Letzter Akt der griechischen Tragödie: Chaos!

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Sonntag, 28. Juni 2015 21:10:00

In einer Nachsitzung entschied sich das griechische Parlament mehrheitlich für ein Referendum über die Frage, ob die Sparvorschläge der Institutionen (Troika), also der EU, EZB und des IWF, angenommen werden sollen oder nicht. Entscheiden soll dies nun per Volkabstimmung am 5. Juli das griechische Volk. Wenn sich Griechenland dagegen entscheiden sollte, droht zunächst eine Staatspleite, aber noch nicht zwingend ein Grexit, also ein Ausritt aus dem Euro. Banken und Börse bleiben ab Montag in Griechenland geschlossen. Eine turbulente Woche auch an den Börsen ist zu erwarten.

Konkursverschleppung durch EU und IWF in Griechenland

Der griechischen Primier Tsipras hat sich in Griechenland durchgesetzt und eine Volksabstimmung am 5. Juli über die Frage herbeigeführt, ob die vom IWF vorgeschlagen Sparbeschlüsse in Griechenland umgesetzt werden soll oder nicht. Am 30, Juni sind an den IWF 1,6 Mrd. US-Dollar zurückzuzahlen. Wenn dies nicht gemacht wird, droht die Zahlungsfähigkeit Griechenlands, die faktisch schon lange vorhanden ist und nur durch die „Hilfskredite“ der EU und des IWF immer wieder in die Zukunft verschoben wird, was einige Experten wie Prof. Hans-Werner Sinn, Chef des IFO-Instituts auch Konkursverschleppung nennen.

Von der EU steht ein Hilfskreditprogramm im Volumen von 15 Mrd. € im Angebot, dies aber auch nur, wenn bestimmte Auflagen eines Reformprogramm erfüllt wie Rentenkürzungen, Einsparungen beim kostspieligen Beamtenapparat und Steuererhöhungen erfüllt werden. Griechenland gehen die Forderungen des IWF zu weit. Die eigenen Vorschläge der griechischen Regierung lehnt wiederum der IWF als nicht hinreichend ab. So beißt sich die Katze in den Schwanz. Wenn aber die Gelder vom IWF oder der EU nicht fließen, geht Griechenland pleite, Griechenland fordert zudem einen Schuldenschnitt, den der IWF und die EU nicht akzeptieren wollen.

Konkursverschleppung durch die EZB in Griechenland

Eine Konkursverschleppung erfolgt aber auch die die sogenannten ELA-Kredite der Europäischen Zentralbank (EZB) die den griechischen Banken als Notkredite gewährt wird, um eine Liquiditätskrise abzuwenden. Die ELA-Kredite haben schon einem Volumen von über 90 Mrd. € und sind daher weit mehr als der IWF oder die EU in diesem Jahr an weiteren Hilfskrediten unter Auflagen gewähren würde. Im März waren es „nur“ 50 Mrd. € an ELA-Krediten. Die Forderungen der EZB an die griechischen Banken beitragen schon insgesamt jetzt 125 Mrd. € und werden immer mehr.

Schon lange gibt es in Griechenland einen Banken Run. Es wurden schon Milliarden an Euro abgehoben und ins Ausland überwiesen. Durch die ELA-Notkredite an die griechischen Banken betrieb die EZB nicht nur Konkursverschleppung, sondern sie förderte auch die Kapitalflucht, denn die Gelder landeten nicht auf griechischen Konten, sondern auf Auslandskonten von reichen Griechen. Die Kapitalflucht hält in Griechenland an.

Griechische Banken und Börsen geschlossen

Die Banken sollen am Montag geschlossen werden, auch die Börse bleibt geschlossen. Möglicherweise werden Banken und Börsen sogar für 1 Woche geschlossen. Es werden dann wohl Kapitalverkehrskontrollen folgen, d.h. es wird festgelegt, wie viele Gelder ins Ausland überwiesen werden dürfen und wie viel Geld abgehoben werden darf, was die Wirtschaft in Griechenland erheblich zusätzlich schädigen wird, denn dies ein weiter erheblicher Vertrauensverlust.

