Je suis Paris - (nicht nur) Frankreich im Ausnahmenzustand

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Montag, 16. November 2015 00:25:00

Ausgerechnet am Freitag, den 13. November, wurde die Welt durch einen neuen brutalen Terroranschlag mit 129 Toten und 99 Verletzten geschockt, der in der Machart sehr an den Terroranschlag im Januar 2015 auf das Redaktionsbüro von Charlie Hebdo erinnerte. Vermutet werden hinter dem Terroranschlag IS-Krieger. Frankreich führte wieder Grenzkontrollen ein. Das Freundschaftsspiel Frankreich gegen Deutschland geraten ebenso wie die Börsenkurse bei einem solchen Ereignis in den Hintergrund.

Wer steckt hinter den Terroranschlägen und wie geht es jetzt weiter?

Am Donnerstag wurde bereits bei einer Autokontrolle von Schleierfahnder in Bayern ein Auto mit 8 Kalaschnikows, 2 Revolvern und 2 Handgranaten gefunden. Der 51-jährige Autofahrer schweigt bisher. In London wurde ein Terminal wegen Terrorgefahr geschlossen. Ein Franzose mit einem Revolver wurde festgenommen. Paris erlebte am 13. November ihren „11. September“. Es gab 7 Anschlagsorte in Paris von 3 miteinander abgestimmten Teams, die angeblich aus Syrien, Belgien und Frankreich stammen. Ein Terrorist ist noch auf der Flucht. Es wurde wohl auch bei einem Terroristen versucht, ins Fußballstadion in Paris einzudringen, der eine Eintrittskarte hatte. Hier wurde eine größere Katastrophe durch den Ordner verhindert.

Erdogan als zweifelhafter Partner bei der Terrorbekämpfung und Flüchtlingspolitik

In Belgien gibt es 500 Dschihadisten, die auch bereit sind, sich selbst umzubringen. Auch in Belgien gibt es die Gettorisierung von Ausländern, besonders von Moslems. Auch beim G 20 Treffen am Wochenende in der Türkei war die Bekämpfung des Terrorproblems das Hauptdiskussionsthema, wobei die Türkei mit der PKK eigene Erfahrungen gemacht hat. Die Türkei will aber, ebenso wie die USA, Assad stürzen und unterstützt dabei – angeblich - sogar die IS-Krieger. Man muss sich dabei aber immer fragen, welche geopolitischen Machtinteressen bei der oft völkerrechtswidrigen „Einmischung“ dahinter stecken.

In Istanbul wurde angeblich ein groß angelegter Terroranschlag während des G 20-Gipfels vereitelt. Erdogan will auch eine Islamisierung der Türkei und entfernt sich dabei immer mehr von Ata Türk, ist aber ein wichtiger Partner bei der Flüchtlingspolitik. Auch die Türkei ist ein sehr gespaltenes Land zwischen westlichem Fortschritt und traditionell-religiösem Rückschritt. Auch Erdogan setzt auf Härte gegen den Terror und bekämpft dabei die PKK, die aber wieder erfolgreich gegen die IS kämpft. Geht es paradoxer?

Terrorursachenforschung bleibt oft auf der Strecke

Über die genauen Hintergründe der Terroranschläge in Paris gibt es bisher nur Vermutungen, aber der französische Präsident Hollande machte sehr schnell IS-Krieger für die Terroranschläge verantwortlich und er titulierte die Terroranschläge als „Kriegsakt“, der vom Ausland aus geplant war, gegen die westlichen Werte, gegen Freiheit und die Demokratie, wobei hier der amerikanische Präsident Obama und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel bei ihren Beileidskundgebungen Ähnliches äußerten. Auch der Bundespräsident Gauck sprach von Opfern einer „neuen Art von Krieg“ durch Mordbanden und Terroristen. Der Islamische Staat bekannte sich auch zu dem Terroranschlag, wobei das auch bei dem Flugzeugabsturz der russischen Maschine der Fall war, wo man nun einen Bombenanschlag von IS-Kämpfern vermutet. Man darf dabei aber auch nicht vergessen, dass die Vororte von Paris nach wie vor ein Pulverfass sind, wo sich fundamental geprägte Terroristen leicht verstecken können.

