Griechenland-Tragödie im letzten Akt

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Sonntag, 19. Juni 2011 22:51:00

Wer hilft Griechenland freiwillig? Nach dem Willen von Sarkozy und Merkel sollen die Banken nicht gezwungen werden, Griechenland-Kredite abzuschreiben, sondern sie sollen freiwillig einen großen Teil der gewährten Kredite abschreiben oder zumindest verlängern und die Privatpersonen auch. Dies allerdings rate ich auch den Bankvorständen auch. Sicherlich können die Banken nichts für gefälschte Bilanzen und den südländischen Schlendrian, aber sie müssen es ebenso wie staatliche Institutionen verantworten, wenn sie zu viele Kredite zu leichtfertig vergeben haben, die nicht im Einklang mit der Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft standen.

Das vom IWF und der EU aufgezwungene Sparprogram wird den Teufelskreis, in dem sich Griechenland seit über 2 Jahren befindet, eher verschlimmern, da es noch mehr Generalstreiks geben wird, noch mehr Leute ihren Arbeitsplatz verlieren und der Konsum weiter schwach bleiben wird. Die jungen Griechen fliehen schon wegen Perspektivlosigkeit aus den Städten. Es herrscht das Chaos. Viele Griechen glauben an eine Verschwörungstheorie, dass das Ausland nur billig Griechenland aufkaufen will. Wenn nun noch aufgrund von Streiks oder sonstigen Behinderungen der Tourismus schwächer wird, wird Griechenland noch mehr geschwächt. Da hilft es wenig, wenn Deutschland und Frankreich bei dem Verkauf des griechischen Tafelsilbers behilflich sein wollen.

Rein ökonomisch ist das Kind schon lange in den Brunnen gefallen, zumal S&P die Anleihen schon auf „CCC“ gestuft hat und im übrigen Griechenland aus eigener Kraft auch nicht die Kredite zurückzahlen kann. Wir brauchen jetzt ein Art Entwicklungshilfeplan für die „PIGS, man kann es auch Marshall-Plan nennen, also Kredite, die man von Vornherein abschreibt und auch als Entwicklungshilfe unter Auflagen versteht.

Es kann nicht sein, das Banken (und Privatanleger!) jahrelang hohe Kreditzinsen auf Kosten des deutschen Steuerzahlers vereinnahmen können. Den Appell von Merkel und Sarkozy an die Banken, jetzt mitzuhelfen, halte ich für angebracht, aber schwer realisierbar. Möglich ist eine Laufzeitverlängerung, womit aber bestenfalls nur Zeit gewonnen, aber das Verschuldungsproblem nicht gelöst wäre. Zudem wird eine Laufzeitverlängerung wie ein Schuldenmoratorium als Default aufgefasst und dann würde die EZB keine griechischen Anleihen mehr aufkaufen..

Banken und Versicherungen müssen jetzt eigentlich alle Griechenland-Kredite im Eigenbestand verkaufen, da ein „CCC“ nicht mehr einem Bank- oder Versicherungs-Portfolio erlaubt ist. Damit hat S&P im Grund Griechenland schon den Todesstoß gegeben, denn der Zugang zu den internationalen Kapitalmarkten ist nun den Griechen endgültig verwehrt, denn wer wird schon eine CCC-Anleihe kaufen? Da nützt es wenig, wenn Griechenland den Verteidigungsminister zum Finanzminister macht. Diese Rochade hätte ohnehin auch früher passieren müssen. Jetzt ist es zu spät.

Dennoch basteln deutsche und französische Politiker an einer Notlösung, da die deutschen und französischen Banken die meisten Griechenlandkredite haben - Deutschland im Volumen von 27 Mrd., Frankreich aber nur noch von 17 Mrd €, denn die französischen Banken haben eine Großteil der Kredite schon verkauft, während die „dummen“ deutschen Banken sie treu behalten. Jetzt geht es um eine „Hilfe“ (?) von weiteren 120 Mrd. €. für Griechenland. Die meisten Griechenland-Kredite im Volumen von über 45 Mrd € hat jetzt aber die EZB am Hals bei einem Eigenkapital von nur 11 Mrd €. Wenn Griechenland auf „zahlungsunfähig“ (also D wie Default) herabgestuft wird, wird auch die EZB keine griechischen Schrottanleihen mehr aufkaufen. Wir befinden uns also im letzten Akt der Griechenland-Tragödie.

