G20 mit falschen Signalen

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Samstag, 23. Oktober 2010 11:41:00

Die USA gaben beim mit Spannung erwarteten G 20 Gipfel in Südkorea sogleich den Ton an und gaben dabei – selbst mit dem Rücken zu Wand - einige gutgemeinte (?) Vorschläge zur Beseitigung der globalen Handels-Ungleichgewichte. Demnach sollten die exportstarken Länder mehr die Binnenwirtschaft fördern anstelle das Wachstum über den Export zu generieren. Dies ging vor allem an die Adresse von China, aber auch Deutschland und Japan als Exportweltmeister. Die Vorschläge von Geithner sind sicherlich auch als Vor-Wahlkampf-Propaganda zu verstehen, denn im November könnten diese Fragen hochkochen, um von internen Problemen abzulenken.

Der deutsche Wirtschaftsminister Brüderle, der den erkrankten Finanzminister Schäuble ersetzte, hielt gleich dagegen und bekräftigte, dass das starke Wachstum im Export auf die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte zurückzuführen sei. Über Steuern kann man sicherlich eine Lenkungsfunktion für volkswirtschaftlich, ökologisch und ethisch sinnvolle und weniger sinnvolle Produkte einführen. So sollte meines Erachtens der Export vom Umweltechnologie und Alternativer Energie weniger besteuert und der Export von Rüstungsgütern höher besteuert werden. Russland schröpft seine Rohstoffunternehmen durch hohe Exportabgaben bereits seit langem, hat dafür aber auch eine geringe Verschuldung.

Auch Deutschland muss sich nun Gedanken machen, wie die Verschuldung abgebaut und der defizitäre Haushalt wieder zum Ausgleich gebracht werden kann und hier wären höhere Steuern bzw. Abgaben auf bestimmte Güter (wie Rüstungsgüter und Pharmaprodukte) ein denkbarer Weg. Sicherlich wären auch alle Maßnahmen zu begrüßen, die die Binnenkonjunktur mehr fördern (wie Mittelstandsförderung). In erste Linie müssen aber die USA ihre Hausaufgaben erfüllen, damit die internationalen Kapitalmärkte nicht wieder kollabieren wie im Oktober 2008.

Die deutsche Exportkonjunktur boomt (noch) weiterhin. Der IFO-Geschäftsklima kletterte fünf Monate in Folge nach oben und erreichte ein neues Jahres-Goch. Parallel dazu stieg der DAX auf ein neues Jahreshoch von über 6600 Indexpunkten. Auch die Wall Street blieb im Hausselaune, wobei aufgrund der guten Quadratzahlen vor allem Technologieaktien gefragt waren.

Die USA suchen weiterhin den Schuldigen für die selbst herbeigeführte Misere im Ausland, was ich für einen Fehler halte. China hat immerhin als Antwort auf die Unterbewertung des Yuan mit einer Zinserhöhung um 0,25% reagiert, um den Renmimbi bzw. Yuan zu stärken, der im Übrigen auf einem neuen Jahreshoch zum Dollar notiert. Umgekehrt gibt es von den Chinesen und anderen Emerging Markets Bedenken, dass die USA sich durch einen schwachen Dollar Wettbewerbsvorteile im Export erheischen möchten. In Deutschland und auch in China sollen zudem durch moderate Lohnsteigerungen die Binnenkonjunktur angekurbelt werden.

Beim G20 Treffen wird in erster Linie über Währungsfragen kontrovers gesprochen. Dabei reagierte China schon sehr klug im Vorfeld mit einer überraschenden Zinserhöhung um 0,25% Basispunkte und einer Aufwertung des Yuan um 2%. Damit hat China den USA den Wind aus den Segeln genommen.

Beim möglichen Währungskrieg zwischen den USA und China wurde zwar noch nicht geschossen – siehe dazu auch ausführlich meine letzte Kolumne -, aber es gibt weiterhin denkwürdige Vorschläge der USA zur Lösung der strukturellen Ungleichgewichte zwischen Ländern und Kontinenten. Auf die Drohung der Amerikaner, China mit höheren Importzöllen zu bestrafen, könnte China mit der Nicht-Lieferung von Seltenen Erden reagieren, was zum Teil jetzt schon geschieht. Auch in Deutschland gibt es schon einen Lieferengpass von Seltenen Erden.