Mehr auf Todenhöfer hören

Man sollte mehr auf den Journalisten Jürgen Todenhöfer hören, um zu erfahren, wie gefährlich die fanatischen IS-Krieger sind, aber auch wer die wahren Verursacher des Hasses und des „Heiligen Krieges“ sind. Der IS ist nach seiner Auffassung ein Produkt des Westens, möglichweise sogar ein geplantes Produktes des Westens. Ziel der IS ist ein weltweites Kalifat. Die IS muss nach Todenhöfer zunächst von jeder Versorgung finanziell und ökonomisch abgeschnitten werden und hernach muss sogar mit dem IS ein Dialog eintreten, was im Moment nicht möglich ist.

Hollande erklärt den Ausnahmezustand und spricht von „Krieg“ gegen westliche Werte

Hollande erklärte den Ausnahmezustand für ganz Frankreich – möglichweise für 3 Monate - und das bedeutet, dass die Grenzen wieder strenger kontrolliert werden, Versammlungen ohne Gerichtsbeschloss verboten werden können. aber auch dass Razzien ohne Gerichtsbeschluss in Frankreich stattfinden können. Aber auch dies sind nur kurzfristige Ad-Hoc-Aktionen, die das das Übel nicht an der Wurzel packen, was nicht die brutalen Terrorattacken entschuldigen soll, die mit nichts zu rechtfertigen sind. Nun kann es aber so sein, dass der Bündnis-Fall der NATO ausgerufen wird und dann müsste auch Deutschland aktiv im Krieg gegen den IS sind Syrien und im Irak der Fall sein. Frankreich und die USA haben sich auf konkrete militärische Maßnahmen bereits geeinigt ohne zu sagen, was sie damit konkret meinen. Wahrscheinlich werden die IS-Krieger jetzt stärker in Syrien bombardiert werden.

Das Übel an der Wuzel packen: leichter gesagt, als getan!

Das Übel entstand aber auch durch den völkerrechtswidrigen Krieg der USA im Irak, der Sturz aller möglichen Diktatoren, die nur Chaos schufen (wie im Irak, Ägypten und Libyen) und die einseitige Unterstützung nur der „amerikafreundlichen Seite“ in den jeweiligen Ländern. Der kubanische Ex-Präsident Fidel Castro ist sogar der Meinung, dass Gruppen um den US-Republikaner John McCain in Kooperation mit den israelischen Geheimdient für die Stärkung der IS-Krieger verantwortlich sind und dass dahinter ein strategischer Plan der Amerikaner ist, was man zunächst nur als Verschwörungstheorie einstufen kann, solange die Beweise dafür fehlen. Mit Sicherheit sind aber die amerikanischen Militäraktionen der letzten Jahrzehnte im arabischen Raum mit für das Chaos verantwortlich, was dort herrscht und worunter Europa und der arabische Raum nun leiden.

Syrien im Fegefeuer der Kritik: wer berichtet aber objektiv darüber?

Syrien selbst entstand als Kolonialstaat und war zuvor wechselweise stark unter britischem und französischem Einfluss, die das osmanische Reich nach dem Weltkrieg mehr oder weniger willkürlich aufgeteilt haben. Zuvor war Syrien Teil des Osmanischen Reiches, aber auch von Ägypten. Die jeweiligen Einflüsse der Türkei, die Assad stürzen wollen, aber auch Saudi-Arabien und des Irans sind auch heute noch erkennbar, so dass es sich auch hier um einen Stellvertreterkrieg Schiiten gegen Sunniten handelt, den es schon lange im arabischen Raum, aber auch in Pakistan gibt.

Schiiten sind die Anhänger, die als Nachfolge von Mohamed nur die familiären Nachfolger der Familie Mohamed Ali akzeptieren; die Mehrheit und damit die Sunniten akzeptieren auch andere Kandidaten wie den Propheten Sunna (daher Sunniten). Die Sunniten lehnen die Heiligenverehrung und Märtyrerkult der Schiiten ab. Die Schiiten fühlen sich als Opfer von Sunniten. 80 bis 90 Prozent der Moslems auf der Welt sind Sunniten. Nur in wenigen Ländern sind die Schiiten in der Mehrheit und dies ist im Iran, Irak und Bahrein der Fall.

