Milleniumtreffen: Hilfe zur Selbsthilfe, aber wer hilft den USA?

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Samstag, 25. September 2010 17:34:00

Bei dem Milleniumtreffen in den USA, wo diskutiert wurde, wie man die Entwicklungsländer auch nach der Krise mehr unterstützen und Armut vermindern kann, gab Obama die neue (?) Losung der „Hilfe zu Selbsthilfe“ und den Appell zur „Eigenverantwortung“ heraus, was durch partnerschaftliche Investitionen begleitet werden soll. Also keine Almosen mehr, die in den korrupten Regierungskanälen versickern, sondern Förderung über Leistungsbeziehungen.

Gegen dieses alte, bewährte genossenschaftliche Prinzip von Schulze-Delitzsch und Raiffeisen ist nichts einwenden, nur muss es auch praktiziert werden. Umgekehrt stellt sich die Frage, was geschieht, wenn der, der helfen soll, selbst Hilfe benötigt. Armut in Entwicklungsländern ist ein altbekanntes Thema, das bekämpft werden muss, natürlich am besten mit „Hilfe durch Selbsthilfe“ und Anleitung zur Eigenverantwortung. Nur gibt es in den USA 43 Mio. Personen, die unter der Armutsgrenze leben. Die Zahl der Lebensmittelgutscheine steigt in den USA ständig. Die effektive Arbeitslosenquote beträgt in den USA weit über 15% und nicht wie publiziert bei 9,6%, was auch nur eine Schätzgröße ist. Auch Notenbankchef Ben Bernanke äußerte sich unzufrieden über den bisherigen amerikanischen Aufschwung, da er auf tönernen Füssen steht. Vor allem blieb bisher das von Obama ankündigte und wohl auch erhoffte Job-Wunder aus.

Im Herbst finden in den USA Kongresswahlen statt und dann wird Obama den kräftigen Gegenwind der Protestwähler, die es immer gibt, zu spüren bekommen. Symptomatisch ist, dass Obama immer mehr wichtige Berater verlassen, was auch daran liegen kann, dass die Herkulesaufgaben immer größer werden und bald nicht mehr bewältigt werden können. So verlassen nun der Wirtschaftsberater Larry Summers, der Stabschef Rahm Emanuel und – ausgerechnet – der Chef des US-Bankenrettungsform Tarp Herb Allison das (sinkende?) Schiff, wobei der Fonds am 3. Oktober abgewickelt wird. Das plötzliche und überraschende Ausscheiden von gewichtigen Beratern und Stützen von Obamas Politik wirft einige Fragen auf wie zum Beispiel, ob Obama noch selbst das in Sturm geratene Schiff souverän lenken kann.

Ähnliche „Auflösungs-Prozesse“ spielen sich aber auch in Deutschland vor und hinter den Kulissen ab. Ich habe den Eindruck, dass auch die Berater immer ratloser werden. Dass die HRE-Manager mit Genehmigung des Finanzministers und der BaFin Boni von über 25 Mio. € für Missmanagement bekommen ist der eine Skandal; dass aber die HRE toxische Anleihen im Volumen von 191 Mrd € gekauft hat, wo nun der ahnungs- und machtlose Steuerzahlen mit weiteren 40 Mrd € Bürgschaften retten soll ist der andere Skandal. Die HRE wird uns alle noch weiter beschäftigen - egal ob mit oder ohne „bad bank". Bei der Gesundheitsreform wird alles teurer für Unternehmer und Arbeitnehmer. Damit bleibt auch weniger netto für brutto. Ähnliche Probleme haben auch die USA, wo die Gesundheitsreform auch viel Geld kosten wird. Gespart werden muss aber überall. Wie soll dann aber der Konsum im Binnenmarkt wieder anspringen?

