Kommt jetzt ein Anleihen-Crash?: Die Rating-Keule wird wieder geschwungen!

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Sonntag, 27. November 2011 00:20:00

Die US-Rating-Agenturen haben die Weltbörsen in der letzten Wochen erneut in die Schockstarre versetzt. Nun wurde auch Portugal trotz aller Sparbemühungen und sogar Ungarn trotz eines relativ niedrigen Haushaltsbilanzdefizits - das der USA ist mehr als doppelt so hoch! - auf Ramschniveau heruntergesetzt. Damit werden genau die Prozesse in Gang gesetzt, die ich erwartet und hinlänglich beschrieben habe, die aber für Anleger sehr unerfreulich sind. Für die Anleger bedeutet das weiterhin mit einer black box und kurzfristig nicht zu kalkulierenden Aktienbewegungen, vor allem mit hoher Volatilität, klar zu kommen. Der DAX wird weiter über London, also über Auslandsorder, „gemacht“ und der Privatanleger schaut hinterher.

Nachdem sich der US-Super-Kongress nicht auf das Sparprogram einigen konnte, was auch nicht überraschend kam, brachen die Kurse schon letzten Montag an allen Weltbörsen ein. Der DAX gab seit Ende Oktober um 1000 Indexpunkte von 6400 auf 5400 Indexpunkte nach. Ich hatte Sie am letzten Sonntag noch vorgewarnt und Ihnen rechtzeitig geschrieben, dass Sie beim DAX und an den Ostbörsen bei Unterschreiten von 5750 short gehen oder verkaufen sollen. Der RTS fiel in 1 Monat von über 1600 auf 1400 Indexpunkte trotz des anhaltend hohen Ölpreises (WTI bei 95 USD/Barrel, Brent bei 105 USD/Barrel). Zudem brach der Euro zum Dollar um 10 Cents von 1,42 auf 1,32 EUR/USD ein. Der Einbruch an den Aktien- und Rohstoffmärkten kam somit nicht überraschend. Es kann aber noch schlimmer werden.

Gold ist ebenso wie der Bund-Future jetzt auch nicht mehr der „sichere Hafen. Der Goldpreis gab seit Mitte November trotz der eskalierenden Krisen um 100 USD/Unze von 1800 auf unter 1700 USD/Unze nach. Bei unter 1660 entsteht ein neues Short-Signal, bei über 1720 aber ein Kaufsignal bei Gold. Der Silberpreis korrigierte im November von 35 auf 31,5 USD/Unze. Bei unter 30,8 USD/Unze entsteht ein Verkaufssignal, bei über 33 USD/Unze aber ein Kaufsignal, was jetzt mehr vom Dollar abhängen wird.

Wenn die Rating-Agenturen konsistent und glaubhaft raten würden, müssten sich jetzt auch amerikanische Anleihen herunterstufen, da die Rating-Agenturen auch die politischen Entscheidungsprozesse beurteilen. Hier werden die „heiligen Kühe“ aber wohl nicht so schnell geschlachtet, was Hellmeyer als Finanzkrieg USA/England gegen Europa interpretiert. Da ist was dran. Eine Herabstufung von US-Anleihen würde dann einen weitere Kurslawine nach unten ausläsen sowie ab dem 1. August als der erste Herunterstufungen einen Crash an den Welt. Der US-Anleihenversicherer von Hypothekenanleihen MBIA ist wieder sehr gefährdet und könnte selbst im Rating herunter gestuft werden, was auch eine Kurslawine auslösen würde.

In den USA geht es nicht um Milliarden (wie in Griechenland/Portugal), sondern um Billionen USD. Ich kann jetzt schon voraussagen, dass das Sparprogramm in den USA nicht gelingen wird. Allerdings ist dort das Wachstum mit 2-3% noch recht robust und die USA könnte durch eine Umverteilung sehr schnell ihr Schuldenproblem lösen. Die über 1 Billion USD Neuverschuldung ist allerdings viel zu hoch. Wer wird in Zukunft die ganzen US-Schrottanleihen aufkaufen, wenn PIMCO raus aus dem Spiel ist?

Deutschland ist auch schon zu hoch verschuldet und nimmt jetzt als Zahlmeister immer mehr EU-Bürgschaften ins Buch, was ein Fehler ist. Das kann nicht gutgehen und wird für den Steuerzahler teuer werden. Ich kann allerdings nicht verstehen, dass Finanzminister Schäuble für Deutschland eine Neuverschuldung von 27 Mrd € für 2012 nach einem angeblichen Aufschwung XXL einplant. Wieso werden jetzt neue Schulden von Vornherein eingeplant und nicht eine Rückzahlung der Schulden? Deutschland müsste hier als gutes Beispiel vorangehen, tut es aber nicht.

