Kommt jetzt die Frühjahrsrallye?

Drucken Speichern

Samstag, 14. März 2009 16:01:00

Viele werden sich jetzt fragen: „Kommt jetzt die Frühjahrsrallye oder war sie das schon?“ Die Antwort kennt nur der Wind. Die letzte Woche brachte für alle Weltbörsen deutliche Kursgewinne. Hoffnung machten ab dem 12. März insbesondere Äußerungen von JP Morgan und zuvor auch von der Deutsche Bank AG, dass die ersten beiden Monate positiv verlaufen waren. So vollzog der Bankenindex in der letzten Woche eine bemerkenswerte Kehrtwendung, die durchaus Beachtung verdient. Ich bin der Auffassung, dass eine nachhaltige Frühjahrsrallye nur dann geben kann, wenn es keine weiteren Hiobsbotschaften aus dem Bankensektor gibt und wenn sich die positiven Signale bei der Deutsche Bank AG und JP Morgan auch bei anderen Banken bestätigen sollten. Desweiteren muss der Anleger mit Argusaugen betrachten, ob General Motors und Chrysler in den nächsten Wochen ein Chapter 11 verhindern können. An den Ostbörsen muss beachtet werden, ob der Ukraine und Lettland aus der Zahlungsnot geholfen werden kann.

All dies ist aber keinesfalls sicher. Neben den „guten Banken“ gibt es die „schlechten Banken“, die weiterhin Probleme bereiten, wobei die eigentliche Bad Bank noch nicht aus der Taufe gehoben wurde. Auch dies könnte ein wichtiger Meilenstein werden, nämlich die Vorschläge des US-Finanzministers Timothy Geithner zur Gesundung der desolaten amerikanischen Bankensystems. Die Spreu hat sich schon längst vom Weizen getrennt. So braucht Fannee Mae weitere Staatsgelder im Volumen von über 20 Mrd. USD ebenso wie die Versicherung AIG. Das Auf und Ab an den Weltbörsen wird uns wohl noch eine Weile begleiten. Auch die Konjunkturindikatoren geben noch keinen Anlass zur Freude, obwohl die US-Einzelhandelsumsätze am Freitag weit besser ausfielen als erwartet. Der Dow Jones stieg daraufhin um 0,75% auf 7223 Indexpunkte und der marktbreitere und maßgebliche S&P 500 Index um 077% auf 756 Indexpunkte., womit die letzte Woche endlich einmal wieder positiv verlief. Nach Ausverkaufkursen kommen aber immer Gegenbewegungen, die auch in der Markttechnik begründet sind.

So ist ein Pull Back auf die Chartausbruchlinie (beim DAX erfolgte der Chartaausbruch beim 4000, bei Dow Jones bei 8000 und beim S&P 800) normal, wobei der DAX schon an der Chartausbruchlinie angekommen ist und der Dow und S&P nach ein wenig Luft bzw. Nachholpotential haben. Zur Erinnerung: am 12/13. März war im Jahr 2003 auch der Tiefstpunkt beim DAX und danach ging es fast 5 Jahre aufwärts. Damals platzte die Internetblase, jetzt platzt die Kreditblase, wobei letzteres wesentlich gravierende Auswirkungen auf alle Volkswirtschaften der Welt hat. Die Situation von damals ist zwar wirtschaftlich nicht mit der heutigen zu vergleichen, da wir es jetzt mit globalen Systemrisiken zu tun haben; es gibt dennoch einige Parallelen: so wollte auch damals keiner Aktien kaufen und alle waren vom Aktienmarkt schwer enttäuscht. Versicherungen hatten schon lange keine Aktien mehr. Die Kassandrarufer waren auch damals sehr laut.

