Große Koalition = große Enttäuschung?

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Sonntag, 01. Dezember 2013 18:43:00

Die nun durch den Koalitionsvertrag formal beschlossene große Koalition zwischen CDU/CSU und SPD wird mit noch nicht gedeckten 23 Mrd. € an Zusatzkosten teuer werden, nicht nur für den Staat, also uns alle, sondern auch für die Unternehmen. Die Lohnkosten dürften nicht nur wegen des Mindestlohns ansteigen.

Ob nun tatsächlich wie vollmundig angekündigt die Gegenfinanzierung der 23 Mrd. € an Mehrkosten ohne Steuererhöhungen und vor allem ohne Neuverschuldung ab 2015 klappen wird, ist ein kühnes Versprechen, denn wenn sich die Konjunkturlage gravierend verändert, wird auch die neue Bundesregierung Steuererhöhungen oder Neuschulden machen müssen. Die Konjunkturprogosen der Wirtschaftsinstitute sind zwar für 2014/15 überaus positiv – so soll das BSP-Wachstum in Deutschland von 0,6 auf 1,8% im nächsten Jahr ansteigen -, ich hege da aber meine Zweifel, dass sie recht haben. Die Parteibasis der SPD muss noch dem Koalitionsvertrag im Dezember zustimmen, aber es ist davon auszugehen, dass sie dies zähneknirschend machen wird. Bis 17. Dezember beginnt das Geschacher um die Posten, wobei Angela Merkel wohl Bundeskanzler und Sigmar Gabriel Vize-Kanzler wird.

Gabriel rührt jetzt zwar die Werbetrommel für die große Koalition; dennoch glaube ich, dass die große Koalition nicht die volle Legislaturperiode durchhalten wird, da es in 2014/15 zu großen Zerwürfnissen und Herausforderungen kommen wird. Ich rechne damit, dass die Euro(pa)-Krise über Frankreich u.a. zurückkommen wird und es dann unterschiedliche Auffassungen zur Lösung der Europa-Probleme geben wird. In Frankreich kann es im nächsten Jahr zu ähnlichen Szenen kommen wie wir sie jetzt in Thailand und der Ukraine aus ganz unterschiedlichen Gründen erleben. In Wahrheit stecken dahinter Machtkämpfe arm gegen reich bzw. Besitzende gegen Nicht-Besitzende, die sich ausweiten wird, weil die Schere immer weiter auseinanderklafft.

In Thailand versuchen die „Rechten“, also Unternehmer und der Mittelstand die angeblich (und wohl tatsächlich auch) korrupte Regierung zu stürzen, um wieder an die Macht zu kommen. Nach dem angekündigten Ansturm auf die Machtzentrale, die durch die Polizei gewaltsam abgewehrt wurde, starben schon 2 Personen. Die Opposition will aber keine Neuwahlen, sondern eine Art Militärdiktatur einführen. Es ist aber noch die Frage, auf welcher Seite das Militär stehen wird. Aber auch diese wird hernach korrupt sein. Die Linken bzw. die „Roten“ in Thailand - das ist dort die verarmte Landbevölkerung -, die die Mehrheit haben, wird dagegen halten und es kann zu einem Bürgerkrieg bzw. zumindest zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem Militär kommen.

Ähnlich angespannt ist die Situation im Moment in der Ukraine, wo der Präsident Janukowitsch die Annäherung an die EU durch das Veto von Russland ablehnte, wobei Moldawien und Georgien einem Assoziierungsvertrag zustimmten, was auch Visaerleichterungen mit sich bringen wird. Das harte und gewaltsame Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten wirft die Frage auf, ob sich die Ukraine zu einem Polizeistaat entwickelt. Klitschko versucht die Gunst der Stunde zu nutzen und zu einer Revolution aufzurufen, um den amtierenden Präsidenten zu stürzen und Neuwahlen aufzurufen. Dies ist nicht ganz ungefährlich. Auch hier geht es in Wahrheit um Machtpolitik und auch um den Kampf zwischen arm und reich bzw. in diesem Fall auch zwischen Ost- und West-Ukraine. Der Osten der Ukraine tendiert mehr zu Russland, der Westen mehr zu Europa. Das Land ist gespalten. Russland macht Druck mit der Energiekeule, um die Ukraine an sich zu binden.

