Kommt eine Währungsreform oder ein Staatsbankrott – oder beides?

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Samstag, 07. Februar 2009 14:57:00

„Wer regiert die Welt?“ Hinter dieser Frage verbergen sich eine Reihe von Verschwörungstheorien, die bis zur Ermordung von US-Staatspräsidenten gehen. Eine davon ist die Theorie, dass die Welt von einem Banken-Kartell in Amerika regiert wird. Dies sind angeblich in etwa die gleichen Bankiers, die auch dem „Plunge Protection Team“ zugerechnet werden und immer wieder versuchen, den Dow Jones vor dem Absturz zu bewahren.. Dazu zählen neben gewichtigen Ölkonzernen vor allem Banken wie Rockefeller Bank, Goldman Sachs, JP Morgan Chace & Co. Ursprünglich zählte auch Lehman&Co dazu. Nachdem sich die USA auch mithilfe der expansiven Geldpolitik FED immer mehr verschuldete, wurden auch einige japanische Banken als Co-Finanziers mit ins Boot genommen, die dann die US-Haushaltsbilanzdefizite und zunehmende US-Verschuldung mitfinanzieren sollten. Sie besitzen und beherrschen angeblich im Hintergrund auch die FED, die eine privatrechtliche und nicht eine öffentlich-rechtliche oder staatliche Organisation ist, die daher nicht unabhängig, sondern vornehmlich im Interesse des US-Banken-Kartells agiert. Wie gesagt, das ist eine Verschwörungstheorie.

Nun sind im letzten Jahr über 30 Billionen USD an Vermögenswerten verloren gegangen und das Banken-Kartell scheint sich aufzulösen bzw. versucht sich, durch Merger und Staatsbeteiligungen vorübergehend am Leben zu erhalten. Dabei werden jetzt letzte Rettungsversuche unternommen, um den vollständigen Finanz-Kollaps zu vermeiden. Erweisen sich diese letzen Rettungsmaßnahmen als wirkungslos, kommt eine Währungsreform oder ein Staatsbankrott in Betracht, was zuletzt auch der „Spiegel“ als Titelstory gewählt hat. Bernanke hat zuletzt angedeutet, dass die FED demnächst sogar auch US-Staatsanleihen aufkaufen will. Man darf die Frage stellen, ob auch die FED Pleite gehen kann und was dann passiert? Bloomberg hat schon vergeblich versucht herauszubekommen, wie viel Billionen USD die FED schon an wen ausgeliehen bzw. in Umlauf gebracht hat, um den Finanzkollaps in den USA zu vermeiden. Alles top secret! Faktisch ist das gesamte US-Bankensystem nach dem US-Ökonomen Nouriel Roubini insolvent, da noch ein Abschreibungsbedarf von 3,8 Billion USD vorhanden ist. Too big to fail!? Zudem werden demnächst (weltweit) zunehmend Konsumentenkredite und Unternehmenskredite notleidend. Es ist fraglich, ob der Staat dies alles mit einer „Bad Bank“ auffangen kann, was zuvor an Giftmüll in die Welt gepustet wurde. Obama hat den hohen Boni bei Banken schon den Kampf angesagt, was ein gefährliches Spiel im Sinne der Verschwörungstheorie sein könnte. Es gibt auch Verschwörungstheoretiker, die vehement die Abschaffung der FED fordern, denn Greenspan hat diese wahnwitzige Spekulation in US-Immobilien und damit verbundenen Kreditderivaten erst möglich gemacht. Es war ein Billionspiel, das jetzt zusammenkracht, womit auch die FED mit konventionellen Instrumenten nicht fertig wird.

