Lieber ein Ende mit Schrecken ...

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Samstag, 07. März 2009 18:02:00

„Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“, ist ein geflügelter Satz, der das Empfinden der meisten Teilnehmer am Finanzmarkt wohl im Moment am besten beschreibt. Viele reizen auf der anderen Seite das „Prinzip Hoffung“ (auf Besserung) bis zum Schluss aus und brechen erst dann in Panik aus, wenn es schon zu spät ist (siehe dazu ausführlich auch mein letzte Kolumne „Die Hoffnung stirbt zuletzt“). Ich kann nur hoffen, dass viele Marktteilnehmer aus dieser fatalen Entwicklung lernen und auch die Politiker in den USA und GB die richtigen Schlüssen daraus ziehen.

Man braucht nicht eine Glaskugel, um vorherzusagen, dass uns schon bald wieder neue Schreckensnachrichten ereilen werden. Jeder kann und sollte sich selbst mit den realen Fakten befassen und wird zu ähnlichen Ergebnissen kommen müssen. Die Börse ist immer eine Kombination aus Fakten, die jedem zugänglich sind und aus Spekulation, welche Faktenlage in Zukunft vorherrschen wird. Zudem variieren die Dominanzfaktoten an der Börse von Zeit zu Zeit, also die Faktoren die die Börse am meisten beeinflussen. Ich nenne das die Dominanzfaktorentheorie (nicht im wissenschaftlichen Sinne). Im Moment sind neben gewichtigen Konjunkturdaten auch mögliche Konkurse von Großunternehmen und sogar von ganzen Staaten in der Diskussion, was gravierende Auswirkungen auf die Börsenkurse hat und haben wird..

So gab es Zeiten, wo die Notenbanken mit ihrer Zinspolitik die Märkte dominant beeinflussen konnten. Diese Zeiten sind jetzt erst einmal vorbei. Eine Zinssenkung wie zuletzt bei der EZB von 2 auf 1,5% - dem historisch niedrigsten Zinssatz der EZB! – verpufft bzw. bewirkt sogar das Gegenteil, nämlich stark fallenden Kurse. Ganz offensichtlich fehlt bei den Marktteilnehmern das Vertrauen, dass die Notenbanken jetzt überhaupt noch etwas bewirken können außer massenhaft Geld zu drucken und die Geldmengen dramatisch auszuweiten, was sich später noch rächen wird. Es gibt jetzt sehr viele Greenspans und „Helikopter-Bens“ auf der Welt, aber sie leben alle in einer Welt der Geld-Illusionen. Der DAX schloss am 6. März mit einem Wochenverlust von 5% bei 3666 Indexpunkte – so niedrig wie zuletzt im Jahr 2004 - , der Dow Jones Ind. gab um 6% nach und fiel auf ein neues 12 Jahrestief von 6626 Indexpunkten. Der marktbreitere S&P 500 fiel auf 683 Indexpunkte, was ebenfalls zugleich ein neues Jahrestief bedeutete und den intakten Bärmarkt bestätigte. Damit wurden wichtige Unterstützungslinien schon durchbrochen. Falls in der nächsten Woche neue Tiefstkurse erreicht werden, ist ein weiterer dramatischer Kursverfall denkbar. Dann sollte Sie auch an den Ostbörsen in Liquidität gehen. Werden die neuen Tiefstkurse der letzte Woche aber nicht wieder unterboten, besteht sogar die Chance auf eine Frühjahrsrallye bis April, die aber wiederum auch nur eine Bärmarktrallye sein wird.