Die Aktienkurse von Seltene Erden-Produzenten gehen durch die Decke. Die Kurse von China Rare Earth (China), Arufa Resources (Australien) oder Lynas (Australien) verdreifachten sich seit dem Juni-Tief bereits. Auf diese Möglichkeit eines subtilen Handelskriegs zwischen China und den USA hatte ich schon mehrfach hingewiesen. Wenn Seltene Erde von China als Haupt-Produzenten nicht geleifert werden, könnte viele Teile der Hoch-Technologie, vor allem aber Automobil-Zulieferbetriebe und Windkraftanlagen ein Produktionstopp drohen. Aber auch für den Wachstumsmarkt Elektro-Auto sind Seltene Erden unentbehrlich. Dies gilt in Zukunft als „Produktionsausfall-Risiko“ zu beachten.

Ich hätte mir erhofft, das beim G20 Gipfel der brisanten Themen „koordinierte Maßnahmen“ bzw. konzertierte Aktionen der G20 im Falle der Deflation und koordinierte Maßnahmen im Falle der Inflation auf den Plan und die Fahne geschrieben hätten anstelle mit Schuldzuweisungen wie die USA zu kommen. Die USA wollen in jedem Fall eine Asset-Deflation vermeiden und versuchen dies durch die Liquiditätsspritzen der FED, dem sogenannten „quantitative easing“, also Anleihenkäufe und damit Gelddrucken, zu verhindern. Dies ist bisher auch gelungen, nur muss sich die USA fragen, wie die Risiken und Nebenwirkungen dieser ungewöhnlichen Maßnahmen in Zukunft aussehen und wie das Geld wieder abgeschöpfte werden. Die Nullzinspolitik führt gegenwärtig noch zu steigenden Kursen bei den Rohstoff- und Aktienmärkten. Was wird aber passieren, wenn die Zinsen wieder zu steigen beginnen?

Zunächst führte die Ankündigung der Geldlockerung durch die FED aber zu einer erfreulichen Herbstrallye an den Weltbörsen. Eine künstliche Hausse kann auch über einen schwachen US-Dollar und durch Geldmengenausweitung herbeigeführt werden, was ebenfalls zuletzt gelang. Der Euro, der schon für tot geglaubt wurde, stieg von 1,20 auf 1,40 EUR/USD. Der Dow Jones Industrial Index stieg auf 11.132, der S&P auf 1183 und der NASDAQ-Indes auf 2104 Indexpunkte, da die Berichtssaison besonders im Technologiesektor bisher sehr positiv ausfiel. Gold konnte sich am Freitag bei 1328 USD/Unze und Öl bei 81,8 USD/Barrel stabilisieren. Strak gestiegen sind auch die Preise von Agrarrohstoffen wie Weizen und Mais. Achten Sie auch fortan auf den Dollar. Bei unter 1,37 EUR/USD glaube ich an starke Korrekturen an den Aktien- und Rohstoffmärkten und bei über 1,41 EUR/USD an die Fortsetzung der Herbstrallye.

Das fragile internationale Finanzsystem wird in den nächsten beiden Jahren noch vor großen Herausforderungen stehen. Es sollten schon jetzt ein Frühwarnsystems und Anti-Krisen-Mechanismen erarbeitet werden. Was bisher vorgeschlagen wird, ist ein Anfang, reicht aber nicht aus, um die strukturellen Verschuldungs- und Refinanzierungsprobleme nachhaltig zu lösen. Auch kann der US-Hypotheken-Bankensektor noch in Schieflagen kommen, wenn sich der Immobiliensektor, vor allem bei gewerblichen Immobilen, nicht bald nachhaltig erholt, was bisher noch nicht erkennbar ist. Die Schließung eines weiteren deutschen Immobilienfonds spricht bereits Bände und zeigt, dass die Liquiditäts- und Finanzierungskrise in diesem Sektor keinesfalls überwunden ist.