Bei fast allen anderen Ländern sind die Sunniten in der Mehrheit. Bei den Schiiten sind die sogenannten Zwölfer-Schiiten wiederum die Mehrheit, die an eine Widerkehr des im neunten Jahrhundert im Samarra verschwunden zwölften Imans glauben, der die Welt retten soll. Ajatolla Chomeini machte diese Glaubensrichtung seit 1979 zur Hauptrelegion im Iran. Die Mehrheit in der Türkei sind Sunniten; es gibt auch Alawiten in der Türkei. Über die Türkei gelingt es auch heute noch Öl des IS-Staates zu verkaufen. Warum wohl?

Assad als Alawit ist nicht einzige Brandstifter in Syrien

Unter den Schiiten gibt es aber auch „Geheimreligion“ wie die Ismailiten, die als Siebener-Schiiten bezeichnet werden und im Libanon leben und die Alawiten, zu dem der syrische Staatschef Baschar al-Asad zählt. Obwohl sie untereinander oft zerstritten sind, unterstützen die Hisbollah aus Libanon und auch die Iraner auch Assad beim Kampf gegen die Sunniten im Syrien. Saudi-Arabien versteht sich als Schutzmacht der Sunniten, der Iran aber als Schutzmacht der Schiiten. Früher dachten einige, auch die Amerikaner, die Sunniten gehören zu den „Guten“ und die Schiiten (also Iran und der Irak) zu den „Bösen“. Heutzutage ist es eher umgekehrt.

Viele Stellvertreterkriege machen den Nahen Osten zum Pulverfass

Beide Moslemgruppen konkurrieren um die Vorherschaft im Nahen Osten durch ein Reihe von Stellvertreterkriegen wie Israel gegen Palästina, Saudi-Arabien gegen Jemen (mit fortwährenden Bombenanschlägen in Jemen seitens von Saudi-Arabien, von den USA unterstützt) und auch in Syrien/Irak. Grob gesagt unterstützen die USA bei dem Machtkampf aus welchen Gründen auch immer die Sunniten und Russland die Schiiten. Insofern handelt es sich auch um einen Stellvertreterkrieg USA gegen Russland im arabischen Raum, aber auch in der Ukraine.

Auch im Irak kämpfen Sunniten gegen Schiiten

Aber auch im Irak kämpfen weiterhin Schiiten gegen Sunniten und ebenso in Syrien, wobei Syrien von Iran (also Schiiten) unterstützt wird. Saudi-Arabien wird durch die USA unterstützt, der Iran durch Russland. Der Iran und Russland unterstützen wiederum Assad (also Schiiten) im Kampf gegen die Rebellen die Sunniten sind und zumindest als „Freiheitskämpfer“ auch von den USA unterstützt werden. Beide – Iran und Saudi-Arabien - sind militärisch etwa gleich stark.

Machtwechsel im Irak mit amerikanischer Unterstützung und fatalen Folgen als einer der Hauptursachen des gegenwärtigen Terrors in Europa

Im Irak sind 60 Prozent der Bevölkerung Schiiten und nur ein Drittel Sunniten. Der frühere Machthaber Saddam Husain war Sunnit und er unterdrückte die Schiiten. Nach dem Irakkrieg wurden umgekehrt auch seitens der Amerikaner einseitig die Schiiten auch mit Waffen gefördert und Sunniten unterdrückt, was ein folgenreicher, strategischer Fehler war der USA. Ähnlich fatale Entwicklungen gibt es jetzt in Ägypten, wo Moslembrüder, also Schiiten, ins Gefängnis gesteckt und zum Tode verurteilt werden, was viel zu wenig kritisiert wird. Auch dort gibt es weiterhin einen internen Machtkampf Schiiten gegen Sunniten. Die USA unterstützen die neue irakische Armee mit modernen Waffen. Teile der irakischen Armee wechselten aber auch weil die Sunniten nun unterdrückt wurden voller Verzweiflung zum IS.

