Krim mit i heißt Krimi – Déjà-vu in der Ost-Ukraine

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Dienstag, 08. April 2014 14:18:00

Am 7. April erklärte sich die Stadt Donezk in der Ost-Ukraine als unabhängige Republik, nachdem zuvor das Parlamentsgebäude eingenommen wurde. Auch in den Städten Charkow und Lugansk kam es zu einer Besetzung von Verwaltungsgebäuden durch „pro-russische Kräfte“. Die pro-russischen Gruppen erkennen nicht die neuen Gouverneure an, die nach der Flucht von Janukovic eingesetzt wurden. Sie wollen auch russisch als Amtssprache und die russische Kultur beibehalten.

Das erinnert sehr stark an das Vorgehen in der Krim. Die Krim wird damit zum Krimi, Fortsetzung folgt. In Donezk riefen sie laut nach Putin. Alle diese pro-russischen Kräfte fordern ein Referendum und hernach den Anschluss an Russland, genauso wie zuvor in der Krim, so wie es auch Janukovic von seinen Landsleuten fordert. Dies sind aber, ob sie es wollen oder nicht, auch Kriegstreiber und dies ist gefährlich für die ganze Welt. Vermittelnd tätig werden jetzt auch einige Oligarchen aus der Ost-Ukraine, die aber auch Eigeninteressen verfolgen.

Julia Timoschenko, die angeblich nach einem abgehörten Telefongespräch Putin mit einer Kalaschnikow am liebsten selbst in den Kopf schießen will, ist gleich mit der Behauptung dabei, dass dies in Wirklichkeit „bestellte“ russische Kräfte seien, die dort in der Ost-Ukraine wirken. Auch die USA vermuten russische Provokateure in der Ost-Ukraine. Von russischer Seite wird umgekehrt kolportiert, dass in der Ukraine über 150 amerikanische Spezialkräfte unterwegs seien, mit dem Auftrag, solche Situationen herzustellen und die Lage zu destabilisieren, um Russland zu zwingen bzw. zu provozieren, einzugreifen.

Schon auf dem Maidan-Platz, wo 100 Menschen starben, sollten die Spezialkräfte aktiv gewesen sein. Zusätzlich seien Demonstranten auf dem Maidan-Platz bestochen worden. Noch heute weiß man nicht genau, wer auf dem Maidan-Platz eigentlich geschossen hat und wer den Schießbefehl gegeben hat. Janukovic bestreit noch heute, dass er den Schießbefehl gegeben hat. Das sind natürlich alles nur Behauptungen, aber vielleicht ist an beiden etwas dran. Leider gibt es noch keinen Untersuchungsausschuss, der die Vorkommnisse auf dem Maidan-Platz einmal genau untersucht. Warum eigentlich nicht?

Dann kämpfen in der Ukraine nicht West- gegen Ost-Ukrainer, sondern (auch) Amerikaner gegen Russen bzw. russische gegen amerikanische Geheimdienste mit ganz subtilen Methoden. Wie wir alle auch von israelischen Geheimdiensten wissen, gibt es auch dort Auftragsmorde. Geheimdienste können bekanntlich über Leichen gehen und verselbständigen sich zuweilen, wie auch der NSA-Abhörskandal zeigte. Es geht dabei um geopolitische Macht- und Sicherheitspolitik. Da man nichts weiß, gibt es viel Raum für Verschwörungstheorien.

Möglicherweise geht es dabei aber auch um die nicht ganz ungefährliche Rüstungs- und Öl/Gaslobby auf beiden Seiten, sowohl in der USA als auch in Russland – ohne dass dies die Präsidenten als Marionetten selbst wissen bzw. mitbekommen. Wer sind dann aber die wahren Kriegstreiber, die im Hintergrund unerkannt wirken und immer machtvoller werden wollen. Sie fühlen sich wohl wie Mephisto in Faust: „Ich bin ein Teil jener Kraft, die stets das Böse will, aber das Gute schafft!“. Schon die Unterteilung in „Gut“ und „Böse“, die George Bush beim Irak-Krieg im Rahmen der Terrorbekämpfung (?) auch gern machte, ist zu einseitig, führt in die Irre und trifft den Kern nicht. Medien machen da gern mit, weil es einfach ist, in „gut“ und „böse“ zu unterscheiden. Aber so einfach ist die Wirklichkeit nun mal nicht. So ist in den meisten westlichen meiden Putin der böse, kalte Krieger und Obama der Gut-Mensch.

Hier sollten nun wiederum alle nicht gekauften, unabhängigen und objektiven Medien aufgerufen sein, mehr Licht ins Dunkel zu bringen, welche unheimlichen Kräfte dort wirklich im Hintergrund oder Vordergrund wirken. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir Ihre Meinung dazu kundtun, wenn Sie etwas wissen oder auch nur wenn Sie etwas ahnen.

