Impressionen auf der „Invest“ 2014: Neue Super-Hausse oder Crash/Bärmärkt?

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Sonntag, 06. April 2014 21:08:00

Am 4./5. April fand wieder die Messe „Invest“ in Stuttgart statt, die relativ gut besucht war. Die „Invest“ hat sich als führende Messe für Geldanlagen und Finanzen in Deutschland etabliert. Neben den Großbanken waren aber auch viele Broker und Trading-Firmen vertreten sowie das Gold-Anbieter wie Degussa. Ich bedaure, dass auf dieser Messe nicht hinreichend die Chance genutzt wurde, wieder die „Aktie“ beim privaten Anleger „salonfähig“ zu machen. In diesem Jahr wird es Rekord-Dividendenausschüttungen geben, was insbesondere vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen bei Anleihen auch für die „Aktie“ als Anlage spricht.

Das Interesse, sich zu informieren ist wieder offensichtlich groß; das Interesse als aktiver Teilnehmer an der Börse in Sachwerte wie Aktien zu investieren und dabei auch einen klaren Plan zu haben, eher gering, wobei auf der „Invest“ noch die aktiven Teilnehmer waren. Auch die Präsenz von Privatpersonen an Hauptversammlungen geht merklich zurück, was schlecht ist für die Aktionärs-Demokratie.

Die meisten Privatanleger hatten die Hausse beim DAX im letzten Jahr nicht mitgemacht und fragen sich nun, ob nun ein guter Einstiegspunkt ist, oder nicht. Ein weiterer Trend schon der letzten Jahre scheint mir zu sein, dass gerade das junge Publikum sich nicht über Aktien informieren will, sondern wie man das schnelle Geld durch Trading (=Gambling?) an der Börse macht, wobei das neue Bestseller- Buch „Flash Boys“ – Revolte an der Wall Street“ von Michael Lewis eigentlich eine hinreichend abschreckende Lektüre über die „Turbo-Zocker“ an der Wall Street oder anderswo auf der Welt sein sollte. Der Hochfrequenzhandel kann demnach einen Crash quasi aus dem Nichts auslösen ebenso bzw. insbesondere in Kombination wie zu stark kreditfinanzierten Aktiengeschäfte.

Genau das passiert aber im Moment ohne dass wir es bemerkt haben und das halte ich für sehr gefährlich und politisch sogar für unverantwortlich. So haben wir jetzt schon wieder mit einem unglaublichen Volumen von 400 Mrd. USD an Wertpapierkrediten an der Wall Street zu tun, die ebenso hoch wie im Jahr 2000 und 2008 sind und wir alle erinnern noch leidvoll, was hernach passiert war. Es bedarf dann nur eines kleines Anstoßes – wie zum Beispiel eine eskalierende Ukraine/Russland-Krise -, um einen Stein ins Rollen zu bringen, der eine Kurslawine nach unten auslöst, was dann über Stopp-loss-Order im Computerhandel verstärkt wird. Viel zu wenige wissen auch, dass die Kassakurse mittelbar über den Terminmarkt gemacht werden – übrigens auch beim DAX via London -, so dass nicht die reale Nachfrage und das Angebot die Kurse bestimmen, sondern das mehrfach gehebelte Termingeschäft. So lässt sich der auch seit einem Jahr fallende Gold/Silberpreis erklären, wobei ETF-Verkäufe also reine Papier-Goldverkäufe, nicht physische Goldverkäufe, hinzukamen.

Die Hintergrundinformation zur Aktienanlage sind meines Erachtens erschreckend gering bei der Masse der Privatanleger vorhanden, so dass jeder Anleger fast mehr zum Spekulanten als zum Anleger à la Warren Buffet erzogen wird. Das ist eine Katastrophe. Meines Erachtens sollte über Wirtschaft, Börse und auch die Aktie als Sachwert in Schulen viel mehr aufgeklärt werden. Es sollte übrigens auch mehr über die deutsche Geschichte und was wir daraus lernen können gelehrt werden; auch sollte Sozialkompetenz in der Schule mehr geschult werden. Alles das wird aber ausgeblendet. Anstelle dessen geht die Richtung, wie man aus Computern und Smartphones lernt, was heutzutage auch wichtig ist, aber dabei das Wesentliche vergessen wird. Lernen für das Leben zu lernen.

