Gib der Krise (k)eine Chance: Die Bullen sind los!

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Samstag, 29. August 2009 19:05:00

Der DAX erreichte am Freitag intraday 5560 Indexpunkte einen neuen Jahreshöchstkurs, wobei der DAX zum Schluss auf 5517 korrigierte. Mit dem neuen Jahreshöchststand erreichte der Dow Jones Industrial Index mit einem Plus von 54% sogar den größten Kursanstieg in 6 Monaten in der Nachkriegszeit. Noch besser schnitten die „BRIC“-Börsen ab, die im Durchschnitt über 60% seit Jahresbeginn und über 100% seit März zulegen konnten.

Die Kurserholung erfolgte damit wie von mir erwartet seit März „V-förming“ also ohne ausgeprägte Bodenbildung. Diese „V-förmigen Kurserholungen bereiten den meisten Vermögensverwaltungen und Anlegern Probleme, den DAX oder eine Benchmark zu schlagen. Die Aktien in meinem Muster-Portfolio des EAST STOCK TRENDS konnten mit +83% beim konservativem Portfolio und 119% im spekulativen Portfolio alle Osteuropafonds outperformen. Dabei konnten Trader sogar eine noch bessere Performance erzielen, da die Korrektur im Juni mit 30% an der Moskauer Börse sehr heftig ausfiel. Meine Muster-Deport-Aktien AFK Sistema, die nun sogar Interesse an Infenion zeigt, konnte im Kurs sogar um über 300% zulegen. Die „Aktien des Monats“ des EAST STOCK TRENDS wie die Medienaktie CTC Media aus Russland und die Rohstoffaktie Kazakhyms aus Kasachstan bereiten den Anlagern mit einer Kursvervierfachung (!) seit März viel Freude. Aber auch Anleger , die in Deutschland investierten und damit relativ schlechter performten als an den von mir favorisierten „BRIC“-Börsen , konnten sich nicht beklagen. Die „BRIC-Börsen konnten seit Jahresbeginn um über 60% im Durchschnitt zulegen und viele Vermögensverwalter haben diese großen Erholungschancen verpasst.

Gestützt wurde die Kurserholung beim DAX durch die Verbesserung von Konjunkturdaten und Konjunktur-Indikatoren. Die relativ gute Konjunktur in Deutschland wird gestützt durch die robuste Binnenkonjunktur, wobei es im 1. Halbjahr im Export zu erheblichen Einbrüchen kam. Während die Konjunkturdaten ein Blick in den Rückspiegel sind, sind die Konjunktur-Indikatoren eine Momentaufnahme und Frühindikatoren sind in die Zukunft gerichtet. So stieg der IFO-Geschäftsklima-Index jetzt fünfmal in Folge und landete im August bei 90,5 Zählern. Der IFO-Geschäftsklima-Index korreliert mit den DAX positiv. Zudem stieg der GfK-Konsumklima-Index im August auf 3,7, was auch zeigt, dass die Konjunktur- und Einkommenserwartungen steigen. Der Einkommensindikator stieg im August 8,8 Punkte, was ein Plus von 7 Punkten war. Im Vergleich zum Vorjahr beträgt der Zuwachs sogar 25 Punkte. Niedrigere Krankenversicherungsbeiträge sorgen u.a für eine Entlastung. Inflation ist (im Moment noch) kein Problem und sorgt daher für höhere Realeinkommen. Auch die Anschaffungsneigung stieg im August um 6 Punkte in Deutschland. Der Indikator für Neuanschaffungen liegt sogar auf dem höchsten Stand seit Dezember 2006. Das sinkende Preisniveau steigert weiter die Konsumneigung. Dabei befinden sich andere Konjunktur- Erholungstendenzen immer noch auf historisch äußerst niedrigem Niveau. Der ZEW-Indikator stieg sogar den höchsten Stand seit April 2006, was zeigt, dass die Finanzanalysten jetzt viel optimistischer sind. Die Krise ist damit also nicht beendet, aber es gibt deutliche Hinweise dafür, dass die Talfahrt gestoppt ist. Eine Entwarnung kann ich daher noch nicht geben.