So entstand mittelbar auch mit amerikanischer Hilfe ein neuer IS-Staat der Sunniten. Die IS-Krieger sind also eine sunnitische Extremgrupe, die Schiiten als Ketzer ansieht und sie daher umbringen will, ebenso wie Christen und alle anderen „Ungläubigen“. Hier wird es höchste Zeit, dass die USA mit ihren Geheimdiensten auch die Finanzierung des IS genau untersuchen, um zu versuchen, es zu unterbinden. Dabei sollten die US-Geheimdienste aber auch gegen Saudi-Arabien, Katar und der Türkei aktiv vorgehen, wenn hier Verdachtsmomente bestätigt werden. Dies geschieht bisher aber leider nicht, was auch die Öllieferungen der IS über die Türkei betrifft.

Extrem-radikale Sunniten als Hautproblem des Terrorismus

Die extremen Sunniten müssen daher unter verstärkte Beobachtung im In- und im Ausland. Dazu zählen auch die Dschihadisten, also militante Salafisten, die einen reinen Gottesstaat anstreben und die bereit sind, sich dafür selbst umzubringen, weil sie dann ins Paradies kommen. Die Dschihadisten sehen die westliche Lebensweisen und vor allem die Freiheiten der Frauen, aber auch von Musikrichtungen und Sportarten, als Perversion und wollen diese mit allen Mitteln bekämpfen. Hier haben die Islamischen Schulen viel vor sich, um die „richtigen Botschaften“ des Korans herauszufiltern und zu lehren. Die Auseinandersetzung der Moslems untereinander ist zwingend notwendig, auch zur effizienten Terrorbekämpfung. Dazu zählen aber Sozial-Programme und Ausbildungsorgane für Jugendliche von 20 bis 35, da hier die meisten Terroristen sich zusammentun um die Lehren Mohameds zu verteidigen und im Auftrag von Allah sich und andere zu töten, was ein Wahnsinn ist.

Unterdrückungen der Sunniten oder Schiiten als weiteres Hauptproblem im Nahen Osten, auch in Ägypten

Die USA müssen aber auch dazu übergehen, die Sunniten und Schiiten gleichermaßen wirtschaftlich zu fördern, anstelle sie einseitig mit Waffen zu unterstützen, um eigene geopolitische Ziele oder Rohstoffziele durchzusetzen. Auch dies ist noch ein Lernprozess, wobei die Vertreter aus Europa dies auch einmal ansprechen sollten, denn Europa ist einer der Hauptleidtragenden durch den Flüchtlingsstrom. Das wichtigste in Syrien ist ein Waffenstillstand und eine Unterstützung der Sunniten und Schiiten gleichermaßen. Zudem hat die Entwicklungshilfe bisher versagt, die viel zu wenig ist, auch zur Unterstützung der Flüchtlingslager im Libanon, in Jordanien und der Türkei.

Sicherlich ist der gegenwärtige Staatschef Assad nicht frei von Schuld, was die brutalen kriegerischen Auseinandersetzungen im eigenen Lande angeht. Aber es sind zweifelsfrei auch vom Ausland unterstützten terroristische Aktionen, die das Land ins Chaos führten. Vor diesem Bürgerkrieg war Syrien noch einer der tolerantesten Länder im arabischen Raum, wo auch Christen ihre Religion frei ausüben konnten.

Wer ist der „Gute“ und wer ist der „Böse“?

Es ist jetzt schwer zu ermitteln wer „Freiheitskämpfer“ (mit Waffengewalt) und wer Terrorist (mit Waffengewalt) ist. Vor allem können und sollten das nicht die Amerikaner objektiv für sich und die Welt festlegen. Wer ist der Gute und wer ist der Böse? Da lag schon Ex-US-Präsident George Bush völlig falsch beim Irak-Krieg und auch beim Krieg in Afghanistan beim Kampf gegen angebliche Schurkenstatten und gegen die „Achse des Bösen“.

Die Ursachenanalyse führt nicht nur in die USA, sondern auch nach Frankreich selbst

Ein Krieg ist immer eine Kapitalation der Konfliktlösungsbereitschaft der Menschheit. Jeder Krieg schafft unsägliches Leiden bei der Zivil-Bevölkerung und wenn nun Hollande diesen Terroranschlag als „Krieg“ bezeichnet wie es auch Bush am 11. September getan hat, kann dies auch Unfrieden für breite Bevölkerungsschichten bedeuten, wenn man die falschen Schlüsse daraus zieht. Zudem sollte Hollande diesen fürchterlichen und mit nichts zu rechtfertigen, feigen Terroranschlag zum Anlass nehmen, wie er in Zukunft die Situationen in den Vororten von Großstädten entschärfen kann. Insbesondere wenn Jugendliche keine Perspektive mehr im eigenen Land haben werden sie anfällig für solche Terrorakte.

