Glaubwürdigkeit, Redlichkeit und Aufrichtigkeit als nachhaltige Werte – gibt es das auch an der Börse?

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Sonntag, 19. Februar 2012 16:16:00

(Ex-) Bundespräsident Christian Wulff warf am Freitag nach nur fast 600 Tagen Amtszeit das Handtuch, weil gegen ihn von der Staatsanwaltschaft Hannover ein Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsgewährung und Vorteilsinanspruchnahme eingeleitet und der Antrag auf Aufhebung der Immunität beim Bundestag eingereicht wurde, was ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist. Das war zu viel für Wulff und das Fass an leichtfertigen Verhaltensweisen während seiner Amtszeit als Ministerpräsident war wohl auch übergelaufen.

Für die Medien war Wulf ein gefundenes Fressen. Auch wenn die „Berichterstattung“ zuweilen penetrant übertrieben wurde, dürfen wir uns doch freuen, dass es den Medien gelingt, einiges aufzudecken, was in anderen Ländern unmöglich wäre. Die freie Presse bleibt ein wichtiges Regulativ in der Demokratie. Dies wäre in Italien oder in Russland wohl nicht möglich gewesen. Insofern ist es auch ein Sieg der Demokratie, auch wenn weiterhin die Unschuldsvermutung für Wulf gilt.

Ein Bundespräsident ist auch eine moralische Instanz, dass nachhaltige Werte wie Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Aufrichtigkeit, Vertrauen und Redlichkeit der Jugend vermitteln soll. Ich schätze Wulff nicht so ein, dass er sich vorsätzlich Vorteile während seiner Amtszeit verschaffen wollte oder andere vorsätzlich begünstigt hat. Da gibt es ganz andere Kaliber in der Wirtschaft, die so etwas zum Teil unentdeckt auch heute noch tun. Bei Siemens und VW wurde einiges an recht eigenwilligen Geschäftsgebaren – auch wieder von der Presse - aufgedeckt und im Kölner Karneval wurde schon immer geklüngelt und wird es auch heute noch.

In Osteuropa gehört Korruption fast zum guten Ton. Dort gibt es wohl nur wenige Politiker, die tatsächlich ohne Vorteilsgewährung und Vorteilsinanspruchnahme auskommen könnten. Dennoch: sein Verhalten als Ministerpräsident Niedersachsens war fahrlässig. Auch wenn sich vieles – gerade aus der Sicht des Auslands, wo andere Regeln gelten, wie Bagatellen anhört, sind einige Verhaltensweisen wie bargeldlose Begleichungen von Rechnungen zumindest anrüchig und unüberlegt. Es gelingt wohl keinem, päpstlicher als der Papst zu sein; insofern sollten auch einige vollmundige Oppositionspolitiker die Kirche im Dorf lassen und sich auch einmal in den eigenen Spiegel schauen.

Die Suche nach einem neuen Kandidaten wird jetzt umso schwerer, weil alle Parteien sich auf einen Kandidaten mit einer sauberen Weste und einem hohem Ansehen einigen müssen. Gibt es sowas überhaupt? Im Gespräch sind jetzt Gauck und Fischer als würdige Nachfolger. Wenn Medien sich auf jemanden einschießen, finden sie auch immer was. Fischer hat in seiner wilden Zeit auf Polizisten mit Steinen geschmissen. Jetzt ist er aber als ehemaliger recht respektabler Außenminister gesalbt und kommt wieder in Frage. Da wir aber wohl auch wieder in unruhige Fahrwasser kommen werden, muss es auch einer starke Persönlichkeit sein, deren Worte Gewicht haben und die auch von der Jugend gehört werden.