Was aber wird jetzt in Zukunft und was wird passieren? Meines Erachtens wird der „Prozess der schleichenden Enteignung“ über Sozialabgaben, Steuererhöhungen, aber auch durch Verluste an den Kapitalmärkten und Verstaatlichungen von Banken früher oder später weitergehen. Zudem wird es weitere Währungsturbulenzen geben, die möglicherweise von dem oben genannten „Banken-Kartell“ gesteuert werden. Dies kommt schon dadurch zustande, dass Gelder aus Emerging Markets und Rohstoffen abgezogen werden. Durch die Kapitalflucht kommen dann Währungen in unter Druck wie zuletzt in vielen Emerging Markets, aber auch in Großbritannien, die aufgrund des Immobilien-Bubbles ähnliche Probleme haben wie die USA. Das Pfund halbierte sich schon zum Euro. Dagegen steigen die Währungen Dollar, Yen und Schweizer Franken künstlich, also die Währungen des Banken-Kartells. Auch der Glaube, dass der Staat der „sichere Hafen“ ist, wird noch eine Weile weitergehen (= wahnwitzige Flucht in Staatsanleihen) bis erkannt wird, dass auch diese keinesfalls sicher sind und die Zinsen zu steigen beginnen. Nach dem Anleihen-Bubble wird ein Anleihen-Crash kommen. Unsere Nachfolgegeneration wird noch lange davon sprechen, was jetzt gerade passiert, denn es sind wahrhaft „historische Ereignisse“ (nicht nur) in der Finanzwelt, die seinsgleichen suchen.

Nach Steuersenkungsdiskussionen wird es später notgedrungen Steuererhöhungs- und vor allem Umverteilungsdiskussionen geben. Menschen die arbeitslos wurden, werden mehr auf die Strasse gehen. Erste Anzeichen dazu gab es schon in Russland und in baltischen Ländern. Der Zorn gegen die jeweiligen Regierungen (und Vorstände von Aktiengesellschaften) wird immer größer werden. Auch „Systemdiskussionen“ werden zunehmen, weil weder das kapitalistische noch das kommunistische System funktionieren. Es wird weltweit mehr Proteste von „unten“ her geben. Auch China ist ein soziales Pulverfass aufgrund der 30 Millionen Wanderarbeiter, die ohne sozialen Schutz bald arbeitslos werden. Obama wird versuchen, in den USA gegenzusteuern, aber es werden aufgrund der „Altlasten“ immer wieder die Finanzmittel fehlen. Zudem wird auch das obige „Banken- und Öl-Kartell“ versuchen, ihm das Leben schwer zu machen, vielleicht schon nächste Woche im US-Repräsentantenhaus…

Dabei befinden sich jetzt schon 8 Billionen USD auf US-Geldmarktkonten bzw. in geldnahen Bereichen in den USA. Das Geld wird also geparkt. Auch die deutschen Vermögensverwaltungen haben jetzt außergewöhnlich hohe Cashquoten und Sie hoffentlich auch. Zwischendurch werden wir eine starke Hausse an den Weltbörsen bekommen, nämlich dann, wenn die Zahl der Arbeitslosen in den USA „auf dem Papier“ saisonal zurückgehen wird oder noch besser, wenn sie wesentlich geringer als erwartet ausfallen wird, denn dann werden alle glauben, dass die Pferde schon saufen. Diese US-Arbeitslosen zahlen können zwischenzeitlich auch manipuliert werden und sind ohnehin nur Schätzgrößen. Lassen Sie sich dadurch nicht hinter das Licht führen, denn auch die US-Arbeitslosenzahlen sind aber immer geschönte Schätzzahlen. Ich rechne mit einer Arbeitslosenquote von über 10% in diesem Jahr. In Spanien beträgt sie schon 14%, Tendenz zunehmend! Zunehmende Arbeitslosenzahlen mindern den Konsum und belasten jeden Staatshaushalt.

Wie aber kommt man aus dem Teufelskreis heraus? Was jetzt erforderlich ist, ist mehr denn je internationale Kooperation auf allen Ebenen, das Zurückgewinnen von Vertrauen (auch bei den Wirtschaftskapitänen, die den Rückwärtsgang eingeschaltet haben), zukunftsträchtige neue Technologien und Solidarität (auch der Reichen), also das Gegenteil von Protektionismus und Egoismus. Natürlich müssen auch die Kontrollmechanismen in Zukunft effizienter funktionieren und es muss alles transparenter werden. Dies fordert auch ausgerechnet Putin in Davos, ebenso wie die baldige Rückkehr zur Marktwirtschaft, nachdem jetzt zur Rettung des Systems in Teilbereichen der Fehlgriff in die Staatswirtschaft getätigt wird. Der Staat wird aber überfordert sein, marktwirtschaftliche Prozesse in Gang zu bringen und den Wohlstand zu mehren. Nun soll de Staat auch Milliardären wie der Schäffler-Gruppe (=weltweit führender Automobilzulieferer) helfen, die sich mit Continental gewaltig verspekuliert haben. Und dies alles unter den Vorwand, Arbeitsplätze zu sichern. Es ist klar, dass dies beim Volk (und auch bei mir) auf Unverständnis stößt..