Ganz anders sieht es in den Emerging Markets aus, wo Sie nun auch ihren Schwerpunkt im Investmentbereich haben sollten: Der brasilianische Ölwert Petrobas gelang eine Mega- Kapitalerhöhung im Volumen von 70 Mrd. USD, was eine der größten Kapitalerhöhungen in der Börsengeschichte ist. Die erfolgreiche Platzierung stimmte die Börse weltweit positiv. Die US-Konjunkturdaten waren am Freitag eher gemischt: die US-Auftragseingänge fielen im August zwar um -1,3 %, ohne dem schwachen Transport stiegen sie aber um + 2% und die Kernsparte zivile Kapitalgüter (ohne Flugzeuge) verzeichnete sogar ein Auftragsplus von 4,1%, was die Börse mit einem kräftigen Kurssprung von fast 2% honorierte. Die Verkäufe neuer Häuser stagnieren hingegen weiter auf sehr niedrigem Niveau. Es gibt also weiterhin Probleme bei Neuverkäufen.

Aufgrund der diesmal positiv interpretierten US-Konjunkturdaten und des schwaches Dollars stieg der Dow Jones am Freitag um 1,86% auf 10.860 Indexpunkte und der DAX um 1,84% auf 6298 Indexpunkte. Damit befinden sich jetzt sowohl DAX als auch der Dow Jones-Index wieder klar über der 200-Tagaeslinie, was ein gutes Zeichen ist. Wenn der Dow Jones 10.900 und der DAX 6300 nachhaltig überschreiten sollte, sollten Aktienpositionen aufgestockt (bzw. dann Long gehen) und bei einem Dow Jones von unter 10.600 Indexpunkte aber abgebaut werden (bzw. dann Short gehen) – auch an den Ostbörsen.

Gold erreichte einen neuen historischen Höchstkurs von über 1300 USD/Unze (geschlossen bei 1296 USD/Unze) und Silber erreichte erwartungsgemäß mit 21,38 USD/Unze auch ein neues 30-Jahres-Hoch wegen dem schwachen Dollar und der Unsicherheit bei den Währungen. Hier sind die Haussetrends nach wie vor voll intakt. Der Ölpreis stieg auf 76 USD/Barrel. Nächste Woche werden die neuen US-Öllagerbestände veröffentlicht, was den Ölpreis nachhaltig beeinflussen wird. Auch Kupfer konnte am Freitag weitere um 0,8% auf 7956 USD/Tonne anziehen und befindet sich damit schon wieder nahe des April-Hochs von 8000 USD. Im Juni lag der Kupferpreis noch bei knapp über 6000 USD/Tonne, so dass der Kursanstieg von über 30% in wenigen Monaten schon beachtlich ist. Kupfer gilt wiederum als Frühindikator vor allem für die chinesische Wirtschaft als Hauptimporteur von Kupfer. Dies ist jedenfalls kein Anzeichen für ein „Double Dip“. Davon profitierten wieder auch die osteuropäischen Kupfer- und Silberproduzenten KGHM aus Polen (und Kazakhyms) aus Kasachstan, die auch im EAST STOCK TRENDS zum Kauf empfohlen wurden.

Eines ist klar: Die Portfoliomanager müssen jetzt weltweit was machen und investieren, womit die Dow-Werte weiter gut laufen dürften. Teure Portfoliomanager werden nicht dafür bezahlt, eine Null-Performance hinzulegen. Das Quartal geht zu Ende und dann neigen die Portfoliomanager mehr zu Käufen für eine „gute Quartalsabrechnung“ . Es bleibt zwar volatil, aber jetzt zum Ende des Quartals mit deutlichem Trend nach oben. Der schwache Dollar stützt die Aktien- und Rohstoffmärkte. Apple ist nun der größte Wert der Welt mit einer Marktkapitalisierung 265 Mrd USD mehr wert als Petro China, also No1 der Welt. Die Zukunft sieht weiter rosig aus. Ich hoffe, Sie haben auch eine Apple in Ihrem Portfolio.

