Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende?

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Sonntag, 11. September 2011 11:44:00

„Haben Sie Angst um Ihr Geld? Haben sie also Angst vor einem Lehman II im Quadrat?“Dann gehören Sie zu den 90%, die im Moment ein ungutes „Bauchgefühl“ haben und nicht mehr so recht wissen, was „ da oben“ eigentlich gespielt wird und wie es weitergehen soll. Was ist der Plan B und gibt es überhaupt einen bei der Rettung von Griechenland, des Euros, der Banken und des Welt-Finanzsystems? Die Börsen befinden sich nach wie vor im Panik-Modus und reagieren auf jede „bad news“ mit großen Kursabschlägen gen Süden. Damit signalisieren aber nur, dass es im Moment eine großen Vertrauensverlust in die Gestaltung der Politik gibt. Dies verwundert nicht, da von Politikeren ständig Verträge und Zusagen gebrochen wurden und im Moment versucht wird nur auf Zeit zu spielen, aber die eigentlichen Probleme nicht bei der Wurzel packt. Die EZB wird zunehmend von der Politik instrumentalisiert und verliert damit ihre Unabhängigkeit. Dabei tickt die Zeitbombe.

Wenn schon ein Josef Ackermann bei seinen letzten Reden anmahnt, dass eine Reihe von europäischen Banken Pleite gehen würden, wenn sie die „PIGS“-Anleihen auf das erforderlichen Maß abschreiben würden, natürlich ohne Namen zu nennen, dann kann man den letzten Bankenstresstest getrost in die Tonne werfen. Ein „too big to fail“ darf es meiner Meinung nach in einer funktionierende Marktwirtschaft nicht geben. Sicherlich muss dafür Sorge getragen werden, dass wenn eine Großbank Pleite gehrt, nicht auch alle anderen Banken der Welt durch die vernetzten Systeme Pleite gehen. Es muss also einen regionalen und eine globalen Rettungsfonds geben, wo aber nur die Banken abgefedert werden, die durch eine Bank, die Pleite geht, nicht allzu sehr stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Der globale Rettungsfonds ist im Moment der IWF auch dem werden die Gelder bald ausgehen, wenn es o weiter geht. Zudem müssen die Eigenkapitalquoten auf mindestens 10% festgelegt werden. Wer so etwas wie PIGS Anleihen oder intransparent Derivate im Depot hat, Betracht ein Eigenkapital von mindestens 25%.

Es muss auch Banken geben, die nur die Wirtschaft mit Krediten versorgen wie es die Genossenschaftsbanken und Sparkasse auch recht solide machen, damit es zu keiner Kreditklemme kommen kann, wenn systemische Banken ausfallen. Angeblich gibt es in Europa 20 systemische Banken, die nicht Pleite gehen dürfe, da sonst unüberschaubare Kettenreaktionen entstehen. Die Genossenschaftsbanken haben schon lange einen Feuerwehrfonds und sind damit relativ gut in Krisen aufgestellt. Warum haben dies nicht längst alle Banken übernommen? Bei den Sparkassen gibt es die Gewährträgerhaftung, die bei Landesbanken aber zu einem unverantwortlichen Risikoverhalten animiert hat. Auch hier muss adjustiert und gegensteuert, aber nicht auf Zeit gespielt werden. sonst heißt es irgendwann: game over!

Ich fordere die EU aber nochmals auf, endlich einen Bankenstresst zu fordern, wo genau diese Pleite-Szenarien von Großbanken und Ländern simuliert werden. Welche Bank hat dann noch genug Risikopolster und Eigenkapitel oder lösen sich die Bilanzgewinne dann ganz schnell in Luft auf? Josef Ackermann ist davon überzeugt, dass die Deutsche Bank AG in diesem Jahr 10 Mrd € netto verdienen kann. Wenn dem so tatsächlich sein sollte, sollte keine Dividende ausgeschüttet werden, sondern alles Geld in den globalen Rettungsfonds und den eigenen Rettungsfonds investiert werden, der in Zukunft dringend notwendig sein wird, um bei den zukünftigen Turbulenzen überleben zu können. Zudem sollte Josef Ackermann genau beziffern, welche Risiken noch bei den anhängigen Klagen und im Investmentbanking schlummern, die die Deutsche Bank AG so groß gemacht hat. Es bedarf einer ähnlichen Umstrukturierung, wie es japanische Banken zuvor gemacht haben.