Der Fall Madoff hat aufgezeigt, dass auch die sonst so geachtete SEC nichts getan hat, um den 50 Mrd. USD Skandal zu verhindern, ganz einfach, weil sie die Produkte nicht verstanden. Dabei haben die Wirtschaftprüfer schon im Jahr 2001 versucht, die SEC auf die „Fehlleitung des Kapitals“ aufmerksam zu machen. Die SEC schritt aber nicht ein. Den Staatsbeamten fehlt ganz einfach das Know How zum Durchblick. Ähnlich war es bei den deutschen Landesbanken und IKB, wo hochrangige Staatsbeamte auch nicht die Fehlleitung des Kapitals entdeckt haben. Sie hatten ganz einfach keine Ahnung, welche Mega-Risken in den Büchern waren. Jetzt ist es zu spät und jetzt soll die HRE verstaatlicht werden, also der Steuerzahler helfen. Fast alle staatlichen Aufsichtsgremien haben weltweit versagt, was mich nicht verwundert. Soll das nun auf einmal alles besser werden?

Wir haben jetzt schon wegen der „Jahrhundert-Solzenz-Krise“ eine Mega-Vertrauens-Krise. Keiner traut dem anderen mehr, besonders im weltweiten Banken-System. Es steht jetzt viel auf dem Spiel und es bleibt ein „Tanz auf dem Vulkan“. Mit einem „Yes, we can“-Ausruf alleine ist es leider nicht getan, obwohl die Rückkehr des Vertrauen im Moment das wichtigste Gut auf der Welt ist. Geht es gänzlich verloren, wird es eine langjährige Rezession und Baisse an den Weltbörsen geben. Roubini geht davon aus, dass die USA erst im Jahr 2011 wieder einen nachhaltigen Aufschwung erleben werden und bis dahin die Altlasten aufarbeiten müssen, was ein sehr schmerzlicher Prozess – auch für Anleger - sein wird. Bis dahin wird es noch eine Reihe von kleinen und großen Madoffs (=Betrügern) geben und viele die in eine Zwangslage kommen und erst in der Not kriminell werden (Stichwort: Bilanzfälschung- und Manipulation). Wirtschaftprüfer werden sich auch mit hohen Goodwill-Abschreibungen Mrd-Volumen zu beschäftigen haben, und Anleger damit auch. Auch Schadensersatzklagen und aufgebrachte Anleger auf Hauptversammlungen werden zunehmen. Gehen Sie dieses Jahr einmal ein einige Hauptversammlungen, dann können Sie den Zorn der Anleger „live“ miterleben.

Am Montag will der neue US-Finanzminister Timothy Geitner einen Plan vorlegen, wie das US-Bankensystem zu retten sei. Nach der Verschwörungstheorie gehört er als Ex-Chef der New Yorker Notenbank mit zum US-„Banken-Kartell“. Man darf gespannt sein, was er vorschlagen wird. Zudem entscheidet der amerikanische Senat am Wochenende über das neue Konjunktur-Programm von Obama, das fast ein Volumen von 900 Mrd. USD haben soll und noch einmal aufgestockt wurde. Das Haushaltsbilanzdefizit beträgt damit 1,2 Billionen USD in diesem Jahr. In der nächsten Woche soll dann das US-Konjunkturprogramm vom US-Repräsentantenhaus verabschiedet werden, Wenn Obama im Kongress im ersten Anlauf scheitern sollte, was Bush auch zweimal passiert war (!), und damit eine erste Ohrfeige von den Republikanern (=“Banken-Kartell“?) bekommen sollte, wäre dies zunächst auch ein Schock für die Wall Street, obwohl die vorgebrachten Gegenargumente sehr sinnvoll sind. Die Republikaner plädieren jetzt – ebenso wie die FDP in Deutschland - mehr für eine Steuersenkung zur Konjunkturankurbelung. Aber auch das kostet Geld und muss irgendwie gegenfinanziert werden. Alle Rettungsprogramme sind wieder einmal ein „ungedeckter Scheck für die Zukunft“ (nach dem Prinzip, die Hoffnung stirbt zuletzt). Nur wer wird ihn später bezahlen? Natürlich diejenigen die ihn angenommen haben und die ahnungslose Nachfolgegeneration! Wenn sich die Republikaner durchsetzen sollten, wird es eng- auch an den Weltbörsen. Dann kann der Dow Jones schell unter die wichtige Marke von 7850 Indexpunkten fallen. Warten wir es ab.