Banken Run in Griechenland setzt sich fort

Die EZB hält die ELA-Kredite nach einer Entscheidung am Sonntag zwar aufrecht, aber nur noch auf dem Niveau vom Freitag und nicht darüber hinaus. Wenn sich der Banken Run verschärfen sollte, muss die griechische Regierung also wahrscheinlich Kapitalverkehrskontrollen einführen. Am Samstag wurden schon über 600 Mio. € von Banken abgehoben anstelle von sonst üblichen 30 Mio. €. Urlaubern wird empfohlen, so viel Bargeld wie möglich mitzunehmen, da es nun zu Bankenschließungen kommt. Zwei systemrelevante Banken sind durch den Kapitalabzug schon am Rand der Pleite, werden aber noch künstlich durch die EZB gestützt. Die EZB will aber die Finanzstabilität in Griechenland erhalten, sonst werden auch alle ihre bisher gegebenen Kredite wertlos. Dies will die EZB vermeiden.

Es fehlt nach wie vor ein Marshallplan

Den letzten Akt der griechischen Tragödie wird es am 5. Juli gegeben, wobei es auch dann noch ein paar nicht eingeplante „Zugaben beim Sommerttheater“ geben kann. Die Selbstmorde sind in Griechenland in den letzten Jahren um 35 Prozent gestiegen, was auch mit der Sparpolitik des IWF zusammenhängt. Immer mehr griechische Bürger werden nur durch Suppenküchen ernährt. Wer über 1 Jahr arbeitslos ist, hat nicht nur kein Einkommen, sondern auch keine Krankenversicherungen. Was nach wie vor fehlt, ist ein Marshallplan für Griechenland und echte Investitionen, die Wachstum schaffen. Die IWF-Kredite und EU-Kredite können das Problem in Griechenland nicht lösen, sie schaffen nur mehr Abhängigkeit. Es sind auch keine „Hilfen“, sondern knallharte Kreditbedingungen des IWF.

Schuldenschnitt auch in der Ukraine notwendig

Ein ähnliches Szenario wie Griechenland gibt es auch für die Ukraine, wo die ukrainische Regierung auch vehement einen Schuldenschnitt fordert. Dies wird die nächste, sehr teure Rettung von einer Staatspleite werden, die allen Anlegern noch bevorsteht. Die Wirtschaftsdaten in der Ukraine sind sogar noch schlechter als in Griechenland. Zwei Staatspleiten in Folge könnten aber auch eine Vertrauenskrise in alle Anleihen durch einen Dominoeffekt auslösen.

Terroranschläge durch extreme Islamisten verunsichern Urlauber

Drei Terroranschläge in Folge gab es am Freitag in Tunesien, Frankreich und in Kuwait, die aber nicht miteinander zusammenhängen. Mit weiteren Terroranschlägen muss während des Ramadans gerechnet werden. Die Urlauber aus Tunesien flüchten schon in die Heimat nach dem Terroranschlag. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm, insbesondere dann, wenn sich die Terroranschläge fortsetzen sollten. In Syrien und auch in Jemen wird weiter gemordet, was unter der Rubrik Krieg kaum auffällt. Ähnlich ist es in der Ost-Ukraine aus ganz anderen Gründen. Aber auch dort werden die Separatisten Terroristen genannt. Obama fordert jetzt den Abzug der russischen Truppen aus der Ost-Ukraine. Es wird wohl dazu kommen, dass er bald auch tödliche Waffen in die Ukraine schickt. Damit ist der erhoffte Erfolg von Minsk II weiter in weite Ferne gerückt.