Wie oft habe ich in den letzten Wochen gehört, dass man zwar im letzten Jahr eine Korrektur habe kommen sehen, aber das was jetzt passiert, außerhalb der Vorstellungskraft war. Ich kann diese mangelnde Vorstellungskraft zwar verstehen, weil man vieles einfach nicht wahrhaben will, es war aber offensichtlich ein Denk-Fehler. Dies mag aber auch daran liegen, dass sich einige Analysten nicht hinreichend mit den möglichen Szenarien und Fakten auseinandersetzten. Wenn sich Bubbles auflösen, hat das immer eine Wirkung auf die Börsen. Die Immobilienblase und auch die Verschuldungspyramide in den USA ist hinlänglich bekannt und durch Fakten belegbar gewesen. Wenn sich nun Bubbles in den USA auflösen – und es sind noch keineswegs alle Blasen bisher geplatzt – dann hat das eine potenzierte Wirkung. Hinzu kommt dann die Markttechnik, die wichtige Schlüsse für die Verfassung und Absturzgefahr des Marktes gibt. Wie Sie wissen, habe ich mich dadurch auch leiten lassen. Ich habe schon in 2007 und erst recht 2008 mit sehr drastischen Ausdrücken versucht darauf aufmerksam zu machen, dass so etwas, was wir jetzt durchleben, möglich ist. Das war eine intensive Beschäftigung mir real stattfindenden Prozessen, die sich dann beschleunigen können, wurde aber als „Panikmache“ abgetan. Insofern habe ich schon spätestens seit Juni 2008 zu einer hohen Cashrate und selektiven Short-Trades geraten.

Auch jetzt behaupte ich immer noch, die Lage ist (im Hintergrund) viel schlimmer als sich die meisten vorstellen können und auch als sie sich offen zeigt. Deutschland ist ohnehin im Moment ein „Schlaraffenland“ mit relativ guter Konsumlaune im Vergleich zu anderen Ländern auf der Welt. Aber auch hier ist der Konjunktureinbruch dramatisch vor allem für die Exportwirtschaft. Und vieles wird noch künstlich durch Geldpumpen am Leben gehalten, was schon klinisch tot ist. Dazu zähle ich auch AIG, General Motors, die CitiGroup, Hypo Real Estate AG (für Deutschland) und auch die Ukraine (für ganz Osteuropa und mithin auch Europa), um nur einige Beispiele zu nennen. Alle Unternehmen und auch einige Länder haben nicht mehr die Ertragskraft, um die Schulden fristgerecht begleich zu können. Das Herzinfarktrisiko nimmt bei zu großer Verschuldung zu. Das Problem ist, dass es sich dabei um systemische Risiken handelt. Es kann also immer noch zu einem Systemkollaps kommen. Zum einen sind die genannten Unternehmen und auch Länder wichtige Dominosteine, die nicht fallen dürfen, da es sonst zu einem Systemkollaps und Flächenbrand bzw einer Kernschmlze, wo sich alles auflöst, kommen kann; zum anderen sind bei einem Zusammenbruch eines systemischen Risikos auch viele Gläubiger weltweit betroffen, die dann auch die Insolvenz anmelden müssen. Hinzu kommen zu allem Übel dann auch die kleinen und großen Madoffs, der Welt, also Kapitalmarkt-Betrüger, die erst in der Krise entlarvt werden.

Aktien wie CitiGroup und General Motors werden demnächst vielleicht aus dem Dow Jones ausgeschlossen, da sie zu Pennystsock werden und die Börsenwerte auf ein Allzeittief gefallen sind. Die CitiGroup notiert jetzt bei 0,785 € und ist nur noch 4,3 Mrd. € wert und GM notiert bei 1,13 € und ist nur noch lächerliche 689 Mio. € Wert. Das ist wie in Rom damals, das sich auch überschuldete und dann unterging. Nach der Blütezeit kommt durch übermäßige Verschuldung der Bankrott. Lehman Brothers wird übriges noch gehandelt und hat ein Börsenwert von 16 Mio. €. Einige Optimisten glauben, dass Lehman Brothers in 2 Jahren das Insolvenzverfahren überstanden hat und dann reaktiviert wird. Sicherlich. Totgeglaubte leben länger. Auch der Popstar Michael Jackson bereitet neue Konzerte in London vor und will dafür 100 Mio. Pfund verdienen, um seine Pleite zu verhindern. Er braucht dringend Geld, aber Jackson kann wenigsten (hoffentlich noch) singen. Ich habe großen Respekt vor Comebacks und „Stehaufmännchen“. Viele glauben an solche Widerauferstehungswunder auch an der Börse, aber Wunder kommen nicht immer und dann hat man mit Zitronen gehandelt. Mittlerweile gehören Citgroup und GM schon zu den „Zockeraktien“.

