Ist die „Lehman-Schockstarre“ schon überwunden?

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Samstag, 25. Juli 2009 23:54:00

Die von mir erwartete Sommerrallye der letzten Woche macht einerseits viele Anleger optimistischer, andere Fragen sich aber, ob sie die Kursrallye nicht jetzt zu Gewinnmitnahmen nutzen sollten. Die Berichtssaison, die in Deutschland erst nächste Woche startet, wird Aufschluss darüber geben, ob die Talsohle schon durchschritten wurde. Dabei handelt es sich aber auch nur um eine Momentaufnahme von sich überlagernden Effekten wie niedrige Verzinsung, Staatseingriffen und tatsächlichen Turn around-Situationen.

Was ist positiv, was negativ? Der für den DAX recht zuverlässige IFO-Geschäftsklima-Index stieg letzte Woche erneut an, was bedeutet, das die Zuversicht der deutschen Manager über die Zukunftschancen wieder besser wird und sich auch die Auftragslage auf niedrigem Niveau wieder stabilisiert. Jetzt werden die Prognosen bis Jahresende gemacht und jede Prognose, die einen positiven Ausblick hat, wird sofort an der Börse mit steigenden Kursen honoriert (und umgekehrt!). Der Ausblick ist dabei wichtiger als die Geschäftszahlen für das 2. Quartal 2009, die demnächst berichtet werden. Die bisherigen Berichte und auch Ausblicke von den US-Blue Chips machen Hoffnung, dass aus einer Stabilisierungsphase auch wieder eine Wachstumsphase werden könnte.

Wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass die Kapazitätsauslastung immer noch sehr gering ist und fast alle Volkswirtschaften der Welt immer noch dabei sind, Überkapazitäten abzubauen, sprich Mitarbeiter zu entlassen. Dennoch erwarte ich im 2. und erst recht im 3. Quartal erste Wachstumsimpulse, also bessere Quartalszahlen als im Vorquartal, aber schlechter als im Vorjahr. Dabei werden die Arbeitslosenquoten weiter ansteigen, die Unternehmen aber auch wieder schlanker, profitabler und wettbewerbsfähiger. Das wichtigste für die Weltwirtschaft ist aber die Frage, ob es weiterhin eine weltweite Kreditklemme gibt oder nicht.

Die Schockstarre an den Weltbörsen wurde im letzten Jahr im globalen Welt-Finanzsystem durch die Lehman Brothers-Pleite ausgelöst und sie ist bei den Banken trotz der Überflutung der Notenbanken noch nicht vollends überwunden; aber es gibt Anzeichen einer Normalisierung auf niedrigem Niveau. Die Aktienkurse signalisieren das auch, denn bei vielen Unternehmen sind die Kurse schon wieder auf dem Niveau wie vor der „Lehmanschen Genickstarre“. Ich betone immer wieder, dass eine nachhaltige Trendwende an den Weltbörsen nur gelingen kann, wenn die Banken wieder gesunden und sich auch gegenseitig wieder vertrauen. Weiterhin besteht große Unklarheit über die Werthaltigkeit von Forderungen, sei es bei eigenen Produkten (Kreditderivaten), sei es im „Commercial Banking“. Die Super-Gewinne bei den besten Banken der Welt JP Morgan und Goldman Sachs beruhten auf „Investmentbanking“ und im Eigenhandel. Das große Fragezeichen bleiben die Forderungen im Kreditgeschäft für Privat- und Geschäftskunden, denn hier wurden schon erhebliche Rückstellungen gebildet. Die Frage ist aber, wie hoch die Kreditausfallquote am Ende des Jahres sein wird.

