Mega-Deals ante portas – wo bitte ist die Krise?

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Samstag, 04. Februar 2012 11:09:00

Sind Sie auch schon bei Facebook registriert und damit „durchsichtig“ geworden? Trotz der Mega-Verschuldungsrisiken bahnen sich jetzt zwei Mega-Deals an, die auch wieder den beteiligten Investmentbanken Freude bereiten werden. Zunächst will Facebook jetzt an die Börse gehen und dabei 5 Mrd USD einsammeln. Die Marktbewertung wird damit auf 100 Mrd. USD geschätzt. Facebook verbindet 800 Mio. Menschen - 22 Mio. in Deutschland!-, im global village, davon loggt sich die Hälfte täglich ein, was Weltrekord im global village ist. Jeden Monat wächst das soziale Netzwerk um 10 Mio. Nutzer bzw. um jede Sekunde um 7 Personen, davon sind 32% 18 bis 24.

Facebook ist aufgrund seiner Offenheit und Transparenz (für jedermann) sehr umstritten, aber dennoch erfolgreich. Mit dem IPO wird der Mitgründer Mark Zuckerberg offiziell einer der reichsten Menschen der Welt und auch die „Goldmänner“ (Goldman Sachs) werden ihre Freude haben.

Zuckerberg hält an Facebook einen Anteil von 28% und hätte damit auf dem Papier ein Vermögen von 28 Mrd. USD. Der 26-jährige Zuckerberg gründete 2004 Facebook zusammen mit seinen Studienkollegen Dustin Moskowitz, Chris Hughes und Eduardo Savarin. Er führte das Unternehmen schnell zum Welterfolg, nachdem er sein Studium an der Harvard Universität als Informatiker ohne Abschluss im Jahr 2006 abbrach. Man braucht also kein abgeschlossenes Studium, um Milliardär zu werden! 2009 wurde Zuckerberg der jüngste self-made Milliardär der Welt, wobei Moskowitz sogar acht Tage jünger ist.

Gelingt das IPO zum Wunschwert von 100 Mrd. USD, wäre dies ein positiver Impuls für die Weltbörsen und das im letzten Jahr rückläufige Geschäft des Investmentbankings. Facebook macht 4 Mrd. USD Umsatz und erzielt dabei einen Gewinn von 1 Mrd USD. That´s online economy! So etwas Rentables „aus dem Nichts“ findet man sonst kaum in der Welt.

Auf der anderen Seite bündeln sich die Kräfte auch in der Old Economy. Glencore will mit dem Rohstoff-Giganten Xstrata fusionieren, was ein 82 Mrd. USD-Mega-Deal wäre. Die Benetton Familie bietet 4,6 USD pro Aktie. Die sind zwar 40% mehr als der Marktpreis, der Buchwert liegt aber bei 8 USD. Dies zeigt, wie preiswert es im Moment ist, Rohstoffkonzerne zu übernehmen, was sicherlich auch Glencore ins Kalkül zieht. Glencore/Xstrata würde nach dem Merger auf Augenhöhe mit BHP Billiton sein. Beide Aktien zogen im Kurs seit Bekanntgabe der Fusionspläne stark an und zwar Xstrata um 15% von 13 auf 15 € und Glencore um 10% von 5 auf 5,5 €. Falls der Deal klappt, könnte dies bei allen Rohstofftiteln eine Übernahmefantasie auslösen. Auch der russische Goldproduzent Polyus will nach den Listing in London, das sich noch verzögert, durch Übernahmen zum zweitgrößten Goldproduzenten der Welt avancieren. Der Kurs von Polyus stieg in den USA am Freitag um 28% von 16 auf 20,75 USD.

Die Deutsche Bank AG meldete einen Gewinn von über 4 Mrd €, was zwar doppelt so viel war wie im Vorjahr ist, aber doch weit weniger als die von Ackermann zuvor angekündigten 10 Mrd €. Vor allem das schwache Investmentbankinggeschäft verhagelte das Ergebnis im 4. Quartal während das normale Kreditgeschäft sogar über den Erwartungen blieb. Dennoch bekennt sich Ackermann zum Investmentbanking und ist stolz darauf, dass die Deutsche Bank hier global sogar eine führende Rolle spielt. Ackermann tritt damit als bekennender „Edel-Kapitalist“ nicht sehr ruhmvoll ab, aber man wieder von ihm sicherlich auch in Zukunft hören.

