Kein Unsicherheitsschock, aber viele ungelöste Fragen auf der „Invest“ in Stuttgart

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Mittwoch, 23. März 2011 17:01:00

Vom 18-20. März bot sich den Anlegern wieder einmal in Stuttgart die Gelegenheit, sich auf der Messe „Invest“ in Stuttgart zu informieren, wie sie sich in Anbetracht einer auffallenden Aneinanderreihung von Negativnachrichten jetzt verhalten sollen und worin sie investieren sollten. Die Nachrichtenlage war in dieser Form wohl selten so komplex und vielfältig, da es genug Gesprächsthemen von großer Bedeutung gab. Während der Messe überschlug sich sogar die Nachrichtenlage, erst in Japan und dann in Libyen.

In Japan droht trotz aller Anstrengungen zur Kühlung der Brennstäbe die Möglichkeit eines Super-Gaus und der radioaktiven Verseuchung des Umlands bis zur Evakuierung von Tokio, was faktisch kurzfristig logistisch gar nicht machbar ist. Die unmittelbaren Schäden für die Versicherungen werden bis jetzt auf 35 Mrd USD beziffert, was noch zu meistern wäre. Die Gesamtschäden belaufen sich aber auf über 200 Mrd USD. Bisher starben offiziell über 9000 Menschen durch den Tsunami (weniger durch das Erdbeben), aber über 10.000 werden aber noch vermisst.

Im Falle einer radioaktiven Verseuchung, die auch Tokio betreffen werden, wäre der Vertrauensschaden wesentlich größer. Zudem gibt es die Gefahr von versuchten Lebensmitteln wie Fische, aber auch Spinat, Reis, Milch und Spargel aus der Region. Erste radioaktive Spuren sind schon in einigen Lebensmitteln wie Spinat und Milch aufgetaucht. Sogar das Trinkwasser in Tokio ist schon radioaktiv verstrahlt und es hat nun für Kleinkinder unter 1 Jahr eine zweifach zu hohe Dosis, so dass auch in Tokio durch Panikkäufe Wasser demnächst knapp werden sollte. Es sind zudem ernsthafte Versorgungsengpässe in Japan in Zukunft zu befürchten. In einigen Tagen könnte die radioaktive Wolke auch nach Deutschland und die USA kommen und messbar sein, wobei hier nur von einer geringen radioaktiven Belastung auszugehen ist. Spannend wird es jetzt sein, wer außer Deutschland nun auch in der Atom-Politik zurückrudert oder zumindest eine Denkpause einlegen wird. Profitieren könnten jetzt Gas- und Kohleproduzenten aus Osteuropa, da die Atomkraftwerke durch neue Gas- und Kohlekraftwerke ersetzt werden könnten.

Noch ist es nicht ganz klar, ob es einen Super-Gau und damit eine weiträumige radioaktive Verseuchung zu befürchten ist, wobei bei den 4 Reaktoren in Fukushima immer wieder Rauch zu sehen ist. Die Informationspolitik der Japaner ist bisher wenig vertrauensfördernd. Japanische „Feuerwehr-Helden“ wollen indessen fieberhaft den Super-Gau mit Wasserschläuchen vermeiden. Befinden wir uns noch im Mittelalter?

Ein Super-Gau ist aber immer noch möglich, was eine weitere Eskalationsstufe wäre. Ein Super-Gau hätte verheerende Folgen (nicht nur) für die Immobilienwerte und Produktionsstätten in der verstrahlten Region, die dann über viele Jahre wertlos werde , wobei dann wiederum vor allem die Zulieferbetriebe im High Tech-Bereich auch zu Produktionsausfällen in der globalisierten Welt führen würden. Gewinne sind schon jetzt die Bauunternehmen, die erhebliches leisten müssen. Problematisch ist weiter die Finanzierung des Wiederaufbaus bei der gigantischen Verschuldung in Höhe von 225% des BSP. 90% der Schulden tragen die Japaner selbst, die freilich auch eine hohe Sparquote haben. Dennoch könnte dies auch die japanischen Banken und Versicherungen überfordern, was zum japanischen Finanz-Tsunami führen könnte. Auch hierauf müssen Sie also in Zukunft achten. Die starke Yen-Aufwertung wurde durch eine konzertierte Aktion der G7-Notenbanken im Zaum gehalten, denn sonst würde der japanische Export ins Stottern kommen. Schon jetzt kommt es aber zu Produktionsstopps u.a bei GM, BMW und Daimler wegen fehlender Elektonik-Teile aus Japan. Viva Globalisierung! Auch deutsche Automobilkonzerne wurden aus Angst vor Lieferengpässen aus Japan daher abgestraft.