Auch soziale Probleme in den „Parallelwelten“ beachten

Dies ist also auch ein soziales, gesellschaftliches Problem, ebenso wie in Belgien. In Zukunft sollten zur „Terrorbekämpfung“ auch die sozialen Problem in den Vororten von Großstädten beachtet und beseitigt werden, damit dort nicht Dschihadisten herangezogen werden. Ein noch härterer und stärkerer Überwachungsstaat ist da nicht unbedingt das probate Mittel, um die Terrorgefahr zu bekämpfen. Eigenartigerweise ist Frankreich schon vorher das Land mit der am weitest gehenden Vorrats-Datenspeicherung in Europa, was aber auch den Terroranschlag nicht verhindern konnte. Frankreich wurde zunächst als Terroropfer ausgesucht, weil es eine besonders aktive Rolle beim Syrienkrieg spielt. So etwas kann aber jederzeit auch in London, Brüssel oder Berlin in Zukunft passieren.

Was passiert nach einem Sturz von Assad?

Man darf auch die Frage stellen, was bei einem Sturz von Assad passieren wird und wer die Machtlücke dann füllen wird. Es könnte sich ähnliche chaotische Konstellation ergeben wie in Afghanistan ergeben, was auch einmal ein relativ friedliches und tolerantes Land war, bis sich die Großmächte Russland und USA um den Einfluss in diesem Bereich, auch unter den Vorwand der Terrorbekämpfung, bemühten, obwohl aber auch ganz andere rohstoff- und militärstrategische Interessen dahinter stecken. Die Amerikaner wechselten zum Teil ihre strategischen Partner (auch bei der Terrorbekämpfung) wie die Unterhosen, sei es im Iran, Irak oder Afghanistan. Man sollte wissen, dass die Vereinnahmungsversuche auch ursächlich für die Situation im arabischen Raum und der Flüchtlingskatstrophe, mittelbar auch mit dem IS-Staat, der außer Rand und Band gerät, zu tun haben. Inwieweit sich die Talliban in Afghanistan verdrängen lassen, ist auch noch ein ungelöstes Problem. Auch Pakistan ist im Grundsatz ein Pulverfass, wo der amerikanische Einfluss (noch) sehr stark ist. Pakistan ist schon wohlgemerkt eine Atommacht.

Wer blickt da noch durch?

Die Situation im arabischen Raum ist so komplex, dass kaum einer mehr durchblickt. Leider gibt es auch viel zu wenige Journalisten von der Kompetenz eines Peter Scholl-Latour, den ich sehr verehre, die im Nahen Osten mehr Durchblick und mehr Klarheit schaffen können, aber auch die wahre Ursache des Terrors und die Zusammenhänge beim Namen nennen.

Die heuchlerische Politik mit Unterstützern der IS-Kriegern wirft viele ungelöste Fragen auf

Es ist nach wie vor ein Unding, dass Deutschland Waffen nach Saudi-Arabien und Katar schickt und mit den Ländern Geschäfte macht, auch wenn dort die Menschenrechte nicht geachtet werden und es dort keine demokratischen Strukturen gibt. Zudem unterstützen Saudi-Arabien und Katar die IS-Krieger mit Waffen und mit Finanzmitteln. Es unterstützen aber auch die USA ohne UN-Mandat die Rebellen in Syrien mit Waffen. Zudem muss versucht werden, die IS-Krieger handlungsunfähig zu machen und zu neutralisieren, sonst hat Europa in Zukunft ein großes Terror-Problem. Was man perspektivisch erreichen müsste, wäre ein Waffenstillstand in Syrien. Überall dort, wo es keine staatlichen Macht und Autorität gibt, gibt es zunächst Chaos. Das Machtvakuum könnte dann auch von extremen Islamisten gefüllt werden.