Russland fordert nun Dreiergespräche mit der Ukraine, Russland und Europa. Dazu wird es aber wohl nicht kommen. Julia Timoschenko bleibt im Gefängnis im Hungerstreik und ruft auch zur Ablösung des amtierenden Präsidenten Janukovic auf. Ausgang ungewiss.

Auch in Ägypten, wo eine neue Verfassung beschlossen werden soll, brodelt es weiter. Die Moslembrüder werden wie Verbrecher behandelt, was auch nicht gut für eine angeblich neu entstehende Demokratie ist. Im Nahen Osten kämpfen Sunniten gegen Schiiten. Auch hier geht es um Machtpolitik und, um den Schutz bzw. Sturz von Besitzständen. Wer darunter leidet ist of die Bevölkerung ohne dass sich hernach viel ändert. Wirtschaftlich geht es kaum voran, fast egal, wer an der Regierung ist. Korruption bleibt ein Problem, fast egal wer an der Regierung ist.

Spannend wird auch in der Türkei, wo es im nächsten Jahr Wahlen geben wird. Auch hier geht es um Machtpolitik, um Korruption, um ungerechtfertigte Bereicherung und um den Ausgleich zwischen arm und reich. Es geht dabei aber auch um Demokratie als schmerzhafter Lernprozess.

Ich befürchte fast, dass wir ähnliche, fast bürgerkriegsähnliche Szenarien im nächsten Jahr auch in Europa erfahren werden, insbesondere dann, wenn die Wirtschaft nicht so gut läuft wie man sich das jetzt erhofft hat. Einer der Hauptproblemländer in 2014 wird Frankreich werden, wo die Leute auch schnell auf die Straße gehen, wo es ein Ausländerprobleme gibt, wo rechte Parteien (Le Pen) an Zuwachs bekommen können und wo es auch wieder bei dem kleinsten Anlasse brennende Autos geben kann. Der Präsident Hollande verschuldet Frankreich übermaßen und seine Wachstumsprogosen waren genauso kühn und falsch wie es jetzt die Wachstumsprogosen der Wirtschaftsinstitute sein könnten. Alles das ist ein Pulverfass, was jeder schon jetzt deutlich erkennen kann.

Auch das fortgesetzte Säbelgerassel zwischen Japan und China um eigentlich ziemlich belanglose, unbewohnte Inseln im ostchinesischen Meer ist nicht ganz ungefährlich. Bei den Inseln, die geografisch näher an China als an Japan liegen, aber als japanisches (zuvor britisches) Hoheitsgebiet erklärt werden, soll es sich um umfangeiche Gasvorkomen handeln. Auch die Fischer wollen natürlich wissen, wo Sie fischen dürfen du wo nicht. Nichts Genaues weiß man aber, wo die Grenzen liegen. Nun nähern sich in der Region japanische, amerikanische und chinesische Kriegsschiffe bedrohlich und China alarmierte auch die Luftwaffe. Bei der neu gezogenen Luftverteidigungslinie wurden die Inseln im ostchinesischen Meer von der chinesischen Regierung einfach mit einbezogen. China beansprucht bei den Inseln also nun die Lufthoheit, was nicht ganz ungefährlich wird, wenn dort mal „zufällig“ japanische oder amerikanische Kampfflugzeuge den Luftraum durchfliegen. Japan und China mögen sich aus historischen Gründe nicht sonderlich, einige behaupten sogar, sei hassen sich. Dennoch feierte man vor kurzen noch eine Befriedung. Chinesen seien in japanischen Einkaufszentren willkommen und umgekehrt, tönte es noch vor einigen Wochen. Davon ist im Moment aber nichts zu spüren. Ein Boykott von chinesischen oder japanischen Produkte, wie es schon einmal gab, wäre für beide Wirtschaften von Nachteil, besonders aber für Japan, die dringend Wachstum benötigen, um auch die zu hohen Staatsschulden bedienen zu können. So kann aus einer Mücke schnell ein tobender Elefant werden. Ähnlich ist die Situation im Iran und auch in Syrien einzustufen. Auch dort geht es um geopolitische und strategisch wichtige Machtpositionen. Wie lange die vordergründige Entspannung dort in 2014 anhält, bleibt abzuwarten.

