Kernschmelze verhindert, aber das wird ein heißer Sommer!

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Samstag, 02. Juli 2011 18:51:00

Griechenland hat Zeit gewonnen, nicht mehr und nicht weniger. Die Banken werden sich an der Griechenland-Rettung, und damit der Euro-Rettung, mit 3 Mrd € beteiligen, wobei das meiste Geld von Staatsbanken kommt. Deutsche Banken und Versicherungen haben Kredite an Griechenland im Volumen von 10 Mrd €, die meisten davon aber langfristig bis 2020. Die Kredite, die bis 2014 auslaufen sollen nun gestreckt werden. Die Zentralbank hat aber Griechenland-Anleihen im Volumen von 45 Mrd €. Was wird die EZB mit den Griechenlandanleihen machen? Insgesamt beträgt der griechischen Schuldenberg 350 Mrd €.

Die Euro-Finanzminister werden nun einen weiteren Neukredite von 12 Mrd € für Griechenland beschließen können. Das Geld wird aber in Tranchen ausgezahlt und nur dann fließen, wenn auch das nun vom griechischen Parlament beschlossene Sparprogramm über 78 Mrd € real in die Tat umgesetzt wird. Dies bedarf nun weiterer Beschlüsse des griechischen Parlaments.

In Athen gab es indessen gewaltsame Auseinandersetzungen der Polizei mit der Bevölkerung, überwiegend mit gewaltbereiten Studenten. Es wird wohl weitere Generalstreiks gegen das Sparprogramm geben und Griechenland wird in der Rezession bleiben. Griechenland braucht jetzt dringend Investitionen und Investitionshilfen, um wieder Wachstum generieren und die Arbeitslosigkeit abbauen zu können.

Griechenland muss aber auch nach dem Sparbeschluss bis 2014 150 Mrd USD zurückbezahlen, was es aus eigener Kraft nicht kann. Durch Privatsierungen sollen in absehbarer Zukunft 50 Mrd € in die leere Staatskasse fließen, was aber auch nicht von heute auf morgen geht. Die Griechen werden weiter streiken und es wir weiter gewaltsame Proteste auf den Straßen Athens geben. Noch wichtiger wäre es aber für die Griechen, die 200 Mrd €, die sich auf Schweizer Konten von Griechen befinden sollen, zu finden und ins Land zurückzuführen, dann könnte die Pleite vermieden werden. Das „CCC“ bei den griechischen Anleihen wird vorerst wohl bleiben, aber immer konnte mit dem Sparbeschluss des griechischen Parlaments eine, so wie Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann es sogar nannte, „Kernschmelze“ in globalen Finanzwesen, also ein „Lehmann II“ knapp vermeiden werden.

Was haben die EU-Politiker und Banken bisher aus der Krise gelernt? Warum macht man nicht eine europäische Finanzaufsicht, die die Einhaltung der Regeln wie Einhaltung der Maastricht-Kriterien befolgt. Warum gibt es noch keine Europäischen Rating-Agenturen? Warum gibt es keine EU-einheitliche Steuerpolitik. Warum befinden sich 200 Mrd € von Griechen in der Schweiz und bleiben unangetastet? Diese Gelder würden schon ausreichen, um das Griechenlandproblem intern durch eine Steueramnestie zu lösen. Das einzige, was kommen wird, ist eine europäische Finanztransaktionsteuer und Steuererhöhungen statt Steuersenkungen in Deutschland mit der, so meine Prognose, neuen rot/grünen Koalition ab 2013. Ich plädiere nun aber auch Zinserleichterungen für die „PIGS-Anleihen“.