Auf dem G20 sollte jetzt besprochen werden, dass in 2011/12 nicht protektionistische Maßnahmen Überhand nehmen, die das Investitionsklima schädigen. Ich befürchte aber, dass die jeweiligen Regierungen bei der Eintreibung von Steuern und Abgaben aus Finanznot immer kreativer werden und damit auch ausländische Investoren schädigen. So will die ungarische Regierung zur Verminderung des Defizits für ausländische Unternehmen aus dem Einzelhandel, der Telekommunikation und der Energiebranche eine Sondersteuer in Höhe von 6,5% des Umsatzes einführen, wobei die EU nun prüft, ob dies Rechtens ist. Auch dies ist in jedem Fall eine neue Form des Protektionismus, was wohl zunehmen wird. Auch die ungewöhnlich hohe Bankensteuer wurde vom IWF abgelehnt, wird aber wohl in Ungarn umgesetzt. Nun sind auch in Ungarn Kommunalwahlen, wobei auch in Ungarn ein populistischer Wahlkampf mit Steuermitteln geführt wird. Die ungarische Regierung scheint aber besonders „kreativ“ zu sein. Da ist die Rentenerhöhung in Frankreich von 60 auf 62 mit gewaltsamen Protesten auf der Straße noch nichts dagegen.

Trotz der Bankensteuer stieg aber der Kurs der OTP Bank von 16,5 auf 22 €, wobei ich die ungarische Sparkasse auch im EAST STOCK TRENDS als „Aktie des Monats“ im Juli zum Kauf empfohlen hatte. Auch der russische RTS-Index stieg auf ein neues Jahres-Hoch von 1608 Indexpunkten, was ein Kursplus von über 10% seit Jahresbeginn bedeutet. Ich hatte zudem den polnischen Silber- und Kupferproduzenten KGHM im vorletzten EAST STOCK TRENDS als „Aktie des Monats“ zum Kauf empfohlen, was sich auch schon ausgezahlt hat. Es gibt auch fortan Outperformancechancen an den Ostbörsen.

Bestellen Sie daher jetzt ein Probe-Abo für den monatlich erscheinenden Ostbörsenbrief EAST STOCK TRENDS (EST, siehe www.eaststock.de) und/oder melden Sie sich jetzt für das nächste Emerging Market-Seminar am 24. November 2010 um 16.00 in Frankfurt/M gleich nach dem Eigenkapitalforum an (Infos und Programm unter www.eaststock.de, dort unter Seminare). Sowohl im EST als auch beim Seminar wird auch immer auf das „big picture“ eingegangen, also auf die Hintergründe der gegenwärtigen Gold/Silberhausse und das Pro und Contra an den Weltbörsen, was immer auch Rückwirkungen auf die aufstrebenden Ostbörsen hat.

Die beiden Osteuropa-Muster-Baskets des EST konnten seit März 2009 in einem Jahr im konservativen Red-Chip-Portfolio eine Performance von 173% und im spekulativen Muster-Basket sogar von 279% erzielen. Aktien wie die Holding AFK Sistema konnten sogar um über 600% und das Softwareunternehmen IBS Group um über 1000% zulegen und haben noch Potential. Ausgehend von den Tiefstkursen bestehen realistische 1000%-Chancen. Es gibt eine ganze Reihe von Werten in Russland mit neuen historischen Höchstkursen wie zum Bespiel die Konsumaktien X 5 Retail Group und Magnit. Auch russische Gold/Silberaktien wie Polimetall haben noch Potential.

Welche Aktien aus Osteuropa jetzt im Trading-Bereich ge- oder verkauft werden sollten, können Sie auf der täglich aktualisierten Ostbörsen-Hotline 09001-8614001 (1,86 €/Min) entnehmen. Das nächste Emerging Market-Seminar wird am 24. November 2010 um 16.00 Uhr gleich nach dem Eigenkapital Forum in Frankfurt/M stattfinden (siehe www.eaststock.de). Dort wird sich auch der neue Russlandfonds von Danske Capital vorstellen. Wenn Sie Interesse an Ostbörsen- oder Emerging Market-Seminaren in anderen Städten haben, dann melden Sie sich bitte bei der ESI GmbH (info@eaststock.de; Tel: 040/6570883).

Interview-Hinweise: Andreas Männicke wurde am 6. September 2010 in NTV/Telebörse (www.teleboerse.de) über die Investmentchancen im Baltikum befragt. Die Börse OMX Tallin zählt mit einem Plus von 53% seit Jahresbeginn zu den Top-Performern der Weltbörsen. Sie können sich das Interview jetzt unter www.eaststock.de runterladen ebenso wie das letzte Interview von Andreas Männicke in der FAZ vom 26. August 2010 über Osteuropa.

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