Da Zinsen auf Sparkonten und auch bei Lebensversicherungen zu wenig Rendite bringen, sollten nun die „great rotation". Also der Umtausch von Sparanlagen. Lebensversicherungen und Anleihen in Aktien allmählich starten, denn sonst wird die Altersversorgung der Jugend ein Fiasko werden. Das gegenwärtige Renten- und Sozialprogramm mit kosten 160 Mrd. € ist sehr gewagt und könnte der Jugend schon in wenigen Jahren zum Verhängnis werden.

Mein Plädoyer ist ganz klar für die Aktie, auch als Altersversorgung. Der Anleger muss sich aber auch informieren, wie er mit hoher Volatilität sogar in Seitwärtsbewegungen klar kommt. Auch das ist aber möglich, wird aber kaum auf der „Invest“ gezeigt, wie das geht. Das heißt, er sollte, so mein Credo, in Aktien investieren, aber auch alle Instrumente nutzen, sich im Falle eines Crash oder eines Bärmarktes vor allzu großen Kursverlusten zu schützen. Das ist möglich, wird aber viel zu wenig geschult und auch zu wenig praktiziert, selbst bei den „Profis“ nicht, die über Fonds meistens „long- only“ unterwegs sind. Falsch ist es auch, die Jugend nur zum Trading anzuleiten. Die meisten müssen für das Gambling zu viel Lehrgeld zahlen und haben dann auch von Trading schnell die Nase voll.

Auf der Messe gab es einige Referenten wie der Charttechniker Achim Matzke von der Commerzbank, die nun nach 13-jähriger Seitwärtsbewegung bei Aktien von 2000 bis 2013 beim DAX-Indexstand von 8000 auf 9700 bei neuen Höchstkurse das goldene Zeitalter der Aktie wieder für das nächste Jahrzehnt kommen sehen. Andere sehen das skeptischer und glauben eher an einen Bärmarkt oder einen Crash noch in diesem Jahr. Wer hat recht dabei? Meine Meinung ist: Toyota hat recht: nichts ist unmöglich, aber rechnen Sie mit dem Unmöglichen! Der Anleger sollte also flexibel bleiben, denn keiner hat die berühmte Glaskugel und beide Szenarien lassen sich logisch begründen!

Ich selbst machte auf der „Invest“ 4 Vorträge über das Thema „Krim-Krise - Chance oder Crash?“ und war erstaunt über den großen Zuspruch und die gute Resonanz in Anbetracht der doch sehr ernsten und weltpolitischen/weltwirtschaftlich nicht unbedeutsamen Vorgänge im Rahmen der Ukraine/Krim/Russland-Krise.

Völlig unbeachtet blieb auf der „Invest“ und auch in den Medien, dass die USA und Japan ihre Verteidigungskooperation erhöhen wollen und dass auch die NATO die Präsenz in Polen und den baltischen Ländern erhöhen will. Die verstärkte amerikanisch-japanische Verteidigungskooperation sei eine Reaktion auf den Schusswechsel zwischen Nord- und Süd-Korea einerseits und das Säbelgerassel um die Inseln vor Japan im Streit mit China. Die USA wollen nach den jüngsten nordkoreanischen Raketentests die Zahl seiner in Japan stationierten Aegis-Zerstörer bis 2017 um zwei auf sieben Schiffe erhöhen. Der nordkoreanisch Präsident Kim Jong Un droht den USA schon wieder seinerseits mit der Atombomben, wen die USA weiterhin zusammen mit Südkorea Manöver vor ihrer Haustür abhalten. So provozieren sich beide gegenseitig. Auch beim Ukraine-Konflikt halte ich nach wie vor genseitige Provokation und möglicherweise sogar bewusst imitierten Destabilisierungen in der Ost-Ukraine (im Mai noch vor den Präsidentschaftswahlen?) für möglich, was wiederum für die Weltbörsen und Weltwirtschaft nicht ganz ungefährlich wäre. Die von Schäuble und Clinton vorgetragenen Hitler-Vergleiche mit Putin sind wenig förderlich, zu einer Entspannung beizutragen.

