernt sind.

Dabei gerät Europa fast unmerklich durch Zypern in eine neue Eskalationsstufe, die sicherlich politisch nicht gewollt war. Das Euro-Krisenmanagement lässt viele Fragen offen. Die in Zypern ebenso wie in Griechenland nunmehr verhasste Angela Merkel musste schon wieder öffentlich beteuern, dass alle Spareinlagen in Deutschland gesichert seien. Damit soll ein Bankenrun vermieden werden, der nun in Zypern aber möglich ist.

Grund der Zwangsabgaben ist der erforderliche Eigenbeitrag von 7 Mrd. €, den Zypern erbringen soll, wenn es einen Kredit von der Troika im Volumen von 10 Mrd. € bekommen will. 1,2 Mrd. € kann Zypern durch Privatisierungen und Steuererhöhungen wohl aufbringen, der Rest von 5,8 Mrd. € sollte durch die Zwangsabgabe der Bankkunden erbracht werden, was ein gefährliches Novum ist. Zypern muss im Mai 17 Mrd € an Anleihen und Krediten zurückzahlen und ist selbst dazu nicht in der Lage. Damit fehlt jetzt die Grundlage der Schuldentragfähigkeit und damit ist jetzt sogar ein Staatsbankrott im Mai möglich.

Nun soll Russland Zypern helfen, den Staatsbankrott und damit die Pleite von fast allen Banken in Zypern zu vermeiden. Auch die christlich- orthodoxe Kirche, die in Zypern zu 77% dominiert, hat sich schon zu Hilfsleistungen geöffnet. Der Erzbischof Chrysostomos II. will sein Land das gesamte Vermögen der orthodoxen Kirche schenken und plädiert für einen EU-Austritt. Dies er nicht ohne Eigeninteresse, denn seine Kirche gehört ein Drittel der drittgrößten Bank, der Hellenic Bank.

Die EZB hält im Moment die beiden größten Banken, die Laiki Bank und die Bank of Cyprus, innerhalb der bestehenden Regeln mit der sogenannten ELA (Emergency Liquidity Assistance) im Volumen von 7,5 Mrd. € am Leben. Dies sind Notkredite für europäische Banken, falls die Banken keine anderen Kredite mehr bekommen. Stoppt die EZB die ELA wären beide Banken sofort insolvent. Die Börse ist genauso wie die Banken bis auf weiteres geschlossen. Es findet also kein Handel statt. Bei Öffnung droht ein Banken- und Börsen-Crash in Zypern. Die Regierung sucht derweilen nach Investoren für die Großbanken. Die Banken sollen jetzt erst am Dienstag wieder geöffnet werden. Bis dahin soll eine Lösung gefunden werden.

Wie kam es überhaupt zu dem Desaster? Zypern ist die drittgrößte Mittelmeerinsel nach Sizilien und Sardinien, die im Jahr 2004 der EU beitrat - wohlgemerkt nur der südliche Teil, den der nördliche Teil gehört zur Türkei. Schon in den 80er Jahren boomte vor allem der Bankenmarkt in Zypern durch Kapital aus den USA und Großbritannien. Seit 1990 kam vor allem russisches Fluchtkapital hinzu, aber auch aus der Ukraine, Serbien und Polen.

Zypern ist als schon lange eine beliebte Steueroase für viele osteuropäische Unternehmer und Privatpersonen, vor allem aber auch für russische Oligarchen. Die zyprischen Banken lockten ihre Bankkunden zudem mit außerordentlich hohen Sparzinsen von zuletzt sogar noch 4,75% p.a., was mehr als Fünffache der deutschen Sparzinsen sind. Dadurch wuchs der Bankensektor sehr stark – zu stark für die kleine, für Europa unbedeutende Volkswirtschaft Zypern.