Wer hätte sich das vorstellen können; die CitiGroup wird zum Pennystock und ohne Staatshilfe wäre sie schon lange bankrott? Auch GM fiel auf das Tief aus dem Jahr 1933! Auch GM ist so gut wie Pleite und wird nur durch den Staat künstlich am Leben gehalten. Durch das Herauswerfen von Pennystsocks und damit den Top-Verlieren geben die Indices wie DAX und Dow Jones ein besseres Bild ab, als die Lage ist, denn die Verlierer des Marktes werden einfach rausgeschmissen. Damit stehen die Indices besser da als die Lage ist. Auch das sollte der Anleger beachten.

Jeder sollte sich die Mühe machen, schon jetzt herauszufinden, wer die Großgläubiger von AIG, der Citibank, der Bank of America mit einem Bilanzsumme von jeweils 2 Billionen USD sind. Ein großer Fisch ist auch General Motors, wo im Falle eines Chapter 11 über 600 Mrd. USD an Verbindlichkeiten abgewickelt werden müssen. Darunter leiden dann sofort auch Automobilzulieferbetriebe von GM, die dann gleich den Gläubigerschutz mit beantragen können. Ich halte ein Chapter 11 von GM aber nicht nur für möglich, sondern sogar wahrscheinlich und auch notwenig, um den dann schmerzhaften Bereinigungsprozess dann in Gang zu bringen. Darunter würde dann auch Opel leiden bzw bankrott gehen. Ähnlich verhält es sich mit der Hypo Real Estate AG mit einer Bilanzsumme von 400 Mrd. €. Die Commerzbank hängt aber auch am seidenen Faden durch den Fehlgriff mit der Dresdner Bank und die haben beide zusammen eine Bilanzsumme von 1 Billion €. Es ist klar, dass für die bisherigen Rettungsschirme, die schon viel zu groß gespannt sind, nicht ausreichen; sie haben mehr virtuellen Charakter und sind im Ernstfall nicht zu gebrauchen, es sei denn es kommt zu einer starken Steuererhöhung. Selbst die USA müssen ihre Mega-Konjunkturprogramme und einem Haushaltsbilanzdefizit von 1,7 Billionen USD irgendwann gegenfinanzieren.

Kalifornien war schon Pleite, auch wenn Arnold Schwarzenegger gute Mine zum bösen Spiel bei der Messe „Cebit“ machte. Er hat zwar vielleicht einen Ökologiepreis verdient, mit Finanzmitteln kann der kalifornische Gouverneur aus Österreich aber wohl auch nicht umgehen, sonnst wäre Kalifornien jetzt nicht am Rande der Pleite. Soll man nun zuerst Kalifornien retten oder GM? Diese Überlegungen gibt es tatsächlich im US-Kongress. Aber Achtung: Die USA selbst kann auch Pleite gehen, wenn China und Japan die Staatsanleihen der USA nicht mehr kaufen wollen. Auch die Staatsanleihen der USA hängen als von der Geberbereitschaft anderer Länder ab oder die USA muss irgendwann drastisch die Steuern erhöhen. Denn wie sollen sonst die enormen Haushaltsbilanzdefizite finanziert werden. Ich rechne auch im nächsten Jahr mit einem Haushaltsbilanzdefizit von über 1 Billion USD. Too much is too much, Mr Obama!

Normalerweise müsste der Dollar irgendwann nach der Rückführungswelle aus den Emerging Marktes in die Heimat deutlich schwächer werden. Wir haben es aber mit dem Phänomen zu tun, dass sich mehrere schwache Währungen gegenüberstehen. Der Euro könnte unter der Last von Osteuropa, aber auch Südsosteuropa (Italien, Griechenland, Spanien, Italien) zusammenbrechen. Die USA sind überschuldet. Die gesamte Verschuldung zum BSP (Private, Unternehmen, Staat) beträgt 350% des BSP. Zu hoch verschuldet sind dort vor allem Konsumenten und der Staat. Aber auch in Japan beträgt die Staatsverschuldung zum BSP schon 180%m in Portugal sogar 200%.

