Goldige Zeiten für Goldanleger

Drucken Speichern

Sonntag, 06. September 2009 16:08:00

Der Goldpreis stieg am Freitag auf das neue 6 Monats-Hoch von 993 USD/Unze. Intraday wurden sogar 998 USD/Unze erreicht. Damit flirtet der Goldpreis wieder einmal mit der „magischen“ 1000-er Marke, deren Überschreiten durchaus Signalwirkung für die Welt-Finanzmärkte haben könnte. Es gibt Gerüchte, dass es machtvolle Investoren in den USA gibt, die kein Interesse daran haben, dass der Goldpreis nachhaltig über 1000 USD/Unze steigt, da die Weltfinanzmärkte sonst destabilisiert werden könnten. Auf der anderen Seite ist der letzte Goldpreisanstieg von 950 auf fast 1000 USD/Unze wohl überwiegend spekulativen Investoren zuzuordnen.

Sicherlich beginnt jetzt auch die Hochzeits-Saison in Indien; die Schmucknachfrage ist aber historisch betrachtet weiterhin schwach aufgrund der Wirtschaftskrise. Die indischen Goldeinfuhren lagen im August bei 12-14 Tonnen, was unterdurchschnittlich ist. In den ersten 8 Monaten hat Indien 85 Tonnen Gold eingeführt. Für das Gesamtjahr wird normalerweise mit einer Goldeinfuhr von 250 Tonnen in Indien gerechnet; selbst wenn das 4. Quartal wegen der Hochzeits-Saison besonders stark ist, bleibt die Nachfrage im historischen Vergleich eher unterdurchschnittlich. Bisher liegt die Goldnachfrage jedenfalls 60% unter dem Vorjahreswert. In China wird demnächst auch 1 Woche gefeiert und Goldgeschenke sind dort auch beliebt ebenso wie in arabischen Ländern. In anderen asiatischen Ländern gibt es auch vermehrt Goldkäufe. Das große Fragezeichen ist immer, was die Notenbanken machen.

Die chinesische Notenbank könnte einer der großen Goldkäufer sein, schon um die 800 Mrd. in USD Staatsanleihen hedgen zu können. Mit Gold-Futures kann man die Goldpositionen sogar nach oben hebeln, was Hedgefonds gerne machen. Wenn ich chinesischer Notenbankchef wäre, würde ich jedenfalls Gold kaufen, schon um aus der Dollarfalle herauszukommen. Immerhin muss der chinesische Notenbankchef jeden Tag überlegen, wie er die 2 Billionen US-Dollar an Währungsreserven vernünftig anlegen kann. US Staatanleihen fielen in diesem Jahr erheblich, weil die Zinsen von 2 auf 4 % stiegen. In Deutschland erreichte der Bund-Future letzte Woche zwar ein neues 3 Monats-Hoch von 123 Punkten; Anfang 2009 befand sich der Bund-Future aber noch bei 126, so dass hier im Jahresverlauf sogar Kursverluste entstanden. Besser schnitten Unternehmensanleihen ab, die ich auch weiterhin favorisiere, da sich hier Spreads abbauen. Immerhin stieg der Bund-Future zuletzt von 118 auf 122 (im Hoch 123), tendierte also seit Juni bis jetzt freundlich. Große Kursgewinne konnten Rentenhändler - und Notenbankchef sind mit die größten „Rentenhändler“ der Welt, - nur durch geschicktes Trading Gewinne erzielen. Hierin besteht aber eine gewisse Gefahr für die Zukunft. Wenn die Anleihenrenditen aufgrund von Inflation in Zukunft steigen, könnte es erheblich Schieflagen bei Rentenhändlern weltweit geben, was wiederum dann auch die Aktienmärkte negativ beeinflusse würde. In diesem Fall dürfte der Goldpreis weiter steigen, insbesondere dann, wenn die Konjunktur tatsächlich wieder weltweit anspringt und die Inflation ansteigt. Entscheidend sind also die konjunkturellen Erwartungen und Inflationserwartungen für den spekulativ eingestellten Gold-Investor.

