Neue Bankenpleiten in Südeuropa

Drucken Speichern

Sonntag, 25. Juni 2017 15:34:00

Die Europäische Zentralbank (EZB) zog am Freitag nach Börsenschluss die Reißleine bei zwei italienischen Großbanken. Nun muss die italienische Regierung eine tragbare Lösung ausarbeiten und vorschlagen. Zuvor wurde die wesentlich größere Bank Monte die Paschi di Siena (MPS) vom italienischen Staat gerettet. In Spanien wurde die bankrotte Banco Popular für 1 Euro aufgekauft, wobei die nachrangigen Anleihen aber verloren gingen.

Diese Bankpleiten zeigen deutlich, dass es immer noch eine Bankenkrise in Südeuropa gibt und einigen Banken nur noch am seidenen Faden hängen. Es gibt immer noch uneinbringliche Kredite im Volumen von 900 Mrd. € in Europa. Die EZB muss jetzt aufpassen, dass es zu keinem Bank Run kommt und eine Pleitewelle in Südeuropa vermieden werden kann.

EZB ordnet die Abwicklung von zwei italienischen Banken an

Zwei italienische Banken sollen auf Anordnung der EZB, die jetzt der Oberaufseher aller europäischen Banken ist, abgewickelt werden, wobei der Modus vivendi noch nicht ganz klar ist. Es droht der Ausfall von ca. 10 Mrd. € an Krediten, falls der Staat nicht einspringt wie bei der Bank Monte die Paschi di Siena (MPS). Die Pleite von zwei weiteren italienischen Banken, namentlich der Volksbank Banco Popolare de Vincenza und der der Veneto Bank aus dem Nordosten Italiens, zeigt deutlich, dass es vor allem in Italien und Spanien immer noch eine ganze Reihe von kleinen und mittelständischen Betrieben und Privatpersonen gibt, die ihre Kredite nicht bezahlen können. Nun ist die große Frage, ob der Staat wie bei der Bank Monte die Paschi di Siena (MPS) wieder eingreifen wird, obwohl zuvor seitens der EU vorgesehen wurde, dass es einen „Bail out“, also ein Eingreifen des Staates ausgeschlossen werden soll und stattdessen die Aktionäre und Anleihenbesitzer in Anspruch genommen werden sollen, nicht jedoch der Steuerzahler. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn es droht im Extremfall ein „Bank Run“ und dann kann es eine Pleitewelle geben, da viele Banken unterkapitalisiert sind. Zudem finden im September Wahlen in Italien statt und da will die Regierung für keine Panik im Finanzsektor sorgen.

Der Steuerzahler wird wieder zur Kasse gebeten

Im Fall der Pleite der Banco Popular aus Spanien gab es (noch) keine Bankenkrise in Spanien hernach, da die Bank Santander die Bank für 1 € aufgekauft hat und damit auch 47 Mrd. € an Schulden übernommen hat. Allerdings gingen die nachrangigen Anleihen verloren. Ein ähnliches Szenario ist jetzt auch denkbar. Erforderlich sind etwa 5-6 Mrd. €, die der Staat aber nur gewähren will, wenn die Banken hernach eine gute Geschäfts-Perspektive, also ein plausibles Geschäftsmodell vorschlagen werden wie es bei der Bank Monte die Paschi di Siena (MPS) wohl der Fall war. Mit der möglichen Bildung einer Bad Bank und dem Verkauf der restlichen, gesunden Teile muss letztendlich doch der Steuerzahler wieder einmal aufkommen, obwohl die EU etwas anderes vorsah.

Die uneinbringlichen Kredite im Südeuropa machen weiter Sorge

Während die italienischen Banken schon zuvor den Stresstest nicht bestanden und wegen zu geringem Eigenkapital und zu hohen uneinbringlichen Forderungen gefährdet waren, bestand die spanische Banco Popular den Stresstest und ging dann dennoch Pleite, was ein erstes Alarmsignal für alle Banken in Europa sein sollte. Insgesamt gibt es immer noch über 900 Mrd. € „Non-Performing-Loans“, also uneinbringliche Kredite, die in diversen Bankbilanzen schlummern. So manche fragen sich jetzt: „Who´s next?“ - wer ist also der nächste Pleitekandidat im Bankensektor. Auch die HSH Nordbank ist aufgrund der Ausfälle bei den Schiffskrediten scher angeschlagen.