Es bleibt auch noch abzuwarten, ob es eine zweite Welle der Kredit- bzw. Bankenkrise im Herbst/Winter 2009 gibt, nämlich wenn die Arbeitslosigkeit und Unternehmensinsolvenzen zu groß werden. Neben Unternehmensinsolvenzen wegen des immer noch nicht normalen und angespannten Kreditmarktes drohen auch vermehrte Privatinsolvenzen. Die meisten deutschen Banken haben hierfür aber auch schon Rückstellungen gebildet. Der BDI befürchtet aber dennoch, dass eine fortgesetzte Kreditklemme den Aufschwung in 2010 abwürgt. Nach wie vor ist also die Nachhaltigkeit des leichten Aufschwungs in den Sommermonaten in Frage zu stellen.

Ben Bernanke wird im Amt bleiben und als „Helikopter-Ben“ weiter die Märkte fluten, also das gleiche machen, was Greenspan in der Krise gemacht hat. Wie lange aber wird er eine Nullzinspolitik aufrecht erhalten können? Noch gibt es eher Deflation als Inflation. Der US-Staat wird jetzt sehr viel mehr Aufmerksamkeit Steuersündern schenken (müssen), da die Staatskassen leer sind. Einige sprechen schon von einer US-Steuerdiktatur, was auch die Schweiz noch zu spüren bekommen wird.

In jeder Krise steckt auch eine Chance. Es wäre schon bedeutsam, dass alle beteiligten – auch Sie – aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. Die Börsen dürfen sich nicht wieder zu unkontrollierten Spielcasinos entwickeln. Bei der überschäumender Liquidität, die auch durch die Krise zustande gekommen ist besteht die Gefahr, dass sich neue Blasen bilden. Mein Motto lauten nicht nur „In der Krise liegt die Chance“, sondern auch „Gib der Krise eine Chance“, sich zu entfalten und für Lerneffekte zu sorgen. Der nächste G-20 Gipfel ist eine große Chance, wenn die beschlossenen Maßnahmen auch weltweit umgesetzt werden. Es ging dabei um die Regulierung von Hedgefonds, von Derivaten, von Zweckgesellschaften, kurz um mehr Transparenz im Finanzsektor, was wiederum Vertrauen schaffen soll. Es ging dabei aber auch um die Regulierung von internationalen Kapitalströmen und das Austrocknen von Steueroasen. Vor allem ging es aber um die Stabilisierung der Finanzmärkte und die Vermeidung von systemischen Risiken. Der Tenor aller Regierungschefs und Finanzminister war: „So etwas darf noch nicht einmal passieren!“. Dies kann nur gelingen, wenn alle mitmachen und es auch im eigenen Land umsetzen. Eine gewisse Kehrtwendung ist in Großbritannien und den USA erkennbar. Vieles ist in die Wege geleitet worden, aber im Grund hat sich noch nicht viel gebessert. Die Spielcasinos sind wieder geöffnet.

Es dürfte jedem klar sein, dass sich in der Schweiz, Lichtenstein und anderen Steueroasen der Welt Billionen Dollar von Geldern angesammelt haben. Ich schätze alleine das russische Fluchtkapital auf über 300 Mrd. USD. Der größte Auslandsinvestor Russalands ist Zypern. Das besagt eigentlich schon alles. Nun treten russische Investoren auch wieder vermehrt in Deutschland auf. So sollen deutsche Werften in Rostock von Russen aufgekauft werden und das Geld im Volumen von 40 Mio. € kommt natürlich aus der Schweiz. In der Not ist das wohl auch Angela Merkel egal und willkommen, wenn das fadenscheinige Argument „Rettung von Arbeitsplätzen“ seine Wirkung nicht verfehlt. Deutschland befindet sich im Wahlkampf und da ist jede gute Nachricht willkommen. Merkel favorisiert auch das Angebot der Sberbank in Kooperation mit Magna, Opel zu retten. Die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen sollen wieder in Gang kommen, nachdem sie im ersten Halbjahr herbe Rückschläge hinnehmen mussten. Es gibt also schon wieder einige Russen, die jetzt auf Einkaufstour gehen. In der Krise lassen sich einige „Schnäppchenkäufe“ machen, ebenso wie bei Zwangsversteigrungen in den USA, wo jetzt auch die Russen als Käufer auftreten sogar in New York.