Im Vorfeld dieser für das Sentiment an der Börse wichtigen politischen Entscheidungen stieg der Dow Jones am Freitag überraschend trotz sehr schlechter US-Arbeitslosenzahlen von fast 600.000 um 2,7% auf 8280 Indexpunkte. Am Vortag war der Dow Jones bei 7850 Indexpunkten nur knapp einem Absturz entgangen. Möglicherweise griff das das „Plunge Protection Team“ erneut ein und kaufte S&P-Future-Kontrakte, um Leerverkäufer zum Short-Covering zu zwingen. Der DAX stieg sogar um 2,97% auf 4644 Indexpunkte, nachdem BMW einen positiven Ausblick für dieses Jahr gab.

Die Bilanzpressekonferenz der Deutsche Bank AG, die einen Rekord-Bilanzverlust in Höhe von 3,9 Mrd. € für 2008 zu Tage brachte, wurde erstaunlich gut weggesteckt. Angeblich hat die Commerzbank AG in 2008 alles an Kreditderivaten abgeschrieben, wobei jetzt zunehmend Unternehmenskredite notleidend werden. Die Deutsche Bank AG war mit einem Volumen von über 400 Mrd. € der drittgrößte Anbieter von strukturierten Produkten und hat hier bisher fast gar nichts abgeschrieben mit Ausnahme im Eigenhandel. Es bleibt also abzuwarten, ob die Zahlen von Josef Ackerman geschönt sind oder der Wahrheit entsprechen. Angeblich hat die Deutsche Bank AG nach Ackermann eine hinreichend hohe Liquiditätsvorsorge getätigt, so dass sie (noch) nicht unter den staatlichen Rettungsschirm muss. Vielleicht will aber Ackermann die Staatshilfe auch vermeiden, um sich nicht in die gefälschten Karten kucken zu lassen. Amerikanische Banken warnen vor großen, nicht bilanzierten Wertberichtigungen bei der Deutsche Bank AG. Auch Versicherungen könnten zu Bilanztricks neigen. Bei Zinsen von nur 2% bei Staatsanleihen und damit negative Realzinsen kommen auch Versicherungen in Bedrängnis. Die Münchner Rück AG gab zuletzt positive Signale und die Allianz ist froh, dass sie den Giftmüll der Dresdner Bank AG los ist. Sind aber die Bilanzen hier sauber? In Japan gingen jedenfalls viele Versicherungen Pleite oder wurden verstaatlicht. Eine dauerhafte 0-Zinspolitik ist jedenfalls tödlich für Versicherungen. Hier sollte den klugen Mathematiker einmal berechnen, wie lange die Deflation anhält und wann aus einer Deflation eine Hyper-Inflation wird. Gibt es dafür schon Simulationsmodelle und eine entsprechende Risikovorsorge? In die Parameter hineingearbeitet müssen aber auch noch die nächsten Klimakatastrophen unter den Stichwort: wie erhöht der Klimawandel die Risikoprämien und wie ist dass alles finanzierbar?

