Gauck mit vielen wertvollen Gedanken - auch für die Börsenteilnehmer!

Drucken Speichern

Sonntag, 25. März 2012 18:25:00

Die Antrittsrede vom neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck fand bei allen Parteien gleich welcher Couleur großen Zuspruch und auch große Zustimmung – auch bei mir: “Mut, Zuversicht, Selbstverantwortung, Selbstbewusstsein und soziale Gerechtigkeit“ sind genau das, was wir sowohl in der Politik als auch an der Wirtschaft jetzt brauchen. Wir brauchen das aber auch an den Weltbörsen und auch bei den Anlegern als neue Wertgrundsätze.

Auch bei meinen Investment-Seminaren – das nächste findet wieder am 22. Mai 2012 in Frankfurt/M statt – forder ich die Seminarteilnehmer zu mehr „Zuversicht, Mut, Selbstverantwortung, Selbstbewusstsein und auch zur sozialen Gerechtigkeit“ auf, was eine neue Ethik-Diskussion erfordert. Anleger vertrauen ihr Geld of nur einem oder mehreren Gurus, Börsenbriefen/Börsenzeitschriften oder Vermögensverwaltungen an. Damit schieben sie die Verantwortung ab. Mit den jeweiligen Unternehmen in Portfolio setzen sie sich kaum auseinander, Hauptsache der Kurs steigt. Das ist zu kurz gedacht und bringt in der Regel auch keinen nachhaltigen Erfolg.

„Soziale Gerechtigkeit“ ist auch eine Frage, wie die Unternehmensgewinne aufzuteilen sind. Sicherlich hat jedes Unternehmen auch eine soziale und eine ökologische Verantwortung und wenn nicht, dann sollte das Gauck bei seiner nächsten Rede noch mal betonen. Es wäre auch gut, wenn die Anleger jetzt wieder mehr Mut, Zuversicht und Selbstbewusstsein haben, denn dann lässt sich die Krise schneller bewältigen.

Die Kapitalisten sägen ohnehin schon lange an ihrem Ast, auf dem sie sitzen, wenn sie nicht auch untereinander kontrovers ins Gespräch kommen. Die Vorstände müssen für maximale Transparenz und Berechenbarkeit sorgen. Auch eine offene Kommunikationsstrategie ist unabdingbar, um Vertrauen zu gewinnen und zu behalten. Auch hieran mangelt es zuweilen. Toleranz und Respekt sind auch noch wichtige Werte, die einer funktionieren Demokratie von Bedeutung sind, aber auch auf Hauptversammlungen. Genau daran mangelt es immer wieder insbesondere dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Daneben ist der Theologe Gauck auch ein Verfechter der Demokratie und der Freiheit. Wenn das so wie in Deutschland praktiziert wird, kann man in der Tat schon stolz sein. Die Pressefreiheit ist auch ein wichtiger Bestandteil der Demokratie, was nicht überall auf der Welt eine Selbstverständlichkeit ist. Sicherlich kann man auch hier darüber streiten, ob zuweilen noch mehr Basis-Demokratie anstelle von parlamentarischer Demokratie und parteipolitischen Machtspielen notwendig sind, aber wenn wir uns weltweit umschauen, dann können wir schon ganz zufrieden sein, dass wir in Deutschland leben. Es gibt kaum ein Land der Welt, das ein derartig ausgeprägtes Sozialsystem vorweisen kann. Ob dies dauerhaft bezahlbar ist, ist eine berechtigte Frage, die auch Gauck mit dem Appell mehr Selbstverantwortung thematisiert.

Ich würde mir wünschen, dass auch in Zukunft auch eine Wertdiskussion im Kapitalismus und bei den Börsen/Banken entfacht, was meines Erachtens dringend notwendig ist. Die SPD machen Banken und Spekulanten zum Feindbild, was meines Erachtens der falsche Weg ist. Gauck könnte hier ausgleichen und auch hier eine wertvolle Wertediskussion in Gang bringen, gerade weil die Finanzkrise viel Vertrauen und auch Arbeitsplätze vernichtet hat. Wir brauchen jetzt auch Leitlinien in der Finanzwirtschaft und eine Ethikdiskussion im Börsenwesen. Wir brauchen hier auch andere Maßstäbe, die sich nicht nur auf Kennziffern wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Dividendenrendite reduzieren lassen.