Kurzfristig glaube ich dennoch an steigende Aktienkurse und neue Höchstkurse im April, weil dies noch als non-event aufgefasst und ignoriert wird. Nach meinem „Invest-Aktien-„Indikator müssten wir ab Mai dann aber wieder fallende Kurse bekommen, auch wenn der Saison-Indikator „sell on May and go away“ die letzen beiden Jahre nicht stimmte. Er stimmt halt nur zu Zwei Drittel. Ich rechne auch noch mit einem sogenannten false break, also möglicherweise sogar mit einem leichten Überschreiten des DAX bei 10.000 im April, dann aber mit stark fallenden Kursen im Mai bis in den Sommer, ähnlich wie in 2011.

Wie ein „false break“ (falscher Chartausbruch) aussieht konnte sich die Anleger zum Schluss live auf der „Invest“ bei den Trading-Seminaren anschauen, wo der DAX nach den US-Arbeitsmarkdaten erst ein neues Wochenhoch mit 9720 Indexpunkten erreicht hat, dann aber wieder – fast klassisch – um 200 Indexpunkte auf fast 9600 Indexpunkte fiel. Ich erlebe immer wieder, dass es nach US-Arbeitsmarktdaten – möglicherweise sogar künstlich herbeigeführte – false breaks, also Chartausbrüchen nach langen Seitwärtsbewegungen stattfanden (erst long dann short oder umgekehrt): ich warne aber immer nach einen zu frühen Einstieg unmittelbar nach den US-Arbeitsmarktdaten wegen der anschließenden Fallen. Schließlich befinden wir uns im Haifischbecken an der Wall Street.

Der Xetra-DAX schloss im Börsenhandel bis 18.00 Uhr noch im Plus von 0,65% bei 9695 Indexpunkten. Der DAX wurde aber nachbörslich durch den DAX-Future und die schwachen Kurse an der Wall Street nach unten gezogen bis auf 9600 Indexpunkte, so dass er dort auf Vortagsniveau schloss. Aufgrund des schwachen Schlusskurses an der Wall Street rechne ich nun mit einem Gap nach unten beim DAX am Montag-Morgen.

Der Dow Jones hatte einen ähnliches Intra-day Chartmuster und stieg erst im Hoch nach einen break nach oben auf 16.200 bis 16 Uhr, um hernach wie ein Stein ohne Unterbrechung auf 16400 Indexpunkte zu fallen. Auch dies sind Möglichkeiten des Hochfrequenzhandels, nämlich erst ein Kaufsignal künstlich(?) auszulösen, um hernach blitzschnell auf die andere Seite zu wechseln und erfolgreich short zu gehen, also auf fallende Kurse zu setzen. Der Privat Anleger ist dann wieder sehr erstaunt, wie so etwas passieren und seine Aktien fallen konnten.

Es ließen sich weitere Beispiele anführen, wie die Gold/Silber-Kursmanipulation auch durch Goldman Sachs und JP Morgan über die Terminmärkte, wo wohlmöglich jetzt sogar die Chinese aktiv mitspielt, die ein Interesse an niedrigen Goldpreisen haben, um jetzt noch billiger an Gold ranzukommen, um dann wiederum hernach durch Zukäufe später fast ein Monopol am Goldmarkt zu bekommen. Möglicherweise soll dann später auch der Yuan als goldgedeckte Währung eingeführt werde und damit die USA als Welt-Reservenwährung abzulösen. Intelligente Kriege sind heute keine militärischen Kriege sondern Finanz-Wirtschafts- und Währungskriese, die uns allen noch bevorstehen. Wir haben heutzutage leider immer wieder manipulierte Märkte über die Termingeschäfte, aber auch über die Drogenpolitik der Notenbanken, die auch zum Bumerang werden kann.

