Go East: Osteuropa macht die Schulaufgaben, Westeuropa und die USA nicht (immer)!

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Mittwoch, 16. Januar 2013 21:38:00

Die Börsen aus Osteuropa werden von den Anlegern und Medien immer noch sehr stiefmütterlich behandelt. Damit verpassen aber auch viele Anleger die Chancen an den Ostbörsen. Die meisten osteuropäischen Länder haben eine geringere Staatsverschuldungsquote und sogar geringere Haushaltsbilanzdefizite wie Länder in Westeuropa; zudem wachsen die meisten osteuropäischen Länder mehr. Freilich leiden de Ostbörsen auch oft mehr unter Kapitalabzug, weil sie vom ausländischen Kapital abhängig sind und keine Eigendynamik besitzen.

Die meisten osteuropäischen Länder haben ein höheres Wachstum als westeuropäische Länder. Und dennoch werden sie von den westlichen Anlegern gemieden. Sicherlich ist die Korruption und damit das Fehlen marktwirtschaftlicher Ordnungsprinzipien ist osteuropäischen Ländern weiterhin ein Problem, das von der EU auch schärfer sanktioniert werden sollte. Aber auch hier gibt es in Osteuropa Unterschiede.

Zur Vorzeigeregion für ganz Europa hat sich unter schwierigen Bedingungen das Baltikum entwickelt. Die Regierungen verabreichten nach dem Lehman-Schock, anders als in Griechenland & Co, ein radikales Sparprogramm. So wurden die Gehälter von Rentnern und Staatsbediensteten gekürzt und der Haushalt saniert. Hernach gab es aber auch Wachstumsimpulse, was den meisten südeuropäischen Ländern fehlte. Dabei stieg auch die Binnennachfrage durch einen erhöhten Konsum. Die südeuropäische Länder - und dazu zähle ich nicht nur Griechenland, sondern auch Spanien, Italien und Frankreich – sollten also noch einmal auf die Schulbank gehen und schauen, was sie von einigen osteuropäischen Ländern in der Not lernen können. Strikte Haushaltsdisziplin wahren und dennoch Wachstumsimpulse geben, aber auch Reformen zulassen sind jetzt weltweit das Gebot der Stunde.

Stattdessen haben wir aber – fast ohne es zu merken – moderne Planwirtschaften unter der (unsichtbaren?) Führung der Notenbanken, die das System am Leben halten. Es gibt aber nach wie vor viele Fehler im System. Einer der wichtigsten Systemfehler ist, dass Bürokraten (=Notenbanker) und Politiker falsche Anreiz-Systeme schaffen und selbst dabei keinem Sanktionsmechanismus unterliegen. So gibt es keine vernünftige und rechtzeitige Feedback-Prozesse, sondern an deren Stelle unentdeckte bzw. nicht rechtzeitig bemerkte Fehlentwicklungen, unten den später viele leiden werden. Einer der wichtigsten Eigenschaften der Marktwirtschaft sollte es sein, dass Risiken eingegangen werden und diese Risiken auch eigenverantwortlich und nicht stellvertretend für ein Unternehmen/Bank oder für eine Notenbank oder als politischer Vertreter für ein ganzes Land, eingegangen werden. Wenn jemand etwas gut macht, sollte er (vom Markt) belohnt werden, wenn er aber etwas schlecht macht, bestraft werden. Genau diese Sanktionsmechanismen fehlen, übrigens auch seit Anbeginn in der EU und EWU. Man wollte alles in Watte packen, obwohl es oft einen harten Boden gibt. Das kann nicht gut gehen in schlechten Zeiten.