Der IFO-Geschäftsklima-Index war diesmal sehr positiv, daher stieg der Euro. Der Euro stieg zum Dollar auf 1,3480 EUR/USD, was ein neues 6-Monats-Hoch ist. Bei 1,3520 EUR/USD gibt es aber einen starken Widerstand. Wird dieser überwunden, sieht es sehr gut für Aktien- und Rohstoffmärkte aus – und umgekehrt! Bei über 1,36 EUR/USD können Sie Ihre Aktien- und Rohstoffpostionen ausbauen, bei unter 1,32 EUR/USD aber abbauen. Die FED will eine weiter quantitative Lockerung (quantitative easing). Dies wird zwar keine neuen Jobs schaffen, aber den Aktienmarkt nach oben bringen. Der Immobilienmarkt ist weiter in der Depression. Ben Bernanke weiß auch ganz genauso gut wie ich, dass die Amerikaner ihre Altersversorgung überwiegend auf Immobilien und Aktien aufgebaut habe. Dies ist dann – oft (viel zu hoch) kreditfinanziert - auch eine Stütze des Konsums. Wenn der Immobilienmarkt schon nicht „performt“, muss jetzt die zweite Säule Aktienmarkt performen. Die Zinsen werden daher niedrigen bleiben, um einen Kursanstieg zu ermöglichen, denn sonst wird der Konsum weiter schwach bleiben. Was aber wäre die USA ohne Konsum?

Nicht besonders gut sieht es weiterhin in Irland aus: In Irland ist das BSP um 1,5% im 2Q10 gesunken, was aber die Börse (noch) nicht sonderlich beunruhigte. Nächste Woche kommen viele wichtige US-Konjunkturdaten: Dienstag Immobiliendaten und Verbrauchervertrauen (wohl weiter schlecht, aber vielleicht besser als erwartet), und Donnerstag Arbeitsmarktdaten (die vielleicht geschönt sind, sie werden 1 Monat später immer „nachgebessert“, weil es sich eh nur um Schätzgrößen handelt), am Freitag Einkaufsmanger-Index und Autoabsatzzahlen, die ich besser erwarte.

Zu beachten sind auch bedeutsame Währungsveränderungen. Die japanische Notenbank wird weiter beim Yen intervenieren, der zuvor fast grundlos durch Spekulanten zu stark gestiegen war. Der Euro fiel zum Yen in einem Jahr erst von 1,35 auf 1,05 EUR/JPY, stieg aber durch Interventionen der japanischen Notenbank zuletzt auf 1,13 EUR/JPY. Bei über 1,14 EUR/JPY sollten Sie jetzt weiter beim Euro weiter long bzw. beim Yen short gehen. Wann aber wird endlich der Renmimbi aufgewertet? Ich erwarte, wenn dies nicht bald geschieht, einen Handelskrieg über Importzölle und Auf/Abwertungen der Währungen sowohl der USA mit China als auch Japan mit China. Es wird also ein „heißer Herbst“ werden.

Am 3. Oktober feiern wird den Tag der Deutschen Einheit, was wahrlich ein Feiertag ist. Nun kann zu Gutenberg die Truppe reduzieren und die Wehrpflicht temporär abschaffen, was ich großartig finde. Dennoch waren 20 Jahre Transformation ein kostspieliges Abenteuer und der „Solizuschlag“, der bisher schon ein Volumen von 187 Mrd € seit Anbeginn hat, wird uns wohl noch lange erhalten bleiben. Blühende Landschaften sind noch nicht entstanden, aber viele Orte, die Hoffnung machen wie Brandenburg. Auch viele mittelständische Unternehmen machen im Osten Hoffnung wie der LED-Lampen-Hersteller Autev AG, der in diesem Jahr an die Börse ging. Energieeffizienz wird auch ein Dauerthema bleiben, auch für Immobilienbesitzer aus Ost und West.