In den USA sind bisher 57 Banken Pleite gegangen ohne dass dies nachhaltige negative Auswirkungen à la Lehmann hatte. Die CIT Bank, die für die Finanzierung des Mittelstands konnte nur knapp von der Pleite bewahrt werden. Der Chef der Deutsche Bank AG Josef Ackermann ist auch Vorsitzender des „Institute of International Finance“ (IIF) mit 380 Mitgliedern aus 70 Länder. Ackermann ist für einen „geordneten Rückzug“ von Banken, er ist für weitreichende Reformen in der Regulierung der Finanzdienstleistungsindustrie und er ist dafür, dass nicht für alle Großbanken der Grundsatz gelten solle „too big to fail“ (Hört! Hört!), da sonst der Staat, also der Steuerzahler, überfordert wird. Entwickelt sich damit Ackermann etwa vom Saulus zum Paulus? Der nächste Jahresboni dürfte für ihn hoch ausfallen, weil auch die Deutsche Bank im Investmentbanking und Eigenhandel wieder gutes Geld verdient.

Auch wenn die Deutsche Bank AG bisher das einzige große Kreditinstitut ist dass keine Staatshilfe in Anspruch genommen wurde, so ist dies nur dem Umstand zu verdanken, das wichtige Counterparts wie AIG durch Staatseingriffe nicht Pleite gingen. Die Rettung von angeblich oder tatsächlichen systemisch relevanten Banken kosten dem US-Haushalt im Moment das meiste Geld. Bis jetzt wurden etwa 200-300 Mrd. USD für die Rettung von Banken in den USA ausgegeben und dies ist bei weitem der größte Anteil bei dem 800 Mrd. USD-Konjunkturprogramm. Zudem hat die FED mehrere Billionen in den Markt gepumpt, um das US-Bankensystem zu retten. Die konnte aber auch nicht verhindern, dass Kalifornien so gut wie Pleite ist und dass die Refinanzierung für mittelständische Betriebe nach wie vor sehr schwierig bis unmöglich, zumindest aber sehr teuer ist. Der Gouverneur Arnold Schwarzenegger lässt schon Schuldscheine drucken, um eine Pleitewelle abzuwenden. Überall auf der Welt brechen die Gewerbesteuereinnahmen ein und sorgen für erhebliche Löcher bei Gemeinden und Kommunen. Nach wie vor gibt es aber keine klaren Grenzziehung, was systemische Risiken bzw. Banken mit systemische Risiken sind und was bzw welche Bank nicht.

Bei aller notwenigen Diskussion um einen wie auch immer ein „geordneten Rückzug“ von insolventen oder nicht mehr wettbewerbsfähigen Banken, sollten sich Anleger bewusst werden, wo im Moment die größten Banken der Welt entstanden sind und das sind die chinesischen Großbanken. So sind von der Börsenbewertung her die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) mit einer Börsenkapitalisierung von 247,4 Mrd. USD und die China Construction Bank mit einer Börsenkapitalisierung von 178 Mrd. USD die mit Abstand größten Banken der Welt vor der HSBC, die auch überwiegend in Asien wächst. Die Bank of China ist wertmäßig mit 151 Mrd. USD sogar noch größer als JP Morgan mit 145 Mrd. USD. Vor einem Jahr führten noch die US-Großbanken CitiGroup und Bank of America die Weltrangliste der größten Banken mit einer Kapitalisierung von 255 bzw 218 Mrd. USD an. Bemerkenswert ist auch, dass der Wert der Industrial Commercial Bank of China jetzt schon höher ist als vor einem Jahr. Die meisten chinesischen Banken sind also schon auf dem Niveau wie vor dem Lehmann-Unfall, die US Banken und erst recht die deutschen Banken jedoch noch lange nicht.

China hat übrigens jetzt auch schon die zweigrößte Börse der Welt vor Tokio, aber weit hinter der Wall Street. Die Vormachstellung der USA bleibt also erhalten und dies auch in den nächsten Jahren. Allerdings gehen die globalen Wachstumsimpulse eher von asiatischen Tiger-Ländern aus. Wie nachhaltig das Wachstum in China ohne Konjunkturprogramme bleiben wird, bleibt abzuwarten. Spannend bleibt auch, was China mit den 2 Billionen USD Währungsreserven machen wird, die überwiegend in US-Staatsanleihen angelegt wurden, was wiederum das US-Konjunkturprogramm erst möglich machte. Ein fallender Dollar würde hier zu einem erheblichen Wertverlust bei den Chinesen führen. Ich erwate hier demnächst dennoch einen sehr schwachen Dollar, wenn er unter 1,43 EUR/USD fallen sollte. Bei unter 1,37 EUR/USD wird es aber zu einer überraschenden Dollarstärke kommen, wenn die Weltbörsen stark nachgeben sollten, denn dann wird das hot money wieder in den Heimathafen zurückgeführt.