Ich fordere auch die Politiker auf, die Banken im Derivate-Bereich transparenter zu machen. Es darf nur noch börsennotierte Derivate gegen und dies müssen dann auch gemäß ihrem Börsenwert bewerte werden. Zudem sollten Leerverkäufe nicht mehr nackt, sondern nur noch zum Hedgen von bestehenden Positionen erlaubt werden. Der Computerhandel und Hochfrequenzhandel sollte untersagt werden, wenn die „Vola“ zu hoch wird. Finanztransaktionen mit Derivaten und Futures sollte höher besteuert und besser reguliert werden. Außerdem muss der Computerhandel im großen Volumen angemeldet und auch höher besteuert werden. Dies ist besser als eine Bankentransaktionssteuer, die auch den Kleinanleger trifft. Auf der anderen Seite muss dafür Sorge getragen werden, dass genug Liquidität vorhanden ist, denn Finanzmärkte funktionieren nur mit Liquidität.

Wir müssen aber nicht nur die außer Rand und Band geratenen Banken besser überwachen, sondern auch die außer Rand und Band geratenen Politiker, die verantwortungslos immer wieder die Schulden erhöhen. Außer einer Schuldenbremse brauchen wir auch wieder verbindliche Schuldenrückführungsmechanismen, wenn im Notfall die Schulden „vorübergehend“ erhöht wurden. Die bisherige Schuldenbremse hat dies leider nicht berücksichtigt. Auch sind die Sanktionsmechanismen noch nicht geklärt. So ist es wenig verständlich, das Schäuble trotz angeblichen Aufschwung XXL jetzt wieder eine Neuverschuldung von 27 Mrd € einplant. Kann er nicht auch einmal einen ausgeglichenen Haushalt einplanen? Zudem ist es notwendig, dass alle EWU-Länder eine Schuldenbremse in die Verfassung bringen und sich auch daran halten.

Wir müssen auch den Lissabon-Vertrag und andere EU-Verträge abändern, denn es muss dort unbedingt EWU-Austrittsmechanismus neu eingeführt werden und es müssen auch klare Sanktionsmechanismen festgelegt werden für Länder, die den Stabilitätspakt dauerhaft nicht einhalten. Dies muss zum Stimmenentzug bis zum zwangsweisen Austritt gehen, sowie dies auch im Vereinsrecht möglich ist. Selbstverständlich brauchen wir auch einen neuen Geist der von EU-Präsident Barroso so vehement geforderten „Solidarität und Eigenverantwortung“ in Europa. Dies aber nicht als Worthülse, sondern als klare Regel und praktizierte Übung.

Der Euro hatte viele Geburtsfehler, aber gibt es denn keine Ärzte, die das nachträglich heilen können? Wo bitte ist die Wissenschaft mit konkreten, praktikablen Alternativen? Ich erwarte demnächst radikale, aber verbindliche und heilende Regeln, sonst wird alles den Bach runtergehen. Es gibt nicht wenige Experten, die jetzt schon das Horten von Bargeld, Konserven, und von Gold/Silber als Allheilmittel empfehlen. Gibt es noch andere Ärzte irgendwo auf der Welt? Dann bitte melden!

Jetzt haben auch die Medien eine besondere Verantwortung. Sie sollten nicht polemisieren und unnötig auf Panik machen, um die Quoten oder Auflagen zu erhöhen, sondern kontroverse Diskussionen fördern und mögliche Szenarien, aber auch Lösungsmöglichkeiten andenken bzw. kommentieren. Es gibt jetzt viel zu wenige sachlich geführte Pro- und Contra-Diskussionen. Es bedarf dringend neuer Lösungskonzepte auch aus der Wissenschaftler, die aufzeigen, wie man eine zu hohe Staatsverschuldung wieder geordnet herunter führen kann ohne die Konjunktur abzuwürgen.