Das rechts-nationale Lager ist der Gewinner des Terroranschlags und Europa das Opfer

Leidtragender dieser internen Kriege in den arabischen Ländern ist Europa durch den Flüchtlingsstrom. Hier werden jetzt Rufe nach einer staatlichen Ordnung und von scharfen Grenzkontrollen immer lauter werden. Zudem werden rechtsnationale Parteien in Europa an Stimmen und Bedeutung gewinnen wie in Deutschland die AfD und in Frankreich die Front National unter Marine Le Pen. Wenn Marine Le Pen auch durch solche Terroranschläge die Präsidentin Frankreichs werden sollte, werden wir ein neues, zerspaltenes Europa haben, was schon jetzt zum Teil der Fall ist. Le Pen fordert sofort schärfere Grenzkontrolle, da 3 Terrorristen angeblich über Belgien nach Frankreich einreisten. Das Sicherheitsbedürfnis wird mit Sicherheit bei den Bürgern zunehmen. Was unbedingt aber vermieden werden muss, ist ein Hass gegen Moslems und erst recht ein Krieg gegen Moslems. Diese Gratwanderung ist aber sehr schwierig, gerade im rechten Lager.

Ungelöster und unnötiger Stellvertreterkrieg auch in der Ukraine

Bei Aktionen in der Ukraine erleben wir ähnliche Stellvertreterkriege (wie USA gegen Russland) mit bisher 6000 Toten. Zum Glück herrscht jetzt ein fragiler Waffenstillstand, aber darf man schon jetzt sich die Frage stellen, warum eigentlich bis hier 6000 Menschen ihr Leben lassen mussten. Für die Freiheit der Ukraine? Für Europa etwa? Dies ist in der Dimension und Tragweite noch viel Tragsicher als der Terroranschlag in Paris, dem weitere folgen können. Aber wenn Minsk II kein Erfolg wird, kann es auch wieder Krieg in der Ukraine geben mit viel mehr Toten als in Paris.

Verwundbare westliche Welt

Hier muss auch einmal ein Machtwort der EU gesprochen werden, die dies klarstellt. Auch Journalisten sind hier aufgefordert, objektive Arbeit à la Scholl-Latour zu leisten und die Hintergründe genau aufzuklären. Wenn wir nun zu berechtigten Solidaritätsaktionen mit Frankreich aufrufen, müssen wir auch fragen, warum die Solidarität bei der Bewältigung der Flüchtlingsprobleme – auch in Frankreich - gefehlt hat. Auch müssen wir uns klar machen, dass derartige Terroranschläge in jeder europäischen Großstadt stattfinden können. Bei den Angriffen auf „weiche Ziele“ also Kaffees, Konzertsäle und auch Weihnachtsmärkte demnächst sind wir alle verwundbar und mehr oder weniger machtlos, auch wenn sich die Polizeipräsenz erhöhen sollte.

Mögliche Auswirkungen auf Sportveranstaltungen und auf die Flüchtlingspolitik

Am Dienstag soll das Fußballfreundschaftsspiel in Hannover von Deutschland gegen die Niederlande stattfinden, weil man sich dem Terror nicht unterordnen will bzw. den Terror indirekt aufwerten will. Am 29. November soll aber auch die Klima-Konferenz im Paris stattfinden, wo 50.000 Auswärtige erwartet werden und im nächsten Jahr soll die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich stattfinden. Viele fragen sich, wie das vor dem Hintergrund dieses Terroranschlags möglich sein soll.

Viele fragen sich aber auch, wie jetzt die Flüchtlingspolitik in Europa fortgesetzt werden soll. Auch hier fehlt es weiterhin an in Europa abgestimmten Aktionen. Die einen fordern Grenzzäune und verschärfte Grenzkontrollen, die andere fordern weiter freie Grenzen. Polen will wegen des Terroranschlags in Paris nun gar keine Flüchtlinge aufnehmen. Auch in Deutschland gibt es seitens der CSU die Forderung, die Kontrollen an den Grenzen zu verschärfen, denn wir müssen wissen, wer nach Deutschland einreist.

Zumindest soll Dublin II wieder hergestellt werden, also ein verbindliche Ordnung für die Registrierung von Flüchtlingen. Theoretisch ist es jetzt leicht möglich, dass auch islamistisch angehauchte Syrer im Rucksack unbemerkt Handgranaten und Pistolen mitschleppen und als Schläfer dann später Aktionen starten. Wer sollte das verhindern können? Auf der anderen Seite muss traumatisierten Moslems aus Syrien, die unmittelbar aus Kriegsregionen stammen und davor fliehen, sofort geholfen werden, was von einigen osteuropäischen Ländern aber abgelehnt wird. Es ist die Frage, ob sich nun ein geordneter Flüchtlingsstrom gewährleisten lässt.