Während der Wert der CitiGroup mit einer Market Cap von 10 Mrd. € auf „Bedeutungslosigkeit“ gesunken ist, hat sich der Wert der Bank of America immerhin bei 100 Mrd. USD behaupten können. Dabei sind die Bilanzsummen bei der Citibank mit über 2 Billionen USD immer noch so groß, dass sie eindeutig zu den systemischen Banken zu rechnen sind. Gerade, die CitiGroup muss aber aufpassen, dass die Kreditausfallquote im zweiten Halbjahr nicht zu groß wird. Ähnliches trifft für die Commerzbank zu, wobei hier der Staat schon aufpassen wird, dass die 2 Billionen Bilanzsumme nicht ganz wertlos werden. Bei einer Kreditausfallquote von über 10% kann aber jede Bank Pleite gehen!

Chinesische Großbanken geben also den Ton an und überragen US-Banken im Wert schon um Längen. Ob dies immer so bleibt, hängt auch davon ab, ob sich in China ein Bubble bildet. George Soros hat dies unlängst in seinem neuen Buch angedeutet. Soros ist der Auffassung, dass die globale Finanzkrise nur global zu lösen ist. Aus G8 wird G20 und wenn G20 nicht kooperiert, sondern sich einzelne Länder von Bedeutung (zu) protektionistisch verhalten, gibt es ein Fiasko (oder einen Krieg). Daher deutet sich auch hier ein gewisser Paradigmawechsel an, der allerdings nicht ganz reibungslos verlaufen wird. China und auch Russland geht es darum, die geopolitische Vormachtstellung der USA zu überwinden und China will selbst die No 1 werden. Dabei sollte sich China auch im Wachstumswahn aber nicht übernehmen, sondern sich Zeit lassen, sonst wird es früher oder später auch Opfer eine selbst initiierten „Bubble-Ökononomie“. Noch ist die USA klar der weltwirtschaftlich bedeutsamste Markt.

Da die Wirtschaft in China im Moment auch aufgrund der Konjunkturprogramme weiterhin mit 7% dynamisch wächst, besteht auch die Hoffnung, dass China seinen Beitrag zur Gesundung der Weltwirtschaft weiterhin beiträgt. Dies hilft im Moment auch den Weltbörsen. Mein Tipp: schauen Sie nicht nur, was in den USA passiert, sondern schauen sie auch, was in China im Moment passiert. Aufgrund der Chinanachfrage steigen auch einige Industriemetalle wieder an. So erreichten in der letzten Woche Kupfer mit 5500 USD und Nickel mit 16.000 USD jeweils neue Jahreshöchstkurse. Kupfer gilt immer als Frühindikator für die Industrie. Auch dies ist also einen Lichtblick, der Beachtung finden sollte. Davon profitierten auch Rohstoffwerte aus Osteuropa wie Norilsk Nickel aus Russland. Kazakhyms aus Kasachstan oder KGHM aus Polen, die im Kurs alle kräftig zulegen konnten und zum Teil sogar neue Jahreshöchstkurse erreichten.

Auch die russischen Ölwerte stiegen um etwa 20% in den letzten 2 Wochen aufgrund des von 60 auf 68 USD/Barrel gestiegenen Ölpreises. Damit dürften auch die Konjunkturdaten in Russland im Monat Juli erstmals besser ausfallen als im Vormonat. Im ersten Halbjahr zählte Russland mit einem Minus von 10 noch zu den am stärksten eingebrochen großen Volkswirtschaft der Welt: in der zweiten Hälfte dürfte die Einbrüche nicht so groß werden. Der Stahlkonzern Mechel meldete schon positive Zahlen für das 2. Quartal. Die neue Gazprom-Anleihe auf €-Basis im Volumen von 850 Mio. € war 10-fach überzeichnet und stieg gleich von 100 auf 102 im Kurs. Ich empfehle nach wie vor den Kauf von russischen Unternehmensanleihen (mehr dazu im EAST STOCK TRENDS, www.eaststock.de) mit ansehnlichen Renditen.