Auch hier bleibt abzuwarten, welche Schaden hier strukturierte Produkte von genialen Mathematikern, die die Welt mit und undurchschaubaren Produkten versogt haben, angerichtet haben. Um es klar auszudrücken, wenn für ein Produkt nichts mehr bezahlt ist, ist es wertlos. Versicherungen können aber auch in Bedrängnis kommen, falls es einen Anleihen-Crash geben sollte oder US-Staatsanleihen im Rating herabgestuft werden. Aber auch das US-Rating ist ein „Politikum. Es bleibt auch abzuwarten, ob die Hypo Real Estate AG tatsächlich mit einer Mehrheit von über 50% vom Staat übernommen wird, was noch keine Enteignung ist. Schließlich hat der russische Staat bei der russischen Sberbank schon immer eine Mehrheit von über 50% und entwickelte sich zwischenzeitlich bis Mitte letztem Jahres mit einer Kursverhundertfachung (!) seit dem Tief in 1998 prächtig, Jetzt brach der Kurs von über 360 auf unter 60 € ein was aber nichts einer Verstaatlichung oder mehrheitlichen Staatsbesitz zu tun hat. Im Gegenteil: dort, wo jetzt der Staat drin ist, erhöht sich das Rating, womit sich die Refinanzierung verbilligt.

In Russland waren Bankaktien im Gegensatz zu den USA, wo die Bank of America am Freitag um 25% anzog, wenig nachgefragt, weil Russland unter einem stark fallenden Rubelkurs und einem Downgrade bei den Rating-Agenturen leidet. Ich frage mich nur, warum US-Anleihen noch so hoch geratet werden. Steckt da etwa auch das „US-Banken-Kartell“ dahinter? Profiteure des fallenden Rubelkurses sind aber Unternehmen, die hohe Deviseneinnahmen erzielen, wie vor allem Rohstoffunternehmen, während Unternehmen mit hohen Auslandschulden in Hartwährung darunter leiden. So konnten die Kurse einiger russischer Stahlwerte am Freitag um 10-20% zulegen. Die Kurse von Goldaktien konnten letzte Wochen ebenfalls deutlich anziehen. Der RTS-Index konnte sich am Freitag zwar ein wenig erholen, notiert aber noch 15% unter dem Stand zu Jahresbeginn. Damit bleibt die Moskauer Börse einer der Top-Verlierer unter den Weltbörsen. Jetzt gibt es Befürchtungen, dass der Rubel noch um weitere 20% an Wert verliert, nachdem er schon über 20% gegenüber dem Währungskorb aus USD (55%) und Euro (45%) abgewertet wurde. Die russische Notenbank hatte zuletzt die Zinsen leicht angehoben, um den Rubel zu stützen. Die Währungsreserven haben sich durch die Rubelstützung schon um über 200 Mrd. USD von 600 auf unter 400 Mrd. USD gedrittelt Die Kapitalflucht betrug schon über 100 Mrd. USD. Der wichtigste Faktor zur Erholung des Rubelkurses ist der Ölpreis, der zuvor im freien Fall war, der sich am Freitag aber auf 46 USD/Barrel um 15% in einer Woche erholen konnte.

Die Strohfeuer und kurzfristigen Marktzuckungen an der Wall Street sind aber wenig aussagekräftig. Überlagert werden alle Kursauschläge durch die Kardinalfrage, wie die Megaverschuldung wieder zurückzuführen ist, wie der Giftmüll aus den Bankbilanzen zu beseitigen ist und last not least wie die Konjunktur wieder in Schwung kommt. Zudem gibt es immer mehr Befürworter, dass den USA demnächst japanische Verhältnisse bevorstehen, also nicht nur eine Reihe von bankrotten Großbanken, sondern eine lang anhaltende Stagnation bis Rezession und damit ein dauerhafte 0-Zinspolitik bekommen werden. Dies könnte zu der Frage führen, ob eine Währungsreform als ultima ratio auch in Betracht gezogen wird. Der Euro könnte aufgrund der Wackelkandidaten Griechenland (hat schon Schwierigkeiten bei der Platzierung von Staatsanleihen), Spanien, Italien und Belgien, die aus dem Euro ausbrechen könnten. Bisher war der Euro noch eine „Schönwetterwährung“, der die eigentliche Bewährungsprobe noch vor sich hat. In den USA wird schon lange die Einführung eines Amero diskutiert. Auch Putin wird diesbezüglich einige neue Vorschläge beim nächsten Weltwirtschaftsgipfel mit den G20-Ländern am 20.April machen. Letztendlich geht es dabei auch, das US-Bankenkartell, das die Welt beherrschen will, zu brechen. Auch China wird sich zu Wort melden und sein Einfluss geltend machen, denn die USA befinden sich schon jetzt in den Händen der Chinesen.