Auch an solchen Mega-Deals wie beim Facebook IPO oder dem Merger Glencore/Xstrata werden Investmentbanken viel Geld verdienen, wenn der Deal gelingt. Der Merger Deutsche Börse AG und NYSE ist jedoch wegen des Vetos der EU-Wettbewerbsbehörden geplatzt, da beide zusammen bei Derivaten fast eine Monopolstellung hätten. Aber gibt es überhaupt Wettbewerb bei Derivaten?

Die Unternehmen haben jetzt enorm viel Liquidität, so dass weitere Übernahmen die Börse beflügeln können, die alle einen super Start im Januar hatten. Die Notenbanken geben jetzt alle Gas und fluten die Märkte mit Liquidität, was zu der beeindruckenden Jahresanfangsrallye führte. Die EU-Politiker machen auch den Eindruck, dass sie sich beim Sparpaket einig sind und eine Schuldenbremse einführen wollen, außer Tschechien und Großbritannien. An der Schuldenfront gibt es aber noch viele ungeklärte Fragen, wie die Höhe des Schuldenschnitts mit Griechenland. Der nächste Wackelkandidat ist Portugal, wo die Zinsen mit 16-17% weiterhin extrem hoch sind. Hier glaubt wohl – im Gegensatz zu Irland, Italien und Spanien - keiner der Finanzmarktteilnehmer so recht an eine Rettung trotz Fortschritten bei der Privatisierung. Spannend wird es aber auch, wie die nächsten Auktionen von spanischen und italienischen Anleihen ausfallen werden.

Im Auge müssen wir auch in den nächsten Monaten behalten, was die USA mit dem Iran vor haben und wie es in Syrien weitergeht. Russland sperrt sich hier gegen militärische Aktionen wie in Libyen. Da Libyen jetzt schon wieder so viel Öl exportiert wie vor dem Bürgerkrieg, scheint sich das geplante Öl-Embargo gegen den Iran noch nicht sonderlich negativ auf den Ölpreis auszuwirken. Der WTI-Ölpreis sank zuletzt wieder deutlich unter die 100 USD/Barrel-Marke auf 97 USD/Barrel.

Die EU versucht jetzt durch Abgesandte zu prüfen, ob Iran eine Atombombe baut oder nicht, was aber wohl schwer sein wird, zu beweisen. Letzten Sonntag traf auch eine Delegation der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Teheran ein, um die auf Eis gelegte Gespräche mit dem Iran wegen des mutmaßlichen Atomprogramms wieder in Gang zu bringen. Ob ihnen Zugang bei der neuen unterirdischen Urananreicherungsanlage Fordo bei der Stadt Gom gewährt wird, ist noch ungeklärt.

Der amerikanischen Verteidigungsminister Leon Panetta warnt davor, dass der Iran in einem Jahr eine Atombombe bauen kann. Panetta will es in keinem Fall zulassen, dass die iranische Regierung in den Besitz von Atomwaffen kommt. Er hält einen militärischen Eingriff nach Angaben der Washington Post in den Monaten April bis Juni für möglich. Wenn dem so ist, sollte Sie vorher alle Aktien verkauft haben und in jedem Fall Ihre Stopp-loss-Marken nachziehen. Bisher reagieren die Börsen mit einer bemerkenswerten Nonchalance gegenüber dem Säbelgerassel im Iran. Wenn es aber zu einem Iran-Krieg kommt, wäre dies ein black swan für die Weltbörsen und die Weltwirtschaft. Dann raus aus fast allen Assets, sogar aus Gold/Silber! Noch aber ist es nicht soweit und es muss auch nicht soweit kommen.