Es wäre wünschenswert, wenn es so eine – zumindest im Anspruch - moralische und integere Instanz wie die des Bundespräsidenten auch an der Börse geben würde, wo Leitlinien für nachhaltiges Wirtschaften festgelegt und von der Presse dann mit gleicher Energie und Dynamik nachgeprüft werden. Ich fordere schon lange das Fach Wirtschaftsethik in Oberschulen und auch bei den wirtschaftlichen Studiengängen als Pflichtfach, wobei hier auch die Aufsichtsräte Leitlinien der Geschäftspolitik entwickeln müssen. Es geht dabei um Transparenz, Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Kundenbindung und nachhaltige Werte. Die Sehnsucht nach nachhaltigen und auch wahren Werten wird umso größer, je schneller sie sich durch externe Schocks auflösen können. Auch an der Börse werden Aufrichtigkeit, Redlichkeit und Glaubwürdigkeit von Aussagen von Unternehmensvorständen immer wieder auf die Probe gestellt.

Bei Banken weiß man nicht so recht, ob man den Bilanzen und auch den Aussagen von Unternehmensvorständen noch trauen kann. Seit dem Lehman Brothers-Debakel hat die Glaubwürdigkeit arg gelitten und in Krisenzeiten trauen sich selbst die Bankenvorstände untereinander nicht mehr.

Der Ex-Vorstand von der Deutsche Bank Breuer machte wohl gegen den Kirch-Konzern damals recht leichtfertig das teuerste Statement, indem er vorzeitig die Kreditwürdigkeit in Frage stellte, was der Deutsche Bank nun 800 Mio. € im Vergleich kostete. Vertrauen ist das wichtigste Gut der Wirtschaft. Es darf nicht leichtfertig verspielt werden.

Im Moment vertrauen die Anleger darauf, dass der Co-Bank-Chef Blessing die Rekapitalisierung ohne Staatshilfe schafft und schon verdoppelt sich fast der Kurs in wenigen Wochen. Im Moment vertrauen die Anleger, dass Griechenland am Montag die 130 Mrd € von den EU-Finanzministern als Kredit zugesagt bekommen. Damit ist das Griechenland-Problem aber nicht vom Tisch, sondern es wurde nur Zeit gewonnen. Im Moment werden in der Politik und auch von den Notenbanken durch das Anwerfen der Gelddruckmaschine nur temporäre, aber keine nachhaltigen Lösungsansätze geboten. Die Banken und Unternehmen schwimmen jetzt zum hingegen Teil in Liquidität, was auch zu der erfreulichen Jahresanfangsrallye führte.

General Motors war vor 3 Jahren noch insolvent, erreichte jetzt aber einen neuen Rekordgewinn von 7,5 Mrd USD im letzten Jahr. So schnell ändern sich die Zeiten vom Prügel- zum Musterknaben. Ein Sorgenkind bleibt allerdings Opel, die weiter rote Zahlen schreiben. Ein Phänomen bleibt Apple, das mit 500 USD einen neuen Rekordkurs erreichte und sich seit der Krise in 2008 von 100 auf 500 USD schon verfünffachte. Apple ist mit einer Marktkapitalisierung von 356 Mrd. € bzw. 468 Mrd. USD das mit Abstand marktschwerste Unternehmen der Welt. Im 4. Quartal 2011 wurde ein neuer Rekordgewinn von 14 Mrd USd erzielt. Apple hat über 60 Mrd. USD an Cash angesammelt und kann damit weiter expandieren. Wo bitte ist da die Krise?

Auch die Tatsache, dass zuletzt portugiesische Anleihen bei der Platzierung überzeichnet waren, stützte den Aktienmarkt. Dennoch bleibt auch Portugal ein Wackelkandidat mit Zinsen von jetzt fast 16% für 10-jährige Anleihen und 21 bis 22% für 2- bis 5-jährige Anleihen. Eine portugiesische Anleihe mit einem Kupon von 5,45%, die am 23. September 2012 ausläuft, erbringt auch noch eine Rendite von 12,3%. Da sieht schon fast nach einem Default aus, denn so hohe Renditen bedeuten auch Defaultgefahren. Italienische Anleihen werden jetzt hingegen von vielen „Anlageexperten“ zum Kauf empfohlen, da Monti mit seinem Sparkurs die Anleger überzeugt. Das Wachstum in Italien ist aber weiterhin sehr schwach.