Die größten unbestraften, legalen (?) Kursmanipulation betreiben m.E. aber die Notenbanken durch ihre „Drogenpolitik“. Was bei Welt- und Ostbörsen am Freitag bis 16.00 Uhr noch mal stimulierte, war das Statement vom EZB-Chef Draghi am Vortag, dass er alle Instrumente nutzen werde, um weiter sinkende Inflationsraten zu verhindern. Draghi sieht offensichtlich immer noch die Gefahr einer Deflation und will dann, wenn die Inflationsrate unter 0,5% zu außergewöhnlichen Maßnahmen, neudeutsch „quantitave easing“, kurz: QE, ergreifen, was zuvor die FED und auch die japanische Notenbank schon sehr exzessiv einsetzte. Das Inflationsziel der EZB lieg wie in Japan bei 2%. Nun streiten sich die Geister, ob es wirklich eine Deflation mit verheerenden Auswirkungen für die Volkwirtschaft kommen kann oder nicht. Vielleicht muss auch hier im Mai die noch nicht gelöste Ukraine/Krim/Russland-Krise dafür herhalten, dass Draghi im Rahmen des QE noch einmal Gas geben wird.

Gazprom erhöhte wie angekündigt Anfang April den Gaspreis in der Ukraine um 80%, was die Ukraine aber nicht hinnehmen will und nun Gazprom vor einem internationalen Schiedsgericht verklagen will. Die Gazprom-Führung lehnte den Vorwurf der Ukraine ab, dass Gazprom Gas als Waffe benutzen würde. Die unterschiedlichen Gaspreise sind aber in der Tat fragwürdig und Gazprom musste im letzten Jahr deswegen schon erhebliche Entschädigungs- bzw. Ausgleichszahlungen für überhöhte Gaspreise im Milliardenvolumen an EON und RWE leisten. Gespannt sein darf man nun auch, welche Gaspreise Gazprom mit China im April/Mai vereinbaren wird. Der Kurs von Gazprom stieg in der letzten Woche schon um über 10% von unter 5 auf 5,6 € an und war auch an deutschen Börsen mit erstaunlich hohen Umsätzen von 5-10 Mio. € Tagesvolumen sehr stark nachgefragt. Am Freitag stieg der Gazpromkurs um 2,38% auf 5,68 €. Der RTS-Index stieg um 1,9% auf 1234 Indexpunkte, was ich aber auch erwarte und im meinem letzten EastStockTV-Video in www.youtube.com auch rechtzeitig angekündigt hatte.

Wie geht es nun weiter mit Gazprom &Co? Dieses und vieles mehr wollen wir auch diskutieren beim nächsten ESI-Ostbörsen-Seminar am 13. Mai 2014 um 17.00 Uhr in Frankfurt/M. Es geht dabei aber darum wie sie ihre Gewinne im Falle eines „black swans“ absichern können, auch in Emerging Markets. Melden Sie daher jetzt an unter www.eaststsock.de, dort unter der Rubrik „Seminar“.

Im neuen EastStockTV, Folge 17 geht es auch um die aktuellen Impressionen der „Invest“ und die möglichen Entwicklungen der Börsen. Sie können das Video jetzt runterladen unter www.eaststock.de, dort unter „Intervieview" abrufbar.

TV-Hinweise: Herr Männicke wurde am 4. April 2014 um 18.15 Uhr live auf der "Invest" von N24von Dietmar Deffner über die Folgewirkungen der Krim-Krise befragt. Sie können das neue Interview jetzt unter www.eaststock.de abrufen, dort unter der Rubrik „Interview“. Das nächste TV-Interview von Herrn Männicke wird am 14. Mai 2014 in NTV-Telebörse im Zertifikate-Check mit Friedhelm Tilgen sein.

Bestellen Sie jetzt auch ein Probe-Abo (3 Ausgaben per Email für nur 15 €) des monatlich erscheinenden Börsenbriefs EAST STOCK TRENDS mit einem Ukraine/Russland-Special mit vielen Hintergrund-Informationen und neuen Anlage-Vorschlägen wie mit der "Aktie" des Monats und lukrativen Zertifikaten. Denn wie heißt es so schön: erst informieren und dann investieren!

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