Es muss klar sein, dass die die EU eine Transferunion für lange Zeit bleiben wird, so wie auch Westdeutschland für Ostdeutschland eine Transferunion war. So wie es hier einen Länderfinanzausgleich gibt, muss es auch einen Länderfinanzausgleich in Europa geben können Aber wer einen Kredit aufnimmt, übernimmt auch Verantwortung, nämlich die Verantwortung, den Kredit auch wieder termingerecht zurückzuführen und dies aber nicht durch Neukredite, sondern durch Eigenfinanzierung, also Steuereinnahmen und dann Rücklagen für die Kreditzurückführung. Es ist seit Jahrzehnten eine Unart von (Finanz-) Politikern, zu dulden und mitzumachen oder sogar zu fördern, dass Kredite nur durch neue Kredite getilgt werden. Damit wird aber die Verschuldung nicht zugeführt, sondern auf Zeit gespielt.

Auch ein wie auch immer gearteter Eurobond gehört in eine solche Gedankenkategorie. Wenn dann irgendwann der Kapitalmarkt wie jetzt im Fall von Griechenland streikt, dürfen sich die Politiker nicht wundern, wenn auf den Straßen Chaos entsteht. Griechenland hat jetzt ein Minus von 5% beim BSP und sich damit totgespart. Who ´s next? Ich erwarte in den nächsten Jahren, wenn sich nichts gravierend bessert, bürgerkriegsähnliche Situationen in Südeuropa, Frankreich und in Großbritannien, worunter auch Deutschland leiden wird. Auch werden die Spannungen nach den Revolutionen im arabischen Raum zunehmen, vor allem die Konflikte mit Israel.

Wenn Sie aber alle an den Stabilitäts- und Sanktionsmechanismen halten oder besser die Kredite termingerecht zurückführen, dann wäre dies ein Friedensbeitrag für Europa. Andersfalls kann Europa auseinanderbrechen, sei es mit oder ohne Euro.

Wenn Politiker dauerhaft die Stabilitätskriterien nicht beachten, müssen sie bestraft, also ausgetauscht werden oder Geldstrafen bekommen. Warum gehen eigentlich so wenige Bürger wegen der zu hohen Verschuldung auf die Straße, wenn Politiker dauerhaft gegen ihre eigenen Interessen verstoßen und sich übermäßig verschulden? Sie gehen nur auf die Straße, wenn gespart wird wie jetzt in Italien. Generalstreik wie in Italien und in Griechenland machen zwar auf die falsche Umverteilung aufmerksam, sie können ein Land aber auch in den Ruin treiben, weil dann eine Rezession noch schärfer wird wie in Griechenland und demnächst wohl auch in Italien.

Diejenigen, die sich jetzt die DM herbeisehnen oder einen Nord-Euro haben wollen, seien an das aktuelle Beispiel Schweiz erinnert, die jetzt den Schweizer Franken aufgrund der zu hohen Aufwertung an den Euro bindet. Sonst würde die eigene Exportindustrie kaputt gehen, denn es gibt auch bei Qualitätsprodukten Prohibitivpreise, die kein Konsument mehr duldet und in billiger Produkte ausweicht, es sei denn man befindet sich im Luxus-Segment, wo auch Mondpreise möglich sind. Eine DM oder ein Nord-Euro hätte jetzt ähnliche Probleme wie die Schweiz. Es stimmt auch nicht, das Deutschland nur Zahlmeister der Transferunion ist. Deutschland profitierte wie kein anderes Land durch den künstlich stabilen Euro. Sonst hätten nicht nur Griechenland, sondern auch Italien, Spanien, ja sogar Frankreich um 30 bis 70% abwerten müssen.

Zudem muss die WTO den Freihandel nicht nur fördern, sondern dort, wo es zu große Ungleichgewichte gibt, auch einschreiten, bevor der die Länder selbst zu protektionistischen Maßnahmen greifen oder ein Währungskrieg anfangen. Es gibt große Ungleichgewichte zwischen China, Europa und den USA, die, wenn sie dauerhaft fortbestehen ein explosives Gemisch darstellen. Immerhin wurde der Renmimbi moderat aufgewertet. Ich glaube daran, dass der Renmimbi nach dem Währungs-Crash, der früher oder später kommen wird, eine bedeutsame(re) Rolle spielen wird ebenso wie der Rubel. Eine große Chance für Deutschland die kommende Krise abzumildern, ist übrigens eine intensive Zusammenarbeit mit Russland. Aber das scheinen viele Politiker noch nicht so recht zu begreifen.

