Jetzt hilft nur noch beten!

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Samstag, 24. September 2011 12:46:00

„Halleluja, was war das wieder für eine Panik-Woche!“. Der Papst sprach zum ersten Mal im Bundestag – wohlgemerkt als Vertreter des Vatikanstaates, nicht als Kirchenoberhaupt. Kann man das überhaupt trennen? Welche Botschaft ist jetzt – nicht nur im Bundestag - zeitgemäß? Das Oberhaupt der katholischen Kirche hat im Bundestag über Recht, Vernunft und Ökologie gesprochen. Sicherlich wäre es einmal angebracht, sinnvolle und zeitgemäße Werte zu vermitteln, insbesondre im Finanzsektor. Der Papst nahm leider nicht Stellung zu Problemen wie Krieg und Frieden, wie Reichtum und Armut. Er darf also gerne noch einmal kommen.

Dabei sind Dogmen – auch kirchlich-religiöse Dogmen - nicht zeitgemäß, wohl aber humanitäre und die Menschlichkeit hervorhebende Werte. Auch das Spannungsfeld zwischen christlicher Tradition und Modernen/Fortschritt wäre einige Worte im Bundestag wert gewesen. Der Papst als Institution und als Mensch kann wertvolle Werte und Ethik vermitteln, die man in der Politik und in der Wirtschaft vermisst. Die deutschen Abgeordneten müssen in Zukunft beten, dass es zu keinen Bankenzusammenbrüchen in Europa geben wird und dass es zu keinen Staatspleiten bei südeuropäischen Ländern kommen wird. Die Abgeordneten sollten sich auch Gedanken machen über „Schuld und Sühne“, denn Politiker haben diese enorme Staatsverschuldung zu verantworten. 100 Abgeordnete von den Grünen und Linken waren demonstrativ nicht erschienen, sondern machten bei der Gegen-Demo in Berlin mit.

Es wurden in der Rede vom Papst die ethischen Grundlagen eines freiheitlichen Rechtsstaates in einem freiheitlichen Europa dargelegt. Kann aber ein Politiker wirklich immer das Gute vom Bösen unterschieden. Konnte dies George Bush beim „heiligen Krieg“ im Irak etwa auch? Offensichtlich nicht. Der Papst sagt zu Recht: Erfolg kann auch Verführung sein. Materieller Erfolg und Machtsterben sollten nicht die Leitlinie eines Politikers sein, sondern Gerechtigkeit. Da hat der Papst recht.

Auch im Finanzsektor kann man nicht sofort a priori „Gutes vom Bösen“ unterschieden. Es können aber eine wenige Übeltäter, der Papst nennt sie „Räuberbanden“, ganze Volkswirtschaften und damit auch den Grundlagen eines menschenwürdigen Lebens zerstören. Politiker müssen einen Ordnungsrahmen vorgeben, dass es solchen „Räuberbanden“ erschwert, erfolgreich zu sein. Das Gegenteil ist aber im Moment der Fall, da dieser Ordnungsrahmen in Finanz- und Bankensektor fehlt.

Es fehlen auch die ethischen Grundlagen in der Finanzwirtschaft und in der Politik. Vielleicht ist das die Ursache des Grundübels, in dem wir uns im Moment befinden. Wenn hier der Papst den Abgeordneten ins Gewissen redet, hat das seine Berechtigung, wobei die Worte des „Professoren-Papst“ mit hoch-philosophischen Abhandlungen zu abstrakt und für die Allgemeinheit auch zu wenig verständlich waren. Das Nachdenken in der Politik und erst recht das Querdenkern werden jetzt aber wichtiger denn je, wenn wir einen friedvollen, demokratischen Rechtstaat retten wollen.

In der katholischen Kirche mangelt es zuweilen an interner Kritikfähigkeit und internen Reformen. Zuweilen fehlt auch dem Heiligen Vater und seinen Schäfchen im Vatikan die göttliche Gabe, das Gute vom Bösen zu unterscheiden bzw. rechtzeitig zu merken, wenn etwas „unten“ schiefläuft. Dies betrifft nicht nur einige sexbesessene Priester, sondern auch den Finanzbereich. Sicherlich ist dies nicht prototypisch für die katholische Kirche, aber es kommt zuweilen der Verdacht der Scheinheiligkeit und Verlogenheit auf, was bedauerlich ist. Genauso wie die Banken muss auch die Kirche verloreneres Vertrauen wiedergewinnen, was nicht leicht sein wird.