Der RTS-Index gelang wieder der Sprung über die magische 1000-er Marke, wobei vor allem Öl- und Gaswerte wie Gazprom und LUKoil, aber auch Metallwerte den Index nach oben zogen. Damit stiegen russische Aktien weite mehr als DAX oder S&P-Index, was deutsche Vermögensverwalter (mehr) beachten sollten. Russische Werte werden vor allem dann weiter steigen, wenn der Ölpreis die 70 USD/Barrel-Marke überschreiten sollte. Aber auch die Blue Chips an den anderen Ostebörsen stiegen in der letzten Woche wieder kräftig an und markierten zum Teil sogar neue Jahreshöchststände wie der Versorger CEZ in Tschechien und KGHM in Polen. Die „BRIC-Länder bieten in diesem Umfeld zumindest sehr gute Trading-Chancen, was die meisten deutschen Vermögensverwalter und Anleger vernachlässigen und damit auch verpassen. Dann dürfen sie sich aber auch nicht wundern, wenn ihre Depots nur unterdurchschnittlich performen. „BRIC“-Länder haben in diesem Jahr eine Performance von weit über 50% erzielt. Ich empfehle aber weiterhin, diese Top-Gewinne mit Stopp-loss-Marken abzusichern.

Ich bleibe aber dabei: man kann auf eine Trendwende auch an den Weltbörsen spekulieren und dabei auch „BRIC übergewichten. Man sollte aber wider möglich voll in Liquidität gehen oder sich absichern, wenn der S&P nachhaltig 875 unterschreiten sollte. Bedenken Sie bitte, dass es auch 1931-1933 bemerkenswerte Zwischenhaussen gab, im Jahr 1933 aber einen Welt-Krieg. Auf die Kurse von Rüstungsaktien sollten Sie schon jetzt achten. Wir haben jetzt die Gefahren eines Israel/Iran-Kriegs und von Terroranschlägen auch in Deutschland vor den Wahlen. Zwischen Ukraine und Russland könnte es einen neuen Gasstreit geben. In der Ukraine, die nach wie vor mehr denn je am Tropf des IWF hängt, wird im Oktober ein neuer Präsident gewählt, wobei Russland hier seinen Einfluss geltend machen könnte. Es könnte also in mancher Hinsicht ein“ heißer“ Herbst werden.

Auch ist die Schweinegrippe noch nicht aus der Welt und könnte für Gesprächsstoff oder das übliche „Sommertheater“ sorgen, schon um die Pharmaindustrie zu stützen. Bisher gibt es in Deutschland 2844 Fälle von Schweingrippe. Bisher verliefen aber alle Fälle glimpflich. Jetzt sollen aber bedingt durch die Urlaubszeit täglich 600 neue Fälle hinzukommen, wobei 80% der Schweinegrippe-Fälle durch den Urlaub im Ausland „importiert“ werden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO rechnet damit, dass jeder Mensch von der Schweingrippe im Laufe der Zeit infiziert werden kann, wenn nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen durch Schutzimpfungen eingeleitet werden. Das Potential liegt nach WHO also bei 6,8 Mrd. Schweigrippenfällen, wobei aber nur Impfstoff für maximal 900 Mio. Menschen bereitgestellt werden könnten. Deutschland hat bereits 50 Mio. Impfdosen vorsorglich bestellt. Es werden wohl im Oktober Zwangsimpfungen vom Gesundheitsministerium beschlossen werden und man darf gespannt sein, wer alles darunter fallen wird. Hoffentlich streben dabei nicht mehr Menschen als durch die Schweinegrippe…

In Großbritannien wütet der Virus neben den USA bisher am meisten. Die britische Regierung geht im worst case mittelfristig von 65.000 Todesfällen aus. Bisher gab es in Großbritannien aber „erst“ 30 Tote wegen der Schweinegrippe, in Deutschland noch gab keinen. Selbst die Frau von dem Ex-Primier Tony Blair hat es erwischt. Wenn sich der Virus schnell ausbreitet, könnten Großveranstaltungen wie Fußballspiele und Musikkonzerte laut SPD-Bundestagsabgeordneten Gerold Reichenbach abgesagt werden. Gefährlich wird es nach der WHO vor allem, wenn der Virus mutiert bzw. mit anderen tödlichen Viren verbindet.