Was aber bringen die EU-Rettungsschirme? Sie sollten Ruhe in den Finanzmarkt bringen und die Spekulation gegen den Euro verhindern. Sie sollten auch eine Ausweitung der Spreads bei den „PIGS-Anliehen“ verhindern. Geschafft haben sie dies bis jetzt nicht. Es gibt zwei Euro-Rettungsschirme – den modifizierten vorläufigen Mechanismus EFSF und seinen dauerhaften Nachfolger ESM, der Mitte 2013 in Kraft tritt. Die europäischen Länder bürgen nun gemäß ihres Anteils an den Schulden von in Not geratenen EU-Partnern im Volumen von 780 Mrd €, Deutschland alleine mit 211 Mrd €. Diese Rettungsschirme sind wohlgemerkt (noch) keine Zahlungen, sondern Garantien, die im Ernstfall aber zu Zahlungen führen können. Nun soll zunächst ein weiteres Hilfsprogramm für Griechenland über 120 Mrd € geschmiedet werden.

Frankreich macht einen neuen Vorstoß und rät zum Kauf von neuen 30 jährigen Anleihen und Umwandlung der alten Anleihen in 30-jährige Anleihen. Ein Teil soll davon soll ein Art Euro-Garantie erhalten und damit mit „AAA“ bewertet werde, das würde sicherlich helfen, die Kosten zu senken.

Die Pleite und damit ein mögliches „Lehmann 2“ wurden letzte Wochen durch den Sparbeschluss des Parlaments damit noch einmal knapp vermieden. In den nächsten Wochen gibt es weitere Herausforderungen zu bewältigen wie die Erhöhung der Schuldengrenze in den USA, was ähnliche Diskussion wie in Griechenland Parlament zur Folge haben wird. In den USA lief am 30. Juni das QE2 aus und nun sind alle gespannt, wer die amerikanischen Anleihen in großen Stil noch kaufen wird, wenn nicht die FED. PIMCO wird es jedenfalls nicht machen, was als ernsthaftes Warnsignal gewertet werden muss. Sicherlich wird China weiter amerikanische Anleihen im großen Stil kaufen (müssen), aber wer noch?

Die formale Erhöhung der Schuldengrenze der USA wird wohl ähnlich wie in Griechenland in der letzte Minute klappen, aber wer dann außer China so großvolumig noch amerikanischen Anleihen kaufen wird, ist mir ein Rätsel. Was Griechenland in klein ist, ist die USA in groß und damit nicht mehr rettbar. Die USA brauchen starkes Wachstum, um auch die Anleihenkäufe wieder rechtfertigen zu können. Jede Wachstumsschwäche wird für das globale Finanzsystem gefährlich. Auch hier ist also noch ein „Lehmann 2“ oder eine Kernschmelze des globalen Finanzsystems möglich, was dann unmittelbar in eine Währungsreform münden würde. Dann müsste noch mehr Gläubiger ihre Papierforderungen abschreiben. .

Als nächste Herausforderung steht nun der europäische Bankenstresstest an, wobei es spannend sein wird, wie dort die griechischen, irischen und spanischen Banken abschneiden werden. Sie sollen jetzt alle noch schnell eine Pleite in Griechenland durch simulieren. Angeblich solle n15 Banken den Stresstest nicht bestehen, aber der Test war auch diesmal zu lasch gemacht, um ein positives Urteil herauszugeben und damit mittelbar das Vertrauen wieder zu erhöhen. Kommt mehr Vertrauen, können auch die Zinsen gesenkt werden – und umgekehrt.

China geht zwar mit 15 Mrd € auch in Deutschland auf Einkaufstour; chinesischen Aktien machten aber jüngst reihenweise mit Bilanzskandalen und Delisting auf sich aufmerksam. Die IT-Aktien verloren daraufhin schnell 20% an Wert. Es ist aber sehr wichtig, dass China weiter wächst. Deutschland ist der Konjunkturmotor für Europa und China für Asien. Die USA wachsen auch noch mit robusten 2,7%. Alle drei Motoren laufen noch auf Hochtouren, könnten im 2. Halbjahr aber etwas in Stottern geraten. Zu beachten bleibt dabei auch die Inflation und der Ölpreis.