Der Vatikan ist nicht nur ein Glaubensstaat, sondern eine vermögende Institution mit sehr viel Geld und Grundvermögen. Die Vatikanbank namens Bank IOR finanzierte nach Angaben einiger Autoren nicht nur Gutes, sondern verdiente angeblich an der Finanzierung von Kriegen und verwerflichen Geschäften. Auch hier konnte offensichtlich zumindest in der nicht gerade sehr glorreichen Vergangenheit der Vatikanbank IOR nicht immer das Gute vom Bösen unterschieden werden oder es wurde sogar zuweilen wissentlich ein Pakt mit dem Teufel gemacht. Das vom Papst über die Vatikanbank verwalte Vermögen beläuft sich auf etwa 5 Mrd €. Dabei schrieb die Bank IOR in 2009 auch rote Zahlen, was sicherlich nicht verwerflich ist, sondern allzu menschlich ist.

Der Papst Benedikt XVI hat sich schon vor den G20 politisch geäußert, wo es auch um eine neue, soziale Weltordnung ging. Nach Ansicht des Papstes soll eine moralische Sozialordnung, wie sie schon in den Statuten der Vereinten Nationen gefordert werde, endlich verwirklicht werden und die Weltgemeinschaft sollte auch für so eine soziale Grundordnung eintreten. Im Mittelpunkt des Fortschritts müssten stets der Mensch und seine ganzheitliche Entwicklung stehen. Doch im Falle von Rezessionen und erst recht in Falle von Kriegen werden Menschrechte insbesondere von sozial schwachen Gruppen oft mit Füssen getreten, sobald das Kapital die Welt regiert. So eine Rede im Bundestag wäre ein Chance gewesen, Werte zu vermitteln und Solidarität und Frieden einzufordern. Die Chance wurde verpasst.

In der Rede wurde nicht gesagt, wie man sich immun macht gegen Begehrlichkeiten und wie man sich für die Menschenwürde von Arbeitslosen konkret einsetzt. Die Würde des Menschen ist eben nicht immer und auch nicht überall unantastbar. Viele Menschen suchen jetzt nach Halt und Orientierungen, nach gemeinsamem Werten und Überzeugungen insbesondere im Banken- und Finanzsektor. Aber auch die Kirchen müssen sich reformieren und anfangen neu und zeitgemäß zu denken, ebenso wie die Banken. Vor allem müssen diese Institutionen lernen, mit Kritik richtig umzugehen. Auch die Kirchen befinden sich im ständigen Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt.

Sicherlich soll man nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt. Nun ist es nicht ganz unbekannt, dass die Vatikanbank IOR schön öfters in dubiose Geldwäschegeschäfte verwickelt war. So sollten im letzten Jahr 20 Mio. € an JP Morgan nach Frankfurt/M überwiesen werden ohne die Herkunft des Geldes zu bestimmen. Von der Behörde wurden 2010 23 Mio. € wegen des Verdachts der Geldwäsche beschlagnahmt.

Es gibt eine ganze Reihe von Finanztransaktionen insbesondere auch im lateinamerikanischen Raum (über Panama), wo angeblich auch Diktatoren mit Schmiergeldern unterstützt wurden. Ob diese Geschäfte den Segen des Papstes hatten, sei einmal dahingestellt. Die Vatikanbank war in den 1980er Jahren in den Skandal um den Zusammenbruch der Banco Ambrosiano verwickelt. Angeblich führte die Vatikanbank auch geheime Konten für die Mafia. Sicherlich mangelte es aber auch hier an wirkungsvollen, internen Kontrollmechanismen.