Wir werden es in den nächsten drei Jahren mit einigeren Zerwürfnissen am Kapitalmarkt zu tun haben, auf das Sie sich mental vorbereiten sollten. Der Zustand der FED und der EZB, die beide von einer unabhängigen Notenbank zu einer abhängigen „bad bank“ mit Schrottanleihen mutierten, ist bereits alarmierend. So verwundert es überhaupt nicht, dass der Chef-Volkswirt der EZB Stark nicht mehr bei dem bösen Spiel mitmachen will und das Handtuch wirft. Auch Ex-Bundesbankchef Weber ist gegen die gegenwärtige Trichet-Politik, die dadurch den Aufkauf von „PIGS-Anleihen im Volumen von 125 Mrd. € nur auf Zeit spielt. Was wäre die Alternative gewesen? Eine Staatspleite von Griechenland und die Pleite von einigen Banken. Durch den Eingriff der EZB haben wir keine Marktwirtschaft mehr, sondern eine Art gelpolitischen Zentralverwaltungswirtschaft, also dass, was wir im Systemkampf immer abgelehnt und bekämpft haben. Wenn wir nun einen europäischen Finanzminister hätten, was Ex-Bundeskanzler Schröder jetzt so vehement fordert, würde sich der Trend zur europäischen Zentralverwaltung(miß)Wirtschaft nur verstärken. Aber wäre dann die angehäuften Europaschulden von 10 Billionen € verschwunden?

Man kann gut verstehen, dass da Finnland und die Slowakei nicht mitmachen werden. In Deutschland haben wir 2 Billionen € Staatsschulden, aber private Vermögen von 6 Billionen € netto, also abzüglich der privaten Schulden, wobei 10% der Bevölkerung 60% des Vermögens besitzen. Dies sind 88.000 € Vermögen pro Person im Durchschnitt. Über 50% besitzen aber nur 15.000 € im Durchschnitt. 27% der Erwachsenen habe in Deutschland kein Vermögen oder sind verschuldet. Ein Prozent der Bevölkerung besitzt 27% des Vermögens bzw. im Durchschnitt 817.000 €. In den USA ist es nicht anders. 10% der Vermögenden besitzen dort sogar 90% des Vermögens.

Die Schere zwischen arm und reich klafft immer weiter auseinander. Wozu das führt, sieht man jetzt in Griechenland und demnächst in Italien. Es kann zu bürgerkriegsähnlichen Situationen demnächst in Südeuropa kommen. Man sieht es aber auch im arabischen Raum. Es ist absehbar, dass es in Zukunft zu zunehmenden Verteilungskonflikten kommen wird. Viele Staaten werden demnächst an der Schweiz anklagen und nach den dort vorhandenen Vermögen frage, nicht nur die USA. Auch wird zu einer Vermögenssteuer und eine Änderung der Erbschaftssteuer in Deutschland kommen.

Auch ein ESM, der am 23. September vom Deutschen Bundestag beschlossen werden soll, ist nur ein Spiel auf Zeit. Aber die Zeitbombe tickt dann auch weiter und zwar immer schneller. Die Bürgschaftssumme erhöht sich dann für Deutschland auf 210 bzw. 250 Mrd €, was zwei Drittel des deutschen Bundeshalts sind. Damit wird jetzt von „oben“ über unsere zukünftige Verschuldungssituation entschieden, ob wir es wollen oder nicht. Der Bürger wird damit entmachtet. Ich fordere eine Volksabstimmung für den ESM und auch für den Fortbestand des Euros in allen EWU-Ländern, denn wir sind das Volk, leider nicht in der Finanzpolitik. Auch der IWF wird demnächst an die Grenzen der Belastbarkeit kommen. Da sind wir, wenn es so weitergeht alle nur die Opfer. Aus dieser Opferrolle sollten wir alle herauskommen und auf die Straße gehen und offen zeigen, was wir von der gegenwärtigen Europa-Politik und der Finanz-Politik halten.