Durch den Lehmann-Schock wurde eine globale Bankenrettung imitiert, die bisher so etwas wie ein 1929 verhindert hat. Vor diesen Dominoeffekten haben jetzt aber auch wieder die Politiker zu Recht Angst. Es geht auch hier in Wahrheit um die Rettung der systemischen Banken. Damit könnte faktisch auch die EZB-Pleite gehen, wenn Griechenlandkredite tatsächlich in großen Stil abgeschrieben werden müssen. Dann braucht auch die EZB bald eine „bad bank“. Ich bin mir nicht sicher, dass „PIGS“-Pleiten im bald veröffentlichten bankenstresste hinreichend berücksichtigt wurden.

Wir brauchen also einen liquiden Junk-Bonds-Market für „PIGS“- bzw. „PIGSIB“-Kredite, denn nach Griechenland stehen schon Portugal. Irland, Spanien, Italien und Belgien in der „Warteschleife“. Auch das wäre eine Lösung, die dem deutschen Steuerzahler viel Geld kosten würde. Dann brauchen wir aber auch seriöse Junk-Bonds-Manager, diese notleidenden Kredite handeln können ohne Dominoeffekten bei systemischen Banken auszulösen. Griechische Anleihen mit einer Laufzeit von 2 Jahren bringen jetzt eine Rendite von 25%. Es dürfte jedem klar sein, dass so etwas auch ganz wertlos werden könnte. Die Beherrschung der ausufernden Staatsverschuldung wird die Herausforderung der Zukunft für alle Europäer werden.

Alles dies geschieht angeblich zur Rettung des Euros, der vom Grundsatz eher eine Fehlkonstruktion ist, da es zu viele unterschiedliche Länder gibt, die nun alle in einem Euro-Korsett stecken. Der Euro mag politisch sinnvoll sein, ökonomisch ist sein dauerhafter Bestand zweifelhaft. Die allzu leichtfertigen Kreditvergaben zu Niedrigstzinsen werden nun zum Bumerang für alle Betroffen, auch für den deutschen Steuerzahler. Was wir brauchen ist so etwas wie ein freiwilliger Länderfinanzausgleich innerhalb Europas wie wir es auch in der BRD zwischen den schwachen, hochverschuldeten und den starken Ländern haben.

Eine Alternative wäre ein „Soli-Euro“ der Starken (=Norden) für den Schwachen (=Süden). Wir haben in Europa ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. Möglich wäre auch ein Nord-Euro und ein Süd-Euro, als wenn man so will eine Championsleague (Deutschland. Norwegen), eine Bundesliga, eine zweite Bundesliga und drittklassige Länder von der Leistungskraft her. Wichtig ist Disziplin und der Wille etwas gemeinsam erreichen (=wachsen) zu wollen. Von den Krediten anderer über Wasser gehalten zu werden, sollte nicht die Dauer-Lösung sein. Wenn wir Europa als Leistungsgemeinschaft verstehen, muss es auch Solidarität in der Gemeinschaft geben. Dieser muss politisch gewollt und dann auch erklärte werden, warum dieser sinnvoll ist. Anzeigen für den Euro als „Jobmotor und Wohlstandsgarant“ von 50 europäischen Großkonzernen in großen Tageszeitungen nützen da eher wenig.