So is es ein Unding, das Manager aus dem Arbeitsvertrag hohe Boni erhalten, auch wenn Sie ein Unternehmen in die Pleite führen. Hier muss man auch die Aufsichtsräte mehr in die Pflicht nehmen, die schließlich die Verträge mit den Vorständen machen. Man sollte also auch von Aktionären hinterfragen, wer solche Boni-Verträge gemacht hat. Die Boni sollten mehr am langfristigen und nachhaltigem Erfolg einer Unternehmung orientiert sein und nicht nach Jahreserfolgen. Auch müsste der öffentliche Protest größer werden, wenn Manager der Hypo Real Estate oder der HSH Nordbank hohe Boni-Zahlungen erhalten. Hie müsste man im Nachhinein auch die Aufsichtsräte belangen könne, die solche Verträge gemacht haben. Ein Vorstand sollte agieren wie ein Unternehmer, der auch alles verlieren kann und dann mit Schulden kämpfen muss. In solchen Situation übernehmen Vorstände, Bürokarten und Politiker zwar die Verantwortung, aber sie werden nicht hinreichend betraft, sondern die Fehler muss dann die Allgemeinheit (oder die Aktionäre) tragen. Hier muss sich etwas ändern. Boni für Fehlleistungen sind nicht nur nicht verständlich, sondern auch schädlich für das System, das erhalten werden soll.

Bestraft werden müssten auch alle Finanzpolitiker, die permanent ein zu hohes Haushaltsbilanzdefizit erreichen und damit Schulden für die Nachfolgegeneration aufbauen. Auch hier fehlt es an wirkungsvollen Sanktionsmechanismen, die eine Marktwirtschaft aber auch braucht.

So werden dann oft zu hohe Risiken für das Unternehmen eingegangen, ohne selbst etwas befürchten zu müssen. Es fehlt dann auch an echtem Unternehmergeist. Es gibt zu viele mehr bürokratisch verwaltete als gemanagte Unternehmen und Banken. Es gibt zu wenige echte Entrepreneure und innovative Unternehmernaturen unter den Vorständen, insbesondere bei Banken, wo das Risikomanagement versagt. Auch die Besetzung von Politikern in Aufsichtsräten ohne Fachwissen ist ein Unding.

Beim Flughafen Berlin genügt nicht ein Positionswechsel innerhalb des Aufsichtsrats, sondern es müssten auch materille Einbußen und Bestrafungen damit verbundenes sein. Auch sollten mehr Personen vom Fach in den Aufsichtsrat berufen werden, die auch effizienter kontrollieren können. Das Gleiche gilt für die grobe Verletzung von Aufsichtsratspflichten bei Banken - das Risikomanagement funktioniert dort oft nicht oder es sitzen Personen in Aufsichtsräten, die gar nicht vom Fach sind. So etwas nennt man dann systemimmanente Planungsfehler. Was also oft fehlt ist eine effiziente Kontrolle des Qualitätsmanagements und des Risikomanagements.

Hätten wir nicht das zum Teil gesetzeswidrige Eingreifen der Notenbanken FED und EZB, hätten wir schon lange eine dramatische Rezession auch in Westeuropa und den USA erlebt. Probleme wurden bisher nicht gelöst, sondern nur zeitlich nach hinten verschoben. So konnte die marktwirtschaftlichen Auslese- und Bereinigungsprozesse nicht stattfinden und auch nicht die notwendigen Anpassungsprozesse. Es gab also zuletzt keine Marktwirtschaft mehr, vor allem nicht bei Banken. Im Gegenteil: wer Mist gemacht hat und sich verspekuliert hat, wurde durch Notkredite der Notenbanken und EZB künstlich am Leben erhalten wie zuletzt die spanischen Banken. Nach Lehman Brothers entschieden sich die Politiker, systemrelevante Banken unter allen Umständen am Leben zu erhalten. Diesen Job übernimmt jetzt die EZB zusammen mit dem ESM.

Dieser schmerzliche „Anpassungs- und Sanktions-Prozess“ steht uns also noch allen bevor. Dabei machen die meisten Unternehmen noch einen guten Job. Aber auch sie leben in einem verwundbaren System der gegenseitigen Abhängigkeiten und mögliche Domino-Effekte, was auch eine Aktienkursprognose für 2013 erschwert. Wir leben eben nach wie vor in einem Ausnahmenzustand der durch Notenbanken gelenkten Börse. Die hohe Liquidität sorgte in 2012 nicht für ein Plus von fast 30% beim DAX, sondern auch an einigen Ostbörsen.