Hinzu kommen noch die Währungsrisiken bei einem schwachen US-Dollar. Unter 1,44 EUR/USD dürfte sich der Dollar weiter abschwächen. Ein Aufbau von Goldpositionen wäre auch unter diesen Gesichtspunkt dann strategisch sinnvoll und nachvollziehbar. Auch die russische Notenbank könnte die Währungsreserven mehr in Gold anlegen. Die russische Notenbank hat mit 400 Mrd. USD immer noch nach China und Japan die drittgrößten Währungsreserven der Welt. Falls der Dollar aber überraschend wieder stärker werden sollte, dürfte der Goldpreis wieder kräftig nachgeben. Im Grundsatz entsteht bei über 1020 USD/Unze aber ein Kaufsignal und bei unter 930 USD/Unze ein Verkaufssignal. In den letzten 15 Monaten pendelte der Goldpreis zwischen 700 und 1000 USD seitwärts und bewegt sich jetzt an der oberen Grenze dieser Trading-Range. Bei über nachhaltig über 1000 USD dürfte der Goldpreis nach oben ausbrechen, wobei ein fundamentaler Grund dafür (noch) fehlt.

Stark zu beobachten sind jetzt aber die Kapitalzu- und abflüsse bei Gold-ETFs. Die Zufüsse bei Gold-ETF waren mit 1,5 Tonnen am Tag nicht so stark wie im Frühjahr dieses Jahres als 20-30 Tonnen am Tag gezählt wudren. Die Gold-Long-Positionen stiegen zuletzt auf das Verhältnis 9:1 in Relation zu dem Gold-Short-Positionen, was zu denken gibt. Müssen de eLonpositionen eingedeckt werden, dürfte der Goldpreis stark fallen, das kann schon der Fall sein, wenn der Goldpreis die 1000er Marke nicht nachhaltig überwinden sollte. Dre Goldpreis befand sich schon im Frühjahr nahe der 1000er-Marke

Gold hat aber normalerweise eine starke negative Korrelation zum Dollar; also wenn der Dollar schwach wird, steigt Gold - und umgekehrt. Der Dollarkurs verändert sich aber in den letzten Tagen nur unmerklich und notierte gegenwärtig bei 1,44 EUR/USD. Er bewegt sich damit seitwärts zum Euro und war Anfang August sogar etwas schwächer. Andere Rohstoffe wie Öl fielen am Freitag auf 68 USD/Barrel (WTI). Normalerweise ist Gold auch „Inflationsindikator“, also je höher die Inflation (und Zinsen), desto höher der Goldpreis. Auch dies trifft in diesem Fall nicht zu, da es immer noch eher Deflations- als Inflationstendenzen bei den großen Industrienationen gibt. Auch sind weiterhin die Zinsen von Staatsanleihen niedrig. Die Goldnachfrage wird daher bei spekulativen Finanzinvestoren vermutet. Der SPDR Gold Trust verzeichnet am Freitag Zuflüsse von 14,7 Mio. Tonnen. Auch andere Gold ETFs verzeichnen mehr Zuflüsse als Abflüsse. Finanzinvestoren sorgen aber auch für „Bubbles“, so das die Kurse hernach auch wieder schlagartig einbrechen können.

Wenn der Goldpreis nachhaltig über 1000 USD/Unze steigt, dann könnte das auch eine Signalwirkung für die Welt-Finanzmärkte haben. Gold wird als Fluchtwährung bei Krisen verstanden. Möglicherweise vermuten einige Spekulanten einen bevorstehenden Israel/Iran-Krieg und/oder Terroranschläge von extremen Ismalisten, wobei die Terrorgefahr in Deutschland nach dem ersten Militärangriff in Afghanistan, bei dem angeblich 6 Zivilisten starben noch Folgen haben könnte. In den USA sind daher auch Rüstungsaktien wie Boeing, Lockheed-Martin, Northrop Grumman etc gefragt. Der Aktienkurs der US-Rüstungsaktie Northrop Grumman machte in diesem Jahr schon einige Berg- und Talfahrten. Erst stieg der Kurs seit Jahresbeginn bis Mai auf ein Jahreshoch von 27 auf 37 € an, korrigierte dann aber scharf bis Anfang August um 20% auf 30 €, um jetzt seit August wieder auf 33 € anzusteigen. Im Falle von Kriegsszenarien dürfte der Kurs stark ansteigen. Durch Terroranschläge sind auch Welt-Finanzmärkte aus dem Gleichgewicht zu bringen wie der 11. September zeigte, je nachdem wo sie stattfinden und welche Tragweite sie haben. Der 11. September wird nächsten Freitag jedenfalls wieder ein Medienereignis werden, was auch extreme Ismalisten ausnützen könnten. Zudem befinden wir uns in Deutschland mitten im Wahlkampf Ende September wird dann alles auf den G20-Gipfel und in Deutschland auf das Wahlergebnis schauen.