Der Banksektor macht 70% der Wirtschaftsleistung in Zypern aus. Die hohen Bankeinlagen aus Osteuropa wurden zu einem Großteil in griechischen Anleihen angelegt. Nach dem Schuldenschnitt in Griechenland verloren zyprische Banken mit einem Schlag 4 Mrd €. Wie im Fall von Island und Irland gerät damit eine ganze Volkswirtschaft in Mitleidenschaft des überdimensionierten Bankensektors und läuft Gefahr, ganz Pleite zu gehen. Damit müssten dann wohl auch 60% aller Bankeinlagen abgeschrieben werden. Im Falle eines Bankenruns wäre Zypern sofort pleite und die Bankeinlagen würden verlorenen gehen. Die Banken werden jetzt also bis nächsten Dienstag geschlossen sein und ein Zahlungsverkehr ist bis dahin nicht möglich, was einigen Unternehmen schon Schwierigkeiten bereiten wird. Barabhebungen bis 500 € am Tag sind aber bei den meisten Banken noch möglich, nicht jedoch online-Überweisungen.

Zwei Banken stehen schon vor dem Abgrund und dies ist Bank of Cyprus und dien Cyprus Popular Bank, die voraussichtlich für längere Zeit die Bankschalter schließen müssen. Auf den Bankkonten aller Banken befinden sich über 70 Mrd €. Aber nicht nur Gelder aus Russland, sondern auch aus der Ukraine befinden bei zyprischen Banken und zwar im Volumen von 10 bis 20 Mrd €. Nun drohen Verluste von über 200 Mio. €, wie man aus Kiew zu berichten weiß.

Bankgeschäfte, Immobilien und Tourismus waren die Haupteinnahmequellen Zyperns. Seit 2009 gab es aber auch hier einen Wirtschaftseinbruch und Zypern geriet in eine Rezession, die bis heute anhält. Die Arbeitslosigkeit ist wie in Griechenland extrem hoch. Der Unmut der Bevölkerung richtet sich jetzt aber nicht in erster Linie gegen die neue Regierung, die erst 3 Monate im Amt ist, sondern gegen Europa und hier insbesondere gegen Deutschland. Angela Merkel wird einmal wieder wie in Griechenland mit Hitler verglichen.

Der Finanzminister von Zypern Michael Sarris verhandelt nun seit dem 20. März mit dem russischen Amtskollegen Anton Silianow, dann auch beim Vizeregierungschef Igor Schuwalow über einen Notkredit und andere Möglichkeiten, die Finanzkrise beizulegen. Die ersten Gespräche verliefen allerdings ergebnislos. Schon am Vorabend telefonierte der Präsident Nikos Anastasiadis mit Putin. Der aber ließ verlauten, dass Zypern zunächst eine Vereinbarung mit Europa treffen müsse. Ein Kreditantrag Zyperns in Moskau vom Juli 2012 über 5 Mrd € ist bis heute nicht beantwortet. Zypern bittet jetzt um die Verlängerung eines Kredites von 2,5 Mrd € um 5 Jahre mit niedrigeren Zinssätzen. Russland hatte Zypern schon zuvor einen Notkredit über 2,5 Mrd. € gewährt.

Russland hat auch ein besonderes Interesse, denn viele Geschäftsbeziehungen laufen über Zypern. Zypern hofft aber nun auch, dass die gesamte erforderliche Summe von 17 Mrd. € von Russland übernommen wird im Austausch mit einem Gasdeal mit Gazprom. Die Gespräche sollen nun am Donnerstag fortgesetzt werden.

Zypern ist der Hauptumschlagsplatz für russisches Fluchtkapital aus dem Rohstoffsektor. Fast jeden Tag landet mindestens ein Privat-Jet aus Russland in Nikosia, in den letzten Tagen jedoch viele mehr. In den Monaten Januar und Februar verließen Nikosia laut Spiegel-Online 375 Privat-Jets nach Russland, im letzten Jahr waren es über 3000. Möglicherweise gibt es schon Geheimabsprachen zwischen zyprischen Banken und russischen Oligarchen. Im Jahr 2011 flossen 90 Mrd. USD von Russland nach Zypern und in dem gleichen Jahr sogar 100 Mrd. USD von Zypern nach Russland. Angeblich haben russische Oligarchen Bankeinlagen im Volumen von 28 Mrd USD auf zyprischen Banken. Osteuropäische Unternehmen benutzen oft zyprische Holding-Strukturen zur „Steueroptimierung“ der Konzerne.