Das Problem sind aber auch die nicht gekauften, aber sehr oberflächlich agierenden Medien inklusive TV-Anstalten, die oft mit wenigen Bildern eine sehr verzerrte und einseitige Wirklichkeit zeigen. Hier stehen dann insbesondere die Nachrichtendienste wie CNN oder N-TV in hoher Verantwortung. Sie sollten immer kenntlich machen, was Live-Bilder und was Archivbilder sind. Vor allem sollten sie sich die Zeit nehmen, besser zu recherchieren und zu differenzieren, um eine allzu einseitige Berichterstattung zu vermeiden. Das trifft sowohl für amerikanischen, russische, ukrainische aber auch deutsche Berichte zu.

Auch Politiker neigen viel zu schnell dazu, einen zuvor verabredeten Einheitsbrei zu verbreiten ohne sich selbst Gedanken zu machen oder mit der „Gegenseite“ ernsthaft zu befassen. Auch hier ist oft Putin der „Schurke“ und Obama/Merkel sind die „Gut-Menschen“. Politiker sollten lernen – und Medien auch – sich in die Lage des andern zu versetzen, ohne gleich in die gut/böse-Kategorie zu verfallen. Die Gleichsetzungen der Methoden von Putin mit den Methoden von Hitler können wohl kaum Vertrauen schaffen, sondern dienen nur, weiter zu provozieren und zu sticheln. Politiker sollten sich gerade jetzt der Signalwirkung ihrer Worte (auch im Ausland) bewusst werden. Wenn sie es nicht tun, sind sie dumm, denn dann entstehen Kriege, die keiner will und wo beide dann in letzter Instanz zumindest militärisch recht behalten wollen.

Warum distanzieren sich nicht alle deutschen Politiker von der Swobodo-Partei, wo der Vergleich mit Hitler eher zutrifft? Viele westliche Politiker machen im Moment große Fehler auch aus Unkenntnis und Desinformation oder auch nur weil es einfacher ist, in gut und böse zu unterschieden.

Mein Credo: Die Ukraine sollte ein selbstbestimmtes, neutrales Land bleiben, das sowohl mit Europa als auch mit Russland gleichberichtigt ins Geschäft kommt. Die Ukraine sollte aber nicht der NATO beitreten, weil dies nur ein weiteres, nicht ungefährliches Konfliktpotential mit Russland provoziert. Dies sind im Grundsatz auch die Forderungen der Russen. Durch Zölle kann so etwas schnell kaputt gemacht werden. Nur muss man zusätzlich die ökonomische Realität in Betracht ziehen. Es gibt nun mal den östlichen Teil der Ukraine, die sich sehr mit Russland verbunden fühlt und es gibt den westlichen Teil der Ukraine, der sich mehr den westlichen Werten verbunden fühlt. Nun bestehen der Westen aber überwiegend aus Landwirtschaft und der Osten aus der Schwerindustrie, wo auch die Oligarchen beheimatet sind. Bisher gab es noch keinen Präsident, der diese beiden Teile so integrieren konnte, dass daraus eine Einheit wird. Die Ukraine war und ist also schon lange gespalten. Insofern ist der Vorschlag der Russen, eine Föderation einzurichten, gar nicht so abwegig und vielleicht sogar förderlich, Frieden zu schaffen.

Die Ukraine braucht ansonsten einen sehr charismatischen Präsidenten, der beide Teile hinter sich bringen kann. Hinzu kommt das Problem der gewaltberieten, nationalistischen Swoboda-Partei, das er lösen muss. Solche gewaltbereiten Nationalisten in die Regierung zu nehmen, sollte dann ausgeschlossen werden, denn das schafft nur Unverständnis und Unfrieden. Ob dies der „Schokoladenbaron“ Poroschenko als neuer Präsidentschaftskandidat kann, sei einmal dahingestellt. Aber selbst wenn er am 25. Mai demokratisch mit einer Mehrheit gewählt wird, ist das Kardinal-Problem der Ukraine nicht gelöst, nämlich die Ukraine wirtschaftlich voranzubringen, die Korruption zu unterbinden und die Ost- und West-Ukraine zu einen. Das sind wahre Herkulesaufgaben, die nur dann zu meistern sind, wenn hernach auch Russland und Europa wieder vertrauensvoll zusammenarbeiten. Aber gelingt das? Sonst bricht die Ukraine zusammen und dann hat Europa ein zweites Griechenland „vor der Haustür“ oder eben einen Krieg, den keiner will.

Hier offenbart sich im Vorfeld der Wahl schon ein weiterer politischer Kindergarten. Die Süßwaren-Produkte von Poroschenko wurden aus den Regalen in Russland verbannt und die Süßwarenprodukte der Russen wurden anderseits aus den Regalen in Kiew verbannt. Auch hier steht dahinter wieder die viel zu einseitige Einteilung in „gut“ und böse“. Russland ist der Aggressor und muss daher bestraft werden. Auch die Polen und baltischen Länder neigen allzu gern – auch historisch bedingt aus Angst – zu dieser allzu einseitigen Einteilung, was man zwar verstehen kann, aber nicht zweckdienlich ist.