Silber ist in diesem Jahr und auch den letzten Tagen wesentliche stärker gestiegen, im letzten Jahr aber auch wesentlich stärker gefallen als Gold. Der Gold-/Silber-Koeffizient ist mit 61,5 auf den niedrigsten Stand seit Juni gefallen. Silber verzeichnete sogar ein neues 13 Monats-Hoch. Silber ist im letzten Monat um 8,8% gestiegen, Gold aber nur um 2%. In einem Jahr konnte Gold und Silber gleichermaßen um 24% zulegen. Damit waren Gold/Silber-Investments mit die besten Geldanlageform im 1 Jahresvergleich. Die meisten anderen Rohstoffe liegen immer noch 30-40% unter den Vorjahresniveau, obwohl einige Metalle wie Kupfer und Nickel sich im Preis seit Jahresbeginn verdoppeln konnte. Daher konnte sich auch der Aktienkurs des kasachischen Kupferproduzenten Kazakhyms, der im EAST STOCK TRENDS rechtzeitig zum Kauf empfohlen wurde, mehr als vervierfachen. Der Erdgaspreis ist aber seit 1 Jahr um 66% und im letzten Monat um 37%auf ein neues 12 Monatstief von 2,51 USD eingebrochen. Hier scheint ein Hedgefonds, der mit sein Spekulationen falsch lag, seine Positionen zwangsweise auflösen zu müssen, was zu dem Preisverfall führt.

Auch die Aktienmärkte tendierten am Freitag aufgrund relativ guter Arbeitsmarktdaten in den USA („nur“ etwas über 200.000 Arbeitslose anstelle der erwarteten 300.000 Arbeitslosen) freundlich. Nach wie vor ist unklar, ob dies schon der Beginn einer konjunkturellen Trendwende oder nur ein künstliches Strohfeuer durch Mega-Konjunkturprogramme ist - in Kalifornien brennt es jedenfalls immer noch lichterloh, was durchaus Symbolkraft hat. Eine zweite Rezession kann sich die Welt nicht mehr erlauben, da die Verschuldung jetzt schon zu hoch ist. Es ist auch fraglich, wie die Verschuldung in den nächsten Jahren abgebaut werden kann. Nach Finanzminister Steinbrück beträgt die Nettoneuverschuldung im nächsten Jahr 100 Mrd. Euro. Und dennoch kursieren bei einigen Parteinen Steuersenkungsvorhaben, um Wählerstimmen anzulocken.

Die meisten Unternehmensgewinne lagen im 2. Quartal über den Konsensschätzungen – auch in Osteuropa. Der DAX stieg nach der kräftigen Korrektur der vorherigen Tage am Freitag um 1,57% auf 5384 Indexpunkte, der Dow Jones um 1,03% auf 9441 Indexpunkte und der S&P-Index um 1,31% auf 1016 Indexpunkte. Auch hier hat die 1000-er Marke (nicht nur) psychologisch eine bedeutsame Wirkung. Aufgrund der Marktechnik ist alles über 1000-Indexpunkte positiv und unter 1000, exakt 975 Indexpunkte auch von der Markttechnik her negativ zu bewerten. Bei DAX muss nächste Woche die 5200-er Marke halten, da sonst eine schnelle Korrektur auf 5000 oder darunter sehr wahrscheinlich ist. Am Montag muss wegen eines Feiertags der DAX ohne die Wall Street auskommen. Er wird wohl aufgrund der guten Wallstreet-Vorgaben zunächst freundlich starten. Der russische RTS-Index verlor am Freitag 0,63% auf 1063 Indexpunkte, weil einige Ölwerte wegen des fallenden Ölpreises nach unten korrigierten. Auch hier waren Goldaktien gefragt, die allerdings im Index nicht hoch gewichtet sind bzw. gar keine Rolle spielen.