Wie nun der Giftmüll im US-Bankensektor und weltweit zu beseitigen ist, bliebt ein Problem. Angela Merkel äußerst sich jetzt, das es in Deutschland keine Bad Bank aber viele kleine Bad Banks nach dem Vorbild der West LB geben könnte. Eine Bad Bank bedeutet nur de Erhöhung der Mega-Verschuldung. Der Börsenguru Marc Faber plädiert dafür, lieber Banken Pleite gehen zu lassen, bevor der Staat selbst Pleite geht. Er glaubt aber, dass der Dollar aufgrund der Mega-Versuhldung mittelfristig verschwinden wird. Aber was kommt nach dem Dollar als Leitwährung? Wird es wieder einen Goldstandard, also ein Art Bretton Woods geben? Dann würde der Goldpreis auf über 2000 USD/Unze explodieren. Es ist jedenfalls nicht möglich, in solchen Extrem-Situationen irgendwelche „Schönwetter“-Börsenprognosen auf Basis von möglichen Fundamentaldaten zu machen. Sicherlich: vom KGV etc her ist die Welt im Moment sehr günstig. Wie sicher sind aber die Gewinnschätzungen für 2009/10 wirklich? Auch in der Welt der Medien ist die Krise jetzt angekommen. Murdoch muss Milliardenverlusten hinnehmen. Auch bei Medien ist „Downsizing“ das angesagte Thema. Ganze Redaktionen müssen umziehen (N24 nach München) oder verschwinden ganz von der Bildfläche - sogar bei Bloomberg TV. So soll es demnächst noch Bloomberg TV von London ausgestrahlt werden. Die Finanzzeitungen leiden unter den dramatisch fallenden Werbeeinnahmen. Wir hatten so etwas ja schon einmal als 2003 die ganze Telebörse-Print-Redaktion aufgelöst wurde.

Ich halte es geradezu für verantwortungslos, wenn einige Bankberater und Vermögensverwalter so tun, als ob nichts geschehen sei, und gleich zu alten Tagesordnung übergehen wollen. Das ist leider nicht möglich, da es sich um komplexe und tiefgreifende Verschuldungsprobleme in Kombination mit globalen Rezessionstendenzen handelt. Vor allen Dingen funktioniert das Finanzsystem nicht mehr. Die gegenwärtige Situation ist bestenfalls mit der von 1929/30 zu vergleichen

Wenn also in der nächsten Woche über das „historische“ Mega-Konjunkturprogramm (=Mega-Verschuldungsprogramm) in den USA schon im ersten Anlauf positiv entschieden werden sollte, was ich bezweifele, dann sollte man sich sogleich auch fragen, wie die Verschuldung wieder zurückgeführt werden kann. Wenn Wachstum als Schulden-Rückzahlungsfaktor wegfallen sollte, bleibt nur eine Hyper-Inflation oder eine Währungsreform als Lösung. Die Frage bleibt auch, wer die Billionen an Staatsanleihen, die jetzt auf den Markt kommen sollen, kaufen wird. Japan wird wohl als US-Verbündeter nolens volens „mitmachen“ müssen. Ob China „mitmacht“, ist noch fraglich. Fällt China als Investor aus, hat die USA schon ein Problem, denn dann müssen die Zinsen steigen. Auch weitere mögliche Staatsbankrotte werden uns weiter beschäftigen Nach Ukraine, Ungarn, Weißrussland, Lettland und Pakistan, wird wohl auch die Türkei IWF-Kredite benötigen, um einen Staatsbankrot zu verhindern