Der Zustand der „PIGSIF“-Länder, GB und der USA ist jetzt schon so dramatisch, dass auch ohne Double Dip schwerwiegende Refinanzierungsprobleme auf die Länder und damit auch auf die Banken zukommen werden. Die notwendigen Maßnahmen zur Beseitigung dieses Ausnahmezustandes werden dramatisch sein. Die aufgespannten Mega-Rettungsschirme werden nicht halten, wenn es zu einer globalen Rezession kommen sollte. Was die Länder nur retten kann, ist eine überraschend hohes Wachstum und die drastische Rückführung von Schulden. Ich spreche dabei Rückführung von Schulden und nicht eine Verminderung der Neuverschuldung. Das wird nicht ausreichen. Es wird außerdem das Gegenteil 2012-15 passieren: nicht mehr Wachstum, sondern deutlich weniger Wachstum zumindest in den USA und in Europa. Die einzige Hoffnung bleiben die wenig verschuldeten Emerging Marktes.

Kann mir einmal erklären, wer die Billionen € an neuen Anleihen in Zukunft überhaupt kaufen kann, die nur dazu auf dem Markt kommen, um alle (Neu)schulden zurückzahlen zu können? Soll alles demnächst die FED und EZB aufkaufen, was Selbstbetrug wäre? In den letzten Jahren hat sich die Welt-Verschuldung enorm erhöht. Ist das jetzt der Kulminationspunkt, also der Peak erreicht? Dies ist ein Schneeballsystem, das irgendwann alle auf uns einbrechen wird. Wer dass alles ausbaden muss, sind entweder wir oder die Nachfolgegeneration. Vielen Dank, liebe Finanzpolitiker der letzten 60 Jahre!

Obama will jetzt durch ein 450 Mrd USD Konjunkturprogramm die Arbeitslosenquote von gegenwärtig 9,1% zu mindern. Bei Amtsantritt waren es nur 7,8%. Wo sind jetzt die Visionen von Mr. „Yes, wen can“. Keiner glaubt ihm mehr und er wird einen schweren Stand bei der Wiederwahl im nächsten Jahr haben. Obama wollte 4 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Die 450 Mrd USD für Infrastrukturinvestitionen sollen angeblich ohne zusätzliche Neuverschuldung geschehen, also durch Umverteilung im Haushalt. Beim Verteidigungsetat wäre sicherlich noch Spielraum aber wo noch? Die Tea Party und die Republikaner werden jetzt die Chance nutzen und Obamas Programm an die Wand fahren, um selbst an die Macht zu kommen. Aber dann wird es auch nicht besser.

Überall auf der Welt ist der Sozialetat der größte Haushaltsposten. Der zweitgrößte Haushaltsposten noch vor dem Verteidigungsetat ist die Zinslast des Staates. in Deutschland sind dies 40 Mrd €, dies aber auch nur bei so niedrigen Zinsen wie jetzt. Bei der Eiführung von Eurobonds und einen wohl doppelt so hohe Zinsniveau wären es schon bald 50-60 Mrd. € an Zinslast.

Der Rede von Obama war leidenschaftlich ebenso wie die Rede von Angela Merkel im Bundestag für den Euro. Kann es wirklich kein Europa ohne Euro geben. Warten wir es ab. Vielleicht waren beide Reden im Ansatz richtig, nur zur falschen Zeit. Hat Obama die Chance, ein soziales Amerika aufzubauen, was eine Innovation wäre? Die USA wollen keinen Sozialismus und das wird Obama im nächsten Jahr zu spüren bekommen. Hat Angela Merkel die Chance, Stabilität in den Euroraum zu bekommen? Irgendwann wohl ja, aber nicht jetzt. Ich glaube, beide werden scheitern und in 2012/13 abgewählt werden. Aber die Opposition bringt auch keine tragfähigen Lösungskonzepte, die nachhaltig für Stabilität und Solidarität sorgen. Alle machen nur Kosmetik und gehen die Probleme nicht radikal an den Wurzeln an, was aber notwendig ist. Es bedarf demnächst radikaler Lösungen für einen Neuaufbau.