Ist das alles nur (wohlmöglich absichtlich in den Raum gestellte) Panikmache der WHO oder fällt das gar in die Rubrik „Sommertheater“? Noch ist der Virus kein Börsenthema; er könnte es aber im Spät-Sommer werden, wenn alle Urlauber zurück sind. Angeblich gibt es das Virus jetzt schon in 160 von 193 Mitgliedsstaaten. Bisher gibt es weltweit aber „erst“ 800 Todesopfer durch die Schweingrippe. Ein Zwangsimpfstoff, der Ende September/Anfang Oktober gegen die Pandemie fertig sein soll, ist ein nicht ganz unumstrittenes Konjunkturprogramm im Volumen von 700 Mio. € für einige Pharmawerte, die den Impfstoff entwickeln und von der „Schweingrippe“ profitieren. Diese Pharmawerte gehören daher weiterhin auf die „Watch-list“ und erst recht die Hersteller von Mundschutz. Tragen Sie auch schon einen?

Noch haben wir aber die Chance, dass sich die Sommerrallye weiter fortsetzt, wobei der Dow Jones nachhaltig die 9000-er Marke und der S&P die 1000-Marke überschreiten müsste. Hier gibt es aber auch wieder starke Widerstände; werden diese nicht nachhaltig überschritten, dürften die Kursreaktionen durch Gewinnmitnahmen kräftig ausfallen. Ebenso bleibe ich für Gold bullish, glaube aber auf der anderen Seite kurzfristig nicht an das Überschreiten der magischen 1000-Mrake Ich erwarte also weiter hohe „Vola“, was ein Eldorado für geübte Trader ist.

Ein Überschreiten der magischen 1000er-Marke beim S&P und damit dem Kursniveau wie nach dem Crash Anfang Oktober 2008 würde dann neue Kaufsignale auslösen und den DAX wahrscheinlich in weinigen Tagen auf 6000 katapultieren, wenn der S&P Richtung 1200 marschiert, also dem Niveau vor der Lehmanschen Schockstarre. Denn das Vor-Lehmansche-Niveau befand sich bei 1200 beim S&P-Index, was nach Überschreiten der 1000-Marke auch möglich erscheint. Machen Sie nicht den Denkfehler und denken jetzt zu langfristig; es handelt sich jetzt noch „Spekulationswellen“ über Auslandskäufe- die deutschen Anleger sind ohnehin zu passiv und befinden sich immer noch in der Schockstarre - die auch wieder abebben können. Denn fundamental ist die Kuh noch nicht vom Eis, erst recht nicht im Bankensektor. Ich erwarte aber zunächst gute Zahlen bei der Deutsche Bank AG und Allianz, was dem DAX wider Auftrieb verleihen könnten. Geld ist genug da – weltweit über 20 Billionen USD!-, um die nächste Spekulationswelle anzutreiben. Dabei ist aber noch vieles auf keynsianischen Sand gebaut und dem Staat geht demnächst das Geld aus, wenn die Pferde nicht saufen sollten.

Es handelt sich also überwiegend um hot money, um money der Plunge Proetction Teams (=Notenbank, Goldman Sachs und JP Morgan) oder um staatliche Hilfe, die zu der fulminanten Zwischen-Hausse führen. Japan will sogar 350 Mrd. USD für Aktienkäufe aufwenden, falls es zu einer neuen Baisse kommt. Das wären dann aber in der Tat staatlich manipulierte Kurse, wenn wir das nicht heute schon haben. Der Kampf zwischen Bulle und Bär ist noch nicht entschieden. Die 200-Tgaeslinie sind noch fallend, obwohl sie sich abflachen, was auch ein Stabilisierungszeichen ist. Noch stufe ich selbst die Rallye der letzten Woche als Bärmarktrallye ein. Bei einem S&P von über 1000 könnte sich aber eine Trendwende abzeichnen und damit eine „echte“ Sommerrallye einleiten. Der Juli ist historisch aber immerhin der zweitbeste Börsenmonat im Jahr. Die Moskauer Börse erreichte im Juli 2008 sogar ein neues Allzeithoch und fiel dann um über 70%. Entscheidend für eine nachhaltige Trendwende ist also das 3. Quartal und nicht das zweite. Bis dahin darf aber kräftig spekuliert, um nicht zu sagen, gezockt werden.