Ab dem 13. März 2003 begann aber eine 5 jährige Hausse, die damals keiner für möglich gehalten hat. Ich rechne zwar in den nächsten 5 Jahren nicht mehr einer ähnlichen Entwicklung wie in den Jahre 2003 bis Mitte 2008, die an den Ostbörsen zu Performancergebnissen von über 30% im Jahr im Durchschnitt gebracht haben; es wird aber aufgrund der hohen Barliquidität einige bemerkenswerten zeitlich begrenzte Zwischenhaussen geben. In den nächsten Wochen werden die good news aber immer wieder durch bad news gepaart oder gar konterkariert werden. Vor allem die USA stehen vor gewaltigen Verschuldungsproblemen. Aber auch in Osteuropa müssen dieses Jahr 400 Mrd. USD prolongiert bzw. refinanziert werden, wobei aber nur einige Länder wie Ukraine, Lettland und Ungarn. Am Freitag waren aber die Handelsumsätze nicht so schlecht wird erwartet und des konnten sich der Markt gut behaupten.

Besonders erfreulich entwickelte sich in der letzten Woche die Moskauer Börse. Der RTS stieg am „Glückstag“ Freitag, den 13. März allen Unkenrufen zum Trotz um 5,43% auf 652 Indexpunkte und rutschte damit schon wieder in Plus, nachdem er zuvor noch im Tief über 20% in diesem Jahr im Minus war. Ich hatte im EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de) auch schon vorher auf die volatile Seitwärtsbewegung hingewiesen, die sehr gute Tradingchancen eröffnet. Einen starken Rebound machen neben Öl/Gas- und Konsumaktien auch Medienwerte. Dabei kommt es aber nach wie vor zu weiteren Zwangsliquidierungen bei notleidenden Oligarchen, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Horrormonaten September/Oktober 2008. So steht der Autokonzern GAZ des Oligarchen Oleg Deripaska kurz vor dem Konkurs. Deripaska droht dabei eine weitere Mrd. USD zu verlieren. Sein Vermögen ist schon von 40 auf 5 Mrd. USD geschrumpft und man darf gespannt sein, ob er überhaupt die Finanzkrise wirtschaftlich überleben wird. In Russland geht es der Automobilindustrie ähnlich schlecht wie überhaupt auf der Welt.

Die fehlende Liquidität der russischen Oligarchen bekommen jetzt auch die Immobilienhändler in Südfrankreich und Südspanien zu spüren. Während zuvor die russischen Neureichen und Oligarchen die Preise der Luxusvillen nach oben trieben, gibt es nun Preisnachlässe von 30-40% und dennoch keine Käufer. Für die Supereichen, die noch liquide sind, ergibt sich damit jetzt ein „Schnäppchenmarkt“ in Südfrankreich.

Auch die restlichen Ostbörsen konnten sich seit Mitte der letzten Woche deutlich erholen. Eine Fortsetzung der Erholungstendenz ist zwar weiterhin von den News im Bankensektor und den Konjunkturdaten in den USA abhängig; es kann aber gut sein, dass sich einzelnen Emerging Markets auch in einem fortgesetzt schlechten wirtschaftlichen Umfeld in den USA positiv entwickeln können. So könnte die Decouplings-These (=Abkoppelungsthese) der Emerging Marktes, die in 2008 keinen Bestand hatte, in diesem Jahr selektiv möglich und bestätigt werden. In China betrug zwar das BSP-Wachstum in den ersten beiden Monaten nur 3-4%, was das niedrigste Wachstum seit Jahren ist; dennoch ist der Shanghai–Index aufgrund des bevorstehenden Mega-Konjunkturprogramme im Volumen von über 500 Mrd. USD schon kräftig im Plus und führt im Moment die Weltbörse an, obwohl er letzte Woche um 3% nachgab. Dafür stieg der H-Aktienindex in Hongkong um 7,3% auf 6785 Indexpunkte. Die chinesische Entwicklungsbank ist sogar in der Lage, einen 25 Mrd. USD Kredit an Rosneft/Transneft zu geben. Die Krise macht jetzt sonst einiges möglich, was vorher nicht für möglich gehalten wurde, auch dass Russland und China jetzt näher zusammenrücken, um die Vormachtsstellung der USA anzugreifen.