Zunächst brauchen einige zu hoch verschuldetet Länder aber einen Schuldenerlass in großem Stil. Polen wurde auch durch einen Schuldneerlass zu einer stabilen und prosperierenden Wirtschaftsregion, von der jetzt sogar Deutschland als Exportnation profitiert. Eine Abwertung der Währung um über 50% ist auch so etwas wie ein Schuldenerlass, da dann Banken Pleite gehen werden, die ihre Auslandsforderungen nicht mehr begleichen können. Ich plädiere ohnehin mehr für eine Inlandsfinanzierung, ähnlich wie in Japan. Japan hat im Ausland nicht so hohe Schulden aufgenommen wie die USA und Japan hat ein sehr hohe Sparquote (=Vermögen), dennoch ist auch der Staat auch in Japan mit über 200 % zum BSP viel zu hoch verschuldet, was ein Armutszeugnis für die japanische Demokratie ist. Die Maastricht-Kriterien sollten für die ganze Welt gelten, da durch das Counterpart-Risk und die Globalisierung der Welt vernetzt und miteinander verbunden ist.

Wir brauchen aber eine globale Welt-Instanz, die das globale Kreditvolumen (auch der Derivate im Billionenvolumen) überwacht und auch Notfälle vorsieht. Dies könnte zum Beispiel der IWF sein, aber dann müssten die Emerging Markets dort mehr Gewicht haben und nicht von einem sexbesessenen Franzosen geführt werden. Nur muss es dann auch effiziente interne Kontrollmechanismen geben, die eine zu starke Verschuldung vermeiden. Diese gibt es leider nicht. Politiker werden gewählt und verschwinden dann aber auch wieder von der Bildfläche. Jede zu hohe Verschuldung ist eine Versündigung an der Nachfolgegenration. Daher tun die dann auch nicht alles zum Wohl des Volkes, sondern das Gegenteil, oft nur um Wählerstimmen zu bekommen. Die Politiker sollten die Wahrheit sagen und das heißt die Gefahr, dass immer mehr in die Altersarmut kommen auch durch höher Sozialversicherungsbeiträge und ausufernde Gesundheitskosten.

Durch den Lehman-Schock wurde eine globale Bankenrettung initiiert, die bisher eine Depression wie in 1929 verhindert hat. Vor diesen Dominoeffekten haben jetzt aber auch wieder die Politiker zu Recht angst. Es geht auch hier in Wahrheit um die Rettung der systemischen Banken.

Wir brauchen also eine objektive Instanz, die auch dem Verschuldungswahn der Politiker Einhalt gebietet, wenn es die Demokratie als solche schon nicht schafft. Diese Institution muss Verfassungsrang haben. Dann müssen ökonomische sinnvolle Schuldengrenzen gezogen werden an der sich jeder Politiker zu halten hat. Dies kann durchaus flexibel und in jedem Land anders sein. Dann muss es auch so etwas wie ein Solidaritätsfonds in Europa geben, wo starke Länder freiwillig den schwachen in Not helfen. Die geschieht dann sogar aus Eigenenutz, denn dadurch brechen wichtige Absatzmärkte nicht von heute auf morgen weg.

Was die PIGS in klein sind ist die USA in groß. Die USA haben sich zu stark verschuldet. Keiner weiß, wer die nächsten Billionen von amerikanischen Anleihen kaufen soll. PIMCO jedenfalls nicht. China könnte der in den USA nicht gern gesehene Rettungsanker bleiben, aber es könnte früher oder später doch auf eine Währungsreform hinauslaufen mit ganz anderen Gewichtungen als heute. Die USA werden an Bedeutung verlieren. Ich empfehle einen Merger zwischen Dollar und Renmimbi für Asien/USA-Geschäfte und einen Merger zwischen Rubel und einem starken Euro im Euroraum für Europageschäfte als neue Handelswährungen, also zwei gleichwertige Zahlungsmittel. So oder so müssen beim Schuldenabbau, zur Not durch Schuldenerlass, Währungen reformiert werden und dann können zwei neue Weltreservenwährungen entstehen. Auch die Rückkehr der guten alten, stabilen DM wäre eine Option, die aber auch Nachteile hat. Dan hätten wir auch wieder eine Lira, die ständig abgewertet werden müsste und ein französischer Francs, der unter Abwertungsdruck steht. Das könnte den Tourismus von deutschen in Italien und Frankreich wieder beleben.