Putin forciert den Kampf gegen die IS – auch aus Eigennutz

Putin hat seine Unterstützung beim Kampf gegen die IS-Krieg bekräftigt auch aus Eigennutz wegen der Probleme in der islamistisch geprägten Kaukasus-Region, was weiterhin ein Pulverfass ist. Er erhöht damit aber auch die Terrorgefahr in Russland. Hier wäre in der Tat eine verbesserte Kooperation mit Frankreich und den USA wünschenswert, die auch die IS-Krieger bekämpfen.

Kommt jetzt nach dem Terroranschlag ein Crash?

Es ist die große Frage, wie die Börsen auf die brutalen Terroranschläge in Paris reagieren werden. Ich nehme an, dass die Börsen nach einer scharfen Korrektur wohl in den nächsten Wochen sehr verhalten und besonnen auf die Terroranschläge in Paris reagieren. Einige Analysten und Marktteilnehmer erwarten aber einen Crash oder den Beginn eines Black Swans (Schwarzen Schwans). Gespannt sein darf man auch, was die amerikanische Notenbank FED am 16. Dezember in diesem vom Terror geprägten Umfeld machen wird.

Die Kurse gaben im November schon seit dem 4. November und befinden sich seitdem in einer Korrekturphase, da nun nach guten US-Arbeitslosenzahlen eine Zinserhöhung der FED am 16. Dezember droht. Der DAX gab schon am Freitag vor dem Terroranschlag um 0,32 Prozent auf 10.677 Indexpunkte und der Dow Jones Industrial Index um 1,16 Prozent auf 17.245 Indexpunkte nach. Der russische RTS-Index verlor sogar um 2,05 Prozent auf 814 Indexpunkte, da auch der Brentölpreis um 1,47 Prozent auf 44,52 US-Dollar/Barrel nachgab. Die Aktienbörsen befinden sich also im Korrektur-Modus, der sich am Montag wohl fortsetzen wird. Die Frage ist, ob es nach dem Schwarzen Freitag in Paris nun ein Schwarzer Montag an den Weltbörsen mit Panikverkäufen geben wird. Von einer erhofften Jahresendrallye redet dann wohl keiner mehr so schnell. Es kann aber auch zu einer sehr besonnen Reaktion kommen oder das das „Plunge Protection Team“ in den USA sogar für steigende Kurse sorgt.

„Rote Linien“ wegen der angeschlagenen Markttechnik jetzt unbedingt beachten

Nach dem starken Kursanstieg bis 23. Oktober stellt sich nun die Frage, ob das nun der Beginn der Jahresendrally oder schon das Ende war. Ab dem 4. November korrigierten die Weltbörsen bereits. Kurzfristig sind fallende Aktienkurse wahrscheinlicher. Aufgrund der weiterhin angeschlagenen Markttechnik und der FED-Entscheidung ist demnächst wieder eine defensive Anlagepolitik ratsam. Die nächsten wichtigen „roten Linien“ die an den Weltbörsen nicht unterschritten werden dürfen, können Sie der neuen Ausgabe des EAST STOCK TRENDS (EST, www.eaststock.de) vom 3. November entnehmen. Nach dem Crash am 24. August und den schwachen Kursen im September sowie der Kurserholung im Oktober befinden sich nach wie vor 5 Börsen aus Osteuropa unter den Top-Performern der Welt. Die Börse Riga stieg wie sogar schon um 40 Prozent!

Erst informieren, dann investieren

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TV- und Radio-Hinweise: Andreas Männicke wird am 5. Oktober 2015 um 13.00 Uhr im DAF und am 6. Oktober 2015 um 13.00 Uhr in Börsen Radio Networks über die Beschlüsse in Paris befragt. Sie können das Interview hernach unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik Interviews abrufbar. Schauen Sie sich auch das gleichnamige EastStockTV-Video, Folge 86 unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ an.

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Diskutieren Sie jetzt auch mit Herrn Männicke interaktiv unter http://go.guidants.com/de#c/Andreas_Maennicke .

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