Ganz aussichtslos ist das Unterfangen nicht, zumal die USA jetzt immer noch sehr verwundbar und von der Finanzkrise geschwächt sind. Ohne China/Japan könnten die USA auch nicht das Mega-Konjunkturprogramm in den USA stemmen, denn vor allem China und Japan werde die nächsten Billionen an US-Staatsanleihen aufkaufen (müssen). Beide Länder brauchen aber die USA als wichtigsten Exportmarkt. Der Export in Japan und China ist in den letzten Monaten schon dramatisch eingebrochen. Im Februar gab der Export um 26% nach. Damit wurde aus einem chinesischen Handelsbilanzüberschuss von 39 Mrd. USD nur noch ein Handelsbilanzüberschuss von 4 Mrd. USD. China braucht also auch eine Gesundung der US-Konjunktur, um selber prosperieren zu können. An einer baldigen Gesundung der US-Konjunktur will ich aber noch nicht glauben. Als aussichtsreich stufe auch Brasilien ein.

Aufgrund des bevorstehenden G20-Treffen am 20. April , wo „schwarze Listen“ für Länder entstehen sollen, die die Steuerflucht begünstigen, wollen nun Österreich, Liechtenstein und die Schweiz das Bankgeheimnis in begründeten Fällen fallen lassen. Damit werden jetzt in der Krise „heilige Kühe“ gemolken. Inder Krise wird das Unmögliche jetzt möglich, was vielfach zu begrüßen ist. Ich bin gespannt, wohin dann die Billionen USD aus den Steueroasen hinfliessen werden. Aber erstmal werden sie dort bleiben, wo sie sind.

Auch an den Ostbörsen wird es selektiv gute Erholungschancen geben. Gold dürfte bei steigenden Aktienkursen eher nach unten tendieren, da dann die „Angstprämie“ wegfällt. Der Goldpreis stagnierte bei 929 USD/Unze. Dagegen konnte sich der Ölpreis auf 47 USD/Barrel leicht erholen. Positiv bin ich jetzt für den Euro gestimmt, der bei 1,25 EUR/USD einen doppelten Boden bildet und nun nach oben tendierte (zuletzt bei 1,29 EUR/USD). Bei 1,31 EUR/USD entsteht ein Kaufsignal.

Als relativ krisenresistent erweisen sich auch einige ausgewählte Hedgefonds. Ein von mir als aussichtsreich eingestufter Hedgefonds erzielte in den ersten beiden Monaten sogar eine Performance von 36%. Ich empfehle daher auch gerade jetzt Hedgefonds als Portfoliobeimischung. Informieren können Sie über das Produkt, das auch im letzten Jahr mit einem kräftigen Plus abgeschnitten hat, auch bei mir in einem persönlichen Gespräch.

Ausblick: An der Wall Street ist jetzt ein Pull back auf die jeweiligen Chartsausbruchlinien, also bei Dow Jones auf 8000 und beim S&P auf 800 möglich. Dann würde sich in der Tat eine Frühjahrsrallye ergeben. Erst bei einem S&P von unter 660 würde sich der Kursabschwung beschleunigen. Noch dürfen aber auch die Ostbörsen auf die Fortsetzung der Frühjahrsrallye hoffen, wobei auch dann noch der Bärmarkt durch die weiter fallenden 200 Tageslinien intakt bleibt. Insofern bleibe ich bei meiner These der volatilen Seitwärtsbewegung, zumal schnelle Gewinnmitnahmen bei den nervösen Marktteilnehmern immer noch wahrscheinlich sind.

Dies birgt auch Chancen für Anleger. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.).

TV-Hinweis: Das nächste TV-Interview mit dem Autor über Otseuropa st am 20. März 2009 um 21.30 Uhr in der 3 SATBörse (www.3sat.de/boerse). Das letzte TV-Interview vom Autor in NTV/Telebörse vom 4. März über Gold und russische Goldaktien können Sie sich jetzt runterladen unter http://www.teleboerse.de/1115294.html .

Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an.

Anzeige
 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

15.01.2018
Männicke im Intreview in Börsen Radio Networks

Archiv

05.11.17 Alles auf Allzeit-Hoch - und nun?
01.10.17 Wall Street auf neuem Allzeit-Hoch, aber bekommen wir im Oktober einen Crash?
27.09.17 Jetzt wird es immer bunter
10.08.17 Trump gegen Kim – gibt es nun einen (Atom-)Krieg?
31.07.17 Automobilbranche in der Vertrauenskrise – wo bleibt die Moral der Manager?

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)