Wo sind jetzt die ganzen Mafiagelder versteckt und welches Volumen haben Sie? Vielleicht kann Berlusconi bei der Suche in der Schweiz oder in anderen Offshore-Zentren ein wenig behilflich sein. Es gibt über 5000 Dokumente aus den 90-er Jahren mit hoher Brisanz. Darunter gibt es Dokumente über korrupte Politiker, die Mafia, Kardinäle, das Opus Dei und mindestens 275 Millionen Euro an Mafia- und Schmiergeldern, die in den 1990er-Jahren durch Nummernkonten der Vatikanbank geschleust wurden. Offiziell waren diese Konten auf wohltätige Stiftungen gemeldet, die aber zweckentfremdet für Geldwäsche und Schmiergeldaktionen wurden. Zusätzlich entstand im Vatikan in den 1990er-Jahren eine parallele Offshore-Finanzstruktur, über die Schmiergelder, Steuerhinterziehung und Mafiazahlungen abgewickelt wurden. Allein in den Jahren 1991 bis 1993 liefen über die geheimen Konten, die auf Nummerncodes, Decknamen und wohltätige Stiftungen lauteten, 276 Millionen Euro. Dies war das Werk der sogenannten Weißen Finanz.

Monsignore Renato Dardozzi, Mitglied des innersten Kreises der vatikanischen Hochfinanz, hatte ein geheimes Archiv von fast 5.000 Dokumenten angelegt und in die Schweiz geschmuggelt, deren Veröffentlichung ein Bestseller Roman ergeben hätte, nur dass es sich um keinen Roman, sondern tatsächliche Geldgeschäfte der Vatikanbank und damit des Vatikans gehandelt hat. Die Vatikanbank erwarb sich vor allem in den 90-er Jahren einen „guten Ruf“ als Hafen für schmutziges Geld: Sie gehört dem Papst, unterliegt keinen Regulierungen, die Einlagen sind steuerfrei. Der Vatikan hat auch nie ein Geldwäscheabkommen unterzeichnet

Es handelt sich im Grundsatz bei der katholischen Kirche um das gleichen Phänomen wie im Bankensektor: es geht um Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Redlichkeit, Transparenz und last not least Vertrauen. Alle diese Attribute können nur durch Taten und nicht durch Reden erlangt werden. Die katholische Kirche hat das Vertrauen durch die Sexskandale bei Minderjährigen verloren und muss diese nun durch Aufklärung und Taten wiedergewinnen. Das Gleiche sollte bei der Vatikanbank passieren und ebenso sind jetzt die Großbanken aufgefordert, durch Transparenz und konkludentes Handeln wieder Vertrauen in den Finanzmarkt zu bringen. Sonst hilft wahrlich nur noch das Beten.

Auch die Währung ist letztendlich eine Glaubens- und Vertrauensfrage, nämlich das Vertrauen, das das was auf dem Schein steht auch den entsprechenden Wert hat. Alle Bürger sind insofern eine Glaubensgemeinschaft. die ihre Währung noch vertrauen. Nur sind das – ohne dass das jemand merkt – ungedeckte Wechsel, die wir in der Hand halten - seien es nun Dollar- oder Euronoten. Oder glaubt von Ihnen jemand, dass die Schulden jemals wieder zurückbezahlt werden können, die jetzt aufgetürmt wurden und immer größer werden? Da die Schulden nicht zurückbezahlt, sondern nur durch neue, immer höhere Kredite/Anleihen refinanziert werden handelt es sich um ein Schneeballsystem, dass dann zusammenbricht, wenn die Refinanzierung über den Kapitalmarkt nicht mehr klappt so wie jetzt im Fall von Griechenland.

Wir haben jetzt also schon eine Währungskrise ohne dies zu merken, weil verschiedene Schwachwährungen wie Yen, Pfund, Dollar und Euro miteinander konkurrieren. Diese wichtigen Glaubensfragen hätte der Papst einmal im Bundestag thematisieren können, zumindest solche menschlichen Werte wie Ehrlichkeit, Unbestechlichkeit, Glaubwürdigkeit und Vertrauen, dann bräuchte er auch nicht beklagen, dass immer mehr Leute aus der katholischen Kirche austreten, gerade in Deutschland.