Ich sehe aber mit Ausnahme von Griechenland und Portugal, die sich auf „Anordnung“ der Troika totsparen müssen, keine großen Rezessionsgefahren im Euro-Raum, was in der zweiten Jahreshälfte 2011 aber bei den Aktienkursen eingepreist wurde. Hier gibt es also gerade schon ein Re-Rating an der Börse. Dagegen befürchte ich aber weiter Herabstufungen von den Rating-Agenturen, die zuletzt aber mit einer bemerkenswerten Gleichgültigkeit an der Börse aufgenommen wurden.

Die PIGS-Anleihen werden uns auch in Zukunft in diesem Jahr weiter beschäftigen. Es ist die große Frage, ob die Mittel im ESM, also des dauerhaften Rettungsschirms, im Sommer ausreichen werden, um alle EU-Löcher zu stopfen.Vielleicht wird China zum Retter von Europa, indem es ESM-Anleihen im Sommer kauft. Immerhin stiegen zuletzt auch die Anleihen von Lettland und Ungarn, also den Sorgenkindern in Osteuropa, wieder im Kurs, was aber auch ein Strohfeuer sein kann. Bundesanleihen stehen mit 138 beim Bund-Future sprichwörtlich weiter hoch im Kurs. Wenn der Bund-Future aber unter 137 geht, sollten sie short gehen, weil dann die Renditen wieder anziehen werden.

Der Rücktritt des Ex-Bundexpräsidenten Wuflf konnte die Börse am Freitag nicht erschüttern, weil der Bundespräsident keine politische Macht hat. Im Gegenteil: Der DAX stieg – unterstützt durch die Wall Street - um 1,42% auf 6848 Indexpunkte. Der Dow Jones-Industrial-Index stieg am Freitag aufgrund guter US-Arbeitsmarktdaten um 0,34% auf 12.951 Indexpunkte und näherte sich damit der magischen 13.000-er Marke. Dies bedeutet gleichsam ein neues 4-Jahres-Hoch, wovon der DAX weit entfernt ist. Da Iran nun an Frankreich und an Großbritannien kein Öl mehr liefert, stieg der WTI-Ölpreis um 1,16% auf ein neues Jahres-Hoch von 103 USD/Barrel. Davon profitierte wiederum der russische Aktienmarkt. Der RTS-Index konnte um 0,91% auf 1656 Indexpunkte zulegen.

Damit stiegen sowohl der DAX als auch der RTS-Index seit Jahresbeginn schon um über 16% an, was man einen wahrhaft gelungenen Jahresauftakt bezeichnen kann. Nun kommt es darauf an, ob in den närrischen Zeiten die wichtigen Marken wie DAX 7000 und Dow Jones 13.000 nachhaltig überwunden werden können oder nicht. Andernfalls droht eine kräftige Korrektur in den nächsten Wochen. Zudem mehren sich die Streikgefahren in den nächsten Wochen – nicht nur am Frankfurter Flughafen. Der Euro behauptete sich zum Dollar bei 1,31 EUR/USD. Erst bei unter 1,29 EUR/USD droht eine kräftige Korrektur an den Aktien- und Rohstoffmärkten.

Sie sollten nach dem steilen Kursanstieg jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS beschreibe. Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!

TV-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 13. Februar 2012 im DAF (www.anleger-fernsehen.de) von Brigitte Bauer über die Chancen in Russland vor der Wahl befragt. Sie können das Interview jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen. Aktuelle Markteinschätzen erhalten Sie täglich auf der Ostbörsen-Hotline unter Tel 09001-8614001(1,86 €/Min) und im monatlich erscheinenden Börsenbrief EAST STOCK TRENDS (Probe-Abo: 3 Ausgaben für nur 15 €; bestellen Sie jetzt unter www.eaststock.de).

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