Die Zinsen sind ein logische Folge der Rating-Einstufungen. Für Deutschland, die USA und Japan sind sie viel zu niedrig, in anderen Ländern sind sie zum Teil der Spielball der Spekulanten. Wenn die US-Rating-Agenturen die Rating-Keule schwingen, sind die Konsequenzen ganz klar. Einige Länder wie Griechenland und Portugal, jetzt aber auch Ungarn, werden von Kapitalmarkt abgeschnitten und müssen die Nothilfe der Troika oder später aus dem EFSF in Anspruch nehmen. Dies gilt auch für die Banken in diesen Ländern die faktisch pleite sind. Es gibt schon einen Bankenrun in Griechenland und demnächst in Portugal.

Die Anleihenrenditen reichen von 0,3 bis 0,4% im ein- bis zweijährigen Bereich in Deutschland bis zu 266% für 1-jährige Griechenlandanleihen. Aber auch die Unternehmensanleihen von Banken und einzelnen Unternehmen wie Solarunternehmen, die auch Pleite gehen können wie Q-Cells, kamen zuletzt erheblich unter Druck und fielen auf unter 50 im Kurs wie bei Thomas Cook, dem das Englandgeschäft weggebrochen ist, nach der Finanzlücke von 100 Mio. € sogar auf unter 30. Es wird in den nächsten Monaten weitere Insolvenzen und Turbulenzen geben, auch bei Ländern. Nach Griechenland wird nun Portugal auf das Korn genommen. Aber auch die Renditen von Anliehen aus Deutschland und Frankreich werden steigen. Dabei schaut man im Moment weniger auf die Inflation, sondern nur darauf, wie der Staat sich selbst auf dem Sumpf ziehen kann. Wie aber soll er das überhaupt noch können? Ein Sparprogramm, das in die Rezession führt, ist ein Selbstbetrug und ein Betrug gegenüber den Bürgern. Alle Politiker sollten zumindest für einen ausgeglichenen Haushalt sorgen, aber außer Sparparolen hält sich keiner an diesem doch recht simplen Haushaltsgrundsatz – heute weniger denn früher, selbst in Deutschland nicht!

Zinsen in %

Land 1 Jahr 2 Jahre 5 Jahre 10 Jahre

Japan 0,1 0,1 0,3 1,0

USA 0,1 0,2 0,9 2,0

Deutschland 0,3 0,4 0,9 1,8

Kanada 0,9 0,9 1,4 2,1

Frankreich 1,0 1,9 2,9 3,8

Spanien 5,6 5,8 6,1 6,8

Italien 6,1 6,6 7,0 7,1

Irland 6,2 8,2 8,2 8,2

Portuga l - 17,1 13,6 11,3

Griechenland 266 111 44,7 28,9

Quellen: Der Aktionär, Bloomberg

Da für viele Anleihen der Kampf verloren ist, kann jetzt nur noch die EZB helfen. Die Mittel vom EFSF werden bei steigenden Zinsen nicht ausreichen. Auch Eurobonds sind nur die zweitbeste Lösung, aber eine Lösung die den Deutschen viel Steuern kosten wird, aber ein sofortiges Auseinanderbrechen des Euros vermeidet.

Es ist der wahre Zinswahnsinn und Ausdruck des globalen Ausnahmenzustandes: wer Anleihen in Japan, den USA und in Deutschland kauft, macht real Verluste und weiß dies auch genau, da jeweils die Inflationsrate höher ist als der Zinscoupon - im ein- bis zweijährigen Bereich noch mehr als im 5-10- jährigen Bereich. Ich erwarte hier demnächst einen Anleihen-Crash in den Jahren 2012/13 bei dem auch Versicherer und Pensionskassen in Schwierigkeiten kommen werden. Bis jetzt konnten die großen Versicherungen mit US-Anleihen und Bundesanleihen noch gutes Geld verdienen, da die Anleihen immer weiter als Fluchtwährung und „sichere Häfen“, die sie nicht sind, angesehen wurden, so dass die Anleihenkurse stiegen. Da dürfte in 2012 aber nicht mehr der Fall sein

Der Bund-Future stieg bis Anfang November auf das Rekord-Hoch von über 138, brach jetzt aber schon auf 134 ein, was ein erstes Warnzeichen ist. Ich rechne mit weiter fallenden Kursen (=steigenden Zinsen) beim Bund-Future. Das vordergründig günstige Anleihen-Klima in Deutschland und den USA wird sich 2012/13 aber gravierend ändern, vor allem weil auch hier demnächst die Rating-Keule geschwungen wird. Vor allem in Frankreich rechne ich mit starken steigenden Zinsen im Anleihenbereich. Ich warne ausdrücklich vor diesem Szenarien in 2012/13 auch im Aktienbereichen

Zuletzt konnten erstmals sogar Bundesanleihen im geplanten Volumen von 6 Mrd € nur zu 4 Mrd € platziert werden, was ein erstes Warnziechen ist. Ich rechne daher auch steigenden Zinsen bei Bundesanleihen in Deutschland, was aber auch nur eine Normalisierung wäre. Nur wird dann die Zinslast im Bundeshaushalt auch größer und hoffentlich hat dies Schäuble auch eingeplant.