Die Reden von Obama und Merkel haben an den Börsen auch nichts bewirkt. Mehr Gehör fanden schon die warnenden Worte von Josef Ackermann, der vor weiteren Systemrisiken warnt, und von EZB-Chef Trichet, der für den Euroraum eine deutliche Wachstumsabschwächung erwarte. Auch dass der EZB-Chefvolkswirt zurücktrat, hatte Wirkung gehabt. Das kam nicht gut an Die Analysten befinden sich jetzt alle in einer black box, wo alle Prognosen schon durch die nächste bad news über den Haufen geworfen werden kann. Die Anleger reagieren jetzt sehr nervös. Vile haben Angst um ihr Geld und flüchten sich weiter in Gold/Silber, Barliquidität oder Bundesanleihen, nachdem der Schweizer Franken aufgehört hat, der „sicherer Hafen zu sein. Der Dax brach am Freitag auf ein neues Tief von 5189 um 4% und der Dow Jonas um 2,69% auf 10.992 Indexunkte ein. Auch der RTS- gab um 2,69% auf 1625 Indexpunkte nach. Die Anleger bleiben also vorerst nervös und der Salami-Crash setzt sich wie von mir erwartet und angekündigt zunächst fort. Der Euro brach auf unter 1,37 EUR/USD ein und befindet sich jetzt in einer charttechnischen brisanten Situation (mehr dazu im aktuellen EAST STOCK TRENDS, der gerade erscheinen ist, jetzt bei www.eaststock.de bestellen).

Die Börsen schauen in die Zukunft und sie sprechen im Moment eine sehr deutliche Sprache. Die Politiker sollten endlich aufwachen und die Warnsignale richtig deuten. Die Börsen und Devisenmärkte bleiben damit im Panik-Modus. Nicht nur Josef Ackermann fühlt sich an die Lehman-Krise zurückerinnert, nur dass die jetzt zu bewältigenden Probleme (Staatsschuldenkrise, Bankenkrise, Euro-Krise, Ohnmacht der Politiker, Demokratieschwund, Systemrisiken, Generationsprobleme. Inflationsgefahren der Zukunft) noch großer sind als nach dem Lehman-Crash. Es kann also ein Lehman-Crash im Quadrat werden. Alles dies sind deutliche Warnsignale für das Finanz-Chaos in dem wir uns im Moment befinden.

Die Folgen werden notwendige Steuererhöhungen, höhere Sozialabgaben, schleichende Enteignungen (auch über höhere Sozialbeiträge und höher Inflation), und Machtwechsel in der Politik sein. Was wir aber vermeiden müssen ist ein 1929, also eine Konzeptlosigkeit, die zum Bankensterben und zur Massenarbeitslosigkeit und zur großen Depression oder zu Kriegen führt. Aber wie?

Was wir jetzt ganz und gar nicht brauchen können, um die Verschuldung abzubauen und zu sparen, sind weitere Stellvertreter-Kriege als Ablenkungsmanöver. Schon durch den unnötigen Irak-Krieg haben sich die USA ein kostspieliges Eigentor geschossen. Unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung hat die USA geheime Gefängnisse und Folter benutzt. Die USA haben also ganz bewusst Menschenrechte nicht nur in Guantánamo verletzt, fordern aber international überall Menschenrechte und Freiheit ein. Was ist das nur für eine Demokratie und was für ein Selbstverständnis? Auch der CIA spielt immer wieder eine perfide und zwielichtige Rolle. In Afghanistan werden die Talliban früher oder später zurückschlagen. Al Kaida ist weiter im Irak aktiv. Jedes Wochenende müssen dort Unschuldige streben. Wozu? Wie viele Zivilisten sind im Irak und in Afghanistan gestorben und was hat das gebracht? 53 deutsche Soldaten sind in Afghanistan gestorben bei einer mission impossible und die betroffen Familien fragen sich zu Recht warum?

Nun bombardiert die NATO in Libyen, aber warum nicht in Syrien und warum nicht in Saudi-Arabien oder Bahrain? Geht es dabei immer nur um Öl? Es ist ohnedies eine Illusion, dort von heute auf morgen westliche Demokratien nach westlichem Vorbild einführen zu können. Jederzeit sind jetzt weitere Terroranschläge möglich, die die Weltbörsen weiter beunruhigen und aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Am 9/11 wird es aber nicht passieren, das wäre zu einfach.

Nicht ganz unproblematisch sind jetzt auch die zunehmenden Spannungen zwischen der Türkei und Israel sowie Ägypten und Israel. Die Botschaft von Israel in Kairo wurde schon angegriffen. Der gesamte Nahe Osten ist jetzt ein Pulverfass, da keiner weiß, wie in Zukunft das Machtvakuum dort gefüllt wird - auch in Libyen nicht. Genau wie im Irak gibt es keinen Plan, was nach den blutigen arabischen Revolutionen passieren wird, aber es gibt eine Reihe von gut klingenden Worthülsen. Was auch kommen wird, ist irgendwann ein Cyberkrieg, was die nächste Generation des Terrorismus sein wird.