Am letzten Wochenende gab eine UN-Resolution auch den Startschuss für einen Libyen-Krieg durch die Einführung einer Flugverbotszone, wobei sich China, Russland und Deutschland bei der Abstimmung enthielten. Ich rechne hier mit einem länger andauernden Krieg, da so ein Krieg alleine durch Luftangriffe nicht gewonnen werden kann, es sei denn dass Gaddafi vorher einlenkt. Gaddafi wird sich aber nicht so leicht weg bombardieren lassen und die Situation wird lange Zeit kritisch bleiben. Es ist auch unklar, wer die Führungsrolle innerhalb der NATO übernehmen wird. Vor allem gibt es bis jetzt keine klare Strategie, wie der Krieg dauerhaft geführt werden sollen, wenn Gaddafi vorher nicht aufgibt.

In den letzten Tagen gab es fast unbemerkt einige weitere brisante Themen, die auch Themen auf der „Invest“ waren. Einer der Kardinalprobleme ist die Refinanzierung der Defizite der „PIGS-Länder“, aber auch der USA. Die EU beschloss nun eine Ausweitung des Rettungssschirm auf 700 Mrd. € bis 2013 und dass Deutschland jetzt mehr als zuvor zur Kasse gebeten wird und zwar gibt es nun Garantien in Höhe von 620 Mrd € und 80 Mrd € in Cash, was neu ist. Deutschland trägt davon 27,1%, was in der Summe 21,8 Mrd € ausmacht. Der neue Krisenfonds soll bedrohte Länder vor einer Zahlungsunfähigkeit bewahren. Damit wird die neue Europa-Politik für deutsche Steuerzahler zu einem ernsthaften Risiko. Dagegen wurden Banken bisher nicht mit ins Boot genommen, was ich nicht verstehen kann. So haben Banken jetzt weiterhin den Freibrief, sich bei der EZB preiswert mit 1% zur refinanzieren und dann das Geld zu 10% in Griechenland anzulegen, was ein Unding ist.

PIMCO verabschiedete sich derweil als potentieller Käufer von US-Anleihen, was für mich die „Hammer-Nachricht“ schlechthin der letzten Woche war, aber vom Markt bisher erstaunlich gelassen aufgenommen wurde. Es gab ja auch genug andere „bad news“, die dominierten und von den bemerkenswerten Statements vom PIMCO-Chef Bill Gross ablenkten. Sie sollten dieses Warnsignal aber stärker beachten als dies der Markt im Moment macht. Wenn nun Japan als Käufer der Anleihen auch ausfällt und sich China überlegen wird, in welchen Umfang amerikanische Anleihen gekauft werden, könnte es in diesem Jahr nach dem Auslaufen des QE2 (am 30. Juni) zu einem Vertrauensschock in den USA kommen. Dies würde dann zwangsläufig einen Finanz-Tsunami auslösen.

Da dies alle wissen und die G 20 vereinbart haben, alle systemischen Risiken im Vorfeld im Keim zu ersticken, wird es wohl nicht so schnell so weit kommen. Ich rechne daher mit einem QE3 der FED und/oder ähnlichen abenteuerlichen Finanzexperimenten wie es jetzt die EU wagt. Diese Finanzabenteuer können im worst case aber auch einen Finanz-Tsunami und einen Vertrauensschock auslösen, was unbedingt vermieden werden soll. Ich habe Gerüchte gehört wie das ganze Finanz-Debakel durch die FED zumindest vorübergehend gelöst wird, werde dies aber nicht öffentlich diskutieren.

In jedem Fall war auch ein möglicher Finanz-Tsunami das Thema der „Invest“. Auch wurde gefragt, ob es eine Hyper-Inflation oder nur eine Inflation gibt, was auch eines der der Themen beim „NTV-Dino-Talk“ der NTV-Moderatoren Dr. Jünemann, Brichta, Risse, Dr. Busch und Kutzer war. Bei den konkreten Anlagevorschlägen gab es bei allen TV-Moderatoren einhellige Ratlosigkeit. Einhellige Meinung war nur, dass eine Währungsreform möglich ist und es daher ratsam sei, Gold und Silber in kleine Münzen zu erwerben. Schöne Aussichten von den prominenten NTV-Moderatoren! Gaddafi bunkert aber auch 144 Tonnen Gold und der weiß schon warum er das macht. Stig Brammer von Danske Invest machte bei seinem Vortrag auf der „Invest“ auf die Konvergenzchancen in Osteuropa aufmerksam, was auch für Sie eine wertvolle Information ist. Es wird jetzt eine Roadshow von Danske Invest in verschiedenen deutschen Städten geplant. Wenn Sie Interesse haben, daran teilzunehmen, melden Sie sich bitte bei mir.