Die Zinslast ist die dritt größte Haushaltsposition (nach Arbeit/Soziales und Verteidigung), die auch abhängig vom Zinsniveau immer weiter ansteigt und damit die Ausgabe für Bildung und Gesundheit beschränkt. Folge: es werden demnächst auch hier mehr auf die Straße gegen und gen Einsparungen bei Bildung und Gesundheit demonstrieren.

Unter den steigenden Zinsen werden die Aktienmärkte aber auch leiden. Durch die negativen Realzinsen wird der Goldpreis – zuletzt noch knapp unter 1700 USD/Unze und der Silberpreis – zuletzt noch bei etwa über 31 USD/Unze - oben gehalten; aber auch hier handelt es ich einen ETF-Bubble und einen Bubble von Privatanlegern. Hier kann es in 2012/13 so manche Enttäuschung geben, wenn die Inflation nicht deutlich anziehen sollte wovon ich ausgehe. Aber negative Realzinsen sind weiter ein Kaufargument für Gold- und Silber. Wenn der Dollar weiter steigt, dürften im Moment auch Gold und Silber weiter nachgegeben – und umgekehrt. Mit Silber war in diesem Jahr per Saldo kein Geld zu verdienen, es sei denn man hat erfolgreich getradet und bei 50 USD verkauft.

Im Grunde ist schon alles fünf nach 12 und Schuld daran sind nicht die Banken, die auch, sondern vornehmlich die Politiker und da darf sich auch ein Schäuble mit einreihen. Schuld sind aber auch die bürger selbst, die diese Schuldenorgie immer wieder zulassen und mit sich geschehen lassen. Wer geht den jetzt schon auf die Straße, wenn Schäuble die Neuverschuldung auf 27 Mrd € einplant? Keiner! Eigentlich müssten jetzt alle auf die Straße gehen, aber die meisten kapieren das nicht. Die Bewegung „Occopy Wall Street“ ist schon ein beindruckendes Signal, was es früher im Musterland des Kapitalismus nicht gab; die internationale Bewegung wird aber so nicht ausreichen, um die Politiker wachzurütteln. Die Großkapitalisten sägen jetzt den Ast ab, auf dem sie sitzen und dann brechen aber auch ganze Volkswirtschaften ein. Es wird ein den nächsten beiden Jahren dramatische Veränderungen geben, die sie auch alle im EAST TOCK TRENDS rechtzeitig nachlesen können.

Demnächst werden die Banken immer weniger Staatsanleihen aufkaufen aber wer kauft dann die Staatsanleihen auf. Das Schneeballsystem Refinanzierung von Anleihen durch neue Anleihen, also ein Roll over mit neuen Anleihen/Krediten, wird schon bald in sich zusammenrechen und damit die Aktienmärkte auch.

Es werden sich die Probleme in Nordafrika (Syrien) und im Iran in den nächsten Wochen und Monaten verschärfen; auch ein Krieg ist nicht ausgeschlossen. Das ist wahrlich nicht der Stoff, aus dem Börsenträume gemacht werden. Daher jetzt volle Deckung!

Ich rate weiter zu dem Multi-Asset Managementansatz, also zu effizientes Handelssystemen (auch über neuronale Netze, die auch bei fallenden Kursen profitieren), Gold/Silber /auch in Trading-Bereich), Hedging-Strategien, Immobilien, NPL-Fonds, ausgewählte Private-Equity Fonds, und ausgewählte Unternehmensanleihen. Wenn Sie diese Assetklassen und/ oder das Seminar „Erfolgreiche Anlage-Strategien in Krisenzeiten“ interessiert, dann melden Sie sich bitte jetzt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel 040/6570883, email: info@eaststock.de.

Wie Sie sich jetzt verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen.“

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV+Radio-Hinweise. Beim letzten TV-Interview am 23. November 2011 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) wurde im Börsentalk mit Dr. Jünemann von Männicke auch ein neuer Vorschlag zur Rettung des Euros unterbreitet. Die letzten TV- und Radio-Interviews von Andreas Männicke im September 2011 im DAF, NTV/Telebörse und Deutsche Welle (auf Russisch) können Sie jetzt unter www.eastsstock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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