Dabei waren zuletzt der Dollar, Yen und Schweizer Franken relativ starke Flucht-Währungen, wobei dis bei genauer Analyse auch nicht logisch ist. Selbst die Schweiz hat alle Hände voll zu tun, die UBS am Leben zu halten. Gelingt dies nicht, entsteht ein Billionenschaden; aber es wird gelingen, wobei die USA die UBS unter Druck setzen und Fluchtgelder eintreiben wollen. Die Hetzjagd „jeder gegen jeden“ hat begonnen! Das politisch gewollte Kunstgebilde Euro wurde schwächer, auch wegen der offensichtlichen Probleme in Süd- und Osteuropa, wobei Deutschland der Zahlmeister für Europa bleibt. Das britische Pfund halbierte sich zum Euro, womit sich aus deutscher Sicht auch alle Aktienengagements im Muterland des Kapitalismus halbierten. Auch Großbritannien ist am Rande der Pleite und kann kaum mit eigener Kraft die Schieflagen bei den Banken auffangen. Allerdings lohnt sich jetzt Shopping in London umso mehr, denn alles ist um die Hälfte billiger. Nach der Deflation wird aber die Inflation kommen und auch das wird Auswirkungen auf die Aktienmärkte haben.

Auch erwarte ich weitere Währungsturbulenzen. Besonders schwach waren seit August 2008 aber fast alle Osteuropa-Währungen, vor allem aber die Währungen aus der Ukraine, Russland, Ungarn, Polen und Rumänien. Einige Währungen werden wie in Bulgarien und in den baltischen Ländern künstlich stabil gehalten, obwohl es große Ungleichgewichte bei den Leistungsbilanzdefiziten gibt. Auch das wird sich früher oder später auflösen. Dabei wollen alle diese Länder noch in den Euro kommen und sie werden damit die Sprengkraft des Euros erhöhen. Zu hohe Ungleichgewichte in einer Währung hält eine Währung auf Dauer nicht aus; deswegen war auch der Goldstandard der falsche Weg. Bihser war der Euro eine „Schönwetterwährung“; die eigentlichen Belastungsproben stehen aber erst in einer Rezession bevor. In der Krise sollten sich „Freunde“ gegenseitig helfen, Wird das aber wirklich dauerhaft in Europa bzw. der EU/EWU möglich sein. Ich hoffe es. Wir werden sehen.

Am 20. März wird in Brüssel bei der EU beraten, wie den osteuropäischen Länden am besten geholfen werden kann. Ich wurde aus diesem Anlass am 20. März auch wieder von der 3SATBörse um 21.30 für ein Interview eingeladen. Gerüchtewiese steht auch Österreich vor dem Staatsbankrott, wenn Osteuropa nicht geholfen wird. Österreichische Banken haben Kredite im Volumen von 230 Mrd. €, mit der Bank Austria (=jetzt Unicredit) sogar 300 Mrd. € an Osteuropa ausgeliehen. Insgesamt wurden 400 Mrd. € an Osteuropa geliehen, wobei viel Unternehmen und Länder aufgrund der Rezession nun in Zahlungsnot geraten, worunter wiederum auch österreichische Banken leiden. Schwedischen Banken hab sich mit 60 Mrd. € überwiegend im Immobiliensektor im Baltikum verzockt.