Wir haben es also mit einer brisanten, chancen-, aber gleichsam auch risikoreichen Situation zu tun. In welche Richtung der Markt laufen wird, wird wiederum von den nächsten US-Konjunkturdaten und Quartalszahlen abhängen. Nach der Sommerrallye könnte einiges Sommertheater ins Haus stehen. VW/Porsche haben das Sommertheater schon hinter sich. Neben Porsche werden auch andere Firmen, die sich finanziell überhoben haben, die Eigenständigkeit verlieren, wenn sie zu hoch pokern wie „Hedgefondsmanager“ Frank Wedekind, der sich mit VW deutlich überhoben, um nicht zu sagen verspekuliert hat. Die Abfindung in Höhe von 50 Mio. € für die Hinterlassenschaft von 14 Mrd. USD Schulden und der Beinahe-Insolvenz von Porsche – oder waren es doch „nur“ 10 Mrd. € - spricht dafür, dass trotz Obama-Gerede „yes, we can (change)“ in Wirklichkeit alles beim Alten bleiben wird. Im Gegenteil: die Boni werden bei Goldman Sachs und JP Morgan höher ausfallen als jemals zuvor, weil sie im Investmentbanking und Eigenhandel viel Geld verdient haben. Mein Fazit lautet: Unternehmensvorstände sollten keine Hedgefondsmanager und Spekulanten werden und Bankmanager auch nicht; dann würde die Welt schon viel besser aussehen.

Der DAX schloss am Freitag mit einem Minus von 0,34% bei 5229 Indexpunkten, wobei intraday ein neues Jahreshoch von 5300 Indexpunkten erreicht wurde. Dann setzten kräftige Gewinnmitnahmen ein. Das kann auch nächste Woche passieren, wenn keine neuen Höchststände markiert werden können. Kurse bei über 5300 sind aber als „bullish“ zu interpretieren. Der S&P Index schloss an Freitag mit einem Plus von 0,3% bei 979 Indexpunkten und der Dow Jones mit einem Plus von 0,26% bei 9029 Indexpunkten. Falls der S&P nächste Woche über 1000, der Dow Jones nachhaltig über 9100 gehen sollte, werden DAX und RTS noch stärker steigen, weil sie viel volatiler sind und im Grunde die Märkte von US-Kapital „gemacht“ werden. Wird Kapital abgezogen, sind die Märkte in freien Fall, wird wieder mehr investiert, steigen sie dynamisch an. JP Morgan setzt übrigens wieder auf die Deutschland-Karte. Abschließend noch mal mein Tipp and an alle Anleger und Vermögensberater: vergessen Sie bei Ihren Anlageentscheidungen „BRIC“ nicht, bevor es zu spät ist, denn wer zu spät kommt, den betraft die Börse!

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Radio+TV-Hinweise: Der Autor wurde am 1. und 3. Juli 2009 von der Deutsche Welle im Radio über die Aussichten von Kasachstan und Russland befragt. Sie können sich das Interview und den Onlinebeitrag unter www.eaststock.de (dort unter de Rubrik Interviews) per link nach www.dw-world.de runterladen (auf Russisch). Der Autor wurde zudem am 6. Juli anlässlich des Besuchs von Obama in Russland in N24 über die Aussichten des russischen Aktienmarktes befragt. Wer das Interview verpasst haben sollte, kann sich das Interview auch unter www.n24.de im Archiv anschauen, wenn man „EAST STOCK TRENDS bei der Suchfunktion eingibt. Ein aktuelles Interview über den russischen Aktienmarkt mit dem Autor finden Sie bei www.k2kapital.com (in Russisch).

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