Die Weltbörsen reagierten wie von mir vorher im Börsenbrief EAST STOCK TRENDS angekündigt zunächst erwartungsgemäß sehr scharf auf das ganze Bündel von Negativ-Nachrichten, dass in den letzten 2 Wochen auf uns einprasselt. Der DAX durchbrach zunächst die 7000er und dann auch die wichtige 6800-Marke und fiel bis 6500-Indexpunkte um sich dann wieder im Pull back auf 6800 zu erholen. Auch der Dow Jones-Index durchbrach mit Leichtigkeit die magische 12000-Marke und fiel bis 11600 Indexpunkte, um dann wieder 12.000 „v-förmig“ zurückzuerobern. Der Nikkei-Index brach sogar um über 20% von 10.500 auf 8.600 indexpunkte ein, um sich dann wieder auf 9500 indexpunkte zu erholen. Nach Warren Buffet gibt es jetzt nach dem Kurseinbruch gute Kaufchancen in Japan.

Der Dollar schwächte sich zum Euro auf 1,42 ab, war also keinesfalls der „sichere Hafen“. Die Anleihenkurse zogen erst etwas an, gaben dann aber auch wieder nach Der Bund-Future behauptete sich bei 122, befindet sich aber immer noch im Abwärtstrend. Gold gab auch erst auf unter 1400 USD/Unze nach, stabilisierte sich dann aber bei 1430 USD/Unze. Der Ölpreis stieg heut auf 105 USD/Barrel, da es infolge des Libyen-Krieg zu einem Lieferausfall und Ölboykott gegen Libyen kommen kann. Dies ist wiederum vorteilhaft für russische Öl- und Gasaktien. Gazprom erreichte in den letzten „Panik-Tagen“ sogar ein neues Jahres-Hoch mit 22,5 € und könnte damit auch alle DAX-Aktien klar outperformen. Die Flucht in Solaraktien war hingegen schnell wieder verflogen, wobei chinesische Solaraktien mittelfristig nach der Seitwärtsbewegung weiterhin chancenreich sind.

Falls jetzt weitere Tiefs und der DAX 6800 und Dow Jones unter 12000 erreicht werden, könnte es zu einer Korrektur beim DAX bis 6300 und beim Dow Jones bis 11.000 Indexpunkte kommen. Es kommt es jetzt ganz darauf an, welche weiteren Eskalationsstufen in Japan beim Super-Gau und in Libyen beim Krieg entstehen. Bei einem neuen Jahrestief sollten Sie auch an den Ostbörsen in Liquidität gegen. Wenn die Kurse aber wieder nachhaltig bei Dow Jones über 12000 und DAX über 6800 Indexpunkte gehen, dürfte sich die Erholung fortsetzen und in eine Frühjahrsrallye münden, die sie nicht verpassen sollten. Es ist jetzt also höchste Aufmerksamkeit auch im Hinblick auf der brisanten Charttechnik notwendig.

Besonders aussichtsreich stufe ich dabei weiterhin die Börsen aus Russland, Ukraine, Südosteuropa und der Mongolei ein, was ich auch im Börsenbrief EAST STOCK TRENDS ausführlich begründet haben. Am chancenreichsten ist dabei die Börse in der Mongolei, wobei demnächst erst ein Mongolei-Zertifikat auf den Markt kommen wird. Welche Aktien Mongolei-Fantasie haben, können Sie auch dem Börsenbrief EAST STOCK TRENDS entnehmen. Die Kurse an der Börse Mongolei stiegen im letzten Jahr um über 130% und in diesem Jahr über 100%. Die Börsen in Russland, Ukraine und in Südosteuropa konnten auch schon zweistelligen Renditen in diesem Jahr erreichen und können sich jetzt gut behaupten.

Wie Sie sich jetzt verhalten sollen, können Sie auch im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS nachlesen. Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abo für den monatlich erscheinenden Ostbörsenbrief EAST STOCK TRENDS (EST, siehe www.eaststock.de) der übernächste Woche neu erscheint. Im EST wird auch immer auf das „big picture“ eingegangen, also auf die Hintergründe der gegenwärtigen Gold/Silberhausse und das Pro und Contra an den Weltbörsen, was immer auch Rückwirkungen auf die aufstrebenden Ostbörsen hat.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 230% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 350% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 700% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 2000% (!) zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen. Ein gutes Vehikel für Russland ist das neue Russland-Zertifikat von Goldman Sachs (WKN GS4EZ9) mir 30 aussichtsreichen Aktien aus 16 Branchen.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste Ostbörsen-Seminar „Go east!“ findet am 12. Mai 2011 um 16.00 Uhr in Frankfurt/M statt (Kosten 100 €, Dauer 4 Stunden). Wenn Sie Interesse an dem Seminar haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883). Eine Anmeldung ist auch online möglich unter www.eaststock.de

Interview-Hinweise: Andreas Männicke wurde am18. März 2001 von Mick Knauf im DAF über die Chancen in Osteuropa nach der Japan-Katastrophe befragt. Das nächste TV-Interview von Andreas Männicke ist am 29. März um 15.30 Uhr über Südosteuropa in NTV/Telebörse sein. Sie können sich die vorherigen TV-Interviews von Herrn Männicke jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

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