So konnten die Börsen in der Türkei (>60%) und währungsbedingt auch in Polen (>30%) den DAX sogar outperformen. Aber auch der gesamte baltische Raum entwickelte sich im letzten Jahr sehr vorteilhaft. Die Mini-Tiger-Börsen aus dem Baltikum brachten es auf eine Performance von 24 bis 34%. Sogar an den Börsen in Südosteuropa kam es erst in der zweiten Jahreshälfte zu einem Börsenaufschwung mit einer Performance von 24 bis 35% in 6 Monaten. Auch der russische Aktienmarkt war in der ersten Jahreshälfte noch ein Flop, in der zweiten Jahreshälfte aber top. Hier konnten vor allem Konsumaktien überzeugen. So verdoppelte sich der Kurs von der Einzelhandelskette Magnit, wobei hier auch die Wachstumsrate von über 30% überzeugte.

Enttäuschend war hingegen wie schon im Vorjahr die Aktienkursentwicklung in der Ukraine aufgrund der poltischen Unwägbarkeiten. Hier ist die Aktienkursbewertung jetzt aber so niedrig, dass ein Rebound jederzeit möglich ist, wenn ausländisches Kapital wieder zurückfließen sollte. In diesem Jahr hatten bisher nur die Budapester Börse und die Moskauer Börse mit einem Plus von 4,6 bzw. 3,2% einen guten Börsenstart, aber dies hatte auch der Dow Jones- bzw. der S&P-Index mit einem Plus von 3 bzw. 4%.

Die weitere Entwicklung an den Ostbörsen wird vor allem auch davon abhängen, wie einerseits die USA die nächste Finanzklippe Ende Februar überwinden können, anderseits aber auch wie sich Westeuropa in diesem Jahr als wichtiger Absatzmarkt weiterentwickelt. Nach dem Beige Book der US-Notenbank zeigte die US-Wirtschaft zum Jahresende immerhin Erholungstendenzen, die Hoffnung machten.US-Banken wie JP Morgan Chase und Wells Frago meldeten Rekordgewinne von 21 bzw. 19 Mrd. USD. Goldman Sachs verdiente immerhin über 7 Mrd USD. Es gab aber keine klaren Signale für die Börse. Das Wachstumstempo ist aber immer noch sehr verhalten. Auch der US-Immobilienmarkt stabilisierte sich. Dennoch droht Fitch jetzt mit einer Herabstufung der US-Bonds wegen der Streitigkeiten bei der Überwindung der nächsten Finanzklippe. Wenn es zu einem Downgrade kommen sollte, dürften die Aktienkurse weltweit fallen. Abzuwarten bleiben auch die Ergebnisse der gerade laufenden US-Berichtssaison und vor allem der Ausblicke.

Das BSP-Wachstum dürfte sich eher in den USA und in Europa verlangsamen und Länder wie Italien, Spanien und Frankreich könnten sogar in diesem Jahr in ernsthafte Probleme kommen. Es wird aber auch davon abhängen, ob südeuropäische Länder von einigen osteuropäischen Ländern lernen können, die schon zuvor einen recht schmerzlichen Transformationsprozess durchgemacht haben. Einige Länder aus Südosteuropa wie Slowenien, Serbien und Kroatien befinden sich in einer Rezession, wobei hier sicherlich auch die Krise in Südeuropa ansteckend wirkte. Auch die Länder in Südosteuropa müssen jetzt den Spagat machen, zu wachsen und zu sparen. Kroatien soll im Sommer in die EU aufgenommen werden, wobei es jetzt auch in Kroatien immer mehr EU-Skeptiker gibt.

Welche Erholungschancen die osteuropäischen Aktien jetzt konkret haben, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe-Abo des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRENDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen. Aktien wie Magnit konnten sich im letzten Jahr fast verdoppeln.

Eine gute Alternative ist jetzt Gold mit einer Mindestverzinsung von 5,8 % p.a. und NPL-Fonds mit einer Zielrendite von über 10%. Wenn Sie diese Angebote interessieren, melden Sie sich bitt bei mir unter 040/6570883 oder meinen Partner Hans-Peter Bandur unter Tel: 0177 482 7112.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV-Hinweis: Andreas Männicke wird am 31. Januar 2013 von Dr. Bernhard Jünemann im DAF (www.anleger-fernsehen.de ) über die Chancen in Osteuropa in 2013 befragt werden.

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