Für mich gibt es bei jeder Aktiengesellschaft das Werteviereck Eigentümer (=Aktionäre), Management (Vorstand und leitenden Angestellten), Mitarbeiter und Kunden. Alle vier Ecken müssen bei Ihren Bedürfnissen befriedigt werden. Dem Aufsichtsrat fällt die wichtige Aufgabe zu, dass alle 4 Ecken bei den Leitlinien der Unternehmenspolitik berücksichtigt werden. Auch auf Hauptversammlungen sollte darüber diskutiert werden und nicht nur immer über den Aktienkurs, den Jahresüberschuss und die Dividende. Es gibt bei vielen Finanzunternehmen Defizite bei der Befriedigung entweder der Mitarbeiter oder Kundenseite.

Ein gut geführtes Unternehmen braucht zufriedene und gut motivierte Mitarbeiter und ein gut geführtes Unternehmen braucht zufriedene Kunden, möglichst mit langer Kundenbindung. Die einseitige Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Aktionäre ist genauso falsch wie die einseitige Ausrichtung auf die Bedürfnisse des Managements. Ein Top-Management muss auch ökologische Aspekte einbeziehen, soweit es damit konfrontiert ist und eine Umwelt-Bilanz aufstellen. Hier mangelt es vor allem bei russischen Groß-Konzernen an diesem wichtigen Blickwinkel, der oft zu Lasten der Umwelt und Natur vernachlässigt wird.

Wie vor kurzen von einen Top-Manager von Goldman Sachs gehört haben, wurde die Kundenseite hier jahrelang sträflich vernachlässigt. So gewinnen die Boni-Diskussionen zu Recht an Brisanz. Denn keiner zahlt so hohe Boni wie Goldman Sachs den Top-Managern. Vielen Unternehmen mangelt es auch an einer klaren Mission und an Leitbildern, die für alle Top-Vorstände gelten sollen.

Wenn der VW-Chef Martin Winterkorn 17 Mio. € verdient, dann ging das nur mit Mitarbeitern, die zu hohen Leistungen motiviert sind und dann ging das nur mit zufriedenen Kunden. Ebenso verhält es sich, wenn ein Dieter Zetsche von Daimler 8,65 Mio. € im Jahr verdient. Die Unterhemen, VW und Daimler, erwirtschafteten im letzen Jahr immer auch Rekordgewinne, so dass das Gehalt in Ordnung geht. Allerdings sollte die Auszahlung der Boni sich an nachhaltigen Gewinnen und nicht einmal im Jahr erzielten Gewinnen orientieren.

Wenn aber ein Josef Ackermann (ursprünglich aus der Schweiz kommend) 9.36 Mio. € und auch der Nachfolger Anshu Jain (aus Indien, huch wo sind eigentlich die deutschen Top-Manager?) 9,77 Mio. € verdient, dann bin ich mir noch nicht so sicher, zumal auch die anderen Bankvorstände der Deutschen Bank Herman-Josef Lamberti, Hugo Bänzinger, Jürgen Fitschen, Stefan Krause und Rainer Neske jeweils über 4 Mio. € verdienen. Ob auch ein Vikram Bandit von der Citigroup über 11 Mio. € verdient, obwohl er durch den Stresstest durchfiel oder ein Bob Diamond von Barclays 7,57 Mio. € oder einen Sergio Ermotti von der UBS 5,27 Mio. €, das sei einmal dahingestellt.

Der Anstieg der Grundgehälter führt übrigens jetzt auch zu Rekordständen bei den Pensionsansprüchen bei den DAX-Vorständen, was ein nachteiliger Nebeneffekte ist, wenn es den Unternehmen in der nächsten Finanzkrise, die bestimmt kommen wird, nicht so gut geht. Die Pensionszahlungen könnte in Zukunft noch ein großer Belastungsfaktor darstellen wie das Beispiel General Motors zeigte. Übrigens hat auch GM einen Rekordgewinn erzielt und die Top-Manager verdienen dort nicht schlecht, obwohl das Unternehmen in 2009/10 nur von Staat gerettet werden konnte ebenso wie der weltgrößte Versicherungskonzern AIG. Hier müsste man einmal auch über die Möglichkeit von Pensionskürzungen insbesondere bei den Top-Managern sprechen, wenn es dem Unternehmen schlecht geht bzw. wenn der Gewinn nicht nachhaltig sein sollte. Aber das geschieht im Moment noch nicht. Auch hier brauchen wir mehr Flexibilität nach oben und unten, um später Liquiditätsengpässen zu vermeiden.