Der Heilige Vater kommt aus Rom, aber gerade dort droht jetzt finanzpolitisch und im Bankensektor ein „Sodom und Gomorra“, also zwei biblische Städte, die mit „brennend“ und „überschwemmt“ übersetzt werden können. Die Städte sind Gegenstand einer Erzählung im Alten Testament, wonach sie durch Gott einem Regen aus Feuer und Schwefel begraben wurden, weil sie zuvor in gesündigt hatten. Auch die Brände ein Kalifornien und die Überschwemmungen in Japan und Pakistan sind wohlmöglich „biblische Symbole“ für die Finanzwirtschaft und den Bankensektor ebenso wie die Rede Papstes im Bundestag. Man kann jetzt auch sprichwörtlich den Glauben an die soziale Marktwirtschaft, an die Aktie und funktionierende, nicht manipulierte Kapitalmärkte verlieren, wenn das so weitergeht. Auch hier hilft wohl demnächst nur noch beten.

Der italienische Staat ist jetzt nicht nur durch die Rating-Agenturen in Bedrängnis gekommen. Wenn der Staat für die Rückführung der Mafia-Gelder still und heimlich sorgen würde, würden dem Staates schon erhebliche Mittel zufließen können. Ähnlich könnte Griechenland verfahren, die auch offensichtlich Schwierigkeiten mit der Steuereintreibung von Geldern haben, die sich in der Schweiz befinden.

Deutschland hat jetzt mit Schweiz auch ein Abkommen getroffen, das allerdings nicht ganz unumstritten ist. In Zukunft müssen Gelder aus Deutschland, die in der Schweiz angelegt werden, auch mit einer Abgeltungsteuer von 26% belegt werden. Vorherige Fälle, wo es sich um Steuerhinterzieher gehandelt hat, müssen mit einer Abgeltungsteuer von 19-34% nachträglich bestraft werden, allerdings in der Summe und ohne die Namen bekanntzugeben. Dieses neue Abkommen muss allerdings noch vom Bundestag verabschiedet werden und einige Politiker werden wohl dagegen stimmen.

Durch diesen Deal bleibt das Schweizer Bankgeheimnis formell gewahrt, aber es fließen auch einige Milliarden € in den leeren Staatssäckel. Ein ähnliches Abkommen könnten auch die Italiener mit der Schweiz machen und auch die Griechen mit der Schweiz. Obama will jetzt auch durch das Schließen von Steueroasen einige Milliarden in den leeren Staatshaushalt bekommen.

Das Hauptthema für die Börse bleibt im Moment Griechenland. Die Griechen bangen um die nächste Tranche der Troika EU, EWU und des IWF. Die griechische Regierung beschloss neue Sparbeschlüsse. Es sollen jetzt doch 30.000 Mitarbeiter im Staatsbetrieben freigesetzt werden und unrentable Staatsbetriebe aufgelöst oder verkauft werden. Die Privatisierung kommt aber nur schleppend voran. Die neue Immobiliensteuer soll über die Stromtarife eingezogen werden und bis 2014 aufrechterhalten bleiben. Renten über 1200 € sollen um 20% gekürzt werden. Diese Sparbeschlüsse hätte Griechenland aber schon vor einigen Jahren machen müssen. Jetzt könnte es zu spät sein. Die logischen Folgen sind zunächst Generalstreiks, die auch den Verkehr in Athen außer Kraft setzen, Für die Griechen und auch die involvierten Banken helfen jetzt offensichtlich nur noch beten. Vielleicht kann der Papst auch noch seinen Segen zum griechischen Sparprogramm geben.

Alle diese Maßnahmen wird vielleicht die Troika für eine gewisse Zeit zufriedenstellen, sie werden aber die wirtschaftliche Situation Griechenland noch weiter verschlechtern. Es werden wieder neue Generalstreiks der Gewerkschaften folgen, die die Wirtschaft lahm legen wird. Wenn aber die 8 Mrd € nicht im Oktober kommen, ist Griechenland faktisch Pleite und dann ist das worst case-Szenario von möglichen Dominoeffekten im Bankensektor schon sehr nah. Im gleichen Atemzug sind dann die meisten griechischen Banken pleite; gefährdet wären dann auch einige französischen Großbanken. Im Fall einer Staatspleite würde auch Portugal in Schwierigkeiten kommen, da Portugal im nächsten Jahr wesentlich mehr an Kreditvolumen zurückzahlen bzw. refinanzieren muss. Portugal muss dann 50 Mrd € refinanzieren, auch Irland muss 41 Mrd € refinanzieren, Italien sogar 509 Mrd € und Frankreich 539 Mrd €. Ich muss dabei betonen, dass Italien und Frankreich jetzt auch zu den Problemländern gehören, wo die Kreditwürdigkeit schon heruntergestuft wurde.