EZB manipuliert dien Anleihenmarkt

Durch die Nullzinspolitik der EZB, die in Wahrheit eine Marktmanipulation des Anleihenmarktes darstellt, blieben auch Zinsen für die Staatsanleinen aus Spanien und Italien immer noch sehr gering. Die EZB hat dadurch auch viele Banken in Europa künstlich temporär gerettet. Zwischendurch stieg zwar das Eigenkapital der europäischen Banken seit 2008 im Durchschnitt erheblich, aber viele Banken sind erkennbar noch nicht über den Berg. Dagegen stiegen aber die Target 2 Salden der EZB, also die Forderungen der EZB vor allem gegenüber südeuropäischen Banken auf neue Rekordhöhen. Die Deutsche Bundesbank hatte im März Target 2–Salden im Rekordvolumen von 829 Mrd. €, von denen die meisten in Südeuropa uneinbringlich sind. Dies wird noch zu erheblichen Problemen bei der angestrebten Solidarhaftung führen. Der Deutsche Steuerzahler wird dann wohl irgendwann genauso zur Kasse gebeten wie jetzt der italiensuche Steuerzahler, weil die Federungen unanbringlich sind.

Durch das Anleihenaufkaufprogramm der EZB werden jetzt immer noch 60 Mrd. € monatlich in den Markt gepumpt, ebenso wie in Japan, während die amerikanische Notenbank FED nicht nur nach und nach die Zinsen erhöhen will, sondern demnächst auch wieder die aufgekauften Anleihen in den Markt geben und damit dem Markt Liquidität entziehen will. Dies wäre aber sehr gefährlich wenn dies zur Unzeit passiert.

Neben einer neuen Bankenkrise in Italien drohen auch geopolitische Spannungen in Nahen Osten

Neben einer neuen Bankenkrise in Südeuropa drohen auch einige geopolitische Spannungen wie der USA mit Nord-Korea, wie der USA mit Russland in Syrien und der Ukraine und wie der USA mit dem Iran und Katar, was jederzeit auch eskalieren könnte. Nun haben auch erstmals Kampfjets der israelischen Luftwaffe in Syrien eingegriffen, nachdem zuvor syrische Bomben in Israel landeten, was eine neue Eskalationsstufe darstellt. Aber auch der Abschuss eines syrischen Kampfjets durch die US-Luftwaffe macht Sorgen. Nachdem nun der Ramadan beendet ist und ein Terroranschlag in Mekka knapp vermieden wurde, drohen nun weitere Terroranschläge – auch in Europa.

G 20 Gipfel im Hamburg als Lackmustest

Insofern gibt genug Gesprächsstoff beim nächsten G 20-Gipfel am 6./7. Juli in Hamburg, wo der amerikanische Präsident Trump erstmals auf den russischen Präsidenten Putin direkt treffen wird, wobei Trump auch durch ein mögliches „Kremlingate“, also den FBI-Intersuchungen bezüglich seiner Russland-Connection vor und während des Wahlkampes, belastet wird. Es wird aber sehr bedeutsam sein, ob es nun wieder wie beim letzten G 7-Gipfel in Italien heißt „alle gegen einen“ (Trump) oder ob gemeinsame Ziele verfolgt und gelöst werden, was beim Klimawandel und der Flüchtlingsproblematik wohl aber nicht mehr möglich erscheint. Es gibt aber genug andere Problem wie die zu hohe Verschuldung, die Solvenz der Banken und die geopolitischen Problem, die gelöst werden müssen.

Belastungsfaktoren nehmen an den Börsen nach neuen Allzeit-Hochs zu

Insofern könnten in den nächsten Wochen die Belastungsfaktoren zunehmen und die Börsen zu einer schon lange erwarteten Korrektur zwingen, die durchaus auch heftig ausfallen kann. In den letzten beiden Wochen erreichten viele Börsen noch neue Jahres-Höchststände, die für den DAX und auch den Dow Jones Industrial-Index sogar neue Allzeit-Hoch bedeuteten. Der DAX schloss am Freitag mit minus 0,33 Prozent nur knapp im Minus bei 12.730 Indexpunkten. Am 20. Juni schnupperte der DAX noch fast an der 13.000-er Marke, was ein neues Allzeit-Hoch bedeutet hätte.

DAX kurz vor der 13.000-er Marke abgeschmiert

Auch der Euro Stoxx sank am Freitag nur um 0,31 Prozent auf 3540 Indexpunkte. Damit stieg der DAX schon um 24 Prozent in 1 Jahr und der Euro Stoxx um 18,1 Prozent. Beiden Indices liegen damit seit Jahresbeginn über 10 Prozent im Plus und schnitten damit noch besser ab als der Dow Jones Industrial Index (DJI), der am Freitag fast unverändert zum Vortrag bei mit 21.394 Indexpunkte nahe dem Allzeit-Hoch schloss. Dies bedeutet immerhin ein Plus von 18,8 Prozent in einem Jahr ab. Noch besser schnitt der NASDAQ–Index ab, der in 1 Jahr sogar um 30 Prozent zulegen konnte. Aktien-Investments hatten sich also gelohnt, während der Goldpreis in 1 Jahr um etwa 5 Prozent in Us-Dollar nachgab. Da waren die Hiobsbotschaften der EZB vom Freitag aber noch nicht eingepreist.