Auch wenn diese eine Ausuferung der Gier war, so sind die Probleme in Südeuropa und sogar auch in den USA viele größer und gewichtiger. Vor allem sollte man nicht in Osteuropa nun den Sündenbock suchen, die sich angeblich zu hoch verschuldet haben. Mit Ausnahme von Ungarn ist die Auslandsverschuldung der osteuropäischen Länder im Relation zum BSP wesentlichen geringer als bei den Industrieländern. Auch hatten viele Länder (auch mit Ausnahmen von Ungarn) relativ geringe Haushaltsbilanzdefizite und sie kommen jetzt dennoch in Zahlungsschwierigkeiten. Nur hat in einer globalen Rezession keiner Geld und die kleinen gehen eher bankrott als die großen. Zudem darf man nicht vergessen, dass Deutschland schon längst in eine Rezession gekommen wäre, wenn deutsche Exportunternehmen nicht so gute Exporterfolge vor allem in Osteuropa zuvor hatten. Die gegenwärtige einseitige Diskussion von einigen Medienvertretern, Politikern und anderen „Besser-Wessis“ kann ich daher nicht nachvollziehen und muss ihnen auch widersprechen. Im Übrigen gibt es wie bei den nun verteufelten Kreditderivaten auch bei normalen Krediten immer zwei Parteien: Verkäufer und Käufer und beide müssen sich an die Nase fassen!

Es gibt zwar auch schwarze Schafe in Osteuropa, und dazu zähle ich im Moment auch die Ukraine und Bulgarien (bei den Politikern, nicht bei der Bevölkerung oder den Unternehmen!), aber das ist eher die Ausnahme als die Regel. Ich halte es daher für grundfalsch, jetzt alleine Osteuropa die Schuld für die Misere in die Schuhe schieben zu wollen. Dennoch sprechen Währungsverluste (=Vertrauensverluste) eine deutliche Sprache, die nicht zu übersehen sind und die auch ganze Volkswirtschaften ruinieren können (ähnlich wie 1998 in Asien, wobei sich die asiatischen Länder in der Tat damals zu hoch verschuldet hatten; heute sieht es daher auch zum Teil wesentlich besser aus in Asien aus, wenigstens bei einigen Ländern). Einige haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, andere eben nicht. Die größten Verschuldungsprobleme sehe ich nach wie vor in den USA und nicht in Osteuropa.

Wie stark der Vertrauensverlust in Länder ist, kann man einerseits in Länder-Ratings, anderseits noch marktnäher an den Credit Default Swaps (CDS), das sind Versicherungsprämien für Kreditausfälle, ablesen. Demnach gibt es bei Kreditderivaten mit fünfjähriger Laufzeit Aufschläge für Österreich in Höhe von 264 Basispunkten. Damit liegen schon genau hoch wie bei Griechenland mit ebenfalls 264 Basispunkte und sogar höher als bei Italien mit 192 Basispunkte. In Ländern wie Island, Irland Lettland, Ukraine und auch Russland betragen sie zum Teil schon über 1000 Basispunkte. Dies zeigt an, wie hoch der Markt dort Kreditausfälle einstuft.

Am stärksten sind die Gefahren für einen Staatsbankrott und damit einem Default der Auslandsanleihen in der Ukraine. Von den 16,5 Mrd. USD IWF-Geldern wurde bisher erst 4,8 Mrd. USD ausgezahlt und keiner weiß so recht, wo sie geblieben sind In der Ukraine bekämpfen sich der Präsident Juschtschenko und Primier Tymochenko gegenseitig und beschimpfen sich, anstatt zumindest in der Not an einem Strang zu ziehen. Es kommen keine Gesetze durch, weil sie immer wider blockiert werden. Geld versandet auch durch Korruption in undurchsichtigen Kanälen. Es herrschen chaotische Zustände. Die Inflation beträgt über 20%. Daraufhin hat der IWF die Zahlungen für die unter Auflagen in Aussicht gestellten IWF-Kredite eingestellt und viele Staatsbedienstete müssen nun in der Ukraine vergeblich auf ihren Lohn warten.