Es ist sehr zweifelhaft, ob dies nun durch eine Präsidentschaftswahl am 25. Mai besser wird, aber man hat dann zumindest einen Ansprechpartner und überwindet das gegenwärtige, sehr gefährliche Machtvakuum, das auch mit „bösen“ Kräften gefüllt werden kann, von welcher Seite auch immer betrachtet: „Ich bin ein Teil jener Kraft, der stets das Böse will, aber das gute schafft!“. Das Problem war und ist, dass die Verwaltung in der Ukraine inklusive dem Präsidenten zuvor höchst korrupt war. So sollen sich – ebenso wie in Griechenland – über 200 Mrd. USD von ukrainischen Oligarchen und hohen Beamten auf Auslandskonten befinden, was Fluchtgeld und Korruptionsgeld ist. Wenn dieses wieder zurückfließen würde, wäre der Ukraine schon geholfen. So muss dieses korrupte Land aber mal wieder der IWF und die EU unter die Arme greifen und ich frage mich, ob das mit einer „Wertediskussion“ tatsächlich zu rechtfertigen ist. Wer dies befürwortet muss in Kauf nehmen, dass ein zweites Griechenland vor unsere Haustür steht.

Zweifelsohne wird der Ost-Ukraine-Konflikt auch in den nächsten Tagen und Wochen die Weltbörsen wieder beschäftigen und beeinflussen. Am 7. April gaben die Weltbörsen deswegen schon kräftig nach. Der DAX war am Freitag noch über 9700, ist jetzt am 8. April zur Mittagszeit bei 9432 Indexpunkten (Tendenz fallend). Der Kurs von Gazprom fiel um 4% auf 5,5 €, bleibt aber rege nachgefragt.

Gazprom erhöhte zuvor den Gaspreis für die Ukraine um 80% auf über 485 USD, weil die Ukraine die Schulden von 2,2 Mrd. USD nicht beglichen hat. Auch dieses Theater kennen wir schon zur genüge. Die EU könnte der Ukraine nun schnell einen Kredit gewähren, damit die Ukraine die 2,2 Mrd. USD auch zahlen kann, dann gibt es zumindest keinen Gaskonflikt mehr. Dieses Problem ließ sich also relativ schnell lösen, wenn es der IWF und Europa will. Gazprom bestreitet dabei, Gas als „Waffe“ zu benutzen. Die Ukraine will sich solch überhöhte Gaspreise aber nicht gefallen lassen und Gazprom vor ein Schiedsgericht bringen. Gazprom sichert auf der andren Seite Deutschland Versorgungssicherheit zu.

Der Vorschlag des amerikanischem Außenministers Kerry, in 10 Tagen die wichtigsten Vertreter der Ukraine, Russland, Europa und der USA an einen Tisch zu bekommen, um eine Eskalation in der Ost-Ukraine oder gar einen Krieg zu vermeiden, halte ich für einen sehr guten und dringlichen Vorschlag. Wenn Russland sagt, es wird in der Ost-Ukraine auch nach einem Referendum nicht einschreiten und die Ost-Ukraine annektieren, wäre schon viel geholfen. Das wird Russland aber nur unter Bedingungen machen, die schon von Außenminister Lawrow beim Treffen in Paris formuliert wurden. Die Standpunkte sind also klar. Jetzt fehlt nur noch die Verhandlungsbereitschaft zur Konfliktlösung, ohne dass einer das Gesicht verliert. Denn sonst könnte so einiges aus dem Ruder laufen und Prozesse in Gang setzen, die im Grunde keiner will, außer vielleicht die „geheimnisvollen Kräfte“ hinter den Machtapparaten, die sich wohlmöglich schon verselbständigt haben.

Wie geht es nun weiter mit Gazprom &Co? Dieses und vieles mehr wollen wir auch diskutieren beim nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar am 13. Mai 2014 um 17.00 Uhr in Frankfurt/M. Es geht dabei aber darum wie Sie ihre Gewinne im Falle eines „black swans“ absichern können, auch in Emerging Markets. Melden Sie daher jetzt an unter www.eaststsock.de, dort unter der Rubrik „Seminar“.

Im neuen EastStockTV, Folge 18 geht es auch um den Ost-Ukraine-Konflikt und die möglichen Entwicklungen der Börsen. Sie können das Video jetzt runterladen unter www.eaststock.de, dort unter „Interviews“

TV-Hinweise: Herr Männicke wurde am 4. April 2014 um 18.15 Uhr live auf der "Invest" von N24von Dietmar Deffner über die Folgewirkungen der Krim-Krise befragt. Sie können das neue Interview jetzt unter www.eaststock.de abrufen, dort unter der Rubrik „Interview“. Das nächste TV-Interview von Herrn Männicke wird am 14. Mai 2014 in NTV-Telebörse im Zertifikate-Check mit Friedhelm Tilgen sein.

Informieren Sie sich jetzt ausführlich über die Hintergründe der Ukraine/Russland-Krise: Bestellen Sie jetzt auch ein Probe-Abo (3 Ausgaben per Email für nur 15 €) des monatlich erscheinenden Börsenbriefs EAST STOCK TRENDS mit einem Ukraine/Russland-Special mit vielen Hintergrund-Informationen und neuen Anlage-Vorschlägen wie mit der "Aktie" des Monats und lukrativen Zertifikaten. Denn wie heißt es so schön: erst informieren und dann investieren!

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