Auch bei Gold sind sicherlich viele Hedgefonds, aber auch viele Vermögensverwalter vor allem aus der Schweiz aktiv, weil sie Gold als sichere Krisenwährung betrachten. Im letzten Jahr lagen die meisten damit daneben, denn Gold war zumindest kein geeigneter Hedge für die Verluste im Aktienbereich. Auch jetzt könnten viele Spekulanten auf die Nase fallen, wenn Gold nicht nachhaltig die 1000-er Marke überwinden sollte. Jetzt sind wieder viele Goldgräber „long“ unterwegs, die ihr Glück mit Gold versuchen; die meisten davon werden vergeblich graben. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob nun endlich goldige Zeiten für Goldanleger beginnen (bzw sich fortsetzten).

In jedem Fall profitierten Goldaktien auch von dem Kurssprung des Goldpreises von 950 auf 993 USD/Unze in den letzten Tagen. Dabei stiegen einige Gold-Juniors im Kurs in wenigen Tagen um über 20% und in einem Monat um über 50% an, also um das 20-fache mehr als der Goldpreis mit mageren 2,2% in einem Monat. Viele Anleger und Medienvertreter interpretieren auch zu viel in den Goldpreis hinein. Gold wird zwar weiterhindie Frauen beglücken und hinter Gold verbergen sich auch viele Mythen; Gold ist aber ein äußerst knappes Gut und hat volkswirtschaftlich keine große Bedeutung. Es ist mehr die Fantasie, also wieder Psychologie, die Gold so oft in den Medien als geeignete Anlageform erscheinen lässt. Falls eine Währungsreform droht, könnte Gold allerdings aber der große Lottogewinn werden.

Russland ist der fünftgrößte Goldproduzent der Welt, wobei der Markt sehr fragmentiert ist. Der mit Abstand größte Goldproduzent Russlands heißt Polyus Zoloto, der gerade den größten Goldproduzenten aus Kasachstan Kazakhgold übernehmen will. Der Konkurrent Polimetal hat außer Gold auch Silber im Boot. Die Halbjahreszahlen enttäuschten aber etwas. Die Produktionskosten und auch Transportkosten bei Goldunternehmen sanken im letzten Jahr durch die Krise; dennoch müssen 400 bis 500 USD/Unzen als Cash-Kosten einkalkuliert werden. Zudem leiden viel Gold-Juniors durch die hohen Finanzierungskosten und der weltweiten Kreditklemme, die eine Wachstumsfinanzierung bzw Projektentwicklung erschwert.

Immerhin konnte die Goldproduktion in der Summe in diesem Jahr in Russland deutlich steigen, weltweit nahm die Goldproduktion in den letzten Jahren aber ab. Einige russische Goldaktien sind immer noch chancenreich. Zu empfehlen sind Gold-Juniors, die gut durchfinanziert sind und ein nachhaltig steigende Goldproduktion aufweisen. Welche Goldaktien ich konkret favorisiere, können Sie in dem Börsenbrief EAST STOCK TRENDS nachlesen, der nächste Woche erscheint. Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

Anzeige
 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

15.01.2018
Männicke im Intreview in Börsen Radio Networks

Archiv

05.11.17 Alles auf Allzeit-Hoch - und nun?
01.10.17 Wall Street auf neuem Allzeit-Hoch, aber bekommen wir im Oktober einen Crash?
27.09.17 Jetzt wird es immer bunter
10.08.17 Trump gegen Kim – gibt es nun einen (Atom-)Krieg?
31.07.17 Automobilbranche in der Vertrauenskrise – wo bleibt die Moral der Manager?

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)