Vielleicht brauchen wir aber auch wieder Kapitalverkehrskontrollen, den es kann nicht sein dass Billionen von Steuergeldern in Steueroasen verweilen und Kapitalflucht in großen Ausmaß betrieben wird, wenn ganze Länder Pleite gehen. Es ist ein Unding, dass die G20 das Stopfen von Steueroasen bisher nicht geschafft haben. Der neue Zufluchtsort ist nach der Schweiz jetzt Singapur.

Es ist klar, dass die Aktienmärkte bei einem so schlechten Umfeld umgeben von black swans auch nicht so recht performen können. Immerhin konnte sich der DAX am Freitag um 0,76% auf 7174 Indexpunkte erholen und der Dow Jones stieg um 0,36% auf 12.004 Indexpunkte. Damit tendierten die Indices in der Woche seitwärts bis leicht abwärts. Der Nikkei-Index gab aber um 0,64% auf 9351 Indexpunkte und der RTS sogar um 0,96% auf 1878 Indexpunkte nach, da der WTI-Ölpreis kräftig um 2% auf 93 USD einbrach. Der Euro schwächelte auch und lag zum Wochenschluss nur noch bei 1,43 EUR/USD. Der Goldpreis blieb der „sichere Hafen“ bei einem Preis von 1539 USD/Unze (+0,71% ebenso wie Silber (+0,53% auf 35,76 USD). Auch der Bund-Future ist weiterhin der sichere Hafen und stieg auf 126. Als sichere Häfen werden jetzt der Schweizer Franken, der Bund Future, Gold und Silber angesehen. Aktien- und Rohstoffmärkte werden hingegen volatil bleiben.

Da ich in den nächsten Wochen aufgrund der Überschuldung vieler Länder noch so einiges „Sommertheater“ erwarte, rate ich mehr dazu in Liquidität oder beim Unterschreiten wichtiger Chartmarken auch Short zu gehen. Welche Chartmarken dies genau sind, können Sie auch im neuen EAST STOCK TRENDS (www.eaststock.de, 3 Ausgaben für nur 15 Euro) nachlesen. Ein weiterer „sicherer Hafen“ ist im Moment Südosteuropa (Serbien über 30% im Plus). Lesen Sie auch darüber mehr im neuen EAST STOCK TRENDS 06/11.

Über 200 Mrd € werden in Europa als „uneinbringliche Kredite“ klassifiziert, wobei diese Kredite meistens mit Sachwerten besichert wurden. Des ein Freud, des anderen Leid. Eine deutsche Investmentgesellschaft spezialisiert sich auf das Aufkaufen und Verwerten von sogenannten unbesicherten „Non Performing Loans“, indem es notleidende bzw. gekündigte Kredite von Banken und Versicherungen aufkauft und dann mit den Gläubigern zu einer akzeptablen Lösung kommt. Auf diese Weise werden Schuldner ihre Schulden los und Gläubiger bekommen wenigstens einen Teil der Gelder wieder. Wer in einen solchen geschlossenen Fonds investiert, soll eine jährliche Ausschüttung von über 10% bekommen, wobei das Geld allerdings 3 Jahre festgelegt ist. Das Kapital wird dann in 3 Jahren vollständig zurückgezahlt und es gibt keine Nachschusspflichten. Bis 30. Juni entfällt der danach fällige Ausgabeaufschlag von 5% für diesen attraktiven, innovativen Sachwert-Fonds. Wer diese neue Anlageform interessiert, melde sich bitte umgehend bei der ESI GmbH (E-Mail: info@eaststock.de, Tel: 040/6570883).

TV-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 19. Mai 2011 um 15.30 Uhr in NTV/Telebörse über die Aussichten der Moskauer Börse und den Ölpreis befragt. Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen. Das nächste TV-Interview ist am 27. Mai 2011 im DAF über Gazprom.

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