Es wird in jedem Fall so einiges an „Sommertheater“ geben und es wird ein heißer Sommer werden, hoffentlich aber nicht so heiß wie eine Kernschmelze. Vorsichtige Anleger sollet ein Sommerpause machen, Ihre Aktien aber vorher absichern. Es kann aber auch zu einer Erleichterungs-Sommerrallye kommen, wenn die bekannten Risiken nicht zum Super-Gau führen werden, wovon ich ausgehe. Der Pessimismus ist im Moment sehr ausgeprägt, was ein guter Nährboden für steigende Kurse ist.

Der Brent- Ölpreis korrigiert zuletzt scharf von 105 auf 106 US, erholte sich jetzt aber wieder auf 111 USD/Barrel , während der WTI-Ölpreis das gleiche Jo-Jo-Spiel macht und nun bei etwa über 95 USD/Barrel notiert. Der Goldpreis hielt fiel aufgrund des schwachen Dollars am Freitag unter 1500 USD/Unze auf 1496 USD/Unze, auch der Silberpreis gab kräftig um 3,2% auf 33,7 USD/Unze nach. Je mehr der Dollar sich abschwächt und die G-Krise zeitlich nach hinten verschoben werden kann, desto mehr wird Gold/Silber fallen. Der Bund-Future fiel auch in wenigen Tagen von 127 auf 124,5. Die ehemaligen „sicheren Häfen“ sind also keine mehr.

Der Euro fiel zum Dollar erst auf 1,41, erholte sich dann aber schnell wieder auf 1,45 EUR/USD, nachdem Griechenland gerettet bzw. besser der Supergau vermieden wurde Die Aktienkurse gaben auch bis vor dem Sparbeschluss der Regierung stark nach, erholten sich hernach aber wieder kräftig. Der DAX notierte wieder über 7300 (am Freitag +0,59% auf 7419 Indexpunkte) und der Dow Jones über 12400 Indexpunkten (am Freitag +1,36% auf 12.582 Indexpunkte). Auch der RTS konnte sich wieder auf über 1900 Indexpunkte (am Freitag +1,62% auf 1937 Indexpunkte) erholen. Damit sind die Vorgaben sehr gut für eine kleine Sommerrallye in der nächsten Woche, die aber nicht nachhaltig sein muss.

Danske Capital, eine Tochter der Danske Bank, machte auf ein Roadshow in Deutschland und der Schweiz auf die Konvergenzchancen aufmerksam. Diese Region wird insbesondere in einem krisengeschüttelten Europa bei Portfolio-Managern (zu) stiefmütterlich behandelt.

Da ich in den nächsten Wochen und Monaten aufgrund der Überschuldung vieler Länder noch so einiges „Sommertheater“ erwarte, rate ich dazu, genau dann mehr in Liquidität oder auch Short zu gehen, wenn wichtige Chartmarken unterschritten werden. Wenn die Chartmarken aber halten, kann es nach der Griechenland-Erleichterungsrallye auch eine Bankenstresstest-Erleichterungsrallye und hernach eine USA-Erleichterungsrallye geben, also in der Summe eine überraschende Sommerrallye geben. Welche Chartmarken dies genau sind, können Sie im neuen EAST STOCK TRENDS 07/11 (www.eaststock.de, 3 Ausgaben für nur 15 Euro) nachlesen, der schon nächste Woche erscheint. Dort können Sie in einem Special auch nachlesen welche Ostwährungen auch für Anleger attraktiv sein können, nachdem der Schweizer Franken in diesem Jahr einer der besten „Geldanlagen“ als weltweite Fluchtwährung war

TV-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 23. Juni 2001 über das Thema „Ostwährungen als sicherer Hafen“ in NTV/Telebörse befragt. Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

Anmerkung: In den nächsten Wochen wird urlaubsbedingt kein Newsletter erscheinen; nutzen Sie aber die Zeit und bestellen jetzt den EAST STOCK TRENDS unter www.eaststock.de.

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