Die Ukraine ist auch klinisch tot und kann nur durch weitere IWF- oder Europa-Gelder am Leben erhalten werden. Leider blüht die Korruption in der Ukraine und so ist auch nicht verwunderlich, wenn sich die IWF-Gelder im Nirwana auflösen. Es verwundert nicht, dass die Börse Kiew wie schon im Vorjahr auch in diesem Jahr zu den Top-Verlierern der Welt zählt und die Währung immer weiter einbricht. Viele westliche Anleger hatte auch das vor einem Jahr nicht für möglich gehalten und zu spät bis gar nicht reagiert. Die Börse Kiew ist zudem noch sehr illiquide und war schon vorher ein Spielball der Schweizer und österreichischen Investoren, die sich jetzt aber zurückgezogen haben. Es entstanden Blasen, die sich nun auflösen, wobei der Markt jetzt wiederum nach unten übertreibt, denn vielen Unternehmen geht es besser als dem Staat. Zudem sind viele Unternehmen aufgrund der globalen Krise erst in eine Schieflage gekommen. Was den Staat angeht so wäre auch für die Ukraine ein „Ende mit Schrecken besser als ein Schrecken ohne Ende“. Oft ist es hilfreich dass es zum großen Knall kommt, damit einige Politiker aufwachen. Übrigens gibt es auch ein Leben nach dem Staatsbankrott, das hinterher sogar viel besser sein kann wie die Länder Argentinien und Russland zwischenzeitlich deutlich unter Beweis stellten. Vielleicht wäre auch für die Ukraine ein Staatsbankrott eine lehr- und erfolgreiche Lösung, denn so eine Politik wie sie in der Ukraine gemacht wird, kann sich kein Land der Welt auf Dauer leisten. Leidtragende der Politiker sind leider die Bevölkerung und auch westliche Gläubiger.

Zunächst wartet aber Gazprom auf die 400 Mio. USD für Gaslieferungen, die Naftogaz bis zum 7. März zahlen soll. Der Präsident Juschtschenko hat nun am 7. März den Geheimdienst zu Naftogaz geschickt, um zu untersuchen, warum die vereinbarten Zahlungen noch nicht erfolgt sind. Möglicherweise ist die gewaltsame Stürmung der Bürogebäude von Naftigas durch die gefürchtete „Alpha“ Gruppe, also einer Spezialeinheit des Geheimdienstes, aber auch von ihm absichtlich geplant, damit die Zahlung bis 8. März nicht erfolgen kann, die der Naftogaz-Chef Dubina dem russischen Präsidenten Medwedew telefonisch zusagte. Die Untersuchung bei Naftogas sollte angeblich zu Tage bringen, dass Naftogas Gas von der Rosukrenrego im Volumen von 6,3 Mrd. Kubikmetern und im Wert von 1 Mrd. USD zuvor geklaut habe. Timochenko hat sich immer dafür eingesetzt, dass Gazprom das Gas direkt an Naftogas bzw. in die Ukraine ohne den dubiosen Gaszwischenhändler Rosukrenergo schicken soll, was nun auch vereinbart wurde.

Vielleicht geht das gleich Theater mit einem Gasstopp in die Ukraine in den nächsten Tagen noch einmal los, aber dann ist es wenigstens wärmer, wenn der Gashahn wieder für die Ukraine abgedreht wird. Zumindest wird es nun zum Showdown zwischen dem Präsidenten und Premier einerseits und der Ukraine und Russaland anderseits ab dem 8. März kommen. Der 8. März ist übrigens der Frauentag in den GUS-Republiken. Wird es also auch der Tag von Primier Julia Timochenko werden, die wohl auch die zukünftige Präsidentin werden könnte? Denn noch in diesem Jahr sollen Präsidentschaftswahlen in der Ukraine stattfinden. Vielleicht hat das Chaos danach ein Ende, Vielleicht ist die Ukraine bis dahin aber auch schon Bankrott und das betrifft dann auch wider westliche Gläubigerbanken (und Privatpersonen).

Halten Sie bei der Entwicklung von Szenarien auch das Unwahrscheinlich für wahrscheinlich, denn wir leben im Moment in einer Umbruchzeit, wo vieles verschwinden und auch vieles neu entstehen wird. Ich werde in meinem nächsten Börsenbriefe EAST STOCK TRENDS (www.easttsock.de) ausführlich auf die Osteuropa-Krise im Detail eingehen, was auch für Ihre Anlageentscheidungen von Bedeutung sein könnte. Dort schreibe ich auch, wie Sie von einem Staatsbankrot der Ukraine als Anleger profitieren könnten.