Man sollte nach 20 Jahren Transformationshilfe von West- nach Ost-Deutschland nicht vergessen, dass viele osteuropäische Länder auch ohne diese massive Finanzhilfe aus Westdeutschland wettbewerbsfähige Unternehmen und volkswortschafte in den nächsten Jahren geschaffen haben, die mittlerweile auch eine Eigendynamik entwickeln wie Polen. Ich bin allerdings sehr dafür, die EU-Subventionen von dem Korruptionsgrad in den jeweiligen Ländern abhängig zu machen und ggf. auch zu kürzen. In Osteuropa gibt es aber eine Reihe von gut geführten Unternehmen, die Anerkennung und auch mehr Beachtung verdienen.

Auch bei meinem Börsenbrief EAST STOCK TRENDS bin ich immer wieder „in search of excellence in Eastern Europe“. Wer sich in Osteuropa global oder auch regional bewährt, darf auch auf mehr Aktionäre aus dem Westen hoffen und das wäre dann die Hilfe zur Selbsthilfe, die nicht nur Obama beim Millennium-Spektakel für erforderlich hält, sondern die auch ich begrüße. Hilfe zur Selbsthilfe und eigehverantwortliche Entwicklungsprozesse sind übrigens bei vielen osteuropäischen Ländern eine ausgeübte Praxis und kein Sprechblase. Auch Russland ist ein Feld, das es noch zu beackern gilt und wo westliches Know-how weiterhin gefragt ist.

Ich bin ein großer Fan von "Hilfe zur Selbsthilfe" und hernach eigenverantwortlichen Entscheidungen auch bei Anlegern. Deshalb biete ich auch immer wieder regelmäßig Ostbörsen-Seminar an. Das nächste findet am 24. November um 17.00 Uhr gleich nach dem Eigenkapitalforum in Frankfurt/M statt. Vorstellen wird sich dort auch der neue Russlandfonds von Danske Capital. Melden Sie sich bitte rechtzeitig an unter www.eaststock.de.

Der RTS-Index stieg am Freitag nur leicht um 0,8% auf 1488 Indexpunkte und schloss damit auf dem Niveau der Vorwoche. Vor allem die russischen Öl-/Gasaktien sind mit einem KGV von 6 unterbewertet, performen aber noch nicht - ganz im Gegensatz zu dem Shooting-Star IBS Group, dessen Kurs sich ausgehend vom Tiefstkurs in 2009 schon mehr als verzehnfacht hat und seit Juni nochmals um 70% (!) von 10 auf 17 € und seit Jahresbeginn sogar um über 100% rasant anstieg. Das Softwareunternehmen IBS Group ist auch einer der Top 10 Aktien der deutschen Beteiligungsgesellschaft KREMLING AG (www.kremlin-ag.de). Da verblasst sogar eine Apple, der Shooting Star aus den USA, mit einem Kursanstieg von über 50% in diesem Jahr und mehr als einer Kursvervierfachung seit Anfang 2009 von 50 auf nunmehr 216,8 €. Freilich ist die IBS Group wesentlich illiquider…

Verpassen Sie aber die Outperformancechancen in Osteuropa nicht und bestellen jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (EST) unter www.eaststock.de.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 170% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 225% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 1000% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit. Auch russische Gold/Silberaktien haben noch Potential.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Go East!“ wird am 24. November 2010 um 17.00 Uhr gleich nach dem Eigenkapital Forum in Frankfurt/M stattfinden (siehe www.eaststock.de). Dort wird sich auch der neue Russlandfonds von Danske Capital vorstellen. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

Interview-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 6. September 2010 um 10.15 Uhr in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) über die Investmentchancen im Baltikum, insbesondere in Litauen, befragt. Sie können sich das Interview jetzt unter www.eaststock.de runterladen ebenso wie das letzte Interview von Andreas Männicke in der FAZ vom 26. August2010 über Osteuropa.

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