Die USA würden im Falle einer militärischen Auseinandersetzung im Inselstreit jedenfalls Japan beistehen. Auch hier geht es um Machtpolitik, nämlich um die Beherrschung des pazifischen Raums, was vor allem für die USA ein großes strategisches Anliegen ist. Der Nordkorea-Konflikt ist ähnlich einzustufen. Auf der anderen Seite können sich die USA einen ernsthaften, militärischen Konflikt mit China gar nicht erlauben. Ein ernsthafter militärscher Konflikt zwischen Japan/USA und China wäre sogar ein „black swan“, auch für die Weltwirtschaft und die Weltbörsen. Das Wissen aber auch alle Beteiligten. Das gegenseitige Muskenspiel könnte also weitergehen, aber danach werden wohl (hoffentlich) hernach die diplomatischen Bemühungen zur Schlichtung des Streits siegen. Noch ist der Japan/China-Konflikt ein non-event für die Weltbörsen, was sich aber schnell ändern kann.

Aufgrund der „great rotation“ und der expansiven Geldpolitik der FED bleiben die Weltbörsen von all den regionalem politischen Konflikten unbeeinflusst. Der DAX erreichte sogar mit über 9400 Indexpunkten ein neues Allzeit-Hoch und der Dow Jones verharrte nahe dem Allzeit-Hoch bei über 16.000 Indexpunkten. Immer mehr Versicherungen vermindern jetzt den Aktienanteil und erhöhen leicht den Aktienantiel, die Allianz zuletzt auf 6% des Portfolios. Vor dem Jahr 2000 waren es aber schon auch mal 30%, die in Aktien angelegt wurden.

Die Haussetrends sind damit noch voll intakt. Gold konnte sich ein wenig auf 1251 USD/Unze und Silber auf 20,01 USD erholen. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier ein Boden bilden kann. Der RTS-Index gab trotz der niedrigen Bewertung weiter auf 1406 Indexpunkte nach, wobei sich die Einmischung in die Ukraine-Außenpolitik vom Sentiment her negativ auswirkte. Zudem gab der Brentölpreis am Freitag intraday deutlich von 111,4 auf 109,9 USD/Barrel nach. Der WTI-Ölpreis brach sogar auf 92,7 USD/barrel ein. Anfang September lag der WTI-Ölpreis noch bei 110 USD7Barrel. Ich rechne mit weiteren Verlusten beim Ölpreis. Auch die Börse Kiew liegt am Boden. Die niedrige Bewertung lockt zwar zum Einstieg, aber noch geht das Kapital in die großen, liquiden Börsen, wo die Notenbanken eine expansive Geldpolitik betreiben. Das Erholungspotential ist aber in Osteuropa groß. Wenn sich Europa tatsächlich in 2014 erholen sollte, wird Osteuropa davon besonders profitieren.

Einige Aktien im Muster-Depot des EAST STOCK TRENDS wie Magnit (>1200%) und Bank of Georgia (>1500%) konnten sich sogar seit Erstempfehlung in 2009 mehr als verzehnfachen. Aussichtsreich sind jetzt auch russische Stahl- und Goldaktien als Turnaround-Kandidaten, aber nur mit gestaffelten Abstauberlimits aufgrund des noch intakten Bärmarktes.

Welche Erholungschancen Sie in Russland und Osteuropa haben und welche Auswirkungen die temporäre US-Pleite auf die Börsen haben wird, können Sie im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo mit 3 Ausgaben für nur 15 €, siehe www.eaststock.de) nachlesen mit so einigen neuen „Geheimtipps“, die die NSA noch nicht kennt. Beachten Sie bitte auch die dort angegebenen kritischen Chartgrenzen im EST.

TV-Hinweis: Andreas Männicke wurde am 15. November 2013 von Dr. Bernhard Jünemann im DAF über die Chancen in Osteuropa befragt. Dort wurde auch drei attraktive Aktien aus Russland vorgestellt. Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter „Interviews“ abrufen.

Andreas Männicke hat einen neuen, eigenen EastStockTV-Channel bei www.youtube.de eingerichtet. Sie brauchen nur bei der Suchfunktion bei www.youtube.com „EastStockTV“ eingeben. Sie können dort auch den TV-Kanal abonnieren. Die neue Sendung befasst sich auch mit dem Thema „Große Koalition = große Enttäuschung?“ Wenn Sie hier bestimmte Themen besprochen möchten, dann schreiben Sie es mir. Ich werde dann auch versuchen, Klartext wie immer zu reden.

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