Mini-Crash in China

In China gab es einen bisher in den Medien wenig beachteten Mini-Crash von 20 Prozent in 9 Handelstagen. Alleine am Freitag gab der China Shanghai Composite Index um 7,4 Prozent nach. Am 12. Juni erreichte er noch ein Hoch von über 5000 Indexpunkten. Jetzt fiel er auf unter 4200 Indexpunkte. Zu einer Blase kam es insbesondere bei Wachstums- und Internetaktien. Der ChiNext-Index stieg sogar schon um über 150 Prozent in diesem Jahr, wobei ich hier schon öfters von einer Übertreibung seitens der spielwütigen Chinesen gewarnt habe. Zudem war ein großer Teil der Aktienkäufe kreditfinanziert. Die Notenbank versucht durch Zinssenkungen die Finanzstabilität wieder herzustellen. In Anbetracht der Kurssteigerungen von über 60 Prozent bei Shanghai Composite-Index ist diese Kurskorrektur von über 20 Prozent als gesund zu bezeichnen. Panik ist in China deswegen bisher nicht aufgekommen. Eine starke Korrektur ist nun aber auch an den europäischen Börsen ab Montag zu erwarten. In Griechenland steht ein Chaos bevor.

Stabile Kurse in Europa trotz Grexit-Gefahr

Der DAX hielt sich am Freitag mit 11.527 Indexpunkten und der Dow Jones Industrial Index mit 17.946 Indexpunkten noch recht stabil, ebenso wie der EuroStoxx-Index mit 3621 Indexpunkten. Der japanische Nikkei 225-Index erreichte sogar völlig unbeeindruckt von den Grexit-Gefahren ein neues Jahres-Hoch von 20.850 Indexpunkten. Ganz offensichtlich wurde dabei auch eine Einigung am Wochenende in letzte Minute gesetzt. Die letzte Minute ist jetzt aber überschritten. Die Kurse werden daher wohl am Montag stark fallen.

Der auf US-Dollar basierende „Russian Trading Index“, kurz: RTS-Index stabilisiert sich bei 943 Indexpunkte, was ein Minus von 28 Prozent in einem Jahr, aber ein Plus von über 20 Prozent seit Jahresbeginn bedeutet. Der auf Rubel basierende MICEX-Index stieg am 26. Juni sogar um 0,75 Prozent auf 1644 Indexpunkte, was ein Plus von 17 Prozent in einem Jahr bedeutet. Der russische Ölkonzern Rosneft konnte den Gewinn im 1. Quartal 2015 in Rubel um ein Drittel steigern. Dabei stabilisierten sich der Brent-Ölpreis bei 63 US-Dollar/Barrel und der WTI-Ölpreis bei 59,6 USD-Dollar/Barrel. Der Rubel blieb auch zum Euro stabil bei 61,2 EUR/RUB und zum Dollar bei 54,8 US-Dollar/RUB. Gold bewegte sich kam und blieb niedrig bei 1175 US-Dollar/Unze und Silber bei 15,8 US-Dollar/Unze. Gold und Silber konnte von der Griechenland-Krise also bisher nicht profitieren. Diese Woche dürfte wegen der sich zuspitzenden Griechenland-Krise sehr turbulent und volatil werden.

Erst informieren, dann investieren

Nach der Korrektur bleibt die Moskauer Börse eine attraktive und stark unterbewertete Trading-Börse. Die preiswertesten Aktienmärkte kommen aus Osteuropa. Die Aktienmärkte aus Serbien und Slowenien zählten im letzten Jahr mit einem Plus von jeweils 18 Prozent in 2014 zu den Top-Performern auf der Welt. Nun ist die Börse Budapest (Ungarn) einer der Top-Performer mit einem Plus von über 36 Prozent. Aber auch die baltischen Börsen stiegen schon über 15 Prozent.

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TV- und Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 28. Mai 2015 in NTV/Telebörse von Friedhelm Tilgen und am 28. Mai von Anita Erhard im DAF über Osteuropa befragt. Diese Interviews sind jetzt ebenso wie das Interview mit Börsen Radio Networks über Zentralosteuropa (Ungarn, Polen) unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik Interviews abrufbar. Schauen Sie sich auch das gleichnamige EastStockTV-Video, Folge 74 unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ an.

Diskutieren Sie jetzt auch mit Herrn Männicke interaktiv unter http://go.guidants.com/de#c/Andreas_Maennicke .

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