Ich kann jetzt schon sagen, dass das nächste Jahr das Jahr der Refinanzierungsprobleme darstellen wird. Zudem wird in den USA und in Russland ein neuer Präsident gewählt. Russland und Brasilien wollen jetzt den EU-Ländern helfen, was auch Beachtung verdient, denn zuvor waren Brasilien und Russland selbst Pleitekandidaten. So schnell verändert sich die Welt.

Es wird dann in 2012 ganz darauf ankommen, ob sich die Lage bis dahin verschlechtert oder verbessert. Für einige Länder und Großbanken hilft im nächsten Jahr auch nur noch beten. denn die Situation jetzt erinnert schon wieder sehr an die Situation nach dem Lehman-Crash: Moodys und S&P haben nicht nur das Rating von italienischen und französischen Großbanken deutlich heruntergestuft, sondern auch von amerikanischen wie bei der Bank of America von „A2 auf nur noch „Baaa1“ ebenso aber auch bei Wells Fargo und bei der Citibank. Es fehlt jetzt ganz einfach der Glaube, dass der Staat hier im Notfall noch einmal helfen kann. Auch bei amerikanischen Banken hilft jetzt nur noch das Beten.

Der Interbankenmarkt funktioniert nicht mehr wie zuvor, alles läuft über die EZB, die bisher hinreichend Liquidität zur Verfügung gestellten und gefährdete „PIGS-Anleihen aufgekauft hat. Bei farnzössiche Banken werden Gelder abgezogen und nun auch von chinesischen Banken keine Swap-Geschäfte mehr gemacht. Die europäischen Banken sind zu stark kurzfristig finanziert, was sie jetzt besonders verwundbar macht du was die Banken und Aktionäre sehr teuer wird. Auch die Spreads von Unternehmensanleihen sind schon wieder im September merklich in die Höhe geschossen und folglich die Kurse um über 20% in den Crash-Monaten August/September eingebrochen.

Die Rendite einer Hapag-Lloyd Anleihe bringt jetzt 15%. Viele Unternehmensanleihen haben eine Rendite von über 10% und das bei Inflationsraten von etwas über 2%, was nicht normal ist. Wir leben jetzt also nicht in normalen Zeiten. Das große Problem der Zukunft ist also die Refinanzierung von Staatsanleihen, Bankanleihen und von gefährdeten Unternehmensanleihen für die Unternehmen, die über wenig Eigenkapital verfügen. Am 20. September liehen sich die europäischen Banken bei der EZB in einem Siebentage-Refinanzierungsgeschäft 201 Mrd €, was der größte Betrag seit Februar war. Die Notenbanken der G20 beteuerten nach dem Mini-Crash am 22. September, dass sie dem Markt genügend Liquidität zur Verfügung stellen werden. Aber werden die scheinheiligen Beteuerungen ausreichen?

Die BRD muss in 2012 auf 439 Mrd € refinanzieren, was aber bei einem Zinssatz von gegenwärtig 1,8% kein Problem sein dürfte. Problematisch dürfte aber der Zinssatz für Portugal, Spanien und auch Italien werden. Italien hat jetzt schon Schulden in Höhe von 1,9 Billionen €. Bei dem neuen Rettungssschirm ESM, der den alten Euro-Rettungsschirm ab 2013 ablösen soll, hat Deutschland einen Anteil von 27%, Frankreich von 17,9%, Spanien von 11,9%, Niederlande von 5,7%, Belgien von 3,5%, Österreich von 2,8%, Griechenland von 2,8%, Finnland von 1,5% und Irland von 1,6%. Für Italien könnte das schon ein Problem darstellen. Bisher sind dies nur Garantien, die eigentlich dazu beitragen sollten, Beruhigung in die internationalen Finanzmärkte zu bringen.