Geld regiert die Welt? In der Finanzpolitik scheint dies so zu sein. Was ist denn nun besser: ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende? Wir haben es selbst in der Hand, denn wir Menschen aktiv gestalten (oder passiv dulden) unsere Zukunft. Für die Börse sicherlich ein Schrecken mit Ende, auch wenn dies einen Börsen-Crash bedeuten würde. Aber danach geht es weiter. Was brauchen wir also? Eine Währungsreform? Wenn ja, welche Art der Währungsreform? Machen Sie mit: Gestalten Sie die Welt nach ihren Wünschen und lassen die nicht von der Welt gestalten! Management heißt sich aktiv kümmern. Kümmern Sie sich und seien nicht nur bekümmert. Machen Sie mit bei der Ideenfindung der nächsten kommendem Finanzproblemen die uns alle mehr beschäftigen werden als uns lieb ist.

Seien Sie also ein aktiver Leser und nicht ein passiver, anonymer Leser. Was sind Ihre Vorschläge zur Verbesserung der globalen Finanzwelt und zur Vermeidung des Super-Gaus und der Kernschmelze? Bitte schreiben Sie es mir. Welche sinnvollen und praktikablen Alternativen gibt es zur gegenwärtigen Geld- und Finanzpolitik? Was würden Sie machen, wenn Sie Bundeskanzler oder Obama wären? Oder ist der Super-Gau und die Kernschmelze notwendig- nach dem Maya-Kalender haben wir Zeit bis zum 21. Dezember 2012, dann gibt es keine Maya-Kalender mehr.

Bitte vormerken: die Jahre 2012 -2015 werden die Jahre des dramatischen Wandels werden mit sich zuspitzende Problemen und radikalen Veränderungen sein. Stellen Sie sich schon einmal darauf ein. Es ist dann wie nach 9/11. Danach ist nichts mehr so wie es früher einmal war. Wir befinden uns schon jetzt im Ausnahmenzustand. Berlusconi will sein „Scheißland“- so wird es selbst zitiert - verlassen, wenn es so weitergeht. Das ist die falsche Flucht der Verursacher des gegenwärtigen Zustands. Nehmen wie die Herausforderungen als Gestalter und nicht als Opfer an. Sie können selbst dazu einen Beitrag leisten. Wir leben im Moment wahrlich nicht in normalen Zeiten, sondern im Ausnahmezustand. Jede Krise birgt auch eine Chance in sich, die Chance der Veränderung. Die G20 hat bisher viele gute Chancen verpasst, denn es hat sich seit der Lehman-Pleite im Finanzsektor nicht viel geändert. Es ist noch etwas Zeit zu verändern oder wollen wir jetzt alle nur Bargeld, Gold/Silber und Konserven zum Überleben sammeln. Ist das alles tatsächlich „alternativlos“? Es gibt viel zu tun. Packen wir es gemeinsam an ohne unser schönes Land zu verlassen! Wir sollten keine weiteren Terroranschläge benötigen, um aufzuwachen. Heute (9/11) ist ein denkwürdiger Gedenktag. Nutzen Sie zum Nachdenken und Querdenken!

Die Börsen befinden sich zwar im Panik-Modus, wovon auch die Ostbörsen diesmal ohne eigenes Verschulden in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dies eröffnet aber auch gute Rebound-Chancen in Trading-Bereich.

Ich rate daher im Trading-Bereich weiter zu gestaffelten Abstauberlimits zu kaufen, wobei Sie liquide Vehikel und Aktien bevorzugen sollten. Auch hier müssen Sie Ihr Depot aktiv managen und nicht passiv zuschauen, was passiert. Welche Aktien jetzt interessant sind sind, können Sie im neuen EAST STOCK TRENDS nachlesen, der am 9. September erschienen ist. Bestellen Sie jetzt ein Probe-Abo des ESR (3 Ausgaben per e-mail nur für 15 €, siehe www.eaststock.de ).

Wenn Sie sich aktuell informieren wollen, wie Sie sich jetzt verhalten sollen, dann hören Sie jetzt mal in die Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) rein.

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