Börsen in Osteuropa können weiterhin outperformen - mit Ausnahme der Moskauer Börse

Noch besser als der DAX und der DJI schnitten aber viele Börsen aus Osteuropa ab. Der Top-Performer schlecht hin war der Aktienmarkt aus Kasachstan der in diesem Jahr um 25 Prozent und in 1 Jahr sogar um 82 Prozent zulegen konnte, was Anleger mit dem KTX-Zertifikat abbilden können. Aber auch die Aktien aus Bulgarien konnten in dies Jahr um 16 Prozent und in 1 Jahr um 49 Prozent beim SOFIX-Index ansteigen. Rumänische und polnische Aktien stiegen in diesem Jahr auch um 18 bzw. 25 Prozent und damit schon 28 bzw. 30 Prozent in 1 Jahr. Da polnische Aktien auch den CECE-Index – ein Kunstprodukt der Wiener Börse bestehend aus ungarischen, tschechischen und polnischen Aktien - dominieren, stieg auch der CECE-Index schon um 17 Prozent und um 31 Prozent in 1 Jahr.

Die Moskauer Börse stieg zwar im letzten Jahr um über 50 Prozent, liegt in diesem Jahr aber mit über 20 Prozent im Minus, da der Ölpreis auch um etwa 20 Prozent in diesem Jahr nachgab. Der Brentölpreis fiel aufgrund hoher US-Lagerbestände sogar von 55 auf zuletzt 45 US-Dollar/Barrel und dies obwohl sich die OPEC zuvor auf eine Verlängerung der Fördermengen-Kürzungen einigen konnte. Entscheidend sind am Ölmarkt aber die Terminhändler, die den Ölpreis nach unten drückten.

Erst informieren, dann investieren.

Informieren Sie sich jetzt auch ausführlich über die Hintergründe und die Entwicklung der Ukraine/Russland-Krise, aber auch das zukünftige Erholungspotential der unterbewerteten Aktien aus Osteuropa. Auch in Kasachstan und der Ukraine gibt es neue Chancen. So konnten sich einige ukrainische Agraraktien seit 2016 im Kurs schon mehr als verdoppeln. Gute Chancen gibt es aber auch in Zentralosteuropa wie in Polen (+25 Prozent).

Bestellen Sie jetzt auch ein Probe-Abo (3 Ausgaben per Email für nur 15 €) des monatlich erscheinenden Börsenbriefs EAST STOCK TRENDS (EST) mit einem weiteren Ukraine/Russland-Special mit vielen Hintergrund-Informationen und neuen Anlage-Vorschlägen wie mit der "Aktie des Monats“ und lukrativen Zertifikaten unter www.eaststock.de, dort unter Börsenbrief. Der letzte EST erschien am 19. Juni 2017 mit der Vorstellung von einigen aussichtsreichen osteuropäischen „Dividendenperlen“.

Das neue goldige „Muster-Depot“ des EST liegt bereits 57 Prozent im Plus und die die Goldaktien Highland Gold Mining um über 100 Prozent seit 2016. Die Muster-Depots aus dem Jahr 2015 liegen mit 115 Prozent, 55 Prozent und 178 Prozent ebenfalls kräftig im Plus, wobei die Muster-Depot-Aktien Aeroflot seit 2015 sogar um über 480 Prozent zulegen konnte, aber auch die Sberbank mit fast 200 Prozent. Die letzte „Aktie es Monats“ Qiwi – die PayPal aus Russland - konnte in 1 Monat bereits um 20 Prozent zulegen, obwohl der r russische Gesamtmarkt kräftig nachgab. Waren Sie dabei?

Neu für Trader oder Investoren, die wissen wollen, wie Sie ihr Kapital schützen können, ist der monatlich erscheinende Börsenbrief THE BIG PICTURE (TBP) mit der Analyse der Weltbörsen-Indices, der Rohstoffe und Devisen für nur 80 € im Jahr (per E-Mail für 12 Ausgaben) bestellbar bei der ESI GmbH (www.eaststock.de, Tel 040/6570883, Fax: 040/6570884).

Interview-Hinweise: Das letzte Interview war am 7. Juni 2017 in Börsen Radio Networks über ein mögliches „Kremlingate“. Sie können sich die Interview jetzt bei www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen, ebenso wie das gleichnamige EastStockTV-Video, Folge 135.

Diskutieren Sie jetzt auch mit Herrn Männicke interaktiv unter http://go.guidants.com/de#c/Andreas_Maennicke .

Anzeige
 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

Archiv

01.10.17 Wall Street auf neuem Allzeit-Hoch, aber bekommen wir im Oktober einen Crash?
27.09.17 Jetzt wird es immer bunter
10.08.17 Trump gegen Kim – gibt es nun einen (Atom-)Krieg?
31.07.17 Automobilbranche in der Vertrauenskrise – wo bleibt die Moral der Manager?
23.07.17 Drohen jetzt neue Wirtschaftskriege oder sogar ein Börsen-Crash?

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)