Ein Staatsbankrott und damit einem Default bei Anleihen ist nach Ecuador auch in Argentinien möglich. Wann aber sind die USA und Großbritannien soweit? Die Hintermänner der FED und die hinter dem Banken-Kartell steckenden Leitfiguren werden schon eine Antwort parat haben, wie sie ihr Geld schützen und das vom anderen vernichten können. Als Mittel dienen auch Abwertungen von anderen Währungen. Zunächst steht der Rubel auf der „Abschussliste“, wogen sich Russland wehren wird, solange es kann. Es wurden bereits mehreren Milliarden USD aus Amerika von Russland abgezogen, was den Rubel und die Wirtschaft erheblich schwächte. Auch Russen fragen sich schon, ob dahinter (auch) Berechnung steckt. Ein De-Coupling kann unter solchen Bedingungen in Emerging Markets jedenfalls nicht gelingen. Die USA wollen unbedingt die Welt weiter regieren und sie brachen dafür auch die Emerging Markets. Dies hat aber China auch schon erkannt, wobei das Vermögen immer noch in den USA bzw in der Schweiz (auch das vom Banken-Kartell) ist, aber China hat das Wachstumspotential, was den USA fehlt. Die US-Automobilindustrie dürfte schon bald das Geld ausgehen, womit Chrysler und GM Pleite gehen könnten bzw. Chapter 11 anmelden müssen. Auch das wird uns in den nächsten Monaten noch mehr beschäftigen als uns lieb ist. Selbst Toyota hat jetzt Milliarden-Verluste zu melden.
Kurzfristig wird die Wall Street zunächst auf die Ankündigung von Finanzminister Geigner und dann vor allem auf die Entscheidung im US-Repräsentantenhaus reagieren. Wenn das Konjunkturprogramm nicht durchkommen sollte, könnte es schon in den nächsten Wochen zu einem Crash an der Wall Street und auch an den Weltbörsen kommen, was dann der „negative Obama-Effekt“ wäre.

Fazit: Bleiben Sie zu über 70% in Cash und benutzen nur 10-30% zu kurzfristigen Trading-Positionen. Gehen Sie auch an den Ostbörsen voll in Liquidität, wen der Dow Jones nachhaltig unter 7800 Indexpunkte fallen sollte. Beim S&P ist die magische Marke die halten muss, die 800-erMarke, beim DAX die 4000-er und beim RTS die 500er-Marke. Alle Weltbörsen stehen damit nächste Woche vor wichtigen Weichenstellungen. Haltern diese Marken oder kommt das US-Konjunkturprogramm ohne Problem durch, könnte es kurzfristig eine starke Bewegung nach oben geben, wo Trader dabei sein sollten. Gewinner der Krise könnten konjunkturunabhängige Biotech- und Gesundheits-Aktien neben Bauwerten (Stichwort: Infrastrukturinvestitionen) werden. Auch Gold bleibt ein interessantes Investmentthema.

Nach dem Mondkalender könnte es aber auch nächste Woche kräftig abwärts gehen, denn am 9. Februar ist Vollmond und nach dem Vollmond geht es bergab, wer daran glaubt. Das Thema Währungsreform und Staatsbankrott wird uns dann sehr schnell beschäftigen, wenn die Pferde nicht saufen sollten. Das werden wir aber frühestens erst in der zweiten Jahreshälfte erfahren. Von der möglichen Währungsreform wird es noch einige Währungsturbulenzen auch beim Pfund geben. Der Rubel rollt nicht auch mehr, wenn der Ölpreis nicht nachhaltig über 50 USD/Barrel steigen sollte. Zudem ist die Inflation in Russland weiter ein Thema. Wie das Anleger zu ihrem Vorteil ausnutzen können, wird im nächsten EAST STOCK TRENDS beschrieben. Es wird weiter volatil bleiben. Nutzen Sie daher auch die Trading-Signale und Trading-Chancen auf der Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 € /Min.)

TV-Hinweise: Das letzte TV-Interview vom Autor in NTV/Telebörse vom 4. Februar über Ost-Währungs-Zertfikate können Sie sich runterladen unter http://www.teleboerse.de/1097581.html . Das nächste Interview vom Autor über die Rubelkrise ist am 10. Februar im DAF (www.anleger-fernsehen.de ).

Seminar-Hinweis: Melden Sie sich jetzt an für das nächste ESI-Ostbörsen-Seminar „Optimale Anlagestrategien in unsicheren Zeiten mit dem Russland-Special Jahrhundertkrise=Jahrhundertchance?“ am 27. Mai in Frankfurt/M. unter www.eaststock.de (oder direkt bei der ESI GmbH , Jüthornstr. 88, 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883) an.

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