Israel plant schon lange einen Krieg gegen den Iran und warnt inständig vor dem Bau der Atombombe. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will aber verhindern, dass das Schicksal Israels vom amerikanischen Handeln abhängt. Obama und Panetta warnen wiederum vor einem Alleingang Israels. Russland warnt grundsätzlich Israel vor einem militärischen Eingriff. Russland ist gegen einen Iran-Krieg. Hier kann es zu Spannungen kommen, auch mit den USA. Wie man verhindern kann, dass Iran unbemerkt eine Atombombe unterirdisch baut ohne dass es zu einem verheerenden Krieg kommt, wird auch das Hauptthema der Sicherheitskonferenz in München. Der Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, mahnt dazu, das Säbelrasseln des Irans ernst zu nehmen. Ein Krieg wäre der Bankrott der Politik und der Diplomatie. Man darf gespannt sein, welche Alternativvorschläge bei der Sicherheitskonferenz diskutiert werden und wie es in Syrien weitergehen soll. .

In der Stadt Homs gab es in Syrien jetzt ein Blutbad mit 200 Toten und 700 Verletzten – und die Weltgemeinschaft schaut zu. Syrien und der Iran sind eng verbunden. Die Lösung dieser komplexen und komplizierten Fragen wird auch im Frühjahr für die Weltbörsen bedeutsam sein, worauf Sie sich jetzt schon mental einstellen sollten. Auch Ägypten bleibt nach den vielen Toten nach dem Fußballspiel in Kairo ein Pulverfass. Das Unwort des Jahres 2012 muss heißen „arabischer Frühling“, denn dafür sterben zu viele Menschen, auch in Syrien, dem Irak und in Afghanistan. Aber das kümmert die Börse wenig.

Deutlich besser als erwartete Auftragseingänge in den USA ließen den DAX am Freitag auf einen neuen Jahreshöchststand von 6766 Indexpunkte (+1,66%) und den Dow Jones Index auf 12.863 Indexpunkte (+1,31%) hochschnellen. Der russische RTS-Index stieg auch auf ein neues Hoch von 1624 Indexpunkten (+1,31%). Auf der einen Seite sind viele Unternehmen immer noch völlig unterbewertet, erzielen Rekordgewinne und schwimmen in Liquidität, auf der anderen Seite gehen jetzt immer mehr hochverschuldete Unternehmen Pleite, wo die Banken die Kreditlinien streichen wie jetzt im Fall der ungarischen Fluggesellschaft Malev. Tausende von Fluggästen kamen im Budapest wegen der Insolvenz von Malev nicht weiter. Trotzdem zählt auch die Budapester Börse mit einem Plus von über 15% seit Jahresbeginn zu den Outperformern unter den Weltbörsen. Zuvor ging schon die spanische SpanAir Pleite. Hoffentlich ist nicht Air Berlin der nächste Pleitekandidat. Viele Fluggesellschaften erhöhen in der Not schon die Ticketpreise.

Noch sind die Vorboten eines möglichen Iran-Kriegs nicht spürbar, bzw. werden ignoriert, was zu einer Fortsetzung der erfreulichen Jahresanfangsrallye führte. Allmählich sind die Anleger auch gegen die Bombardierung von Negativ-Nachrichten des letzten Jahres abgestumpft und reagieren nicht mehr, so dass die Kurse entlang der “Mauer der Angst“ weiter steigen können, solange das Negativ-Ereignis nicht eintritt. Es darf also weiter gezockt werden!

Ein Profiteur eines steigenden Ölpreises wäre Russland. Die Moskauer Börse zählt jetzt schon wieder mit einem Plus von über 15% beim RTS-Index zu den Top-Performern unter den Weltbörsen. Gefragt waren im Januar aber nicht nur Ölaktien, sondern auch Metall- und Konsumaktien in Russland.

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TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 23. und 28. Dezember 2011 von der Deutsche Welle und am 21. Dezember 2011 in NTV/Telebörse über die Investmentchancen in Russland im nächsten Jahr befragt. Sie können die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen. Aktuelle Markteinschätzen erhalten Sie täglich auf der Ostbörsen-Hotline unter Tel 09001-8614001(1,86 €/Min) und im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo: 3 Ausgaben für nur 15 €; bestellen Sie jetzt unter www.eaststock.de).

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