Dieses Ziel ist eindeutig nicht erreicht wurde und wenn Staaten Pleite gehen, müssen auch die Gelder aufgebracht werden. Wie soll aber Griechenland 1,8% beisteuern können, wenn es selbst pleite ist?? Der ESFM hat jetzt ein Volumen von 750 Mrd. €. Dies Volumen soll dauerhaft beibehalten werden, was schon mal ein Wortbruch zu den Äußerungen von Angela Merker in 2009 und 2010 darstellt, denn der Rettungssschirm sollte ursprünglich keine Dauereinrichtung werden, sondern bis 2013 begrenzt sein. Dies zeigt schon, dass wir uns weiterhin im Ausnahmezustand befinden. Als Instrumente stehen Garantien, Kredite und Ankauf von Anleihen zur Verfügung. Da hilft wohl auch nur noch beten, dass nicht alle PIGS-Länder unter den Rettungssschirm müssen, denn dafür reicht er nicht aus. Was jetzt die EZB macht, soll später der Rettungssschirm ESM machen, was letztendlich auch eine europäische Bankenrettung darstellen soll. Nach einem IFW-Bericht brauchen europäische Banken dringend eine Kapitalspritze im Volumen von 300 Mrd USD, um die drohende Verluste auffangen und abfedern zu können. Die europäischen Bankenchefs beschwichtigen immer wieder, dass sie genug Eigenkapital und auch Liquidität hätten, aber das hatte so manche Bank vor Lehman auch behauptet. Kann man den Bankenchefs – der Papst würde im Bundestag bildhaft sagen „Räuber-Bandenchefs“ – jetzt noch (ver)trauen?

Es müssen wahrscheinlich also weiter Mega-Kapitalerhöhungen kommen, um die eine Pleitewelle zu vermeiden. Dies ist in diesem Umfeld aber nur schwer möglich und wenn dann nur zu sehr niedrigen Kursen, was auch zu Verwässerungen führen wird. Auch wird es weiteren Zwangs-Merger geben. Der PIMCO-Chef Mohamed El-Erian warnte schon vor einem möglichen Bankenrun bei französischen Großbanken von institutionellen Anlegern. Ähnliches könnten bald auch Portugal und Italien drohen. Wenn dann noch das Volk folgen würde, wäre die Pleite perfekt. Im Falle eines Bankenruns wird der Rettungsschirm aber obsolet. Der Herr sei mit Euch! Auch dort hilft dann nur noch beten!

Die FED erwies den Weltbörsen mit ihrem Twist, also dem Kauf von langfristigen Anleihen im Volumen von 400 Mrd USD und im Gegenzug der Verkauf von kurzfristigen Anleihen, einen Bärendienst, da die pessimistischen Konjunkturaussichten auf die Stimmung drückten. Durch die starken Kursverluste gab es auch wieder zu Margin-Calls, was den Kursverfall am 22. September beschleunigte.

Der Papstbesuch brachte dem DAX am 22. September also kein Glück und wohl auch keinen Segen. Der Pessimismus der FED hat die Stimmung erneut deutlich eingetrübt und auch die Rating-Keule der Rating-Agenturen führte zu weiter Panikverkäufen, was ich aber auch erwartet und unlängst angekündigt hatte. Die globalen Aktienmärkte reagierten wieder sehr verunsichert mit hohen Kursverlusten wegen der schwelenden Finanzkrise bei Ländern und Banken sowie den düsteren Konjunkturaussichten, die durch Ben Bernanke mit seinem 400 Mrd USD-Twist-Programm nur bestätigt wurden. Der Euro verlor zum Dollar um 0,7% auf unter 1,35 EUR/USD.