Auch in den nächsten Wochen sollten Anleger weiterhin die Markttechnik an der Wall Street beachten. Wenn der Dow Jones unter das alte Tief von 6500 oder noch gewichtiger wenn der S&P unter 660 Punkte fallen sollte, gehen Sie bitte dort short und auch in anderen Märkten in Liquidität, um hinreichend Cash für die kommende Frühjahrsrallye oder für „Osterschnäppchen“ zu haben. Ich empfehle nach wie vor Cash-Quote von 80% und 20% in Trading-Positionen oder Unternehmens-Anleihen. Handeln Sie im Future-Markt und mit CDFs bei Indices vor allem die letzte Stunde beim S&P, denn die kennt dann in der Regel dann nur ein Richtung (gestern long). Am 6. März stieg der S&P in der letzten Handelsstunde von 668 auf 683 Indexpunkte und rettete sich damit noch knapp ins Plus, wahrscheinlich weil das „Plunge Protection Team (PPT)“ mal wieder kurz vor dem finalen Absturz „gegengehalten“ (also Future-Kontrakte massiv gekauft) hat und damit ein Short-Sueeze ausgelöst hat. Es ist jedenfalls schon auffällig, wie oft der S&P in der letzten Handelstunde um 180 Grad ohne wichtige News nach oben dreht.

Einen Bärmarkt kann das „PPT“, falls es sowas überhaupt gibt, aber auch nicht verhindern. Durch dieses Short-Covering können bestimmte Gruppe an den Future-Märkten aber viel Geld verdienen und Sie können sich „dranhängen“, Wie Sie wissen, wenn Sie meine Kolumnen regelmäßig lesen, habe ich auch schon bei einem Dow Jones von unter von unter 8000 und bei einem S&P von unter 800 schon zum Ausstieg bzw. shorten geraten. Beim DAX war die Unterstützungslinie bei 4000 deutlich unterbrochen worden. Die Charttechnik liefert diesmal recht eindeutige Signale. Das ist nicht immer so, Oft genug gibt es Bärenfallen und man wird zu früh ausgestoppt. Es bleibt aber dabei: „The trend is your freind!“

Die gegenwärtige Entwicklung hat mich also nicht überrascht, sondern in der Einschätzung bestätigt. Nach dem Chartausbruch nach unten ist nun ein Pull back auf die oben genanten Chartausbruchlinien möglich, die dann einige voreilig „Frühjahrsrallye“ nennen werden. Eine Trendwende wäre das für mich noch nicht, auch wenn ich sie herbeisehne. Dafür sind die gegenwärtigen Finanzprobleme zu komplex und weitreichend. Im Fall eines Rebounds sind auch die kurzfristigen Trading-Chance an den Ostbörsen recht hoch. Zuletzt waren nach dem Ölpreisanstieg auch wieder Ölaktien in Russland gefragt. Wenn China die Konjunkturprogramme ausweiten sollten, könnten auch Rohstoffe wie Kupfer wieder kommen.

Dies birgt auch Chancen für Anleger. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.).

Fazit: Halten Sie weiterhin alles für möglich auch Konkurse von Großunternehmen wie GM, Währungsturbulenzen und Staatsbankrotte in der Ukraine u.a.. Viele Finanzmarkteilnehmer sehnen sich jetzt ein Ende der Krise herbei. Ich auch. Aber auch für Ihr Investment gilt der Grundsatz: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!“ Vergessen Sie also Ihre Stopp-loss-Marken nicht!

TV-Hinweise: Das nächste TV-Interview mit dem Autor ist am 20. März 2009 um 21.30 Uhr in der 3 SATBörse (www.3sat.de/boerse). Das letzte TV-Interview vom Autor in NTV/Telebörse vom 4. März über Gold und russische Goldaktien können Sie sich jetzt runterladen unter http://www.teleboerse.de/1115294.html .

Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an.

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