Auch russische Broker benutzen Zypern wegen des Doppelbesteuerungsabkommens als Plattform für das Aktiengeschäft in Russland. Auch andere Steueroasen wie British Vergin Islands und Cayman Islands waren und sind auch für russische Hedgefonds beliebt. So ist Zypern auch der größte „Auslandsdirektinvestor“ in Russland, wobei klar ist, dass dies russische Fluchtkapital ist, das gewaschen wurde und wieder als „Investition“ zurückfließt. Der Außenhandel Zyperns mit Russland beträgt nur 1%, so dass solche Geldströme durch den Außenhandel nicht zu erklären sind. Eine Pleite Zyperns würde diesen „angenehmen Geldkreislauf“ empfindlich stören. Man darf also gespannt sein, welche Offerten Russland Zypern jetzt machen will. Diskutiert wird auch die Übernahme von zyprischen Banken durch Gazprom oder Rosneft, was für diese Öl/Gas-Giganten leicht möglich wäre.

Im Gegenzug könnte Zypern mit Lizenzen für die Bohrungen im Gasfeld vor Zypern locken, wo im Jahr 2018 die Gasproduktion aufgenommen werden soll. Vermutet werden dort durch den Fund von dem US-Konzern Noble Energy im Jahr 2011 225 Mrd. Kubikmeter Gas, dies aber in Tiefen von 4500 m unter dem Meeresboden, was die Exploration und Förderung sehr aufwendig macht.

Schäuble sieht einen weiteren Kredit Russlands als möglicher Ersatz für den Eigenbeitrag kritisch, da dies die Staatsschulden Zyperns noch weiter erhöhen würde, so dass die Schuldentragfähigkeit dann nicht mehr gewährleistet sei. So wird nun auch überlegt, die Zwangsabgabe auf Bankanleihen auszudehnen.

Die Aktienmärkte betrachten die Ereignisse in Zypern und den möglichen Bunkenrun in Zypern (noch) als non event. Der DAX stieg am 20. März sogar um 0,7% auf über 8000 Indexpunkte an und auch die Wall Street zeigt sich (noch) nicht beunruhigt. Der Dow Jones stieg am 20. März auf über 14.500 Indexpunkte, wobei hier mehr der Bericht vom FED-Chef Ben Bernanke Beachtung fand. Nach dem Erreichen von neuen Allzeit-Hochs an der Wall Street hoffen nun auch deutsche Anleger trotz anhaltender Zypern-Krise auf neue Allzeit-Hochs. Ganz offensichtlich wird die Aktie jetzt immer mehr als „Krisenanlage“ entdeckt, während Gold an Glanz verliert. Der Goldpreis fiel um 0,4% auf 1605 USD Unze und der Silberpreis um 0,3% auf 28,81 USD/Unze.

Dieser Trend könnte sich aber auch wieder schnell umkehren, wenn die Notenbanken die Droge Geldschwemme absetzen oder unterbinden. Der Bund-Future profitierte am 19. März wiederum von den Unsicherheiten in den Euro-Peripherieländern wie Zypern, denn der Bund Future stieg auf 144,5, gab am 20. März aber auch wieder auf 144,22 leicht nach. 10-jährige Bundesanleihen rentieren nur noch mit einer Rendite von 1,36%, was nahe dem Rekordtief ist. Im Februar erbrachten die Bundesanleihen noch eine Rendite von 1,66%, wobei 3,4 Mrd € problemlos platziert werden konnten. Der Euro konnte um 0,5% auf 1,2950 EUR/USD leicht zulegen.

Der RTS-Index stieg um 1,48% auf 1488 Indexpunkte an und holte damit in etwa das wieder auf, was am Vortag infolge der Zypern-Krise verloren wurde. Offensichtlich rechnet auch die Moskauer Börse mit einem guten Ausgang in Zypern und damit einem Hilfspaket.

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TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 31. Januar 2013 von Dr. Bernhard Jünemann im DAF (www.anleger-fernsehen.de ) über die Chancen in Osteuropa in 2013 befragt. Sie können das Interview jetzt abrufen unter www.eaststock.de , dort unter Rubrik Interviews.

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