In einem solchen Umfeld können auch die Rohstoffmärkte nicht performen. Metalle wie Palladium und Kupferpreis brachen sogar um 8% ein, was auch fast alle Rohstoffaktien zum Einbruch brachte. Auch hier wird jetzt offensichtlich eine global kräftige Konjunkturverlangsamung oder sogar eine Rezession eingepreist. Der DAX brach am 22. September um fast 5% auf 5146 Indexpunkte ein und der Dow Jones um 3,38% auf 10.755 Indexpunkte. Am 23. September tauchte der DAX schon wieder intraday unter die 5000er Marke, erholte sich dann aber wieder auf über 5100 Indexpunkte. Der WTI Ölpreis gab um 4% auf 80 USD und der Brentölpreis auf 105 USD/Barrel nach. Der Goldpreis verlor am 22. September um 2,4% auf 1741 USD/Unze und der Silberpreis sogar fast um 10% auf 35 USD/Unze, was zeigt dass auch Gold/Silber in solchen Bärmärkten trotz aller Schreckensmeldungen nicht performen können. Am 23. September kam es bei Gold und Silber sogar zu Panikverkäufen. Der Goldpreis brach um 5,87% auf 1636 USD/Unze und der Silberpreis sogar um 14,3% (!) auf unter 30,4 USD/Unze ein. Dies erinnert schon wieder an den Silber-Crash im Mai dieses Jahres. Auch hier gab es wohl Schieflagen bei Hedgefonds und es wurden zuvor die Einschuss-Margen erhöht. Eigenartig und unverständlich war auch der Kurseinbruch in Indonesien um 6% ohne dass es dort irgendwelche Krisenphänomene gab. Es verloren diesmal also fast alle Märkte.

Sogar die zuvor so starke die norwegische Krone gab in Relation zum Euro auffällig nach, nachdem zuvor der Schweizer Franken kein sicherer Hafen mehr ist. Der Euro stieg hier um 1% auf 122 EUR/CHF. Auffallend schwach waren die arabischen Währungen nach dem Einbruch des Ölpreises. Nur der Bund-Future als einer der wenigen sicheren Häfen (im Moment) stieg um 0,6% auf 138,7, was nahe dem Allzeit-Hoch war. Kurioserweise fallen nach dem FED-Twist aber auch die 30.jähriehn US-Staatsanleihen auf unter 3%. Ich würde das aber nicht als „sicheren Hafen“, sondern als trügerischen Hafen bezeichnen. Der RTS-Index brach am 22. September sogar um 8,61% (!) auf 1367 Indexpunkte ein. Am 23. September kam es zu Margin Calls, was den RTS erneut um über 6% auf 1300 einbrechen ließ.

Dies erinnerte schon wieder an die Crash-Monate im September/Oktober 2008. Einige russische Blue Chips wie Gazprom, LUKoil und Severstal gaben ohne negative Unternehmensnews sogar im zweistelligen Prozentbereich nach, was man schon Crash nennen kann. Ich nehme an, dass hier auch Hedgefonds erhebliche Kapitalabflüsse zu beklagen ahben, die nun zwangsweise das Kapital aus diesen Regionen abziehen müssen, was bei ausgetrockneten Märkten zu starken Kursverlusten führt. Es hat im Moment keiner so richtig Mut, „gegenzuhalten“. Der Ölpreis gab zwar auch kräftig nach, aber hier handelt es sich auch um Übertreibungen. Auch an den Aktien und Rohstoffmärkten kann man den Eindruck gewinnen: jetzt hilft nur noch beten!

Aber wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Nach den erneuten Panikverkäufen am Donnerstag wird es auch wieder Chancen für Value Investoren zum Schnäppchenpreisen geben, auch in Osteuropa. Ich habe in der letzten Woche aufgrund der globalen Finanzrisiken und Konjunkturängsten mit weiter fallenden Kursen gerechnet. Ich rechne mit weiter fallenden Kursen in der nächsten Woche und damit eine Fortsetzung des Salami-Crashs. Ich bleibe aber bei meinem Rat, mit tief gestaffelten Abstauberlimits im mehreren Tranchen gerade jetzt in Osteuropa vor allem bei ertrags- und dividendenstarken Werten auf Einkaufstour zu gehen. Der Pessimismus ist jetzt so stark ausgeprägt, dass es auch wieder Gegenbewegungen im Rahmen einer Bärmarktrallye geben wird, die man im Trading-Bereich ausnutzen sollte. Cash bleibt im Grundsatz dabei King, so dass man das Pulver nicht gleich am Anfang verschießen sollte!

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