Auch hier käme es darauf an, dass sowohl Mitarbeiter als auch Kunden zufrieden sind. Sind sie es aber auch? Die Deutsche Bank AG will das Asset Management schon ausgliedern, weil ihnen die Kunden weglaufen. Ähnlich war es lange Zeit bei der UBS. Ich nehme an, dass die Aufsichtsräte die falschen Kriterien bei den Boni festlegen und zu wenige Wert auf Nachhaltigkeit legen. Allein an den kurzfristigen Finanzergebnisse und auch dem Börsenkuren lassen sich keine Boni ermitteln, es gehört dazu auch die dauerhafte Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit.

Ein Bundespräsident verdient, wenn er aufhört und sein Ehrensold bezieht nur 200.000 € und während der Amtszeit nur unwesentlich mehr. Es soll aber die Leitlinien für die Wirtschaft und Politik und quasi jeden Bürger in diesem schönen Lande festlegen. Ebenso geht es Politikern. Es verwundert daher nicht, dass Ex-Bundekanzler Gerhard Schröder und nun auch Ex-Bürgermeister Hamburgs Henning Vorscherrau nun den Lockruf des Geldes folgen und für Gazprom als Aufsichtsräte für die Nordische Pipeline und nun für die Süd-Pipeline wesentlich mehr verdienen werden als zuvor an ranghöchster Stelle eines Landes bzw. einer Stadt.

Es war wohl weniger der beeindruckenden Rede von Gauck zurückzuführen, dass der DAX am Freitag um 0,2% auf 6995 Indexpunkte und der Dow Jones um 0,52% auf 13.147 Indexpunkte anstieg. Der RTS-Index konnte sogar um 0,84% auf 16667 Indexpunkte zulegen, nachdem es zuvor zu gesunden Korrekturen durch Gewinnmitnahmen kam. Es ist aber bezeichnend, dass Gauck als erstes Land, das er besuchen wird, Polen ausgesucht hat. Damit dokumentiert er auch mein Motto „Go East – gerade in schweren Börsenzeiten!“. Dafür bin ich Gauck schon jetzt dankbar.

Auch Ihre Meinung ist mir wichtig. Schreiben Sie mir, welche „Wertmaßstäbe“ Sie bei Gauck, bei Politikern, an den Börse bei mir und bei sich selbst festlegen.

Sie sollten nach dem steilen Kursanstieg jetzt besonders die Markttechnik beachten, die ich Ihnen recht ausführlich im neuen EAST STOCK TRENDS beschreibe. Wie Sie sich jetzt konkret verhalten sollen und auch welche Aktien in Osteuropa aussichtsreich sind, können Sie nachlesen, wenn Sie jetzt ein Probe Abo- des monatlich erscheinenden Börsenbriefes EAST STOCK TRNDS (3 Ausgaben per e-mail für nur 15 €) unter www.eaststock.de bestellen. Die beiden Muster-Depots konnten sich im Wert seit Auflegung vor 3 Jahren trotz aller Krisen verdreifachen.

Da die Märkte sehr volatil sind, sollten Sie im Moment mehr trading-orientiert agieren. Welche Aktien Sie jetzt kaufen oder verkaufen sollten, können Sie der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Verpassen Sie jetzt die guten Trading-Chancen nicht!
TV+Radio-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 5. März 2012 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de), im Deutschen Anleger Fernsehen (DAF, www.anleger-fernsehen.de) und im Börsenradio-Networks (www.brn-ag.de) über die Auswirken der Präsidentschaftswahlen auf die Moskauer Börse befragt werden. Sie können sich die Interviews jetzt unter www.eaststock.de, dort unter der Rubrik „Interviews“ runterladen.

Seminar-Hinweis: Das nächste Ostbörsen-Seminar „Go East!“(mit einem Russland-Special) wird am 22. Mai um 17.00 Uhr in Frankfurt/M im Hotel Monopol stattfinden. Info und Anmeldung unter www.eaststock.de oder direkt bei der ESI GmbH, Jüthornstr. 88. 22043 Hamburg, Tel: 040/6570883, e-mail: info@eaststock.de

Anzeige
 

Newsletter

Newsletter

Jetzt kostenlos anmelden und von Andreas' Männicke Wissen profitieren! weiter

Termine

Archiv

31.07.17 Automobilbranche in der Vertrauenskrise – wo bleibt die Moral der Manager?
23.07.17 Drohen jetzt neue Wirtschaftskriege oder sogar ein Börsen-Crash?
25.06.17 Neue Bankenpleiten in Südeuropa
28.05.17 G7 und Trump: Einer gegen alle, alle gegen einen!
08.05.17 Vive la France, aber nach der Wahl ist vor der Wahl

Weitere Artikel im Archiv

Hotline

Tel.: 0900 - 1-86 14 001
(€1,86/Min aus dem Netz der DT AG, Anrufe aus dem Mobilfunknetz können abweichen)