Die Kardinalfrage für die Anleger, die die Zwischenhausse verpasst hatten , ist jetzt, ob das der Beginn einer Trendwende zu einem neuen mehrjährigen Hausse-Zyklus ist – wie in den Jahren 2003-2007 - oder ob sich eine „Bullenfalle“ ergibt. Möglich ist auch eine volatile Seitwärtsbewegung. Die Börsenstimmung hat sich in jedem Fall enorm gebessert und die Risikobereitschaft nimmt wieder zu. Auf der anderen Seite scheut das gebrannte Kind das Feuer. In den nächsten Monaten drohen sprichwörtlich wieder einige Herbststürme. Jeder Anleger hat den Crash im letzten Jahr noch genau vor Augen. Viele Aktien haben das Vor-Krisen-Niveau vor einem Jahr noch nicht erreicht. Die Monate September/Oktober gelten gemeinhin als schwierige Börsenmonate. Auch im letzen Jahr begann im September der Börsen-Crash. Ich glaube allerdings nicht, dass es in diesem Jahr so turbulent zugehen wird, zumal die Anleger noch sehr vorsichtig agieren und sich die Makro-Daten auf niedrigem Niveau verbessern.

Dabei sind auch Rohstoffpreise in den letzten 6 Monaten rasant gestiegen; Kupfer, Nickel und Öl haben sich seit dem Tiefständen im Märt im Preis mehr als verdoppelt. Gold versucht gerade den Ausbruch bei 954 USD/Barrel. Auch dies wird als eine Bestätigung der Konjunkturerholung angesehen, wobei in erster Linie China damit die strategischen Rohstoffreserven aufgefüllt hat. Auch sind Finanzspekulanten wieder am Werk (wie bei Öl), so dass die Rohstoffpreise jederzeit wieder einbrechen können. So empfehle ich bei Öl bei unter 69 USD/Barrel short zu gehen und ebenfalls bei Kupfer unter 5900 USD/Tonne.

Die Markttechnik bleibt an den Weltbörsen nach dem Erreichen neuer Jahreshöchstkurse positiv und er Haussetrend seit März dieses Jahres bleibt intakt. In Kalifornien brennen aber immer noch die Wälder und in China gab es zwischenzeitlich Korrekturen von 20%. In Russaldn gab es im Juni Korrekturen von 30%. Aufgrund der unnormalen Zeiten, fallen Gewinnmitnahmen in einigen Regionen sehr scharf aus, so dass die „Vola“ hoch bleibt. Relativ robust und wenig volatil ist bisher die Wall Street, obwohl von den USA die Krise ausging. Im September wird sich entscheiden, ob es sich um eine Bullenfalle oder eine nachhaltige Trendwende an den Aktien- und Rohstoffmärkten handelt. Die 200-Tagesline sind beim DAX und Dow Jones im August zum ersten Mal in diesem Jahr gestiegen, was ein gutes Zeichen ist.

Da viele Anleger die Hausse im Sommer verpasst hatten und noch viel Liquidität vorhanden ist, bestehen gute Chancen, dass sie nun (nach dem Urlaub) einsteigen wollen und damit der Hausse zur Fortsetzung verhelfen. Dabei sind Korrekturen von 5-10% als normal zu betrachten. Erst wenn der S&P-Index unter 975 Indexpunkte gehen sollte, sollten Sie auch an den Ostbörsen Gewinne mitnehmen bzw. Verluste durch Stopp-loss-Marken begrenzen und in Liquidität gehen. Der S&P-Index schloss am Freitag fast unverändert zum Vortag bei 1028 Indexpunkten und der Dow Jones bei 9544 Indexpunkten. Im Moment handelt es sich also auch bei den osteuropäischen Aktien um gute Haltepositionen. Ein Neueinstieg ist jetzt aber riskant. Ein neuer Megatrend könnten Solar- und Internetaktien in China werden. Russische Aktien überzeugen durch ihr niedriges KGV und den guten Quartalszahlen im 2. Quartal 2009. Der RTS stieg am Freitag um satte 1,77% auf 1089 Indexpunkten. Erst bei einem RTS von unter 950 Indexpunkten sollte der Anleger in Liquidität gehen. Noch sind aber die Bullen los und die großen Gewinner sind diejenigen, die den Mut hatten. im Frühjahr Aktien zu kaufen. Die reiche Ernte kann jetzt eingefahren werden.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen.

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